Einzelbild herunterladen
 

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

AMihes Organ für Stobt« Mb Landkreis Hana«.

zeiger

Einrückungsgebühr:

Für Dradt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

SiT. 80 Fernsßrechanschluß Nr. 605»

Montaq den 7. April

Fernsprechanschlnß Nr. «0L.

1902

Amtliches.

Stadtkreis ßanau.

Wegen Umbau bezm. Neubau ist die Uferstraße zwischen Wilhelmstraße und Straße Nr. 8 von Montag den 7. d. Mts. ab auf die Dauer von 6 Wochen für den durch­gehenden Fuhrverkehr gesperrt.

Hanau den 4. April 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8939 I. A.: Valentin er, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 neue schwarze Schürze. 1 Brille. 1 Brillenfutteral.

Verloren: 1 Schirmzeichen Nr. 70 von Heinzinger. 1 Portemonnaie mit ca. 60—70 M. Inhalt und einem goldenen Ohrring.

Entlaufen: 1 gelber schottischer Schäferhund mit weißer Halskrause, w. Geschl.

Hanau den 7. April 1902.

General-Feldmarschall Graf Waldersee.

Zu seinem 70. Geburtstage.

8. April.

An diesem Dienstage begeht der General-Feldmarschall Graf Waldersee, der General-Inspekteur der 3. Armee-Inspektion, seinen 70. Geburtstag und damit eine Feier, an der das ganze deutsche Volk innig theilnimmt. Graf Waldersee kann auf Verdienste militärischer und diplomatischer Hrt zurückhlicken, die ihm in der Geschichte des Deutschen Reiches einen hervor­ragenden Platz sichern werden. Seine Verdienste reichen zurück bis zum deutsch-französischen Kriege.

Bei dessen Beginn bildete sein ausgezeichneter Bericht, den er, seit sechs Monaten als Militär-Attach« in Paris, in bester Sachkenntniß über Organisation, Zustand und Fechtweise der französischen Armee im Juli 1870 dein Könige vorlegte, eine werthvolle Grundlage für die Beurtheilung unserer damaligen Gegner. Von großer Bedeutung wurde während des Krieges selbst die Mission, welche den Oberstleutnant und Flügel­adjutanten Grafen Waldersee Ende November im Auftrage seines Königlichen Herrn in das Hauptquartier der II. Armee führte. Es' galt, diesem die Weisungen und Auffassungen des Großen Hauptquartiers, besonders des Grafen Moltke, zu übermitteln und dadurch die ersprießliche Durchführung der Operationen gegen die Loire-Armee zu sichern. Der jugend­liche Oberstleutnant — Graf Waldersee zählte^ damals 38 Jahre — erfüllte seinen Auftrag nicht allein meisterhaft,. son­dern wußte sich auch das persönliche Vertrauen des Prinzen Friedrich Karl, des Führers der II. Armee, zu erwerben. Er nahm in jener Zeit an den Schlachten von Beaunela-Nolande, Loigny, Or'.vans und Beaugency-Cravant theil. Als er Ende Dezember ins Große Hauptquartier zurückkehrte, überreichte ihm König Wilhelm persönlich das Eiserne Kreuz erster Klasse.

Einen Beweis außergewöhnlichen Vertrauens seines König­lichen Herrn empfing Graf Waldersee nach dem Friedens­schluß. Er wurde auf Wunsch des Fürsten Bismarck damit betraut, als Kaiserlicher Geschäftsträger bei der republikanischen Regierung b:e Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich anzubahnen — gewiß eine äußerst schwierige Aufgabe, die großen Takt er­forderte. Graf Waldersee löste sie zur vollen Zufriedenhelt des Kaisers und des Fürsten Bismarck.

Wir finden ihn dann als Regiments-Kommandeur an der Spitze der 13. Ulanen (jetzigen Königs-Ulanen), in welcher Stellung er es, und in noch erweitertem Maße in der eines Chefs des Stabes beim 10. Armee-Korps, verstand, versöhnend in einer annektirten Provinz zu wirken. Sein Name hat m der Stadt und in der Provinz Hannover einen guten Klang, und es war eine dort allenthalben beifällig aufgenommene Wahl, als General-Oberst Graf Waldersee am 28. April 1898 als General-Inspekteur nach Hannover übersiedelte. Zwischen dem ersten und dem jetzigen Aufenthalt in Hannover liegt die Zeit, welche den Grafen Waldersee in führenden Stellungen der Oeffentlichkeit nahe brächte, zuerst als Oberqaurtiermelster, dann als Nachfolger Moltkes, als Chef des Generalstabes der Armee, und als kommandirender General des 9. Armee-

X 27. April 1900 konnte der unermüdliche General- Inspekteur in voller geistiger und körperlicher Frilche und Rüstigkeit sein 50jähriges Dienstjubilanm feiern. Mit den Brillanten zum Schwarzen Adlerorden erhie t der Jubilar ein Überaus gnädige Kabinetsordre. Wahrend sonst einer solchen Feier in der Regel wohlverdiente Ruhe folgt, so war dem n^ zwischen zum General-Feldmarschall beförderten Heerführer noch

eine unverhoffte, großartige, kriegerische Sendung vorbehalten, die von hoher Bedeutung für des Deutschen Reiches Weltstellung werden sollte.

_ Als durch die unerhörten Frevel der chinesischen Boxer unsere nationale Ehre schwer verletzt und eine militärische Expedition nach dem fernen Osten nöthig geworden war, da wurde Graf Waldersee mit dem Oberbefehl über sämmtliche Truppen der daran betheiligten Mächte in Petschili beauftragt. In China galt es, eine der bedeutendsten Aufgaben zu lösen, die je an einen Oberbefehlshaber herangetreten sind. Nur durch die ungewöhnliche diplomatische Begabung und die Sicher­heit im Verkehr, die dem Feldmarschall eigen sind, konnten die Schwierigkeiten, die mit seiner Würde verbunden waren, über- wältigt werden. Seinen hervorragenden Eigenschaften ist es hauptsächlich zu verdanken, daß Zerwürfnisse und Reibereien unter den verbündeten Mächten verhältnißmäßig schnell ausge­glichen wurden, sodaß die diplomatischen Verhandlungen keine Unterbrechung erfahren haben. Der Feldmarschall hat im fernen Osten den deutschen Namen hoch zu Ehren gebracht, und die Erfolge seiner Thätigkeit werden sich früher oder später auf den verschiedensten Gebieten einstellen. Seine Ver­dienste wurden nicht nur von unserm Kaiser anerkannt. Auch die Kaiser von Rußland, Oesterreich und Japan, die Könige von England, Italien, Sachsen und Württemberg und der Prinz-Regent von Bayern ehrten den Feldmarschall durch hohe Ordens-Auszeichnungen.

Die Armee und die Nation erblicken mit Recht im Grafen Waldersee eine erprobte Kraft ersten Ranges. Die Wünsche der Patrioten gehen deshalb an dem heutigen Tage dahin, daß der Jubilar, der sich im Kriege und im Frieden so her­vorragende Verdienste erworben hat, dem deutschen Volke noch lange erhalten bleiben möge in derselben geistigen und körper­lichen Frische, die ihn jetzt auszeichnet.

Hus Stadt und £and.

Hanau den 7. April.

* Rechtsstudium. Im Verfolg der Bekanntmachung vom 1. Februar d. J., betreffend die Zulassung zum Rechtsstudium, hat der Kultusminister im Einverständniß mit dem Jusiizminister an die Kuratoren der Universitäten bezw. an den Rektor und den Senat der Königlichen Friedrich Wilhelm-Universität hierselbst folgende Verfügung erlassen: „1. Bei denjenigen Preußen, welche sich der Rechtswissenschaft an einer preußischen Universität widmen wollen, genügt als Nach­weis der wissenschaftlichen Vorbildung für das akademische Studium außer dem Zeugniß der Reife eines deutschen humanistischen Gymnasiums auch das Reifezeugniß eines deutschen Realgymnasiums oder einer preußischen Oberreal­schule. 2. Studirende, welche demgemäß auf Grund des Zeugnisses der Reise einer realistischen Lehranstalt ausgenommen werden, sind bei der Einschreibung in der juristischen Fakultät im Hinblick auf die Bestimmungen zu 3 unb 4 der eingangs erwähnten Bekanntmachung ausdrücklich darauf hinzuweisen, a) daß es ihnen bei eigener Verantwortung überlassen bleibe, sich die für ein gründliches Verständniß der Quellen des römischen Rechts erforderlichen sprachlichen unb sachlichen Vor- kenntniffe anderweit anzueignen; b) daß in Aussicht genommen ist, bei der Einrichtung des juristischen Studiums Vorkehrungen zu treffen, wonach sie sich über die zu a) gedachten Borkennt- Nisse auszuweisen haben. 3. Die gleiche Eröffnung ist auch denjenigen Studirenden der Rechte zu, machen, welche zwar das Zeugniß der Reise eines Gymnasiums besitzen, in demselben "aber für das Lateinische nicht wenigstens das Präsikat „genügend" auszuweisen haben. 4. Die vorstehenden Bestimmungen treten mit dem Beginn des nächsten Sommer- semesters in Kraft."

* Ueber die Benutzung der Bahnsteigkarten hat der Cuwnbahnminister bestimmt, daß ihre Giltigkeit allge­mein auf den Kalendertag beschränkt ist, an dem die Karten benutzt und durch den Bahnsteigschaffner eutwerthet wurden. Die zwischen 11 und 12 Uhr nachts zum Betreten des Bahn­steigs entwer.theten Bahnsteigkarten gelten zum Verlassen des Bahnsteigs an dem folgenden Tage, werden aber nach zwei­maliger Durchlochung besonders gekennzeichnet. In nächster Zeit sollen neue Bahnsteigkarten ausgeaeben werden.

* Se. Kgl. Hoheit der Landgraf von Heften hat sich, auf einer Reise begriffen, kürzlich einige Zeit in Cetinje aufgehalten. Von dort begab er sich nach Konstan­tinopel ; der Reiseplan sieht ferner einen Besuch Rußlands vor. — Eine Frankfurter Lokal-Korrespondenz bemerkt zu dieser Reise: „Durch die Blätter ging eine Mittheilung, wonach Land­graf Alexander von Hessen am Hofe zu Cetinje weile, um sich mit einer montenegrinischen Prinzessin zu verloben. Nach Erkundigungen, die wir auf Schloß PhilippSruhe eingezogen haben, ist daran kein wahres Wort. Landgraf Alexander

wurde lediglich durch schlechtes Weiter einige Tage in Gelinst festgehalten und ist bereits nach Livadia abgereist, von wo er sich nach St. PeterSburg begibt."

* Verleihung des goldenen Portepees an die preußischen Förster. Der Kaiser hat genehmigt, daß die Königlichen Förster zur Uniform ein goldenes Portepee mit grüner Seide und dünnen Cantillen nach dem Muster des den Förstern bisher verliehenen goldenen Ehrenportepees am Hirsch­fänger tragen dürfen.

* Musterung. Dienstag den 8. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Langenselbold, Marköbel, Mittelbuchen, Neuwiedermuß und Niederdorfelden.

* Verstorben. Am 5. d. M., abends 11 Uhr, ver­schied in Wiesbaden, wo er zur Kur weilte, Herr Oberleut­nant Gützloe vom biesigen Infanterie-Regiment.

* Landwirthschaftskammer. Wegen Erhöhung der Entschädigung für Manöver-Quartierleistungen richtete die Land­wirthschaftskammer eine Eingabe an die. Minister für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten. Auf diese Eingabe erfolgte nachstehende Antwort des Herrn Ministers: „Auf die Eingabe vom 19. Dezember v. J., betreffend Abhilfe der bei den Ma­növern hervortretenden Unzuträglichkeilen auf dem Lande, er- widere ich, daß es in der Natur der Verhältnisse liegt, wenn die Landgemeinden einschließlich der kleinen Städte durch Ein­quartierung mehr in Anspruch genommen werden, als die größeren Städte. Daß der Werth der Quartierleistung auf dem Lande aber der gleiche sein soll, wie in den größten Städten, erscheint nicht zutreffend. Den Antrag auf Gewährung der Servises der Klasse A für alle aus Anlaß der Truppen­übungen eintretenden Quartierleistungen kann das Kriegs­ministerium daher nicht befürworten und zwar umsoweniger, als die zu zahlenden Vergütungen erst durch Gesetz vom 26. Juli 1897 wesentlich erhöht worden sind."

* Straßensperre. Wegen Umbau bezw. Neubau ist die Uferstraße zwischen Wilhelmstraße und Straße Nr. 8 von heute ab auf die Dauer von 6 Wochen für den durchgehenden Fährverkehr gesperrt.

* Die „deutsche Bühnen Genoftenschafts-Ztg." in Berlin schreibt über die hiesige Tbeaterdirektion: „Die in Schauspielerkreisen nicht sehr beliebten Nachmittags-Vorstellungen wurden durch das liebenswürdige Entgegenkommen unserer Direktion, Herren I a ri tz u. O p p m ar, dadurch angenehmer gemacht, daß jedes Mitglied, welches in der darauffolgenden Abend-Vorstellung beschäftigt war, an einem Gewinnantheil von 10 vGL der Brutto-Einnahme der sämmtlichen Nach- mittags-Vorstellungen der Spielzeit partizipiren konnte. Im Laufe des Winters für Viele ein nettes Sümmchen, und wird das Vorgehen unserer Direktoren bestens zur Nachahmung empfohlen."

* Die Märzhasen, jener erste Satz, von welchem in Bezug auf Errragfähigkeit der ganzen Hasenjagd viel abhängt, sind bis jetzt recht gut durchgekommen. Der diesjährige milde Winter ist ben Hasen günstig gewesen, sodaß Heuer die Aus­sichten für die nächste Hasenjagd recht gute sind.

* Selbstmord. Unter sonderbaren Umständen erschoß sich am Samstag Abend in der Dechaneistraße der noch nicht 18 Jahre alte Goldarbeiter Henß von hier. Derselbe unter­hielt mit einem Mädchen ein „Verhältniß", welches dasselbe jedoch löste. Der junge Mann unternahm Wiederannäherungs­versuche und versuchte für Samstag Abend eine Zusammen­kunft herbeizuführen, jedoch mit negativem Erfolge. Er traf zu der bezeichneten Zeit die Mutier des Mädchens, welche Bier in einer Wirthschaft holen wollte, am Steigerplatz und fragte diese, ob die „Liese" nicht herunter komme. Die Mutter ver­neinte .dies und gab Uach einer Weile nochmals die Nachricht aus dem Fenster: „Die Liese kommt nicht runter". — „Dann verliert die Mutter ihre Tochter und mein Vater seinen Sohn", rief der stürmische Liebhaber, ging heim und schoß sich auf dem Korridor des Hauses, in dem seine Angehörigen wohnen, mit­tels eines vorher beschafften Revolvers eine Kugel in die rechte Schläfegegend. Die Letzteren fanden ihn nur noch als Leiche. Der Streich des jungen Menschen ist um so tragischer, als sein Vater erst am Samstag nach längerer Krankheit aus dem Schwesternhause entlasten wurde. Er selbst hatte erst vor acht Tagen seine Lehre beendet.

* In der großen Fahrraddiebstahl Affaire der Adler-Fahrrad-Werke ist jetzt gegen die drei Beschuldigten H.- Offenbach, K.-Hanau und O.-Frankfurt die umfangreiche Untersuchung geschloffen und Anklage erhoben. Die Haupt­verhandlung findet am 21. b. M. vor der Königl. Straf­kammer in Frankfurt a. M. statt.

* Monaisoper Hanau. Dienstag den 8. April: Dellingers „Don Eesar" mit Herrn Below in der Titelparthi- und Herr Hunold als ergötzlichen Archivar „Onofrio." Von den Damen sind in erster Parthie beschäftigt Fräulein Brange und Reitinger. Mittwoch, auf vielseitiges Verlangen, der