Erstes Blatt
Hanauer U Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Derantwortl. Redakteur: G. Schreck er in Hanau.
Nr. 75
FernsprechansKluß Nr. 605
Dienstag den 1. April
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau. Ausschreiben.
Am Sonntag den 16. d. Mts. wurde am diesseitigen Mainufer die Leiche eitles unbekannten Mannes im Alter von ca. 40—45 Jahren gelandet. Der Verlebte war ca. 1,68 bis 1,70 Meter groß, bekleidet mit bläulicher Kammgarnhose, bräunlicher Weste, bräunlichem Jaquett, braunen Strümpfen, gestreiftem, baumwollenem Hemd und Schnür- schuhen. Die Kleidung war defekt.
In den Taschen befand sich ein fast noch neues schwarz- ledernes Portemonnaie mit 58 Pfg. Inhalt, ein Nagelscheerchen mit Schildkrötenschale, ein Uhrschlüssel, eine silberne Cylinder- uhr Nr. H. 81311, eine Brille mit Futteral, ein Cigarren- etuis (leer) mit Kinderfigur darauf.
Der Verlebte hatte blonden Schnurrbart. Die Identität der Leiche konnte bisher nicht festgestellt werden.
Um Anstellung geeigneter Recherchen zwecks Feststellung der Persönlichkeit des Verstorbenen wird ersucht.
Griesheim den 19. März 1902.
Die Polizeiverwaltung.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 27. März 1902.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 3009 I. A.: Schneider, Kreissekretär.
Stadtkreis hanau.
Wegen Reupflasterung dee Schnurstratze zwischen Nürnberger- und Kirchstraße wird diese Straßenstrecke vom 3. d. Mts. ab auf die Dauer von 4 Wochen für den Fuhrverkehr gesperrt.
Hanau den 1. April 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P 2900 v. Schenck.
Landkreis hanau.
Bekanntmachungen des König!. Landrathsamtes.
In diesem Jahre können wiederum auf Kreiskosten 15 Kinder hilfsbedürftiger Eltern aus dem Landkreise Hanau zu einer 4 wöchentlichen Badekur in der Kinderheilanstalt Orb zugelassen werden. ~
Etwaige Anträge, zu denen die vorgeschriebenen Formulare hier erhältlich, sind bis spätestens den 15. April d. Js. durch Vermittelung der Herren Bürgermeister, welche zuvor die Hilfsbedürftigkeit zu bescheinigen haben, bei mir anzubringen.
Bei der beschränkten Zahl der zur Verfügung stehenden Stellen können nur besonders hilfsbedürftige Kinder Berücksichtigung finden.
Die Herren Bürgermeister wollen für geeignete Verbreitung dieser Bekanntmachung Sorge tragen.
Hanau den 27. März 1902.
Der Königliche Landrath.
A 1573 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: Im Laden Marktplatz 4 ein Packet mit Wurst; Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 goldene Brosche, in der Mitte mit einer Perle besetzt, in einem weißen Karton mit der Aufschrift Paris. 1 Packet, enthaltend einen schwarzen Herrenüberzieher. Alls dem Wege Grimmstraße über Sandeldamm nach der Uferstraße 1 silberne Damenuhr mit silberner Kette und mit zwei indischen Münzen; gegen Belohnung abzugeben.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl. 1 schwarzer Hofhund mit weißer Brust.
Hanau den 1. April 1902.
Hus Stadt und Cand.
Hanau den 1. April.
* Ostereautate. In dem liturgischen Theil des Fest- gottesdienstes der Johanniskirche am 1. Osterfeiertag brächte der Kirchenchor (Dirigent HerrW. Breid enb ach) eine „Ostercantate" von Franziskus Nagler für gemischten Chor, Tenor-, Sopransolo und Orgel äußerst wirkungsvoll zu Gehör der Kirchenbesucher, die den Raum der Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt hatten. Dieses inhaltsreiche Werk ist wohl geeignet, unsere Kirchenchöre darauf aufmerksam zu machen. Es beginnt mit einem tiefernsten Trauerchor „Es ist vollbracht, er ist geschieden", worin sich die Klage über den Kreuzestod des Erlösers stimmungsvoll ausprägt. Darauf folgt ein Tenorsolo, Recitativ des Evangelisten, der die Ereignisse nach dem Tode Jesu erzählt. Sehr wirkungsvoll und verklärt ist der Sopransolo : Gesang des Engels, der die Auferstehung des Herrn verkündet. Zu mächtiger Steigerung erhebt sich der Schlußchor (Jubiloso) „Der Herr ist auferstanden"! Er sichert dem Werke besten Eindruck und schöne nachhaltige Wirkung. — Den Tenorsolo sang das Mitglied der Vereins, Herr Wilhelm Nikolaus. Er verhalf derTenorparthie mit seiner schönen Stimme zu bester Wirkung. In Frl. Amalie Zehner fand die Sopranparthie die würdigste Vertretung. Mit ihrem klangreichen Organ wußte sie den Gesang des, Engels erhebend und weihevoll zu gestalten. Auch die Leistungen des
Chores, sowie die angepaßte Orgelbegleitung seitens des Organisten Herrn Alt sind lobend hervorzuheben.
* Nach Rudolf Falbs Witterungskalender ist im Monat April die Temperatur im Allgemeinen tiefer als im Vormonat, namentlich in der ersten uud dritten Woche. Die Schneefälle find unbedeutend, dafür tritt stellenweise Gewitterneigung ein, namentlich um die Zeit der kritischen Termine (8. und 22. April). Die Regen sind häufiger in der ersten als in der zweiten Woche. Danach scheinen die üblichen Aprilschauer auch in diesem Jahre nicht auszubleiben. Die Tagesprognose setzt Falb folgendermaßen fest: Vom 1. bis 11. April ist es im Allgemeinen ziemlich trocken, doch treten vereinzelt ergiebige Niederschläge ein, Schneefälle sind selten; die Temperatur geht zurück. Der mit einer Sonnenfinsterniß verbundene kritische Termin (1. Ordnung) kommt mit einer Verspätung von mehreren Tagen zur Geltung. — Vom 12. bis 15. April treten ausgebreitete und ergiebige Regen ein, als Nachwirkung des kritischen Termins vom 8., die Temperatur steigt. — Vom 16. bis 20. April wird es ziemlich trocken, theilweise herrscht Gewitterneigung. Der kritische, mit einer Mondfinsterniß verbundene Termin des 22. (2. Ordnung) kommt schwach zur Geltung. — Das trockene Wetter hält vom 13. bis 30. April an. Nur iu den letzten Tagen treten Regen ein mit Gewitterneigung. Die Temperatur ist im Steigen begriffen. — Am 8. April ist eine Sonnenfinsterniß, am 22. April eine Mond- sinsterniß.
* Riuderfinne. Der deutsche Fleischer-Verband hatte s. Zt. eine Eingabe an die Regierung gerichtet, worin er um Ergänzung der Hauptmängelliste des Viehes durch die Rinderfinne bat. (Die Rinderftnne galt bisher nicht als Hauptmangel bei der Vieh-Gewährschaft). Die Eingabe hatte keinen Erfolg und wurde danach als Jmmediat-Eingabe direkt an Se. Mas. den Kaiser gerichtet. Darauf ist jetzt folgende Antwort bei dem Vorsitzenden des Deutschen Fleischer-Verbandes eingelaufen: „Reichs-Justizamt. Berlin den 20. März 1802. Auf die an Se. Maj. den Kaiser und König gerichtete, zur Bescheidung hierher gelangte Eingabe vom 20. Februar d. I., betr. Abänderung der Verordnung vom 27. März 1899 über die Hauptmängel und Gewährschaften beim Viehhandel, theile ich dem Vorsitzenden des Deutschen Fleischer-Verbandes er- gebenst mit, daß die in der Eingabe berührten Punkte bei den Beobachtungen, welche sich auf die praktische Anwendung der Verordnung beziehen, Berücksichtigung finden werden."
* Jubiläum. Herr Heinrich S ch ä f f e r kann a” heutigen Tage auf eine 25jährige Amtsthätigkeit als Bureau' Vorsteher bei Herrn Rechtsanwalt Eberhard zurückblicken. Möge es dem beliebten Beamten auch vergönnt sein, das 50- jährige Jubiläum in körperlicher und geistiger Frische zu begehen.
Feuilleton.
Stadttheater in Hanau.
— Hanau, 1. April.
Nur kurze Zeit hat unser Musentempel seine Pforten geschlossen, denn bereits am 1, Osterfeiertag eröffnete der Direktor des Kgl. Theaters Bad Kislingen, Herr Otto Reimann, ein bis zum 27. d. Mts. berechnetes Gastspiel, das uns nach der Voranzeige vornehmlich die Aufführung von Operetten bringen wird. Herr Direktor Otto ■ Reimann hatte sich un vorigen Jahre hier gut eingeführt, sodaß es nicht Wunder zu nehmen brauchte, daß die erste Vorsteckung sofort vor nahezu ausverkauftem Haufe vor sich gehen konnte. Zur Ausführung gelangte die Zeller'sche Operette „Der Obersteiger". Das Publikum erfreute sich an den einschmeichelnden, liebenswürdigen Melodien und dem Witz dieser Operette, der es zuwege bringt, selbst eine immerhin peinliche Frage lustig zu behandeln. Volkswirthschastliche Denker mögen sich über die Forderungen, wie sie der Obersteiger im ersten Akte vertritt, ihre Köpfe zerbrechen, ei» flottes Couplet wirft sämmtliche Theorien über den Hausen; erfahrene Statistiker mögen noch so komplizirle Tabellen aufstellen, em lustiger Walzerrefrain sprengt die imposantesten Zissernkolonnen in die Luft. So kann sich der Obersteiger sogar etwas darauf einbüdcu, den Schlustel für die Lösung einer der brennendsten Fragen gefunden zu haben, und wäre es auch nur der Violinschlüssel. Vor Allem interessirte wohl das Personal. Herr Theo Raven-Schwab, der als Obersteiger auftrat, wußte mit seinem flotten Wesen sowohl den Agitaior, der seine Genossen aufimegelt, wie den Schwerenöther, der alle Mädchenherzen bethort und so rührende Lieder singt, auf das Wirkungsvollste zu verkörpern. Sowohl in darstellerischer wie in gesanglicher Hinsichtbefriedigte er injeder Weise. Sein menor- kollege Herr Arlhur B el ow als Fürst Roderich gefiel nicht minder M dem Rergw erksdirektor Zwack stellte sich ein alter Bekannter vom vorigen Jahre Herr Otto Hunold vor, der mit seinem trockenen Humor eine Glanzleistung bot. Von dem Damenpersonal interessirte die Soubrette Frl. Rom Reitinger, die b;e Spitzenklöpplerin Nelly mit Anmuth verkörperte, ]o- dann Frl Elfe B ränge als „ComtesseFichtenau". Letztere verfügt über ein vorzügliches Organ, debutirte in Spiel und Gesang recht gut und hatte sich mit ihrem Partner desOefteren lebhaftesten Beifalls zu eisreuen. Das Fach der „omischcn Alten" vertrat Frau Marie Austerlitz gleichfalls mit Geschick. Alles in Allem genommen, konnte man Ichon am ersten Abend den besten Eindruck mit nach Hause nehmen,
Die zweite Aufführung brächte gestern Johann Strauß'unverwüstliche dreiaktige Operette „Der Zigeunerbaron" in lebendiger und zündender Wiedergabe. Der muntere Schalk Humor schwingt auch hier die Pritsche, wenn er auch ab und zu versucht ein ernsteres Gesicht zu machen. Der aufgewendeten Buntfarbigkeit und Vielseitigkeit der Melodien, die bald in leichter, tändelnder Weise das Ohr gefangen nehmen, bald auch von größerer Empfindung getragen, ihren Weg zum Herzen finden, steht das Bild der Handlung nicht nach. Das nach einer Erzählung von Jockais verfaßte Libretto ist reich mit dem Zauber der Romantik ausgestattet. Die wilden Söhne der Pußta, sind für die Bühne dankbare Gestalten, sie geben in ihren malerischen Trachten Gelegenheit zu prächtigen sonnigen Bildern, und dieses gestern in wirkungsvoller Weise ausgenutzt zu haben, ist das Verdienst einer knust- freudigen Regie. Die reich belebte Handlung des Stückes, welche uns in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurückversetzt, fesselt von Anfang bis zu Ende, ein Vortheil, der nicht allen Produkten dieses leichten Genres nachgerühmt werden kann. Der bestrickende Klang Strauß'scher Weisen verbindet sich mit der gefälligen Form, die ihm der Dichter geschaffen, zu einem harmonischen Ganzen. Regie und Darstellung waren mit künstlerischem Feingefühl- auf den gefälligen Grundton des Stückes eingegangen und boten durchweg hochbefricdlgendc Leistungen. Frl. Elsa Bränge, die schon Sonntag als Komtesse Fichtenau sich durch lebhaftes Spiel und ausdrucksvollen Gesangsvor- trag alle Sympathien gewonnen hatte, befestigte den Vortheilhaften Eindruck gestern durch ihre prächtige Wiedergabe der Saffi. Mit ihren schönen vollen Stimmmitteln verband sie ein leidenschaftlich bewegtes, temperamentvolles Spiel von eindringlicher Wirkung. Herr Arthur Below entledigte sich seiner dankbaren Aufgabe, den Sandor Barin- quay wiederzugeben, in der besten Weise. Wir lernten in ihm einen Sänger mit gutem ausgiebigem Organ und mit gewinnenden Manieren kennen. Herr Hunold, unser guter Bekannter aus vergangener Saison, nutzte den in seiner Parthie geborgenen Humor in der kräftigsten Weise aus und ergänzte ihn mit eigenen Einfällen, wenn man auch über den Werth der letzteren mit dem Sänger nicht einer Meinung zu sein braucht. Weiterhin waren noch erfolgreich Frl. Reitinger als Arsena, Herr Raben-Sch w ab als Graf Peter, Frl. Auster- litz als Ezipra und Herr Mayer als Conte Earnero thätig. Das Zusammenwirken aller Faktoren zeitigte gestern schon ein außerordentlich flottes Ensemble, so daß man den weiteren Darbietungen unserer Gäste mit Interesse entgegen sehen kann, umsomehr, als in Herrn Kapellmeister Bry ck ein anscheinend recht energischer, temperamentvoller Leiter am Dirigentenpulte seines Amtes toastet und auch das musikalische Ergebniß der beiden ersten Abeikde ein durchaus befriedigendes genannt 31t werden verdient.
Zwaa Mack 66 Fennig mittete ernste Mahnung an alle orndliche Hanauer, an Staanem ze denke!
Jetz Hern Se mol, verehrter Herr, Deß wuunert mich doch gor so sehr, Daß in kaam aane Glockegedicht Nur aa Wort sticht aus der Weltgeschicht', Daß kaaner von der Berjerschoor Gedacht hat an dis grausisch Jahr, Wo unser lieb, gout Vatterstodt So ferchterlich gelitte Hot, Wo hie nor-so gehaust der Tod Dorch Elend,'Krankheit, HungerSnoth, Nun owedrei noch in die Stodt Der Lamboy geschosse hat Mit Feuerkugel, Bettelsäck' Ins Werthshaus, Term und Kerchedeck', Bis endlich Hilf von Cassel kom Unn Lamboy sich e Fäßi nahm — — Doch kaans vom Orschler odder Boder, Es wor schunn mehr an Hinnerloder! — Seit domols denkt an Lambewald Hie jeder gern, jung odder alt. Doch wer do glaabt, dort wersch basstrt, Der iß gewaldig errgefihrt!
Wo sich des merklich zugetroge, Deß will ich Euch jetz besser söge: Do drauße uff der Kisselkaut, Do worsch, do hatt' er sich gebaut Sein Pulverthorm, und sich zuletzt Gemiethlich owe druff gesetzt Unn mit emme Fischblut, em ganz kalte, E schwedisch Streichholz drogehalle! — — En Schlag, e Raachwolk, rings en Grisch — Unn Lamboy futsch — 's war ferchterlich l —