Erstes Blatt.
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ fit Stakt- und Landkreis Kam«.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 68 BezirksternfprechaMluß Nr. 98.
Freitag den 2L März
Bezirks-Fernstzrechanschluß Nr. 98. 1902
Mus Stadt und Cand.
Hanau den 21. März.
Lokal-historische Notizen. •
21. März 1642 verkaufte Philipp D aniel von Hütten (der vorletzte seines Zweiges) die Ritter Ramholz und Vollmerz an die von Landas, von denen sie an die Freiherrn, später Grafen von D e g e n f e I d kamen, aus deren Besitz dieselben im Jahre 1852 an den Fürsten von Asenburg-Büdingen übergegangen sind.
*
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Referendar S e t h e zum Gerichtsassessor, der Rechtskandidat Carl Wagner zum Referendar.
Verliehe»: dem Postdirektor Schlüter, der verwitiweten Frau Landrath v. Mar ca rd und dem Fräulein Anna Wall- stab zu Cassel, dem Hauptlehrer Otto Becker in Kirchhain, dem Damenschneider Johann Friedrich Häfner in Schmal- kalden, dem General der Kavallerie z. D. von Hesberg zu Betzigerode, dem Schuldirigenten Hauptmann der Landwehr a. D. Dr. phil. Carl Kü mmell in Roienburg a/F., dem Universität? kurator, Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Stein- metz in Marburg, dem Fabrikanten Joseph Hermann Wähler in Fulda die dritte Klasse der Rothen Kreuz-Medaille, dem Kirchendiener, Lehrer Bachmann zu Orferode der Kantortitel, dem Förster Lewerenz zu Möllenbeck und dem Holzhauer und Rottenmeister Franz Koch zu Helsa das Allgemeine Ehrenzeichen.
* Frühling (21. März). „So sei gegrüßt viel tausendmal, holder, holder Frühling!" so drängt es uns, jubelnden Herzens mit dem Dichter auszurufen. Sei willkommen, herzlich willkommen, du Spender der Wonne! Froh lächelt dir jedes Auge, die ganze Welt grüßt dich mit Freude, mit Gefühlen innerster Bewegung. Hart drückte der Winter die Natur mit eisiger Hgpd, doch Hoffnung erfüllt nunmehr die Brust. Dem Frühling gilt das Sehnen. In der Zeit des Trauerns, des beißen Verlangens naht er wie ein lächelnder Jünaling, mit seiner Kraft den zagenden Geist von Neuem belebend, erkaltete Herzen mit den Strahlen der Sonne durchwärmend, der schlafenden Natur bezaubernden Odem einhauchend. Im Frühling lächeln die Herzen wieder, denn die Natur erwacht. Wald und Wiese werfen ihre beengende Schutzdecke ab, froh, daß sie sich endlich wieder ausbreiten können, und hervor sprossen zu Tausenden zarte Blümchen.
Feuilleton.
Ueber Sammlungen der Schüler.
(Vortrag des Herrn D. Paulstich, gehalten bei der Zusammenkunft der Thierschutz-Vereine in Hanau am 19. d. M.)
Jeder Kenner der Kindernatur weiß, daß gewisse Naturgegenstände auf die Kindesseele einen großen Reiz ausüben und den Wunsch, dieselben zu besitzen, rege machen. Diese Liebe für gewisse Naturgegenstände ist dem Kinde angeboren und schon im vorschulpflichrigen Alter zu bemerken. Wenn die Bürgersteige mit frischem Kiessand bestreut worden sind, eilen alsbald die Kleinen herbei, um die bunten Quarzkörncken oder Schneckenhäuschen zu sammeln und damit zu spielen. Und wenn im Frühling, noch ehe die Veilchen ihre duftenden Blüthen öffnen, an Hecken und Dämmen die leeren Gehäuse der Schnirkelichnecken siegen, erscheinen ihnen diese als äußerst begehrenswerthe Objekte, und bald schmücken die gelben, rothen, weißen, braunen oder gestreiften Häuschen als Halsketten die kleinen Mädchen. Leuchten aber erst des Frühlings Blumenkinder ihnen entgegen, so werden Primeln und Veilchen, Vergißmeinnicht und Anemonen zu niedlichen Sträußen vereinigt. Aber diesen zarten, duftigen Gebilden ist plötzlich die Nah- rungszufuhr abgeschnitten. Todesmatt lassen sie ihre Köpfchen hängen. Was vor einer Stunde als lebensvolles Gebilde das Auge entzückte, ist mittlerweile zur Leiche geworden. An Blumenleichen hat aber das Kind keine Freude, und darum wirft es sein Sträußchen fort, um ein neues zu pflücken. Aber merkwürdig, wenn die Kinder größer werden, bleiben die Mädchen der Vorliebe für Blumen treu, während im Knaben ualb der angehende Thierbändiger und leider auch Thierquäler erwacht. Wohl gibt es auch einzelne Knaben, die sich auch später noch gern den Hut mit Laub und Blumen schmücken. Aber im Allgemeinen haben doch die Knaben mehr Vorliebe für Thiere. Abgesehen von den rohen Burschen, die jede Blindschleiche tödten, Eidechsen fangen und mitnehmen, Frösche aufblasen und Vogelnester zerstören, kann man sagen, daß es
Was bisher ermattet und scheinbar leblos darnieder lag, fängt an zu grünen und zu blühen — der Wald lebt I Zu dem allen lassen die Vögel ihre lieblichen Weisen erschallen, mit harmonischen Tönen die Natur noch ermunternd zu rastlosem Vorwärts und dem Menschen mit Stimmen der Freude und des Dankes zurufend, auch ibn zu neuem Leben und Streben erweckend. Welche Brust könnte auch noch trauern bei fröhlichen Klängen verjüngten Lebens, welcher Mund könnte noch stumm sein, wenn die Geschöpfe jubeln und danken? Wir stimmen ein in ihren Ruf: Willkommen, Frühling, willkommen !
* Ordensanlegung. Dem Obersten v. Normann, beauftragt mit der Führung der 42. Infanterie-Brigade, wurde die Erlaubniß zur Anlegung des ihm verliehenen nichtpreußi« schen Ordens, nämlich der Schwerter zum Kommenthmkreuz zweiter Klaffe des Kgl. würtiembergischen Friedrichs - Ordens, ertheilt.
* Das Allgemeine Ehrenzeichen wurde dem Briefträger a. D. Karl Kieber in Hanau verliehen.
St. Neue Schnellzüge. Die am 1. Mai ins Leben tretenden neuen Schnellzüge zwischen München-Frankfurt und in umgekehrter Richtung, erkalten Blitzzugs Geschwindigkeit und werden nur in Ansbach, Würzburg, A'chaffenburg, Hanau und Offenbach anbalten. Die ganze Strecke wird in 6 V* resp. 69/* Stunden zurückgelegt.
• Reifeprüfung. Nachdem am Kgl. Gymnasium dahier bereits am 19. Februar die Oberprimaner Joseph v. Eiff, Adolf S o p p und Franz W i l l m a n n die mündliche Reifeprüfung bestanden hatten, haben sich gestern noch weitere 9 Oberprimaner derselben unterzogen, nämlich Otto E n g e l a n d, Karl Henkel, Otto Küstner, Fritz Rumpf, Georg Schaub, Wilhelm Schneider, HeinrichSchöner, Eduard Wa llschmitt und Otto Zimmermann. Auch diese haben alle bestanden.
* Die öffentliche Schlutzfeier im Königl. Gymnasium findet morgen den 22. d. Mts., vormittags 9 Uhr, statt.
* Schulgeld am Königl. Gymnasium. Laut Verfügung des Königl. Provmzial - Schul kollegiums ist das Schulgeld am Königl. Gymnasium zu Hanau vom 1. April d. I. ab auf 130 Mk. jährlich (seither 120 Mk.) erhöht worden.
L. Für Handwerker. In den meisten Handwerksbetrieben erfolgen gewöhnlich um Ostern die Lehrlingsent- laffungen. Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß jeder Lehrling bei Strafe von 20 Mk. auf Grund der von der Handelskammer erlaffen-n Vorschriften zur Regelung
die Knaben mehr auf die buntfarbigen Käfer und Schmetterlinge abgesehen haben, und man findet daher an jedemOrt einige,die solche Thiere sammeln und aufspießen. Nun ist aber Jedermann bekannt, daß eine schmerzlose Tödtung der Käfer und Schmetterlinge ohne sachkundige Anleitung unmöglich ist und daher zu mannigfachen Thierquälereien führt. Deshalb haben Freunde des Thierschutzes des Oefteren angerathen, den Knaben das Einfängen und Tödten derartiger Thiere einfach zu verbieten und ihnen zum Anlegen von Pflanzemammlungen zu rathen. Ein Verbot geben ist nun freilich eine sehr einfache Handlung. Aber wer bürgt denn dafür, daß die Knaben bei ihren Streifzügen durch Flur und Wald sich stets des Verbots erinnern? Ich habe die feste Ueberzeugung, daß ein Knabe, der seine besondere Lust an Schmetterlingen hat, sofort sich an die Verfolgung eines buntfarbigen Falters macht, wenn er sich unbeobachtet weiß. — Was nun die Pflanzensammlung betrifft, so ist zu bedenken, daß das schönste Herbarium, genau genommen, doch nur ein Arm voll Heu ist. Uebrigens ist es sehr schwierig, eine Pflanze so zu pressen, daß alle ihre Tbeile, namentlich die Blüthentheile, ein deutliches Bild der ursprünglichen Beschaffenheit geben. Ein zweckmäßig angelegtes Herbarium ist auch gar nicht billig, denn jede Pflanze muß nach dem Pressen auf einen halben Bogen weißes Papier geklebt werden, und alle diese Bogen sind, nach einheitlichem Plane geordnet, in einem Pappkasten aufzubewahren. Viel Mühe und viel Arbeit ist mit der Anlage eines Herbariums verbunden und schließlich lohnt die ganze Sammlung das Auge nicht hinreichend, denn vor allen Dingen fehlt beim Herbarium ein Ueberblick über die ganze Sammlung. Die Folge davon ist, daß der Sammeleifer bald erlahmt. Eine Schmetterlings- oder Käfersammlung bietet dagegen den großen Vortheil, daß sie einen Gesammtüberblick gestattet und durch die Verschiedenheit der Formen und-Farben dem Auge einen großen Genuß bereitet.
Die Schule sollte daher den Knaben, die sich für das Sammeln von Käfern und Schmetterlingen begeistern, keine Schwierigkeiten bereiten, vielmehr ihren Sammeleifer in die rechten Bahnen lenken und gehörig überwachen, damit beim Einfängen und Tödten der Käfer und Schmetterlinge Thierquälerei
des Lehrlingswesens verpflichtet ist, die Gesellenprüfung abzulegen und zwar vor Entlassung aus der Lehre. Aber auch der Lehrherr Hai die Pflicht, den Lehrling dazu an- zuhalten und ihm Gelegenheit hierzu zu geben. Vielfach ist man der Meinung, die Ablegung der Gesellenprüfung sei in das Belieben des Lehrlings gestellt. Dies ist aber irrig, ganz abgesehen von den persönlichen Nachtheilen, die dem Lehrling aus der Versäumniß erwachsen. Auch gibt es leider Lehr» Meister, die nach dieser Richtung hin sehr gleichgiltig sind. Die 127 ff. der Gewerbeordnung dürften sie jedoch eines anderen belehren, zumal Zuwiderhandlungen bis zu 150 Mk. bestraft werden können. Es ist also zu empfehlen, daß die in Frage kommenden Lehrlinge bei den betreffenden Prüfungsvorsitzenden, die seinerzeit in allen Kreisblättern bekannt gegeben wurden, sich rechtzeitig um Zulassung zur Prüfung melden, bezw. daß die Lebrjunqen von ihren Lehrmeistern hierzu ange- halten werden. Gleichzeitig sei wiederholt daran erinnert, daß für alle zur Zeit noch in Lehre stehenden Lehrlinge — die zu Ostern 1902 ausl-rnenden ausgenommen — ein schriftlicher Lehrvertrag abgeschlossen und in 3 Exemplaren ausgefertigt werden muß. Davon erhalten je ein Exemplar der Lehrherr, der Vater des Lehrlings beziehungsweise dessen Stellvertreter und die Handwerkskammer, oder, sofern der Lehrherr einer Innung angehört, die Innung. Zuwiderhandlungen können ebenfalls bis zu 20 Mk. bestraft werden.
* Jahres - Durchschnittsmarktpreise. Der Herr Oberpläsident der Provinz Hessen-Nassau veröffentlicht die gemäß des Gesetzes vom 13. Juni 1873 über die Kriegsleistungen für die Lieferungsoerbände des Reg.-Bez. Cassel festgestellten Durchschnittsmarktpreise, welche für Vergütung von Landlieferungen vom 1. April 1902 bis Ende März 1903 maßgebend sind. Für dieLieferungsoerbände Stadt- und Land- kreis Hanau stellt sich der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen 8.12 Mk., Weizenmehl 10.21 Mk., Roggen 6.92 Mk., Roggenmehl 9.50 Mk., Hafer 7.24 Mk., Heu 3.50 Mk., Stroh 2.21 Mk.
* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat März 1902 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 9 Mk. — Pfg., für Heu 4 Mk. 73 Pfg., für Stroh 3 Mk. 60 Pfg. pro Zentner.
* Marktpreise. In: Monat Februar 1902 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 16.47, Roggen Mk. 13.88, Gerste Mk. 15.31, Hafer Mk. 16.66, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19.31, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 20.75, Linsen Mk. 32.63, Eßkartoffeln
vermieden wird. Jedenfalls müßte der Lehrer den Schülern zeigen, wie man Käfer tobtet, regelrecht auffteeft und später ordnet. Das Tödten der Käfer ist nicht schwierig und geschieht in reinem Spiritus, dem man etwa ein Drittel Schwefeläther zusttzen kann. Man nehme zu dem Zweck ein weithalsiges Glas mit gut schließendem Kork, das sich bequem in die Tasche stecken läßt, fülle dasselbe zur Hälfte mit reinem Spiritus und werfe den gefundenen Käfer hinein. Kleine Käfer sind fast momentan todt, mi'telqroße sterben nach einigen Sekunden. Große Käfer (Hirschkäfer, Kolben-Wasserkäfer und andere) werfe man in siedendes Waffer. Der Tod tritt augenblicklich ein. Der besseren Erhaltung wegen kann man sie dann noch einige Tage in Spiritus legen. Schmetterlinge-werden durch Schwefeläther schnell getödtet, die großen Schwärmer aber nur betäubt. Man muß sie daher noch mit einer glühenden Nadel durchbohren, da man Cyankali den Knaben nicht in die Hände geben darf.
Wie ich schon ^ndeutete, muß eine Sammlung derartiger Thiere fortwährend überwacht werden, wenn sie einen bleibenden Werth haben soll. Da nun die Lehrer meist mit Arbei. überhäuft sind, werden sie kaum die erforderliche Zeit finden, die Schüler öfter zu belehren. Es wäre daher von großem Vortheil, wenn man den Schülern ein Büchlein in die Hand geben könnte, das, etwa drei Druckbogen enthaltend und mit zahlreichen Abbildungen versehen, ihnen die nöthige Belehrung und Anleitung zum Sammeln von Käfern und Schmetterlingen gäbe.
II. Almulcments-Kmizcrt des Wcius'schen Gesaug-VercinS.
r. Hanau, 21. März.
DaS II. Abonnements-Konzert des WeinS'schen Gesangvereins, das gestern Abend im Saale der „Centralhalle" statt« fand, hatte sich eines großen Zuspruchs zu erfreuen, war doch kaum noch ein Platz im Konzertsaal zu haben.