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General-Anzeiger.

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Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

§<T, 67 Bezirks-Fernsprechanschlliß Nr. 98.

Donnerstag den 20. März

Bezirks-Fernssirechanschluß Nr. 98. 1902

Hus Stadt und Cand.

Bauart den 20. März.

* GefeNenprüfunstsausschüfse. Freitag den 21. März er., abends halb 9 Uhr, findet im hinteren Saale der Eenlralhalle, parterre, eine Versammlung der Gesellenprüfung?- Ausschüsse für den Stadt- und Landkreis statt. Es werden alle durch die Handwerkskammer bestimmten Ausschußmitglieder zu dieser Versammlung eingeladen. Auch sonstige Personen, welche sich für die Handwerkersache interessiren, sind als Gäste willkommen.

* Versetzt wurden zum 1. April b. J. die Schutzleute Becker und Stern von hier an die Kgl. Polizeidirektion zu Cassel.

* Zusammenkunft der Thierschutzvereine. Die zwecks Berathung gemeinschaftlicher Interessen zum Nutzen der Sache vor etwa zwei Jahren ins Leben gerufene zwang­lose Vereinigung der benachbarten Thierschutzvereine Aichaffen- burg, Frankfurt, Offenbach und Hanau hat im Laufe der Zeit bewiesen, daß sie thatsächlich einem Bedürfnisse entsprungen ist und durch die engere Fühlungnahme unter sich die einzelnen Vereine nur gewinnen können, was, wie schon oft, auch gestern Nachmittag und Abend bei der hier in Hanau abgehaltenen Frühjahrszusammenkunft der genannten Vereine bestätigt wer­den konnte. Der Vorstand des Hanauer Thierschutzvereins, dem das Arrangement der Zusammenkunft oblag, hatte Für­sorge getroffen, daß ein Programm zu Grunde lag, das in allen seinen Theilen anregend und nutzbringend genannt wer­den konnte. Erschienen warm von auswärts Vertreter der Thierschutzvereine aus Offenbach und Frankfurt a. M., namentlich der Offenbacher Verein hatte eine erkleckliche Anzahl seiner Vorstandsmitglieder delegirt. Der Aschaffenburger Ver­ein war am Erscheinen verhindert. Nach Eintreffen der aus­wärtigen Herren wurde am Sandeldamm vorerst der nach Angaben des hiesigen Vereins konstruirte Apparat zur Tödtung von Hunden durch Einathmen von Kohlensäure vorgeführt. Selbstredend begegnete dieser Theil des Programms besonders lebhaftem Interesse. Später fan­den dann die vorgesehenen Verhandlungen in einem Nebenzimmer des Ostbahnhofes statt. Herr Prof. Dr. Scheer, der Vorsitzende des hiesigen Thierschutzvereins, eröffnete die Verhandlungen mit herzlichen Begrüßungsworten, worauf in die Besprechung des vorher gesehenen bezw. vorgeführten Tödtungsapparates eingetreten wurde. Herr Prof. Volkmer vom Offenbacher Thierschutzverein betonte, daß die Frage der schmerzlosen Hundetödtung auch in Offenbach aktuell geworden und deshalb das in Hanau geübte Verfahren für die Offen­bacher Herren doppelt interessant gewesen sei. Herr Prof.Prosch- Offenbach konstalirte mit Genugthuung, daß, wenn auch ein

Feuilleton.

Stadtthcatcr in Hauau.

= Sanau, 20. März.

So bat denn am gestrigen Abend und zwar zum Benefiz für den Regisseur Herrn Paul Gebrmann auch bei uns die von den beiden Auiorcn. Blumenthal und Kadelburg konstruirte Fortsetzung desWeißen JIöbI" fehlen Einzug gehalten und wenn Heiterkeit als Gradmesser des Er- solge t gelten kann, gut gefallen. Man freut sich eben, wenn uns alte liebe Bekannte wieder begegnen und man sindet sie ja meist alle wieder von der ichmucken Rößlwirthin und dem Widerspruchsgeist Grelle bis, zu dem verliebten Ehepaar, das damals aus der Hochzeitsreise begriffen; nur eines konnten wir nicht wiederfindeu worauf wir uns ceraoe be­sonders gefreut hatten und das war der fröhliche leichte Humor und der treffende Witz aus dem bunten Allerlei desWeißen Röß'l," den batteu wir schmerzlich vermißt. Im Verlauf des Abends ist uns ein Distichon von Emanuel Geibcl wieder in das Gedächtniß gewmmen, das wir einst in einer älteren littera ischen Zeitschrift gefunden haben und das wir hier wiedergeben wollen:

Aus dem Teu'pel der Kunst wann geißelt ein anderer Lessing Zürnend wieder den Schwärm fe lschender Krämer hinaus?

Nicht um die Gunst mehr frei'n sie die Muse/ sie frei'n um die Mitgift

Und im gemeinen '^ilverb stirbt das entweihte Talent.

Der Herausgeber dieser litterarischen Monatsschrift war Oskar Blumenthal, der damals noch im heiligen Zorn die kntische Geißel schwang und der dem Geibel'schen Distichon den bevorzugteüen Platz in inner Zeitschrift angewiesen hatte. Nun will es uns bedünken, als ob Herr Blunienthal um der Minen Gunst diesen zweiten Theil seines Weißen Röß'l" nicht geschaffen bätte, sondern, daß er diesmal nur auf die Mitgift spekulirte. Es verlohnt sich nicht auf das. was in Diesem Stücke Handlung sein soll, näher einzugehen; von Berlin aus, woselbst der erste Akt spielt, werden wir in das Salzkammergut ent­führt zu Rößlwirthin, wo sich dann dasselbe Spiel noch einmal, nur mit weniger Witz und Benagen, wiederholt wie imWeißen Röß'l" md auf der nicht ungeschickten Gegenüberstellung der breiten Gemüth­lichkeit des Südens mit dem resoluten Norden beruht. Da ein Lust- 'piel ohne Liebespaar nicht gut möglich ist, so hat die Doppelfirma auch hierfür gesorgt und ein Bündniß zwischen Nord und Süd zu Stande kommen lassen zwischen einer Berliner Malerin und einem tiaerreidmdjen Leutnant aus Wien, Haben uns so die Herren Blumen-

Todeskampf beobachtet werden könne, dieser doch ein so kurzer sei, daß man mit dem erhofften Resultate, die Hunde schnell und schmerz'os zu töbten, zufrieden sein könne." Herr Forst­meister Reiß- Offenbach bob hervor, daß vor Siliern auch die maschinenmäßig, technisch-sichere Todesart imponire, die Zwischensälle thatsächlich ausschließe. Den ersten Vortrag hielt darauf Herr Stadtsekretär Fischer-Hanau über die Behand­lung des Goldfisches. Die höchst instrukiiven Einzelheiten des Vortrags wurden mit sichtlichem Interesse ausgenommen. Allgemein geäußerten Wünschen entsprechend, soll die Veröffent­lichung des Vortrages erfolgen. Wir werden deshalb in den nächsten Tagen darauf zurückkommen. Eine rege Debatte entwickelte sich sodann über die Frage des Ersatzes der Zughunde durch Esel. Sämmtliche Redner sprachen sich dahin aus, auch fernerhin für möglichste Einschränkung der Hunde als Zugthiere zu wirken. Mit der Befolgung dieses Grundsatzes erklärte sich die Versammlung einverstanden. Den Schluß-Vortrag bildete das Referat des Herrn Reallehrers D. Paulstich«Hanau über Anlegung von Käfer- und Schmetterlingssammlungen durch Schüler. Dieses ebenfalls höchst aktuelle Thema wurde bereits bei der Herbstzusammenkunft in Offenbach berührt und der Hanauer Tagung zur weiteren Behandlung überwiesen. Das Referat wird beut Wortlaute nach im Feuilleton der nächsten Nummer unseres Blattes erscheinen. Auf Vorschlag des Herrn Prof. V o l k m e r-Offenbach wurde, da die Zeit erheblich vorgeschritten war, beschlossen, dieses Thema auf der demnächstigen Versammlung nochmals auf die Tagesordnung zu setzen und dabei über den Erlaß eines Preisausschreibens für Abfassung eines populär geschriebenen kleinen Schriftchens zu berathen, das besonders darauf gerichtet sein soll, der Sammelwuth der Schüler zu steuern und der Jugend die Freude an der lebenden Natur einzuprägerr. Als Ort der nächsten Zusammenkunft wurde Ascha ffenburg gewählt.

* Im Zeichen des Automobils. Als neuestes Transportmittel verkehrt jetzt in Hanau auch das Automobil. Die Firma W. C. Heraeus, Platinschmelze und chemisches Laboratorium, hat zu geschäftlichen Zwecken einen Selbstfahrer angeschafft, der als Repräsentant der hochentwickelten Verkehrs­mittel bet Neuzeit durch die Straßen pufft.

* Stadttheater. Wir wollen hiermit nochmals auf das morgen stanfindende Benefiz unserer jugendlichen Heroine, Frl. Greihe Haas, aufmerksam machen. Frl. Haas hat im Laufe der Saison in Rollen wie: Mnetta (Rothe Robe), Jungfrau von Orleans, Deborah, Veroni (Meineidbauer), Hero (Meeres und der Liebe Wellen) rc. Gelegenheit gehabt, ihr Talent in reichstem Maße zu entfallen und es dürfte ihre Klara in Maria Magdalena wieder ein Zeugniß ihrer starken Individualität sein. Die grandiose Figur des Meister Anton wird von Herrn Möbius daraestellt werden und auch die übrigen

thal und Kadelburg eine Enttäuschung bereitet, so freut es uns doch, konstatiren zu können, daß sie wenigstens Herrn G ehr wann davor bewahrten.Det Jeschüft is richtig," sagt der ungemüthliche Berliner Glühstrumpffabrikant Gieiecke bei seinem ersten Auftreten in dcm StückeMs ich wiederkam" von gestern Abend und als Herr Gehr- mann als Giesecke bei seinem Auftreten den wohlgciüllten Zuschauer- raum sah, toirs er diele Worte mit ganz besonderer Freude gesprochen haben. Und schmunzelnd quittirte er a> ch dankend Mir die ungewöhn­liche Menge von sonstigen Geschenken und Auszeichnungen, die ihm an seinem Ehrenabend zu Theil wurden. Die Wiedergabe seiner Rolle zeigte Herrn Gehrmann als klugen Darsteller, der mit Geschick den Humor seiner Parthie voll ausnützte und dennoch dem Charakter seine Lebensmöglichk it gelassen hatte. Denn wenn wir dem Stücke- einigen Werth lassen wollen, so liegt dieser in der gelungenen Zeichnung dieses mit einer erstaunlichen Unlei^lichkeit ausgestatteten protzigen Berliners. Die Rößlwirthin fand in Frl. Brand ow wieder die flotte Vertreterin, ihren nunmehrigen Gemahl, den Leopold Brandmeyer, spielte Herr R e tz b a ch mit dem erforderlichen Humor. Das Ehepaar Siedler fand in Frl. H annewald und Herrn Krön prächtige Verkörperung, den alten lieben Dr. Hinzeimann gab Herr L i n d e n l a u b sympathisch wi der und für das Liebespaar, die Malerin Gabi Palm und den Oberleutnant Frede von Zeck, setzten Frl. G y ven und Herr Schw arz ihr liebenswürdiges Darstellungstalent ein. Auch die kleineren Rollen waren gut vertreten.

Kunst und Leben.

Ein langer Schlaf. Aus Saarbrücken wirb berichtet: Großes Auftehen rief vor etwa zwei Jahren in Deutschland die in einen Dauerschlaf versunkene 13jährige Tochter des Bergmanns Krämer im nahegelegenen Hülsweiler hervor. Mit dem eigenartigen Zustand dieses Mädchens, das erst vor zwei Monaten wieder erwacht ist, beschäftigten sich damals zahl­reiche medizinische Autoritäten. Nachdem das Kind ein Jahr in diesem ununterbrochenen Schlafe im elterlichen Hauke ge­legen hatte, wurde es in die Irrenanstalt zu Merzig gebracht, wo es fernere sechs Monate schlafend verbrachte. Da der Mund der Krämer selbst unter Anwendung von Gewalt nicht zu öffnen war, mußte dem bedauernswerthen Geschöpf die Nahrung durch die Nase zugeführt werden. Vor ungefähr zwei Monaten ist die Krämer nun zum Bewußtsein gekommen,

Rollen liegen in bewährten Händen. Bei der bekannten großen Bedeutung Hebbels als dramatischer Dichter erscheint es fast überflüssig, nochmals zu erwähnen, daß uns durch die Erstaufführung von Maria Magdalena ein interessanter und genußreicher Abend bevorsteht. In dem vorangehenden Ein­akterHeimkehr" von unserem beliebten Bühnenmitglied Herrn Max Monato wirkt eine sehr talentirte junge Kunstnovize aus Frankfurt, Frl. Alice Brandes, mit.

* Benefiz. Am kommenden Samstag findet als Benefiz für Fräulein Anny H a n n e w a l b und Herrn Aböls L i n b e n l a u b eine Aufführung von HalbesI u g e n d" statt. Die beiden Benefizianten entsprechen damit den viel­fachen Wünschen des Publikums, eine Wiedergabe dieses hier mit so großem Beifall aufgenommenen Stückes zu ermöglichen. Wir brauchen wohl kaum zu erwähnen, daß die Tendenz des ergreifenden Werkes eine durchausmoralische" ist. Fräulein Hannewald sowohl als auch Herr Lindenlaub haben sich während der Zeit ihrer hiesigen Thätigkeit in zahl­reichen hervorragenden Rollen in glänzender Weise bewährt und hoffen wir, daß die beiden Benefizianten ein ausverkaufles Haus erzielen werden. Den Kaplan Schiporsky spielt Herr Lindenlaub, die übrige Besetzung bleibt dieselbe.

* Verhaftet wurde gestern ein Gelegenheitsarbeiter R. wegen Diebstablsvergehen.

Radfahrer-Uirfttsi. Ein Stahlroßreiter fühlte sich vorgestern, als sich ein Leichenkondukt nach dem Friedhofe zu bewegte, bemüßigt, am Nürnbergerthor mitten durch die Leid­tragenden, direkt vor dem Geistlichen durchzufahren. Zum Glück gelang es, den Namen des Radfahrers festzustelleN, um eine Bestrafung desselben herbeizuführen.

Aus dem Gerichtssaat.

Sitzung der Strafkammer II vom 19. März.

Diebstahl.

Im Dezember v. J8. wurde in einer Gelnhäuser Wirth­schaft ein Fremder von der Wirthin dabei betroffen, wie er sich am Büffet und in verdächtiger Nähe der Kasse zu schaffen machte. Ein benachrichtigter Schutzmann nahm ihn behufs Feststellung seiner Personalien mit in das benachbarte Gerichts­gebäude, unterzog ihn dort einer Visitafion und verlangte schließlich Auskunft über ein im Besitze des Fremden befind­liches Packet, bestehend aus verschiedenen, in eine blaue Schürze eingeschlagenen nassen Wäschestücken. Da nun aber die An­gabe desselben, er habe sich diese Wäsche beim Verlassen seines Dienstes erst waschen lassen, nicht widerlegt werden konnte, so wurde er vorerst wieder freigelassen, jedoch bald darauf verhaftet, na^bem sich herausgestellt hatte, daß diese Gegen-

doch war ihr Gedächtniß derart geschwunden, daß ein weiterer Aufenthalt in der Merziger Anstalt am Platze schien. Nach­dem nach ferneren zwei Monaten nunmehr das Erinnerungs­vermögen größtentheils wieder zurückgekehrt und der Krämer das während des Dauerschlafes über die Zähne ge­wachsene Zahnfleisch entfernt worden ist, konnte das Mädchen dieser Tage als geheilt entlassen werden. Gegenwärtig be­findet es sich bei ihren Großeltern im benachbarten Dudweiler.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Ein Minimunl unter 725 mm lagert nördlich der Nordsee und beherrscht die Witterung südwärts bis zu den Alpen. Ein höchster Luftdruck über 765 mm lagert über Südost­europa. In Deutschland ist die Witterung mild, im Binnen­land vielfach heiter, an der Küste trübe.

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 19./!

Sehr trocken '

Beständig 770^

Schön 760H| Veränderlich __==

Regen (Wind) ^^P

Viel Rege«

Ttnrin .......

730 ===

720

710 "H1

20./3.