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Hanauer

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General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- «nd Landkreis Kana«.

Waiselchauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!, Redakteur: 8. Schreck er in Hanau,

^T. 66 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

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Mittwoch den 19. März

BezirkS-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902

Willkommen in der Heimath!

Prinz Heinrich ist am Dienstage von seiner Reise nach den Bereinigten Staaten in die Heimath zurückgekehrt. Mit seinem kaiserlichen Bruder ruft ihm das ganze deutsche Volk ein herz­liches Willkommen zu. Prinz Heinrich kann mit Genugthuung auf seine Fahrt zurückblicken. Trotz der gewaltigen Strapazen, die ihm beschi-den waren, hat er seine Aufgabe in jeder Be­ziehung glänzend erfüllt.

Als Kaiser Wilhelm seiner Zeit den Wunsch äußerte, Miß Alice Roosevelt, die Tochter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, möge den Taufakt beim Stapellauf seiner auf einer amerikanischen Werft erbauten Jacht vollziehen, wurde er wohl von dem Gedanken geleitet, einen Beweis dafür zu geben, wie sehr ihm eine freundschaftliche Gestaltung der Beziehungen zwischen der Regierung und dem Volk der Vereinigten Staaten auf der einen Seite, der deutscher: Regierung und dem deutschen Volke auf der andern am Herzen liege, und wie er bemüht sei, diese Beziehungen vor jeder Trübung zu bewahren. Präsident Roosevelt ertheilte gern seine Zustimmung zur Schiffs­taufe durch seine Tochter, und nun trat Kaiser Wilhelm mit der Absicht hervor, seine JachtHohenzollern" und gleichzeitig seinen Bruder, den Prinzen Heinrich, hinüberzusenden, als feinen Vertreter beim Stapellauf und als Ueberbringer der freund­schaftlichen Wün che von deutscher Seite für die Regierung und das Bock der Vereinigten Staaten. Kaiser Wilhelm wollte dem amerikanischen Volke durch diese Aufmerksamkeiten eine Freude bereiten, und dies ist ihm vortrefflich gelungen. Ver­geblich war das Bemühen, zwischen den beiden Völkern Unfrieden zu säen, vergeblich der Versuch, noch im letzten Augenblicke Mißtrauen zu erregen und Haß zu entfachen. Der Pfeil ist auf seinen Absender zurückgeflogen. Kein Mißton hat die Festlichkeiten gestört.

Die Vereinigten Staaten haben den Prinzen Heinrich in einer Weise ausgenommen, wie sie schöner und erhebender nicht gedacht werden kann. Die Fahrt des Prinzen war ein Triumphzug. Alle Kreise jenseits des Ozeans waren bemüht, den: Bruder und Vertreter des deutschen Kaisers den Glanz und Reichthum, die Zivilisation und Wohlfahrt des amerika­nischen Volkes vor Angeld zu führen. Und doch, nicht der Stolz und das Selbstbewußtsein allein war die Triebfeder bei den großartigen Festen; es sprach auch das Gefühl der Freundschaft für die deutsche Nation mit, das Bewußtsein, daß Deutsche an dem Aufschwung der Vereinigten Staaten regen Antheil genommen haben, die Achtung vor dem deutschen Geistesleben. Nicht zuletzt aber war es die gewinnende, anspruchslose Persönlichkeit , des Prinzen Heinrich, die den Festtagen ihr Gepräge gab.

Mit jener Offenheit und Ungezwungenheit, die zu Herzen geht, hat Prinz Heinrich den Amerikanern vor seinem _ Ab- schiede selbst versichert, daß keinerlei geheimer Zweck mit seiner Mission verknüpft war. Aber das eine wird erreicht sein, daß man jenseits des Ozeans an die Aufrichtigkeit des Wunsches glaubt, den der Prinz seinem Danke hinzufügte: Lassen Sie uns darnach trachten, Freunde zu sein, und es auch wirklich sein!" Das ist nicht nur sein Wunsch, sondern auch der des Kaisers und des deutschen Volkes, und wir hoffen, daß es auch der Wunsch der Amerikaner ist. Möge unverbrüchliche Freundschaft beide Mächte und ihre Völker verbinden nun und in allen Zeiten!

Telegramme:

W. Cuxh »Veit, 18. März. Das PanzerschiffKaiser Wilhelm II." mit dem Kaiser an Bord ist heute Vor­mittag hier eingetroffen. Um 3 Uhr 45 Minuten nachmittags wurde von der Station Duhnen aus dieDeutschland" mittelst drahtloser Telegraphie gemeldet.

W. Cuxhaven, 18. März. Außer dem Panzerschiff Kaiser Wilhelm II." und der Hela" liegt auf der hiesigen Rhede das PanzerschiffBaden". Gegen 3 Uhr nabm die Ehrenkompagnie der 4. Matrosenartillerie-Abtheilung Aufstellung. Der preußische Gesandte v. Tschirschky und Böqendorff, ferner die beiden Hamburger Bürgermeister Dr. Mönckiberg und Dr. Burchard, die Aussichtsräthe der Hamburg- Amerika-Linie Tietgens und Witt, sowie Generaldirektor Ballin und die Direktoren Wolff und Dr. Ecker waren zur Be­grüßung Sr. Majestät erschienen. Stadt und Hafenanlagen sind prächtig geschmückt, ebenso der Seesternpavillon, wo der Empfang des Prinzen Heinrich stattfindet. Nach der Begrüßung werden der Kaiser und Prinz Heinrich aus demKaiser Wilhelm II" nach Brunsbüttel abfahren. An dem Diner auf demKaiser Wilhelm II" nehmen der Gesandte v. Tschirschky und Bögendorff und Generaldirektor Ballin theil. Um 3^2 Uhr passirte das SchulschiffMoltke" elbaufwärts; vom Fort Grimmerhörn wurden aus Befehl des

Kaisers 21 Salutschüsse für die Bürgermeister von Hamburg abgefeuert.

W. Cuxhaven, 18. März. DieDeutschla nd" kam um 5/» Uhr in Sicht. Der Kaiser begab sich mit seiner Begleitung an Land nach der Hafenmole, woselbst auch die beiden Hamburger Bürgermeister, sowie Herren von der Hamburg-Amerika-Linie und der preußische Gesandte v. Tschirschky und Böggendorff Aufstellung genommen hatten. Um 6'/, Uhr lag dieDeutschland" am Hafenkopf und der KreuzerHela" feuerte 21 Salutschüsse ab. Nachdem Prinz Heinrich das Schiff verlassen, schritt ihm der Kaiser ent­gegen, küßte ihn auf beide Wangen,^ schüttelte ihm die Hände und schritt mit ihm die Front der Ehrenkompagnie ab. Nach­dem noch der Parademarsch abgenommen war, bestiegen der Kaiser und Prinz Heinrich, vom Publikum mit jubelnden Hoch­rufen begrüßt, den DampferWillkommen", welcher sie an Bord desKaiser Wilhelm II." brächte, der um 71/» Uhr unter erneuten Salutschüffen nach Kiel abging.

W. Brunsbüttelkoog, 18. März. Das Linienschiff Kaiser Wilhelm II." mit dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich an Bord ist heute Abend um 8 Uhr 45 Minuten hier eingetroffen und machte in der Schleuse fest. Die Weiter­fahrt von hier erfolgt morgen früh.

W. Brunsbüttelkoog, 19. März. Das Linienschiff Kaiser Wilhelm L", mit dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich an Bord, ist heute früh 6 Uhr 45 Min. nach Kiel weiter gefahren.

Hus Stadt und Cand.

Hanau den 19. März.

* Passtonsgottesdienst. Heute Abend 8 Uhr findet der Passionsgottesdienst in der Marienkirche statt, gehalten von Herrn Pfarrer Göbels.

* Zur Bewältigung des Ofterverkehrs auf den Eisenbahnen läßt die Staatsbahn auch diesmal eine Anzahl Extrazüge verkehren, deren Fahrplan in den Schalterhallen der Bahnhöfe aushängt.

* Kanalisirung des Maines. Der Finanzausschuß der bayerischen Abgeordnetenkammer beschäftigte sich in seiner Sitzung am Samstag u. a. auch mit der Fortsetzung der Ka­nalisirung des Mains bis Aschaffenburg. Viel mehr als das, was bisher schon bekannt war, wurde dabei nicht zu Tage gefördert. Bei dem lebhaften Interesse, das diese Frage bean­sprucht, gehen wir etwas ausführlicher auf die genannte Aus- schußsitzung ein. Abg. v. Vollmar fragte an, wie es mit der Fortsetzung der Mainkanalisation stehe. Minister Dr. Graf v. Crailsheim erwiderte darauf: Die Regierung sei bestrebt, die Fortsetzung der Mainkanalisation bis Aschaffenburg zu fördern. Die eingesetzte Kommission habe eine Reihe schwieri­ger Fragen aufgeworfen, insbesondere Tariffragen. Diese hatten Erhebungen zur Voraussetzung, welche nun in Bayern abgeschlossen sind und zum Meinungsaustausch mit Preußen führen. Preußen befinde sich in einer schwierigen Lage, na­mentlich im Hinblick auf die allgemeine Kanalvorlage. Refe­rent v. Vollmar hat von preußischen Abgeordneten Aeußerungen gehört, wonach dort wenig Neigung besteht, auf die bayerischen Wünsche einzugehen. Es sei das wenig bundesfreundlich. Er wünsche, daß die Sache von bayerischer Seite energisch ge­fördert werde. Abg. Keßler wünscht, daß alle Parteien sich diesem Wunsche anschließen. Wie er höre, wolle Hessen für die Kanalfortsetzung keine Kosten übernehmen. Minister Dr. Graf v. Crailsheim bestätigt letzteres. Bayern werde, wenn eine Vereinbarung zustande komme, die Kosten der Main- kanalisirung von Hanau biS Aschaffenburg allein tragen müssen. Abg. Wagner erklärt Namens seiner Freunde, daß diese sich dem Wunsche der Fortsetzung der Mainkanalistrung bis Aschaffenburg anschließen, obwohl viele hiervon nicht zu den Kanalenthusiasten gehören. Abg. Conrad schließt sich dem an und bemerkt nur, daß die anderen Bundesstaaten An­laß haben, Bayern entgegenzukommen, nachdem Bayern in der Frage der Rheinkorrektion entgegengekommen sei. Vorsitzen­der Dr. v. Daller konstatirt die Einstimmigkeit des Ausschusses hinsichtlich des besprochenen Wunsches.

* Warnung. Ein Unternehmer Namens Guillermo Speedie will auf Grund eines Abkommens mit der perua­nischen Regierung die Ländereien am Pachiteafluß durch An­siedelung europäischer und nordamerikanischer Einwanderer urbar machen. Zuverlässigen Nachrichten zufolge muß dem Speedie auf Grund von Erfahrungen, die man mit ihm bei früheren Unternehmungen gemacht hat, mit Mißtrauen begegnet werden. Hierzu kommt, daß die Landstrecken, die der Pachitea und die übrigen oberen Nebenflüsse des Amazonas durchlaufen, wegen der dort herrschenden Sumpffieber fast ohne Ausnahme ein sehr ungesundes Klima haben. Die Einwanderer haben

von der Küste einen beschwerlichen Weg, größtentheils zu Fuß durch Urwald zurückzulegen. Das Auftreten von wilden Indianern in jenen Gegenden ist wahrscheinlich. Ansiedler, die dorthin gehen, wären der Willkür des Speedie preisgegehen und während der ersten Zeit auf die Lebensmittel angewiesen, die er ihnen in den Urwald senden würde. Es ist hiernach angebracht, vor der Auswanderung nach den Ländereien des Speedie zu warnen.

-H Bolksvorstellttng. Auch die letzte der vom Aus' schuß für Volksvorlesungen veranlaßten Vorstellungen hatte, wie der dichtgefüllte Theaterraum zeigte, das regste Interesse ge­funden. Wir haben das zur Aufführung gelangte Schiller'sche SchauspielWilhelm Tell" schon des Oefteren näher besprochen und bei seiner ersten Darstellung in diesem Winter uns mit den Einzelleistungen der Mitwirkenden befaßt und ihnen die verdiente Beachtung und Anerkennung nicht vorenthalten. Mit Ausnahme des Teil und des Attinghausen lagen gestern die Rollen alle in den gleichen Händen; für jene Beiden traten zwei Mitglieder des Frankfurter Stadttheaters, die Herren Me h ri n g und K a n n g i e ß e r in die Schranken. Herr Mehring bringt der markigen Kraftfigur des Tell eine Reihe höchst schätzenswerther Eigenschaften entgegen, die ihn für die Wiedergabe solcher Heldengestalten wohl befähigen. Aber dem Darsteller stellen sich in der Ausnützung seiner natürlichen Mittel noch manche Schwierigkeiten entgegen und es gibt für ihn vieles zu überwinden, bis er Spiel und Sprache meistert, um der Rolle in ihrer charakteristischen Gestalt gerecht zu werden. Besonders aber muß er sich bestreben, dem deklama« torischen Fluß seiner Rede Wahrheit und Natur beizugesellen. In Herrn Kanngießer begrüßten wir einen alten Bekannten, der unserer Bühne schon früher als Mitglied angehörte. In seinem Attinghausen konnte er uns zeigen, daß er mit Erfolg bestrebt war, sich in seiner Kunst zu vervollkommnen, nur hätten wir in seiner ersten Szene mit Rudenz etwas «ehr Kraft im Ausdruck und ein Weniger von Sentimentalität und Weichheit gewünscht, da letzteres das Bild des Heldengreises, wie es Schiller so schön gezeichnet hat, herabzudrücken ge­eignet war.

* Vortragsabend. Der homöopathische Verein hielt am ver­gangenen Sonntag in dem Gasthause zur goldnen Gerste seine Monats- versammlung ab, die ihre Einleitung durch einen fesselnden Vortrag über die menschliche Maschine, insbesondere den Verdauung?- und Ernäherungs» Prozeß nahm. Der Vortragende, Herr Th. DHein, gab ein anschauliches Bild von den Verwandlungen, die die Speisen nach dem Genuß in dem Körper durchmachen und bezeichnete den Magen als den wichtigsten Grund- stein für das körperliche Wohlbefinden, ohne guten Magen sei es nicht möglich, die Blüthe der Gesundheit zu erlangen; die meisten Krankheits­einflüsse machten ihren ersten Eindruck auf den Magen, deshalb seien Zu­fälle in der Verdauung immerhin die ersten Symptome der Krankheiten. ,,Er hat einen guten Magen" sage man. wenn man Jemand charakteri- siren wolle, auf den weder Aerger, noch Kummer, noch Krankheiten schäd­lich wirkten. Nachdem der Herr Vortragende alle zur körperlichen Restau- ralion gehörigen Organe gestreift, ging er auf die Ernährung über, sprach eingehend über Unniäßigkcit, die Kneipp'schen Kochrezepte, über den Unterschied zwischen Gaumen- und Magenappetit, über Eiweißnahrung und über die Eintheilung der Mahlzeiten. Ein jeder Behandlung trotzen­des Mageuleiden bessere sich wesentlich bei konsequenter Durchführung einer Milchkur. Bis zum Schlüsse seiner einstündigcn interessanten, durch trefsende Beispiele gewürzten Ausführungen verstand es der Herr Vor­tragende, seine Zuhörer zu fesseln, die ihm reichen Beifall spendeten. Die darauf folgende Abendunterhaltung verlief bei Musik und komischen Pieren in der amüsantesten Weise.

* Ein verbrecherisches Attentat wurde gegen den Kreisstraßenwart Bauer, der an der Kreisstraße Offenbach- Mühlheim gegenüber der Kreis-Erziehungsanstalt, direkt am Waldsaum wohnt, verübt. In der Sonntag-Nacht wurde von ihm vergessen, die Fensterläden zu schließen. Plötzlich flog um Mitternacht ein schwerer Gegenstand klirrend durch die Fensterscheibe in das Schlafzimmer. Bauer sprang sofort aus dem Bett, um, mit dem geladenen Revolver in der Hand, nach dem Thäter auszuspähen. Dabei will er einen Mann mit brennender Zigarre gegenüber seiner Wohnung gesehen haben. Ein sonderbarer Brandgeruch, sowie glimmende Funken am Boden veranlaßten ihn jedoch, sich mit seiner Frau schnell aus dem Zimmer zu flüchten. Kaum war dies ge­schehen, so erfolgte ein furchtbarer Schlag. Hierbei wurden Eisenstücke umher geschleudert, die theils in die Zimmerdecke, theils in das Bett fuhren. Das Mordinstrument war wahr­scheinlich aus einem Gasrohr gefertigt und mit Pulver ge­laden, welches mittelst einer Zündschnur zur Explosion ge­bracht wurde. Das Gericht begab sich anderen Tages an Ort und Stelle, um die nöthigen Nachforschungen vorzunehmen. Dem Thäter soll man auf der Spur sein.

* Viehmarkt. Der heutige Viehmarkt hatte folgenden Auftrieb aulzuwelen: 2 Ochsen, 185 Kühe, 57 Rinder, 2 Hämmel, 24 Kälber.

Ausgestellt. (Einge s.) In dem Schaufenster von Herrn Bernhard Bing, Hammerstraße, sind zwei Muster­fahrräder MarkeWartburg" der Fahrzeugfabrik Eisenach aus­gestellt, welche durch ihre hochelegante Ausführung und solide Bauart allgemeine Bewunderung finden. Generalvertreter der