Erstes Blatt.
Hanauer U Anzeiger
Bezugspreis:
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Die einzelne Stummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des vereirt. ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurückirngsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder beten Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
^k. 59 Bezirks-FernsvreKansLluß Nr. 98.
Dienftaq den 1L März
Bezirls-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902
Amtliches.
Bekanntmachung.
Betreffend: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche im Kreise Hanau erloschen ist, haben wir unsere Anordnungen in der Bekanntmachung vom 6. Januar 1902 (Kreisblatt Nr. 4), wonach das aus dem Kreise Hanau emgeführte Rindvieh sowie die von dort kommenden Schafe, Ziegen und Schweine einer 7täffgen Quarantäne zu unterwerfen waren, mit Wirkung »om Heutigen wieder aufgehoben.
Büdingen den 3. März 1902.
Großüerzogliches Kreisamt Büdingen.
V 2450 J. V.: ». Neidbart.
Gefundene und iierlorcne Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Spannkeile, ungefähr 3 w lang. 1 kleines Kinderportemonnaie mit Inhalt. 1 braunes Portemonnaie mit über 8 M. Inhalt. 1 P itsche. 1 kleines Kammrad. 1 brauner Glacehandschuh (linker) mit Wolle gefüttert.
Verloren: 1 grünliches Damen-Portemonnaie mit 9,59 Mk.
Hanau den 11. März 1902.
Mus Stadt und Cand.
Hanau den 11. März.
Lolal-histüusche Notizen.
1L März 5848. Verkündigung des Kurfürsten, die im März 1848 gewöhnlichen Konzessionen enthaltend („Märzerrungenschasten").
* Die Oberförsterstelle Sterbfrih im Regierungsbezirk Cassel ist zum 1. Juli d. J. anderweit zu besetzen.
* Der Bund der Landwirthe halt am nächsten Donnerstag, mittags l1^ Uhr, im Saalbau zu Marburg seine Provinzial-V ersammlung für den Regierungsbezirk Cassel ab. An eine Ansprache des Provinzial-Vorsitzenden Herrn Rittmeister Deich wann zu Hof Lembach schließt sich ein Vortrag des Bundes-Vorsitzenden Herrn Dr. Rösicke- Görsdorf über das Thema: „Die Bedeutung der Forderungen des Bundes der Landwirthe im sozialen und wirchschaftlichen Leben Deursch'ands."
* Stadttheater. (Wochenspielplan.) Mittwoch: Zum ersten Male: „Wenn die Liebe geht", Schauspiel von L. Rohmann, „Die Schulreiterin", „Eine vollkommene Frau". — Freitag: Benefiz für Fräul. Haas: Zum ersten Male: „Heimgekehrt", dramatische Skizze von Max Monato; Zum ersten Male: „Maria Magdalena", Drama von Hebbel. — Sonntag: Unbestimmt. — Es sind sehr viele Wünsche bezüglich einer Wiederholung von „Z a z a" laut geworden. Das Smck wurde jedoch nur für eine Aufführung erworben. Sollte aber der Vertreter der Autoren geneigt fein, eine zweite Aufführung zu gen-hmigen (es ist bereits bei ihm ange'ragt morsen), so wird solche am nächsten Sonntag außer Abonnement stattfinden.
es Vortrag. Der christliche Arbeiterverein dahier hatte am Sonntag Abend Herrn B e g e m a n n aus Bockenheim, einen der rührigsten Agitatoren der evanql. Arbeitervereine, zu einem Vortrage gewonnen. Redner behandelte das Thema: ,-Die evangelischen Arbeitervereine und die soz-ale Bewegung".
der dem Referenten eigenen krästigen volkstümlichen Rede- weise beleuchtete er die drei Begriffe: Freiheit, Macht und Arbeit. Ausführlicher zeichnete er die Stellung der deutschen Arbeiter zu dem Machtgedanken. Eine gesunde wirthschaktliche Entwickelung, die nicht zerstörenden Zufälligkeiten ausgeseyt «ein soll, setzt einen kräftigen, politisch genialen Staat voraus, der im gegebenen Falle seinen berechtigten Ansprüchen durch Maäumiitel Nachdruck verleihen kann. Insbesondere bedarf der Welthandel auch des Schutzes durch die schwimmenden Festungen. Steht das Vaterland mächtig da, so können sich Handel und Industrie ruhig und stetig weiter entwickeln. Je höher aber die Buuhe der Industrie ist, umso bessere Arbeitsbedingungen und umso besseren Lohn kann dann auch der Arbeiter wünschen und erringen. Während dem englischen Arbeiter das Verständniß für den Zusammenhang dieser Dinge ichon längst erschlossen ist, steht ein Theil der deutschen Arbeiter, sobald es sich um Fragen der Vaterlandsvertheidigung handelt, schmollend und grollend zur Seite. Den interessanten Ausführungen folgten aus der Mitte der Versammlung heraus ?°4 einige erläuternde Bemerkungen. An den Vortrag schloß
ein gemüthliches Zusammensein, das gewürzt wurde durch
Vorträge der Gesangsabiheilung und durch musikalische Dar- bietunaen.
88 Oeffentliche Versammlung der Kaufleute. Im Saale der „Centralhalle" hielt gestern Abend Herr Alfred Roth aus Hamburg im Auftrage des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes einen Vortrag über „Kleinhandelssorgen und Sozialpolitik im Kaufmannsstande". Redner beleuchtete vorerst in längeren Ausführungen den schädlichen und verderblichen Einfluß der Großhandelsbetriebe, Waarenhäuser u. s. w., auf das Kleinbandelgewerbe. Nicht die großen reellen Spezialgeschäfte seien hiermit gemeint, sondern die moderne Richtung dieser Häuser, deren Grundsatz sei: „Billig, aber schlecht". Nachdem der Vortragende noch verschiedene hier in Betracht kommende Faktoren gestreift hatte, speziell die das Kleingewerbe immer mehr unter ihre Botmäßigkeit zwingenden industriellen Kartelle und Syndikate, kam er auf die Konsumvereine zu sprechen, unterzog deren Vortheile und Nachtheile einer kritischen Betrachtung und gelangte endlich zu dem Schluffe, daß die Schattenseiten dieser Institutionen ihre Lichtseiten überwiegen und daß die den Mitgliedern der Konsumvereine gewährten Dividende auf irgend eine Weise auf den Preis der Waaren geschlagen würden. Auch das Dividendenunwesen in den Kleinhandelsbetrieben sei verurtheilenswerth. Redner erinnerte an den Ausspruch Bismarcks, der Staat babe kein Interesse daran, wenn die Großbetriebe überhaud nehmen, da die Kleinhändler dadurch naturgemäß immer mehr verschwinden, und stellt den Grundsatz auf, daß Staatshilfe und Selbsthilfe zur Hebung des Kleinhandelsstandes zu^ammengehen und gemeinsam wirken müßten, wenn etwas Ersprießliches und den thatsächlichen Erfordernissen wirklich Rechnung tragendes erreicht werden solle. Für den Handlungsgehilfen selbst würde durch das Ueberhan^ nehmen der Großbetriebe die Aussicht auf einstige Selbst- ständigmachung immer geringer und die Stellenlosigkeit nähme immer mehr zu durch die in d'esen Betrieben gepflegte Frauenarbeit. Als Mittel zur Hebung des Kleinhaudelsstandcs em- pfieblt Herr Roth Einschränkung des Kreditunwesens, des Hausirhandels und den Zusammenschluß der Kleinhändler gegen unlautere Ausverkaufsmanipulationen u. derg!., sowie zwecks Bildung von Einkaufsgenossenschaften. An den Vortrag schloß sich eine freie Aussprache, in der neben einem Vertreter des Kleinhaudelsstandcs, der den Ausführungen des Vortragenden theils zustimmte, theils ihnen widersprach, auch ein Vertreter der Hiesigen. Handelskammer das Wort ergriff, um verschiedene Angriffe des Vortragenden auf die Handelskammern und die Zweckmäßigkeit des Zusammengehens dieser mit den Handlungsgehilfen zurückzuweisen. Nachdem Herr Roth seine Anschauungen in einem längeren Schlußwort nochmals zusammen- gefoßt und seine Behauptung, die Handlungsgehilfen müßten selbständig und ohne Anlehnung an die Handelskammern ihren Zweck verfolgen, aufrecht gehalten hatte, wurde die Versammlung geschlossen.
* Bolks-Vorlesuug. In der nächsten und letzten Volks-Vo lrsung dieses Winterhalbjahres, welche am Donnerstag den 13. d. Mts. stattfindet, wird Herr Dr. G e r o l d aus F-ankfurt a. M. über die „Lieder und Gesänge Haydns und Mozarts" sprechen. Die Ausführungen des Redners werden, um den Hörern ein möglichst lebendiges Bild von der Eigenart der beiden großen Tonmeister zu geben, von einigen Frankfurter Sängern und Sängerinnen durch Gesangs- und Klavirrvorträge unterstützt und erläutert werden.
* Malheur. In der Hammerstraße kippte heute Morgen der Wagen eines Fla^chenbierhändlers durch das Rückwärts- ziehen des unruhig gewordenen Pferdes um, wodurch eine Anzahl Flaschen zertrümmert und der edle Gerstensaft seiner Bestimmung entzogen wurde.
* Ueberkahren wurde gestern Nachmittag in der Vorstadt der Knabe eines Gastwirths durch einen Pritschenwagen der Gummifabrik. Der Junge trug Verletzungen am Arm und Bein davon.
* In Haft genommen wurden gestern Abend dur-ch die Polizei zwei Hausirer bezw. Handwerksburschen, die in Wirthschaften ziemlich werthlose Uhren, Ringe und Ketten zn hohen Preisen anboten und hier und da auch Erfolg erzielt hatten.
* Selbst-Eis-Erzeuger, die neueste und praktische Erfindung, an jeden bereits vorhandenen Eisschrank anzubringen. So unglaublich es auch im ersten Augenblick klingen mag, dennoch ist es Thatsache, daß Eis mittelst flüssiger Kohlensäure in wenigen Minuten erzeugt wird. Diese Neuheit ist bei Herrn Heinr. S ch a a ck, Kirchstraße 2 dahier, zu besichtigen und ist Genannter gerne bereit, Interessenten diese Einrichtung vorzuführen und dieselben von der Einfachheit des Verfahrens zu überzeugen. Vermittelst dieses Schrankes ist Jedermann in der Lage, ohne Rücksicht auf das Klima oder Temperatur durch einfaches Oeffnen eines Ventils in der
kurzen Zeit von höchstens 1—2 Minuten aus Brunnen-, Leitungs- oder abgekochtem Wasser mehrere Pfund absolut reines, genießbares, bakterienfreies Roheis herzustellen. Da der Preis einer Flasche flüssiger Kohlensäure verhältnißmäßig billig ist und bei nicht allzu verschwenderischer Behandlung mehrere Wochen anhält, stellt sich die Unterhaltung der neuen Eis- ^- >^ bedentenb billiger als die der gewöhnlichen Eisschränke, so aß sich die Anschaffung eines Patent-EiSschrankes für Fa mitten, Metzger und Konditoren empfehlen dürfte. Zum Schlüsse verweisen wir noch ruf das heutige diesbezügliche Inserat.
* Günstige Gelegenheit zur Erlernung der Stenographie bietet, wie aus unserem Inferatentheil hervorgeht, der nächsten Donnerstag den 13. ds. Mts., abends 9 Uhr, in der Restauration „zur Karihaune" beginnende, von Herrn Stenographielehrer Cblistian Ullrich geleitete Lehrkursus in der deutschen Volkskurzschrift der Arends'schen Stenographie. Damen und Herren, welche Interesse für die Stenographie hegen und an ihrer Ausbildung arbeiten, wollen diele so günstige Ge legenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen, da sie nidjt wissen können, ob ihnen die Stenographie im späteren Lchen nicht hin und wieder zur Bedingung gemacht wird und ihnen dieselbe dann als hilfsbereite Dienerin zur Seite, steht. Nie mand wird bereuen eine so edle, schöne und nützliche Kunst zumal auf einem so billigen Wege erlernt zu haben.
L Kaugenselbold, 11. März. (Wahlen.) Am 13. und 14. L Mts. finden dahier die Ergänzungswahlen für die am 1. April er. aus der Gemeindevertretung ausscheidenden Gemeindeverordneten statt. Dem Vernehmen nach scheint in diesem Jahre die Wahlbetheiligung eine regere zu werden als in den Vorjahren. Ueber die für die einzelnen Abtheilungen gemachten Wahlvorschläge konnten sich die betreffenden Wähler bis heute noch nicht ganz schlüssig machen und harren noch der Einigung. Sollte eine Einigung in den einzelnen Abtheilungen über die gemachten Wahlvorschläge wider Erwarten nicht zu Stande kommen, so ist sicherlich auf eine Zersplitterung der abgegebenen Stimmen zu rechnen und Stichwahlen werden unausbleiblich sein. — Am 12. l. Mts. findet dahier in diesem Jahre der erste Kram- und Schweine markt statt.
ii. Grost-Auheim, 11. März. (Kirchliches.) Die beiden am vorigen Freilag Abend und 14 Tage vorher im hiesigen Betsaale stattgefundenen Paisionsgotlesdienste halten sich eines außerordentlichen starken Besuches zu erfreuen. Kein Plätzchen war unbesetzt geblieben. In formvollendeter und geistesgewaltiger Rede entrollte Herr Pfarrer Bär zu Hanau ein lebendiges Bild vom Leiden des Erlösers. Die Gottesdienste machten auf sämmtliche Theilnehmer den tiefgehendsten Eindruck. Möge die ernste Passionsstimmung noch recht lange in den Herzen aller Gläubigen nachklingen.
4- Groß Anheim, 11. März. (Gemeindewahl.) Jn der dritten Wählerklaffe wurden gestern die ausgeloosten Herrn Friedrich Rupp und Ernst Schramm einstimmig wiedergewählt. Von 600 Wahlberechtigten machten 222 von ihrem Rechte Gebrauch.
OeffentLiche Sitzun« der Stadtnerordneten- versammiung
vom 10. März 1902.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Baader, Bailly, Bier, Craß, Eberhard, Föll, Dr. Fues, Glaser, Dr. Heraeus, Hoch, Hoffmann, Jost, Jung, Koch, Kreuter, Lo;r- berger, Lucht, Müller, Ott, Schroeter, Schwabe, Spatz, Steinheuer, Stübing, Trmsch, Voltz und Dr. Wagner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Zweiter Beigeordneter Sanitälsrath Dr. Eisenach.
Bevor das Protokoll der letzten Sitzung genehmigt wirb, beantragt Stadtv. Dr. Wagner noch eine Ergänzung der von ihm gemachten Bemerkungen. Oberbürgermeister^ Dr. Gebeschus gibt sodann Aufschluß über vorliegende Magistrats- und Gaswerkskommissions-Beschlüsse hinsichtlich der Abgabe von Koks. Stadtv. Hoch erklärt, daß er damit die in voriger Sitzung vom Stadtv. Craß gestellte Anfrage nicht erledigt erachte. Er stelle somit den Antrag, der Magistrat möge in Erwägung ziehen, wie den Laternenanzündern der Bezug von Koks zu ermäßigten Preisen auch fernerhin ermöglicht werden könne. Die Laternmanzünder seien durch ihre Beschäftigung gezwungen, zur Winterszeit die Heizung länger als sonst wohl üblich aufrecht zu erhalten, deshalb empfehle sich, denselben auch die Vergünstigung fortzugewähren. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erwidert, daß zufolge einer Eingabe der Laternenanzünder die Gründe, die der Vorredner vorgebracht, bereits im Oktober v. I. seitens des Magistrats Würdigung gefunden hätten. Der Vorsteher gibt dem Stadtv. Hoch anheim, seinen Antrag zu formuliren und am Schlüsse der Etatsverhandlungen ein- zubringen. — Weiterhin wird ein von dem Stadtarzt Dr.