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Montag
3. März
* Erheblich geschädigt wurden eine Reihe hiesiger Goldgeschäfte durch den Kaufmann E., der sich deswegen heute Morgen vor der Strafkammer zu verantworten hatte. Im Haufe des vorigen Jahres, vom Juli bis November, kam der Angeklagte der Reihe nach in 5 Geldgeschäfte, ließ sich Waaren zur Auswahl mitgeben, die, wie er angab, ein Kapitän in Kiel verlangte, und kam nicht wieder. Von der Firma Z. u. W. verlangte S. im Juli und August v. I. eine Auswahl Bijouterien (Drillant-Drochen u. s. w.) für den Kapitän Hospen, der ein sehr guter, zahlungsfähiger Käufer sei. Das Nichtoerkaufte werde binnen 14 Tagen zurückerstattet. Als weder Geld noch Waare zurückkam und S. gemahnt wurde, machte er allerlei Ausflüchte, bis sich herausstellte, daß die Waaren — im Ganzen für 1500 Mk. — noch am gleichen Tage in Frankfurt verletzt, sogar auch die Pfandscheine verkauft waren. Die Firma mußte etwa 600 Mk. aufwenden, um wieder zu ihrer Waare zu gelangen. Im Goldgeschäfte von Gebr. B. nahm der Angeklagte 2 Ketten im Werthe von 152 Mk. „zur Auswahl", in dem Bijouteriegeschält P. Waaren im Werthe von über 600 Mk., von dem Goldschmied St. für 258 Mark, von dem Göldwaarenhändler F. drei goldene Ketten, ebenfalls von erheblichem Werthe. In den meisten Fällen mußte der Kapitän Hospen aus Kiel herhalten, der sich bei der Nachforschung als fingirte Person herausstellte. Die Waaren waren zumeist noch am selben Tage in Frankfurt verletzt, etliche auch v°rkauft worden. Der Angeklagte, der aus Noth gehandelt, wurde zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, 1 Monat von der Untersuchungshaft wird anaepeLnet. In der Begründung wird ü. A. gesagt, es sei mildernd in Betracht gezogen, daß die Geschäftsleute durch ihre Vertrauensseligkeit dem Angeklagten die Betrügereien doch ziemlich leicht gemacht hätten.
«> Niederrodenbach, 2. März. (Ehrend.) Auf der zur Zeit in Frankfurt a. M. statifindenden großen Allgemeinen Geflügel-Ausstellung erhielt der hiesige noch sehr junge Geflügelzucht-Verein auf zwei Stämme Nutzhührwr (silberbalsige Italiener und blaue Andaluster) zwei I. Preist.
-st. Windelten, 3. März. (Abendunterhaltung.) Die gestern Abend von dem hiesigen Gesangverein „Concordia" abgehaltene Abendunterhaltung zu Gunsten der Buren nahm einen recht schönen Verlauf, da sämmtliche Programmnummern gut durchgeführt wurden. Das finanzielle Ergebniß dieser Veranstaltung ist ein Betrag von 85 Mk. Dem Dirigenten, Herrn Lehrer Rake, der es verstanden bat, den Besuchern einige angenehme Slunden zu bereiten, gebührt besondere Ehre.
4« Windecken, 3. März. (Für die Buren.) Bei dem gestern Abend stattgehabten Bierkommers des hiesigen Turnvereins wurde für die Buren eine Sammlung veranstaltet, die 6 Mk. ergab.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 3. März, 9 Uhr 40 Min.
Maxima über 768 mm lagern über Süddeutschland und Lappland, ein Minimum unter 750 mm lagert westlich Irlands, unter 755 mm über Westruvland. In Deutschland ist das Wetter trübe und ruhig, die Temperatur wenig verändert.
Prognose für den 4. März: Fortdauer der herrschenden Witterung wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 1./3. 3./3.
Sehr trocken
Beständig 770- -—=
Schon 760—H=
Veränderlich =
Regen (Wind)
Viel Regen 740 =.
Sturm —
710
Sananed Necetns- u. Uecgniigungsnachcrchlcn
für Montag u en 8 März.
Nachmittags 5 Uhr: Oeffentliche Sitzung der Stadtverordneten- Versammluns.
Frankfurter Quartest-Vereinigung: Abends 7 Uhr: 8. Kammermusik- Abend im Saale der „Centtalhalle".
Kirchenchor ver Fohanniskirche: Abends nräcis 8 Uhr: Probe im Uebunassälchen der Kirche.
„Wiener Spitze': Abends 8 Uhr: Großes Tiroler-Konzert.
Allgemeiner deutscher Schulverein zur Erhaltung des Deu.schthnmS im Auslande Abends 8'-» Uhr tM rothen Sälchen M „Bürgrr- tztreins* i GeMeinschastUche Hauptversammlung der Frauen- und Männergruvpe.
Hanauer Tbierschutzverein: Abends 8l/i Uhr: Generalversammlung im »R stanrant Atobr".
Verein .Prießnitz" zu Hanan: Abends 8‘/t Uhr im Saale „zum Riesen'' : Vortrae des Herrn Dr. med. Böhm aus Friedrichroda üb-r: „Nervenleben und Nervenleivett".
E"ang. Männer- und Jünplin,sveretn: Gelang (Ev. Vereinshaus.) Radfahrerv-rein „Union": Vereinsabend im „Schützenhof".
Turn- u. Fechtklub: Turnen und Fechten.
Gesangverein Tonblüthe": VeretnSabend in der „Stadt Bremen .
Babelsberger Stenographen-Verein im Gasthaus zu oen „3 Rindern": UebuügsabMd für Tebattenschrift.
Stenographen-Verein Stolze-Schrey Vereinsabeno in der „Sonne". Verein der Briefmarkensammler: Zusammenkunft im Veketnslokale „Restaurant Mobr".
Klub „Amiritia": Vereinsabeno im „Deutschen Haus".
Gesellige Verbindung .Melitta": VereinSabend im „BraNstüb'l".
^rein „HessischerBund": Veriamml. im Vereinslok. „k. Hessischen Hof".
Radfahrer-Klub „Germania": Klubabend tm Gasthaus „z. Elephant«»'.
Freiwillige F verwehr: 4. Komv. Zusammenkunft im „Schützenhof";
*■ Komv. Zusammenkunft in der .Allemania".
Brandwache u. RettunoSkorpS^ Zusammenkunft i. v. „Brauerei Kaisers Erste Hanauer Karnevalgelellsämft: Abends 9'/- Uhr: MonatDvet» sammlung im „Deutschen HauS".
Rerstetgecungs- etc. Kalender
iür Dienstag d en 4 März.
Holzversteiaerungen: i) im Furstl. Jsenb. Walddistrikt „Abtshecke" bd Laneeusilbold; Zusammenkunft vormittags 9 Uhr auf der Chaussee an der Wasserleitung (s. Nr. 51 „Han. Anz."). — 2» im Gemeindewalde zu Mictelbuchen; Zusamwenkanst vormittaas 10 Uhr auf der Straße nach Wilbelmsbad, am Abtrieb (s. Nr. 50 „Han. Anz."). — 3) im ®rüfl Revier Mterho z, Distrikt Lobrberg (Eckaitsbäuser Ober- walu); Teunin vormittags "«Lt Uhr (s. Nr. 51 „Han. Am.") — 4) der Gemeinde RückiNgen; Term'n nachmittags 2 Uhr in der Gast- wrth chaft des Herrn Wilhelm Dietz zu Rück-naen (f. Nr. 46 H. A."). Nachmittags von 2 Uhr ao werden im Versiciaerungslokale Lang» straße 83b verschiedene Mobiliar und andere Gegenstände durch den beeid. Taxrtor und Auktionator Herrn Fk. Kämpfer gegen gleich baare Zahlung versteigert.
Hue ptab und fern.
Nassel, 1. März. Eine Benzinexplosion fand heute Nachmittag in der Droguerie von Brandes in Rothenditmold statt. Der Lehrling Reißmann erlitt tödtliche Verwundungen, der Lagerraum wurde demolirt.
ß Hainftadt a. M., 2. März. Der 23jäbrige Konrad Salg aus Klein-Krotzenburg wurde zur Nachtzeit am „Bachsteg" von zwei Burschen überfallen und durch Messer« stiche an Rücken und Hand dermaßen verletzt, daß ärztliche Hilfe beansprucht werden mußte. Als Thäter wurden zwei 20 Jahre alte Arbeiter von Hainstadt - rmittelt. — Hier hat man die Errichtung einer fünften Schulklasse beschlossen, weil die bestehenden Klassen stark übervölkert sind.
A Aus Nuterfranken, 2. März. Der seit einigen Wochen in Groß-Heubach spurlos verschwundene fremde Schäfer wurde vorgestern unweit Groß-Heubach als Leiche aus dem Main gelandet. Es liegt zweifellos ein Unglücksfall vor. Die bei Klein-Krotzenburg am rechten Flußuser gefundene Mannesleiche ist also nicht, wie man damals annahm, mit dem vermißten Schäfer identisch. — Der Klapperstorch hat sich jetzt auch in den verschiedenen Mainufergemeinden und im Bachgau eingestellt. — Ein zweiter Hans Sachs, der Schuhmacher Franz Wörther zu Klein-Heubach, als Volksdichter in weiteren Kreisen bekannt, ist vorgestern nach längerem Leiden verschieden. Ein Theil seiner Gedichte und Aphorismen wurde von Dr. Schrattenthal in Preßburg herausgegeben unter dem Titel: „Franz Wörlher, ein Dichter und Denker aus dem Volke". Wörther war ein eigenartiger Mann, der mit seinen Ideen über die Alltagswelt hinausragte, ein Mann von reichen Anlagen und rastlosem Geiste. Das Erdenwallen brächte ihm wenig Rosen.
F^^ffurter Theater - Nepertoir.
Opernhaus. Dienstag den 4. März: „Die Afrikane- rin". Große Preise. — Mittwoch, 5.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Zar und Zimmermann". — Donnerstag, 6.: „Hänsel und Gretel". Hierauf: „Wiener Walzer". Gew. Preise. — Freitag, 7.: Geschloffen. — Samstag, 8.: „Der Freischütz". Gew. Preise. — Sonntag, 9., nachmittaos 3V1 Ubr: Vorstellung bei ermäßmten Preiien: „Das süße Mädel". Abends 7 Uhr: „Die Zauberflöte". Große Preise. — Montag, 10,: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „DaS süße Mäsel".
Schauspielhaus. Dienstag 4. März: „Es lebe daS Leben". Gew. Preise. — Mittwoch, 5.: „Bürgerlich und romantisch". Gew. Preise. -— Donnerstag, 6.: Vorstellung bei kleinen Preis n: „Mamsell Tourbillon". — Freitag, 7.: „Othello". Kleine Preise. — Samstag, 8.: „Rosenmontag". Gew. Preise. — Sonntag, 9., nachmittags 3'/, Uhr: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Der bäte Geist Lumpazivaga- bundus". Abends 7 Uhr: „Alt-Heidelberg". Gew. Preise. Montag, 10.: „Es lebe das Leben". ®nv. Preise. — Dienstag, 11. r Zum ersten Male: „Wiederfinden". Gew. Preise.
Patent-Ertheilungen.
Nr. 130 034. Verfahren zur Darstellung von Farbstoffen vermittels aromatischer Amidobmzv'basett. — Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a. M., vom 10. Auoust 1899 ab. Kl. 22f.
Nr. 129 808. Verfahren zur Darstellung von Verbindungen des Akrolellns mit Stärke, Dextrin, Gummiarten oder Protein- stoffen. — Kalle & Co. in Biebrich a. Rh., vom 14. April 1899 ab. Kl. 12p.
Nr. 129 434. Vorrichtung zur örtlichen Erhitzung eines Werkstückes durch Wossergas o. dgl. — J. Eduard Goldschmidt in Frankfurt a. M», Friedensstraße 7, vom 30. November 1900 ab. Kl. 49f.
Nr. 129 435. Verfahren zur Herstellung von Riemschei- ben, Stufenscheiben u. dgl. in einem Stück. — S. Frank in Frankfurt a. M., Speicherstraße 7 vom 3. März 1901 ab. Kl. 49f.
Nr. 129173. Aufzwickoorrichtung für Schuhspitzen. — Aldis Schamberg er itt Offenbach st. M., Domstraße 61, vom 14, April 1901 ab. Kl. 71c.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
Weichersbach. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung von Weichersbach belegenen, im Grundbuche von Weichersbach zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Bäckers Konrad Gärtner zu Weichersbach eingetragenen Grundstücke, am 18. März 1902, vormittags 8l/a Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Schwarzenfels versteigert werden.
Für die cvangcl. Kirche in Steinheim
sind weiter, eingegangen:
Poriger Betrag 785.74 M.
Von Herrn D. B. M. 3.—, Frau B. H.
• M. 2.-, L. P. M. 3.— 8.— „
Ferrit C. u. L. B. zwei Anhängern von Groß-Steinheim für die Glocken
des evangelischen Kirchleins 10.— „
Von Frau K. H. und Kindern für Genesung des lieben Gatten und Vaters, daß auch er den feierlichen Glocken- klang wieder vernehme 5.— „
Ein Kaffee-Kränzchen älterer Damen, Die wöchentlich zusammen kamen, Entrichtete regelmäßige Spenden, Und wollte die Kasse dann verwenden Zu einer gemein'amen Landparthie. Sie waren im Zweifel: Wann und Wie?
Nun aber haben sie beschlossen: Wir gebens den Steinbeimer Glaubensgenossen Und hoffen, daß auch ihnen bald Ein voller Glockenton erschallt! 10.— „
Dazu fügte eine fremde Dame noch 1 M. 1.— „ und schrieb:
Auch ich trank in dem Kränzchen manche Tasse, Drum geb' ich eine Mark zur Glockenkasse.
Von £. für die Steinheimer Kirche
Von einer Spaziergängerin für die Stein- heimer Kirche
Von Mitgliedern der Weihnachissparkafse in der „Stadt Bremen"
Von Herren H. I. 3 M. — Ungen. 3 M. Für das K rchlein über dem Main, Senden diese sechs Mark wir ein!
Sechs fröhliche Kranzschwestern a. d. Nachbarsch.
Ungenannter Altbekannter
Von zwei jungen Damm, Schwestern
Zwei Damen bitten mich, 20 M. auch für die Steinheimer Kirche verwenden zu wollen
Ungenannt mit einer kleinen Skizze des Kirchleins
Zwanzig Mark und fünf dabei, Bringe heut' ich noch herbei.
Bei ’nem froh'n Geburtsiagsfeste Stifteten sie mir die Gäste Mit dem Wunsch, daß drüb' der Bach
Bald die Glocken unter Dach.
Ach und dann noch fünfzig Pfennig Gab mir Eine! 's ist ja wenig, Für die Glocken. — Nehmen Sie Doch gefälligst auch noch die!
25.50 „
Tantum quantum für die Steinh. Kirche 3.— „
„Für Steinheim" in der Tasche meines
Ueberziehers gefunden 2.— „
mit folgenden Versen:
Bist Du die goldne Aehre nicht,
Die voll von Korn sich wieget,
Sei Du die kleine Blnme nur,
Die still das Aug' vergnüget l
Kannst Du als stolzer Pfeiler nicht
Im hohen Dome ragen,
Sei Du der kleinen Steinchen eins,
Die mit die Wölbung tragen.
Und schreibt mau Deinen Namen einst,
Auch nicht in Stein und Erz, Begnüge Dich, wenn Du beglückt
Ein warmes Menschenherz.
Von Schw. L. P. 3 M., Frau P. (Altstadt) 1M. 4.- „
Der gewesene Vergnügungsfahrer aus Freude darüber, daß er Aussicht hat, die evangel.
Glocken von Steinheim zu hören 3.— „
Von „D." 2.— „
Von freundlicher Dame eine Silbermark, Daß die Glocken klingen rein und stark I.— „
Zusammen 889.24 M.
Weiter abgeschickt 200 M. (zusammen bis jetzt 859 M.)
Wer bis jetzt dem Gange der Einnahmen und Ablieferungen für die Glocken der Steinheimer Kirche gefolgt ist, kann sich vielleicht die Freude vorstellen, die ich darüber empfinde, daß die Gaben so reichlich geflossen sind. Ich sage vielleicht, denn man kann sich doch niemals ganz in die Stimmung eines Anderen versetzen, und so sehr ich überzeugt war, daß mancher gute Freund, manche liebe Zuhörerin eine Gabe spenden würden, so konnte ich doch nicht erwarten, daß von so vielen, vielen ungenannten und mir zum Theil gänzlich unbekannten oder doch unerkannten Seiten die Thaler, und die 5= und 40-, und auch 20-Markstücke herbeifliegen würden. Es ist geschehen, es war sicherlich ein gutes Werk, und mein Herz ist dankbar bewegt, vor Allem Denen gegenüber, welche während der letzten Woche die Sammlung um über 150 Mark vermehrt haben. Mögen sie liebe Nachfolger in der kommenden Woche finden, welche das Tausend, von dem wir nicht mehr weit entfernt sind, voll machen helfen. — Man kann's ja nicht allen Leuten recht machen, daß aber mein Appell in so vielen Fällen, bei Ernst und Scherz, bei Traurigen und Fröhlichen, bei Reichen und Armen, bei den Herren beim Bier, bei den Damen am Kaffeetisch, im Familienkreise, und auch bei mancher einsamen, nicht zum Lachen aufgelegten Seele einen gebefreudigen Widerhall gefunden, das ist meine Freude in dieser Angelegenheit. Ich werde nun nicht mehr viel in dieser Sache schreiben; Manchem scheint es so schon viel zu viel, aber ich bewahre mir aus derselben eine wohlthuende Empfindung für das Leben.
Neßler.