Zweites Blatt.
Hanauer M Anzeiger
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General-Anzeiger.
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Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur r G. S ch r«ck e r in Hanau,
Ut. 5 1 Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Samstaa den L März
Bezirks-FernsßrechanWuß Nr. 98.
1902
politische Rundschau.
Vertreter des Kaisers bei einer englischen Feier. Vizeadmiral v. Arnim, Inspekteur des Bildungswesens, wird den Kaiser am 7. März bei der Grundsteinlegung der Marineakademie in Dartmouth vertreten.
In der Zolltarif Kommission des Reichstages wurde am Freitag der Maiszoll mit 14 gegen 13 Stimmen auf 5 M. erhöht. Damit sind die Vorlage und die anderen Anträge gefallen. Dr. Müller-Meiningen begründet seinen schon mitgelheilten Antrag an der Hand der Stati^ik und hebt hervor, daß Deutschland die höchsten Maispreise habe. Bei Position 8: Andere nicht besonders genannte Getreide- arten wurde der Zollsatz von IVa M. nach der Regierungs- fassung genehmigt, nachdem der Antrag Gothein (1 M.) abgelehnt worden war. Zu den Positionen 1—8 ist folgende Anmerkung gemacht: „Diele anmerkende Bestimmung kommt lediglich bei den Grenzbewohnern in Betracht. Abg. Stadthagen beantragt Zollfreiheit für Getreide in Garben. Nach Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags wird die Anmerkung der Vorlage angenommen.
Zucker-Konferenz. Das „Wiener Fremdenblatt" sagt: Wenn keine unerwarteten Zwischenfälle dazwischen treten, läß' sich die Unterzeichnung der Konvention der Zuckerkonfe- renz morgen entgegensehen. Die Basis der Vereinbarungen ist die Aufhebung sämmtlicher direkten und indir-ktcn Prämt-n mit dem 1. September 1903, Ermäßigung den Zuckereinfuhrzölle auf einheitlich 6 Francs mit dem 1. September 1903, Erhebung von Retorsionszöllen gegen Zucker aus den Staaten, die an der Gewährung der Prämien festhalten oder diese künftig gewähren sollten. Möglicherweise wird auch eine Klausel angenommen, die für die Zeit anormaler Preisentwicklung Fürsorge gegen massenhaftes Einströmen fremden Zuckers in die Konferenzstaaten trifft. Die österreichische Regierung theilte der ungarischen ihre Bereitwilligkeit mit, diesen Anträgen beizustimmen. Wenn auch die ungarische Regierung zustimmt, was als höchst wahrscheinlich anzusehen ist, würden die österreichisch ungarischen Vertreter in Brüssel noch heute ermächtigt sein, die Vereinbarung morgen zu unterzeichnen.
Ztt der Reichstags-Erfatzwahl im 14. bannover- schen Wahlkreise sind bisher als Kandidaten aufgestellt: Rentier Fritz Wehl-Celle (natl.), Gutsbesitzer Haarstrich-Ewern (kons.), Rittergutsbesitzer v. d. Wense-Bargfeld (Weife), Redakteur Thielhorn-Hannooer (Soz.). Dem Vernehmen nach will auch der Bund der Landwirthe noch einen besonderen Kandidaten aufstellen.
Im Abgeordnetenhaufe ist die Hoffnung, daß der Staatshaushaltsetat für 1902 rechtzeitig zu Stande käme, völlig aufgegeben. Demnach sind die Vorbereitungen
Feuilleton.
Stadttheater in Hanau.
— Hanau, 1. März.
Ein Rückblick auf die jüngsten Theaterabende läßt als die be- merkenswcrtheste der Neuemstudirungen diejenige des „M e i n e i d b a u e r" von Ludwig Anzengruber ganz besonders hervortreten. Dieser von einem kräftigen und gesundem Realismus durchsetzten Bauernkomödie Ward eine recht lobenswerthe Wiedergabe zu Theil und zeitigte eine Reihe guter Einzelleistimgen, unter denen ganz besonders Frl. Haas als Vroni und Herr Lindenlaub als Meineidbauer hervortraten. Die lebenstreue Ausgestaltung dieser Rollen durch die Genannten sei hier noch nachgerühmt. „Alt-Heidelberg" bewährte nochmals als Benefizvorstellung seine bewiesene Anziehungskraft und zwar diesmal zum Vortheil unseres jugenolichen Helden und Liebhabers Herrn Krön. Der fleißige junge Künstler konnte mit Befriedigung an seinem Ehren- abend auf ein volles Haus blicken, auch an anderweitigen Ehrungen fehlte es nicht. Herr Kron hat die gewordene Auszeichnung an feinem Be- nefizabend auch wohl verdient. Von der wachsenden Gunst des Publikums getragen, hat sich in dieser Spiel wit sein Talent kräftig entwickelt und er hat eine Reihe bedeutsamer Aufgaben, die ihm gestellt, auf das Beste gelöst. Besonders in seinen modernen Rollen offenbarte sich ein gründliches Studium derselben, ein sicheres Anempfinden und eine möglichst treue Lebenswahrheil im Spiel. Bei gleichem energischen Lorwärtsstreben wird Herr Kron das erstrebte Ziel, die möalichste Vollkommenheit in ferner schönen Kunst, wohl erreichen. Weiter hatte noch der Spielplan der letzten Tage die Aufführung des älteren vieraktigen Lustspiels „Der Compagnon" von L'Arronge aufzuweisen. Unseren Darstellern mußte wohl die Aufwärmung dieser Nichtigkeit in der dramatischen Litteratur selbst kein großes Vergnügen bereitet haben, denn bei Vielen war die energische Mithilfe des Souffleurs geboten. Dem dürftigen stofflichen Gehalt des Stückes sind als Ausschmückung vom Verfasser em paar Posseneffekte als Lichter aufgesteckt worden, welche die Lachlust wohl erregen, und wenn das der einzige Zweck des Stückes ist, dann ward er erreicht. Der gestrige Benefizabend zum Vortheil für die Soubrette Fräulein Dellmar brächte das altbewährte Benesiz- fmck „Muttersegen." Diese Komödie mit ihrem Ansturm auf die Gefühlsnerven und die Thränendrüsen der Zuschauer behauptet immer noch ttotz aller Modernen siegreich das Feld. Soweit unsere Erinnerung in den Theaterverhältniffen zurück reicht, ist uns nicht be«
zu einem Anträge bereits im ^ange, um in das Etatsgesetz die Bestimmung hineinzubringen, daß auch nach dem 1. April die Ausgab-o Bestatten werden können, bis der Etat für 1902 in Kraft getreten sein wird.
Ausfuhr russischer Pferde nach England. Wie der „Russischen Telegraphenagentur" aus Libau o-meldet wird, bat dort in den letzten Tagen eine lebhafte Ansfuhr von Pferden nach England stattgefunden. Die Pferde waren von Händlern in Kurland (Gouvernement Kowno) auf Jahrmärkten aufgekauft worden.
Die hessischen Landstände haben den Lstterie- d er trag m’t Oldenburg einstimmig genehmigt.
Pretzreform in Oesterreich. In her gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde ein Dr-nglichkeits-An- trag eingebracht, in welchem die Regierung aufgefordert wird, innerhalb 8 Tagen dem Abgeordnetenhause einen Preßreform- Entwurf vorzulegen. Diesen Dringlichkeits-Antrag beantwortete der Ministerpräsident von Körber sofort damit, daß er freiwillig die Initiative zu einer Preß-Reform ergreifen werde, daß er sich aber einen bestimmten Termin nicht festsetzen lasse.
Der Schah von P-rfien. Aus gut unterrichteter persischer Quelle wird der „Norddeutschen Allgemeinen Ztg." mitgetheilt, daß der Schah auf seiner diesjährigen Europa- Reise Ende Mai Berlin berühren wird.
Kaiserin Alexandra von Rußland spendete 10 000 Rnbel für die nothleidende Bevölkerung der vom Erdbeben fast völlig vernichteten Stadt Schemacha in Kaukasien mit der Bestimmung, daß vor allem warme Kleidung und Schubwerk beschafft werden soll.
Albanesische Blutrache. Die Ermordung des Alba- nesen-Häuptlings Mollah Seka in Jpek durch einen anderen Häuptling wegen Blutrache führte, wie über Konstantinopel depeschirt wird, zu einem blutigen Zusammenstoß der Freunde des Sobms des Ermordeten mit Freunden des Mörders. Auf beiben Seiten blieben 200 Todte und Verwundete. Auch der Mörder wurde schwer verwundet. Der türkische General Schemsi Pascha trennte mit mehreren Bataillonen die Kämpfen- den. Die Ruhe ist vorläufig hergestellt, der Handelsverkehr jedoch noch gesperrt. Von Ausschreitungen gegen Christen ist bisher nichts bekannt geworden.
Schiffs-Nachrichten.
Hamburg, 27. Febr. Der Dampfer „Abessinia" von der Hamburg-Amerika-Linie' ist vorgestern in Boston eingetroffen.
Bremen, 27. Februar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Undine" ist vorgestern in Colombo eingetroffen.
kannt, daß sie einen Benefizianten, der zu ihr Zuflucht genommen, hier je im Stich gelassen hätte. Und aus diesem Grunde wollen auch wir nicht mit dieser stets Hilfsbereiten in's Gericht gehen, ivndern das Gute, das sie in ihrem Sinne schafft, anerkennen. In dem mohlbe- setzten Zuschauerraum gab sich auch gestern in vielen schönen Augen das innigste Mitgefühl für das wechselnde Schicksal des armen Savoyardenmädchens Marie kund, die der Vater zum Schutze ihrer Tugend nach Paris schickt, und man zeigte sich durch lebhaften Beifall und durch Srangs und Blumenspenden Frl. Dellmar für den gebotenen Genuß dankbar. Die Chonchon ist eine Lieblingsrolle der Soubrette und Frl. Dellmar gab sie mit Frische und der nöthigen Munterkeit wieder. Für die Marie trat Frl. Gypen mit dem ganzen Lebreiz ihrer Persönlichkeit und ihrem hübschen Darstellungsvermögen ein, auch Herr Schwarz war ein recht drolliger Pierrot. Für die starken Gefühle des Elternpaares traten Herr Lindenlaub und FrauHantke mit bestem darstellerischen Erfolge ein und Frau Schwarz und Herr Gehrmann verkörperten die Marquise und den Kommandeur in der wirksamsten Manier. Herr Kron als Arthur, Herr Heinrich als Pfarrer, Herr Monato als Laroque und Herr Kinkel als Jaquot seien noch anerkennend genannt und noch besonders Herr Gehrmann für das flotte Zusammenspiel und das gute Arrangement. Zwei Tänze, vor der Vorstellung ein „Pas de Trois," „L'inconstant," aus- gefübrt von Herrn Söhnlein nebst zweier Damen, und nach der Vorstellung der „Ungarische Nationaltanz" von den Herren Söhnlein und Meerbott fanden stürmische Anerkennung. Die graziöse elegante Ausführung derselben zeigte Herrn Söhnlein wieder als einen Stetster seines Faches.
Kunst und Leben.
* Im Kunstsalon Hermes zu Frankfurt a. M. ist soeben die Ausstellung der Werke des Frankfurt- Cronberger Künstlerbundes eröffnet worden. Neu sind ferner in den Hermes'schen Sälen ausgestellt 2 Gemälde von Eugöne Laermans, Brüssel, 3 soeben fertiggestellte Werke von Franz Courtens, 6 Landschaften von Emil Lugo, 6 neue Werke von Max Liebermann, Landschaften von Fritz Thaulow, Vikior G i l s o u l, A. I. Heymans, Leistikow rc. Mit Einzelwerken sind außerdem die Mehrzahl unserer ersten Meister vertreten, wie L e m - bach, Thoma, Gebhardl, Trübner, Menzel, Knass rc. rc.
VIII Vollversammlung der Landwirth- sHastskammcr für den Rcg.-Bcz. Casscl.
Cafsel, 28. Februar.
In der heutigen Sitzung der Königlichen Landwirthschaftskammer wurden zunächst einige Mittheilungen über die Arbeitsnachweisstelle der Kammer gemacht. Die Verhandlungen erstreckten sich sodann auf innere Angelegenheiten der Kammer und zwar auf Neuordnung der Tagegelder und Reisekosten für die Kammermitglieder betreffend. Ferner gelangte der Etat für 1902/03 zur Berathung und Annahme. Weiter wurde über die Uebernahme der landwirthschaftlichen Winterschulen inHof- geismar, Fulda, Messungen, Gelnhausen und Rodenberg durch die Landwirthschaftskammer berathen und eine dahinzielende Resolution angenommen. In der Zolltarifs rage wurde nachstehende Resolution gefaßt:
„Die Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel sieht in dem von der Reichsregierung vorgelegten Entwurf eines Zolltarifgesetzes die Interessen der heimischen Land- wirthschaft nicht genügend gewahrt. Es würde bei Annahme des Entwurfes das jetzige Mißverhältniß zwischen Landwirthschaft und Industrie bestehen bleiben, vermuthlich sogar wieder eine ähnliche, verhängnißvolle Periode wirthschaftlicher Entwickelung ein treten, wie sie auf den Abschluß der jetzt bestehenden Handelsverträge folgte. Der nothwendige Ausgleich in dem bestehenden Mißverhältniß in Bezug auf die wirthschaft' liche Lage der beiden Hauptproduktivstände würde am einfachsten werden durch eine wesentliche Erhöhung der Getreidezölle, bereit Mindestsatz der Vorstand der Laadwirthschaftskammer s. Z. auf Grund besonderer Erhebungen und nach reiflichen Erwägungen mit 7,50 Mark für Wintergetreide und 6 Mark für Sommergetreide festgelegt wünschte. Die Vollversammlung der Land- wirthschaftskammer muß' auch heute noch derartige Zollsätze in Anbetracht der besonders hoben Produktionskosten unseres Bezirkes für durchaus angemessen und die daraus etwa entstehende Vertheuerung der Lebenshaltung für die anderen Berufsstände nicht als übermäßig belastend ansehen. Bei der Bemessung der Minimalzölle für Getreide unter die genannten Sätze würde ein Ausgleich nur in der Erhöhung der übrigen Agrarzölle und Einführung von Minimalzollsätzen für all? landwirthschaftlichen Produkte möglich sein, unter gleichzeitigem Verzicht auf alle Zollerhöhungen für Jndustrieprodukte, von welchen eine Vertheuerung der landwirthschaftlichen Betriebskosten zu erwarten ist. Sollten bei der endgiltigen Gestaltung des Zolltarifs die Sätze, welche die landwirthschaftlichen Vertretungen allgemein als nothwendig bezeichnet haben, nicht erreicht werden, so müssen wir jede Verantwortlichkeit in Bezug auf die Gestaltung der Tarife ablehnen, wenn es sich in der Folge herausstellt, daß derartige Sätze für die Erhaltung und
Die Kaisergräber in Speyer. Der bayerische Landtag hat gestern 120 000 Mark für die Oeffnung der Kaisergräber im Dome zu Speyer beziehungsweise für die damit zusammenhängenden Maßnahmen genehmigt. Der Kultusminister erklärte bei dieser Gelegenheit, daß Anregungen an ihn ergangen seien, ein Mausoleum auf Kosten des Reiches zu erbauen. Allein Bayern betrachte es als seine Ehrenpflicht, die Obhut über die großen deutschen Kaiser selbst zu behalten. Es seien bereits Maßnahmen in die Wege geleitet, die Angelegen- Heit dem großen Publikum zugänglich zu machen.
Humoristisches.
Boshaft. Dichterling: „Zehn Redaktionen habe ich augenblicklich Gedichte eingeschickt." — Freund: „Aber mußt Du Dir denn so viele Feinde machen?"
Unter Freundinnen. „Ich finde Deine Toilette furchtbar einfach!" — „So? Und ich die Deine einfach furchtbar!*
Durchaus klar. Herr bei einer Landparthie: „Mit wem habe ich das Vergnügen, mein Fräulein?" — Junger Backfisch: „Na, mit mir l"
Kleine Verwechslung. „Liebes Weiberl, diese Reissuppe schmeckt aber doch höchst eigenthümlich!" — „Ach, Männchen, sei nur nicht böse! ... Ich fürchte, ich hab' mich vergriffen und die Tüte mit den Ameismeiern erwischt!"
Vor der Front. Feldwebel: „Na, aber so dumm sein! Es ist schade, Kerl, daß man Ihre Dummheit dereinst nicht in Spiritus aufbewahren kann!"
Erkannt. Herr Meyer fragt auf der Reise in X. nach postlagernden Briefen. „Jawohl", sagte der Postbeamte, „da ist ein eingeschriebener Brief für Sie; Sie müssen sich aber legitimiren." Herr Meyer sucht in allen Taschen nach einer Legitimation, findet keine, zeigt aber schließlich dem Postbeamten seine Photographie. „Jawohl, das sind Siel" sagt dieser und händigt den Brief aus.