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5. Februar

Drahtnachrichten.

Der Krieg in Südafrika.

W. London, 4. Febr. Eine Depesche K i t ch e n e r s aus Pretoria vom 3. d. M. besagt: Seit dem 27. Januar sind 29 Buren gelobtet, 6 verwundet, 172 gefangen genommen, 48 ergaben sib. In der Kapkolonie befindet sich das Burenkommando von B a m b o o s b e r g, ein anderes unter Louis Wessels im Distrikt Cradock hielt am 1. d. Mts. einen Proviantzug an und steckte ihn theilweise in Brand.

W. Sidney, 4. Febr. (Reuter.) In der Schlußsitzung der Konferenz der Politischen Arbeitsliga wurde nach lebhafter Debatte mit 39 gegen 25 Stimmen eine Resolution angenommen, die sich für Autonomie der Buren, Am- nestirung der Kaprebellen und Wiederausrichtung der Farmen ausspricht. Die Resolution soll dem Premierminister des Bundes und dem Führer der liberalen Partei im Reichsparla­ment vorgelegt werden.

W. Bern, 5. Febr. Die schweizerische Frei- maurergroßloge Alpina richtete an die englische G r o ß l o g e ein Schreiben, in dem der Wunsch ausgedrückt wird, den Krieg in Südafrika bald beendigt zu sehen, und in dem hauptsächlich auf die Zustände in den Konzentrations­lagern hingewiesen wird. Die englische Großloge ant­wortete unterm 31. Januar in sehr verbindlichem Tone, be­kämpfte jedoch entschieden die von den schweizerischen Freimaurern vertretenen Ansichten, welche, wie die englische Großloge be­hauptet, auf falscher Berichterstattung beruhten. Die englische Großloge erklärt, daß König Eduard selbst die Beantwortung des Schreibens der Alpine befohlen und die Antwort gebilligt habe. Die Antwort enthält die schon bekannten Begründungen der Errichtung der Konzentrationslager, die hauptsächlich auf men­schenfreundliche Erwägungen zurückzuführen sei. Außerdem wird gesagt, daß die Lagerbewohner diese jederzeit verlassen könnten. Man theilte B o i h a und D e W e t mit, daß sie die Bewohner der Lager übernehmen könnten. Die Buren seien dazu nicht zu bewegen gewesen. B o t h a und D e W e t seien auch aufgefordrt worden, sich von den Zuständen in den Lagern bei Zusicherung freien Geleits zu überzeugen. Sie feien aber nicht gekommen. Ein einziger Burenhauptmann folgte der Einladung und äußerte nachher seine Befriedigung über die Konzentrationslager.

Die englische Antwort auf die Holländische Note.

W. Haag, 4. Febr. Die Antwort der englischen Regierung an die niederländische zollt den menschen­freundlichen Beweggründen des niederländischen Anerbietens, welches ohne Ermächtigung der Burendelegirten und Buren­führer gemacht worden ist, Anerkennung, hält jedoch den Ent­schluß aufrecht, keine Intervention einer fremden Macht anzuerkennen. Die Burendelegirten könnten, wenn sie wollten, freies Geleit erbitten, die englische Regierung werde die Entscheidung darüber je nach dem Inhalt der Be­gründung des Gesuchs treffen. Sie sehe nicht, daß die Delegirten noch irgend einen Einfluß auf die Burek- Vertreter in Afrika haben und meine,daß die Regierungs­gewalten in den Händen Steijns und Schalk Bürgers seien. Dann sei aber das schnellste und wirksamste Mittel, zu einem Uebereinkommen zu gelangen, sich in direkten Verkehr mit den Burenführern in Afrika und Lord Kitcheuer zu setzen, welcher schon "Befehl erhielt, jeden Vorschlag, der gemacht werde, sofort nach London zu berichten. Wenn die Buhrenführer unterhandeln wollten, um den Krieg zu been­digen, entschied die Regierung dahin, daß die Verhand­lungen in Afrika stattfinden müßten, nicht in Europa. Die vorgeschlagene Reise der Delegirten dauere mindestens drei Monate, während welcher Zeit die Feindseligkeiten unnöthig verlängert würden.

W. Haag, 4. Febr. Die Mittheilung der niederländischen Regierung an England betont zunächst die außergewöhnliche Lage, in der sich die Buren befinden. Sie seien von der W e l t a b g e s ch n i t t e n, den Delegirten in Europa sei es unmöglich, mit den Burengeneralen in Verbindung zu treten, ihre vom März 1900 datirten Beglaubigungsschreiben seien zu

Mittwoch

eng gefaßt. So ergebe sich die Frage, ob ein neutraler Staat nicht erfolgreich seine guten Dienste anbieten könnte, indeffwrr '^M

sich darauf beschränkt, die Vertrauenspersonen beider Parteien

in Berührung zu bringen. Die niederländische Regierung er­scheine ausersehen, solchen Dienst den in Holland sich auf- haltenden Bnr endele girten zu erweisen: sie konnte denselben vorschlagen, sich nach Südafrika zu begeben, sich mit den dortigen Burenführern inS Einvernehmen zu setzen nnd mit weitgehenden Vollmachten, auf Grund deren der Abschluß von Friedcnsverhandlnngen möglich sei, wiederzukehren. Wenn dieselben einverstanden seien, müsse ihnen freies Geleit und die Möglichkeit geboten werden, sich mittelst eines Chiffreschlüssels mit den Burenführern in Südafrika telegraphisch in Verbin­dung zu sttzen, um den Ort der Zusammenkunft mit denselben zu vereinbaren.

Hd. London, 5. Febr. Die heutigen Blätter besprechen insgesammt die gestern veröffentlichte holländische Note und die Antwort der englischen Regierung. DieTimes" erklärten, die Antwort Englands- mache den Staatsmännern, die sich an der Spitze der Regierung befinden, die größte Ehre. Das Blatt billigt in energischen Worten die Antwort Englands und kritisirt sehr scharf den holländischen Vorschlag. In den Annalen der englischen Diplomatie sei kein ähnlicher Präzedenzfall zu verzeichnen. Das englische Volk sei entschlossen, den Krieg, zu dem es von den Buren gezwungen wurde, zu beenden und werde es nicht dulden, daß eine fremde Macht sich in diese Angelegenheit einmische.Daily News" sagt, die Antwort Lord Landsdowne's sei vorwurfsfrei in der Form, bedauert aber, daß dieselbe den holländischen Friedensoorschlägen ent- gegensteht. Ein großer Schritt sei gemacht worden, dank der freundschaftlichen Gesinnung Hollands, welchem für die er­griffene Initiative die größte Anerkennung gebühre.Daily Chronicle" ist der Ansicht, daß eine andere Antwort seitens der englischen Regierung nicht nöthig war und hofft, daß die Antwort die Billigung der Mehrheit der Blätter finden werde. Daily Mail" betont, daß die Antwort einen guten Ein­druck unter den Mitgliedern des Unterhauses hervorgerufen habe, sogar unter den burensreundlichen. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Entschluß der Regierung, Friedens-Vorschläge von keiner Seite als von den Buren entgegen zu nehmen, zu billigen sei. Das Kabinet habe eine sehr entschlossene Haltung an den Tag gelegt und sich nicht die geringste Schwäche in dieser Frage zu-Schulden kommen lassen, nachdem man bei den langsamen Kämpfen so große Opfer gebracht habe. Daily Expreß" glaubt, daß der Ton der Note allgemeine Zustimmung finden werde. Das Ausland dürfe nicht ver- geffen, daß der Krieg eine innere Angelegenheit sei.

Hd. Wien, 5. Februar. Die hiesigen Blätter sind von dem holländischen Notenwechsel höchst befriedigt. Sie er­blicken in demselben den Wunsch Englands, den Frieden auf eine kürzere Weise herbeizuführen, als durch die Vermittelung von dritter Seite. DieNeue Freie Presse" schreibt: der Empfindung werde sich Niemand verschließen können, daß der Notenwechsel außerordentlich zur Klärung der Situation bei­getragen hat und nicht ungünstige Ausblicke auf weitere zum Frieden führende Schritte eröffnet.

Aus Serbien.

Hd. Belgrad, 5. Febr. Große Erregung ruft in Offizierskreisen ein vertraulicher Erlaß hervor, wonach die Offiziere in Zukunft die Geschwister der Königin Draga zu grüßen haben.

Allgemeine Wehrpflicht in Spanien.

Hd. Madrid, 5. Februar. General Weiler hat im Senat einen Gesetzentwurf betreffend Einführung der allge­meinen Wehrpflicht zur Verlesung gebracht.

Die Pestgefahr.

Hd; London, 5. Febr. In Brisbane ist ein Pest­fall mit t ö d t l i ch e m Ausgange zu verzeichnen gewesen. -

Von der Pariser Weltausstellung.

W. Paris, 5. Febr. Handelsminister Millerand theilte gestern anläßlich der Budgetberathung in der Kammer mit, die Einnahmen und Ausgaben der Weltausstellung seien auf llo1^ Millionen Francs veranschlagt, sodaß ein Defizit nicht vorhanden sei.

Seite 3 m&mbimmm

M. Berlin, 5. Febr. Im Künstler-Kabarett Buntes lettl am Alexanderplah gab es gestern einen Novitäten»

Abend. Einen durchschlagenden Erfolg erzielte eine äußerst amüsante Berliner Dienstboten-Episode'Stasia", so benannt nach einer Spreewälder Amme, die von der bekannten Soubrette Anna Müller-Lincke vortrefflich dargestellt wurde. Der Verfasser Ion Lehmann konnte sich wiederholt für den lebhaften Beifall des zahlreich anwesenden Publikums bedanken.

Hd. Berlin, 5. Febr. DerLokal-Anzeiger" hört von unterrichteter Seite, daß der Besuch des Prinzen von Wales zu einer gegenseitigen loyalen und offenen Aussprache über die Bülow-Chamberlain'sche Affäre geführt hat und daß diese Aussprache, weit entfernt von einem Mißklange, ihrem ganzen Inhalte nach wesentlich dazu beitrug, daß die maß­gebenden deutsch-englischen Kreise den Zwischenfall für abge­than halten.

Hd. Berlin, 5. Febr. Wie derLokal-Anzeiger" von vorzüglich unterrichteter Seile hört, verlief der Besuch des Prinzen von Wales, was seine Dauer ünb die sonstigen äußeren limstände betrifft, vollständig programmmäßig. Von einemMißklang," wie in ProvinzbläUeru behauptet wird, könne keine Rede sein, denn der Empfang, den der Kaiser und die Kaiserin ihrem Gaste bereiteten, war von der denkbar größten Herzlichkeit, sodaß sich der englische Prinz hier über­aus wohl fühlte intb seiner großen Freude über die Aufnahme, die er gefunden, wiederholt Ausdruck gab.

W. Berlin, 5. Febr. Der Fernsprechverkehr Mit Frank­reich ist jetzt auf 308 Orte in den Departements Seine, Seine et Oife und Seine et Marne ausgedehnt.

W. Berlin, 4. Febr. Ein 6jähriger Knabe wurde heute Nachmittag in der Skalizerstraße von der Eisenbahn todt gefahren.

W. Berlin, 5. Febr. Die Morgenblätter melden aus München: Eine verheirathete Frau, Mutter von 4 Kindern, versuchte auf offener Straße ihren ebenfalls verhei- ratheten Geliebten zu erschießen; Letzterer wurde lebens­gefährlich verletzt.

W. Wie», 5. Febr. DieWiener Ztg." publizirt die Ernennung des Privatdozenten der Universität Heidelberg, Friedrich G o t t l, zum außerordentlichen Professor der Volks- wirthschaftslehre an der deutschen technischen Hochschule in Brunn.

W. Madrid, 5. Febr. Die Polizei von Barcelona be­schlagnahmte eine Ladung Bajonette, die für die Carlisten bestimmt war.

W. London, 5. Febr. Ein Telegramm aus Dart- m o u t h besagt, daß seitens der Admiralität Vorkehrungen zur Unterbringung von Offizieren und Kadetten deS deut­schen SchulschiffesMoltke" getroffen werden, welches man dort zu der am 7. März erfolgenden Grund­steinlegung der Marineschule durch König Eduard erwartet. Auch wird auf die Anwesenheit anderer ausländischer Schiffe gerechnet. Außerdem wird eine Anzahl Schiffe des Kanalgeschwaders zugegen sein.

W. New-Nork, 5. Febr. (Reuter). Eine Depesche aus. W i l l e m st a d besagt, nach Meldungen aus Caracas theilte Frankreich der venezolanischen Regierung mit, es werde das Protokoll über die Wiederaufnahme der diploma­tischen Beziehungen nicht unterzeichnen, wenn nicht der franzö­sische Unterthan Secrestadt sofort die Erlaubniß erhalte, in Venezuela zu landen und die Interessen seines Vaters wahr- zunehmen. Falls Venezuela sich weigere, die Erlaubniß zu ertheilen, werde Frankreich sofort auf venezolanischen Kakao Zölle legen, waS für Venezuela ein schwerer Schlag wäre.

W. Washington, 5. Febr. Im Reprüsentanten- Hause brächte C och ran einen Beschlußantrag ein, den Präsidenten Krüger einzuladen, die Vereinigten Staaten als Gast deS Landes mit völliger Bewegungsfreiheit zu be­suchen und eine Summe bis zu 25 OOO Dollars anzuweisen, um die Kosten des Besuches an decken.

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