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Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

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Geireral-Auzeiger

Dedruar uns verlegt tu der Buchdrucker« des verein, ev. Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau Waisenhauses in Hanau. ~ r , , _ , _ ; , ~

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schlecker in Hanau.

Nr. 27

Bezirks-Fernsprechansckluß Nr. 98.

Hus Stadt und £and,

Hrnaa, 1. Februar.

* Z«m Fürsorge - Erziehungsgesetz. Kann ein Kind, ohne daß ein Verschulden desselben vorliegt, der Für­sorgeerziehung überwiesen werden, wenn es infolge der mangelnden Erziehung seitens der Eltern in Gefahr steht, der Verwahrlosung anheimzufallen? Ueber diese Frage scheinen hier und da noch Unklarheiten zu bestehen. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die Fürsorgeerziehung in allen Fällen eintreten kann, wo eine Verwahrlosung zu befürchten steht, d. h. wo die Eltern ibre Pflichten gegen ihr Kind gröblich versäumen, dadurch, daß sie nicht für die nöthige Ernährung und Pflege desselben sorgen, dasselbe nicht genügend beauf­sichtigen, nicht zum Sckulb-such anhalten, mißhandeln oder zum Bösen verleiten. Eine Verwahrlosung des Kindes braucht noch nnbt vorzuliegen.

* Wieder ein Hauauer. In der der Pflege des Exporthandels dienenden MonatsschriftColumbia" ward mit der Veröffentlichung einer Reihe von Artileln begonnen, die über die großen amerikanischen Handelshäuser mit ihren euro­päischen Spezial-Reprä entanten nähere Mittheilungen machen. Die Artikelserie beginnt mit der N. K. Fairbank Company in Chicago, Newyork und London und deren europäischen Spezial- Repräsentanten Henry G. Hahn in Hamburg. In dem Ar­tikel heißt es dann u. A.: Stets mit der Zeit fortschreitend ist The N. K. Fairbank Company immer darauf bedacht gewesen, die Verhältnisse und Bedürfnisse in ihrem Absatzfeld genau zu studiren und hat für diesen Zweck auch schon seit Jahren einen beständigen Spezial-Reprälentanten auf dem Kontinent, um Lurch fortwährende Fühlung mit ihren zahlreichen Freunden das beste Interesse derselben zu wahren. Sluch in der Wahl ihres jetzigen Spezial-Repräüntanten auf dem europäischen Kontinent ist The N. K. Fairbank Company sehr glücklich ge­wesen; es ist dies Herr Henry G. Hahn. Derselbe ist am 23 Oktober 1872 in dem Jndustriestädtchen Hanau a. M. geboren. Nach Absolvirung der Realschule in seiner Vaterstadt und einer gründlich deutschen kaufmännischen Ausbildung in dem Komptoir einer der ältesten Ziaarren-Fabriken seines Ge­burtsortes wanderte er im Jabre 1891 nach den Vereinigten Staaten aus, um drüben sein Glück zu versuchen. Nach bei­nahe achtjähriger Thätigkeit in einem allgemeinen Exportgeschäft, für das er ca. 6 Jabre als Prokurist thätig war, kam er nach Chicago zu der Fairbank Company und wurde von dieser Ge­sellschaft im April 1901 mit der Spezial-Repräsentation auf dem europäischen Kontinent betraut. Durch die Leichtigkeit, mit weicher sich Herr Henry G. Hahn den Verhälmifsen seines Geburtslandes sowie des ganzen kontinentalen Europas anzu- passen wußte, ist es ihm schnell gelungen, das zwischen seiner

Kleines Feuilleton

Ueber das Treiben der Kurpfnfcher in Berlin macht H. Runge, Unterarzt an der Wasserheilanstalt der Ber­liner Universität, in derDeutschen Medizin. Wochenschrifr" einige Mittheilungen. Ein Naturarzt, der früher lan'rwirth- schaiilicher Verwalter war, verordnete für sämmtliche Leiden Umschläge von Quetschkartoffeln. Sie sollten bei Unterschenkel­geschwüren, Rückenmarkssckwindsucht und fortschreitender Läh­mung unfehlbar helfen. Ein von ihm erfundener Trank, der neben den Quettchkartoffeln verabreicht wurde, kostete für die 100-Gr.-Flaiche 3 Mk. Ein anderer Ramrheiliger^ der in Berlin eine große Praxis besitzt, warf sich mit solch glühendem Eifer auf die Behandlung eines Beinschadens, daß er der be­treffenden Frau große Brandwunden beibrachte. Jede Brand­wunde kostete 5 Mk. Ais die Frau schließlich ihre und seine Dummheit einsah, mußte er allerdings die Behandlung durch einen prakti chen Arzt mitbezahlen, um nicht verklagt zu wer­den. Harmloser war die Behandlung, die ein Kräuterpfuscher einem Schmiedelehrling angedeihen ließ. Er ließ ein hnßes Bad rüsten, öffnete seinen Medizinbeutel, schüttete Eichenspähne in das Wasser und warf zum Schluß unter Verschwörungen ein weißes Pulver dazu, dessen Natur nicht zu bestimmen war, da er die Tüte nicht aus der Hand ließ. Kostenpunkt 5 PK. Ein Kranker war einemmystischen Heilkundigen" in die Hände gefallen. Er litt an Asthma. Der Wunderdoktor legte ihm einen Lappen auf die Brustseite und sprach:Jlö blase Dir denlebendigen Odem" ein." JedeAnhauchung^ mitIcbendigem Odem" kostete 3 Mk., half nichts und hatte noch nicht einmal den Erfolg, daß der Kranke klug wurde und sich künftig vor derartigenDoktoren' hütete. Diemystische" Behandlung ist verbreiteter^ als man denkt. Er gibt ganze Vereine, dieIin diesem Fache machen". Ein Fall von Bleivergiftung sollte mitgeistigem"

Samstaa den 1. Februar

Gesellschaft und ihren verschiedenen Korrespondenten bestehende gute geschäftliche Einvernehmen zu einem persönlich freundschaft­lichen zu gestalten, und wird sich die Wahl der Leiter dieser Kompagnie, einen geborenen Deutschen mit einer solchen Mission zu betrauen, von großem Nutzen für ihr Geschäft erweisen.

* Kretssparkasse» Der Geschäftsverkehr bei der hiesi­gen Kreissparkasse hat sich im Monat Januar ds. Js. wie folgt gestaltet: An Spareinlagen wurden 256132.48 Mark bewirkt. Die Rückzahlungen betrugen 82417.74 Mark. Es wurden mithin 173 714.74 Mark mehr eingelegt als zurück­gezahlt. Die Einnahmen an Zinsen, zurückgezahlten Kapi­talien rc. Beliefert sich auf 91002.68 Mark. Verzinslich an­gelegt wurden 253 075 Mark. Die sonstige» Ausgaben be­trugen 4279.26 Mark. Der Gesammtumsatz beziffert sich hiernach auf 686 907.16 Mark. Die Kreissparkasse verzinst die Einlagen mit 3% Prozent und gewährt Darlehen unter zeit­gemäßen Bedingungen Provision? frei. Die vom 1. bis 3. Kalendertage eines Monats eingezablten Gelder werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und die Sparkassenbücher kostenfrei verabreicht.

* Bahnfrevel. Vorgestern früh hätte sich auf der Strecke GelnhausenGießen leicht ein Eisenbahnunfall ereignen können, der durch die Wachsamkeit des Streckenwärters glücklicherweise verhütet würbe. Dieser fand beim Abschreiten der Geleise in der Nähe des Riegelpfades zwei schwere Schwellen, die quer über dem Gelesie lagen. Die Gendarmerie nahm au Ort und Stelle bei: Thatbestand aus.

* Stadttheater. In den Sonntags-Vorstellungen Die Landpartie nach Königstein" undWos will er" sind hervorragend beschäftigt Herr M o n a t o (Hampelmann und Satter Riedesel), Frl. Hannewald (Diensrmaad Lowis und Sannche), die Herren R e tz b a ch (Slilzke), L i n d e n l a u h (Lehrers, Ri n kel (Sturm), Frau Rieger (Frau Schnuckes), Frl. Leoni (Rosinche) und Frau H a n t k e (Frau Hampel- mann). Es ist nicht zu bezweifeln, daß die sehr lustige Auf­führung starken Lacherfolg haben wird. Als Faschings-Kinder- Vorstellung ist Görners beliebtes MärchenAschenbrödel" ge­wählt worden.

* Kaisers-Geburtstagsfeier. Morgen Nachmittag SVs Uhr feiert der hiesige evang. Männer- und Jünglings- vercin den Geburtstag Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II., wozu die Mitglieder hierdurch freundlichst eingeladen sind.

* Post- und Telegraphen Unterbeamtenverein. Die Feier des 6. Stiftungsfestes, die morgen Abend vor sich geht, beginnt abends 7 Uhr.

* Wiener Spitze. Das S ü d d k u t s ch e Gesangs­quartett, das morgen in b^Wiener Spitze" auftritt, konzertirte zuletzt in Hamburg und besitzt ein von der dor­tigen Bebörde ausgestelltes Zeugniß, ein Beweis für ihre

Beistände bei einer spiritistischen Sitzung geheilt werden; die Müspiritisten gaben sich zwar alle Mühe, bei ihrem Kollegen Geist" zur Rettung erscheinen zu lassen; aber verlorene Liebes­müh ! Die Sitzung blieb geistlos und der Kranke behielt seine Bleivergiftung. Bei einem anderen dieser mystischen Heilkünstler spielen Spiegel eine große Rolle. Er empfahl einem Neu- rastheniker, sich möglichst viele Spiegel ins Zimmer zu hängen; Spiegel von verschiedener Form und Fassung waren für ver­schiedene Leiden ang'geben und wer Kopfschmerzen hatte, sollte auf der einen Seite des Hutes stets einen kleinen Spiegel tragen. Ein anderer Berliner Wunderdoktor, jetzt Vorsitzen­der einer Malerinnung, war früher Kavallerie-Unteroffizier gewesen. In seinem Sprechzimmer hingen an den Wänden lange Glasröhren und mehrere Reiterpallasche. Er strich den Kranken bei feiner Behandlung langsam über den ganzen Leib, schleuderte dann dieKrankheit" zur Erde und blies mit den Glasröhren, die je nach der Art und der Stärke des Leidens verschieden lang und dick waren, die Krankur an. Jede Sitzung kostete 5 Mark. Ein Gichtkranker wurde auf diese Weife 140

Mark, aber nicht seine Krankbeit los.

Eine neue Heimstätte für jenseits des großen Wassers entstanden, von Gretna-Green in Schottland sein gesetzlich gelegt wurde, jedes ehelustige

Heirathslustige ist Seitdem dem Schmied freundliches Handwerk Pärchen ohne weitere seitdem auch in Helgo-

Dokumente zusammengeben zu dürfen, land die leichte Eheschließung durch das gestrenge Königliche

preußische Standesamt unmöglich geworden, war das Bedürfniß nach einem solchen Heirathsdorado wieder rege geworden. Wenn man sich gegenseitig liebt, wenn seine oder ihre Eltern nicht recht wollen, wenn es mit den Papieren ein bißchen hapert, so gibt es jetzt einen Ort am Michigan-See, wo matt ohne alle diese peinlichen und ärgerlichen Nebenumstände ruhig die Hand in die des geliebten Wesens legen kann, und nach fünf Minuten ist man ehelich verbunden. Es war der Präsi­dent einer Schifffabrtsgesellschaft, die nicht recht in Gang kommen wollte, der seiner Vaterstadt eine besondere Anziehungs­

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattuugsblatt 14 Seiten

Bezirks-Fernsßrechanschlnß Nr. 98.

1902

K33SH5

Leistungsfähigkeit. Die Gesellschaft, welche schon fast den ganzen Kontinent bereiste, hat auch auf der letzten Pariser Weltausstellung im Restaurant Spaten-Bräu konzertirt.

* Carnevalistischer Abend. Der KlubAmicitia" hält dieses Jahr seine carnevalislische Abeudunterhaltung mit Ball am 15. Februar 1902, also am Samstag nach Fastnacht, in den festlich besonnten Sälen desDeutschen Hauses" ab. Prinz Carneval selbst aat dieses Mal eine Ausnahme gemacht und sein Erscheinen an diesem Abend an« ßefagt. Ein zusammengestellteö komisches Programm zeigt uns, baß man eine abwechselungSreiche Unterhaltung zu erwarten hat und können wir Jeden den Besuch bei diesem Klub bestens empfehlen. Derselbe hat ja schon so oft gezeigt, daß er im Stande ist, etwas zu bieten, und glauben wir »sicht, baß er dieses Prinziv, welches er stch gesetzt hat, dieses Mal fallen läßt. Eine Liste befindet sich durch den VereinSdiener Buxbaum im Umlauf, auch sind Eintrittskarten bei sämmtlichen Mitgliedern und abends an der Kasse zu haben. Wir verweisen noch auf heutiges Inserat und wünschen dem Klub ein vollbesetztes Haus.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet in den Sälen zu Wilhelms bad Konzert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt Der Weg nach dem Bahnhof ist erleuchtet.

0 Hebung der Fischzucht. Im abgelaufenen Jahre wurden für Einsetzung von Aalen, Karpfen und Zander in den Main auf unterfränkischem Gebiet rund 2700 Mark ver­wendet. Diese Thatsache ist ein gutes Zeichen zur Hebung der Fischzucht im Main und iu dessen Seitengewässcrn. Dem­nächst richtet der unterfränkische Fischerverband an das Mini ­sterium Petitionen, in welchen um Erhöhung der Gebühren für Lösung der Angelkarten, sowie um Erhöhung der Strafe für Frevler in den Schonrcvicren von 3 auf 50 Mark und um Errichtung eines Fischpasses nachsuchen wird.

O Urkomische Verwechselung. Cylinderhut und Aborrsdeckel wurden bei einem drolligen Vorkommnis; gestern in friedlicher Eintracht angestannt und herzlich belacht. Und das kain so: Ein nobel gekleideter Geschäftsreisender benutzte gestern zur Fahrt von Aschaffenburg nach Hanau einen Per- sonenzug. In Klein Ostheim faut ihm plötzlich ein Bedürfniß, zu dessen Befriedigung er sich des StationsaborteS bediente. Bei dem kurzen Aufenthalte war Eile dringend geboten und als das Ab'ahrtsignal des Zng'ührers früher als vermuthet ertönte, sprang unser Reisegefährte, mit. der einen Hand die Unaussprechlichen mühsam zusammenhaltend und mit der an­deren den Abortsdeckel krampfhaft umklammernd, Herzu und athemringend in den Wagenabtheil. Erst das homerische Ge­lächter der zahlreichen Mitreisenden belehrte ihn, daß er das behutsam neben seinem Cylinderbnte niedergelegte Aborts-Jn- ventarstück in der Hitze des Gefechtes mit seinem Handgepäcke vertauscht hatte. In Dettingen mußte der Draht spielen, um die Folgen dieser urkomischen Verwechselung wieder auszugleichen.

* Verunglückt. Vorgestern explodirte in der Fechen- heimer Anilinfabrik ein Sänrekessel. Der Schreiner Wilhelm Meyer von Fechenheim, verheiratet und Vater von fünf

=!>......... ^gg»"M!ggggggH l kraft zu geben beabsichtigte und nun auf dies eigenartige Mitte verfiel. Wie Chicago durch seine weltberübmterk Pöbelkammern, wie Minneapolls durch seine wunderbaren Mühlen, so sollte Sankt Joseph so hieß der Flecken am Fuße des Berges am See durch eine freie Heirathsstation berühmt werden. In allen Städten und Städtchen der Provinz Wisconsin wurden Plakate angebracht mit dem Text: In Sankt Joseoh kann man kostenlos heirathen. Die erste Schiffsladung zukünftiger Ehegatten kam am 24. Juli 1899 auf dem Landungsplatz von Sankt Joseph an, und die Wohnung des Sekretärs der Verwaltung war von Hunderten von ehelustigen Pärchen belagert. Billigkeit und Schnelligkeit, das ist die Devise, die jeder Heiralhskändidat in Sankt Joseph angewendet findet. Seit diesem ersten großen Schub in die Ehe, der tadellos funttionirt hat/ ist der Sekrekär, der Friedensrichter und die beiden Kultusbeamten fortwährend an der Arbeit. Ein städtischer Polizeibeamter in großer Uni­form, der im Gürtel einen kurzen Stock trägt, dessen Knauf mit einer eleganten Quaste geziert ist er läßt denDegen" aber immer in der Scheide steht tagaus tagein am Landungsplatz und späht nach dem neuen Schiffe aus, welches die süßen Liebeslasten trägt. Sowie das Schiff mit den Pärchen anlegt, läßt der Polizist sie aussteigen, regelt den Zug, setzt sich an seine Spitze und führt Männlein und Weiblein richtig gepaart zum Ehestandssekretär. Seit dem neuen Jahr ist nur eine kleine Aenderung in den Gebräuchen eingetreten. Die Eheschließung ist nicht mehr ganz kostenlos, sondern sie kostet Stück für Stück einen Dollar. Die Geschäfte gehen glänzend, die Schifffahrtsgesellschaft läßt ihre Eheflottille be reirs wieder um einen neuen Dampfer vermehren und der Sekretär, der alle die glücklichen Hände paarweise ineinander- legt, Hai einen Jahresabschluß von 10000 Dollars Nettoein­nahme gemacht. ' Man muß schon ein ganz ausgepichter Jung­geselle sein, um sich diese überaus günstige Gelegenheit, in den heiligen Stand der Ehe zu segeln, mtgehen zu lass-n. Wem also das Herz unter der Weste brennt und wer mit seinen gesetzlich vorgeschriebenen Papieren im Rückstand ist auf