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Erstes Blatt.

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Eiurückungsgcbiihr:

Für Stadt- und Landkreis - Hanau 10 Pfg. die fünf# gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- sartige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

AMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!« Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

^tt. 26 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Brettern den 3L Januar

Bezirks-Fernsprechanschluß 9fr. 98.

1902

Amtliches

Stadt- und Landkreis Hanau.

An einem im hiesigen Schlachthause geschlachteten Schweine des Johannes Meerbott aus Marköbel ist die Rothlaukseuche festgestellt worden.

Ueber das Mrerbotl'sche Geböft wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 30. Januar 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 857 v. ©ebenes.

Holz-Versteigerung.

Freitag den ". Februar 1903, von vormittags 10 Uhr ab, im K a i s e r h o f Lamboystraße Hanau aus den Distrikten Schönetanne, Schmaleck, Juden^chlag, Lamboywald, Kohlbrunnen, Seeloch, Thiergarten, Kohlrain, Sausteige und Unterwald.

Eichen: 7 rm Nutzscheit II. Kl. in Rollen, 121 rm Scheit, 120 rm Knüppel, 42 rm Stockholz, 3590 Wellen Reis.

Buchen: 74 rm Scheit, 5 rm Knüppel, 31 rm Stock- Holz, 2280 Wellen Reis.

Birken: 4 rm Nutzknüppel, 170 rm Scheit, 22 rm Knüppel, 39 rm Stockholz, 5 rm Reis, 2130 Wellen Reis.

Anderes Laubholz: 4 rm Erlen-Nutzscheit II. Kl. in Rollen, 28 rm Scheit, 24 rm Knüppel, 4 rm Stock­holz, 1000 Wellen Reis.

Kiefern: 275 rm Scheit, 212 rm Knüppel, 132 rm Stockholz, 7210 Wellen Reis.

Fichten: 42 Stämme V. Kl. mit 6,55 tw, 86 Stangen LIII. Kl., 100 Stangen V. Kl., 4 rm Stock­holz, 870 Wellen Reis.

Das Holz im Bruchköbeler Wald wird zuerst verkauft. Königliche Oberförsters Hanau zu Forsthaus Neuhof. 2063

Hue Stadt und Land,

Hanau, 31. Januar.

* Innere Mission. Die Herren Lehrer wird es intereisiren, zu hören, daß im Frühjahre in Cassel ein In­st r u k t i o n s k ursu8 für Innere Mi sion stattfinden soll, zu welchem man etwa 30 Lehrer aus Hessen und Waldeck einzu- laden gedenkt. Der Kurtus bat den Zweck, die Theilnehmer

Feuilleton.

Zweites Abonilemeiits-Koiizert des Oratvricnverciiis.

Hanau, 31. Januar.

Zur Einführung.

Das 16. Jahrhundert das Zeitalter der Niederländer nimmt in der'Geschichte der Tonkunst eine bevorzugte Stellung ein. Eine fast unübersehbare Menge herrlicher Kunstwerke, vom einfachen Volkslied bis zur komplizirien Comrapunkuk der Motette und der Messe, hat es der bewundernden Nach­welt hinterlassen. Palestrina, Lasso sind Namen, die auch dem Laien geläufig sind. Aber nicht die einzigen, die einer ge­rechten Würdigung auch seitens der Allgemeinheit unteres musikalischen und musikliebenden Publikums werth sind. Aller­dings ist uns das Verständniß dieser alten Meisterwerke da­durch bedeutend erschwert, daß die damalige Praxis auf ganz anderer theoretischer Grundlage ruhte als die unwige. Das rein melodische Element der sogenannten, Klrchentonarten (ein Name der übrigens falsch ist, da auch die weltliche Musik derselben Tonarten bediente) ist unserem harmonischen äur uns moll vollständig entgegengesetzt. Galt bot die Terz, dieses für uns unentbehrliche Intervall, als eine Dissonanz! Daher fangen die meisten Stücke mit der leeren Quinte an und schließen mit derselben ab. Daher die vielen Quartenfort- schrertungen (z. B. am Schluß vonInnsbruck, ich muß dich lassen") die uns so hart vorkommen. Von dem Tage an aber, als Zarlino der verachteten Terz ihre Ehre als Kon'onanz wiedergab und Glarean unter modernes dur und moll (aller­dings 'zunächst unter den Namen der ionischen und äolrschen (neunten und elften KirchenPTonart) aufstellte, stürzte die alte Herrlichkeit des Contrapunkts zusammen. Um dieselbe Zeit (Mitte des 16. Jahrhunderts) änderte sich die Komposittons- technik derart, daß die früher dem Tenor also einer Mittel- stimme - zugetheilte Hauptmelodie nun dem Sopran zuge-

mit den verschiedenartigen Arbeitsgebieten und Anstalten der Inneren Mission bekannt zu machen und so die Antheilnahme an diesem Werke zu fördern. Die Sache geht von dem Evangel. Verein für Innere Mission in Cassel aus, und will dieser auch die nicht unbedeutenden Kosten aus den Mitteln des von ihm herausgegebenenSonntagsboten" bestreiten. Die Theilnehmer würden freie Reisen und freie Unterkunft und Verköstigung im neuen evangel. Vereinshause für 5 bis 6 Tage haben. Die Leitung wird in den Händen des Herrn General-Superintendenten Werner liegen.

* Gegen die Maul- und Klauenseuche. Mit Rücksicht auf die zur Zeit bestehende Gefahr der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche hat der Herr Regierungspräsident zu Cassel unter Aufhebung der seither bestandenen Vorschriften neue landespolizeiliche Anordnungen erlassen, die in der letzten Nummer des Amtsblattes veröffentlicht werden und mit dem Tage der Verkündigung in Kraft treten. Die neuen Bestimmungen beziehen sich auf den Transport von Schweinen und Kälbern, auf die Einstellung in fremde Stal- lungen, auf das Aufbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf die Märkte, auf das Betreten verseuchter oder seuchever- dächtiger Stählungen und Weiden und auf die künstliche Ueber- tragung des Ansteckungsstoffes. Auch gegen die Verbreitung der G e f l ü g e l ch o l e r a sind neue Vorschriften erlassen worden, die ebenfalls veröffentlicht werden.

* Apotheker Kammer. In Folge Einladung des Herrn Ober Präsidenten der Provinz hatten sich vorgestern Vor- mittag 11 Uhr die Mitglieder der A p o t h e k e r k a m in e r aus den beiden Regierungsbezirken Cassel und Wies­baden zum ersten Mal in dem großen Sitzungssaal der Königlichen Regierung in Cassel zusammengefunden, um die erste konstituirende Sitzung abzuhalten. Dieselbe wurde durch Se. Excellenz den Herrn Oberpräsisenten, der in Begleitung des Herrn Regierungsraths S ch u l i n erschienen war, mit einer auf die Bedeutung der Apothekerkammer hinweisenden Ansprache eröffnet, worauf zur Wahl des Vorsitzenden u. s. w. geschritten wurde. Es wurden gewählt als Vorsitzender Herr Apotheker Thomas'Cassel, dessen Stellvertreter Herr Apotheker Sander-Hokgeismar, Schriftführer Herr Apotheker Rehre-Cassel. Zum Vertreter der Apothekerkammer im Apothekerkammer Aus­schuß in Berlin wurde Herr Apotheker Breckebusch-Wiesbaden gewählt.

* Herstellung neuer Anschlüsse an die Orts- Fernsprechnetze. Nachdem im Ober-Postdirektionsbezirk Cassel die Fern'prech-Bauarbeiten für das vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 laufende Rechnungsjahr inzwischen einge­

wiesen wurde, wodurch sie naturgemäß zu eindringlicher Wir'u'g gelangte.

Aus der Zeit der höchsten Blüthe des Contrapunkts wird der Oratorienverein eine Auswahl von vier der schönsten welt­lichen Lieder, wahre Perlen der damaligen Mustklitteratur die nur Gemngsmustk war, und welche in der Verschmelzung niederländischer Contrapunklik, italienischen Wohlklangs und deutscher Innigkeit den Charakter der damaligen Kunstpflege deutlich wiedergeben, zur Aufführung bringen.

Heinrich Jsaac lDzaac) ist kein deutscher Künstler, für welchen man ihn lange Zeit hielt, sondern ein Niederländer, da er sich selbst in seinem am 15. August 1502 aufgesetzten Testament nebst Zusätzen vom 12. November 1512 und 4. Dezember 1516Ugonis de Flandria" nennt. (Zuerst durch G. Milanese in der Rivista critica della lit.ratura italiana 1886 veröffentlicht). Van der Straeten stellt die Muthmaßung auf, daß er vielleichtHenri van Hugues" oderHugens" geheißen habe. (La musique aux Pays-Bas, Bd. 8). Eine Handschrift Ezidius Tschudi's nennt ihnBelga Brabantius". Die ältere Ueberlieferung, die ibn einen Deutschen und gar von Prag sein läßt, ist nicht stichhaltig; oder es gibt zwei Musiker gleichen Namens. In dem dem Florentiner Staats­archiv einoetleibten Briefverzeichnisse Lorenzos de Medici, il Magnifico (14771493) wird Jsaac als Organist aufge­führt. Eine andere Quelle nennt ihn Kapellmeister an St. Giovanni zu Florenz. 1489 geht er mit Empfehlungsschreiben der Medici an Papst Jnnocenz VIII., an Franceschetto Cybo und an den florentinischen Gesandten G. Lanfredini nach Rom. Kurze Zeit hielt er sich in Ferrara auf und wird dem Herzog Hercules als bescheidener und liebenswürdiger Künstler em­pfohlen. Wann und wo er mit Kaiser Maximilian I. zu­sammengetroffen, läßt sich nicht angeben. 1496 befand er sich in der Hofkapelle zu Augsburg, denn als diese aufgelöst wurde, schickte man Jsaac mit seiner Hausfrau Bartholomea (Tochter des Schlächters Pietro Bello) nebst 12 Knaben und dem Kantor Hans Körner nach Wien. Im Anfang des Jahres 1497 kehrte Kaiser Maximilian nach seiner Residenz Innsbruck zurück und am 3. April wurde Jsaac zum Hofkomponisten (Symphonista regis) ernannt. Der ihm kontraktlich zugesicherte Gehalt von

stellt sind, werben nach einer den Vostansta'ten zugegangenen Anordnung, neue Fernsprech-Anschlüsse vor dem 1. April dieses Jahres nicht mehr hergestellt. Zur Ausführung im laufenden Jähre innerhalb des ersten, die'Monate April bis Juli um­fassenden Bauabschnitts, gelangen in der Regel nur solche Neu- anmelduugen zu Fernsprechanschlüssen zur Vormerkung, welche bis 1. März vorliegen. Für Alle, welche auf die Herstellung eines Fernsprechanschlusses in der Zeit vom 1. April bis Ende Juli Werth legen, empfiehlt es sich daher, sich möglichst bald über die Anmeldung schlüssig zu machen. Die Anmeldungen werden von den Postämtern, an- welche der Anschluß gewünscht wird, cittgegengenommen. Die erforderlichen Anmeldepapiere können ebenda bezogen werden.

* Der Vorstand des Handwerker- und Ge­werbeverbands zu Hanau hat an den Herrn Minister für öffentliche Arbeiten eine Eingabe gerichtet, in der gebeten wird, die staatlichen und kommunalständischen Bauämter an­weisen zu wollen, daß die A u s s ch r e i b u n g e n d er st a a t l i ch e n und k o m m u u a l st ä n d i s ch e n Bau- arbeiten fernerhin in L o o s e n, nach den einzelnen Handwerkszweigen, geschehen möchten. Die Eingabe ist damit begründet, daß durch die Vergebung der Arbeiten ineinem Loose" der mittlere und kleine Bauhandwerkerstand zu Grunde gerichtet, indem durch die Uebertragung großer staatlicher Ar­beiten an einzelne Unternehmer deu Gründungen der Bau- aktiengesellschaften und großen Baugeschäften Vorschub geleistet werde. Im Interesse der Erhaltung des Handwerkerstandes bittet der Vorstand eingangs erwähnten Verbandes den Herrn Minister um Abhilfe dieses Mißstandes.

* Die Deckhengste Des Königl. Landcsgestüts in Dillenburg treffen am 15. Febr. in Wilhelmsbad ein. Wir fügen dieser Mittheilung hinzu, daß der l an d w i rt h - schaftliche Kreisverein Hanau in einer vor Weih­nachten abgehaltenen Sitzung eine Kommission wählte, die den Auftrag erhielt, mit dem Direktor des Landgestüts hinsichtlich des hierher zu sendenden Materials persönlich Rücksprache zu nehmen. Die Commission hat sich, wie in der Jänuarsitzung des landwirthschaftlichen Kreisvereins berichtet wurde, ihrer Aufgabe in bester Weise entledigt, dank des Entgegenkommens der Landesgestütsverwaltung, die, soweit angängig, bereitwilligst die Erfüllung der vorgetragenen Wünsche zusagte.

8. Wetterauische Gesellschaft. Die mächtigen, wild zerrissenen Felsmassen norwegischer Gebirge, mit ihren zahl­losen spiegelklaren Bergseen und großartigen Waffersällen, die vielgestaltigen, sich oft flußartig verengenden Fjorde, sowie aber auch die unermeßlich reiche Zahl der Norwegens Küste vorge­

200 Gulden wurde auf Betreiben der lästerlichen Finanzräthe I auf 150 Gulden herabgesetzt und der bescheidene Künstler ließ es sich gefallen.

1513 waren die aus Florenz vertriebenen Mediceer wieder in den Besitz der Stadt gelangt, und Jsaac, der mit diesen Fürsten persönlich bekannt war, wurde 1515 vom Kaiser Maximilian in halbamtlicher Mission dorthin geschickt.' Am 4. Dezember 1516 stellte er, geistig frisch, leiblich aber hinfällig, seinen letzten Willen auf. Der Tod ereilte ihn mitten in der Komposition der Sequenz: Virginalis tnrma sexus, Das genaue Datum ist jedoch nicht bekannt.

Jsaac ist in seinen geistlichen Werken ganz Niederländer und hat seine Freude an den verzwicktesten kontrapunktischen Kunststückchen, schreibt dabei aber die homophonsten italienischen Liebeslieder. Als Komponist deutscher Lieder ist er nur durch seinen Schüler Ludwig Senfl übertroffen worden. Unter

findet sich das Lied:

durch Wohlklang und innigen

den 17 deutschen Liedern, die Jsaac uns hinterlassen hat, be- Jnspruck, ich dich lassen," das nigen Ausdruck thn unmittelbarsten

än'pricht. (Es steht in G. Forster's Außbund Teutscher Lied­lein, I. Theil, Nr. 36, Nürnberg 1539. Bibl. München, Zwickau rc.) In welcher Stimme, ob im Tenor oder Sopran der eigentliche Melodienkörper zu erblicken sei, wird sich schwer bestimmen lassen. Der Tenor ist von Jobst vom Brand als Discant zu dem LiedeAch Gott, ich muß verzagen" (Förster, IV. Theil 1556 Nr. 14) und von Joh. Kilian als Baß zu Ach Lieb, ich muß dich lassen" benutzt worden (vgl. Monats­hefte f. Musikgeschichte 187173). In dem Eislebener Ge­sangbuch von 1598 steht aber die Soprannielodie des Jsaac- schen Liedes zu dem TextAch Welt, ich muß dich lassen" und wird noch heute zuO Welt, sieh hier dein Leben" undNun ruhen alle Wälder" gesungen. Für uns kann nur diese letztere als Hauptmelodie gelten und ich habe nicht gescheut, behufs . leichterer Ausführung eine unbedeutende Stimmenversetzung zwischen Tenor und Alt vorzunehmen. Die im Original vor­handene Wiederholung des Schlußabschnittes wird nicht berück­sichtigt. Das Gedicht soll angeblich von Kaiser Maximilian selbst herrühren.

(Schluß folgt.)