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28. Januar.

Dienstag

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Drahtnachrichten.

Kaisers Geburtstag.

Hd. Berlin, 28. Januar. Im Weißen Saale des königlichen Schlosses fand gestern Abend 7 Uhr ein großes Festmahl statt, in dessen Verlauf sich der König von Württem­berg erhob und auf das Wohl des Kaisers trank. Nach der Tafel hielt das Kaiserpaar Cercle. Bei dem Diner, welches der, Reichskanzler Graf Bülow gab, brächte der italienische Botschafter Graf Lanza als Doyen des diplomatischen CorpH das Hoch auf den Kai'er aus. Graf Bülow dankte und trank seinerseits auf das Wohl der Souveräne und Staats-Ober- häupter, deren Vertreter seiner Einladung gefolgt waren. Im Haupt-Restaurant des Reichstagsgebäudes hatten sich zahl­reiche Abgeordnete eingefunden, um den Geburtstag des Kaisers durch ein Festessen zu feiern. Der Präsident des Reichstages Graf Ballestrem hielt eine Rede, in welcher er zu­nächst des vorjährigen Geburtstages gedachte und in deren Verlauf er den Monarchen als dreifachen Friedenssürsten feierte: als Förderer des Friedens nach außen, als Förderer des politischen Friedens im Innern und als Förderer des politischen Friedens nach außen und innen. Die beiden Häuser des Landtages veranstalteten ebenfalls am gestrigen Tage Feiern, in deren Verlauf der Vizepräsident des Herren­hauses Freiherr v. Manteuffel und der Präsident des Abge­ordnetenhauses v. Kröcher Trinksprüche auf den Kaiser aus- brachten. Bei dem Festmahl im hiesigen Rathhause hielt Oberbürgermeister Dr. Kirsckner eine Ansprache, in welcher er auf das vergangene Trauerjahr des Kaisers hinwies und in welcher er des wirthschaftlichen Niederganges in allen Theilen des wirthschaftlichen Lebens gedachte.

W. Berlin, 28. Jan. DasBerl. Tagebl." meldet aus Kiel: Der Kaiser febenste an dem gestrigen Geburtstage den Offizieren der Garnison Kiel seine bisherige Rennyacht Meteor."

W. Berlin, 28. Jan. Die gestrige Illumination war namentlich in der SwaßeUnter den Linden," in der Leip­zigerstraße und dem oberen Theile der Friedrichstraße allge­mein und glänzend. Viele Schaufenster wären mit Büsten des Kaisers und der Kaiserin und Blumenarrangements ge­schmackvoll dekorirt. Bis zu später Stunde durchwogte eine gewaltige Menschenmenge die Hauptstraßen, so daß der Ver­kehr mit Mühe aufrecht erhalten werden konnte. Das Wetter war prachtvoll.

Hd. Berlin, 28. Januar. DieVoss. Ztg." meldet aus Wien: Bei dem gestrigen Festmahl sprach der Kaiser dem deutschen Botfckafter Prinzen Reuß die wärmsten Glückwünsche aus. Der vom Kaiser bei dem Festmahl ausgebrackte Trink- spruch lautete: Ich trinfe auf das Wohl meines treuen Freun­des und Bundesgenossen des deutschen Kaisers.

W. Berlin, 28. Jan. Bei dem Reichskanzler fand an­läßlich des Geburtstages des Kaisers ein Festessen statt, wozu die hier beglaubigten Botschafter und Gesandten einge­laden waren.

W. Hamburg, 28. Jan. Bei dem gestrigen F e st mah l zur Feier des. M.bMstages,.M. Kaisers. Hielte,Bürgermeister Mönckeberg eine Festrede.

Geschenk des Kaisers.

Hd. Berlin, 28. Januar. Der Kaiser hat' anläßlich seines Geburtstages der Stadt Rom ein Marmor-Denkmal Goethe's zur Aufstellung auf einem dortigen öffentlichen Platze zum Geschenk gemacht. Der Kaiser hat dies durch Telegramm dem dortigen Oberbürgermeister mitgetheilt. In seiner Ant­wort dankte der Bürgermeister von Rom dem Kaiser für diese denkwürdige Gabe und sprach gleichzeitig die besten Wünsche aus für das Glück des deutschen Kaisers.

W. Rom, 28. Januar. Die Antwort des Fürsten Colonna auf das Telegramm des Kaisers lautet: Das Ge­schenk der Statue Goethes an die Stadt Rom, in deren Mauern er als viel beneideter Gast weilte und in der sein Genie erglänzte, und sich zu unsterblichen Werken begeisterte, bewegt unser Herz, welches in dieser That des erhabenen Gebers eine Bekräftigung der alten Hinneigung Deutschlands zu Italien, ausgedrückt durch den großen Goethe, erkennt. Im Einklang mit dem Gedanken Eurer Majestät wird das Bildniß Goethes in diesem unserem Rom, das er so besonders liebte, immermehr ein Unterpfand der beständigen unverbrüchlichen Freundschaft sein, welche beide Völker verbindet. Im Namen Roms, nach welchem Ew. Majestät an diesem glücklichen Tage die Gedanken richtete, danke ich für das denkwürdige Ge­schenk und sende die glühendsten Wünsche für das Wohl Ew. Majestät und Deutschlands.

Hd. Siom, 28. Jan. Der Gruß des deutschen Kaisers an die Stadt Rom, von einer Gabe^ begleitet, erregte hier freudiges Aufsehen. D>eTribuna" veröffentlichte in später Abendstunde eine Extra-Ausgabe mit dem Telegramm des Kaisers und der Antwort des Bürgermeisters. Die'e Aus­gabe fand reißenden Absatz.

Zur Amerikareise des Prinzen Heinrich.

Hd. Berlin, 28. Januar. Wie demLokal-Anzeiger" aus New-Bork gemeldet wird, beabsichtigt die amerikanische Regierung, sämmtliche Reisekosten des Prinzen Heinrich in Amerika zu bestreiten. Die Stadt St. Louis hat beichlosten, den Prinzen Heinrich zu bitten, bei seiner Anwesenheit den Grundstein zur Ausstellung zu legen.

W. New-York, 27. Januar. Unter den Veranstaltern des für den 26. Februar in Aussicht genommenen Früh­stücks, wozu durch die Vermittelung des Botschafters v. Holleben Prinz Heinrich die Einladung angenommen hat, befinden sich Pierpont Morgan, Abraham Hewitt, William Rockefeller, James Stillmann, William Vanderbilt, Morris, Jesup. Am Frühstück nehmen etwa hundert Gaste, welche alle Zweige des Handels und der Industrie aus dem ganzen Ge­biete der Unionstaaten repräsentiren, theil.

Die Erklärung Crauborues und die Vereinigten Staaten.

W. New-York, 26. Januar. Die Frage, ob die von Lord Cranborne im englischen Unterhaus abgegebene Erklär g

über die ainerikafreundliche Haltung Eng­lands vor dem Ansbrucke des Krieges mit Spanien als wahr aufzunehmen sei, wird hier lebhaft erörtert. Die Mehr­zahl der Blätter ist geneigt, an der alten Anschauung festzu­halten, daß England der Freund in der Noth war; diese Auf­fassung^ besteht trotz der widersprechenden Aenderungen vom europäischen Festlande unerschüttert fort. Eine starke Minder­heit ist indessen überzeugt, daß die von derAssociated Preß" hierher telegraphirte Erklärung, daß Deutschland zu keiner Zeit eine Einmischung versucht oder gewünscht habe, als abschließend anzusehen sei und daß sie die Korrektbeit von Cranbornes Erklärung zweifelhaft erscheinen lasse. Alle Blätter aber stim­men darin überein, daß die Ableugnung einer unfreundlichen Gesinnung seitens der europäischen Mächte für die Ver­einigten Staaten sehr schmeichelhaft und ein Beweis für ihre Machtstellung sei. Ein Artikel derNennDorkTimes" führt aus, daß die Angelegenheit zwar für Amerika schmeichel­haft, es gleichwohl aber unangebracht sei, sie gegenwärtig zu er­örtern.Wir schicken uns an", sagt das Blatt,zu einem warmen Händedruck mit einem herzlichen Willkommen für den Bruder des Kaisers, der in einer Sendung von be­sonderer Höflichkeit und freundschaftlicher Bedeutung hierher kommt. Ihn sendet zu uns der Souverän, der der gescheiteste Mann Europas genannt worden ist und sicher nie eine That größerer Klugheit vollbracht, noch höhere Weisheit in Dingen der internationalen Politik gezeigt hat, als mit dieser Hand­lung, durch die er zwei große Nationen in gegenseitiger Achtung einander näher zu bringen sucht. Dieser Artikel ist darum bemerkenswerth, weil dieNew Aork Times" im Allgemeinen keine deutschlandfreundliche Stellung einnehmen.

Zum Duett in Springe.

Hd. Berlin, 28. Januar. Die Vorunter'uckung gegen den Domänenpächter Falkenbagen ist, wie demLokal-Anz." aus Hannover gemeldet wird, bereits abgeschlossen worden. Der Staatsaumalt hat nunmehr die Anklage erhoben. Die­selbe lautet auf Zweikampf mit tödtlichem Äusgang. Falken- Hagen wird wohl schon vor die nächste Sckwurgerichts-Session, welche am 3. Februar in Hannover beginnt, vor die Ge­schworenen gestellt. Für die Verhandlung sind zwei Tage in Aussicht genommen.

Drohbriefe.

Hd. Lemberg, 28. Januar. Zahlreiche Gymnasial- Direktoren und Professoren erhielten Briefe, in denen ihnen gedroht wird, daß falls der Schuljugend die Theilnahme an Demonstrationen verboten wird, sie gelyncht werden würden.

, Explosion.

M New-York, 27. Jan. Im provisorischen Vor- raths Hause in der 40. Straße explodirte heute zum Ge­brauch für die Unternehmer des Rapid Transit-Tunnels nieder­gelegtes Dynamit, wodurch die Fenster der umliegenden Gebäude zertrümmert wurden. Mehrere Arbeiter im Tunnel sind gelobtet und andere verletzt worden.

W. New-York, 27. Januar. Ueber die bereits gemel­dete D y n a m i t e x p l o s i o n im provisorischen Dorrathshause der 40. Straße wird weiter berichtet: Wie die Polizeibehörde mittyeilt, wurden bescher Explosion 4 Personen gelobtet, eine ist später ihren Verletzungen erlegen. Wie die Feuerwehr und die Behörden annehmen, ist die Explosion durch eine Sprengung verursacht worden, die im Tunnel selbst vorge­nommen worden ist und deren Stoß so mächtig war, daß das in der Nähe der Vorratskammer gelegene Dynamit zur Ex­plosion gebracht wurde. Der Ingenieur, der an der Ex­plosionsstelle mit 2 Werkführern arbeitete, wurde verhaftet. Der Schaden ist bedeutend. Mehrere Häuser sind unbewohn­bar gemacht worden. Die Straße ist auf eine große Strecke aufgerissen worden.

Der Krieg in Südafrika.

Hd. London, 29. Jan. Aus Wolveh ock wird ge­meldet: In der ganzen Kolonie des Oranjestaates sind die Garnisonen und Blockhäuser in größter Aufregung, da die Anwesenheit Beweis gemeldet worden ist. Das System der Stacheldrähte leistet große Dienste. Drei Buren- Gefangene, die aus Heilbronn kamen, sind nach der Küste ge­bracht worden. Burenbanden, die im Norden des Zulu­landes erschienen, verproviantirten sich und kehrten wieder in der Richtung nach Vryheid zurück.

* * *

W. Berlin, 28. Januar. DasKl. Journal" meldet: Bei dem Rückmarsch der Ehrenkompagnie vorn Letztster Bahn­hof am Samstag Abend stießen am Opernplatz halberwach­sene Burschen gegen England gerichtete Rufe aus. Die Polizei schritt ein, nahm zwei Personen fest und brächte sie auf das nahe Polizeirevier. Hier sammelten sich die Janhagel an und verlangten die Herausgabe der Verhafteten, bis sie von den Schutzleuten auseinandergetrieben wurden.

Hd. Budapest, 25. Januar. Der Pferde-Kommissionär Armin Bruder, der für Rechnung der englischen Regierung Pferdeankäufe besorgte, ist flüchtig geworden. Er hatte das ihm anv.-rtraut gewesene Geld in hohem Betrag für sich ver­wendet.

Hd. Paris, 28. Januar. Nachdem der Budget-Aus­schuß mit 13 gegen 7 Stimmen die Dringlichkeit der Berathung des Programms zur Veranlassung öffentlicher Bauten erklärt hatte, beschloß die Kammer die Berathung des Antrages auf Bauten von Kanälen, Eisenbahnen, Brücken u. s. w. im Werthe von insgesammt 663 Millionen Francs.

Hd. London, 28. Januar. Im O b e r h a u s e wurde mit 60 gegen 16 Stimmen eine Tagesordnung angenommen, welche die Politik der Regierung betreffend den südafrikanischen Krieg billigt.

W. Madrid, 28. Januar. Die Kammer wird heute eine Kommission einsetzen, welche die Vorlage, betr. den Papier­geldumlauf, prüfen soll. Wie es heißt, bemühen sich mehrere ministerielle Abgeordnete, die Stellung des Finanzministers zu erschüttern.

W. Dran, 28. Januar. In der Nähe von Mostaganen kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern aus Duar Uleddhamban, wobei sieben Personen theils schwer verwundet wurden.

W. New York, 27. Januar. Der hiesige Vertreter der kolumbischen Liberalen erklärt, er habe die Nachricht erhalten, daß eine Abtheilung der Liberalen unter Sete die Konser­vativen, die von Franjaver und dem Jesuiten Espana geführt seien, nach einem blutigen Gefechte in der Nähe von Lacruz, 35 Meilen südlich von Bogota, geschlagen bitten. E8 sei eine Anzahl Waffen und Munition und verschiedene Geschütze erbeutet worden. Espana sei gefallen.

Hue aller Melt.

Das Opfer seines Berufs ist der 28jährige aus Hackensbüttel stammende Assistenzarzt des Danziger Stadt- lazareths Dr. Arnold Hildebrandt geworden. Derselbe voll­zog vor zwölf Tagen an einem an Diphtheritis erkrankten Kinde den Luftröhrenschnitt. Bei dieser Operation muß er sich in« fizirt haben; denn nach einigen Tagen erkrankte er selbst heftig an der Diphtheritis, der er, trotzdem der Luftröhrenschnitt ge­macht wurde, erlegen ist.

Der erste Löffel Reis. Vor einigen Wochen fand, wie derMann" erzählt, eine ernste Feierlichkeit in Japan statt. Prinz Michi, der zukünftige Herrscher der Staaten des Mikado, hat, da er den 120. Tag seines Lebens erreicht hat, nach heiligem Brauch seinen ersten Löffel voll Reis gegessen. Der ganze Hof und alle hohen Würdenträger der Krone wohnten dieser Zeremonie bei, die sehr gut verlaufen ist. Schon vor zwei Monaten hatte Prinz Michi eine andere vor­schriftsmäßige Probe zu bestehen; fein Großvater, der jetzige Kaiser, hatte ihm feierlich einen Säbel übergeben, den zwei Ammen kaum tragen konnten. Der kaiserliche Brauch Japans verlangt in der That, daß der zukünftige Mikado im Alter von zwei Monaten die Säbelprobe, mit vier Monaten die Reisprobe überstehen muß. Erst dann ist er würdig, über Japan zu herrschen. Prinz Michi ist also jetzt würdig, Kaiser zu werden.

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