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Erstes Blatt.

Danauer G Anreiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus» värtige Wonnentcn mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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GeneraL-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.

Einrnckuugsgebiihr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

Nr. 23 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. Dienstag den 28. IttNUar Bezirks-Fernsvrechanschlnß Nr. 98. 1902

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 weißes gebügeltes Herrenhemd. 1 goldener Ohrring.

Verloren: 1 Portemonnaie mit ca. 3 Mk., einer Sicherheitsnadel und einem gegossenen Ring. 1 rothledernes Damenportemonnaie mit ca. 1 Mk. Inhalt.

Hanau den 28. Januar 1902.

Mus Stadt und Cand.

Hartau, 28. Januar.

* Beerdigung. Bei der gestrigen Beerdigung des leider so früh verschiedenen Pfarrers an der Marienkirche, Herrn C. Chr. Fenner, zeigte es sich noch einmal, welch ein hohes Maß von Liebe und Verehrung der Entschlafene ge­nossen hatte. Nach einer im Trauerhause gehaltenen Andacht setzte sich kurz nach 2 Uhr nachmittags der fast unübersehbare Leichenkondukt in Bewegung. Zahlreich waren in demselben die Amtsbrüder des Entschlafenen aus Nah und Fern ver­treten, die Konfirmanden desselben gingen voran, auch der Christliche Arbeiterverein, in dessen Geschichte der Verschiedene sich durch sein opferwilliges Wirken ein dauerndes Andenken bewahrt haben wird, betheiligte sich mit dem Vereinsbanner fast vollzählig an der Beerdigung. Auf dem Friedhofe ange­kommen, hielt Herr Superintendent S o p p unter Hinweis auf den erschütternd schnellen Heimgang des lieben Amts­bruders eine ergreifende Grabrede, dann sprach Herr Pfarrer G ö b e l s, der mit dem Heimgegangenen in jahrzehntelanger Freundschaft verbunden war, und zum Schluß widmete der Bruder des Entschlafenen, der als Pfarrer in Saarbrücken amtirt, einen gefühlsinnigen Nachruf. Zahllos waren fast die Kranzspenden, die am Grabe niedergelegt würben. Unter den einzelnen Spenden, die wir selbstredend nicht alle aufzuführen vermögen, bemerkten wir solche der Presbyterien, der Konfir­manden, des Christl. Arbeitervereins, des kommunalständischen Landkrankenhauses, dessen Patienten der Verstorbene, wie be­reits wiederholt in früheren Jahren so eben jetzt als ev. Seel­sorger zur Seite stand, u. a. m. Der verstorbene Herr Pfarrer Fenner gehörte der alten Salzburgischen Adelsfamilie Fenner von F e n n e b e r g an, die im 17. Jahrhundert nach Hessen auswanderte und eine Reihe von hervorragenden Männern im Staats- und Kirchendienst hervorbrachte. Ein Zweig der Familie hat mit landesherrlicher Genehmigung den ilten Adelsnamen Fenner von Fenneberg wieder ausge­nommen.

- * Beisetzungen. Herr Curatus Pfeifer wurde zum 1. Februar von Cassel nach Hanau, der seitherige Kaplan Herr H. Goebel in Hanau zum gleichen Termin nach Cassel versetzt.

Feuilleton.

36m WWW Sedllkklogt im iosigrüiin Mit Wbch m Helle».

29. Januar 1902.

Wem es einmal vergönnt gewesen ist, die unter den Au­spizien kunstverständiger Fürsten entstandene Walhalla bei Regensburg, jenes Ruhmeszelt für große Geister unseres deutschen Volkes, zu besuchen, dem sind gewiß unter der statt­lichen Schaar von Geistes- und Kriegshelden auch die plastischen Darstellungen zweier Größen weiblichen Geschlechts, aus­gefallen. Es sind dies die Bildnisse der hessischen Fürstinnen Elisabeth, genannt die Heilige, und der Landgräfin Amalre Elisabeth. Und fürwahr, sie verdienen es, nicht nur in Erz und Stein, sondern aere perennius durch Lied und Wort der Unsterblichkeit überliefert zu werden. Dafür, daß die heilige Elisabeth nicht in Vergessenheit geräth, sorgt jenes herrliche Kunstwerk gothischer Kunst, die Eliiabethenkirche zu Marburg, sorgen zahlreiche nach ihr benannte Wohlthategkerts- anstalten, Hospitäler und Vereine. Weniger scheint das Fort­leben in der Geschichte der Zweitgenannten, der Lanografin A m a l i e Elisabeth, gesichert. Und doch verdient sie nicht minder als ihre große Vorgängerin unter den Zierden deutscher Frauen, deutscher Kronenträger genannt zu werden, beseelt von Heldenhastigkeit, begabt mit fernem Verstände, durch­drungen von Liebe zu ihrem Volke und Lande; eine kühne Ausdauer, verbunden mit weiser Mäßigung, war ihr eigen, Eigenschaften und Fähigkeiten, die in den höchst traurigen Zeitläuften, während deren sie die Regentschaft über das Hessenland führte, von höchstem Werthe waren und ihr uiu vor dem Untergänge retteten. ..... , , ,

Hanau hat die Ehre, sich der Umalie Elisabeth, ai8 b r Ort, wo ihre Wiege stand, in besonderer ^eise zu rühmen.

* Vom Bund der Landwirthe. Die in Lieblos abgehaltene Bezirks-Versammlung des Bundes der Landwirthe für den Kreis Gelnhausen war über Erwarten stark besucht. 'Der Vorsitzende Herr E m m e l - Neuherberge eröffnete dieselbe unter besonderem Danke für die zahlreich Erschienenen und verlas ein Telegramm des Provinzial-Vorsttzenden, Herrn Deichmann- Lembach, daß derselbe leider durch Krankheit verhindert wäre, der Versammlung persönlich beizuwohnen. Herr Buhl- Unna hielt sodann in populärer und ganz fachlicher Weise einen l1/^ ständigen Vortrag überHandelsverträge und Zolltarif." Re­ferent beleuchtete die für alle Berufsstände so wichtige Ange­legenheit, insbesondere auch vom Standpunkt des Produzenten. Das Verhältniß des sogenanntenkleinen Mannes" zum Großbesitzer wurde ganz packend dargelegt, insonderheit erbrachte Herr Buhl auch den Beweis, daß der kleine Mann denselben Vortheil von der Zollerhöhung hat, als der große Besitzer, ohne sein Brod vertheuert zu bekommen. Unter stellenweise lautem Beifall bewies der Herr Referent, daß das Brod seit 1879, wo der erste Zoll eingeführt wurde, wohl immer theuerer geworden sei, aber die Kornpreise feien stetig gefallen. Man soll die wahren Brodwucherer an der Börse suchen und nicht unter den Bauern, Müllern oder Bäckern; der Erfolg war, daß ca. 50 neue Mitglieder dem Bunde bei- traten und daß eine Petition zu Gunsten des neuen Zolltarifes, die ca. 90 Herren unterschrieben, an den hohen Reichstag ab- zuienden beschlossen wurde. Herr Gutspächter Knauer- Altenhaßlau legte an der Hand der Ausführungen des Refe­renten die heimischen Verhältnisse klar und erzielte ungeteilten Beifall. Ein begeistert aufgenommener Toast auf Se. Majestät bildete den würdigsten Schluß des Bundesabends. Wenn in allen Ortschaften unseres Wahlkreises die Lauheit der Land­wirthe und Handwerker durchbrochen würde wie in Lieblos, dann wäre starke Hoffnung vorhanden, den Wahlkreis in die Hände der Ordnungs-Parteien bei der nächsten Reichstagswahl zurückzugeben.

* Für over gegen den - Diamantenzoll. Für gestern Abend 6 Uhr war wiederum eine öffentliche Diamant­arbeiter-Versammlung einberufen. Die Tagesordnung lautete: Protesteinlegung gegen die in der Diamantarbeiterversamm­lung vom 21. ds. Mts. gefaßte Resolution, die sich für Ein­führung eines 10prozentigen Werthzolles auf geschliffene Diamanten ausspricht. Zu der Versammlung waren auch einige Fabrikanten und Händler aus der Bijouteriebranche ein­geladen und erschienen. Das in die Besprechung einführende Referat hatte Herr Hoch übernommen, der zu dem Schluß kam, daß der gewünschte Zoll der Arbeiterschaft nicht den er­hofften Erfolg bringen werde. Herr Steinheuer plaidirt dafür, im Interesse der Bijouterie den Beschluß vom 21. b. Mts. aufzuheben, da nach Einführung eines Werthzolles auf »»«««MWmMWWnMB^ B8M« Hier auf dem Schlosse zu Hanau erblickte dieselbe am 29. Januar 1602 heute vor 300 Jahren das Licht der Welt. Ihr Vater war der Graf Philipp II. von Hanau, ihre Mutter Katharina Belgika, eine Tochter Wilhelms I. von Oranien. Früh schon wurde an eine Verbindung der herrlich an Körper und Geist heranblühenden Jungfrau mit dem hessi­schen Thronerben gedacht, und als beide kaum siebzehn Jahre zählten, führte man die liebliche und wohlverständige edle Jungfrau dem Erbprinzen Wilhelm (dem nachmaligen V.) zu. Es war am 31. November 1619. Gerade aus diesem Jahre 1619 datiren die ersten politischen Begebenheiten imb- Hand­lungen des Landgrafen Moritz, die später ihn und sein Land an den Abgrund des Verderbens brachten, ihn später zur Verzichtleistung auf den Thron bestimmten. Moritz hatte dein Kai'er Ferdinand II., dessen Wahl er mit aller Energie zu hintertreiben gesucht hatte, zu mehreren Malen die schuldige Ehrfurcht verweigert und dadurch den unversöhnlichen, aber doch begreiflichen Haß Ferdinands und seiner Nachfolger auf das Haus Hessen gezogen. So sah das junge Prinzenpaar traurige Zeiten, sah die Verhältnisse durch den Unglück eligen Bruderzwist um die oberhessische Erbschaft (Marburg) noch verworrener ihrem Verderben entgegen treiben. Und als schließlich Moritz, von seiner Ritterschaft verlassen, der oberhessischen Herr­schaft durch kaiserl.Schiedsspruch verlustig,mit allerWeltund sich selbst zerfallen am 17. März 1627 dem Throne entsagte, da war es an dem jungen, jetzt 25jährigen landgräflichen Paar, die schwierige Erbschaft über das Land zu Hessen anzutreten.

Wilhelm V. an Verstand und Geistesschärfe seinem Vater zwar nicht gleich, an edler Mäßigung und vernünftiger Nach­giebigkeit aber überlegen, suchte das, was seines Vaters Starr­sinn verschuldet, zum großen Theil wieder gut zu machen. Er schloß einen friedlichen Vergleich mit dem Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt, indem er die Ansprüche desselben auf Marburg anerkannte und dafür die verpfändeten Städte in Niederhessen zurück erhielt, sowie die Hälfte der Marburger Unwersitätseinnahmen. Doch das Schlimmste war, daß noch

Diamanten es unmöglich sei, nach dem Auslande j11 exportiren. Die deutschen Diamantschleifereien würde" überhaupt Jahre gebrauchen, um sich derart entwickeln zu kön­nen, das zu liefern, was in Deutschland gebraucht werde. Herr Daßbach wandle sich gegen die Handelskammer, die selbst berichtet habe, die Hanauer Arbeiter der Diamantindustrie seien nicht leistungsfähig. Das sei unrichtig. Die Hanauer Diamaniarbeiter könnten mit jedem Ausländer konkurriren. Ein Diamantarbeiter, Herr Schmidt, erwartete, daß bei Ein­führung des Schutzzolls sich bessere Arbeitsgelegenheit bieten werde, auch bessere Steine zum Schleifen kommen würden. Herr Koburger sprach ebenfalls gegen die Einführung des Schutzzolls, der, wie eingehend dargelegt wurde, eventuell auch noch das Julandsgeschäst verderben würde. Herr Geyer meinte, der Referent wie die Handelskammer hätten einen einseitigen Standpunkt eingenommen. Die Stellung der Handelskammer wäre jedenfalls eine andere, wenn ein Interessent aus der Diamantschleiferei als Mitglied der Kam«er angehöre. In dem Betriebe der Diamantschleiferei habe sich in den letzten Jahren ein vollständiger Umschwung vollzogen. Die Händler könnten nach Einführung eines Schutzzolls dahier Fabriken anlegen und ihren Bedarf im Jnlande schleifen lassen. Jedenfalls gehöre ein großer Idealismus dazu, zu Gunsten des Parteiprinzips seinem eigenen Untergänge ruhig zuzusehen. Herr Hoch meinte, die Partei habe sich durchaus nicht als Gegnerin jedes Schutzzolles festgeleg^. Es sprachen noch ver­schiedene Diamantarbeiter für Einführung des Zolles und bezeichneten die zweite Versammlung als eine Mache," was wieberum von anderer Seite zu wider­legen versucht wurde. Auch ein Theilhaber der Firma Strauß versuchte den Standpunkt darzulegen, der Veranlassung zu der Eingabe um Einführung des Zolles ge­geben hat. Nach mehr als dreistündiger Debatte, die oft sehr erregt geführt wurde, konnte zur Abstimmung geschritten wer­den. Herr N einh ard t brächte den Antrag ein, gegen die Ein­führung eines Schutzzolles auf geschliffene Diamanten zu stimmen. Herr Geyer schlug eine Resolution vor, dahingehend, daß die Dia­mantarbeiter von der Einführung eines Schutzzolles Vortheil erhoff­ten, aus Parteiprinzip aber dagegen seien. Dieser Vorschlag wurde aber gegenstandslos. Die erstere Resolution, die sich im Gegen­satz zu dem Versammlungsbeschluß vom 21. ds. Mts. gegen die Einführung eines Schutzzolles aussprach, wurde mit 55 gegen 8 Stimmen angenommen.

* Etadttheater. In der Mittwoch stattfindenden Benesizvorstellung für Frau Franziska RiegerEin Kind des Glücks" Charakterlustspiel-in 5 Aufzügen von Charlotte Birch-Pfeiffer, sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Herzogin von Chateaurenard" Frau Rieger,Gräfin von Deuxvorte" Frl. Brandow,Gilberle" Frl. Gypen,Hcrmamc"

immer Tilly's und Wallensteins Heere das unglückliche Hessen land bedrängten, und Wilhelm begab sich barum persönlich zum Kaiser nach Prag, um für sein Land Erleichterungen, für sich Schutz und Anerkennung seiner Rechte zu erbitten. Aber dieser Besuch, als auch der bei dem Haupt der Liga in München, verliefen resultatlos und gaben dem unglücklichen Hessenfürsten nur das Bewußtsein, alles, was in seinen Kräften stand, für sein Volk versucht zu haben. Im folgenden Jahre (1629) erschien zu allem Unglück auch noch das Resti­tutionsedikt, nachdem alle seit dem Passauer Vertrag einge- zogenen Kirchengüter wieder herausgegeben werden sollten. Inwieweit Hessen hiervon betroffen wurde, 31t untersuchen, liegt außerhalb des Rahmens unseres Gedenkblattes. Bekannt ist, daß am 24. Juni 1630 Gustav Adolf als Hort des Protestantismus erschien. Der Erste, der sich ihm anschloß, war Landgraf Wilhelm V., derBeständige", wie ihn sein Volk nachmals mit Recht benannt hat. Seine in politischen Dingen keineswegs indifferente, ja sogar wohlerfahrene Gattin war dieser schwedischen Politik voll und ganz zugethan und ist dem Treu- bund, der dort im Lager zu Werben an der Elbe zwischen dem Schwedenkönig und ihrem fürstlichen Gemahl besiegelt wurde, unwandelbar treu geblieben nachmals, als sie berufen wurde, die Geschicke Hessens mit ihrer starken Hand zu leiten, treu geblieben bis zum Ende des unheilvollen Krieges. Denn schwer lag die Furie des Krieges auf Hessen und feinem Fürstenhause, und Landgraf Wilhelm V. hauchte schließlich, seines Schützers Gustav Adolf beraubt, mit der kaiserlichen Acht be­legt, fern vom Heimathlande seine edle Seele aus (zu Leer in Ostfriesland 21. September 1637). Während der Fürst von Land und Leuten vertrieben dahinsiechte und verschied, hausten im Lande die kaiserlichen Truppen in der fürchter­lichsten Weise, und 18 Städte, Hunderte von Dörfern, 47 Burgsitze gingen in Flammen auf. Dazu herrschte noch ein anderer Gast im Land, der sich nicht durch Waffengewalt, Kontributionen ober Verträge vertreiben ließ; die Pest der in Cassel allein binnen