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redner nabelege, noch über diese Vorschläge hinaus zu gehen, so kann ich aus den vorher angegebenen Gründen eine bin­dende Erklärung nicht abgeben. Ich will aber davor warnen, die verbündeten Regierungen auf diesem Wege noch weiter- drängen zu wollen, sonst werden Sie sich dem Vorwurf aus­setzen, einseitige Jnteressenpolitik zu treiben. Ich bitte daher, die von den verbündeten Regierungen vorgezeichnete Linie nicht zu verlassen. Redner betonte sodann die große Vorsicht, mit welcher der Etat aufgestellt ist. Er könne im Uebrigen die Versicherung abgeben, daß Niemand, der ihn an Spar­samkeit erinnere, sich in ihm täuschen werde.

Abg. F r i tz e n - Borkum (Ztr.) schließt sich der Aner­kennung Miguels au. Redner sieht in dem Darniederliegen der Landwirthschaft den hervorstechendsten Charakterzug der gegenwärtigen schwierigen Geschäftslage. Hauptsächlich leide die Zuckerfabrikation und Spiritusbrennerei. Wenn der Reichs­tag den Zolltarif nicht verabschiede, werde dies für sein An­sehen schädlich sein. Die Industrie und die Kartelle hätten nicht ganz einwandfrei gehandelt. Die Regierung hätte im Ruhrkohlmrevier Felder ankaufen können, um einen Druck auf die Syndikate ausüben zu können. Der Rückgang der Textil­industrie werde erst in den nächsten Jahren in Erscheinung treten. Die Einnahmen der westlichen Provinzen werden im Allgemeinen zu hoch taxirt, doch sind auch wir der Ansicht, daß der Osten mehr bedacht wird. Für die Reichssinanzreform sei die Zeit noch nicht gekommen. Redner ist erfreut, daß die Zahl der Staatsanwälte erhöht worden ist. Das Melio­rationswesen leide unter der Menge von Köpfen, die sich hineinmengen. Rehner wünscht eine große Sekundärbahn- vorlage. Das Ernennungsrecht der Universitäten darf nicht zu einem Kooptationsrecht ausarten. Redner betont schließlich die Wichtigkeit von Haushaltungsschulen für das praktische Leben. .

Kultusminister Studt erklärt, die Verhandlungen über das Schuldotationsgesetz seien noch nicht abgeschlossen. Handelsminister Möller erklärt, man habe ihm vielfach den Vorwurf gemacht, daß er nicht früher den Mittheilungen über die geplanten Zechenankäufe entgegengetreten sei. Man habe aber sofort nach Bekanntwerden jener Muthmaßungen in der Presse lesen können, wie er es für seine Pflicht gehalten habe, denselben entgegenzutreten, damit etwaigen Spekulationen der Boden entzogen würde. Abg. Nölle (nat.-lib.) sieht in dem Rückgänge der Stempelsteuer einen guten Gradmesser für die wirthschaftliche Lage. Redner betont ebenfalls die Ver­dienste Miguels und bespricht die Fälle Bredenbeck und Kuhlen- kampf. In letzterem Falle habe seine Partei eine Interpellation eingebracht. Weiter bittet der Redner, zur Erhöhung der Sicherheit des Eisenbahnbetriebes mehr Personal einzustellen und dankt für die Vermehrung der Kreisschulinspektoren. Er tpricht sich gegen den Toleranzantrag des Zentrums aus und gegen die Verstaatlichung des Bergbaues und betont die Nothwendigkeit der Kanalvorlage. Redner hofft, daß der Ministerpräsident den rechten Zeitpunkt hierfür nicht verfehlen werde.

Abg. Richter (fr.) erklärt, der Finanzminister habe eine so klare Etatsrede gehalten, wie man sie selten gehört habe. Auch die Meinung des Finanzministers bezüglich der wirth- schaftlichen Lage theile er und glaube auch, daß dieselbe vielfach zu pessimistisch angesehen werde, daß man sich aber andererseits vor übergroßem Optimismus hüten müsse. Das Defizit wäre nicht da, wenn nicht das Extraordinarium zu hoch ausgestattet worden märe. Die Verlängerung der Frist für Rückfahrkarten sei der erste Schritt zu einer Tarisreform. Redner fragt, woher die plötzlichen Nachüberweisungen und Erhöhungen der Matri- kularbeiträge im Reiche kommen. Die angestrebten Verbesserungen der Wohnungsverhältnisse sind lebhaft zu begrüßen und für das platte Land ebenso nöthig wie für die Städte. Eine Ge­sundung der Wohnungsverhältnisse liegt bei den großen In­dustriezentren aber nicht in der Zentralisation, sondern in der Dezentralisation, daher ist die Verbesserung der Straßenbahn­verbindungen mit den Vororten nothwendig. Zur Beschaffung besserer Wohnungen könnte eine Aufbefferung der Beamten­gehälter und eine Erböhung der Wohnungsgeldzuschüsse viel

keit, diese ausfindig zu machen; sehen sie doch durch die Reihe golt- und menschenverlassen aus, deutet doch kein Zeichen da­rauf hin, daß in denselbenmöblirte Zimmer für gutbeleumun­dete Herren zu vergeben" sind. Wiewohl die meisten dieser Häuser nach streng moralischen Grundsätzen geleitet sind, kommt's doch hin und wieder vor, daß ein Araber oder Malaye einen haarsträubenden Skandal vollführt. Diese vor­nehmen Herrschaften werden, wie sich das ja in den besten Familien ereignet, benebelt, freilich nicht durch Spiritussen, sondern durchBhang" undHasheesh" den sie tagein, tag­aus aus Leibeskräften kauen und der sie mitunter in einen Zustand völliger Unzurechnungsfähigkeit versetzt. Die Halluci­nation besteht darin, daß sie die Welt um jeden Preis roth sehen wollen und müssen; so ermorden und verstümmeln sie denn Jeden, der ihnen in den Weg läuft. Geben sich auch die Gastwirthe alle erdenkliche Mühe, die solchermaßen Be­hafteten während der Anfall-Periode hinter Schloß und Riegel zu halten, so richten diese erbarmungswürdigen Kreaturen doch in den meisten Fällen unsägliches Unheil an und kommen nur in Ausnahmefällen wieder zu Verstand.

Die Orientalen, die ich hier getroffen und gesprochen habe, sind, seien sie nun Muselmänner oder Hindus, im Grunde genommen nichts weiter als erwachsene Kinder. Nie habe ich Leute gesehen, die sich allem Sensationellen und Romanhaften gegenüber so leichtgläubig und allem wissenschaftlich Wahren gegenüber so unendlich ablehnend verhalten haben. Sie glauben mit unfehlbarer Sicherheit an den tödtlichen Ein­fluß ihrer teuflischen Götzenbilder und kaufen beständig Amuletten, um sich gegen Cholera und Pest, gegen Reise- und Seegefahr zu schützen. Diese Amuletten, in denen Koranverse aus Steinen, Korallen oder gar Diamanten zusammengesetzt sind, sind gewöhnlich in Federtaschen eingenäht, welche ihrerseits wieder in Silberbeschlag gefaßt sind.

Unglaublich ist es, welch fabelhafte Summen öfters für mese Amuletten an die sich ins Fäustchen lachenden Gastwirthe ' bezahlt werden. In diesen, wie in anderen Geschäften erweist

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nützen. Redner bespricht sodann die einzelnen Punkte des Etats und spricht sich gegen die Erhöhung des Dispositions­fonds aus, ohne daß man wisse, wozu die Mittel zu ver­wenden sind. Für die Schule und Bildungszwecke wolle seine Partei gerne etwas bewilligen. Soweit in Posen deutsche Wahlen möglich sind, sind sie das nur mit Hilfe des Freisinns. Bei den Provinzialdotationen wird stets nach der Größe des Landes in Quadratmetern verfahren, nicht nach der Dichtigkeit der Bevöl­kerung, daher muß der Osten stets besser wegkommen als der Westen. Je mehr der Staat gibt, desto begehrlicher werden die Empfänger. Was die Kanalvorlage betrifft, so behandelt die Thronrede dieselbe so knapp als möglich. Sie soll seiner Zeit vorgelegt werden. Kommt Zeit, kommt Rath. Im Reichstage erklärte Graf Bülow auf meine Anfrage, trotzdem dieselbe nicht vor das Forum des Reichstages gehörte, er habe mich für konsti­tutioneller gehalten. Ist denn Alles, was der Minister bei der Begründung der Kanalvorlage sagte, nur Böllerschüsse ge­wesen? Wo die stete Entwickelung des Verkehrs nicht geför­dert wird, steht er still und geht zurück. Graf Bülow sprach von der Heimathspolitik. In dieser weiß ich nichts Wichtigeres als die Verkehrspolitik. Den Einwand der schlechten wirth- schaftlichen Lage könne man nicht geltend machen. Er sollte der (^eist sein, der stets verneint. Ob die Partei ja oder nein sage, recht machen könne sie es Niemand, am wenigsten der Regierung. Graf Bülow habe zweifellos in der Kanalvorlage vor der Rechten kapitulirt. Sei es daher so zweifellos, daß er es nicht auch bei der Zolltarifvorlage thue? Die Konser­vativen seien in Preuß-n derrochen de bronze. wogegen selbst die Minister vergebens Sturm liefen.

Reichskanzler Graf Bülow bespricht die vom Abg. Richter berührte, seit dem Landtagsschluß erfolgte Veränderung der Staatsregierung und betont, daß nach Artikel 45 der Ver­fassung der König die Minister ernennt und entläßt. Der König bedarf dazu nicht der Erlaubniß des Landtages oder der Parteiführer. Wie der Abg. Richter nachher die Minister behandelt, ist seine Sache. Er spielt ihnen manchmal ja übel mit, ich persönlich bin einigermaßen abgebrüht. (Heiterkeit.) Trotz Richter's Angriffen bleibt Mecklenburg doch ein schönes Land.

Es würde dem Abg. Richter nützlich sein, dort einmal längere Zeit zuzubringen. Redner betont die Verdienste v. Miquel's, dessen Andenken fortleben werde in der preußischen Geschichte als eines genialen Reorganisators der Finanzen, in der deutschen Geschichte als eines Mannes, der dem deutschen Einheitsgedanken von Jugend auf treu war und treu blieb. Gegenüber Richters Lob der parlamentarisch regierten Länder hebt Redner hervor, daß, wenn wir in einem solchen Lande lebten, manche Rede anders gehalten und mancher Zeitungsartikel anders geschrieben werden würde. Bezüglich des Zolltarifs wolle er keinen Zweifel darüber lassen, daß hinter der Erklärung, die der Finanzminister abgab, die ganze Staatsregierung steht, er füge hinzu, er sei ein aufrichtiger Freund der Landwirthschaft, deren Bedeutung für die Monarchie und das Reich, deren wirthschaftliche, sozial­politische Bedeutung er ebenso gut kenne und würdige, wie irgend ein Mitglied des Hauses. Er müsse aber als Leiter der Gesammtpolitik mit Erreichbarem rechnen. Er habe keinen Zweifel gelassen, wie gern er bereit sei, der Landwirthschaft zu helfen, aber nur bis zu der Grenze, die durch die allgemeine Wohlfahrt gezogen wird. Eine extrem agrarische Politik würde nach Ansicht der Regierung dem Wohlstände des Landes ebenso tiefe Wunden schlagen, als eine einseitige Handelspolitik und rein freihändlerische Politik. Solche einseitige Wirthschaftspolitik kann die Staatsregierung nicht machen. Für sie kann nur das Gesammtinteresse des Landes maßgebend sein. Deshalb stimmte die Regierung einer angemessenen Erhöhung der land- wirthschaftlichen Zölle zu. Wir werden unter die von uns vorgeschlagenen Minimalzölle nicht heruntergehen, aber auf übertriebene Forderungen können die verbündeten Regierungen nicht eingehen. Darum richte ich an alle Freunde des Schutzes der nationalen Arbeit und Freunde der Landwirthschaft das Ersuchen und die Mahnung, sich in ihren Bestrebungen inner­halb der Grenzen des Möglichen zu halten. Die Politik der mittleren Linie, von der der Finanzminister sprach, richtet sich nicht gegen die berechtigten Bestrebungen der Landwirthschaft,

sich der stets kriechende und wuchernde orientalische Gastwirth trotz seiner süßsauren Biedermannsphysiognomie als ein Halunke schlimmster Sorte. Unter diesen Umständen kanns kaum Wunder nehmen, daß sich die anständigen asiatischen Seefahrer und Citymänner diese Brüder drei Schritte vom Leibe halten und ihre Gunst neuerdings mehr dem brillant organisirten 8 t i a n g e r s Home" (Fremdenheim) zuwenden. Hier finden wir fast alle asiatischen Glaubensbekenntnisse, Rassen, Gasten und Berufe vertreten; eine wahre Augenweide ist's, die Jndier, Burnesen, Araber, Japanesen, Chinesen, Malayen, Zingalesen, Zanzibaren, Samoaner in all der Glorie ihrer prachtvollen, kaleidoskopsarbigen Gewandungen auf den Treppen des auf der Sonnenseite gebauten Portiko oder im gemüth­lichen Heime selbst malerisch gelagert zu sehen.

Hier findet er allen erdenklichen Komfort: Lese-, Billard-, Rauch-, Schlafzimmer und Küchen, in denen sich, wenn's ihm behagt, jeder sein Lieblingsgericht nach seinem eigenen strengen Ritus zurechtmachen kann, ohne Gefahr zu laufen, von einem Ungläubigen in seinen heiligsten Funktionen ge­lästert zu werden.

Wenden wir uns weiter gegen die Westindia-Docks zu, so kommen wir an einem sauberen, zweistöckigem Gebäude vorbei, dem chinesischen Missionshaus. Ein englischer Priester, der Jahrzehnte unter denSöhnen des Himmels" gewohnt hat, versieht die Stelle des Missionars und scheint sich unter allen Standen der vieltausendköpfigen chinesischen Kolonie be­sonderen Ansehens zu erfreuen. Jeden Sonntag Abend findet bei demselben ein vorzügliches At Home statt, zu dem sich alle Chinesen des Ostends einfinden, um sich nach ihrer Weise an Thee, Butterbrod, Biskuits und Kuchen zu ergötzen, von der alten Heimath zu plaudern und sich bei Vater Piercy Raths zu holen. Die meisten dieser friedliebenden Gesellen verstehen englisch perfekt und sprechen es auch leidlich gut; freilich ist die Aussprache, die sie sich in den Seehäfen angeeignet haben, nicht gerade aristokratisch und scheint es den nicht unintellt- genten Leutchen partout nicht, passen zu wollen, sich mit den

17. Januar sondern nur gegen die übertriebenen und unvorsichtigen Mehrforderungen, womit dem Wohle der Landwirthschafe nicht gedient sei. Redner bespricht seine Haltung in der Kanalfrage und weist den Vorwurf zurück, daß er nicht ent­schieden dafür eingetreten sei. Er erklärt, er habe alle ihm zu Gebote steh-nden Einwirkungsmittel angewandt. Was die Frage der Auflösung betreffe, so sei dies Sache der Krone. Die Krone war in Billigung meines Vorschlages der Ansicht, daß im Frühjahr die Auslösung des Hauses nicht den Staats- intereffen entspräche. Redner erklärt auf die Frage Richters, warum der Landtag geschlossen wurde, während die Kanalvor­lage dem Hause nicht sofort wieder zuging, daß die Ver­handlungen der Kanalkommission nicht Vorschläge erwarten ließen, welche zu dem von der Regierung angestre'ten Ziele geführt hätten. Die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Regierung und Mehrheit des Hauses schien ausgeschlossen. Wann in Preußen die Vorlage dem Parlament wieder vorge­legt werden soll, entscheidet die Krone. Ich bin daher nicht in der Lage, über den Zeitpunkt, wann die Vorlage wieder- kehrt, mehr zu sagen, als die Thronrede besagt. Ich kann nur sagen, daß der Zeitpunkt der Wiedereinbringung bestimmt werden wird durch allgemeines Staatsinteresse und nicht durch Parteirücksichten. Ich halte die Kanalvorlage für nützlich und nothwendig und bin überzeugt, daß das Projekt realisirt wird. Ich hoffe, daß, wenn der Kanal kommt, die großen Parteien des Hauses, die ihm bisher spröde gegenüberstanden, die Vor­lage nicht in so intransigenter Weise bekämpfen werden, wie Abg. Richter die Flottenvorlage. Abg. von Zedlitz (freikons.): Redner bestätigt, daß der Reickskanzler auch mit ihm über die Kanalvorlage wiederholt Rücksprache genommen habe. Die Freisinnigen sollten aufhören, die Sozialdemokratie zu unterstützen, namentlich in der Zolltarifkommission gegen­über der Obstruktion der Sozialdemokratie. Uebrigens halte er die Lage des Zolltarifs nicht für gefährdet. Er sei über» zeugt, daß sie noch in dieser Session unter Dach komme und daß dann zum Herbst die Kanalvorlage wieder hier Eingang habe. Dann werde ein Mittelweg gefunden werden, der beide Par­teien auf gleichem Boden vereinigt. Dann werde künftig eine kompakte geschlossene Mehrheit hinter dem Ministerpräsidenten stehen, die eine sichere Gewähr für die Zukunft sei. Das vaterländische Interesse müsse Alle so beseelen, daß im Herbst sich das Haus mit der Regierung über eine Linie einigt. Redner tritt für eine Verminderung der Eisenbahnfrachttarife ein, widerspricht Richters Ausführungen über die Vermögens­steuer und fragt an, wo die Vorlage wegen der Oberpräsi- dirung von Berlin geblieben sei. Redner bespricht die Er­höhung der Provinzialdotationen und betont, daß jetzt beson­ders der Osten bedacht werden müsse. Für die Reichsfinanz­reform sei die Zeit nach der Erledigung des Zolltarifs ange­bracht. Durch die Zölle würden Neueinnahmen geschaffen werden. Eventuell könnte die Besteuerung der schwächeren Schultern ermäßigt werden. Einen Reichsfinanzminister könne man schaffen. Die Finanzen Preußens seien innerlich so ge­festigt, daß man mit Ruhe in die Zukunft blicken könne. Das sei das Verdienst des unvergeßlichen Miguel.

Finanzminister v. Rheinbaben erklärt, die Rede des Abg. Zedlitz biete eine solche Fülle Materials, daß er sich Vor­behalte, morgen darauf zurückzukommen.

Hierauf vertagt sich das Haus um 41/« Uhr. Fortsetzung morgen 11 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 16. Januar.

Tages-Ordnung: Interpellation Gras O rio la (natlib.) betr. Revisionen der Militär­pensionsgesetze.

Staatssekretär v. Thielmann erklärt sich bereit, sofort zu antworten. Abg. Graf O r i o l a (ntlib.) findet es be­dauerlich, daß die schon so lange für nothwendig befundene Vorlage betr. Revision der Militärpensionsgesetze auch in dieser Session noch nicht kommen solle. Sollten denn die Tausende draußen im Lande immer noch weiter warten? Unerläßlich

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Buchstaben r und h auf guten Fuß zu stellen. All die Chinesen beinahe, die hier ihre Zelte aufgeschlagen und der alten Heimath wenigstens örtlich Valet gesagt haben, haben sich ihre Frauen aus den Kreisen der englischen Handwerker­bevölkerung erkoren und scheinen mit denselben ein beneidens- werth glückliches Hauswesen zu führen. Die Rangen und Mädels, die wie alle in England geborenen und erzogenen Kinder die Nationalität ihrer nichtenglischen Eltern verleugnen wollen, sehen gesund und wohlgenährt, wie wohlgekleidet aus; viele dieser schwarzhaarigen, dunkeläugigen Jungen und fröh­lich dreinschauenden Mädchen sehen aus, als seien sie aus dem Rahmen eines Meissonier'schen oder Crenze'schen Bildes getreten,

Ein Hausgötzen-Raum existirt, wie man mir sagte, in Lime- house nicht; freilich habe ich meine gelinde Zweifel wegen der Richtigkeit dieser Mittheilung, sind doch die Chinesen gewaltige Ge- heimnißthuer und verschmitzte Gesellen/ zumal wenn es sich darum handelt, dem dummen Europäer ein Schnippchen zu schlagen und demselben die Gelegenheit zu benehmen, sich über den Kul­tus und Ritus der Chinesen lustig zu machen. Das Symbol der heiligen Lampe tritt in die Erscheinung, sobald es sich darum handelt, Zwistigkeiten und Prozesse zwischen Chinesen zu erle­digen. Freilich tritt der letztere Fall höchst selten ein, da der Chinese alles vermeidet, um seine Uneinigkeit mit einem Stammesbruder der Oeffentlichkeit preiszugeben. Kommt es aber doch einmal unliebsamer Weise dazu, so ist der für sie bindende Schwur ihnen mit dem Ausblasen der rechten Wachs­kerze zugeschoben. Es bedeutet das:dieses Licht ist das Emblem meines Lebens; möge mein Lebenslicht ebenso rasch ausgeblasen werden, falls ich eine Unwahrheit gesagt habe."

Hier in Limehouse gewähren wir eine ganze Reihe myste­riös aussehender Läden, die jede Fensterauslage vermissen lassen. Hin und wieder sehen wir einen Chinesen oder andere Asiaten in denselben verschwinden. Es sind Opiumrauch- Zimmer, deren ganze Ausstattung in einer mit Cigarren und Tabak gefüllten Lade besteht. Eine sch*"^'ge gelbe