Einzelbild herunterladen
 

Hanauer V Anzeiger

Bezugspreis:

Kerteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für aus- »ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

A»tliihes Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Einrückuugsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf, gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

^T, 11 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98-

Dienslaq den 14. Januar

Bezirks-Fernspreäianschlnsi Nr. 98. 1902

Aintliches.

Stadtkreis Danau.

BelanktMtrchRngsn des Oberbürgermeister»!»^.

Jedem Militärpflichtigen, welchem über seine Dienstpflicht eine endgiltige Entscheidung der Eriatz-BeLörden noch nicht er­theilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (Marienüraste, Stadtschlost, Fürflenbau, 1 Treppe hoch rechts) zur Rekrutirungsstammrolle zu melden, bei Ver­meidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend und, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod­oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1882, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stamm­rolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamt des Geburtsorts für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzulegen.

Hanau den 2. Januar 1902.

Der Magistrat.

G. B o d e. 272

Städtisches Gaswerk

Hanau.

Nach Beschluß der Gaswerks-KoinmÜnon vom 8. Januar 1902 wurden die Coakspreise ermäßigt und bis auf Weiteres wie folgt fest gestellt:

SiLick-Coaks

bei Abnahme von:

10 bis 1000 kg ohne Bringerlohn M. 2.20 pro 100 kg, 250 1000 mit 2.40 100 mindestens 1000 ohne 2.00 100 mit 2.20 100

Zerkleinerter und gesiebter Coaks

bei Abnahme von:

10 bis 1000 kg ohne Bringerlohn M. 2.30 pro 100 kg, 250 1000 mit 2.50 100 mindestens 1000 ohne 2.10 100

mit 2.30 100

Der zerkleinerte und gestebte Coaks, sog. Nußcoaks, ist für Füllöfen jeder Art, einschließlich derjenigen nach sogenanntem amerikanischen System geeignet.

Für Grosi-Abnehmer, welche ganze Waggon- kadüngen auf einmal beziehen können, beträgt der Preis: pro 10,000 kg Stückcoaks M. 165. ab Fabrikhof

bezw. 185. mit Bringerlohn u.

10,000 Nußcoaks 190.-^ ab Fabrikhof bezw. 210. mit Bringerlohu.

Bestellzettel können in dem Geschäftszimmer des Gaswerks 'n Empfang genommen werden.

Hanau den 9. Januar 1902.

Die Gaswerks-Direktion.

v. Gäßler. 691

Handelsregister.

A. 449. Firma D. Dechert Nachs. in Hanau: Das Handelsgeschäft ist auf die Kaufleute Hermann Schneider und Ludwig Ziegenhain, beide in Hanau, übergegangen, welche es unter unveränderter Firma in offener Handelsgesellschaft fortfuhren. Die Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1902

begonnen. , ,

Nr. 8. Abraham Reinhardt, Wachenbuchen:

Die Firma ist erloschen.

Nl. 16. Caspar Haas, Oberissigheim:

Die Firma ist erloschen.

Hanau den 9. Januar 1902.

Königliches Amtsgericht o.

918

Bekanntmachung.

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Maurer­meisters Georg Schildger zu R a v o l z h a u s e n wird aufgehoben, da eine den Kosten des Verfahrens entiprecfenbe Masse nicht mehr vorhanden ist.

Langenselbold den 9. Januar 190,.

Königliches Amtsgericht.

935

Gefundene und ncelorenc Gcucnstdndc u.

Gefunden: 1 gestreifte Druckschürze. 1 Metermaß (Zollstock). 1 schwarzer steifer Herreusilzhut.

Verloren: 1 Packet Wäsche, bestehend aus 3 Schürzen und 4 Handtüchern. 1 Monatsfahrkarte, giltig zur Fahrt zwischen Mainkur und Hanan-West.

Hanau den 14. Januar 1902.

politische Rundschau,

Das Landtags-Präsidimn wird heute Mittag vom Kaiser empfangen werden.

Die Zotttarifkommission des Reichstages begann gestern in Anwesenheit der Staatssekretäre Graf Posadowsky, Frhrn. von Richthofen und Thielmann, sowie der Minister v. Podbielski und Möller die Berathung des Zolltarifgesetzes. Vom Paragraphen 1 wurde außer dem bereits zurückgestellten Absatz 2 (Minimalsätze des Getreides) auch Absatz 1 nebst dem sozialdemokratischen Antrag auf Aufhebung der Nahrungsmittel- zölle zurückgestellt. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich über den Absatz 3 des § 1, welcher lautet: Auf Erzeugnisse der deutschen Zollausschlüsse finden die vertragsmäßigen Zoll­befreiungen und Zollermäßigungen Anwendung, soweit nicht der Bundesrath Ausnahmen vorschreibt. Den Erzeugnissen deutscher Kolonien und Schutzgebiete können die vertragsmäßigen Zollbefreiungen und Zollermäßigungen durch Beschluß des Bundesraths eingeräumt werden. Dieser Absatz 3 wird an­genommen, jedoch hinter die Wortevorschreibt" ein von den Sozialdemokraten beantragter und von den Staatssekretären Posadowsky und von Thielmann gebilligter Satz eingeschaltet, nach dem die getroffenen Ausnahmen dem Reichstage sofort oder bei seinem nächsten Zusammentreieu mitzutheilen und außer Kraft zu setzen sind, wenn der Reichstag nicht zustimmt. Eine vorher von den Sozialdemokraten vorgeschlagene Fassung des Absatzes 3, nach welcher auf Erzeugnisse der Zollaus­schlüsse, sowie der Kolonien und Schutzgebiete die vertrags­mäßigen Zollbefreiungen und Zollermäßigungen ausnahmslos anzuwenden sind und Waaren aus Deutschland in deutsche Kolonien und Schutzgebiete zollfrei eingehen, wurde abgelehnt. Im Lauf der Debatte erklärte Graf Poiadowssii, die verbün­deten Regierungen seien bemüht, einen Zollkrieg. so lange als irgend möglich zu vermeiden. Sollte aber trotzdem einmal die Nothwendigkeit eines Zollkrieges eintreten, so seien sie auch gesonnen, ihn mit allen ihnen zustehenden Mitteln zu führen. Dies sei der Zweck der im Absätze 3 vorgesehenen Bestimmung, bei welcher es sich nur um Zeiten äußerster Noth handle. Ferner erklärte Graf Posadowsky, der Kommission würden die von ihr gewünschten Drucksachen, namentlich die Produktions­statistik des wirtschaftlichen Ausschusses zugehen.

Neichstags-Ersatzwahl Siegburg-Waldbroel. Bei der Neichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Siegburg-Wald- broel ist nach amtlichen Feststellungen der Kandidat des Zen­trums, Amtsrichter Dr. Becker, gewählt worden.

Die erneute Verhandlung gegen brn Unter­offizier Marien, dem Sonntag die erste Mittheilung von dem Erkenntniß des Reichsmilitärgerichts gemacht wurde, wird, wie aus Danzig berichtet wird, bereits in der ersten Hälfte des Monats Februar in Gumbinnen stattfinden. Marien wird kurz vorher dorthin gebracht werden.

Erhöhnng der Zivittiste in Oesterreich und Ungarn. Wegen Unzulänglichkeit der Mittel, die derzeit zur Erhaltung des kaiserlichen Hofstaates zur Verfügung stehen, ist nach einer Wiener Meldung eine Erhöhung der kaiserlichen Zivilliste in Aussicht genommen worden. Seit dem Jahre 1879 werden zur Erhaltung des kaiserlichen Hofstaates in die Budgets Oesterreichs und Ungarns alljährlich je 4 650 000 Gulden eingestellt. Da mit diesen Beträgen ein Auskommen nicht mehr gefunden werden konnte, wird nunmehr beab­sichtigt, diese Budget-Posten um je 2 Millionen Kronen zu erhöhen.

Loubcts Rusilandreise. Wie die Pariser Blätter melden, soll die Reise des Präsidenten Loubet nach Rußland noch vor den Wahlen stattfinden, und zwar soll dieselbe vor­läufig für Ende März oder Anfang April in Aussicht ge­nommen sein. Außer dem KreuzerMassena", an dessen Bord Loubet in Begleitung Delcasiös reist, werden dem Ge­schwader noch die KreuzerGwethen",Bouir" undMont- calm" angehören. Die Anwesenheit des Präsidenten in Ruß- l md wird voraussichtlich drei Tage dauern.

Der russische Kaiser und die Kaiserin sind mit den Kindern aus Zarskoje Sselo nach Petersburg in das Winter­palais übergesiedelt, die Kaiserin-Wittwe mit dem Großfürsten- Thronfolger aus Gatschina in das Anitschkow-Palais.

Aufhebung des siuifcheu Telegraphenbureaus. Aus Helsingfors wird gemeldet, daß der russische Minister des

Innern die Aufhebung des finischen Telegraphenbureaus (Finskc Telegrambyran) vom 1. Februar ab befohlen hat.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Januar.

Tagesordnung: Fortsetzung der 1. Berathung des Etats.

Abg. Stockmann (Rp.) spricht seine Genugthuung aus über die verdiente Abfertigung, welche Abg. Bebel vom Reichskanzler erhalten habe wegen seiner Aeußerungen über die deutsche Kriegführung 1870/71, Die Aufregung über die Berufung Spahns nach Straßburg könne er nicht theilen, dagegen plaidirc er für Fortsetzung der Kolonialpolitik, namentlich für EisenbahnbautcnJn Ostafrika. Abg. Werner (Antis.) spricht sein Bedauern darüber aus, bau auf die Beschwerde LiebermanuS wegen Ver­letzung der Neutralität keine Antwort seitens des Reichskanzlers erfolgt sei. Dringend wünsche er, daß ein neuer Zolltarif zu Stande komme, denn der Nothstand auf dem platten Lande sei Thatsache. - Bayerischer Bevollmächtigter v. Stengel nimmt Anlaß, auf die treulichen Aus­führungen des Abg. Richter über bic Finanzlage und das Finanzverhält- ron Reich und Einzelstaaleu zurückzukommeu. Das Reich habe für sich wichtige Einnahmequelle:: vorbehalten. Auch Bayern befinde sich mit aus diesem Grunde in einer Lage derart, daß es viele sehr wünscheus- werthc uuv driugeude Ausgaben zurückstellen und damit warten müsse, bis die Einuahmen wieder reichlicher stießen. Auch für Bayern würde deshalb eine erhebliche Steigerung der Matrikularbeitrüge über die Ueber- Weisungen hiuauS sehr empfindlich und schwer zu ertragen sein. Wie der Abg. Richter sagen könne, das ganze Dichten und Trachte» der Einzel- staaten gehe nur darauf hinaus, etwas vom Reiche herauszubekommen, sei unerfindlich. Abg. Stöcker (b. L F.) wünscht eine Versicherung gegen tinverschuldete Arbeitslosigkeit und geht dann auf den Burenkrieg, ein. Die Zustände in Südafrika in den Burenlagern seien über alle Maßen hinaus schmählich. Ein Missionar berichte über Plünderungen schlimmster Art. Und alledem sahen die Großmächte mit verschränkten Armen zu. Unerhört sei es, daß im deutschen Parlament ein Mann, der Abg. Bebel, sich so, wie er es gethan, über die deutschen Truppen habe äußern können. Das sei das größte Elend, daß in Deutschland eine solche Partei cristire, die so die Achtung von dem eigenen Vaterlande untergrabe, (Beifall.) Staatssekretär Frhr. von Richthofen stellt fest, daß die Reichsregierung in Süd-Afrika Alles gethan habe, um das Interesse der deutschen Missionen und Missionare zu wahren Zur Vertretung der Interessen von dort ausgewiesener Missionare sei der Rechtsanwalt Sieveking in Hamburg ausdrücklich in die Kominission in London abgeordnet worden. Abg. Hasse (natlib.) hält es für im umgänglich nothwendig, daß sich der Reichstag auf die Seite des Reichs­kanzlers stelle, zumal jetzt, wo Chamberlain alles früher von ihm Gesagte ausdrücklich aufrechterhalte. Was die Zustände in Südafrika anlange, so müsse jedenfalls für die Schäden, ivelche englischerseits so vielen im Kap- lande lebenden deutschen Bürgern zugefügt seien, voller Ersatz gefordert werden Redner bespricht alsdann eine im vorigen Jahre vom ringarischer Ministerpräsidenten Szell gehaltene Rede über den Dreibund, worauf Staatssekretär v. Richthofen betonte, daß die Regierung alle Fälle, wo Deutsche im Auslande Beschwerde erhoben hätten, sehr sorgfältig im Auge behalte. Abg. Hahn (Bd. d. L.) meint, es habe im deutschen Volke doch etwas Beunruhigung hervorgernfen, daß der Dreibund heute für nich' mehr so nothwendig bezeichnet werde. Redner macht dann der Regierung den Vorwnrf, daß sie es nicht wage, der haute finance Gesetze harzn- schreiben. Auch habe die Regierung nichts gethan, um dieUeberproduktion heräbzumindern. Banken und Börsen müßten unter schärfere Kontrolle fommen. Nothwendig seien auch obligatorische Pensionsvorschriften für Bankangestellte. Abg. Arendt (Rp.) meint, die einzig gebührende Antwort anf eine etwaige Obstruktion gegen den-Zolltarif würde die Kündigung der Handelsverträge sein, und dieses Mittel rathe er der Re- giernua zu ergreifen. Staatssekretär Gr af Posadowsky erwidert dem Abg. Dr. Hahn, daß die Ausführung des Börsengesetzes Sache der Eiuzelstaaten sei. Dadurch erkläre es sich auch, daß Preußen einen An­trag auf Abänderung des Börsengesetzes beim Bandesrath gestellt habe. Abg. H erm es (frs. Bp.) bezeichnet die geplante 4 'öfache Besteuerung des Werthes desSacchariirs als ein Unikum in der Geschichte des Steuer­wesens. Abg. Fürst Radizi will streift kurz die heutigen Erklärungen des Grafen Bütow im Abgeordneteuhause. Morgen l Uhr: Fortsetzung ; Interpellation Arendt nnd Oriola und Interpellation Albrecht.

Schluß GVt Uhr.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vorn 13. Januar.)

Poleninterpellation.

Das Haus ist stark besetzt, die Tribünen sind gefüllt. Der Präsident eröffnet die Sitzung um 1l'/« Uhr. Auf der Tages­ordnung steht die Interpellation Hobrecht betreffend Maßregeln zum Stütze des Teutschthunis in den Ostmarken. Auf Vorschlag des Präsidenten wird die Interpellation I a z d z c w k i s betreffend den Religionsunterricht in den Volksschulen der sprachlich gemischten Landes­theile berathen. Ministerpräsident Graf Bül otv erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Hobrecht (nat* lib.) begründet die Interpellation. Er habe den Kampf zlvischeu Polen und Deutschen seit Langen: mitangcsehen und könne nur bestätigen, daß das Deutschthun: ständig zurückgegangen sei. Trotzdenr waren früher durchaus polnische Landestheile nicht in dieser Weise von der Agitation durchsetzt wie jetzt, wo schon ein einziger Prozeß genüge, um das Land in Flammen zu versetzen. Wir können den Bestrebungen Oesterreichs, auf dein Wege der Autononiic mit den Polen fertig zu werden, nur den besten Erfolg ivünschcn, aber jeder Staat sucht sein Heil nur auf dem Wege, auf dem er groß geworden ist. Preußen ist dies geworden auf den: Wege der nationalen Einheit. Diese einheit- lichc Geschlossenheit Preußens ist zugleich eine Gewähr der Sicherheit Deutschlands. Keine Ueberspannung unseres Nationalgeoantens, fein Chauvinismus, sondern einzig und allein die Alternative zwingt uns zu unserer Polenpolitik. Fügen sich die Polen, so wird sich auch in Preußen ein Weg der Milde finden lassen. Ich erkenne gern an, wie kehr die polnischen Vorstellungen in der Seele der polnischen Bevöl­kerung begreiflich sind, wie sie an ihrer Muttersprache hängen, wie sie selbst überzeugt sind, daß die Mutter Gottes polnisch spricht. Unsere