Erstes Blatt
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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich G0 Pfg., für aul gültige Abonnenten mit dem betreffenden PostaufschlagV Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
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inleral-Anzeiger.
Orgmi für Stadt- and LandKrcis Kmu
EiuriickungSgcbiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Psg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Psg., im Reklamentheil die Zeile 25 Psg., für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schlecker in Hanau.
Nr. 1.
BezirkS-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Donnerstag den 2. Januar.
Btzirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
1902
Amtliches
Landkreis Öanau.
$efnnntmad)imnen des Königl. ^andrathsamtes.
Wie in den Vorjahren wird auch im Jahre 1902 ein Kursus zur Unterweisung von Volkschullehrern im Obstbau sowohl im pomologischen Garten zu Cassel als auch voraussichtlich in Gelnhausen abgehalten werden.
Die Herren Ortsvorstände ersuche ich, die Herren Lehrer zur Theilnahme an einem der Kurse anzuregen und falls ein Lehrer hierzu bereit ist, mir unter Angabe, an welchem der beiden Kurse dieselbe stattsinden soll, bis stillt 5. Januar f» Js. Anzeige zu erstatten. Es kommen nur solche Lehrer in Betracht, welche nicht nur Neigung und Verständniß für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwerthen. Einstweilig angestellte Lehrer werden zu bem Kursus nicht zugelassen werden.
Es ist erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung des Lehrers dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an die Königliche Regierungs- Hauptkasse zu Cassel einzuzahlenden Kostenbeitrag verpflichten, dessen Höhe anzugeben ist.
Den event, vorzuschlagenden Lehrern ist zu eröffnen, daß sie sich im Falle ihrer Einberufung mit einem Arbeitsanzuge zu versehen haben.
Hanau den 30. Dezember 1901.
Der Königliche Landrath.
V 13909 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Gcfiindciic lind verlorene Gegenstände 2t.
Gefunden: 1 Doublöring (bestehend aus 4 nebeneinander gelegten Reifen) mit 4 Türkisen und 8 Wachsperlchen. 1 Portemonnaie mit 9 Pfg. 1 Rock. 1 graue wollene Pferdedecke mit Lederbesatz. Im Theater, 1. Rang, Loge 1, 1 Damen-Regenschirm.
Verloren: 2 Zwanzig-Markstücke. 1 Ofenwischer.
Vom Wasenmeister am 2. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer großer Spitzhund m. Geschl. Am'31. v. 'Mts. 1 gelber schottischer Schäferhund. 1 gelber Bastard mit kupirtem Schwanz. 1 weißer Foxterrier mit schwarzen und rothen Abzeichen. 1 schwarz und weißer Spill, sämmtlich m. Geschl.
Hanau den 2. Januar 1902.
Hub Stadt und £and.
Hanau, 2. Januar.
* Getreu dem guten alten Bräuche über- mrtteln wir unsern geschätzten Lesern wie Mit
Feuilkton.
Hana«, 2. Januar.
Nut dein Treffer der vergangenen Saison, mit „Flachsmann ^stellnngen im alten Jahre erfolgreich abgeschlonen^ ^.er .inftiihrung hatte der vorjährige Vertreter der Titel- rolle, perr ^chunth, N'me künstlerische Gestaltungskraft geliehen, auch der größte -.heil der weiteren Rollen hatte die bewährte Vertretung ^o^ahres erhalten und da auch die neu Mitwirkenden sich dem als vorzüglich bekannten Ensemble wirkungsvoll emsilgten, so war der .lnMhrung auch darstellerisch der gewohnte starke Erfolg geblieben.
ersten Hälfte der Theaterspielzeit
5eL°?r^ Thatsache konstatiren läßt, ist das zu Tage getretene löbliche Bestrebe n unserer Theaterleitung, den Spielplan zu verjüngen unbbte bei dem rasch wechselnden Repertoir unserer Bühne entbehrenden Alterthümer auf das bescheidenste j. ian in h|to die erste Vorstellung des neuen Jahres wurde der Humor des Auslandes in den Dienst gestellt. „Mist Hobbs"
-a° vjfraktige Lustspiel, das den Besuchern des Musentempels imxüeater so angenehm wie möglich vertreiben ,Ll W?sn^ bchmahistage weniger kritisch veranlagt, und das >ommt i er Novität zu <vutc, denn man kommt nicht zum Nachdenken Darüber, wie die emzelnenSzenen und 2lkte des Stückes zusammen- gehalten werden. „Leichte Waare" ist es, was hier unter dem an'pruchs- volleren Titel ^ustwiel geboten wird. Im dritten Akte macht allerdings der Autor den Anlaut, dm schwankartigen Vorgängen ein ernsteres Auslehen zu geben und Stellung in einer wichtigen Tagesfrage zu nehmen, aber die gewaltiamc Herbeiführung dieser Szene sowie die be- grenzte Umchauungsiveite, die daraus spricht, geben ihnen keinen höheren Gerth. Es blecht nur die Befriedigung des Amusementsbedürfnisses, und nach den Heiterkeits-Ausbrüchen, die die flotte Aufführung zum Gefolge !>atte, zu urtheilen, hat die Novität darin ihren Zweck erreicht. ^ eine Art Zähmung einer Widerspenstigen, was die Handlung enthält, die Bekehrung einer Männerseindin zur Ehe, einer die natürliche Bestimmung des Weibes Mißachtende zur sanften Hausfrau. Ist es im eilten Akte ein verlorenes Taschentuch, im zweiten ein verlorenes Buch, was die Handlung verbindet, so wird im dritten der Effekt durch das melodische Rasseln einer Kaffeemühle erhöht. Für den lustigen Erfolg des Stückes setzten ihre bewährte heitere Darstellungsweise die Damen Hannewald, Gypen, Rieger und Leonie, sowie die
arbeitern in Stadt und Land aus Aulas; der Jahreswende die herzlichsten Glückwünsche!
Red. d. „Han. Anz."
** Neujahr. Das neue Jahr hat mit dem üblichen großen „Knalleffekt" begonnen, d. h. es wurde getollt, gelärmt und geknallt, daß zeitweilig ein wahrer Höllenspektakel die Gassen durchlobte. Groß und Klein war auf den Beinen, um das alte Jahr würdig zu Grabe, das neue recht fröhlich hereinzugeleiten. Dem Allen war die Temperatur sehr günstig, denn während bei der im vorigen Jahr gerade auf Sylvester eingetroffenen Kälte den Neujahrsschwärmern eine sehr scharfe Luft um die Nase wehte, hatte sich diesmal eine reine Frühjahrstemperatur eingestellt, was natürlich sehr dazu beitrug, die Gassen zu füllen und viele Gratulanten veranlaßte, ihren Glückwunsch bei besonders' guten Bekannten noch schnell in der Nacht persönlich anzubringen. So sah man denn neben den weniger eiligen ausdauernden Schreihälsen und Radaumachern auch eilig dahinhuschende Gestalten, die nach einem flüchtigen „Prosit Neujahr", das sie den Passanten gönnten, eiligst ihrem Ziele znstrebten. DaS Abbrennen von Feuerwerk und das Geknatter von Feuerwerkstörpern nahm zeitweilig an manchen Stellen riesige Dimensionen an, wobei neben harmlosem Ulk auch mancher Unfug getrieben wurde. Zum letzten Mal hat der Christbaum noch im Lichterschmuck gestrahlt, auch mit seiner Herrlichkeit ist es wieder vorbei, dem lieblichen Baum wird ein Platz im Ofen, der Schmuck wird fein säuberlich aufgehoben und ziert wieder den nächsten Christbaum. Dampfende Bowlen oder steife Grog's haben viel geholfen, die Sylvesternacht zu einer möglichst animirten und freudigen zu gestalten, wobei aber dann als Kehrseite der Medaille zu berücksichtigen bleibt, daß manch Einem ein umfangreiches Exemplar von einem Kater den Neujahrsmorgen wieder gründlich verleidete. Zapfenstreich und Wecken der Garnison waren diesmal ausgefallen; dafür spielten die beiden Militärkapellen um 8 Uhr vormittags je 2 Choräle auf dem Marktplatz bezw Paradeplatz und vor den Wohnungen der Regimentskommandeure. — Am Nachmittag hatte die Jn- fanteriekapelle ein Konzert in Wilhelmsbad veranstaltet, das sich eines dicht besetzten Saales erfreute. Herr Kapellmeister Schmidt spielte von einem sehr stimmungsvollen Programm, das sich lebhaftesten Beifalls erfreute. Die Winter-Konzerte in Wilhelmsbad bieten überhaupt, sofern sie schlechtes Wetter nicht vereitelt, einen schätzbaren Genuß, die im Anschluß an einen vorherigen gesunden Spazier- gang über die Langeweile manch trübseligen Wintertages angenehm hinweghelfen können. — So hat das neue Jahr die Gewohnheiten des alten abgelöst. Mögen unsere Leser, die es glücklich begonnen, es auch glücklich zubeenden in der Lage sein.
Herren Schwarz, Rinkel, Kron und mrug ein. Herrn Schwarz noch ein besonderes Lob für das flotte Zusammenspicl.
Kunst und Leben.
* Künstlerischer Städtelmnd. Im „Gießener Anzeiger" lesen mir: „Für die Gründung eines Städtebund- ibealers in den Städten Gießen, Marburg, Bad-Nauheim, Friedberg und Wetzlar, zu denen sich vielleicht noch Hanau gesellen ließe, sind wir an dieser Stelle bereits mehrfach ein- getreten. Jetzt hören wir, daß man hier beabsichtigt, vorerst ein Städtebund-Orchester ins Leben zu rufen, das namentlich für Bad-Nauheim von hervorragender Bedeutung wäre, wo dieses Orchester, das sich nur aus tüchtigen, gut besoldeten Musikern zusammensetzen soll, während der Badesaison beschäftigt werden würde. In den anderen Monaten des Jahres würde es reichlichen Verdienst in den übrigen Städten finden und vor allem für das Konzertwesen der Städte von außer- ordenilichem Werthe sein. Wir wollen hoffen, daß diese vortreffliche Idee in den Nachbarstädten Entlang findet, sich recht bald in die That um'etzen läßt und die Grundlage wird für ein Städtebundtheater. Die Vortheile eines solchen, die wir wiederholt des Langem anseinandergesetzt haben, sind außerordentlich groß. Das Jahresengagement endet den ewigen Wechsel des Personals, das auf eine erheblich höhere Stufe erhoben wird. Wir werden beim Orchester, wie beim Theater in die Lage versetzt, die tüchtigsten unter den Künstlern dauernd an uns zu fesseln, wir bekommen in den Leistungen größere Einheitlichkeit, durch die größere Künstlerschaar ein erweitertes und erhöhtes Repertoire, die Künstler selbst erlangen größere Ruhe und Sicherheit, das Zummmenspiel wird harmonischer rc. ic? — Wir geben die von Gießen ausgehende Anregung gern wieder. Möge dieselbe guten Boden finden.
Jubiläums-Jahrgattg der „Gartettlaube" - so betitelt sich der neue 50. Jahrgang der verbreitetsten deutschen Familienzeitschrift, und die vielen Hunderttausende von
* Marienkirchenchor. Laut Inserat in vorliegender Ausgabe findet heute Abend in der höheren Mädchenschule Probe statt.
* Bestätigung des zweite« Beigeordttete«. Der Sanitätsrath Dr. med. Heinrich Eisenach ist als zweiter unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Hanau für die gesetzliche Amtsdauer von sechs Jahren bestätigt worden
* Generalkommission. Der GeneraltommissionsPräsident v. Baumbach-Amönau in Bromberg ist in gleicher Amtseigenschaft nach Cassel versetzt worden.
* Verliehen. Dem Domänenpächter K e i s e r in Steinau, Regierungsbezirk Cassel, ist der Charakter „Königlicher Oberamtmann" verliehen worden.
* Preutz. Klasienlotterie. Die Ziehung der 1. Klasse 206. Königlich preußischer Klassen-Lotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 9. Januar 1902 ihren Anfang nehmen.
* Stadtverordneten Versammlung. Zu unserem Bericht aus der öffentlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 30. Dezember ist noch nachträglich mitzu- theilen, daß am Schlüsse der Debatte bezüglich: „Abtrennung des Amtes des Stadtschnlinspektors von dem des Direktors der höheren Mädchenschule" Herr H o f f m a n n im Namen des Finanzausschusses, welcher diese Vorlage der Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung empfohlen habe, sich dagegen verwahrte, als ob nach Ausführung mehrerer Redner die Sache nur so leichthin behandelt worden sei. Er könne nur erklären, daß man sich in zwei langen Sitzungen mit dieser Angelegenheit gründlich beschäftigt habe, bis man in beiden Sitzungen zu dem einstimmigen Beschluß der Empfehlung der Vorlage gekommen sei. Er selbst müsse sich besonders noch persönlich gegen eine derartige Beurtheilung der Behandlung verwahren, da er sich nach verschiedenen Seiten um die einschlägigen Verhältniffe, wie auch an Ort und Stelle orientirt habe, welche ihn bestimmt hätten, der Vorlage zuzustimmen. Er wisse nicht, woher die anderen Herren ihre Informationen bezogen haben und halte weder die Ausführungen des Herrn Schwabe für richtig, noch weniger stimmten diejenigen des Herrn Schröter. Er wolle sich aber gerne dem Anträge des Herrn Treusch für Wahl einer Kommission anschließen, weil er die Ueberzeugung habe, daß auf diesem Wege am ehesten eine Verständigung der verschiedenen Ansichten erfolgen werde. Ilebrigens sei auch schon im Finanzausschuß das Gutachten eines anerkannt tüchtigen S ch u l m a n n s zur Geltung gekonunen, wenn dies auch nicht im Protokoll stehe. — In dem Bericht über die Debatte ist in dem Theil, welcher die Ausführungen des Herrn Schwabe betrifft, ein auf einer Schreibflüchtigkeit beruhender Irrthum unterlaufen. In bem
Lesern und Freunden derselben werden mit besonderer Spannung den Gaben entgegensehen, die dieser Jahrgang ihnen bieten wird. Sie Alle wissen, daß es stets das Streben der „Gartenlaube" gewesen ist, ihren Lesern ein lieber Freund und Berather zu sein, ihnen sowohl die Schätze unserer erzählenden Litteratur zu erschließen, wie nicht minder sie einzrtfühcen in die Fragen der Wissenschaft und Technik. Die sorgfältigen Vorbereitungen, die dem Jubiläums-Jährgange zu Theil geworden sind, bürgen dafür, daß er all die Vorzüge, welche den früheren Jahrgängen zu ihrer außerordentlichen Beliebtheit ver halfen, in noch höherem Maße als diese aufweisen wird, und daß die Leser keine Nummer des Blattes ohne geistigen Gewinn aus der Hand legen werden. Jugendfrisch und prächtig erscheint der Jubiläums-Jahrgang im reichen Schmuck der Kunstblätter und Illustrationen, ebenfalls das Beste und Schönste auf künstlerischem Gebiete vorführend. Den neuen Jahrgang eröffnen zwei fesselnde Arbeiten der erzählenden Litteratur: „Seite Oldenroths Liebe", Roman von W. Heimburg, und „Somvlerseele", Novelle von Helene Böhlau. chnen werden sich andere ausgezeichneie Werke all der hervorragenden und beliebten Erzähler anschließen, die schon so oft mit ihren gemütvollen und künstlerisch werihvollen Beiträgen den Leserkreis der „Gartenlaube erfreut haben. Auf dem Gebiete der populär-wissenschaftlichen Darstellung wird die „Gartenlaube" nach wie vor durch Beiträge anerkannter Gelehrten aufklärend wirken, und mit altem Freimuth alle Kulturfragen unserer Zeit beleuchten. Die lebendige, anschauliche Darstellung der berner- kenswerthen Zeitereignisse und die interessanten Darbietungen für häusliche Kunst, Frauenarbeit, Hauswirihschaft, sind gleichfalls Vorzüge des Blattes, das sich alle technischen (jrrungeZs- schafien der Neuzeit zu Nutze gemacht hat, um dem Le dienen. Gediegener Inhalt u g,
dem Jubiläums-Jahrgang der „Gartenlaube" einen in der deutschen Zritschrislenwelt sichern und die
Derer erfreuen, die als alte und neue Gunst schenken.
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