Erstes Blatt
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 302. Bezirks-Fernlvreckanschluß Nr. 98.
Samstag den 28. Dezember.
BezirkS-Fcrnsprechmschluß Nr. 98. 1901
Amtliches Stadt- mid Landkreis Hanau.
Mit Rücksicht auf den Umfang und die bösartige Form, in welcher die Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Wachenbuchen, Mittelbuchen und Kilianstädten aufgetreten ist, verbiete ich, um der Gefahr einer Seuchenver- jchleppurrg vorzubeugen, auf Grirnd des § 64 Absatz 2 der Bundesraths - Instruktion vom 1895 die einstweilige Abhaltung von
Viehmärkten sowie das Beschicken der Wochen- märkte mit Läuferschweinen und Absatzferkeln für den Umfang des Stadt- und Landkreises Hanau.
Hanau den 28. Dezember 1901. P 12432 Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
J. A.: Valentiner, Reg.-Afsesior.
Höheren Orts ist der Handel mit Papier und Neujahrskarten in offenen Verkaufsstellen am Sonntag den 29. d. Mts. für die Dauer von höchstens 10 Stunden unter Ausschluß der für den Hauptgottesdienst bestimmten Zeit und bis spätestens 7 Uhr abends freigegeben morden.
Hanau den 20. Dezember 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 12267 v. Schenck.
Hue Stadt und Cand.
H ynau, 28. Dezbr.
* Die kritischen Tage in 1902. Rudolph Falb geht bekanntlich von der Ueberzeugung aus, daß der Einfluß der fluthbildenden Anziehungskraft, welche von Mond und Sonne ausgeht und gewaltige Springfluthen des Meeres erzeugt, auch auf den Ozean der Luft nach ähnlichen Verhältnissen wirksam wird. Nach diesen bezeichnet er die kritischen Tage ünd stellt seine Wetterprognose. Als kritische Tage erster Orbnung werden angegeben: 21. Januar, 22. Januar, 10. März, 8. April, 7. Mai, 6. Juni, 5. Juli, 3. August, 2. September, 17. Oktober, 15. November und 15. Dezember. Kritische Taae zweiter Ordnung: 9. Januar, 8. Februar, 24. März, 22. April, 19. August und 31. Oktober. Kritische Tage dritter Ordnung: 22. Mai, 21. Juni, 20. Juli, 30. November und 29. Dezember. Die kritischen Tage erster Ordnung äußern sich nach der Behauptung Falbs durch Wirbelsturm, Gewitter im Winter, Schneefälle im Sommer u. s. w. Nach der für die erste Hälfte des kommenden Jahres gestellten Wetterprognose treten im Januar verhältnißmäßig selten Schneefälle ein. Der Monat ist als trocken zu bezeichnen. Nur in der Nähe der kritischen Tage nehmen die Regen an Stärke zu. Der Februar bringt ausgebreitete Schneefälle, auch im März ist viel Schnee zu erwarten. Im April sind die Schneefälle unbedeutend. Dafür tritt stellenweise Gewitterneigung ein. Im Wonnemonat Mai verheißt uns Falb zahlreiche Niederschläge, die namentlich in der zweiten Hälfte von Gewittern stammen. Die Temperatur ist sehr veränderlich. Auch der Juni ist reich an Niederschlägen, namentlich in der ersten und dritten Woche. Die Gewitter sind ziemlich zahlreich.
* Hoher Besuch. Se. Kgl. Hoh. Landgraf Alexander von Hessen weilte gestern Nachmittag in der Johanneslirche und besuchte am Abend die Vorstellung „Joseph und seine Brüder" im Stadttheater.
* Auszeichnung. Dem Fußgendarm Burhenn zu Langendiebach wurde das „Allgemeine Ehrenzeichen" verliehen.
* Der Viehhandel im Umherziehen. Laut amtlicher Bekanntgabe hat der Herr Regierungspräsident den Handel mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen im Umherziehen für den Landkreis Hanau bis zum 1. Februar 1902 untersagt.
* Der Handel mit Papier und Neujahrskarten. Höheren Orts ist der Handel mit Papier und Neujahrskarten in offenen Verkaufsstellen am Sonntag den 29. d. Mts. für die Dauer von höchstens 10 Stunden unter Ausschluß der für den Hauptgottesdienst bestimmten Zeit und bis spätestens 7 Uhr abends freigegeben worden.
* Baupläne von einigen Bauausführungen der hiesigen Baufirma J. C. Jäger und J. M. Rumpf, betreffend den Städtischen Saalbau und die Kirche in Heidelberg, sowie den Schloßumbau Soden sind soeben in dem Erker von König',s Buchhandlung ausgestellt. Die Übertragung derartiger reich architektonischen Bauausführungen, wie sie namentlich in den
Arbeiten für die Stadt Heidelberg zu Tage treten, gereicht der Firma sicherlich zur Ehre. Die reichen Bild- und Steinhamr- arbeiten werden von der Firma auf der Baustelle selbst ausgeführt und zwar die Arbeiten für die Kirche in weißem Vogesensandstein, für den Saalneubau in rothem Mainsandstein. Die Firma genießt auswärts einen guten Ruf, namentlich in Süddeutschland.
* Die Ergänzungswahleu zur Handelskammer sind für Montag den 30. d. Mrs. archeraumt. Die Wahlhandlung beginnt um Vail Uhr vormittags und soll um 12 Uhr geschlossen werden. Das Wahllokal ist der untere Sitzungssaal des Rathhauses. Erläuternd möge darauf hingewiesen werden, daß die gewählten Herren sechs Jahre im Amte bleiben werden. Berechtigt, an der Wahl theilzunehmen, ist jede in das Handelsregister eingetragene Firma des Stadt- und Landkreises Hanau, sofern sie zur Gewerbesteuer mit einem Mindestbetrage von jährlich 20 Mk. veranlagt ist. Die Wahl ist eine geheime, sie erfolgt durch geschlossene Stimmzettel, auf welchen vier zu wählende Herren angegeben sein müssen. — Eine zahlreiche Betheiligung der wahlberechtigten Firmen erscheint sehr erwünscht. Der be gutachtenden Thätigkeit, mehr aber noch ihrer Initiative in Einwirkung auf die Entwickelung der handelspolitischen Maßnahmen, des Handels-, Gewerbe- und Verkehrsrechts, ist eine stetig sich steigernde Bedeutung zuzumessen. Die Besetzung der Handelskammer ist aber gleichbedeutend mit dem Modus ihrer Wirksamkeit auf diesen Gebieten.
Eine Wette. Sitzt da vor einigen Abenden im Gasthause „zum Engel" in Langenselbold eine heitere Gesellschaft und bespricht Ui einem Glase echten „Adlerbräu'â" schlecht und recht des Tages Ereignisse. Dabei kommt man denn auch auf die hohen Heu- und Strohpreise zu sprechen und wie es auch hier so „häßlich eingerichtet" sei, daß nämlich, wenn die Preise in der Höhe wären, der Bauer meistens dann nichts zu verkaufen habe. So gab ein Wort das andere, bis man dann endlich an der Stärke und Leistungsfähigkeit eines ausgewachsenen Mannes ankam. Lange wurde hinüber und herüber gestritten, bis endlich ein hiesiger Heuhündler, Herr N., die Behauptung aufstellte, daß 12 Mann seinen Wagen, der 18 Zentner wiege und auf welchem nächsten Freitag Nachmittag etwa 34—36 Zentner Heu verladen würden, mithin ein Bruttogewicht von 52 Zentnern repräsentire, nicht vom alten Markte (Oberdorf) nach der Kellerei auf dem Klosterberg zögen, und verwettete er dagegen mit seinen Freunden 50 Liter Bier. Ueberall ein bedenkliches Schütteln des „Kopfes", Niemand wollte den hingeworfenen Fehdehandschuh aufheben, konnte es doch sein, auch nicht sein. Endlich nahm ein heller Kopf die Herausforderung an, nachdem man sich aus einem Lexikon hatte sagen lassen, daß die Kraftleistung eines ausgewachsenen Mannes gleich ^? der eines Pferdes sei. Gegen 6 Uhr abends stellten sich die 12 Männer pünktlich ein. Mächtige Seile wurden an den auf dem alten Markte bereits seiner eigenartigen Weiterbeförderung harrenden Wagen geschlungen, worauf unter dem Zulauf einer großen Menschenmenge das Schauspiel seinen Anfang nahm. Ein kräftiger Zuruf, ein Hineinlehnen in die Seile und der Wagen gerieth in Bewegung, die mit jedem weiteren Schritte der Männer rascher wurde, sodaß sie alsbald in Geschwindschritt übergehen konnten. Eilig ging es durch die kleine Friedrichsstraße, über die Kreuze, den Steinweg, am Nmtshaus vorüber, dem Klosterberg zu. Jedermann dachte, am „weißen Roß" würde eine kurze Rast gehalten werden und war dieselbe auch zugestanden worden. Aber ganz gegen Erwarten fand dieselbe nicht statt, im Gegentheil, rüstig ging es auf der nunmehr steigenden und etwas aufgeweichten Chaussee weiter, immer näher, wenn zwar auch immer etwas langsamer dem Ziele. Fester und fester mußte sich ins Zeug gelegt werden und schon glaubten Viele, hier ginge dem wage- muthigen Gespann die „Puste" aus, aber nur wenige Minuten Zeit genügten und die so sehr gefürchtete Steigung an der Kirche war überwunden. Mit ungeschwächter Kraft wurde weiter gezogen und nach weiteren wenigen Minuten war das Ziel erreicht. Ein tausendstimmiges Hurrah lohnte die nicht zu unterschätzende Kraftleistung der Männer, worauf die Sieger „in den Engel" zurückkehrten, um hier gleich einen Theil des Preises in Empfang zu nehmen und in gemüthlichem Beisammensein sich daran zu erboten.
K. Katholischer Männer verein. Morgen Sonntag den 29. Dezember, abends 8 Uhr, findet der zweite diesjährige Familienabend vorgenannten Vereins in der Restauration Kippert statt. Das Programm des Abends ist in derselben Weise wie am vorhcrgegangencn Familienabend gedacht und dürfte deshalb der Besuch wiederum ein ebenso zahlreicher werden.
* Homöop. Verein. (Vortrags abend).' Am morgigen Sonntag hält der homöopathische Verein im Gasthaus zur „goldenen Gerste" seine Christbaumverloosnng ab, dieser Feier wirb ein Vortrag des Herrn Stöcker aus Rhepdt über das Thema: „Wie erhalten wir unsere Gesundheit bis zum fröhlichen Alter," eine ganz besondere Würze geben. Da mau. bekanntlich aus diesem Gebiete niemals zu
Die heutige Nummer umfaßt nutzer dem Nuterbaltuugsblatt 12 Seiten.
viel weiß, wird auch dieser Vortrag gewiß eine große Anzahl Hörer zufuhren. Nach dem Vortrag findet gemüthliche Unterhaltung, als komische Vorträge, Tableau, Absingen von Chorliedern u. s. w., statt, sodaß jedem Besucher Rechnung getragen wird.
* Parolemusik. Die Jnfanteriekapelle spielt morgen folgende Stücke: „Reitermarsch der Ukrainischen Kosaken^ von Loewe, Ouvertüre „Peche Mignon" von Langey, „Carmen Sylva", Walzer von Jvanovici, „Polnisches Lied" von Kno- quensky, „Im Zeichen des Mars", Potpourri von Herold.
* Sladttheater. Otto Ernsts Lustspiel „F l a ch s m a n n als Erzieh e r", das allerorten an seiner ungewöhnlichen Zugkraft noch nicht das Geringste eingebüßt hat, gelangt morgen mit Herrn Schmitt in der Titelrolle zur Darstellung. Der junge Darsteller, der hier von Rolle zu Rolle gewachsen ist, gehört bereits zu den Lieblingen des Mainzer Stadttheaters. Fräulein Gypen, Herr Schwarz, Herr Gehrmann und Herr M o n a t o sind im Besitze ihrer Rollen geblieben und den Schulrath Prell spielt erstmalig Herr Möbius.
* Singspielhalle Brauerei Dörr. Wir verweisen auf die heute und morgen stattfindenden Vorstellungen mit dem Bemerken, daß außer dem sonstigen gediegenen Personal die rühmlichst bekannte Absavello-Truppe sich hier zum ersten Male produziren wird.
* Wiener Spitze. Der Bauchredner und Zauberkünstler Herr Chr. Grim m wird morgen wiederum in dem Lokale zur „Wiener- Spitze" auftretem Von heute ab findet in genanntem Lokale großes Preis-Konkurrenz-Schießen mit Luftgewehren statt.
* Kurort Wilhelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet in den Sälen zu Wilhelms bad Konzert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.
* Ueberfahren. Ein vom Marktplatz kommender, die Salzstraße in rasendem Tempo durcheilender Radler, ein hiesiger Photograph, überfuhr in vorgenannter Straße gestern Nachmittag zwei Kinder.
* Das „ewig Weibliche" gab gestern Abend in der Großen Dechaneigasse zu einem blutigen Renkontre zwischen drei Arbeitern Veranlassung. Dem einen der Belheiligten wurde das Nasenbein zerschlagen.
* Das Hahuenkammhaus ist jetzt nur an Sonntagen geöffnet.
Die städtische Bibliothek
Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.
Gesammtkataloge futb zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
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W. Groß-Auheim, 27. Dezbr. (Kirchliches). Der erste Weihnachtsseiertag gestaltete sich für die Mitglieder der hiesigen evangelischen Gemeinde, insbesondere auch für die Mitglieder des evangelischen Kirchenchores zu einem Festtag in des Wortes schönster Bedeutung. Der Gottesdienst war trotz der recht unfreundlichen Witterung außerordentlich zahlreich besucht und die Besucher hatten außer der sehr erbaulichen Weihnachts-Festpredigt des Herrn Pfarrers Lamm noch den Genuß des tadellosen Vortrags der beiden Chöre: „Es waren Hirten aus dem Felde 2C." von Silcher und dem Schülerchor „Fürchtet euch nicht re." von Kern, unter Leitung des Herrn Lehrers Hofmann; die Begleitung des Schülerchors auf dem Harmonium übernahm freundlichst Herr Lehrer Neidhardt. — Für den Abend hatte genannter Kirchenchor eine Weihnachts-Abendunterhaltung veranstaltet, deren Einnahme (die erwachsene Person 30 Pfg.) zur Deckung der Kosten für Erbauung des Thürmchens auf den Betsaal bestimmt ist. Dieser Zweck wurde nahezu erreicht, denn in dem geräumigen Saale „zum Anker" war kein Plätzchen unbesetzt geblieben. Musikstücke für Klavier und 2 Geigen — die Klavierparthie hatte Herr Lehrer Hof- mann, die Geigenparthie Herr Lehrer Neidhardt und Herr Ries (Letzterer auch Mitglied des Kirchenchores) übernommen, wechselten mit geeigneten Vorträgen des Kirchenchores und der Schulkinder ab, und daß die Anwesenden mit jeder Nummer sehr zusrieden waren, zeigte der stets anhaltende Beifall. Als Glanzpunkt des Abends erwähnen wir das wahrhaft erhebende, durch Herrn Lehrer Hofmann sorgfältig, aber jedenfalls mit viel Mühe und Arbeit eingelernte Festspiel: „Wadhüters Weihnacht". Dasselbe machte sichtlich auch auf Gäste, die sonst einer freieren Lebensauffassung huldigen, einen tiefen Eindruck und Thränen standen Manchem in den Augen, als das Christkind in ergreifender Weise die armen schlafenden Kinder des Waldhüters segnete. Dank gebührt zum Schlüsse den Veranstaltern, aber auch sämmtlichen Mitwirkenden für die Bereitung des genußreichen Abends.
0 Keffelstadt, 27. Dezbr. Am 1. Weihnachtsfeiertage hielt der hiesige Gesang-Verein „Humor" in den Sälen „zur Mainlust" eine Abendunterhaltung ab, welche sich eines überaus zahlreichen Besuchs erfreute. Die hierbei zum Vortrag gelangten Chöre, z. B. „Die schöne Schenkin" von Gust. Schreck, „Der Wald" von Häser 2c. 20„ wurden unter der Leitung des Dirigenten Herrn Franz Weichselgärtner aus Hanau auf's Beste durchgeführt und fanden allgemeinen Beifall; auch trügen die Humor. Vorträge mit abwechselndem Tanz zur Verherrlichung der Feier bei und dürfte ivohl jeder Anwesende am Schlüsse, welcher gegen 2 Uhr erfolgte, zu der Ueberzeugung gelangt sein, einen recht vergnügten heiteren Abend verlebt zu haben. Dem Verein sei alles Guie zu seinem weiteren Fortkommen gewünscht.
i'. Langendiebach, 27. Dezbr. Gestern Abend veranstaltete der hiesige Gesangverein „Lied er kranz" eine Abendunterhaltung. Trotzdem der Saal des Gasthauses „zum Schwanen" erst kürzlich eine Er- weiterung erfahren hatte, war derselbe dicht besetzt. Viele mußten mit einem sehr bescheidenen Plätzchen vorlieb nehmen, eine weitere Anzahl Personen mußte überhaupt auf den Genuß verzichten und wieder