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Erstes Blatt

er

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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- oärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postanfschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Elurücknngsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 301

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Freitag den 27. Dezember

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

Amtliches.

Landkreis Danau.

Beklinntmachunlien des Königl. Landrathsamtes.

Anordnung.

Nachdem die Miml tmb Klauenseuche in den Orten Mittelbuchen und Kilian st ädten eine weitere Ausdehnung angenommen hat, wird hiermit auf Grund der 88 59a und 64 d. B. R. Jnstr. vom 27./6. 95 Nach­stehendes angeordnet:

1. Sämmtliches innerhalb der Gemarkungen Mittelbuchen und Kilianstädten befindliche Klauenvieh (Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen) wird unter Beobachtung gestellt. "

2.

3.

4.

5.

6.

An den Grenzen der Feldmark sind in augenfälliger und haltbarer Weise Tafeln anzubringen mit der Aufschrift: Maul- und Klauenseuche".

Das Treiben von auswärtigem Vieh durch das Be­obachtungsgebiet ist nicht gestattet; dagegen ist die Vieh­durchfuhr (namentlich von Schlachtvieh) auf Wagen zur Verladung auf der nächsten Bahnstation unter der Be­dingung erlaubt, daß jeder Aufenthalt im Bezirke ver­mieden und für sichere polizeiliche Begleitung des be­treffenden Transportes Sorge getragen wird.

Die Ausführung von Wiederkäuern und Schweinen aus dem Beobachtungsgebiet ist nur mit meiner ausdrücklichen Genehmigung statthaft.

Die Ausführung zur sofortigen Abschlacktung ist dann zulässig, wenn die unmittelbar voransg'ehende thierärzt­liche Untersuchung ergibt, daß kein Thier des betreffen­den Transportes mit der Maul- und Klauenseuche be­haftet ist.

Außerdem kann, die polizeiliche Genehmigung nur unter der Bedingung ertheilt werden, daß die Thiere in undurchlässigen Wagen oder auf Wegen transportirt werden, die von Wiederkäuern und Schweinen aus seuchefreien Gehöften nicht betreten werden.

Die Ausführung ist ferner nur erlaubt:

1) nach benachbarten Orten,

2) nach in der Nähe befindlichen Eisenbahnstationen behufs Beförderung nach solchen Schlachtviehhöfen oder öffentlichen Schlachihänsern, welche unter ge­regelter veterinärpolizeilicher Kontrole stehen.

Bedingung hierfür ist:

a. daß die Polizeibehörde des Schlachtortes sich vorher mit der Zuführung der Thiere einver­standen erklärt hat;

d. daß die Thiere bie en Anstalten direkt mittels der Eisenbahn oder doch von der Abladestation aus mittels Wagen zugefübrt werden.

Eine Zuladung von Thieren ist verboten. Die Polizeibehörde des Ursprungsortes hat durch vorherige Vereinbarung mit der Eisen- bahnverwaltung oder durch unmittelbare polizei­liche Begleitung dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung mit anderen Wiederkäuern oder Schweinen auf dem Transporte nicht stattfinden kann.

Die kranken und die der Seuche und Ansteckung ver­dächtigen Thiere innerhalb des Beobachtungsgebiets unter­liegen der Gehöftssperre nach Maßgabe der hierfür vor­geschriebenen besonderen Maßregeln.

Aus Sammelmolkereien, welche Milch von seuchefreien Viehbeständen des Beobachtungsgebietes entnehmen, darf Milch (Mager-, Buttermilch und Molke) nur fortgegeben werden, wenn sie auf 100 0 C. erhitzt oder wenigstens ^4 Stunde lang einer Temperatur von 90 0 C. ausge­setzt gewesen ist.

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden auf Grund der 88 66 und 67 des Reichsviehseuchengesetzes vom 23 Funi 1883

" . . ' mit Geldstrafen bis zu 150 Mark oder 1. Mar 1894 ' 3

mit entsprechender Haft bestraft, sofern nicht nach den Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuches eine höhere Strafe verwirkt ist.

Hanau den 27. Dezember 1901.

Der 'Königliche Landrath.

I. A.: Schneider, Kreissekretär.

Unter den Schafen der Gemeinde Hettersroth Kreise Gelnhausen ist die Râude ansgebrochen.

Hanau den 21. Dezember 1901.

Der Königliche Landrath.

V 13698 I. A.: Schneider, Kreissekretär.

im

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 neuer Kindergummischuh und 1 alter Gummischuh.

Verloren: 1 silberne Herrenuhr mit Goldrand und mit einem Bierzipfel. 1 Paar neue gelbe Glacehandschuhe. 1 vernickeltes Kaliber 23 cm lang.

Zugelaufen: 1 junger brauner Hund mit weißen Abzeichen m. Gesckl.

Hanau den 27. Dezember 1901.

Hue Stadt und Land.

Hârrau, 27. Dezbr.

* Des Weihnachtsfestes ^reudentrnbel ist ver­rauscht, doch noch umschwebt uns Tannenduft und Lichterglanz, noch sind die Reste der Pfefferkuchen und Nüsse Zeugen der Herrlichkeiten jüngst vergangener Tage. Weihnachtstimmung, Feiertagsstimmung beherrscht noch manche Menschen, ja manch Einer ist so von ihr fortgerissen, daß er sich an den gesetzlichen beiden Feiertagen nicht begnügt, noch einenDritten" dazu legt; es soll sogar auch in unserer guten Stadt Leute geben, die in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr die Arbeit überhaupt für überflüssig halten. Doch bei den meisten Menschen klopft, wie bei dem Zeitungsmann, am Tage nach dem Feste diePflicht" wieder an die Thür und mit frischem Muthe heißt es wieder seinem Berufe vorzustehen. Wenn auch der Freudentaumel gedämpft, die schöne Zeit der Heimlichthuerei und der frohen Erwartung vorbei ist, so llingen doch noch die prächtigen Accorde nach, welche der Menschheit durch das Christfest bescheert wurden. Und wünschenswerth ist es auch, daß die weihnachtliche Friedensbotschaft nicht nur für zwei Tage wirkt, sondern daß das Bestreben der Menschen, einander Freude zu bereiten, von nachhaltiger, veredelnder Wirkung sein möge. Der verlockende, herrliche Gruß des Weihnachtsengels Friede auf Erden!" ist allerdings zu schön, um ganz Er­füllung finden zu können, aber wenn nur ein kleiner Bruch­theil all der guten Vorsätze, die das Ehristkind mit seinem strahlenden Glanze aufkommen ließ, bethätigt werden würde, so wäre das ein herrlicher Erfolg des schönsten aller Feste.

* ttrsprrrnMettqnisse in spanischer Sprache. Auf Grund einer spanischen Verordnung vom 25. September 1897 sind die Ursprungszeugnisse für nach Spanien bestimmte Waarensendungen in spanischer oder französischer Sprache aus­zustellen. Bei Ausstellung in anderen Sprachen sind sie in Spanien durch vereidete Dolmetscher oder die anderen a. a. O. bezeichneten Personen ins Spanische zu übersetzen. Eine solche Uebersetzung ist auch dann erforderlich, wenn die Ursprungs­zeugnisse in der Sprache des Ursprungslandes und außerdem in spanischer Sprache verfaßt vorgelegt werden, indem die spanische Übersetzung des Herkunftslandes alsdann als nichtig betrachtet wird. Bei dieser Rechtslage entstehen dem deutschen Ausfuhrhandel nach Spanien unerwünschte, seine Wettbewerb­fähigkeit beeinträchtigende Weiterungen und Kosten, wenn die Bescheinigung des Ursprungszeugnisses durch die inländische Polizeibehörde' davon abhängig gemacht wird, daß dasselbe in deutscher Sprache abgefaßt ist. Die Polizeibehörden werden daher durch eine gemeinsame Verfügung der Minister des Innern und für Handel und Gewerbe ermächtigt, Ursprungs­zeugnisse in spanischer Fassung zu bescheinigen, wenn ihnen daneben eine deutsche Uebersetzung des zu beglaubigenden Zeug­nisses vorgelegt wird, welche aber der Waarensendung" nicht beizufügen ist.

* Ehresrd. Nachdem im vorigen Jahre ein allgemeiner Wettbewerb unter den Architekten Deutschlands behufs Er­langung von Entwürfen zu einem Gymnasium mit Direktor­wohnhaus in Zehlendorf bei Berlin stattgefunden hatte, war dieses Jahr unter den Siegern in dieser Konkurrenz ein zweiter, engerer Wettbewerb eröffnet worden, welcher jetzt zur Ent­scheidung gelangt ist. Dem Architekten Franz T h y r i o t in Köln wurde die gesammte Bearbeitung der Baupläne und die Bauoberleitung übertragen. Die Gebäude werden mit einem Kostenaufwand von rund Mk. 600000 errichtet.

* Der Sprechbereich von Birstein wird vom 24.

d. Mts. ab auf folgende Orte ausgedehnt: Bischofsheim (Kr. Hanau), Bruchköbel, Butierstadt, Dörnigheim, Fechenheim, Fulda, Hauswurz, Hintersteinau, Hochstadt (Kr. Hanau), Marköbel, Mittelbuchen, Mittelkalbach, Neuhof (Kr. Fulda), Oberkalbach, Oberndorf (Kr. Gelnhausen), Ostheim (Kr. Hanau), Roßdorf (Kr. Hanau), Ulmbach, Wachenbuchen, Windecken, Kilianstädten, Kilianstädlermühle und Oberdor­felden.

* Grit Mondregenhoge» konnte am ersten Feiertag zwischen 7 und 8 Uhr abends beobachtet werden. Der Him­mel war leicht bewölkt und durchdrangen die Mondstrahlen die Rewött-rng. In einem großen Kreis um den Mond er­

schienen die Regenbogenfarben und zeitweise in einer größeren Entfernung um den Mond ein Doppelbogen. Die Erschei­nung war sehr deutlich und ist hoffentlich" Vielen ins Auge gefallen.

* Hochwasser. An der Haltestelle Wirtheim bei Geln­hausen ist her Personen- und Gepäckoerkehr eingestellt worden. Das Hochwasser der Kinzig ist die Ursache davon.

* Jm Banne des Alkohols. Mit einem Scheine zur Aufnahme ins Landkrankenhaus versehen, begab sich am Dienstag Morgen ein Langendiebacher Einwohner nach Hanau, machte hier jedoch zuvor verschiedenen Branntweinausschank- stcllen einen Besuch, sodaß er schließlich am Abend in einer Ecke der Eberhardstraße hilflos lag und von dort durch einen Schutzmann seinem Bestimmungsort zugeführt werden mußte.

^Unfall. Eine Frau Haupt aus Niederrodenbach kam am Dienstag dahier so unglücklich zu Fall, daß sie einen Beinbruch erlitt.

* Sladttheaier. In der Sonntags-Vorstellung von F l a ch s m a n n als Erzieher" gastirt der erste hiesige Darsteller des Flachsmann, Herr Fritz Schmith vom Stadt­theater in Mainz, dessen prächtiger Durchführung der Rolle der große Erfolg des Stückes zuzuschreiben war.

* Weihnachtsfeier» veranstalteten fast sämmtliche größeren Vereine unserer Stadt. Selbstredend war es nur möglich, über einige Veranstaltungen eingehender berichten zu können. Daß auch die anderen Festlichkeiten sich des besten Verlaufs zu erfreuen hatten, wird uns allgemein versichert.

* * Weihnachtsfeier der Tnrngemeinde. Es war zum Ab­schiednehmen just das rechte Wetter dieweil eben gestern die Mitglieder der Turngemeinde sich zum letzten Mal in derCentralhalle" zusammen- fanden, um hier, wie seit vielen Jahren, ihren Weihnachtsball abzubalten und wo draußen Gran in Gran die Welt erschien, man sichs drinnen beim Hellen Kerzenschein und bei fröhlicher Turnerschaar um so wohler sein ließ. Cs war der letzte Ball der Turngemeinde in der Centralhalle, mit ihm wurden im Laufe des Abends allerlei Erinnerungen ausgetauscht und der Abschied gestaltete sich zu einem recht herzlichen. Herr Schatt sprach zuerst das Wort vom Abschied an die alten, liebgewordenen Räume der Centralhalle und erinnerte daran, daß mit ihnen die Namen zweier Vereine auf das Engste verknüpft sind, nämlich derTurnge- mciude" und des VereinsFrohsinn", und wie der eine sein Besitzthum aufgeben mußte, der andere hoffnungssreudig daran denkt, im Mai oder Juni sein neu erstelltes Heim beziehen zu können. Siegreich alle Vor­urtheile überwindend, sei die Turnsache eiugezogen in Stadt und Land und so wäre es auch der Turngemeinde unter Mitwirkuna aller Kreise der Bevölkerung gelungen, das zu vollbringen, was heute Abend hier eine Abschiedsrede veranlasse, nämlich die Erstellung eines eigenen Hauses, und mit Befriedigung könne er konstatiren, daß im letzten Jahre der Mit­gliederbestand sich vergrößert, der Besuch der Turnstunden ein regerer ge­worden sei. Herr Schüßler stattete als letzter Inhaber den Turnern seinen Dank für den nahezu 40jährigen Besuch ab, ein Beweis, daß es ihnen gefallen, wäre wohl der Umstand, daß sie auch nicht ein einziges Mal abgefallen sind. Herr Schüßler brachte den Turnern einGut Heil", Herr Schatt in der Erwiderung dem Restaurateur, dem es ja keine Konkurrenz bereite, wenn die Turner hier ihre Weihnachten nicht mehr feiern. Das Scheiden erfolge somit im besten Einvernehmen. - Natürlich waren auch wieder einige Jubiläen zu verzeichnen, welche erfreu­liche Thatsache Herr Bailly in markanten Worten feierte und mit ihnen zugleich an die idealen Ziele der Turnerei erinnerte. Die Mitglieder Gottfried Schnarr und Moritz Mayer gehören seit 25 Jahren der Turngemeinde an, Herr Heinrich Schleicher konnte sogar auf eine 25jährige Thätigkeit im Vorstand zurückblicken, was Herr Bailly ebenfalls mit Worten des Dankes verkündete und dem Jubilar eine von Mitgliedern zu in Andenken gestiftete Uhr überreichte, von der er wünschte, daß sie dem Jubilar noch recht viele und nur glückliche Stunden zeigen möge. Das Programm war wie immer geschmackvoll und sorgfältig auserlesen, die Vorführung der turnerischen Fertigkeit nahm einen breiten Raum darin ein. Es wurde in Stabübungen, am Reck und am Pferd außer­ordentlich exakt und stramm geturnt, es zeigte fast durchweg hübsche Re­sultate fleißiger Arbeit. Herr Sch le ich er hatte wieder prächtige Pyramiden so tadellos einstudirt. daß Alles wie am Schnürchen klappte, es gab essett- volle choreographische Bilder. In Fräulein Hanny Haberkorn aus Frankfurt a. M. hatte das Festkomitee eine vorzügliche Acqusition gc^ macht, da durch sie dem Programm einige schätzbare Nnmmcrn ciuvcr- lcibt wurden. Die Daute, im Besitz einer äußerst sympathischen und wohllautenden Stimme, brachte sechs Lieder für Mezzo-Sopran zum Vortrag, die rauschenden Beifall fanden. Herr Rohde glänzte als Humorist und brachte it. a. denSühneprinz", ein zeitgemäßes Pot­pourri, zum Vortrag. Das TheaterstückMonsieur Herkules" zeitigte eine immer mehr sich steigernde Heiterkeit. Die Verloosung brachte Vielen eine Niete und Manchem einen Gewinn, das voraufgegangene lebende Bild personifizirte dasliebe Christkindlein", unter dessen strahlendem Weihnachtsbaum nachher die Verloosung vor sich ging. Leider hat es gar Mauchen vergessen. Es wehte ein frisch-fröhlicher Zug über dem Ganzen und der Ball sah bis zufrüher" Stunde eifrig dahinwirbelnde Paare, denen ersichtlich der eingangs erwähnte Abschied am schwersten wurde.

SS Oesa»t(j verein Fröhlichkeit. Wie sehr die früheren Weih- nachtsfestlichkeitcn in Bezug auf programmatischen Unterhaltungsstoff und erheiternde Gesammtwirkung allgemein befriedigt und den guten Ruf des Vereins als geschickten Festarrangeur gefestigt haben, zeigte der überaus starke Besuch der am gestrigen zweiten Feiertage im Saalban des Deutschen Hauses veranstalteten diesjährigen Weihnachtsunterhaltnng. Schon in sehr früher Stunde wußte die Kasse zur Vermeidung einer Saalüberfüllung geschlossen werden. Waren die Erwartungen nach den schon erwähnten günstigen Erfahrungen der Vorjahre sicherlich ziemlich hochgespannte, sc wurden sie, wie man allerseits unverhohlen zugab, durch das geradezu meisterlich zusammengestellte und bis in die kleinsten Einzelheiten aufs Sorgfältigste ausgearbeitete Programm noch bei Weitem überboten. Auf die enorme Fülle der fast durchweg neuen und nur guten theatralischen, gesanglichen, humoristischen und dekorativen Darbietungen näher einzugehen,