Erstes Blatt
anauer
„ Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Einrnckilttgsgeüühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Amtliches Am fir Stadt- and Fandkreis Sana« Waisenhauses in Hanau. r
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 298
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Samstag den 21. Dezember
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Höheren Orts ist der Handel mit Papier und Nett- jâhrstarten in offenen Verkaufsstellen am Sonntag den 29. d. Mts. für die Dauer von höchstens 10 Stunden unter Ausschluß der für den Hauvigoitesdienst bestimmten Zeit und bis spätestens 7 Uhr abends freigegeben worden.
Hanau den 20. Dezember 1901.
Der Königliche Landratb und Polizei-Direktor.
P 12267
v. Scheu et
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 schwarze Knabenpelzmütze. 1 Päckchen Leder. 1 Onskrankenkasfenbuch für Abam Köbel.
Verloren: 1 schwarzes Pelzkâppchen in einer Schachtel.
1 Trauring, gez. I. Brill, 1900.
Hanan den 21. Dezember 1901.
Kus Stadt und Cand.
H-inan, 21. Dezbr.
* An Uebungen der Reserveoffiziere für das nächste Jahr sollen theilnehmen: 11 Stabsoffiziere, 170 Hauptleute, 173 Oberleutnants und 3293 Leutnants 55 Tage, 500 Unterärzte und 38 Unterroßärzie 6 bis 8 Wochen, 80 Hauptleute, 124 Oberleutnants und 500 Leutnants 42 Tage, 55 Hauptleute, 100 Oberleutnants und 420 Leutnants 28 Tage, 70 Oberärzte 28 Tage, 130 Oberärzte und Assistenzärzte 21 Tage, 44 Rittmeister, 44 Oberleutnants und 88 Leutnants 17 Taae, 84 Hauptleute, 154 Oberleutnants und 916 Leutnants 15 Tage. Das tägliche Uebungsgeld beträgt für den Stabsoffizier 12 Mark, für den Hauptmann, Rittmeister und Kompagnieführer, ohne Rücksicht auf leinen Dienstgrad, 7.50 Mark. Oberleutnant, Oberarzt und Assistenzarzt 3 Mark, Leutnant 2.50 Mark.
* Postalisches. Am Sonntag den 22. Dezember werden die Packetannahme- und Ausgabeschalter sowie die Briefausgabeschalter bei den Kaiserlichen Postanstalten in demselben Umfange wie an Werktagen für den Verkehr mit dem Publikum geöffnet sein.
* Pürolemustk. Vielseitigen Wünschen Rechnung tragend, hat das Garnisonkommando bestimmt, daß die Parolemusik morgen Sonntag den 22. d. M., am 1. und 2. Weihnachts- seiertaqe, am 29. Dezember und am 1. Januar auf dem Paradevlatze stattnrsinden hat.
* Militärisches. Die für gestern befohlene größere Winter-Felddienstübung wurde infolge eingetretenen Thau- wetters abgesagt.
* Prämiirmrg des Hanauer Thierschutzver eins. Die alljährliche Prümiirung solcher Fahrburtchen, die sich durch gute Pflege und Behandlung der ihnen anvertrauten Thiere ausgezeichnet haben, findet seitens des Hanauer Thier- schutzvereius morgen Sonntag den 22. d. M., mittags 11 ^s Uhr, im oberen Vereinszimmer des Restaurants Mohr (Kippert) statt. Die Vereinsmitglieder und Freunde der Thierschutzsache sind Bier tu freundlichst eingeladen.
0 VahnunfaU. Der am Freitag früh 3 Uhr von Aschaffenburg nach Worms abgebende Güterzug fuhr dort infolge falscher Weichenstellung auf ein todtes Gleis. Die Maschine überfuhr dasselbe und stürzte mit einigen Güterwagen die steile Böschung nach der Landstraße zu hinab. Der Materialschaden ist bedeutend. Von dem Zugpersonal wurde ein Brenner aus Worms leicht verletzt und in das Krankenhaus verbracht. Die Aufräumungsarbeiten waren bis etwa 5 Uhr nachmittags beendet. Maschine und Tender können erst nach Auflegung eines Norygelei'es gehoben werden, was voraussichtlich heute im Laust des Tages geschieht.
â WeihnachLsbescheerung. Sehnsüchtig hoffend schlagen die Herzen der Kinder dem Weihnachtsfeste entgegen. Kommt doch das Christkind und theilt reichen Segen aus. Aber, so bangt manches Herzlein zweifelnd, wird es auch zu mir kommen? Ach, wer wird in liebender Fürsorge für mich einen Weihnachtsbaum anzünden, wer wird meiner gedenken, und sei es auch mit einer ganz bescheidenen Gabe! Das Fühlen des Kindes klammert sich ja vornehmlich an das Sinnliche. Die Eltern? nein! Die Sorgen des Lebens liegen so hart auf ihren Schultern, vielleicht steht die Noth mit an der Pforte und heischt Einlaß, vielleicht schlummert der Vater unter dem grünen Rasen und die Mutter gewinnt mit Anstrengung aller Kräfte nur so viel, daß sie die bitterste Entbehrung bannt. Doch werkthätige Liebe, lebendiges Pflichtbewußtsein gegen die Armen und Elenden unseres Volkes feiern in diesen Tagen hohe Triumphe, sie werfen einen Strahl verklärender Lichter auch in die ärmsten Hütten. Freudig öffnen sich die
Hände und theilen Gaben in Fülle aus. Von den zahlreichen größeren und kleineren öffentlichen Bescheerungen nimmt die des hiesigen Frauenvereins alljährlich ein erhöhtes Interesse in Anspruch. Fast 200 Kinder versammelten sich gestern Abend im Saale der „Centralhalle", um mit freudigen Gesichtern die auf 11 Tafeln gelegten Geschenke in Empfang zu nehmen. Der Bescheerung ging eine stimmungsvolle Feier vorauf. Herr Pfarrer Wessel hielt eine kleine Ansprache und die Kinder der oberen Klassen der Mädchenvolksschule sangen unter der Leitung des Herrn Lehrer Ohl die ewig schonen Weihnachtslieder in bekannt vorzüglicher Weise. Der Vortrag des Gerock- schen Weihnachtsgedichtes: „O Bethlehem" verschönte die Feier. Die in Dankbarkeit leuchtenden Augen der Kinder sind der schönste und beredtste Dank, welcher den edlen Gebern gespendet werden kann. Frau Kath. Heraeus, welche, wie schon seit einer Reihe von Jahren, die Vorbereitungen leitete, übergab den Kindern die Gaben, mit der Aufforderung, den Dank durch Fleiß und Gehorsam zu beweisen. Fröhlich zogen die Kleinen von dannen, beschwert mit reichen Geschenken, das Christkind hat sie schon gesegnet.
* Weihnachtsfeier im „Kinderhort". Morgen Sonntag, den 22. Dezember, abends 6 Uhr beginnend, findet im Saale der Knabenvolksschule die Weihnachtsfeier mit anschließender Bescheerung für den Verein „Kinderhort" statt. Die Mitglieder und Freunde der Anstalt, sowie die Eltern der Zöglinge sind zu derselben freundlichst eingeladen.
* Stadttheater. Das Repertoire für die Feiertage ist folgendes: Mittwoch den 25.: „D ie Jungfrau von
Orleans".
— Donnerstag den 26.: Zum ersten Male:
„Rosenmontag", Ofuzierstragödie von Hartleben. — Freitag den 27.: Zum ersten Male: „Joseph und seine Brüder", Schauspiel in 3 Akten und einem lebenden Bild von Georg Christian (Pseudonym). Der Autor ist eine bekannte hiesige Persönlichkeit, die litterarisch schon mehrfach erfolgreich in die Oeffentlichkeit getreten ist. Seine Königliche Hoheit der Landgraf bekundet ein ganz besonderes Interesse für das Werk, das mit größter Sorgfalt inszenirt wird. — Morgen Sonntag wird Moser's stets gern gesehenes Lustspiel „Krieg im Frieden" gegeben. Herr Schwarz spielt den Reiflingen, Frl. Hannewald die Jeka.
* Wie man Polizei-camte chikaniren kann! Ein Beleg für vorstehende Spitzmarke ist das mehr als unverfrorene Verhalten eines Menschen, namens Christ. Mayenschein aus Wächtersbach, mehrfach vorbestraft, der gestern nach Verbüßung einer Gefängnißstrafe aus dem Gefängniß entlassen wurde, die erhaltenen paar Pfennige alsbald in Schnaps umsetzte und run auf der Polizeiwache erschien, mit dem kategorischen Verlangen, ihn nach dem Landkrankenhause zu bringen. Es kostete Mühe, dem Manne beirnbrinaen, daß die Polizeibehörde hierfür unzuständig sei. Schließlich entfernte er sich. Nach Verlauf einer Stunde erschien er aber wieder, setzte sich mitten in die WaLtstube und wiederholte sein anfängliches Verlangen. Es blieb nichts anderes übrig, als den nnlieb- samen Menschen hinauszusühreu. Draußen angekommen, setzte er nun seinem bisherigen Verhalten die Krone auf, indem er sich auf dem Paradeplatz hinlegte und fich wie leblos stellte. Polizeibeamte holten nunmehr den Tragkorb herbei und schafften ihn nach dem Orte seines Verlangens. Unterwegs, als er im Korbe lag, meinte er, froh des ihm gelungenen Streiches, höhnisch zu dem begleitenden Beamten: „Euch will ich's schon zeigen, ich habe es doch fertig gebracht!" Daß in solchen Fällen eine Tracht Prügel das geeignetste Mittel für derartige Menschen wäre, bedarf wohl kaum einer weiteren Begründung.
* Gestörter Frieden. In einem Bramüweinausschank der Glockenstraße stießen gestern die jedenfalls vom Brannt- w-ingenuß erhitzten Gemüther einiger Gäste aufeinander, sodaß es zu einer solennen Schlägerei kam, die das Erscheinen der Polizei nöthig machte.
* Hananer Adreßbuch für 1902. Das neue Adreßbuch für unsere Stadt ist soeben zur Ausgabe gelangt und kann in Fr. Königs Buchhandlung (R. Altmannsperger) zum Preise von 3,50 Mk. bezogen werden. Da die Sub- skrivtionsliste zur Einzeichnung der Besteller nur noch bis Ende
I. Mannschaft des „Frankfurter Fußballsportvereins" stattfinden.
a * Gesangverein Fröhlichkeit. Seine diesjährige Weihirachtsfeier begeht am Donnerstag den 26. Dezember (2. Feiertag) im Saalbau „zum Deutschen Haus" der „Gesangverein Fröhlichkeit" durch Veranstaltung einer Abendunterhaltung mit Ball. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges und weist es neben einigen schönen Chören (darunter einer mit Tableaux) die Aufführung eines Singsviels in guter Rollenbesetzung auf. Auch der komische Theil findet in dem Programm weiteste Berücksichtigung. Wer den Andrang bei den Weihnachtsfestlickkeiten des Vereins kennt, wird sich bei Zeiten eine Karte sichern.
* Vari^tv „Stadt Bremen". Diese Woche finden nur zwei Vorstellungen statt und zwar morgen Nachmittag 4 Uhr und abends 8 Uhr erstere bei halben Preisen. Die Güte und Fülle der wieder in Aussicht stehenden Darbietungen versprechen einige recht vergnügte Stunden und lassen sicherlich trotz des nahe bevorstehenden Weihnachtsfestes einen guten Besuch erwarten.
* Singfpielhaüe „Brauerei Dörr". Wir verfehlen nicht, auf die heute und morgen stattfindenden Vorstellungen mit dem Bemerken empfehlend hinzuweisen, daß das Programm ein sehr hübsches und reichhaltiges ist und allen Erwartungen völlig entsprechen dürfte, sodaß die Hoffnung auf einen guten Besuch wohl volle Berechtigung hat.
* Wiener Spitze. Morgen Sonntag wird der Bauchredner und Zauberkünstler Herr Chr. Grimm im Lokale „zur Wiener Spitze" mit seinem neuen sprechenden Panoptikum zum ersten Male auftreten bezw. dort seinen Einzug halten und zwar mit vollständig neuem Programm.
* Das Hahneämmhmrs ist jetzt nur an Sonntagen geöffnet.
Die städtische Bibliothek
Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mitwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.
Gesammtkataloge sind zu 1.20 Mk,, die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
Telegraphischer Wetterbericht der heutigen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 21. Dezember,
9 Uhr 35 Min.
Ein Maximum über 765 mm lagert über Lappland, außer Nord-Europa ist der Luftdruck ziemlich niedrig und gleichmäßig vertheilt. In Deutschland ist das Wetter ruhig und nebelig, bei vereinzelten Niederschlägen, im Osten meist kälter.
P r o g n o s e für den 22. Dezember: Sinken der Temperatur, sonst Fortdauer der herrschenden Witterung wahrscheinlich.
Barometerstand
nächster Woche ausliegt und nach diesem Preis des Buches auf 4,50 Mk. erhöht, Geschäftsleuten und sonstigen Interessenten stellung bestens empfehlen.
* Ein Wasserrohr-rach ereignete
Zeitpunkt sich der möchten wir allen eine baldige Be-
sich in verflossener
Nacht gegen 1 Uhr in der Marienstraße. Die patrouillirenden Schutzleute bemerkten den Vorfall und benachrichtigten den Bohrmeister, der sich alsbald an die Abstellung der eingetretenen Kalamität machte.
* Wettspiel. Morgen Sonntag den 22. d. Dk. wird auf dem hiesigen Exerzierplätze ein Wettspiel zwischen der I. Mannschaft der „Hanauer Fußballgesellschaft 1899" und der
mittags 12 Uhr
Sehr trocken
Beständig
Schön
Veränderlich
Regen (Wind)
Viel Regen Stnrni
am 20./12.
21./12.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltnugs-latt 33 Seiten.
740.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
Eichen. Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in der Gemarkung Eichen belegenen,' im Grundbuche von Eichen zur Zeit der Eintragung des Ver- sieigerungsvermerkes auf den Namen: 1) des Weißbinders Jakob Konrad Laubach (Heinrichs Sohn) und dessen Ehefrau, Magdalene Margarethe, geb. Seib, zu Eichen, 2) des Kaufmanns Jean Krahle zu Frankfurt a. M. eingetragenen Grundstücks besteht, soll dieses Grundstück mit 5. Februar 1902, vormittags 10 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Windecken versteigert werden.