Erstes Blatt
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau.
Hx. 291
Bezirks-Fernstzrechanschluß Nr. 98.
^reitaa den 13. Dezember
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
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Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 2 graue Knabenrädchen. 1 leeres Petroleumsfaß.
Verloren: 1 Zahngebiß; gegen gute Belohnung abzugeben.
Hanau den 13. Dezember 1901.
Aus dem Reichstage.
Der Reichstag hat gestern, in seiner letzten Sitzung vor den Wkihnachtsferien, die Zolltarifvorlage in die Kommission gebracht. Von Bedeutung ^aren an diesem letzten Tag der Generaldebatte die Ausführungen, mit denen der Staatssekrelär Graf von Posadowskv nochmals in die Verhandlung eingriff, um die im Laufe der Debatte nach beiden Seiten hin gegen den Tarifentwurf erhobenen Einwendungen, soweit sie sachlich waren, einer Kritik zu unterwerfen. Diese resumirende Schlußrede bob insbesondere hervor, daß das Ziel der industriellen Zölle vorzugweiw ein sozialpolitisches ist, nämlich den deutschen Arbeitern lohnende Arbeit zu sichern. Die wirthschaftliche Entwickelung der letzten Jahrzehnte zeige unwiderleglich, daß es für unsere Ar- beilerbevölkeruuq nie eine segensreichere politische Aktion gegeben habe, als den Uebergang zum Schutzzoll im Jahre 1879, dem vermehrte Arbeitsgelegenheit und höhere Löhne zu verdanken seien. Gegenüber den von der Linken aufgestellten Berechnungen über die zu erwartende Belastung des Konsums wies der Staatssekretär auf die Erfahrung hin, die eine Parallelbewegung von Zoll und Inlandspreis nicht bestätigte. Dabei werde überdies den Berechnungen die Höhe der autonomen Zölle zu Grunde gelegt, die doch den Charakter von Maximalzöllen haben und wesentliche Einschränkungen in den Verträgen erfahren dürften. Den Zollschutz für Roheisen bezeichnete der Staatssekretär als ab'olute Nothwendigkeit in einer Zeit, in der das Ausland sein Produkt zu Schleuderpreisen hereinwerfe und die deutsche Estenindustrie in die Krisis hineinzuziehen drote. Was das Verhältniß zu Amerika anlange, so sei dafür ’ne Thatsache bezeichnend, daß sich die Handelsbilanz im Austausch von Ganz und Halbfabrikaten rapid verschlechtert habe. Einen Zollkrieg wolle die Regierung nicht; auch Zollkriege dürfe man nur im äußersten Nothfalle unternehmen. Der Staais'ekretär gab dann eine „akademische" Erörterung der Eventualitäten, die bei Annahme des vorgelegten Tarifs oder bei Erhöhung der Minimalzöl le eintreten würden. Im letzteren Falle könnte an die Negierung die ernste Erwägung herantreten, ob sie schwierige Verhältnisse zu den anderen Staaten e ntrelen lassen oder die Verani- wortnna auf sich nehmen müsse, entgegen dem Tarif, Handels-
Verträge auf der Basis niedriger Sätze abzuschließen. Sehr beziehungsreich schloß der Staatssekretär hierauf mit dem Citat: „Wünsche nie ein Glück zu schön, das Geschick in seinem Zorne könnte es dir zuaestehn". Aus der längeren Reihe von Rednern aus dem Hause, die noch das Wort nahmen, ist der Abgeordnete Münch-Ferber zu nennen, der erklärte, daß es die große Mehrheit der nationalliberalen Partei sei, die für die gesetzliche Festlegung der Minimalzölle für Getreide stimmen werde. Gegenüber der freihändlerischen Phrase von der Brodvertbeuerung bemerkte der Redner, der Handel würde, wenn die Volksernährung in seine Hände gelegt werden sollte, durch Syndikate ganz andere Korn- und Brodpreise diktiren, als sie durch Kornzölle herbeigeführt werden könnten. Der Abgeordnete Dr. Arendt erinnerte die Sozialdemokraten daran, daß der französische Getreidezoll von 7 Francs unter Zustimmung der Sozialdemokraten eingeführt worden ist und daß diese sogar einen Antrag ähnlich dem Anträge Kanitz, und zwar auf der Grundlage eines Weizenpreises etwa von 200 Mk. befürwortet haben. Die weitere Debatte drehte sich hauptsächlich um die süddeutschen Hopfen- und Gerstenzoll- Wünsche, denen vom Bauernstandpunkte der Abg. Roesicke- Dessau entgegentrat. Gleich diesem trugen die Abgg. Pach- nicke und Stolle durch breites Eingehen auf die wiederholt durch gesprochenen Fragen zur Verlängerung der Sitzung das Ihrige bei. Die Ueberweisung des Zolltarifs an eine Kommission von 28 Mitgliedern wurde fast einstimmig — dagegen stimmten nur die wenigen Mitglieder der freisinnigen Volkspartei — beschlossen. Auf der Tagesordnung der au, den 8. Januar anberaumten ersten Sitzung nach den Ferien steht der Eta t.
Hue Stadt und £and.
Aarrau, 13. Dezbr.
** WoMihättareits-Konzert. Wer gestern Abend das Wohlthätigkeitskonzert des Vaterländischen Frauenvereins besuchte, der hatte sein Geld und seine Zeit in zweierlei Richtung gut angewendet, denn neben dem edlen, menschenfreundlichen Zweck, den die Veranstaltuna verfolgte, hat sie auch den Besuchern einen höchst genußvollen Abend geboten. Der Besuch war denn auch ein außerordentlich zahlreicher und so kann man auch in der Richtung von einem vollen Erfolg des Konzertes sprechen. Das mit feinem Verständniß ausgestellte Programm bot eine Reihe hervorragender Darbietungen auf musikalischem Gebiet, deren korrekte Durchführung die Künstler vor dem aus- erwählten Publikum sich höchst angelegen sein ließen. Ein Kabinetstückchen war gleich die erste Nummer, das Beet- Hooeu'sche 8-siur-Trio für Klavier, Violine und Violincello, qe'pielt von Frau Philips, Fräulein Rode und Herrn
Philips. Die überaus fein ausgeführte Nummer brachte den Künstlern lebhaften Beifall. Das Gesangsquartett, das den Haupttheil des Programms inne hatte, rechtfertigte vollauf den ihm vorausgehenden guten Ruf. Frl. Anni Wiegand, vom letzten Weinser-Konzert her noch vortheilhaft bekannt, Frl. Peiper, sowie die Herren N o 6 und Gerold zeigten sich völlig auf der Höhe ihrer Kunst. Das Programm hatte insofern eine Aenderung erfahren, als statt der drei vorgesehenen Lieder von Brahms solche von Hayd'n und Mendelssohn zum Vortrag gelangten, mit welchen die vorgenannten Künstler einen vollen Erfolg erzielten. U. A. brachte das Quartett auch zwei ehrwürdige, der Vergessenheit entrissen« Kompositionen aus dem 16. Jahrhundert, nämlich „Jungfrau, deine schöne Gestalt" und „Das Herz thut mir aufspringen" von dem Komponisten und Orgelspieler Leo Hasler, der 1612, auf einer Reise begriffen, in Frankfurt a. M. starb. Die Durchführung der Lieder gelang vorzüglich. Herr Appun erwies sich wiederum als der oft gerühmte Meister auf dem Cello, dessen seelenvolles Spiel stürmischen Beifall hervorrief. Als eine Glanzleistung darf auch der Sopran- Solo von Frl. Wiegand bezeichnet werden, in welchem die Künstlerin das reizende Schubert'sche Lied „Der Hirt auf dem Felsen", mit Violin- und Klavierbegleitung, zum Vortrag brachte. Als eine gewandte Geigerin zeigte sich Frl. Rodr, die in der Begleitung zu den vocalen Nummern sowohl wie in ihren Solovorträgen ihr Instrument mit großer Sicherheit beherrschte. Die dritte Nummer der Solovorträge: „Ungarische Tänze" von Brahms, gab die Künstlerin da capo, was gerade gestern Abend zu erreichen für das applaudirende Publikum keine leichte Aufgabe war. Die Klavierbegleitung führte Frau Philips in allen Nummern mit voller Präzision durch. Das Programm hatte sonach der äußerst angenehm empfundenen Abwechslung nicht entbehrt, seine Interpreten fanden den beifälligen, die Veranstalter den klingenden Lohn für den Dienst der Wohlthätigkeit, neben dem ein genußreicher Abend für die Hörer allseitige Befriedigung hervorrief, und man darf mit Recht die Veranstaltung des Vaterländischen Frauenvereins einen Markstein in der diesjährigen Konzertsaison nennen.
* Bijouterie-Einfuhr nach Brasilien. Die Vereinigten Staaten von Brasilien, welche in früheren Jahren ein so günstiges Absatzfeld für deutsche Schmuckwaaren gewesen, haben in den letzten Jahren hierin bedeutend nachgelassen. Ein Trost ist nur, daß die Einfuhr überhaupt von keiner großen Bedeutung mehr war. So wurden im ersten Vierteljahr 1901 an unechten Bijouteriewaaren im Ganzen nur für 33 177 Milreis und an Schmuckgegenständen und Gold-, Silber- und Platin-Artikeln nur für 81 961 Milreis in Brasilien eingeführt, wovon aber auf Deutschland für 15 077 unechte und 44 392 Milreis echte Bijouteriewaaren kommen.
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Feuilleton
Ausstellung des Kunstmalers Otto Ulbrich.
— Aarrau, 13. Dezember.
Die mit Kunstverständniß arranqirten Auslagen der Köniq'schen Hofbuch- und Kunsthandlung, die seit mehreren Wochen alle Vorübergehenden zum Verweilen einladen und Kunstfreunde fesseln, haben mit dem gestrigen Tage wiederum eine interessante Bereicherung erfahren. Werke erstaunlichen Könnens aus dem Gebiete der Klein- und Feinmalere!, von dem hiesigen Kunstmaler Herrn Otto Ulbrich (Salzstraße 22) geschaffen, bereiten dort dem Auge des Beschauers einen hohen Kunstgenuß. Sämmtliche Gemälde, theils auf Porzellan, theils auf Email, theils auf Elfenbein ausge- führt, zeichnen sich neben graphischer Vollkommenheit durch ein zartes Jnemanderspielen und eine harmonische Verschmelzung von Licht und Schatten, ferner durch ein leuchtendes Kolorit — das besonders durch die treffende Wiedergabe des Jncar- nals gefällt — aus. Das zeichnerisch und koloristisch wohl- gelungene Porträt unserer heimischen Sängerin Frau Balser- Landmann, in dem die Feinheit der Technik und die Tadellosigkeit der Ausführung vorzugsweise in der Durchsichtigkeit und dem Schmelz der Farbe gipfelt, verdient allseitige Anerkennung. Die beiden Kopien des bekannten Richterschen Gemäldes: „Königin Luise" sind in Zeichnung und Farbengebung so warm und lebensvoll, daß die von Anmuth und Herzlichkeit beseelte Erscheinung den Beschauer zu fesseln vermag. Nicht minder gefallen die getreuen Nachbildungen des Lenbach'schen Porträts: „Bismarck", deren Züge den eisernen Kanzler lebenswahr charakterisiren. Von berückender Schönheit ist die Kopie des Gemäldes von Krey, betitelt: „Donauweibchen", das eine Wassernymphe mit offenem Haar, die in einer Felsenschlucht auf einem Stein-
block sitzend, traumverloren in die grünen Fluchen schaut. Die reizende Lichtwirkung und der Reichthum sowie die Zartheit der Farbentöne des Originals tat der Künstler in seiner Technik meisterhaft wiedergegeben. — Wem gefiele nicht das prächtige Bildniß der griechischen Schicksalsgöttin Klotbo, die den Lebensfaden spinnt, eine Nachbildung der Mittelsigur des Gemäldes „Die Parzen" von Paul Thumann. Die Linien zart und edel, das Kolorit im Fleische blühend — eine Schönheit im idealsten Sinne. Von besteckender plastischer Wirkung ist das Bildniß des „alten Tirolers", das der Künstler einem einfarbigen Holzschnitt von Prölß nachgebildet hat. Recht realistisch in der Zeichnung und leuchtend in der Farbe wird durch die lebenswahre Gestalt des Alten, der mit Wohlbehagen sein Pfeifchen raucht und so treuherzig aus den Augen schaut, ein Beispiel von innerer Zufriedenheit trefflich vorgeführt. Ein wahrhaft poesievolles Bild ist „Das Lied", zu ' welchem das Gemälde von Kiesel dem Künstler als Vorbild gedient hat. Dasselbe zeigt zwei liebliche Jungfrauen, deren friedsamer Ge- sichtsausdruck die Reinheit der Herzen widerspiegelt, die mit Andacht der edleu Gesangskunst ergeben find. Die zartgestimmten Farbentöne sind so recht geeignet, das Jdyllisch-Än- muthige der Gestalten mit ihrem idealen Versunkensein in die hehre Kunst harmonisch zu vereinigen. Besondere Beachtung verdient auch das figurenreiche, farbenprächtige Miniaturgemälde „Kleopatra". Die dem Originale — von Hans M akart geschaffen — eigene Ueppigkeit und dess n glänzendes, vieliönigks Kolorit hat der Künstler durch seine Maltechnik treffend zum Ausdruck gebracht. Auch das dem Sichel'schen Gemälde nachgebildete Porträt der „Madame sans Gene“ wirkt durch sein Kolorit, das sowohl im Jncarnat, als auch in der in blauen Tönen gehaltenen Gewandung prächtig getroffen ist, recht vornehm. Von gleicher Schönheit ist auch das auf Elfenbein gemalte Bildniß der „Prinzessin Bagration", darstellend eine reizende weibliche Figur inmitten blühender Rosen. Die Zartheit der Linien und die Feinheit der Nuancirung sind ein redender Beweis für das Kunstgeschick des ausführenden
Die heutige Nummer umfaßt außer dem UuterlmltuugsbLatt 10 Seiten
Künstlers. Ein kleines Porträt in Medaillonform, das den hoffnungsvollen Sprößling einer hiesigen Familie darstellt, her mit seinen blauen Guckäugelein froh in die Welt blickt, sowie die anderen Bildnisse auf Busennadeln u. a. lassen trotz des kleinen Maßstabes eine sorgfältige Durchbildung in Form und Farbe erkennen, die auf einer tiefen Empfindung und feinen Auffassung beruht. Möchte der junge, strebsame Künstler auf seiner Lebensreise vom Glück begleitet werden und einen reichen
Lohn für sein rastloses Kunstschaffen ernten.
M.
Kunst und Leben.
Der Batterie-Storch. Bei der am Samstag im Löwenbräukeller zu München- abgehaltenen Christbaumfeier der Luitpold-Kaneniere war für den Glückshafen ein eigenartiger Gewinn aufgestellt. Auf einem Kamin ein Storchennest, gefüllt mit Knäblein als Kanonieren, bethront von einem echten l°benden Storch. Die glücklichen Gewinner waren die Einjährigen einer Batterie des 1. Feld-Artillerie-Regiments, welche ihren Gewinn ihrem Batteriechef überreichten mit der Bitte, das Thier in der Batterie zu behalten. Die Bitte wurde genehmigt, und so hat heute das 1. Feld-Artillerie-Regiment einen seltenen Pfiegegast: einen echten, leibhaftigen Batterie- Storch !
Orkan im Aermelmeer. Im Kanal setzte heute plötzlich ein schwerer Orkan ein. Die nach dem Kontinent gehenden Postdampfer hatten bereits die Ueberfahrt gemacht und kamen glücklich in Calais bezw. Hoek von Holland an. Dagegen wurden andere auf der belebten Wasserstraße unterwegs befindliche Schiffe schwer vom Wetter mitgenommen. Ein Ozeandampfer, der in der Bai von Dover vor Nothanker
ging, konnte keinen Grund fassen und trieb auf den Strand zu. Weiter draußen wurde ein belgisches großes Fischerfahrzeug vom Sturme leck geworfen und versank so schnell, daß die gestimmte Besatzung von 16 Mann unterging. Sämmtliche Rettungsstationen wurden alarmirt.