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General-Anzeiger.

A«tlllhes Organ für Stadt- und Fandkrers Sanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

r. 290.

Besirks-Fernspre-' ansisiluß Nr. 98.

Donneri>aa den 12. Dezember.

B ezirks-Fernsprech anschlnß Nr. 98.

1901

»siigsätssai

Gcfitildcnc und verlorene Gegtiiständc:c.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 13 Pfg. und mit 3 Stahlfedern. 1 kleiner Pomvadour mit einem kleinen we'feen Taschentuch, gez. Milli, einer Stickerei und mit einem weißen Finaerbut. 1 große Keue. 1 schwarzer Herren-Filzhut. 1 dunkelblauer Damen-Filzbut. 1 Kinder Regenschirm, bei einer Trauuug in der katbol. Kirche liegen geblieben. 1 silbernes Armband.

Verloren: 1 Paar schwarze wollene Damenhandschuhe.

Entlaufen: 1 schwarzer schottischer Schäferhund mit gelbem Maulkorb, mit gelben Râaeln beschlagen, und einem rothgelben Halsband, mit gelben Granatnäwln beschlagen.

Zugelaufen: 1 junger schwarz und weißer Hund, m. Geschl.

Hanau den 12. Dezember 1901.

Die Zolltarif-Debatte.

Gestern setzte der R e i ch s t a g die Z o l l t a r i f- D e b a t 1 e fort. Der Graf Kanitz, der zuerst das Wort erhielt, ver­trat bezüglich der landwirchschastlichen Zölle keine präzise, über die Vorlage hinausgehende Forderung, sondern verbreitete sich allgemein über die Handelspolit! chm Beziehungen, insbesondere gegenüber dem rücksichtslos protektionistischen und aggressiven System Nordamerikas, dessen Abwehr die Hauptaufgabe der nächsten Zeit sein werde, und kündigte einen Antrag auf Einführung von Neiorsions-Werthzöllen an. Der ame­rikanischen Konkurrenz gegenüber bezeichnete er unter anderem den Schutz der Rohkupfer- und Roheisen- produktion als nothwendig; an die Abschaffung der Eisenzölle werde man niemals denken können. Nach einer mehr als zweistündigen Rede des Abgeordneten Singer, die in brei­tester Weise die Behauptung variirte, daß nur der Großgrund­besitz ein Interesse an Getreidezöllen habe, folgte als dritter Redner des Zentrums der bayerische Bauernoertreter Dr. H e i m, auf dessen Versammlungsreden von den Soziasdemo­kraten wiederholt Bezug ^nommen worden war. Er diente ihnen jetzt mit einer Rede, die von allen agrarischen Reden der bisherigen Debatte zweifellos die wirkungsvollste war. Es war fast dramatisch, wie der Redner das Interesse der 2 Millionen Bauern und ihrer 5 Millionen Arbeiter an den Geireideprei'en und vor Aklem an der Sicherung des inländischen Markts mit schlagend beweisenden Zahlen be­legte und auf die sozialdemokratischen Zwischenrufe schlag­fertig erwiderud, die Singer und Bebel Schritt für Schritt zurückschlug und ihren Widerspruch zum Schweigen krachte. Die Forderung des 7 Mark-Zolls eignete sich der Niedner nicht an, vertrat aber als einstimmiges Verlangen der

7 Minies Feuilleton.

Kammermustkabend. Frankfurt, 12. Dezür. Das Programm des gestern im Saale des Dr. Hoch'schen Konservatoriums stattgebabten zweiten Kammermusikabends der Frankfurter Quartett-Vereinignng" der Herren H o ck, Dippel, Allekotte nnb Appunn brachte das beliebte und oft gesvielte Streichquartett op. 51 von Dvorak, dieZi- Geurer lieber", op. 103. von Brahms und eine Novität, das " ujiei quartett in Es-dur, op. 1, von Walter Rabl. Es ist ru Hock, dem künuterilch^n Leiter des Ensembles, sehr zu l-imken, daß er durch derartige Wahl von passenden Ensembles tue nötige Aowechsetung in den Kam mermüsik-Veranstül- tungen Sorge trägt. Das seine Augabe schön erfüllende 'ofatqnorteit: die Damen Minna Weicker und Johanna Her- boin sowie die Herren K. Zeische und Lembcke, brachten die Zigeuni-rlieder" in temperam-nivoller Auffassung und guter ge'anqlicher Ausführung sehr hübsch zu ©e^ör. Als besonders gelungen seien das lebendig erfaßteBrauner Bursche führt zum Tanze" und die drei Schlußnummern der zyklischen Kom- pont'on namentlich lobend erwähnt. Zu dem schönen Ge­lingen der in letzter Zeit leider so wenig beachteten Kompo- snwn trug Fräulein Kmba Widmann (Klavier) das Wesent- lisste bei. Unter Mitwirkung des Herrn A. Riechers (Kla- rinette) und der gleich sorgfältigen Unterstützung von Frau ^b'lhelmina Eibenschütz-Wnuczek (Wiesbaden) am Klavier kam auch das hier zum ersten Male gespielte Klavierquartett in E' lur, op. 1, von Rabl zu bester Wiedergabe. Auf alle sFclle gebührt derFrankfurter Quartett-Vereinigung" die mit äußerst anerkennenswerthem Wagemuth für soviel Neues auf Mm Sebiete ihrer Litteratur tapfer eintritt, alles Lob, ihr Publikum mit diesem Werk über "upt bekannt gemacht zu haben. _ Auf das Liebevollste zu Gchör gebracht, fand es nach Abschluß der einzelnen Sätze sehr freundliche Aufnahme.

bayerischen Bauern einen 6 Mark-Zoll für alle Getreidearten, indem er den Hafer- und Gerstenzoll als Ausgleichung für den aus Rücksichten der Volksernährung in gewissen Grenzen zu Haltenden Brodkornzoll bezeichnete. Die Rede wurde von der Rechten mit stürmischem Beifall und sonst nicht üblichem Händeklaischen ausgenommen. Trotz weit vorgerückter Stunde nahm hiernach noch der preußische Landwirthschaftsminister von Vodbielski das Wort zu einem Appell an die deutsche Landwirthschalt, der Gemeinsamkeit der Interessen aller Zweige des nationalen Wirthschaftslebens Rechnung tragend, ohne Einseitigkeit sich mit der Regierung auf die in der Vorlage gegebene Mittellinie zu stellen. Die Debatte wird heute noch­mals ausgenommen und voraussichtlich zu Ende geführt werden.

Klus Stadt und Cand.

Hruau, 12. Dezbr.

* Stichwahl. Die engere Wahl zwischen dem Edel­steinhändler Philipp Koburger und dem Brauereibesitzer Fritz Baader zur Sadtverordnetenversammlung (2. Klasse) findet morsen, vormittags von 111 Uhr und nachmittags von 5 7 Uhr statt. Die Stimmzettel können nur auf einen dieser beiden Herren lauten. Stimmen, die auf andere Per­sonen fallen, sind ungiltig.

* Buchführung der Landwirthe. Seitens des Ministeriums für Landwirthschaft, Domänen und Forsten ist den Landwirthschaftskammern in Abschrift ein Entwurf über­sandt worden, den die Landwirthschaftskammer in Halle für die Buchführung der Landwirthe zum Zwecke der Einkommensteuer- veranlagung ausgestellt hat. Bei dieser Gelegenheit wirb darauf hingewiesen, daß der Finanzminister im Interesse der Einkommensteuerveranlagung es für erwünscht hält, wenn die Wirthschaftsbücher' der Landwirthe allgemein in formeller.Be­ziehung cinwandssrei geführt werden, da eine Durchsicht und Prüfung solcher Bücher sich wesentlich leichter gestaltet und zu einem sichereren Ergebniß führt, als dies bei weniger sorgfältiger Buchführung der Fall sein kann. Wenn daher auch nichts da­gegen zu erinnern ist, daß den selbstwirthschaftenden Grundbe­sitzern anempfohlen wird, die in dem erwähnten Entwurf näher bezeichneten Anforderungen bei der Führung ihrer Bücher zu erfüllen, so erscheint es doch weder erforderlich noch angängig, hierüber hinaus irgendwelche Weisungen an die Steuerveran­lagungsbehörden zu erlassen, da sie nicht ermächtigt werden können, solche Wirthschaftsbücher, denen irgendwelche formellen Mängel anhaften, ohne Weiteres als für die Veranlagung nicht maßgeblich zurückzuweisen.

* Winterschulen. Die Verhandlungen hinsichtlich der Uebernahme der im Bezirk Cassel vorhandenen landwirthschaft-

Reiche Vermächtnisse. Die am 10. November d. Js. verstorbene Frau Geheimrath Therese von Mevissen, geb. Leiden, hat der Stadt Köln zur Förderung der Handelshoch­schule in Köln im Sinne ihres ihr am 13. August 1899 im Tode vorangegangenen Gatten den reichen Betrag von 300,000 Mark testamentarisch vermacht. Frau v. Mevissen hat weiterhin testamentarisch vermacht: 60,000 Mark der allkatholischen Gemeinde in Köln zum Fonds für Erbauung einer altkatholischen Kirche in Köln, 10,000 Mark dem Kölner Woblthätigkeitsverein, 3000 Mark der Gemeinde Godesberg für Armenzwecke. Die Hinterbliebenen der Frau v. Mevissen haben ferner der Stadt Köln für das Waisenamt 15,000 Mk. überwiesen.

10,000 Mark zu verdienen! So viel verspricht, wie ein englisches Blatt erzählt, König Oskar von Schweden Demjengen, der die wunderbare goldene Wiege wiederfindet, die 1720 von einem deutschen Fürsten der Königin Ulrike Eleonore geschenkt worden ist. Das Schiff, das die Wiege nach Schweden bringen sollte, wurde gegen die Klippen der Insel Tjöpn geworfen und ging unter. Die Wiege wurde bei dieser Gelegenheit gestohlen und versteckt. Man weiß, daß sie noch vorhanden ist. Aber wo? Die 10,000 Mk. des Königs Oskar sollen den Eifer der Sucher anfacheu.

Millionäre und Universitäten in Amerika. Das Kabinett in Washington hat gestern über eine Mittheilung des amerikanischen Stahlkönigs Andrew Carnegie berathen, welcher dem Präsidenten vorgeschlagen hat, er wolle zehn Millionen Dollars zur Förderung dès Unterrichtswesens auè- setzen. Die Einzelheiten des Stiftungsplanes werden nicht veröffentlicht werden, bis die Angelegenheit geregelt ist. Es verlautet jedoch, Carnegie beabsichtige, einen Fonds zu errichten, um würdige Studenten in die Lage zu setzen, Forschungen in der Heimath oder auswärts obznliegen. Andrerseits wird be­hauptet, es handle sich um eine nationale Universität in Washington, die nach deutschem Mutter eiugerichtet werden ' A'D Gleichzeitig kommt die Nachricht von einer anderen

lichen Winterschulen seitens der hessischen Landwirthschafts­kammer sind in letzterer Zeit erheblich vorgeschritten. Der Vorstand der Landwirchschaftskammer wird, sobald die Sache Greifbare Gestalt angenommen hat, eine Vorstandssitzung an­der innren, die sich einzig und allein mit dieser Materie zu be- lchäftigen hat.

ch. Mammuthzahn gesunden. In der an der Straße nach Großauheim gelegenen Kiesgrube des Herrn Bau­unternehmers F. Rumpf dahier stießen die dort beschäftigten Arbeiter am 3. Dezember in einer Tiefe von 5 in auf einen Zahn von 150 cm Länge und einem Durchmesser von 17 cm am Grunde. Der Zahn wurde unversehrt an das Tageslicht befördert und blieb leider den ganzen Tag über an der Luft liegen. Am folgenden Tage bildeten sich infolge dessen zahl­reiche Risse in demselben, und das prächtige Fundstück, das bei entsprechender Behandlung jedenfalls erhalten worden wäre, zerfiel nach und nach in Stücke, von denen einige noch etwa 20 cm lang sind. Der Vorstand der Wetterauischen Gesell­schaft erhielt erst gestern Kunde von dem interessanten Funde. Man versucht nun, die Stücke vor weiterem Zerbröckeln zu schützen. Es ist dies der vierte Mammuthzahn, der im Kreise Hanau gefunden wurde. Bemerkenswerth ist, daß die Arbeiter etwa 6 m von der Fundstelle des Zahnes einen platten runden Knochen von 30 cm Durchmesser fanden, der Angabe nach eine Kniescheibe, die vielleicht von demselben Thiere herrührt. Dies werthvolle Fundstück wurde aber unbeachtet gelassen und später unter die Kieselsteine geworfen. Wie die Arbeiter ver­sichern, befindet sich der Knochen noch an irgend einer Stelle der Kiesgrube. Man ersieht hieraus, wie wichtig es ist, der­artige Funde alsbald anzumelden.

* Seltenheit. Gestern wurde im hiesigen Schlachthofe durch den Metzgermeister Herrn Eduard Behringer dahier ein Mastkalb abgeschlachtet, welches eine Leber von dem seltenen Gewicht von 7 Psd. besaß.

* Feuersgefahr. Das in der Müller'schen Werkstatt in der FisLergasse vorgestern Nachmittag ausgebrochene Feuer ist laut uns vom Besitzer des betreffenden Grundstückes ge­wordener Mittheilung durch Ueberlaufen einer Benzinlampe entstanden.

Sprechsaaè.

Für die unter biet er Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.

Zur Stichwahl.

In einem gestern veröffentlichten Sprechsaal-Artikel ist die Ansicht vertreten, kein unparteiischer Wähler dürfte im Zweifel sein, daß er bei der am Freitag erfolgenden Stichwahl für die 2. Klasse der St.-V.-V. demjenigen Kandidaten seine ^"TOWgMHBmgmiaMitaMsmEBBBaaM^^

großartigen Schenkung zu Universitätszwecken: DerPost" wirb aus New-Jork gemeldet, daß Mrs. Stamford, eine durch ihre menschenfreundlichen Bestrebungen wohlbekannte Kali- fornierin, der von ihr begründeten Leland-Stamford-Universität in Palo Alto in Kalifornien Bonds-Aknen und Grundbesitz im Werthe von 30 Millionen Dollars überwiesen hat die größte Spende, die jemals einer Lehranstalt zugewendet worden ist. Trotz dieser Riesenschenkung bleibt Mrs. Stamford immer noch vielfache Millionärin.

Eine neuartige Methode des Schulden-Cin kasfirens wird seit Kurzem in der englischen Hauptstadt zur Anwendung gebracht. Der Gläubiger miethet für seinen Be­vollmächtigten eine Kutsche von auffallenden Dimensionen, auf der in weithin sichtbaren, flammendrothen Lettern zu lesen steht: Gerichtsvollzieher-Wagen. Selbst in sonst aussichtslosen Fällen bewährt sich dies jüngste Eintreibungs-System; denn auch der hartnäckigste Schuldner, zumal wenn er in einem sashionablen Hause wohnt, sucht Rath zu schaffen.

Allerlei Mittheilungen.Es lebe das Leben", das neue Drania von Hermann Sudermann, wirb im Deutschen Theater zu Hannover am 17. Januar zum ersten Male ge­geben werden. In derN. Fr. Pr." vom 9. Dezember macht H. v. Poschinger Mittheilungen über einen Besuch bei Siegfried Wagner, der u. A. auf das Bedauern Poschingers darüber, daß Wagner keinenEckermann" hinterlassen habe, die überraschende Mittheilung machte, es sei eine ausführliche Autobiographie Wagners vorhanden, die 30 Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden solle.

Ein ganz Schlauer.Hieslbauer, ich habe Ihnen gesagt, Sie sollen, weil Sie bloß drei Kreuze machen können, zwei Zeugen mitbringen, die Ihre Unterschrift bestätigen! . . . Haben Sie diese Zeugen?"Da san s', Herr Gerichts- hof!" 77Das sind ja vier!"Die andern zwoa san zum Bestätigen, meine zwoa Zeug'n könna nämli' aa' net schreib'n!"