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General-Anzeiger.
Amtliches Organ fir Stadt- nad Faadkreis Hanan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfo., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Nedakteur : G. Schrecker in Hanau.
!t. 284. BeMsèièechaMM Nr. 98. Donnerllaa den 5. Dezember.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
Dritter Tag der Zollbernthung.
Zum Zolltarif haben sich nunmehr sämmtliche Parteien des Reichstages durch je einen Redner geäußert. Namens der nationalliberalen Partei erklärte in der gestrigen Sitzung der Abq. Paasche, daß sie das Hauptgewicht darauf legt, die Exportindustrie durch l a ng fristige Hande ls- vertrâge sicher zu stellen. Da die Regierung überzeugt sei, auf der Basis der vorgeschlagenen landwiribschaft- licken Minimalzölle günstige Handelsverträge abschließen zu können, so werde der größte Theil der Partei sich ebenfalls auf diesen Boden stellen. Ueber die Höhe der Zölle im gegenwärtigen Stadium eine Erklärung abzugeben, lehnte der Redner ab. Der Tarifentwurf im Ganzen fand seine vollständige Billigung. Dem Vorwurfe einer hochschutzzöllnerischen Tendenz des Tarifs hielt er eine Vergleichung mit dem rücksichtslos protektionistischen System Amerikas entgegen, das nach der neuesten Roosevelt'schen Bot- schast auch in Zukunft keine Aenderung erleiden dürfte. Die freisinnige Vereinigung vertrat der Abgeordnete Gathern, der in eigenthümlicher Verwechselung der Rollen den Freunden einer kräftigeren Handhabe für wirksame Handelsvertraasver- Handlungen eine unbegründete „Angst vor dem Auslande" zum Vorwurf machte. Bezeichnend für den Wandel der Anschauungen, oem auch der freihändlerische Doktrinarismus sich nicht völlig entziehen kann, war, daß auch bietet Redner sich nicht gegen Schutzzölle überhaupt erklärte, sondern nur anerkannt w sseu wollte, daß die Herabsetzung eines Zollsatzes nicht ein Uebel zu sein braucht, sondern gegebenen Falls auch an sich nützlich fein kann, was eigentlich Niemand bestreitet. In dieser Richtung will die Partei in der Kommission mitarbeiten. Sie wird für die Ueberweiiung des ganzen Tarifs an die Kommission stimmen, nicht, wie die freisinnige Valkspartei, nur für die Ueberweisung einzelner Theile. Der Redner der R-ichspartei, Abg. G a m p, trat gegenüber dem Vorredner mit Geschick für den Anspruch der Landwirchschaft auf wirksameren Zollschutz ein. Die Forderung erhöhter Minimalzölle, wie sie der Graf Schwerin Löwitz namens der konservativen Partei zum Ausdruck brachte, eianet sich die Reichsparlei nicht an, da sich die bezüglichen Wünsche des Herrn Gamp auf die Beseitigung der Differenzirung der Gelreidearlen besbränkten. Die polnische Fraktion wird, wie ihr Redner, derAbg. von Komierowski ihre „vorläufige" Stellungnahne kennzeichnete, in der Kommission insbesondere das Verlangen auch der polnischen Landwirthschaft nach ausreichenden Agrarzöllen unterstützen. Einen Ausgleich für die Verteuerung der Lebenshaltung sieht der Redner gleich dem Abg. Spahn in der vom Reichskanzler seiner Zeit in Aussicht gestellten theilweisen Verwendung der Mehrerträge KiOäMEW3*»gtaBWiWMaBa!EnM!saE»SMfiEwaEBi!araiiasHmmg^^
Feuilleton*
Weihnächte geichenke der JVlode.
Mit Geschmack und Bedacht gewählte Toileiten-Gegenstände dürfen stets sicher sein, auf den Geschenklischen junger wie älterer Damen größeste Freude hervorzurufen; vor allem jene zierlichen Luxus-Dinge, die einer Toilette erst das Fertige geben. „Die Modenwelt" (Berlin, Franz Lipperheide) bringt nun für Wünschende wie für die Gebenden in Wort und Bild Anregung in Hülle und Fülle. Mit Jubel wird die junge Tochter des Hauses die reizende Garnitur aus Flatterröschen für ihr erstes duftiges Ballkleid begrüßen: die Blüthen legen sich leicht gewunden um den runden Taillenausschnitt, vorn mit zierlichen Sträußchen endigend; an der Schulter sind schmale Zweige angefügt, die über die Arme greifen. Dazu ein winziges Kränzchen aus Dornzweigen mit seitlichem Tuff für das Haar, wahrlich ein echtes Heide
Ballkleid-Garnitur aus Flatter- * röschen.
röslein! In gleicher Binde-Art liegen köstliche Li France Roten, Nelken, Maiglöckchen oder Heideblumen vor. Als kleidsame Beigabe jeder Toilette dient immer noch die Boa in ihren unerschöpflichen Variationen. Frauen mit kurzem Hals oder sehr
aus den erhöhten landwirtschaftlichen Zöllen für sozialpolitische Zwecke. Die Berathung wird heute fortgesetzt. Dieser dritte Verhandlunqstaq hat den Eindruck der beiden ersten bestätigt und vervollständigt, daß, wenn auch nach längeren Kommissionsberathungen, doch mit geringeren Schwierigkeiten, als vielfach wohl befürchtet wurde, eine Verständigung innerhalb einer erheblichen Mehrheit herbeigeführt erwartet werden darf, und daß für diese Verständigung in der Regierungsvorlage im Wesentlichen die zutreffende Mittellinie gefunden worden ist. Die ferneren Tage werden die vorhandenen Gegensätze vielleicht mit gesteigerter Schärfe bervortreten lassen, doch dürften sie an diesem Eindrücke nichts wesentliches ändern.
Hus Stadt und Cand.
H-»nau, 5. Dezbr.
0 Fahrplanänderttttg. Der seither in Hanau-West um 539 Uhr vorm. abgehende Personenzug nach Babenhausen geht vom 10. d. M. ab schon um 532 Uhr vorm. in Hanau- West ab; Hanau-Ost an 537 Uhr vorm. Abfahrt nach Babenhausen 545 Uhr vorm.
* Schulvcreiu. Wir verweisen nochmals auf die heute Abend im Saale der Centralhalle stattfindende Wohlthâtig- keitsveranstaltung des Schulvereins, die des Interessanten und Genußreichen in Fülle erbringen wird. Jagdliebhabern ist Gelegenheit geboten, Gehörne und andere Gegenstände aus der deutsch afrikanischen Kolonie, aus dem deutschen Kolonialhause in Berlin stammend, preiswerth zu erwerben, worauf wir Interessenten ebenfalls aufmerksam machen wollen. — Für morgen Nachmittag 5 Uhr ist eine Wiederholung der heutigen Aufführungen als Kindervor stellung beabsichtigt. Näheres ist hierüber im Inseratenteile zu ersehen.
* Stadttheater in Hanau. Als weitere Novität der diesjährigen Spielzeit wurde gestern Abend ein vierakliger Schwank von Wilhelm Wolters und Königsbrunn-Schaup, betitelt „Der Hochzeitstag", gegeben. Wenn der Beifall des Publikums das Barometer für den Werth eines Stückes ist, so muß die Novität eine sehr gute gewesen sein. Dieselbe ist in der That, ohne irgend welchen litterarischen Werth beanspruchen zu können, reich an Situationskomik und zauberte herzliches Lachen hervor, einem Raketenfeuer vergleichbar, das den Zuschauer einen Augenblick in angenehmster Weise fesselt. Das Stück 'pielt an dem Hochzeitstage eines jungen Rechtsanwaltes, der nach wiederholten Versuchen auf anderen Gebieten endlich als Spezialist für Ehescheidungen eine reiche Praxis gefunden hatte. Derselbe ist von einer jungen „unverstandenen" Frau, die die Frau eines Universitäts-Freundes von ihm, eines Arztes, ist und die â la Ibsens „Nora" sich
starker Büste wählen am besten eine flach arrangirte Spitzen- Boa, ganz jungen Mädchen steht die volle runde Krause mit
kurzem Schleifenabschluß am hübschesten. Reizend duftig und dabei praktisch erscheint eine halblange Boa aus Tüll d’esprit, rund geformt, als Ball-Entree für junge Damen; häufig setzt man aus leichter Spitze einen Kragen an. — Willkommen dürfte ein Spitzenkragen in Handarbeit sein. Der irischen Spitze erwächst in Filet Arbeit und in der irischen Hâkel-Gui- pure scharfe Konkurrenz.
Eine stilvolle Vervollständigung hoher, wie ausgeschnittener Blousen und Taillen, wie auch des augenblicklich in großem
Empire-Jäckcheu-Garuitur aus perlgesticktem Tüll.
Ansehen stehenden Prinzeßkleides bildet die dargestellte Empire - Jäckchen - Garnitur. Unsere Vorlage — so beschreibt die „Jllustrirte Frauen-Ztg." eine Jäckchen-Garnitur — besteht aus perlgesticktem Tüll: ein 18 Ctm. breiter Volant ist auf Oberweite eingereiht mit 3 Ctm. hohem Köpfchen, eine Flitterborte festigt die Falten; daran fügen sich gegabelte Schultertheile aus Perltüll. Die kleidsame Vorlage läßt sich in verschiedenstem Material nacharbeiten : Spachtel-Guipure, irische Spitze, mit Metall durchwebte oder gestickte Spitze, doch hüte man sich, zu werthloses oder zu duftiges Material zu wählen. Nur wenn die Spitze
scheiden lassen will, unter angenommenem Namen um Rechtsbeistand gebeten worden. Zufällig kommt nun der Arzt, der Kreisphysikus in einem Landstädtchen ist, zur Begrüßung seines Korpsbruders, den er seit 18 Jahren nicht gesehen hat, in dessen Bureau und läßt aus Vergessenheit die Photographie seiner Frau dort liegen. Als die Frau des Arztes wiederum in der bewußten Scheidungsangelegenheit im Bureau des Rechtsanwalts erscheint, erblickt sie ihre Photographie, die nur von ihrem Manne herrühren kann, und fällt in Ohnmacht. Der Umstand, daß die Frau des Rechtsanwalts ihren Mann dabei betrifft, wie er sich um die in Ohnmacht gefallene Klientin bemüht, veranlaßt dieselbe, das Haus zu verlassen und zu ihrer Mutter zurückzukehren. Aber auch der beargwöhnte Gatte schöpft Verdacht, daß seine Frau ihn mit seinem Referendar hintergehe, er glaubt sich von seinem Freunde betrogen, sodaß er durch einen Rattenkönig von Quiproquos und Verwechselungen in die fatalsten Situationen geräth, die zu erhöhen ein Weingutsbesitzer aus Meißen, der sich ebenfalls scheiden lassen will, noch beiträgt. Zum Schluffe klärt sich alles in befriedigender Weise auf, wodurch alle Theile zufriedengestellt werden. Unsere vortrefflichen Darsteller, die Herren Schwarz, Gehrmann, Kron, Lindenlaubund Retzbach, verhalfen durch flottes'Spiel der Novität zu ihrem Erfolge. Von den Damenrollen seien die von Frl. Gypen, Frl. Hannewald und Frau Hantke hervorgehoben, während uns das Spiel von Frl. Haas, als der Gattin des Rechtsanwalts, in der ehelichen Szene nicht besonders anzumuthen vermochte; etwas mehr Zurückhaltung der Eifersuchtsausbrüche wäre nach unserer Ansicht am Platze gewe'en. — Auf die Novität folgte der einaktige Schwank „English spoken" von Tristan Bernard, der bei flotter Darstellung ebenfalls gut ausgenommen wurde.
* Militär-Konzert im „Deutschen Haus". Zu dem am nächsten Sonntag in den Sälen „zum deutschen Haus" stattstndenden Streich-Konzert der gesummten Kapelle unseres Ulanen-Regiments hat, wie wir ersehen, Herr Musikdirektor Urbach ein sehr gewähltes Programm zusammengestellt. Es kommen nachstehende Piecen zum Vortrag: „Graf Waldersee", Marsch von F. W. Münch; die Ouvertüren zu „Lodoisba" von Cherubini und „Die Frau Meisterin" von Fr. v. Suppe; Große Fantasie aus der Oper „Lohengrin"; „Norwegische Rbapsodie Nr. 1" von Lassen; „Aubadeaux Marie Lecombe“ ; „Auf hoher Alp", Ländler, Solo für 2 Violinen, von Löwe; „Märchen aus dem Quellenthal, Walzer von Fetras; „Ich nenne keine Seele mein", Lied, Solo für Piston; „Buren- Patrouille", Charakterstück von Komzick; „Musikalischer Fragekasten", Potpourri von Vollstedt. Freunde einer guten Streichmusik, welche uns leider in diesem Winter infolge der fehlenden Unterstützung dieser Unternehmen von. unseren Militärkapellen nicht geboten werden konnte, verfehlen wir nicht, noch
schwer niederfällt, wird das Ganze kleidsam. — Aus Chine- Band, das in wunderschönen Farben-Effekten, breit wie schmal, mit abstechenden Randstreifen oder Durchbruchrändern vorliegt, lassen sich sowohl ganze Blousen zusammenstellen als reizende Jabots, Kravatten oder Gürtel arrangiren. — Türkisen und
Cravatten-Ringe, Broschen und Schleifen.
Korallen, in Perlen wie Steinen, erscheinen mit Vorliebe zum Schmuck von Paffementerien und Spitzen verwendet, — meist in Verbindung mit Silber oder Stahl, die als Perlen oder Flittern auftreten. Metall und Steine dürfen mit ihren Farben- Effekten sich jeder Stoff-Farbe gesellen, sei sie auch noch so abstechend; das einfachste Kleid gewinnt, wenn dem Halsrand eine schmale Passementerie mit Türkisen oder Korallen angesetzt ist.
Aus dem weiten Gebiet des Schmuckes sind in erster Reihe wieder die fast uner- läßlichenKetten zu erwähnen. Hier ist die Auswahl ebenso mannigfaltig wie die Preise. „Um die Mode mitzumachen", wähle man
wohl echtes Material, aber nicht zu kostbares; eine silberne Kette oxydirt, event, mit Vergoldung und Halb-Edelsteinen geschmückt, wirkt jedenfalls edler, als eine Gold-Plaquö-Kette. Eine 160 Ctm. lange Uhr-, Muff-, Fächer- oder Lorgnetten- Kette besteht aus verschlungenen vergoldeten Gliedern, in je 10 Ctm. Zwischenraum mit Granat-Cabochons geschmückt. Für jüngere Mädchen sind Ketten aus buntgemusterten chinesischen Glasperlen sehr reizend. Die vielgetragenen Kugelhaarnadeln