Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Einrücknngsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf# gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

AmtlilhtS Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Jk 281. B ezirk s-F ernsvrecb ans ckluß Nr. 98.

Montag den 2. Dezember.

BezirkS-ffernspreKmiWuß Nr. 98.

1901

Amtliches.

Landkreis Ran au.

Bclanntmachuncien des König!. Landrat^samtes.

Unter den Viehbeständen des Heinrich Rauch in Kilianstädten und des Viehhändlers Siegmund Strauß in WachenbuLen ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Ueber die Gehöfte der Genannten wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 2. Dezember 1901.

Der Königliche Landrath.

V 12898 v. Schenck.

In unser Handelsregister ist eingetragen:

1. zu Nr. 80 (alt) Firma Johannes Hühns Wittwe in Langenselbold,

2. zu Nr. 92 (alt) Firma Ludwig Müller in Langen­selbold,

3. zu Nr. 98 (alt) Firma Zweigniederlassung der in Hanau bestehenden s^irma Heinrich Roediger, vormals Heinrich Henkel in Langen­selbold,

die Firma ist erloschen.

Langenselbold den 9. November 1901.

Königliches Amtsgericht. 19818

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 blaue Kittelschürze mit weißem Brust­einsatz. 1 Legitimationskarte der Hanauer Ortskrankenkasse für Carl Theodor Neumetzger. 1 dunkelblauer Kinderhandschuh.

Verloren: 1 Zehn-Markstück und einige Pfennige. 1 goldenes Armband (Charnir) auf dem Wege Hanau Groß­auheim.

. Zugelaufen: 1 brauner Hund. 1 junger schwarzer Hund m. Geschl. 1 kleiner junger Hund mit wolligem Fell. Vom Wasenmeister am 30. v. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Spitz mit braunen Abzeichen und 1 Wolfshund, beide m. Geschl.

Hanau den 2. Dezember 1901.

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 2. Dezbr.

* Die Korn Häuser im Reg-Bez. Cassel. Ueber d'.e im Reg.-Bez. Cassel bestehenden fünf Kornhäuser Betten­hausen, Hofgeismar, Zierenberg, Hanau und Hoheneiche be­finden sich in dem soeben der Oeffentlichkeit unterbreiteten Jahresbericht des Verbandes ländlicher Genossenschaften Raiff­eisenscher Organisation interessante Angaben. Der Kassen­umschlag betrug im abgelaufenen Geschäftsjahre in dem Korn­hause Bettenhausen 44917 Mk., Hofgeismar 170191 Mk., Zierenberg 187198 Mk., Hanau 1050 786 Mk., Hohen­eiche 143C07 Mk. mithin Gesammtumschlag 1596 699 Mk. Der Getreideverkehr in bfn einzelnen Kornhäusern gestaltete sich wie folgt. Es wurden angeliefert in

Bettenhausen: Weizen

115

Posten

12406

Zentner,

Hofgeismar ;

256

ff

11330

ff

Zierenberg:

280

10616

ff

Hanau:

225

ff

11669

ff

Hoheneicke:

77

II

5595

II

Weizen in Summa

953

Posten

51616

Zentner.

Bettenhausen : Roggen

61

Posten

4385

Zentner,

Hofgeismar:

136

ff

3064

ff

Zierenberg:

78

II

1905

II

Hanau:

89

ff

2938

ff

Hoheneiche:

15

II

1105

H

Roggen in Summa

379

Posten

13397

Zentner.

Bettenhausen : Hafer

163

Posten

21055

Zentner,

Hofgeismar:

202

II

6952

//

Zierenberg:

259

II

6267

II

Hanan:

251

II

20964

ti

Hoheneiche:

191

II

5091

II

Hafer in Summa

1066

Posten

60329

Zentner.

Bettenhausen: Gerste

6

Posten

1036

Zentner,

Hanau:

98

II

9274

ti

Gerste in Summa 104 Posten 10310 Zentner.

Bettenhausen : Bohnen 1 Posten 40 Zentner.

Im Ganzen wurden in 2503 Posten 135 692 Zentner gegen 1941 Posten 128 722 Zentner im Vorjahre an Ge­treide an die Kornhäuser angefahren. Der Posten betrug also im Durchschnitt ca. 54 Zentner. Der Durchschnittsposten hat sich demnach gegen das Vorjahr um 12 Zentner verringert,

sicher ein Beweis dafür, daß die Kornhaussache immer mehr das Vertrauen der kleinen Landwirthe gewinnt.

Der Waare nv er kehr gestaltete sich folgendermaßen: Es wurden verkauft

Künstliche Dünger u. Diverses Futterartikel

in Bettenhausen

11047

Zentner

20240 Zentner,

in Hofgeismar

3647

II

4390

in Zierenberg

5367

u

5668

in Hanau

66531

u

21740

in Hoheneiche

5411

H

3898

92003 Zentner 55936 Zentner

in Summa 147939 Zentner Konsumartikel.

Es wurde an die einzelnen Kornhäuser aus 190 Ort­schaften Getreide angeliefert und zwar

an das Kornhaus Bettenhausen aus 53 Ortschaften

das das das das

Kornhaus Hofgeismar aus Kornhaus Zierenberg aus Kornhaus Hanau aus Kornhaus Hoheneiche aus

25

21

70

21

II

II

II u

an an an an Hierbei fallen die hohen Zahlen bei den Hausen und Hanau auf. Ihre Erklärung finden sie darin, daß nach diesen beiden Punkten, die bequem zur Disposition

Kornhäusern Betten-

und zum Lokalabsatz liegen, die im übrigen Regierungsbezirke aufgekauften und per Bahn verladenen Getreidemengen dirigirt

werden. Der Versuch mit den Kornhäusern hat sich in

Hessen bewährt, das steht heute schon fest und wenn sich der Staat nach Ablauf der fünfjährigen Pachtperiode bereit finden läßt, die Kornhäuser auf weitere fünf Jahre den Genossen­schaften zu verpachten, so wird dann der Erwerb derselben in Eigenbesitz vor sich gehen können und die heimische Landwirth­schaft wird aus eigener Kraft das gemeinsam mit dem Staat begonnene Werk fortsetzen. Die günstigen Resultate einerseits, anderseits das starke Bedürfniß haben bereits in verschiedenen Theilen des Regierungsbezirkes Anregung zu Neugründungen gegeben. Festere Gestalt hat die Sache in Fulda und in Mar­burg gewonnen, so daß die Maschen des über Hessen ge­spannten Netzes von Kornhäusern im neuen Jahre hoffentlich etwas enger werden. Am dichtesten ist bis jetzt das nördliche Hessen mit Kornhäusern besetzt. Hier finden wir in Cassel, Hofgeismar, Wolfhagen, Kreis bei Kreis ein Kornhaus, so daß also hier das Bedürfniß vollkommen befriedigt ist. Für Südhessen dürfte, da hier der Getreidebau verhältnismäßig ge­ringer ist, das Kornhaus Hanau noch eine Weile genügen. Nicht so ist es in dem mittleren Theil des Bezirks, wo nur

und zwar an der Ostgrenze der Kreis Eschwege in Hoheneiche ein Kornhaus hat. Es ist demnach freudig zu begrüßen, daß man für die alten hessischen Provinzen Fulda und Oberhessen daran geht, neue Genossenschaften zu gründen. Für später dürfte dann als nächste Gründung ein Kornhaus für die Kreise Fritzlar und Homberg und den westlichen Theil des Kreises Melsungen in Aussicht zu nehmen sein, wodurch nach und nach der alte Plan, jedem Kreis ein Kornhaus zu schaffen, ver­wirklicht würde.

* Zum Bau der Bahn durch das Freigericht hat der hessische Bezirksverband dem Kreise Gelnhausen ein Kleinbahndarlehen in Höhe eines Dritttheils der Kosten zu l1^ pCt. Verzinsung und Vs pCt. Amortisation bewilligt. Die Kosten des Bahnbaues sind auf 1138 000 Mk. veran­schlagt.

* Alpenverein. Auf den heute Abend in der Central­halle stattfindenden Vortrag des Herrn Prof. Scholl aus Karlsruhe über dessen Besteigung des Zermatter Weißhorns machen wir noch besonders aufmerksam. Äußer den Mitgliedern der Sektion haben auch deren Damen Zutritt.

K. Familienabend. Der gestern Abend stattgesundenc erste Familienabend desKalb olischen Männervereins" verlief wiederum in der schönsten Weise. Nach einem hochinteressanten Vor­trag des Herrn Kaplan Göbel überLeichenbeerdigung oder Leichen­verbrennung", welchem Thema die überaus zahlreich erschienenen Zu­hörer und Zuhörerinnen mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten, wechselten dann in bunter Reihenfolge Musik, Gesang und Dekl-'ma- tion ab, wobei besonders in musikalischer Hinsicht wirklich Vorzügliches geleistet wurde. Daß auch dem Humor neben dein Ernste an diesem Abend vollauf Rechnung getragen wurde, fei noch besonders erwähnt. Es würde zu weit führen, all das Gebotene hier aufzuführen, doch es kann mit vollem Recht gesagt werden, daß dieser Familienabend in jeder Beziehung die Erschienenen zufried enstellte. Am 29. Dezbr. er. findet der zweite Familienabend statt und wird derselbe sich voraus­sichtlich dem ersten Abend würdig zur Seite stellen.

O ©atiéféStadt Bremen". Angenehme Unterhaltung, Aufheiterung und Zerstreuung, das sind die drei Dinge, die man wohl bei jeder dem Vergnügen gewidmeten Veranstaltung sucht und zu finden berechtigt ist. In unge­wöhnlich reichem Maße findet man sie auch bei den dies- wöchentlichsn SariéléDorfteünngen, deren Verlauf dementsprechend sowohl am Samstag wie gestern auch ein durchaus schöner war. Die Darbietungen sind ebenso abwechselnd wie fast durchweg interessant und dürften, dem reichlich gespendeten Beifall nach zu urtheilen, hinreichend befriedigt haben. Den

überwiegend größten Erfolg hatte freilich auch diesmal wieder the little Tokio, dessen geradezu phänomenale Leistungen wir bereits bei seinem ersten Auftreten besonders lobend hervor­gehoben haben. Hervorragendes in ihrem Fache leisten auch die Geschwister Kaiser als Gedächtnißkünstler, was auch allge­mein anerkannt wurde, wie der rauschende Beifall bewies. Herr Henry Sago wirkte als Komiker äußerst sympathisch und durfte mit den errungenenLorbeeren" wohl zufrieden sein, ebenso die beiden Soubretten, von denen besonders Frl, Donnaux überaus gut gefiel. Dieselbe verfügt sowohl über eine hübsche Stimme wie über ein recht anerkennenswerthes Darstellungstalent und stellte als Baby eine ebenso reizende Figur auf die Bretter wie alsarmer Bettelbub'". Das ganze Programm ist als hübsch zu bezeichnen und hinterläßt bei allen Besuchern den besten Eindruck, so daß wir einen Besuch der heutigen Vorstellung aufrichtig empfehlen können.

** Singspielhaüe der Brauerei Dörr. Eingefleischte Nörgler uub sonstige Pessimistisch veranlagte Naturen, die da meinen, daß man, um etwas sehen oder hören zu können, nach Frankfurt fahren müsse, weil in Hanau ja dochnichts los" fei, werden durch die Thatsachen bald eines Anderen belehrt sein; und Thatsachen beweisen ja bekanntlich! So hat sich jetzt neben dem bestens eingeführten Varièto in derStadt Bremen" noch eineSingspielhalle" in der Brauerei Dörr etablirt, was ungefähr dasselbe besagen will und die fürs Erste auch ihre Lebensfähig­keit bewiesen hat. Die Räume in Dörrs Brauerei haben sich gewaltig gedehnt, oder vielmehr es ist durch Entfernung überflüssiger Wände ein gedehnter Raum geschaffen worden, den man für den gedachten Zweck nur als geeignet bezeichnen kann. Am gestrigen Sonntag Abend er­wiesen sie sich aber doch als zu klein, dieweil eben so viel schaulustige Be­sucher antraten, daß der Direktor an seiner Kasse bald das schöne Wort Ausverkauft" sagen konnte, zum Bedauern Derer, die mangels eines Plätzchens wieder umkehren mußten. Was das erstmalige Programm an- betrisst, so läßt sich sagen, daß dasselbe recht gut gewählt und von den Künstlern auch gleichermaßen interpretirt wurde. Neben der tadellosen Hauskapelle, welche natürlich den einleitenden Theil inne hatte, war Frl. Emmy Müller eine ganz gewandte Liedersängerin, die ein klangvolles Organ besitzt und recht schöne Lieder zum Vortrag brachte. Neben ihr vertritt Frl. Wegener mit Glück das Fach der Vortrags-Soubrette, womit die humoristische Seite der weiblichen Gesangsvorträge benannt sein soll. Zwei internationale Tänzerinnen und Sängerinnen, Frl. Priska und Manzotti, sorgen ebenfalls durch Tänze und schwänkige Lieder für angenehme Unterhaltung. Eine Hauptsache beim Variötè, das Humoristen­fach, ist ebenfalls gut besitzt in der Person des Herrn Roth, der als ein sehr guter Mimiker und Sänger für Augen und Ohren schätzenswerthe Darbietungen bringt. An der nöthigen Abwechslung und Reichhaltigkeit in einem Varietè fehlt es also nicht und auch die Abwickelung des Pro­gramms geschah mit wünschenswerther Präzision ohne große Pausen. Das Publikum spendete jeder Nummer lebhaftesten Beifall, ein Beweis wohl, daß die Darbietungen gefielen und daß die neue Singspielhalle sich günstig eingeführt hat.

§8 Bortrag in der Wetterauischen Gesellschaft. Am Samstag Abend erfreute Herr Professor Dr. Dettmar aus Jena, die zahlreich erschienenen Besucher im Saale des Museums der Wetterauischen Gesellschaft durch einen Vortrag mit dem Thema:Reisebilder aus dem Kaukasus und Tür­kistan". Der Herr Vortragende verstand es nicht nur, in lebendiger, anschaulicher Schilderung eingreifbares, lebensvolles Bild von den erhabenen Schönheiten der Natur, ein Bild der charakteristischen Eigenthümlichkeiten verschiedener Länder und der typischen Eigenartigkeit der mannigfachsten Völkerstämme zu geben, er beleuchtete auch in geistreicher, aber leichtverständ­licher Weise die hervorragendsten Momente seiner Reisebilder vom geologisch- und botanisch-wissenschaftlichen, vom geschicht­lichen und kulturhistorischen Standpunkte aus und ließ uns so nicht nur einen Blick in das innere Volksleben zahlreicher Rassen und Nationalitäten thun, sondern wirkte auch belehrend und aufklärend nach vielen anderen Richtungen hin. Von Petersburg ausgehend führte uns Redner vorerst durch das innere Rußland zu vereinzelt und weitab von größeren Kultur­zentren liegenden Bauerngütern, rühmte die Gastfreundschaft und Gntmüihigkeit sowie die Kolonisationsfähigkeit des russischen Volkes und verweilte sodann etwas länger in und bei Moskau, dieser alten Zarenstadt mit seinen zahlreichen vergoldeten Kup- veln und Moscheen, seinem typisch-russischen Gepräge und seiner buntgemengten Bevölkerung, um endlich den Kaukasus einer eingehenden und durch sein packendes Gestaltungsvermögen höchst interessanten Schilderung zu unterziehen. An Schönheit und malerischen Szenerien stehen die Gebirgsfsrmationen des Kau­kasus denjenigen der Alpen zwar nach, an Dimension und gewaltiger Höhe reichen aber die mächtigsten Alpenriesen an die höchsten Berge des Kaukasus nicht heran. Bei der Be­trachtung der Erwerbsthätigkeit der hier ansässigen Völkerschaften gewährte uns Redner recht belehrende und interessante Einblicke besonders in den Seidenraubenbau und die Naphthagewinnung, welch letztere gerade im Kaukasus von großer Ausdehnung ist und den größeren Quellenbesitzern ungeheure Kapitalien ein­bringt, jedoch auch riesige Anlagesummen erfordert, da allein die Anlegung eines einziges Bohrloches wegen seiner koloffalen Tiefe ca. 60100,000 Rubel verschlingt. Der letzte Theil des Vortrages führte uns über das kaspische Meer nach Tur­ks stark, in jenes dürre, sandige Wüstenland, das trotz seiner enormen Trockenheit dank einer überaus praktisch und zweck­mäßig angelegten künstlichen Bewässerung des an sich äußerst