Erstes Blatt
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General-Anzeiger.
ANililhes Organ für Stadt- and Fandüreis Hanau.
Eimuckungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 279.
Bezirls-Ferusprelbanschluß Nr. 98.
Hreitaa den 29. November.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Hierzu
„Amtliche Beilaae" Nr. 37.
Mue Stadt und Cand.
Hsitau, 28. Novbr.
* Vegläbttif;. Heute Vormittag wurde Herr Ludwig v. Deines zur letzten Ruhe bestattet. Unter dem Trauergefolge befand sich als Vertreter Sr. Maj. des Kaisers der kommandirende General des 18. Armeekorps, Excellenz von Lindequist, ferner waren, neben den Angehörigen des Entschlafenen, vertreten Abordnungen des hiesigen Offizierkorps, die Spitzen der Behörden rc. Herr Pfarrer Wessel hielt sowohl im Trauerhause wie auch am Grabe die Andacht, die Jnfanreriekapelle spielte mehrere Choräle. Unter den prachtvollen Blumenarraugemems befand sich auch ein von Sr. Maj. dem Kaiser gespendeter Kranz, dessen Schleifen das W mit der Krone zeigen, sowie Kränze von Behörden und Korporationen, denen der Verblichene früher angehörte.
* Ortstarif für Panait» Infolge der Umrechnung der hiesigen und Frankfurter Bahnhöfe nach den wirklichen <2treckenentfernungen werden die Tarife, an welchen beide Städte betheiligt, theils neu ausgegeben, theils durch Nachträge berichtigt Um den Versendern und Empfängern von Gütern die neuen Sätze in einem Tarife zu bieten, arbeitet ein Sekretär der Königlichen Eistnbahn-Direktion in Frankfurt a. M. mit deren Genehmigung einen Ortstarif für den Verkehr mit allen deutschen Tarifstationen aus. Außer den Sätzen für Frankfurt a. M. und Hanau wird der Tarif noch die Sätze für Offenbach enthalten. Er ersetzt die Beschaffung von über 40 zum Theil recht umfangreichen Tarifen und wird neben den Eil-, Stückgut- und Wagenladungssätzen — normalen und Ausnahmesätzen — eine Reihe amtlicher Bestimmungen über die Güterauslieferung und Abholung und eine Darstellung über die Bildung der Frachtsätze enthalten. Die Ausgabe des Tarifs erfolgt im Januar. Bestellungen nimmt der Verfasser — Herr Eisenbahnsekretär Henkel in Frankfurt a. M., Textorstraße 34 — entgegen. Wünsche wegen Gestaltung und Inhalt des Tarifs werden nach Möglichkeit berücksichtigt.
. * d^ahrplattäudermtg. Am Samstag den 30. d. M. mird für die Winterperiode der sogenannte Dieburger Arbeiter- zug ab Frankfurt-Ost 6 Ubr 5 Min., an Hanau-West 6 Uhr 44 Min., an Hanau-Ost 7 Uhr 4 Min., und an Dieburg
8 Uhr 10 Min., und dessen Gegenzug am Montag den 2. Dezember ab Dieburg 4 Uhr 14 Min., Hanau-Ost 5 Uhr 24 Min., Hanau-West 5 Uhr 34 Min. und an Frankfurt-Ost 6 Uhr 10 Min. zum letzten Male gefahren, ausgenommen wird der Zug erst wieder mit dem 1. März nächsten Jahres.
Feuilleton,
Ein Abend beim Reichskanzler.
Ein Brief aus dem Spezialbureau des Reichskanzlers! Ah, eine Einladung zum parlamentarischen Abend! Sie lautet: „Der Reichskanzler bittet Herrn Soundso, am 27. November cr. den Abend bei ihm zubringen zu wollen. — Von 9 Uhr an." Es war der erste parlamentarische Abend, den Graf Bülow veranstaltete. Wegen des Umbaues des Reichskanzler-Palais mußten die Feste bis jetzt verschoben werden. Der Reichskanzler begrüßte die Gäste am Eingang der Empfangshalle mit der ihm eigenen gewinnenden Liebenswürdigkeit, wobei er von seinem Adjutanten, dem Prinzen Salm — dem Bräutigam der Tochter des Erzherzogs Friedrich von Oesterreich —, dem Chef der Reichskanzlei, Wirklichem Geheimen Ober-Regierungsrath Conrad, und dem Geheimen Legationsrath im Auswärtigen Amt Dr. Hammann unterstützt wurde.
Es war eine erlesene Gesellschaft. Wir sahen fast sämmtliche Bevollmächtigten zum Bundesrath, alle Minister und Staatssekretäre mit Ausnahme des Admirals v. Tirpitz, der nerhirdert war. Der Reichstag war durch Mitglieder aller Parteien vertreten; nur die Sozialdemokraten fehlten. Von den hohen Militärs bemerkten wir unter Andern die Generale v. Hahnke, v. Werder, Graf v. Hüffen-Häseler, Fürst Anton Radziwill, v. Verdy du Vernois, v. Moltke, sowie den Generalmajor v. Schwarzkoppen, den ehemaligen deutschen Militär-Bevollmächtigten in Paris; von den hohen Hofbramten den Oberhofmarschall Grafen zu Eulenburg, den Ober- stallmeister Grafen Wedel, den Hausminister v. Wedel-Pies - dorf. Die Kunst war vertreten in Exzellenz v. Menzel und Reinhold Begas. Von den Leuchten der Wissenschaft waren unter Andern erschienen die Mediziner v. Bergmann, von
* Landes-VersichernngsaustiUt Hessen-Nassau. Für den Kreis Hanan — Stadt — stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Kr anken-Renten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende September 1901 wie folgt:
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CD
CD
CD E 5
Davon sind erledigt durch
Gesammt-
Jahres- betrag Der bewilligten
Renten
Von den Rentenempfängern sind bzw. waren beschäftigt
Nach Abgang durch Tod rc. bleiben noch zu zahlen
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'■44
JA
4
JA
Altersrenten
182
158
21
3
24829
20
3
77
8
43
13
14
71
11.045
—-
Jnval.-Reut.
286
234
31
14
32739
60
7
150
5
48
5
19
131
18674
80
N'rnukenrent.
4
4
—
—
531
60
—
3
—
—
—
4
2.
274
20
Zusammen:
472
396
5217|58100
40
10,230
13
91 18 34
204.
29994
—
Von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, sowie das Fürstenthum Waldeck umfaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt:
8132 Altersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 1,097,070.— M.
16512 Invalidenrenten „ „ „ „ 2,161,548.86 „
467 Krankenrenten „ „ „ „ 60,212,10 „
25111 Renten mit einein Gesammt-Jahresbetrage von 3,318,830.96 M.
Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod rc.
erfolgten Abgänge Ende September 1901 noch zu zahlen:
3617 Altersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 505,166.60 $R. 10253 Invalidenrenten „ „ „ „ 1,383,054.16 „
295 Krankenrenten „ „ „ „ 45 803.80 „ 14165 Renten mit e'uem Gesammt-Jahresbetrage von 1,934,024.56 Mr Der von dem Reiche zu leistende Zuschuß beträgt 703,200.— „
Mithin bleiben Ende September 1901 aus Mitteln der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Renten zu zahlen jährlich............ 1,225,774.56 M.
* Der Main ist seit einigen Tagen in starkem Steigen begriffen. Bedeutende atmosphärische Niederschläge am Obermain verursachten das rasche Anwachsen des Stromes. Gestern wurde ein Stillstand beobachtet. Vom Obermain wird das Fallen des Maines gemeldet. Der gegenwärtige Wasserstand begünstigt den Stromverkehr wesentlich. Trotz der vorgerückten Jahreszeit herrscht noch beirächtlicher Schiffsverkehr. Täglich fahren die Kettendampfer mit stattlichen Flottillen im Schlepptau zu Berg. Besonders lebhaft ist noch der Floßverkehr. Bedeutende Holzquantitäten werden täglich zu Thal gesandt.
* Festabend des Schulvereius. Wie wir bereits früher berichteten, findet am nächsten Donnerstag den 5. Dezember im Saale der „Centralhalle" eine Festveranstaltung der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Schulvereins statt, deren Reinertrag zum Besten hiesiger Wohlthätigkeitsan-
Leyden, Virchow, ferner die Professoren Schmöller und Wagner. Wenn wir schließlich noch erwähnen, daß ebenfalls die Spitzen der Kommunal-Behörden, hervorragende Vertreter des Handels und der Industrie, sowie der deutschen und der ausländischen Presse nicht fehlten, so kann man sich ungefähr ein Bild machen von dem fesselnden Treiben, das sich in den Räumen des Reichskanzler-Palais entwickelte.
Diese sind mit feinem Geschmack und Kunstoerständniß ansgestattet. Von der marmornen Freitreppe aus, die in den ersten Stock führt, gelangt man bald in den historischen Kongreßsaal. Daneben liegt das reich mit alten Bildern gezierte Bibliothekzimmer, dessen Wände in prachtvollen Einbänden die bedeutendsten Erzeugnisse der Litteratur aus allen zivili- sirien Ländern schmücken. Mit tiefer Ehrfurcht betritt man das Arbeitszimmer des Fürsten Bismarck, das in pietätvoller Erinnerung unbenutzt und in dem Zustande erhalten ist, wie es zur Zeit unseres ersten Kanzlers gewesen war. An dem Schreibtische, wo Fürst Bismarck arbeitete und auf dem noch einige von den mächtigen Bleistiften und den Federkielen liegen, deren er sich so gerne bediente, ist eine silberne Platte angebracht mit der Aufschrift: Fürst Bismarck 1878—1890. An den Wänden hängen die Kaiserbilder und das von Lenbach gemalte Bild des Altreichskanzlers. In der entgegengesetzten Richtung, vom Kongreßsaal aus, befindet sich ein mit ent- zück-nder Pracht eingerichtetes und dabei doch anheimelndes Damen-Empfangszimmer, in dem die Frau Gräfin Bülow, eine geborene Prinzessin Camporcale, und ihre Mutter, Donna Laura Minghetti, in gewinnender Weise die Honneurs machten. Dieser Raum läuft in einen Wintergarten aus, dessen dunkles Grün mit dem Glanz der Uniformen und den blinkenden Ordenssternen angenekm kontrastirte. Schenswerth ist auch das Arbeitszimmer des Grafen Bülow. Die Wände zieren viele Geschenke unseres Kaisers. Auf dem Schreibtische stehen die Bildnisse der drei Kaiser und eine Photographie der Kaiserin, ferner Familienbilder, beispielsweise vom Vater des Reichskanzlers und von keiner Gema-stin. Auch eine Photographie
sialten bestimmt ist. Das Programm hat sich nach seiner Fertigstellung noch reichhaltiger erwiesen, als anfangs anzunehmen war, sodaß wohl die Hoffnung auf einen in Aussicht stehenden recht genußreichen und äußerst vergnügten Abend eine völlig gerechtfertigte ist. Es ist zu wünschen, daß die uneigennützigen Bemühungen des arrangirenden Komitees und der mitwirkenden Damen und Herren die verdiente Anerkennung finden mögen durch einen recht guten Besuch, umsomehr, als ja der Zweck der Veranstaltung ein durchaus gemeinnütziger ist. Bemerken wollen wir noch, daß das Fest nicht, wie auf den Listen angegeben, um 8 Uhr, sondern bereits um 7 Uhr beginnt. Karten sind zum Preise von 2.50 Mark in den beiden hiesigen Hof- buchhandlungen zu haben.
ir. Kunftirrvttstrie Verein. In der Aula der Zeichen- akademie sprach gestern Abend Frau Dr. Richard Pohl aus Baden über: „Richard Wagner, sein Festspielhaus und die Parsifalsrage." Das Leben der großen Fürsten im Reiche der Kunst ist oft reich an tragischen Momenten, nur wenig sind hier der Sonnenkinder! Wie hart mußte auch Wagner kämpfen! Das blinde Vorurtheit, krasser Egoismus und gehässiger Neid kleiner Naturen, die die große Kunst Wagners nicht verstehen konnten und wollten, arbeiteten gemeinsam, um dem großen Meister zu schaden. Das Ringen und Wirken, das Kämpfen und Streiten dieser genialen Natur führte Rednerin in anschaulichster Forni vor unsere Seele. Wir sahen Wagner entblößt von allen Mitteln, verjagt aus seinem Vaterlands, verlassen von fast allen Freunden mit tiefem Weh im Herzen in der Fremde weilen. Aber fein unerschütterlicher Glaube an seine Sendung, das Vertrauen auf seine Kunst gaben ihm immer und immer wieder neue Kraft, weiter zu ringen und zu arbeiten, bis endlich auch die Sonne hoffnungsvoll noch in sein Alter hinein leuchtete. Einen hohen Antheil an dem endlichen Siege hatten Franz Liszt, der Großherzog Alexander von Weimar, König Ludwig von Bayern und die Wagnervereine. Die Sehnsucht seines Lebens war der Bau eines Mutentempels, in dem seine Werke, getreu seinen Jnten- fionen, aufgeführt werden sollten. ^Hohe Freude durchzuckte seine Seele, als dieser Wunsch euMNh nach vielen Mühen im Jahre 1876 erfüllt wurde. Das Bayreuther Festspielhaus wurde erbaut. Während all die Opern von „Rienzi" bis zum „Ring der Nibelungen" auf fast allen Bühnen Deutschlands aufgeführt werden und eine Quelle des erhabensten Kunstgenusses für unser Volk bilden, wird der Parsifal einzig und allein, dem entschiedensten Wunsche des Meisters entsprechend, nur in Bayreuth aufgeführt. Wagner hielt es für eine Entwürdigung dieses seines Musikdramas, das seinen Stil in höchster religiös-künstlerischer Verklärung zeigte, wenn cs auf allen Bühnen, vor einem Alltagspublikum, ohne rechte weihevolle Stimmung aufgeführt würde. Die fesselnden,
des Fürsten Bismarck ist dabei mit einer Dedikation vom 12. Juli 1878.
Im Gegensatz zu den früheren parlamentarischen Abenden waren auch die im Erdgeschoß liegenden Privatgemächer des Grafen Bülow geöffnet. Hier und im Kongreßsaale waren große Buffets ausgestellt, die mit vortrefflicher kalter Küche besetzt waren. Als Getränke wurde Münchener Bier, Wein und Sekt kredenzt. Es entwickelte sich bald eine anregende Unterhaltung. In freien Gruppen und in bunter Mischung besprachen die Gäste aus dem neutralen Boden einer vornehmen Geselligkeit die politischen Ereignisse des Tages und die bevorstehenden Kämpfe. Was für eine Fülle von Eindrücken für den, der zum ersten Mal in diesen Kreis tritt, aber auch für die, die wiederholt geladen sind! Den Mittelpunkt des Interesses bildet die Persönlichkeit des Reichskanzlers. Graf Bülow widmete sich nach Möglichkeit den Gästen. Er schritt von Gruppe zu Gruppe; unter anderem führte er eine längere Unterhaltung mit dem Reichstags-Präsidenten, Grafen Balle- strem, und — was viel bemerkt wurde — mit dem „all- deulschen" Abgeordneten Professor Hasse, sowie dem agrarischen Abgeordneten Oertel. Erst gegen Mitternacht leerten sich die gastlichen Räume.
Gesundheitspflege.
Der Kopf verträgt unter allen Theilen am besten kühl gehalten zu werden und am wenigsten zu viel Wärme, weil das Blut vorzüglich reichlich und schnell zum Kopfe geht. Daher sind alle sehr warm haltende Bedeckungen des Hauptes, wie wollene Mützen, Pelzhauben, sehr nachtheilig; nur der großen Sonnenhitze darf der Kopf keines Menschen ganz entblößt ausgesetzt werden, weil dadurch leicht Hirnhautentzündung veranlaßt werden kann. Immer beherzigenswerth bleibt die alte Regel „Kopf kalt, Füße warm", besonders für Personen, die zur Gicht, Hysterie und Hypochondrie geneigt sind.