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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in $anan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Cinrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanan 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Nr. 276.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Amtliches.

Stadt- and Landkreis Hanan.

Vermißt

wird in Würzburg seit dem 13. November lfd. Js., früh U/s Uhr, der 22 Jahre alte cand. med. Paul Heine aus Nordhausen; derselbe ist ca. 1,70 m groß, von kräftiger Statur, hat schwarze Haare und schwarzes Schnurrbärtcken, trägt schwarzen Anzug, schwarzen Gummimantel, schwarzen Filzhut, Knopfstiefel, vermuthlich auch ein silbernes Armband.

Heine kann möglicherweise im Maine verunglückt sein.

Sachdienliche Mittheilungen werden an den unterfertigten Stadtmagistrat erbeten.

Würzburg den 20. November 1901.

Stadtmagistrat.

Michel.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 23. November 1901.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 10428 I. A.: Valentiner, Neg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Kinderregenschirm ohne Griff. 1 Schraubenschlüssel mit der Nr. 25 und 30. 1 braune seidene Kaputze.

Verloren: 1 Brillantohrring (Schraube). 1 Brillant­brosche in Sternform. 1 desgl. länglich mit 3 Brillanten. 1 silberne Damenuhr von der Lechleder'schen Druckerei bis zum Steinheimer Thor.

Augelaufen: 1 schwarzer Dachshund w. Geschl. 1 schwarzer langhaariger Jagdhund.

Hanau den 26. November 1901.

Hus Stadt und Cand.

^watb 26. Novbr.

* Danksagung für Spenden an das ostasta- tische Expeditionskorps. ImReichsanzeiger" spricht oer Stellvertreter des Kommissars der freiwilligen Kranken­pflege, Generalleutnant Perthes, allen Spendern freiwilliger Gaben für die ostasiatische Besatzungsbrigade und Marine in den Monaten August bis November den wärmsten Dank aus und theilt mit, daß die Hauptsammelstelle Bremen für das ostasiatische Expeditionskorps aufgehoben ist.

* Stadtverordneten-Ergänzungswahlen. Auch der Verlauf der gestrigen Ergänzungs-Wahlen zur Stadtver­ordnetenversammlung in der 2. Wahlabtheilung erbrachte manche Ueberraschung. Die beiden Vorschläge, ausgehend von den vereinigten Gewerbetreibenden und dem Komitee der vereinigten bürgerlichen Parteien, hielten zeitweise das Zünglein der Waage, doch blieb der letztere Zettel mit drei Kandidaten zum Schluffe Sieger. Zwischen Bierbrauereibesitzer Baader, der auf der Liste der Gewerbetreibenden stand, und Juwelenhändler Koburger muß Stichwahl stattfinden. Das Wahl­resultat ist Folgendes:

Kaufmann Schwabe . . . . 212 Stimmen (von beiden Vorschlägen ausgenommen), Holzhändler Müll er . . . . 151 Kaufmann Stübing . . . . *143 Juwelenhändler Koburger . . 112 Brauereibesitzer Baader . . . 99 Metzgermeister Schindler . . 83 Bäckermeister Grein. . . . . 70 Rentier A. Gauff . . . . . 11 Fabrikant Hugo Junghenn . . 7 Lehrer H. Wolff ..... 6 Kaufmann Hock...... 5 Fabrikant Körner . . . . . 3 Zwei Stimmen zerspittert. Von 628 Wahlberechtigten wähltet: nur 226, also etwa 3/ °/o. Die Ersatzwahlen waren vorznnehmen für: Kaufmann Jakob Fritz, Holzhändler Philipp Müller, Kaufmann Julius Schwabe, Fritz Weber.

O Eisenbahn - Personalien. Stations - Assistent S ch e r m u l y von Hanau-Ost ist nach Bonames versetzt. Die Telegraphistin Schäfer gleichfalls in Hanau-Ostbahnhof tritt auf Ansucken aus dem Eisenbahndienst aus.

* Ausländische Händler bieten jetzt wieder dahier mit goldartigen Fäden durchwirkte Decken zum Verkaufe an, die besonders zur Nachtzeit geeignet sind, große Täuschung zu bewirken. Wir machen das Publikum darauf aufmerksam, um sich vor Schaden zu büten.

Dienstaa den 26. November.

* Hessische Kornhäuser. Jm abgelaufenen Geschäfts­jahre konnten von den fünf hessischen Kornhäusen diejenigen von Hanau und Bettenhausen den stärksten Umsatz auf­weisen.

* Revision. Der wegen Mordes vom hiesigen Schwur­gerichte zum Tode verurteilte Johann Gläser von Herolz hat durch seinen Vertheidiger gegen das Urtheil Revision beim Reichsgericht angemeldet.

* Hanauer Kriegerverein. Im Saale des Gast­hauseszur Stadt Bremen" wird morgen Abend Herr Gym- nasial-Oberlehrer Dr. Küster von hier einen Vortrag halten überDie Befreiung Schleswig-Holsteins aus dänischem Joche." Das Thema verspricht einen interessanten Abend, weshalb die Mitglieder des Kriegervereins ersucht werden, zahlreich zu er­scheinen.

* Delegirten Versammlung. Am Sonntag Nach­mittag vereinigten sich die Delegirten des mittelrheinischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine zu einer gemeinsamen Tagung in Frankfurt. Sämmtliche Verbandsvereine hatten die Versammlung beschickt. Die Tagesordnung war sehr reich­haltig. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten, von denen hauptsächlich das Referat über die Verbandssterbe­kasse das lebhafteste Interesse beanspruchte, erfolgte ein Vor­trag über die FrageWas bedeutet und was hat die staat­liche Versicherung bis jetzt geleistet." Am 17. November sind 20 Jahre verflossen seit der bekannten sozialen Thronrede Kaiser Wilhelms I. Das nun folgende Jahrzehnt der großen sozialen Reformen brachte die Versicherung gegen Krankheit, Unfall, Altersnoth und Invalidität. Obgleich diese Gesetze so tief in das Leben der Arbeiter eingreifen, herrscht gerade in diesen Kreisen oft eine erstaunliche Unkenntniß der einschlägigen Materie. Der Referent zeichnete in Kürze die wichtigsten Be­stimmungen dieser Gesetze und wies ziffernmäßig nach, welch reichen Segen diese Gesetzesbestimmungen der deutschen Arbeiter- bevölkerung gebracht haben und in Zukunft noch bringen wer­den. Der dritte Punkt der Tagesordnung betraf das Thema Volksversicherung". Ein Antrag Hanau,Arbeitsnach­weise" betreffend, wurde einstimmig angenommen. Weitere Berathungen erstreckten sich auf das Vereinsorgan dem Hessisch-Nassauischen Volksboten". Die Versammlung gab reiche Anregung, die Berathungen wurden mit sachlicher Ruhe und lebendiger Theilnahme gepflogen.

42 Versammlung. Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr hielt derVolksverein für das katholische Deutschland" in den Sälen derCentralhalle" dahier eine äußerst imposante, von katholischen Männern aus Nah und Fern zahlreich besuchte Versammlung ab. Herr Pfarrer Schlitt eröffnete als Ge­schäftsführer des Vereins für Hanau und Umgegend die Ver­sammlung mit dem katholischen Gruße und wies dann mit einigen begeisternden Worten hin auf den Zweck derselben, der kein anderer sei als der, die katholische Männer Hanaus neu zu ermuntern, als wahrhaft katholische Männer, getragen von hl. Liebe zur Kirche und zum Vaterlande, mitzuthun im großen Kampf des Geistes, der heute mehr als je wieder die Welt bewege. Seine Worte klangen" aus in ein begeistertes Hoch auf die Leiden höchsten Gewalten, Papst und Kaiser. Darauf bestieg als Erster der Sekretär des Generalvorstandes des kathol. Volksvereins, Herr Brauns aus München-Gladbach, die Rednertribüne. In ebenso klarer und lichtvoller wie packender Weise verbreitete er sich unter gespanntester Aufmerksamkeit aller Anwesenden über die Zolltarif-Frage, die er in l^ftunbiger Rede vom Standpunkte der Centrumspartei aus behandelte. An der Hand eines reichhaltigen statistischen Zahlenmaterials wies Redner nach, daß eine mäßige Erhöhung der Zölle, zumal der landwirthschaftlichen Zölle, durchaus nicht jene gefürchtete und von einer gewissen Partei, der sozialdemokratischen nämlich, absichtlich in den schwärzesten Farben geschilderte Verthenerung der Lebensmittel zur Folge haben werde, daß sie aber anderer­seits zur Erhaltung der deutschen Landwirthschaft und damit zur Förderung und Erhaltung des gesammten Staatswohles durchaus nothwendig sei. Ein ruhiges, vernünftiges Abwägen der einzelnen Interessensphären sei deshalb so fuhr Redner fort wie in vielen anderen, so auch in dieser Frage, welche die Interessen so vieler, ja aller Stände berühre, geboten, und dieser Forderung werde wie immer das Centrum, welches das Wohl aller Stände auf seine Fahnen geschrieben habe, getreu­lich nachkommen. Redner schloß deshalb mit der begeisterten Aufforderung an alle Anwesenden, auch in der Behandlung dieser Frage sich jener Partei anzuschließen, die so oft schon den Beweis erbracht, daß sie nichts anders beabsichtigt, als Allen gerecht zu werden, dem Centrum. Der folgende Redner Herr H c n s l e r, Fabrikarbeiter aus Offenbach, wies in schlagender Weise die Nichtigkeit des von der Sozialdemokratie so oft und immer wieder proklamirten Programmsatzes:Religion ist Privatsache", nach, eines Grundsatzes, welcher der Vernunft sowohl wie den Lehren des

Bezirks-Ferns-rechanschluß Nr. 98. 1901

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Christenthums und zumal, wie die Erfahrung zur Genüge ja lehre, dem praktischen Vorgehen dieser Partei und ihrer Führer direkt widerspreche. Er schloß mit der ernsten aufrichtigen Warnung an seine katholischen Mitarbeiter, jemals, und sei es auch nur im Augenblicke der Stimmenabgabe, Mitläufer einer Partei zu sein, die sich durch ihr ganzes Verhalten so oft als religionsfeindlich erwiesen habe und noch erweise. Als Dritter sprach Herr Geistl. Rath Schäfer aus Offenbach. In geistreicher, mit frischem Humor gewürzter Rede zeichnete er ein Bild des katholischen Mannes, so wie er sein müsse in unseren Tagen. Glaubensfreudigkeit, Liebe und treue Anhäng­lichkeit an das Zentrum, Unterstützung der christlichen Presse, mannhaftes Eintreten für seine Ueberzeugung und Schlag- fertigkeit, wenn es gilt, Angriffe zurückzuweisen das sind nach den Worten des Hochw. Herrn Redners die Pflichten, denen sich kein katholischer Mann entziehen darf. Der rauschende Beifall während und am Schluffe seiner Ausführungen bewies, daß die Worte des Hochw. Herrn Redners in den Herzen der Anwesenden begeisterten Widerhall fanden. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Herren Redner, welches den Dank der Versammlung zum Ausdruck bringen sollte, und der nochmaligen Aufforderung, das Gehörte nun auch mit hinaus zu nehmen ins Leben und zu befolgen, schloß Herr Pfarrer Schlitt die imposante Versammlung, durch die über 100 neue Mitglieder dem Volksverein gewonnen wurden.

* Jm ev. Vereinshause wird morgen Abend der '2. Abonnements Vortrag gehalten werden. (Näheres stehe Jnseratentheil.)

* Protest gegen Chamberlain. Auch die Mar­burger Studentenschaft hat auf Veranlassung des Vereins Deutscher Studenten eine Protestkundgebung gegen die Rede Chamberlains erlassen. Nachdem bereits in mehreren Sitzungen des Studentenausschusses die Art und Weise einer solchen Kundgebung Gegenstand eifriger Erwägung gewesen war, wurde schließlich in der letzten Sitzung des Studentenausschusses eine vom Verein Deutscher Studenten verfaßte Resolution, in der die Marburger Studentenschaft die Aeußerungen des eng­lischen Kolonialministers Chamberlain als eine niederträchtige Lüge zurückweist, angenommen und durch den Beschluß der Korporationen an den Reichskanzler abgesandt.

* Kaufmännischer Verein. In der gestrigen An­zeige betr. den morgen Abend stattfindenden Vortrag ist ver­sehentlich das Thema nicht ganz richtig mitgetheilt worden; es sollte lauten:Wie sah es mit den deutschen Verkehrs­straßen bei Beginn des 19. Jahrhunderts aus?"

* Ehrend. Der Professor an der Stuttgarter tech­nischen Hochschule Architekt H. Iassoy (ein Hanauer) ging in Gemeinschaft mit seinem Sozius Herrn Professor I. Vollmer bei dem Wettbewerb um Entwürfe für eine neue evangelische Kirche in Köln a. Rh. als Sieger hervor, indem das Preisgericht beiden Herren den ersten Preis zuerkannte. Zu dem Wettbewerb waren noch andere namhafte deutsche Architekten eingeladen.

Aus dem GerichtssaaL.

Sitzung der Strafkammer I vom 25. Novbr.

Fahrlässige Tödtung.

Am 19. September d. J. war der Einwohner K. von Bergen mit dem Abmachen der von ihm gepachteten Nüsse an der Bergener Chaussee beschäftigt. Während er auf einer an den Baum gelehnten Leiter stand und die Nüsse abklopfte, las seine Frau die Nüsse unten auf, ein 2jähriges und ein S1^- jähriges Kind der Leute spielten auf der Straße. Dieses Idyll fand einen sehr tragischen Abschluß durch das Erscheinen des Fuhrknechts R. von Bergen, der mit seinem Fuhrwerk eine Ladung von 13 Zentnern Viktualien vorbeifuhr. Der auf dem Wagen sitzende Fuhrmann drehte sich, als er schon ein kleines Stück an dem Nußbaum vorbei war, herum und machte dem K. eine lange Nase. Im selben Moment that es auch einen Schrei und gleich darauf mußte der unvorsichtige Fuhrmann zu seinem Schrecken gewahren, daß das Nasen­drehen einen verhängnißvollen Ausgang genommen hatte. Das Z^/sjährige Kind des K. war nämlich unter den Wagen gekommen und die Räder des Vorder- und Hinterwagens ihm über Brust und Leib gegangen. Mit Blut und Staub be­schmutzt wurde das Kind aufgehoben und starb kurze Zeit da­rauf an den erhaltenen inneren Verletzungen. Der Fuhrmann ist der fahrlässigen Tödtung in Verbindung mit Berufspflicht­verletzung angeklagt und erhält 4 Monate Gefängniß. Mil­dernd wurde in Betracht gezogen, daß die Mutter ihre Auf­sicht nachlässig ausübte und das Kind auf dem Fahrdamm spielen ließ.