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Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev.

Waisenhauses in Hanau.

ANtlilhes Organ für Stadt- and FaudKktls Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 272 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Donnerstag den 2L November

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Amtliches.

Stadtkreis Banau.

Der Auktionator Carl Petri hierselbst ist auf seinen Antrag zum Auktionator für Immobilien für den Umfang des Amtsgerichtsbezirks Hanau bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 18. November 1901.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8167 v. Schenck.

Handelskammer zu Hanau.

Gemäß § 16 des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Februar 1870/19. August 1897 sind für die Handels­kammer vor Schluß des Kalenderjahres Ergänzungswahlen für die folgenden Herren vorzunehmen:

Hrch. Brüning, E. Döring, Fr. Roth und Jul. Steènheuer in Hana u,

Ferd. Neitzert und N. Berta in Fulda,

Phkl. Stock in Gelnhausen.

. Ferner ist die durch den Tod Herrn Mos. Hommels freigewordene Vertreterstelle für den Wahlbezirk Kreis Gers­feld durch Ersatzwahl wieder zu besetzen.

Zur Vorbereitung dieser Wahlen ist gemäß § 11 des be­zeichneten Gesetzes für jeden Wahlbezirk eine Liste der Wahl­berechtigten ausgestellt worden, welche eine Woche lang öffent­lich auszulegen ist. Diese Auslegung findet in der Woche vom 25. bis zum 30. d. Mts. statt und zwar für den Wahl­bezirk Stadt- und Landkreis Hanau in dem Sekretariate der Handelskammer (Stadtichloß in Hanau), für die Wahlbezirke Kreis Fulda, Kreis Gelnhausen und Kreis Gersfeld auf den betreffenden Königlichen Landrathsämtern.

Einwendungen gegen die Liste sind innerhalb einer Woche nach beendeter Auslegung, d. i. bis zum 7. Dezember d. Js., bei uns anzubringen.

Hanau den 18. November 1901.

Die Handelskammer.

Canthal.

Der Sekretär:

19262 Steller.

Hus Stadt und Cand.

Hanan, 21. November.

Protcstvcrsaiilulluiig gegen die Chamber- lniiische Auslassung.

Im Saale derCentralhalle" hatte sich am Dienstag Abend eine große Schaar hiesiger Einwohner eingefunden, um gegen die bekannten Chamberlain'scheu Beleidigungen des deutschen Kriegerstandes Stellung zu nehmen. Herr Haupt­mann v. Buttlar eröffnete die Versammlung mit dem Hin­weis, daß der zahlreiche Besuch wohl als Beweis dafür gelten kann, daß die Entrüstung über die englischen Beleidigungen unseres Soldatenstandes in allen Bevölkerungsschichten Platz gegriffen hat und der Zweck der Versammlung dadurch völlig erreicht werde. Wenn auch der Kriegerverein zu dieser Kund- gebuug den ersten Anstoß gegeben habe, so bitte er doch, dieselbe nicht als Kriegervereinssache, sondern als allgemeine zu betrachten. Nach einigen orientirenden Worten ertheilte er dann Herrn Prof. Dr. Wackermann das Wort, der Folgendes ausführte :

Meine hochgeehrten Herren! Werthe Mitbürger! Liebe Kameraden!

Bedarf es noch vieler Worte? Hat nicht unser Herr Vor­sitzender mit dem Hinweis auf den Anlaß unserer Versamm­lung bereits den Ton getroffen, der in Ihren Herzen wieder­klingt? Daß in dem traurigen Kriege, der nun schon im dritten Jahre ein Hohn auf alle Friedensworte, Friedens­wünsche und Friedenskongresse in Südafrika wüthet, wir mit unserer Theilnahme, unseren Gebeten auf Seiten des heimgesuchten Burenvolkes stehen, wen dürfte es Wunder nehmen? Gleich den meisten Völkern Europas, ja der zivili- sirten Welt, stellen wir uns auf den Standpunkt der Gerech­tigkeit, der Menschlichkeit. Dies Gefühl bewegt uns; es steigerte sich und äußerte sich in mannigfacher Weise durch Wort und That, als zu uns die Kunde kam und bald Nach­richt auf Nachricht sich drängte, daß mit beispielloser Rücksichts­losigkeit, ja Grausamkeit von den englischen Soldaten wie den Heeresleitern Gewaltmaßregeln angewendet wurden, die sonst für die Kriegführung unter zivilisirten Nationen unerhört schienen. Betroffen fragte man: wo ist das Völkerrecht? wo die Genfer Konvention? schien es nicht, als wollte ein christ­

liches Volk in neuer Auffassung den altheidnischen Grundsatz bethätigen: silent leges inter arma? Die Engländer glaubten allmählich einen Widerstand zu brechen, dessen sie im offenen ehrlichen Kampfe nicht Herr zu werden vermochten. Zieht man das Material in Betracht, aus welchem sich im Wesentlichen das englische Söldnerheer zusammensetzt, so liegt es auf der Hand, daß durch derartige Maßregeln die Lust an der Grausamkeit genährt werden muß, und das System Kitchener ist erst recht geeignet, die Bestie im Menschen zu wecken. Brauche ich Sie zu erinnern an das Niederbrennen der Farmen der im Felde stehenden Buren, an die Gewalt­thaten, die an den zurückgebliebenen Familien verübt wurden, an die brutale Behandlung von Gefangenen, an die Mißachtung des Privateigenlhums, an das Elend, das man fördert oder duldet in den sogenannten Konzentrationslagern, an die ver­heerende Sterblichkeit unter Frauen und Kindern, die die Folge davon ist? Ein jeder von Ihnen findet in seiner Zeitung der Einzelheiten und Beispiele die Menge? Unsere Theil­nahme für das schwer heimgesuchte Volk wird nur übertroffen von der Bewunderung für den Heldenmuth, mit dem die Krieger für ihre Freiheit streiten, für den entsagungsvollen Opfermuth, der selbst bei Frauen und Kindern dort etwas ge­wöhnliches ist.

Daß man englischerseits diese Vorgänge und Zustände, die uns auf's Tiefste empören, theils zu verschweigen, theils zu beschönigen und zu entschuldigen, theils in Abrede zu stellen sucht, ist erklärlich. Aber wollte man auch die Hälfte von den Gräueln, die uns berichtet werden, als übertrieben oder nicht völlig der Wahrheit entsprechend betrachten, es bliebe noch ge­nug und übergenug, um unseren Abscheu gegen solches Ge- bahren zu rechtfertigen.

Es ist indessen ein großer Irrthum, wenn man glaubt und hier und da auszustreuen sucht, unsere Parteinahme für das Burenvolk beruhe im Grunde nur auf den Sympathien unserer Frauen und Kinder für die Frauen jener. Wer den Puls­schlag des deutschen Volkes versteht, der weiß, daß die deutschen Männer mit vollster Ueberzeugung und nicht aus unklarer Sentimentalität es verurtheilen, daß eine mit allen Mitteln ausgerüstete Großmacht ein kleines friedliches Volk zum Kriege zwingt und in einem grausam geführten Kriege zu vernichten trachtet. Und mit Recht hat man schon darauf hingewiesen, wenn sogar unsere Frauen, die doch im Allgemeinen sich fern­hallen von Politik, jetzt sich mit Interesse ihr zuwendeu, wenn sie sich über jeden Erfolg der Buren freuen, über jede Unthat der Engländer sich empören wie unerhört müssen da die Vorgänge in Südafrika sein, wie allgemein bei uns die Ver­dammung! Vor wenigen Tagen, war imHan. Anz." ein Gedichtchen von rührendem Inhalte zu lesen:Die sterbende Burenfreundin". Eine hochbetagte deutsche Frau, die ihr Ende nahen fühlt, spricht auf dem Sterbebette den Wunsch aus, man möge ihr Leichenbegängnis nicht mit Kränzen und Blumen schmücken, sondern diese Aufwendungen den Buren und ihren Frauen zugute kommen lassen. Das Gedichtchen ist nicht ein bloßes Erzeugniß der Phantasie; derReichsbote", der es zu­erst brachte, hat auch das Begleitschreiben der Verfasserin mit­getheilt, in dem sie dem Wunsche und der Hoffnungeiner Sterbenden" Ausdruck gibt: es möchten recht Viele ihrem Bei­spiel folgen. M. H., das ist das Testament einer deutschen Frau, so fühlen unsere Frauen.

Wie es indessen mit dem Verschweigen und Verleugnen mitunter bestellt ist, dafür möge Ihnen, m. H., ein Beispiel dienen. In Zeitungsberichten und Privatbriefen war wieder­holt die Rede davon, daß im Kriege sogenannteBeutekorps" verwendet würden, Abtheilungen, die für ihre guten Dienste auch durch die von ihnen zu machende Kriegsbeute belohnt würden. Auf eine hierüber gestellte Anfrage erklärte der eng­lische Kriegsminister am 3. Oktober offiziell: es gibt keine solche Korps; Kitchener hat das auf eine Anfrage ausdrücklich bestätigt. Nun bringen kurze Zeit darauf dieM. N. N." eine recht pikante Mittheilung aus London vom 6. November; Diese lautet: ImNatal Mercury" vom 27. September 1901 lesen wir folgende Annonce:Waldons Späher. Haupt­quartier Platrand, Transvaal. Einige gute Leute für obiges Korps gesucht. Maximum-Dienstzeit 3 Monate. 759/o aller gemachten Beute wird zwischen Offiziere und Leute vertheilt. Pferde stellt die Regierung. Guter Profit sicher. Baldige Bewerbung nöthig. Volle Einzelheiten von W. M. H. Waldon. 22. September 1901, Platrand." Da war der Kriegsminister doch wohl mangelhaft berichtet, die Sache selbst bedarf, glaube ich, keines Kommentars. Immerhin aber kann mau das Verschweigen, Verhehlen, in Abrede stellen der Eng­länder erklärlich finden; man mag das in England mit sich und seinem Gewissen ausmachen. In uns regt sich bei Allem, was wir aus Südafrika grauenvolles hören, das allgemein menschliche Gewissen, das Gefühl für Menschlichkeit, der Ruf nach Gerechtigkeit.

Anders wird es nun, wo man uns persönlich angreift, wo man unser nationales Empfinden reizt, die Ehre unseres Heeres, das unserem Volke gehört, ja mit unserm Volke eins ist mit Schmutz zu bewerfen wagt. In den letzten Tagen des Oktober hat der englische Kolonialminister Chamberlain ich unterlasse es, von der persönlichen Stellung zu sprechen, die man dem genannten Herrn zu diesem Kriege in den Zei­tungen öfters zumeist also Herr Chamberlain hat in einer außerordentlich großartigen und zahlreichen Versammlung, der man erst durch besondere Vorkehrungen Raum schaffen mußte, in der Hauptstadt Schottland's, in Edinburg, eine jener Pro­grammreden gehalten, die bei Ministern und Parteiführern in England nichts ungewöhnliches sind, und hierin, wo er auf den Krieg in Südafrika zu sprechen kommt, folgende Bemer­kung gemacht:Ich glaube, die Zeit ist gekommen oder ist im Anzuge, wo Maßregeln von großer Strenge nöthig sein werden ( hier wurde de Redner von seinen Zuhörern durch Bearh, hear" und lauterc-heers" unterbrochen) und wenn diese Zeit da ist, können wir Präcedenzfälle für Alles, was wir thun werden, finden in den Handlungen derjenigen Nationen, welche jetzt unsereBarbarei" undGrausamkeit" verurtheilen. Aber wir haben uns doch nie dem genähert, was diese Nationen in Polen, im Kaukasus, in Bosnien, in Tonking, in Amerika und im deutsch-französischen Kriege thaten." Lauter Beifall begleitete diese Worte. Aber, meine Herren, so laut der Beifall war, lauter erklingt in allen Theilen unseres Vaterlandes der Ruf der Entrüstung, den dieses Wort sagen wir englischen Hochmuths ein be­zeichnender parlamentarischer Ausdruck fehlt mir uns er­preßt hat. Was Herr Chamberlain über das Verfahren der Russen in Polen und im Kaukasus, btr Oesterreicher in Bos- n en, der Franzosen in Tonking urtheilt, darüber mögen Russen, Franzosen u. s. w. selber mit ihm richten. Wenn er aber unsere Kriegführung im Jahre 1870/71, das Verhalten unserer Soldaten, Sitte und Herkommen und Disziplin in unserem Heere in Vergleich stellt mit dem, was die be­glaubigtsten Nachrichten von der englischen Kriegführung in Südafrika und von dem Gebühren der englischen Soldaten uns melden, meine Herren, dann beruht das entweder auf einer bedenklichen und bedauernswürdigen Unkenntniß, die man bei einem Staatsmann nicht erwarten sollte, oder es ist eine frivole Verunglimpfung unserer Ehre, die wir mit Entschieden- beit zurückweifen müssen, das erfordert unsere national: Pflicht. Meine Herren, keiner von Ihnen denkt daran, daß ich hier den Anwalt des deutschen Heeres machen soll, wir Alle kennen unser Heer, seine militärische Tüchtigkeit, aber auch die Manneszucht, die Gesittung, die Ehrenhaftigkeit, die bei unseren Soldaten Regel sind, und daß es 1870 just so war, weiß die Weltgeschichte. Und bezieht sich Herr Chamberlain mit seiner vergleichenden Andeutung auf unser Verhalten den Franktireurs gegenüber, nun, so ist auch das die ungerechteste, abgeschmackteste Parallele. Wohl waren wir zu scharfen Maß­regeln gezwungen gegen einen Feind, der, ohne die Uniform des Soldaten zu tragen, aus dem Busch, aus dem friedlich scheinenden Bauernhaus auf unsere vorüberreiten- ben Patrouillen, unsere durchziehenden Kommandos schoß. Aus eigenster Erfahrung kann ich Ihnen bestätigen denn das Regiment 27, dem ich anzugehören die Ehre hatte, hatte zwei Monate hindurch ausschließlich den Kleinkrieg gegen Franktireurschaaren in der Normandie zu führen daß die Erbitterung unserer Soldaten außerordentlich groß war. Aber niemals ein Fall von Gewaltthätigkeit oder Ausschreitung, kein Vergreifen an Eigenthum; nur wo Bauern mit bewaffneter Hand und entgegentraten, wo wir uns unserer Haut zu wehren hatten, da griffen wir zu Gegenmaßregeln, da wurden auch unsere Waffen gebraucht. Nein, der deutsche Soldat ist kein Barbar, nicht heute, wo die übel berufenen Hunnenbriefe auS China sich als eitelHirngespinnst oder als böswillige Lüge heraus­stellten, nicht damals, wo der Vorgesetzte wie der Untergebener trotz außergewöhnlicher Anstrengungen und andauernden Ge­fahren nicht die Disziplin und die Ehre seines Standes vergaß.

Sie kennen gewiß Alle das schöne Gemälde Anton von WernersKriegsgefangen". In diesen Tagen waren hübsche Nachbildungen in den Schaufenstern unserer beiden Kunsthand­lungen zu sehen. Im Hintergründe die großartigen Reste der alten römischen Wasserleitung, davor die Dorfstraße von Jouy bei Metz, auf der sich die ergreifendste Szene abspielt: ein gefangener französischer Soldat, dem man den Abschied von den Seinen gestattet hat, umarmt sein junges Weib; die Gruppe umstanden von höheren und niederen preußischen Offizieren, die ihre theilnahmsvollen Blicke auf die Ehegatten richten; daneben ein preußischer Soldat, der der jungen Frau ihren Säugling abgenommen hat und ihn etwas ungeschickt, aber vorsichtig auf den Armen hält; auf der anderen Seite in strammer Haltung ein eine Meldung abstattender Krieger.