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Sette 10

F Zum Schlüsse noch die Miltheilung, daß der Hanauer Ureisobstbauverein am 24. November in Windecken seine Herbstversammlung abhält. Es ist die erste! Wer kommt hin?

Marktbericht.

Hanau, 16. Novbr. (Lebensmittelpreise.) Ge­flügel : Tauben das Pärchen 6080 Pfg.; ein alter Hahn 90 Pfg. bis 1,20 Mk.; ein junger Hahn 60 Pfg. bis 1 Mk.; ein Huhn 80 Pfg. bis 1,10 W.; eine Ente 1,802 Mk.; eine Gans 3,504 Mk.; Gans, gerupft, 6070 Pfg. das V» kg; Fische: gewöhnliche Sorte 30 Pfg., bessere Sorte 35-40 Pfg., Aal 1-1,20 Mk., Hecht 1-1,20 Mk., Darben 60 Pfg., Barsch 6070 Pfg. = V« kg; Ge­müse : Merrettig die Stange 1020 Pfg., Blumenkohl das

Montag

Stitts 2060 Pfg., Kopfsalat das Stück 8 Pfg., Endivien das Stück 510 Pfg., Rettig das Stück 5 Pfg., Ober-Kohlrabi das Stück 56 Pfg., Unter-Kohlrabi das Stück 10 Pfg., Wirsing das Stück 815 Pfg., Weißkraut das Stück 825 Pfg., Rothkraut das Stück 1030 Pfg., Sellerie das Stück 515 Psg., gelbe Rüben das Bund 8 Pfg., Braun­kohl die Portion 1520 Pfg., Rosenkohl das Pfund 30 Pfg., Schwarzwurzeln das Pfund 30 Pfg., Spinat die Portion 1020 Pfg., Schmalzkraut die Portion 1020 Pfg., Kartoffeln das Doppelliter 10 Pfg.; Obst: Trauben 50 Pfg. das 12 kg; Aepfel das Pfund 1525 Pfg., Birnen das Pfund 1525 Pfg.; Nüsse das Hundert 30 Pfg.; Citronen das Stück 810 Pfg.; Verschiedenes: Butter das Pfund 1,151,30 Mk., Käse zwei Stück 9 Pfg., Eier das Stück 510 Pfg., Zwiebeln das Doppelliter 1820 Pfg.,

18. November

Welschkorn das Doppelliter 23 Pfg., Radieschen das 8inbd 510 Pfg., Kastanien das ^ kg 1820 Pfg.; Weizen­mehl 1. Sorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg./s kg.

Hus aller Melt.

Erdbeben. Aus Erzerum wird ein starkes Erdbeben gemeldet. Von 50 Erdstößen waren 10 besonders heftig. Viele Gebäude sind eingestürzt. Nach amtlicher Meldung sind 22 Personen getötet worden. Eine Panik bemächtigte sich der Bevölkerung, welche auf Feldern, in Gärten und unter Zelten wohnt. Militär bivouakirt auf dem Markte. Die Bureaux her Behörden sind geschlossen. Auch in den Städten Chnosykaleh und Hassankaleh fanden starke Erdbeben statt.

Am Montag den 18. November n. c. beginnt die Ergänznngswahl der 3. Klaffe für die Stadtverordneten-Versammlung. Diese Wahl wird entscheiden, ob auch diesmal die Liste der bürger­lichen Partei siegen wird, oder ob die Sitze den parteipolitisch, von einseitigen Klaffenintereffen fanatisch durchsetzten, sowie dem Biirqerthum stets feindlich gegenüber stehenden sozialdemokra­tischen Kandidaten znfallen.

Ein kurzer Rückblick ans die letzten Stadtvorordneten-Sitzungen wird bekun­den, dass mit den bewilligten Nothstandsarbeiten, dem Bau von Arbeiterwohnungen, der neuen Grund- und Gebäudesteuer u. a. die Einrichtungen getroffen worden sind, welche aus­schliesslich nur der III. Wählerklasse zu Gute kommen, an deren Bewilligung die seitherigen Vertreter der III. Klasse rühmlichst Theil nahmen.

Die Stadtverwaltung Hanau hat sozialpolitische Aufgaben erfüllt, wie keine andere Stadt in der gleichen Größe der Monarchie, und es bedarf keiner Sozialdemokraten im Stadtparlament, um die weiter an die Stadt herantretenden sozialen Aufgaben zu erfüllen

Die vorgeschlagenen bürgerlichen Kandidaten bieten daher sicherste Gewähr, daß sie den Willen und die Befähigung besitzen, die Interessen der III. Wâhlrrklaffe, das Gemeinwohl und das Allge meininteresse zu vertreten und damit zum Besten unserer lieben Vaterstadt zu wirken

Es ist daher Pflicht eines jeden Bürgers, auch diesmal sein Stimmrecht auszuüben, denn ein Erfolg der Bürger-Partei ist nur dann möglich, wenn alle Mitbürger vollzählig an der Urne erscheinen unter Beiseitelassung jeder persönlichen Voreingenommenheit.

Mitbürger, wir können uns nicht denken, daß Ihr durch etwaige Stimmenthaltung Männern zum Siege verhelfen wollt, deren persönlicher Ehrgeiz nur darin besteht, eine Rolle zu spielen, welche aber nicht das geringste Interesse an dem Wohlergehen, an der gedeihlichen Fortentwickelung und an einer weislichen Sparsamkeit an der Finanzkraft unserer Vaterstadt besitzen.

Ein Mick auf die Forderungen, welche die Sosialdemokraten in ihrem 2Bahlprogramm an die Stadt stellen, wird Such Kleingewerbetreibenden, Kauf­leuten, Arbeitern, Beamten etc. begonnen, daß eine große '.Belastung durch neue Steuern droht und welche unausbleiblich ist.

Darum auf zur Wasil, wählt gut bewährte IBärger der Stadt, die Herren

Fr. Baader, A. Kock, Fr. Körner, K. Wolf.

genöthigt, 200 Bach Tscha, d. h. Papierpackete mit Thee als ein Geschenk an den Zaren miizunehmen, ein sehr unnützes und unpreiswürdiges Geschenk, wie sie meinten. So fand der Thee zunächst in Moskan Eingang, und es ist ja bekannt, welcher Verbreitung er sich im Zarenreiche bis zum heutigen Tage erfreut. England kommt in dieser Reihe erst etwas später heran. Als die ostindische Kompagnie 1664 dem Könige 2 Pfund Thee zum Geschenk machte, da galt das als eine große Seltenheit. Einige Jahre später wurden 100 Pfund Thee in England importirt und seit 1675 etwa begann allmählich der Aufschwung des Theeverbrauches in England. Heute ist Großbritannien das Land, in dem der Theeverbrauch bei Weitem die größte Höhe unter allen europäischen Ländern erreicht hat. Auf den Kopf der Bevölkerung kamen im Jahre 1895 in Großbritannien und Irland jährlich 2573 Gramm Thee, während die Niederländer nur 610, der Russe nur etwa 400 Gramm Thee im Jahre verbrauchte. ''Bei uns kamen in demselben Zeitpunkt nur 54 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung, was allerdings eine Steigerung des Thee­konsums bedeutet, da in den Jahren 18801884 der durch­schnittliche Jahresverbrauch des Deutschen an Thee nur 30 Gramm betragen hat.

Versuchen wir nun einen flüchtigen Blick auf die Lebens­geschichte unseres Thees zu werfen. Da müssen wir uns denn zunächst in das Gebiet des Jangtsekiang versetzen und uns einen schönen Frühlingstag vorstellen, der im Chinesenlande mit Sonnenglanz, Vogelsang und fröhlich blühender Natur ebenso wonnig ist wie bei uns. In dieser Zeit sehen wir an den hagedornartigen Theesträuchern Männer, Frauen und Kin­der eifrig mit der Ernte der Theeblätter beschäftigt. Dies ist die erste Ernte; der voll entwickelte, d. h. 6 Jahre alte Theestrauch liefert mehr als 10 Jahre lang 24 Ernten im Jahre, aber die erste Ernte ist die beste. In der Frühlingszeit sind die Blätter fleischiger und wohlriechender als später ; nur die Blätter werden geerntet, die Blüthen selbst kommen, obwohl wir von Blüthenthee" sprechen, zur Theebereitung nie zur Verwen­

dung. Es ist diese Theeernte ein höchst anstrengendes Ge­schäft, da sie nur bei schönem Wetter stattfinden kann, und daher sind die Arbeiter und Arbeiterinnen in dieser Zeit mit Ausnahme weniger Stunden, die sie zur Nachtruhe bedürfen, unausgesetzt thätig.

Mit dem Thee ist es aber wie mit dem Tabak: noch ge­hört eine ganze Reihe verwickelter Operationen dazu, um ihn zu entwickeln. Die Blätter werden .sortirt, auf luftigen Bam­busgeflechten erweicht und dann gerollt. Das Rollen der Blätter heißt chinesisch kung-fu und daraus ist der Name Kongothee entstanden. Nun werden die Blätter in Säckchen gestopft und durch Kneten wird ihnen ein Theil dcs Saftes entpreßt. So kommt der Thee gewöhnlich in die Hongs, die Waarenhäuser der großen Händler, und hier folgt erst die schwierige Prozedur des Erhitzens, Rollens und Trocknens der Blätter, die so lange wiederholt wird, bis sie vollständig gedörrt sind. Der weniger gebrannte Thee ist der grüne, der andere der schwarze. Das große Zentrum des Theehandels ist Hankau am Jangtsekiang, jene Stadt, die jetzt auch von der deutschen Dampfschifffahrt erreicht wird. Hier herrscht im Frühjahr, in der Zeit der besten Ernte, ein geradezu fieber­haftes Leben. Dann strömen hier aus den Theedistrikten, von Kulis, von Maulthieren, Dschunken, Booten und Dampfern befördert, ungezählte Mengen Thee aus den Theedistrikten zu­sammen ; es kommen die Theehändler aus aller Welt, die Handelsherren, die Agenten, die Spekulanten und last bot not least die Tscharsiehs. Das sind die Thee­koster, und von ihrem Urtheile hängen oft gewaltige Summen ab. Ihre Arbeit kann mit der der Weinprüfer bei den großen Auktionen am Rheine verglichen werden. Wir geben hier einen vortrefflichen Schilderer des himmlischen Reiches das Wort.Taujende von Kisten werden der Reihe nach von fünfen Kulis geöffnet, die Farbe und Qualität der Blätter ge­prüft. Dann wird jeder Kiste eine Probe entnommen, aus welcher in kleinen Schälchen Thee bereitet wird. Während draußen die Kulis lärmen und schreien, sich stoßen und

drängen, Kisten öffnen und vernageln, geht es in den däm­merigen Prüfungsräumen still und feierlich her. Mit der­selben Genauigkeit, mit welcher die Apotheker bei der Mischung von giftigen Arzneien verfahren, werden die einzelnen Proben abgewogen, die Schälchen gereinigt, das Kochen des Wissers und die Dauer des Ziehens auf Sekunden nach Sanduhren beobachtet, dann schlürft der Tscharsieh einen Schluck durch die Zähne in den Mund und nach diesem einzigen Schluck fällt die Entscheidung. Ein Zögern, Nachdenken, nochmaliges Prüfen ist nicht gestattet. Nun prüft ein Tscharsieh mitunter 150200 Theesorten an einem Morgen, und man kann sich denken, welche große Verantwortlichkeit auf dem heiklen Gaumen dieser Theekoster ruht."

Wir wollen zum Schluffe noch einige kurze Bemerkungen über die bekanntesten, bei uns in Handel kommenden Sorten machen. Unter den schwarzen Thees ist der feinste der Pekko oder Blüthenthee, ein Thee erster Ernte, der einen starken veilchen- oder auch heuartigen Geruch hat und dessen Aufguß strohgelb ist. Eine vorzügliche Sorte ist auch der Souchong- Thee mit jungen, vollkommen saftigen und gut geroßte« Blättern, deren Geruch in den allerfeinsten Sorten schwach an Zitronen erinnert, sonst etwas rauchig ober theerig ist. Unter den grünen Thees ist bei uns der Perlthee recht bekannt. Dies sind die zartesten Blätter der zweiten Ernte, der Aufguß ist grüngelb und hat einen angenehmen milden Geschmack und Geruch. Die Krone des grünen Thees bildet der Kaiserthee oder die Theeblüthe, die zartesten Blätter der ersten Einsamm­lung, die nicht gerollt, sondern nur zusammengedreht sind und einen angenehmen balsamischen Geruch haben. Aber diese Sorte kommt fast niemals echt zu uns, sondern geht fast ausschließlich in die Hand der kaiserlichen Familie nnd der Großen des chinesischen Reiches.