Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für $1# md AMms Sw
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Für Stadt-
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und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf-
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Bcrantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 263 Bezirks Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag den 9. November
Bezirks-Ferns-rechanschluß Nr. 98. 1901
Amtliches.
Landkreis hanau.
BekanlitmachuiWn des Köniql. Landrathsamtes
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 1. d. Mts., J. St. 3785, in Nr. 257 des „Hanauer Anzeiger" und unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikes 38 Nr. 2 und 4 der Ausführungs-Anweisung vom 6. 7. 00 zum Einkommen- und Erqänzungssieuergesetz mache ich die Herren Bürgermeister und Gulsvorsteher darauf aufmerksam, daß in die neue Staatssteuerlifte alle nach § 18 und 19 des Gesetzes freizustellenden Pflichtigen aufzunehmen sind und daß die Besteuerungsmerkmale dieser in die Liste aufgenommenen Pflichtigen sich in Uebereinstimmung mit den Einträgen im Per- sonenverzeichnitz bezw. Gemeindesteuerliste be- finden müssen. Es haben sich im vorigen Jahre verschiedentlich Differenzen in den Einträgen der gen. Listen gezeigt. Ferner haben der Statistik wegen in der Staatssteuerliste alle Pflichtigen zu erscheinen, welche ein Einkommen von unter 900 Mark haben, denen aber ein Vermögen von über 6000 Mark anzurechnen ist (siehe Spalte 12 und 12a des Personenverzeichnisses für 1901).
Im vergangenen Jahre sind von einigen Bürgermeistern die zur Gemeindesteuer heranzuziehenden Ausmärker im Personenverzeichniß bezw. in der Gemeindesteuerliste aufgeführt und zur fingirten Steuer veranlagt worden. Derartige Gemeindesteuerpflichtige gehören nicht in das Personenverzeichniß, sie sind in einer besonderen Liste zur Besteuerung zu bringen.
4. Mittheilungen des Herrn Domänenpächters Dröge- Gronauerhof über Verschiedenes.
A n m e r k u n g:
In der Sitzung werden die von dem Verein beschafften Spiritus-Glühlichtlampen zur Ansicht aufgestellt und sodann an die Mitglieder meistbietend versteigert werden.
Auch wird Herr Domänenpächter Dröge einen Stamm
Peking-Enten vorstellen.
Der Vorstand
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins wiederholt in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt zu machen.
Hanau den 9. November 1901.
L 122
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Herrenschirm (Nadelschirm). 1 Damenschirm mit langem weißen Griff. 1 kleiner Mülleimer. 1 kleiner Holzkrahnen. 1 blaue Kappe mit großem blauen Schild.
Zugelaufen: 1 grauschieberiges Huhn.
Vom Wasenmeister am 8. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Foxterrier mit rothen Abzeichen. 1 schwarzer Bastard mit weißer Brust, beide m. Geschl.
Hanau den 9. November 1901.
Hanau den 9. November 1901.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
J.St.39/43 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Hue Stadt und Cand
Hanau, 9. November.
* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats wurden im hiesigen Schlachthause ge-
Oktober 1901 schlachtet:
113 Ochsen, mehr
LanWirthschaftlicher
163 Kühe, „
70 Rinder, „
gegen if
if
den Monat Oktbr. 1900 11
Gesammt - Accis - Einnahme im Monat Oktober 1900 . . ' .
Mthin mehr gegen den Monat Oktober 1900 ....... Accis - Einnahme vom 1. April 1901 bis 31.
Oktober 1901 .
Accis - Einnahme vom 1. April 1900 bis 31.
Oktber 1900 .....
Mk.
5777.45
Mk. 419.86.
Mk. 37 698.24
„ 36 195.79
Nächste Versammlung Samstag den 16. Novbr. er., nachmittags 21/» Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen dahier, Vorstadt Nr. 1.
Tages-Ordnung :
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Wahl eines Sekretärs für den Verein.
3. Vortrag des Herrn Direktors A. Wagner von Gelnhausen über „Düngung der Wiesen".
1031 Schweine, weniger „
465 Kälber, mehr „
359 Hämmel, „ „ — Ziegen, weniger „
Die Accis-Einnahme hiervon beträgt .
An eingeführten Fleischmaaren rc. wurden versteuert: 34 797 Kilogramm, mehr gegen den Monat Oktbr. 1900: 7102 Kilogramm.
Hiervon die Accis-Einnahme mit . .
„ if if if n ft Mk.'
Mk.
Summa Mk.
27
5
96
102
67
3
Stück
u tf
II tf if ff
5086.90
1110.41
6197.31
Mithin mehr gegen die gleiche Zeit des
Vorjahres . . . . . Mk. 1502.45.
* Vorstellung. Die dahier beim Infanterieregiment gebildete Lehrerkompagnie hatte heute auf dem Exerzierplätze Vorstellung.
* Handelsgewerbe. Für alle Zweige des stehenden Handelsgewerbes in der Stadt Hanau ist morgen Sonntag eine vermehrte Beschäftigungszeit, und zwar bis 7 Uhr abends, zugelassen. Die gewerbliche Thätigkeit wird hiervon nicht berührt, u. A. ist es z. B. nicht statthaft, daß die Barbier- und Friseurgesckäfte einer verlängerten Geschäftszeit obliegen.
* Staatsanwaltschaft. Der Staatsanwaltschaftsrath Lehmann vom Landgericht in Breslau ist zum Ersten Staatsanwalt in Hanau ernannt worden.
* Außerordentliche Prüfung der Quittungs- karten. Sicherem Vernehmen nach findet in den nächsten Tagen in hiesiger Stadt eine außerordentliche Prüfung der Quittungskarten statt, welche von Bureaubeamten der Landes- Versicherungsanstalt Hessen-Nassau ausgeführt werden wird. Für Arbeitgeber, welche mit der Verwendung der fälligen Beitragsmarken noch im Rückstände sind, empfiehlt es sich daher, zur Vermeidung von Strafen und Weiterungen alsbald das Versäumte nachzuholen. Auch empfehlen wir, die Quittungskarten in der nächsten Zeit bereit zu halten, damit dieselben auch bei etwaiger Abwesenheit des Arbeitgebers oder Versicherten von den Angehörigen und Beauftragten dem Kontrol- beamten alsbald vorgelegt und dadurch öftere Störungen und Zeitverluste für beide Theile vermieden werden können.
* Für Steuerpflichtige. Wir machen zur Vermeidung zeitraubender Gänge darauf aufmerksam, daß die städtische S t eu erka ss e sich Neustädter Markt 16, Zimmer 6 und 7, zu ebener Erde, befindet.
* Umrechnung der Gütertarife für die Bahnhöfe Frankfurt und Hanau. Die Frankfurter Handelskammer hatte, unterstützt von der hiesigen Kammer, an den Minister der öffentlichen Arbeiten am 26. Januar wegen Umrechnung der Gütertarife für die Bahnhöfe Frankfurt a. M. und Hanau eine Eingabe gerichtet, die aber mit der Begründung abgelehnt wurde, daß „an dem Grundsatz, die Gütertarife nach Maßgabe der Entfernungen zu berechnen, auch im vorliegenden Fall festgehalten werden müsse. Ein allgemein
pruMeton
Stadt-Theater in Hanau.
HZuau, 9. Novbr.
,D i e Z e ch e". — „Abu Sei d". — „English s p o k e n".
Unsere Theaterleitung zeigt gegenwärtig in der Herausbringung von Neuheiten eine Rührigkeit, welche die wärmste Anerkennung verdient. Den interessanten Novitäten-Abenden der jüngsten Zeit hat sie bereits gellern einen weiteren folgen lassen, an welchem dramatische Kleinkunst zu Wort gelangte und der sich gleich den vorhergehenden der beifälligsten Aufnahme erfreute. Ludwig Fuldas einaktiges Schauspiel „Die Zeche" eröffnete den Abend. Man hatte Fuldas Kunst in der eleganten graziösen Dialogführung erst vergangene Woche bei der Ausführung seiner „Jugendfreunde" wieder zu bewundern Gelegenheit gehabt, worin er das so oft verbrauchte Thema von dem bekehrten Weiberfeind mit einem so frischen, gefälligen und übermüthigen Humor neu herausputzte, daß man seine helle Freude daran haben konnte. Gestern fam es etwas ernster, aber zwischen den ernsten Dingen,die das kleine brillante Schauspiel zu erzählen wußte, sah doch der Schalk heraus. Führte der fein pointirle Dialog und die hübsch ersonnene Handlung das kleine Werk zum Siege, so hat Oskar Llumeu-
rhal, der als Zweiter des Abends zum Worte gelangte, in feinem neuen einaktigen Lustspiel „Abu Seid" cs mit noch weiteren künstlerischen Miueln verstanden, den Erfolg an sein kleines Bühnenwerk zu ketten. Er hat der gefälligen Handlung feines Lnstsviels ein hübsches Versgewand mit auf den Weg gege en und dem Klingklang des Reimes auch noch die Macht der fremdländischen Kostüme beigesellt, denn die Handlung dieses kleinen Stückchens führt uns in das Wunderland des Orients, in die Heimath der Märchen auS „Tausend und eine Nacht". Abu Seid, der wandernde Sangesknndige, hält Einkehr in das Haus des Ibrahim, eines wohlhabenden Teppichwirkers. Er findet hier in Fatme, der Tochter Ibrahims, und in dem jungen Poeten Jussuf zwei Liebesleute, zu deren Vereinigung der Alte seine Einwilligung nicht geben will. Ein Teppich, dessen emgewirkte Zeichen die Schriftgelehrten nicht zu deuten vermögen, gibt Abu Seid Gelegenheit, pine List und seiner Worte Gewalt an Ibrahim zu erproben, den er mit dem Hinweis auf das dunkle Jenseits von seiner Habgier bekehrt und die Verbindung der beiden Liebenden herbeiführt. Mit der Erinnerung au eine gute That reicher, kann Abu Seid roiebev sein geliebtes Wanderleben antreten. DaS letzte Stückchen des Abends, der einaktige Schwank „English s p o k e n", führt uns etwas tiefer
den Niederungen der dramatischen Kunst zu, wo es heißt „Lachen um jeden Preis", und diesen einzigen Zweck hat die kleine Posse auch erreicht. Die Handlung führt in ein kleines Hotel in Paris und den Anlaß zu einer Reihe komischer Szenen gibt die Abwesenheit des Dolmetschers, der einen Vertreter geschickt, der überhaupt keiner fremden Sprache mächtig ist. Aus dieser Unmöglichkeit entsteht nun das komische Unheil, das harmlose Zuschauer eine kurze Zeit zu unterhalten im Stande ist. Die Aufführung der drei Stückchen, für deren Regie für das erste und letzte Herr Möbius und das mittlere Herr Schwarz verantwortlich zeichnete, war eine recht befriedigende. Herr Möbius ward dem alternden Lebemann Freiherrn v. Reigersdorf im ersten Stück in recht charakteristischer Weise gerecht und Frl..Brandow gab die Agathe Dorn mit feinem Takte und gut pointirter Sprechweise wieder. Herr K r o n als Badearzt fügte sich dem kleinen Ensemble gut ein. Der Weisheit des „Abu Seid" und bent feinen Humor, der in der Rolle geborgen, ward die Wiedergabe der Rolle durch Herrn Lindenlaub in recht zufriedenstellender Weise gerecht; auch die übrigen Mitwirkenden, besonders Frl. Leoni als Fatme, boten recht Anerkennensiverthes. In dem letzten Schwanke zeichneten sich durch flottes Spiel Frl. G y p e n als Betttz, Herr Schwarz als Eugène, Herr Möbius als John Hayson und Herr Kron als Julien Cicandel aus.
Kunst und Leben.
Znm medizinischen Stndènm der Realgymnasial- Abiturienten hat der Bundesrath beschlossen, die Zulassung derjenigen Realgymnasial-Abiturienten, welche ihr medizinisches Studium vor dem 1. Oktober er. begonnen haben, zur Ablegung der ärztlichen Prüfungen nach den bisherigen Vorschriften nicht von der Ergänzung des Reifezeugnisses durch eine Nachprüfung im Lateinischen und Griechischen abhängig
zu machen.
Sechs Gemälde von Hans Makart, und zwar ein großes Deckengemälde und „Die fünf Sinne", die durch ideale Frauengestalten verkörpert sind, hat der österreichische Unterrichtsminister Hartel für die neu zu gründende Staats- gallerie angekauft. Die Bilder befanden sich bisher im Besitz des Kunsthändlers Miethke.
Ein Protest gegen Björnsons Drama „Paul Lange." Aus Kopenhagen wird dem „Berl. Lok.-Anz." telegraphirt: Die Familie des früheren norwegischen Ministers
Die heutige Nummer umfaßt außer dem UnterhalLuugsblatL 14 Seiten
Sverdrup und die ehemaligen Kollegen beabsichtigen gegen die Schilderung, die Björnson im Drama „Paul Lange und Thora Parsberg" von Sverdrup gegeben, einen geharnischten Protest zu veröffentlichen.
Hans Pfitzners neues Musik-Drama. „Die Rose vom Liebesgarten" gelangt am 9. d. Mts. in Elberfeld zur ersten Aufführung. Der Komponist ist schon in Elberfeld, um die Proben und die erste Darstellung seiner Oper selbst zu leiten.
Muskelstärkung durch Ermüdung. Der Berner Physiologe Kronecker glaubte die Beobachtung gemacht zu haben, daß die Ermüdung einzelner Muskelgruppen einen stärkenden Einfluß auf andere Muskelgruppen ausübe. Die Frage erschien ihm interessant genug, sie eitler genauen Prüfung zu unterziehen. Er veranlaßte, daß eine Anzahl gesunder, kräftiger Personen Bergbesteigungen von verschieden bemessener Dauer ausführten, wonach die Leistungsfähigkeit der Arm- muskeln dieser selben Personen daraufhin untersucht wurde, ob sie im Vergleich zu dem Bestand vor der Bergbesteigung zu- oder abgenommen hätte. Es ergaben sich in der That be- merkenswerthe Einflüsse der Beinthätigkeit auf die Kraft der Arme. Schon eine Besteigung eines 300 Meter hohen Berges, die 25 bis 40 Minuten dauerte, steigerte die Muskelkraft des Armes ein wenig. Besteigungen, die zwei Stunden dauerten, ließen eine deutliche und beträchtliche Kraftsteigerung des Vorderarmbeugers erkennen. Wurde die Bergbesteigung bis zur völligen Ermüdung fortgesetzt, dauerte sie also 10 bis 14 Stunden, so nahm die Muskelkraft der Arme für 2 bis 3 Tage ab, am vierten Tage jedoch hatte sie stark zugenommen. Man wird nach diesen Ergebnissen also die Bergbesteigungen als allgemein innskelstärkend und nicht bloß die Beine kräftigend noch mehr als bisher empfehlen müssen.
Entschuldigung. Frau: „Lege doch endlich 'mal die Zeitung aus der Hand. Die Zeitung scheint Dir mehr Unterhaltung zu bieten wie ich." — Mpnn: „Kindchen, ich lese ja auch die Unterhaltungsbeilage."