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Montag

4. November

Freien beobachtet werden. Am klebrigen hat der als trüb- seligster Monat verschrieene November ganz gut angefangen. Er brachte bis jetzt einige sonnenhelle schöne Tage, die nach den letzten Nebeltagen des Oktober doppelt willkommen sind. Hoffen wir, daß der angemeldete Winter seinen endgiltigen Einzug noch etwas verschiebt.

* BorLräge im evangelische» Bereinshause. Auch in diesem Winter finden wieder Vorträge im evangelischen Vereinshause statt. Den ersten derselben hat Herr Pastor Cremer aus Berlin freundlichst übernommen für Montag oen 11. November. Derselbe wird über die Bedeutung der evangelischen Frauenhilfe berichten, die von Ihrer Majestät unserer K a i s e r i n ins Leben gerufen wurde und schon in vielen evangelischen Gemeinden in Stadt und Land ibre segensreiche Thätigkeit entfaltet hat.

* Siadtthealer. (Wochen-Spielplan.) Mitt­woch : Madame Sans-Göne. Freitag: D i e Zeche, Schauspiel in 1 Akt von Fulda; Abu Said, Lustspiel in 1 Akt von Blumenthal; English spoken, Schwank in 1 Akt von Bernard. Sonntag: Gastspiel Rodins. Wil­helm Tell, Schauspiel von Fr. v. Schiller.

K Generalversammlung. Das Komitee zur Unterstützung der für ambulante Krankenpflege bestimmten barmherzigen Schwestern hierselbst hielt am 30» Oktober seine alljährlich statlfindende Generalversamm­lung im Gasthaus „zum goldenen Löwen" ab. Die von den beiden Revisoren Herren Sommer und Weis müll er ge­prüfte Jahresrechnung wurde für richtig befunden und dem Kassirer Herrn I. A. Klais durch den Vorsitzenden Herrn Linn Decharge ertheilt. Die Rechnung wies eine Einnahme von 1406.50 Mk. und eine Ausgabe von 1500 Mk., mithin eine Ueberzahlung von 93,50 Mk. auf. Hierauf wurde in längerer Debatte berathen, in welcher Weise man den Schwestern, die in den nächsten Tagen ein neues Heim, Frankfurterstraße Nr. 33, beziehen, aus Anlaß der dadurch entstandenen Kosten eine besondere Zuwendung machen könne. Nachdem man be­schlossen hatte, zu helfen und eine diesbezügliche Resolution gefaßt war, sprach der Vorsitzende dem Kassirer Herrn I. A. Klais sowie dem Schriftführer Herrn Heinrich Klais, auch allen Wohlthätern den geziemenden Dank aus. Bei der am Schluffe der Versammlung vorgenommenen Vorstandswahl wurde der alte Vorstand mit großer Majorität wieder gewählt. — Aus Anlaß dieser Versammlung möchten wir das schöne Werk, welches durch diesen Verein gefördert wird, allen edlen Menschenfreunden dringend empfehlen, widmen ja doch die barmherzigen Schwestern ihre Dienste allen Armen und Kranken, ohne Unterschied der Konfession. In der Zeit vom 1. Oktober 1900 bis dahin 1901 wurden von ibnen im Ganzen 146 Kranke verpflegt und zwar in 349 Tagespflegen, 364 Stunden- Psiegen und 657 Nachtwachen. Nur die Hälfte dieser Pfleg­linge waren Katholiken. Wie bereits oben erwähnt, beziehen die Schwestern in den nächsten Tagen ein neues Heim. Wie wir hören, soll die Zahl derselben vermehrt werden. Ihre Thätigkeit kann sich dann noch besser entfalten, es wachsen aber auch die Kosten des Unterhaltes. Möge man sie daher in ihrem neuen schöneren Heim nicht vergessen, sondern gerne zu ihrer Unterstützung beitragen, damit sie um so thatkräftiger sich ihren Liebeswerken widmen können.

* Dieustjubiläum. Der Verwalter der ständischen Leihbank damer, Herr Krück, feiert heute sein 25jäbriqes Dienstjubiläum. Der geschätzte Jubilar war bekanntlich früher Landesrentmeister in Schlüchiern, kam dann vor einigen Jahren als Leihbankverwalter nach Hanau, woselbst 'ihm dann vor nicht langer Zeit auch noch die Geschäfte der Landesrenterei übertragen wurden.

* Wechsel in hiesigen Wirthschaften. Dem Ver- nebmen nach übernimmt der bisherige Wirth im „Thüringer Hof", Herr Siegwols, demnächst die Kaiser'scke Wirthschaft in der Dechaneistraße.

Sohn die Macht des Glaubens zu fühlen beginnt, kam von Herrn Rinkel gut zur Wiedergabe. Die weiteren Rollen waren ebenfalls dazu angethan, Befriedigung zu erwecken. Alle Darsteller wurden bei den Aktschlüssen durch stürmischen Beifall ausgezeichnet, Herrn Robius wurde eine mächtige Kranzspende zu theil. Dank verdient auch die Theaterleitung für die Vermittelung dieses eigenartigen Bühnenwerkes.

Kunst und Leben.

St. Franks-rt a. M., 3. Novbr. „ton Seid« ist der Titel eines dramatischen Einakters von Blumenthal, welcher gestern erstmals bei uns gegeben wurde und vollen Anklang fand. Das Stück bahrt auf eiset morgenländischen Fabel: Faune, das Kind des geizigen Ibrahim, liebt den Poeten Jussuf, darf aber diesen armen Teufel nicht heirathen. Da kommt Abu Seid ein bettelnder Derwisch ins Haus, er erkennt die Lage und durch Deutung eines Traumes, daß Allah nicht die Anhäufung von Schätzen, sondern gute Thaten für die Auf­nahme ins Paradies verlange, ertheilt der alte Geizhals dem liebenden Pärchen die Erlaubniß zur Heiratb. Daß der Ein­akter einschlug, ist schon oben erwähnt, daß er brav gespielt wurde, ist noch zuzusttzen. — Fräulein Maximiliane Staedler aus München veranstaltet Dienstag den 12. November eine Rezitation (moderner Abend).

Ehen zwischen Japarreru nnb Europäerinnen gehören trotz der regen Beziehungen zwischen Beiden immer noch zu Seltenheiten. Einzelnen europäischen Damen gelingt es jedoch mitunter Japaner, die sich ihrer Studien wegen in Europa aufhalten, so zu fesseln, daß sie als Frauen den Ost- asiaien in ihre Heimath nachfolgen. Ein derartiger Fall wird wieder aus Japan gemeldet. Professor Dr. med. Kazuta Kishi zeigt seine Vermählung mit Selma Kishi, geb. Streicher, an. Die Anzeige ist datirt: „Japan-Preußen, den 12. Okt. 1901." Professor Kishi hat in Halle und Berlin medizinische Studien getrieben. Seine Auserwählte ist eine 48jährige Wittwe aus Schöneberg. Professor Kishi hatte bei Frau Streicher in Halle als „möblirier Herr" gewohnt.

* „Scharfes Eck." Die Gesellschaft „Scharfes Eck", deren Festlichkeiten sich bereits seit einer Reihe von Jahren einer allgemeinen Beliebtheit erfreuen, erzielte mit ihrem am Samstag Abend in den Sälen der „Centralballe" abgehaltenen 30. Stiftungsfeste abermals einen schönen Erfolg. Ein präch­tiger Kranz von Damen, wie überhaupt ein gut besetzter Saal bildeten den geeigneten Rahmen für die Vorführungen des Programms, das, wie der Herr Vorsitzende in seiner Be- grüßungsansprache ausführte, dank des Zuwachses der Gesillschaft, namentlich an jüngeren thatkräftigen Mitgliedern, eine große Mannigfaltigkeit aufzuweisen vermochte. Nach einigen cin- leitenden Musikstücken der Ulanenkapelle zeigte es sich bei der nun folgenden Abwicklung des Programms, daß in der That der feftgebenbe Verein alle Ursache hat, auf die Leistungen seiner Mitglieder, die doch nicht den Anspruch darstellender und ausübender Künstler für sich in Anspruch nehmen wollen, mit Genuathuung zu blicken. Als gewandter Humorist zeigte sich Herr Beller, der dann auch in Gemeinschaft mit Herrn Körner in einem Duett auftrat. Als Glanzpunkt des Abends sigurirte auf dem Programm das einaktige Lustspiel: „Einer muß heirathen", das in recht flotter Weise zur Dar­stellung gelangte« Die Damen Frl. Gertenbach und Frl. K i s s e l st e i n , wie auch die beiden Herren Körner hatten sich für die gute Herausbringung des lustigen Einakters recht ver­dient gemacht. Hieran reihten sich weiter Musikvorträge der Ulanenkapelle, ein „Anekdoten-Couplet", ein komisches Sing­spiel „Die verrathenen Liebhaber", während zürn Abschluß der Vorführungen auf der Bühne die lustige Hundegeschichte „Plisch und Plum" in Lichtbildern vorgeführt wurde, was sicherlich als eine recht eigenartige und glückliche Idee dem Arrangeur alle Ehre machte. Als dann das Zeichen zum Beginn der Polonaise gegeben wurde, fand man, daß sich in der Zahl der Besucher der Veranstaltung noch keine großen Lücken ergeben hatten, vielmehr Alt und Jung die Absicht hegten, auszuhalten. Uneingeschränkt konnte nun die Göttin des Tanzes ihr Szepter schwingen, selbst die verkündete Trauerbotschaft, daß nach einem eingelaufenen Telegramm 23 Buren gefangen genommen worden seien, vermochte an diesem Abend die Festesstimmung nicht zu stören, ein sicherer Beweis, daß die Arrangements der den Frohsinn und die Geselligkeit pflegenden Gesellschaft „Scharfes Eck" den vollen Beifall aller Anwe'mden gefunden hatten.

* Das neue Mrrforgeerziehmrgsgefeh hat bisher recht erfreuliche Wirkung ausgeübt. Nach einer auf der kürz­lich zu Gotha abgebaltenen 6. Rettungshauskonferenz bekannt gegebenen 'Statistik sind in Preußen seit dem 1. April bereits weit über 2000 Minderjährige der Fürsorgeerziehung über­wiesen, während nach 11/zjâhrigem Bestehen des alten Zwangserziehungsgesetzes vom 13. März 1878 erst 612 Kinder zur Zwangserziehung verurtheilt waren. Von diesen rund 2000 zur Fürsorgeerziehung Ueberwiesenen sind ca. 200 unter 6 Jahren und ca. 1500 schulpflichtig; etwa 500 sind schon aus der Schule entlassen. Auf die Provinz Branden­burg (ohne Berlin) entfallen von der Gesammtzahl der Ueber­wiesenen rund 400. — Um den Segen des Gesetzes allen Gefährdeten und Verwahrlosten zu Gute kommen zu lassen, bedarf es nach wie vor der hingebenden treuen Arbeit aller wahren Volksfreunde!

0 Ein hochinteressanter Mschereiprozetz gelangte dieser Tage vor der Großherzoglichen Civitkammer II des Landgerichts in Darmstadt zum Abschluß. Der Thatbestand ergibt sich aus Nachstehendem: Die schon seit undenklichen Zeiten in Seligenstadt bestehende Fischerzunst klagte schon im Jahre 1883 gegen die mainabwärts liegenden Gemeinden Hainstadt rc. wegen widerrechtlicher Verpachtung der Main- sifcherei und erzielte damals ein obsiegendes Gerichtsurteil, nachdem sie den urkundlichen Nachweis erbrachte, daß sie sich kraft eines ihr schon im 15. Jahrhundert vom Mainzer Erz­bischof und Kurfürsten verliehenen Privelegiums einer unbe­lasteten Gerechtsame erfreue. Im Jahre 1891 suchten preußische Mainufergemeinden der Fischerzunft diese Gerechtsame streitig zu machen, wurden aber auf Grund der erwähnten Kur- mainzischen Urkunde vom 18. September 1894 vom Schöffen­gerichte zu Hanau unter Anerkennung der sischerzünfligen Rechte abgewiesen. Ende 1900 belamen nun die unterhalb Groß-Steinheim gelegenen hessischen Mainuflrgemeinden aber­mals Verpacktunasgclüstc. In einer vor mehreren Monaten zu Grotz-Steinkeim von der Offenbacher Verwaltungsbehörde anberaumten Bürgermeisterversammlunq warnte Herr Rechts­anwalt Dr. E. E. Hoffmann aus Darmstadt, der in den vorerwähnten Prozessen die Seligenstädier Fischerzunst ver­treten hatte, die Gemeinden vor der beabsichtigten Fischerei- verpachtung zum Nachtheile der mit ihren Kolleginnen zu Seligenstadt und Aschaffenburg gleichberechtigten Fischerzunft zu Groß-Steinheim. Nichtsdestoweniger erhoben die Gemeinden Mühlheim und Bürgel gegen die Groß-Sleinheimer Fischer­zunft gerichtliche Klage wegen vermeintlich unbefugter Fi'chcrei- ausübung und betrauten Herrn Rechtsanwalt v. Brentano aus Offmbach mit der Wahrnehmung ihrer Interesse. Die ICwilkammer II zu Darmstadt verkündete am letzten Donnerstag das Urtheil, wonach die beiden Gemeinden Mühlheim nnd Bürgel abgewiesen und zu den Kosten des Verfahrens und zur Schadloshaltung der durch Herrn Rechtsanwalt Dr. E. E. Hoffmann vertretenen Fischerzunft von Groß-Steinheim ver- m theilt wurden. Der Aschaffenburger reip. Seligenstädter Fischerzunft steht somit nach wie vor das urkundlich verbrieste und unbelastete Recht der alleinigen Fischereiausübung auf dem Main zu und zwar vom „Blutsgraben" oberhalb Elsenfeld resp, von der „Großdrücke" bis Groß-Steinheim mit Blei- garn und von da bis nach Frankfurt a. M. mit „fliegendem" Garn. Dagegen ist die Fischerzunst von Groß-Steinheim be­fugt, die Fischerei von der Kahlmündung an bis hinab nach Frankfurt mit beliebigem Garn auszuüben. Umgekehrt be'chritt die genannte Fischerzunft den Klageweg gegen die Gemeinden Mühlheim und Bürgel wegen unberechtigter Fischereiverpachtung.

* HessenlarrÄ. Inhalt der Nummer 21 des „Hessen­land" : Ketter - Kellner, Th., „Drei späte Rosen"; Müller, Gustav Adolf, „Sterben"; Sascha Elfa, „Goldner Tag" (Ge­dichte). — Schröder, Edward. „Dem Andenken Ludwig Bickell's" (Grabrede, mit Bildniß) — Wintzer, Dr. Eduard.

„Die Marburger Familie zum Schwan um die Zeit der Reformation" (Fortsetzung). — -a- „Casseler Kunst auf her Gemälde-Ausstellung im Meßhause". — Schwalm, Joh. Hein­rich. „De Kuckusgengder" (Gedicht in Schwälmer Mundart). Winter, Heinrich. „Der Hannes in der Schtohd" (Gedicht in niederhessischer Mundart"). — Eckensteen, M. von. „Mel- Ghir". (Ein Erinnerungsblalt). — Aus alter und neuer Zeit. — Aus Heimath und Fremde. — Hessische Bücherschau.

— Personalien. — Briefkasten.

Hus stab und fern.

)( Gelnhausen, 3. Novbr. Nachdem schon seitens der Raiffeisen-Vereine in einzelnen Ortschaften Vieh- waagen beschafft waren und sich sehr gut bewährt haben, sind in diesem Jahre mit Unterstützung des Westfonds weitere Viehwaagen ausgestellt. Den Gemeinden, welche sich zur An­schaffung der Viehwaagen entschließen, wird ans den Mitteln dieses Fonds ein geschenkweiser Zuschuß in Höhe der Hälfte der Kosten gewährt, so daß die Gemeinden bei leihweiser Be­schaffung ihres kaum 200 Mk. betragenden Aw Heils für Ver­zinsung und Abtrag jährlich nur einen minimalen Betrag auf- zubringen haben. — Eine der neuen im Vogelsberg ausge­stellten Waagen hat am Tage ihres Erscheinens im Orte gleich den Beweis ihres Werthes für den Landmann geliefert. Be- Annahme eines Werthes von 30 Mk. für den Gentner lebend Gewicht hatte am Tage vorher ein Bauer zwei fette Stiere dem Händler für 450 Mk. fest verkauft, ohne einen Einheits­preis auszumachen. Beim Eintreffen der Waage wurden die Stiere des Interesses halber gewogen und wiesen ein Gewicht von 884 Kilogr. auf, hätten also thatsächlich bei jenem Ein­kaufspreise von 30 Mk. per Gentner über 520 Mk. geaalten.

O Bad Orb, 3. Novbr. Landesbauinfpektor Robert Winkler in Gelnhausen wurde als alleiniger Vorstand der Bad Debet Kleinbahn bestellt.

O Meerholz, 3. Novbr. Die Gemeinden Meer Holz und Niedermittlau haben den geforderten Zuschuß für Einrichtung einer Fernsprechstelle bewilligt. Es wird nun beabsichtigt, von Niedermittlau aus über Gondsroth einen direkten Telephon Anschluß mit den Freigerichter Ortschaften, insbesondere Somborn, zu schaffen.

Sontra, 3. Novbr. Die leidige Unsitte, beim Plätten das Plütteisen mit angeseuchteten Fingern zu berühren, um festzustellkn, ob das Elfen genügend heiß ist, hat hier ein Menschenleben gekostet. Eine in den vierziger Jahren stehende hiesige Davie hatte sich auf diesem Wege eine Brandwunde am Finger zugezogen. Ohne nun die Wunde besonders zu beachten, hatte Genannte Verschiedenes im Zimmer ausgestäubt, wobei wahrscheinlich fremde Körper in die Wunde drangen: denn bald darauf stellten sich die Anzeichen einer Blutver­giftung ein, die in so rapider Weise um sich griff, daß, ob­wohl mehrere Aerzte zu Rathe gezogen wurden, die Be­dauernswerthe der Blutvergiftung zum Opfer fiel.

O Bürgel, 3. Novbr. Die in unserer Gemarkung voll­zogene Fe ld b er ei n iguna verursachte einen Gesammt- Kostenaufwand von Mk. 24,021, welche von den beteiligten Grundbesitzern demnächst erhoben werden. — Die Kreisver- waltungsbehörde hat neuerdings mit Zustimmung des Kreis- ausschusses und mit ministerieller Genehmigung für den Kreis Offenbach eine Kreisfeuerlöich-Ordnung erlassen, welche in 78 Pa: agraphen das Feuerlöschwesen innerhalb des Verwaltungs­bezirks eingehend regelt.

Keilbrornt, 2. Novbr. In der heute stattgehabien Gläubigerversammlung der Heilbronner Gewerbe­bank legte der Konkursverwalter den Status vor, nach welchem 3 868 000 Mark Pa'siven 3 757 100 Mark Akuva gegenüberstehen, so daß sich eine Quote von 95 vCt. ergäbe. Doch wurde ausdrücklich hinzugefügt, daß die Aufstellung noch auf sehr unsicherer Grundlage beruhe und wahrscheinlich eine er­hebliche Verschiebung erfahre. Durch die Konkurserklärung der Direktoren, welche beute erfolgte, werde sich die Vtasse um etwa 60 000 Mark aufbesstrn. Die Regreßforderung gegen den Aufffchtsralh stützt sich einstweilen darauf, daß es ihm nicht hätte entgehen dürfen, daß die Direkt-'on 426 000 Mk. eigene Aknen in ungesetzlicher Weise benebelt hat. Als Grund der Ueberschuldung werden die Spekularionen der Dwekioren ab­gegeben, we.che durch Bücherfäl'chungen die Verluste verheim­licht und an die Akiionäre Dividenden von 6V2 pGt. vertheilt hätten.

Psövzheim, 1« Novbr. " Der Gaswerksbuwyailer Bischoff hier, welcher im Sommer d. J. wegen Unterschlagung von 845 Mk. in Untersuchungshaft genommen, nach Ersatz dieser Summe aber aus der Haft entlassen wurde, ging alsbald der weiteren Untersuchung aus dem Wege, indem er nach Amerika verduftete. Jetzt stellt sich, wie der „Frkf. Z." berichtet wird, heraus, daß man zu oberflächlich renwirt hatte. Man fand nämlich bei Aufstellung des Voranschlags durch Vergleich der Erlöse aus den Nebenprodukten, daß im Februar zu wenig Gaswasser verkauft worden war. In Wirklichkeit war aber nach genauerer Durchsicht wohl das übliche Quantum versandt, die Zaylung dafür aber nicht abgeliefert worden. Bischoff hatte"sich Anfang März den Betrag der Rechnitng mit 1307 Mk. angeeignet und damit Schulden bezahlt.

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Bandet ©ererbe und Vergeb

Zum DiamauthanÄsl und der Gefchäftspraxèö der De Beers-DiamauLminen schreibt die „Süvafr. Wochenschr." : Nur der, dem es gestattet war, einen Blick auf die im Allgemeinen geheim gehaltenen Verkaufsstatistiken des großen Diamanlensyndikats in Hatton Gardon, London, zu werfen, kann sich einen Begriff von der Rolle machen, die die amerikanische Nachfrage im Diamantenmarkt spielt. Dem Börsenspieler ist es eine allbekannte Thatsache, daß De Beers stets verstauen, wenn von New-Pork gemeldet wird, daß der Handel und die allgemeine Thätigkeit in den Vereinigten Staaten zurückgehen, denn der erste Artikel, der dann unter der geringeren Kauflust und Aufnahmefähigkeit der Yankees leidet, ist der Diamant. Es ist daher erklärlich, daß das