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Zweites Blatt.

Bezugspreis:

Bierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Eiurückungsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg.

im Neclamcntheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 254 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Mittwoch den 30. Oktober

BezirkS-FerèechmMch Ar. 98. 1901

Amtliches.

Stadtkreis Banau.

BekamtMachnngen des Oberbürgermeisieramtes. Bekanntmachung.

Die Dienstzimmer der städtischen SLeuerVerWaliltttg und des städtischen Meldeamts befinden sich vom 28. Ok­tober ab im Stadtschlsß, Mrstenbatt, Eingang von der Marienstraße, 1 Treppe hoch.

Hanau den 23. Oktober 1901.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 17859

ßkwMhoz der MMWWmtt.

Unter Leitung des Herrn Gustav Gerland soll an einem noch näher zu bestimmenden Tag, Ende Januar oder Anfang Februar n. Js. ein Kursus zur Erlernung einer landwirthschaftlichen Buchführung, wie sie in den von uns herausgegebenen Formularen ausgeführt ist, abgehalten werden.

Der Kursus soll im Sitzungssaal der Landwirthschafts­kammer abgehalten werden und wird bei täglich 6stündiger Arbeitszeit 6 Tage in Anspruch nehmen.

Das Honorar für diesen Kursus, welches bei Beginn des­selben an der Kasse der Landwirthschastskammer zu zahlen ist, beträgt für

den Theilnehmer aus dem Regierungsbezirk Cassel 10 M., solche, die außerhalb desselben wohnen . . . 15 M.

Jeder, der gewillt ist, an diesem Kursus theil zu nehmen, wird ersucht, sich bis zum 15. November d. Js. bei der Geschäftsstelle der Landwirthschaftskammer in -Cassel, Schom- burgstraße 3 I, zu melden.

Der Vorstand der Landwirthschaftskammer für den Reg.-Bez. Castel:

H. E. v. S t o ck h a u s e n.

Die Reise des russischen Kriegsministers nach Turkestan.

In England zeigt man sich beunruhigt darüber, daß der russische Kriegsminister Kuropatkin unmittelbar nach dem Tode des Emirs von Afghanistan eine Dienstreise nach Turkestan unternommen hat. Kuropatkin war vor seiner Ernennung zum Kriegsminister General-Gouverneur von Turkestan und gilt als einer der besten Kenner der russischen Grenzgebiete von Afghanistan, die er selbst als Generalstabschef in der Turk­menenschlacht bei Peok - Tepe (1885) mit unterwerfen half. Die Reise soll zwar schon vor dem Tode des Emirs geplant gewesen sein, aber immerhin ist cs begreiflich, daß man in England in der Gleichzeitigkeit dieser Reise mit dem afgha­nischen Thronwechsel keinen bloßen Zufall erblicken will und jeden Schritt zur Verstärkung der russischen Kriegsbereitschaft in Turkestan aufmerksam verfolgt. Erst vor zwei Jahren ist dort eine Art Probe-Mobilmachung vorgenommen und der äußerste Militärposten in Kuschk beträchtlich verstärkt worden. Die Inspektionsreise Kuropatkms beweist jedenfalls, welche Sorgfalt die russische Militär-Verwaltung unausgesetzt der kriegerischen Organisation der turkmenischen Gebiete widmet.

Allerdings hat Rußland gegenwärtig wieder mit nicht ge­ringen wirthschaftlichen Schwierigkeiten infolge schlechter Ernte und großer Geldknappheit sowohl in den Staatskassen als auch in der Industrie zu kämpfen. Aber darin liegt nur ' ein schwacher Trost für den englischen Gegner, und nicht mit Un­recht weisen russische Blätter darauf hin, daß derartige Schwierigkeiten während der letzten 10—15 Jahre weder den Bau der großen sibirischen Bahn, noch die Vervollkommnung der strategischen Linien in Zentralasien, noch die Anlage neuer Eisenbahnen in der Mandschurei, noch den Bau neuer Kriegs­schiffe beeinträchtigt hätten und daß im Gegentheile Rußland bei dieser produktiven Thätigkeit noch recht wirksam der briiischen Politik in China entgegengetreten sei. Während England schwer aus der südafrikanischen Wunde blutet, ist Rußland an Mißwachs in einzelnen Theilen des weiten Reiches und Geld­noth lange gewöhnt.

Einem hohen russischen Offizier wird die Aeußerung zu­geschrieben, daß Rußland keinen Puffer zwischen sich und England am persischen Golfe mehr brauche. Das wäre für das russische Gefühl der Ueberlegenheit bezeichnend genug. Gleichwohl ist es wahrscheinlich, daß ein Einrücken russischer Truppen nach Afghanistan nicht unmittelbar bevorsteht. Die russische Politik pflegt nicht schroff darauf loszugehen, sondern bedächtig die beste Gelegenheit zum Zugreifen abzuwarten, und sie hat in diesem Falle Zeit, da eben das natürliche Ueber- gewicht auf ihrer Seite ist.

Politische Rundschau.

Der Reichstagswahlkreis Hadersleben-Sonder­burst, dessen Vertreter, Johannsen, vor Kurzem gestorben ist, war seit Begründung des Reichs stets in dänischen Händen. Mit Ausnahme der Jahre 1881 und 1884 wurde er von den Dänen auch stets int ersten Wahlgange behauptet. Die höchste Stimmenzahl erzielte der dänische Bewerber im Jahre 1871 mit 12 408 Stimmen; bei der letzten Reichstagswahl erhielt er 10 421 Stimmen. In Betracht kommen neben den Dänen nur noch die Nationalliberalen, die, von geringen Schwankungen abgesehen, ihre Stimmenzahl stetig vermehrten und es im Jahre 1898 auf 3713 brachten. Aussicht, den Dänen das Mandat abzunehmen, ist aber zunächst nicht vor­handen.

Die Mißernte, von der mehrere Gouvernements des europäischen Rußlands und Sibiriens betroffen worden sind, wirft ihre Schatten bereits voraus. Die Loskaufszahlungen der Bauern werden voraussichtlich im nächsten Jahre hinter den heurigen Zurückbleiben. Das Finanzministerium hat im Staatshaushalt für 1902 diesen Posten mit 86 Vs Millionen Rubel -angesetzt, während im Voranschlag für das laufende Jahr die Gesammtsumme der Loskaufszahlungen mit 89 Mill. Rubel angegeben ist. Die int nächsten Jahre erwartete Ein­nahme von 86 Vs Millionen ist auf Grund der Erfahrungen früherer Jahre angenommen worden. In den Mißerntejahren 1891 und 1892 nahm der Staat an Loskaufszahlungen 85 Millionen Rubel ein. So groß wie damals ist die Miß­ernte dieses Jahres aber nicht. Die Loskaufszahlungen sind Heuer spärlicher eingegangen, als man erwartet hatte, sie bleiben nach den amtlichen Ausweisungen für die ersten fünf Monate dieses Jahres um 1,600,000 Rubel hinter dem vor­jährigen Betrage zurück. Auch die Einnahmen der Regierungs­eisenbahnen werden im kommenden Jahre sicherlich geringer sein als in diesem, und das Finanzministeriuni ist vorsichtig genug, seine Erwartungen herabzuschrauben und dementsprechend im Voranschlag für 1902 diesen Einnahmeposten geringer an- zusetzen, als das in den letzten Jahren geschah, denn der Güterverkehr wird infolge der schlechten Ernte natürlich weniger rege sein. Ferner rechnet der Finanzminister auch mit einer Verringerung der Abgaben der Kornbauern, und zweifelsohne wird die heurige Mißernte auch noch andere Einnahmeposten ungünstig beeinflussen.

Aus China. Die Londoner Abendblättevveröffentlichen nachstehende Depesche aus Peking vom 29. Oktbr.: In dem Pekinger Oktroi-Streit ist eine neue Verwickelung eingetreten. Die chinesischen Zollbeamten beschlagnahmten gestern nach Kal- gan und Tientsin bestimmte deutsche Waaren. In Abwesenheit des deutschen Gesandten stellte dessen Vertreter bei dem chine­sischen Auswärtigen Amt die Forderung auf Freigabe der be­schlagnahmten Güter. Man erwartet, daß die Regelung der Angelegenheit noch in dieser Woche erfolge.

Die Hinrichtung des Czolgosz. Auburn, Staat New-Uork, 29. Okt. Als Czolgosz auf dem elektrischen Stuhl saß, sagte er, er empfinde keine Reue über die That. Er be­dauere nur, daß er seinen Vater nicht mehr gesehen habe. Nachdem der Strom dreimal eingeschaltet war, wurde der Tod bekannt gegeben.

Frieden in Venezuela. Der Newporter General­konsul von Venezuela erhielt eine von vorgestern datirte Depesche aus Caracas, der zufolge Präsident Castro den Friedenszustand im Innern des Landes proklamirt hat.

Streitigkeiten zwischen Weißen und Negern in Louisiana. Der Gouverneur von Louisiana erhielt vorgestern aus dem Washington-Bezirk die Meldung, daß zwischen Weißen und Schwarzen in Ballstown ein großer Streit zum Ausbruch gekommen sei; 30 Personen seien ge- tödtet. Der Gouverneur hatte bereits Vorbereitungen zur Entsendung von Truppen treffen lassen, als die Nachricht ein­ging, daß wieder Ruhe herrsche; die Truppen werden jedoch noch in Bereitschaft gehalten. Die Unruhen waren durch den Streit zwischen einem weißen Polizeibeamten und einem Neger über die polizeiliche Erlaubniß für einen von Letzteren gehal­tenen Erfrischttngsstand hervorgerufen worden.

Oesterreichischer Reichsrath.

W. Wien, 29. Oktbr. Abgeordnetenhaus. Nach­dem der Ministerpräsident, wie bereits erwähnt, die Interpella­tion betreffend Maßnahmen zur Unterstützung der nothleidenden Industrie beantwortet, setzt das Haus die Budgetdebatte fort. Im Einlaufe befindet sich eine Interpellation Biankini, in welcher die Regierung gefragt wird, ob sie angesichts der Agitation Luzzaltis gegen die Kündigung der Handelsverträge geneigt sei, namentlich zur Beruhigung der Weinbau treibenden Bevölkerung Dalmatiens zu erklären, daß der Handelsvertrag

mit Italien ordnungsgemäß am 31. Dezember 1902 ge­kündigt wird.

Vv’. Wien, 29. Oktbr. (Abgeordnetenhaus.) In der fort­gesetzten Budgetdebatte erklärt Pogacnizk, das slavische Centrum bringe der gegenwärtigen Regierung weder in volkswirthschaft- licher noch in nationaler Beziehung Vertrauen entgegen. Lugul filhrt aus, die Rumänen seien Freunde eines starken Central­parlaments. Pernerstorfer hebt hervor, die Sozialisten könnten der gegenwärtigen Regierung nicht mehr Vertrauen entgegen­bringen als den früheren Regierungen. Bei dem Abschluß der Handelsverträge kämpfe seine Partei mit allen Mitteln gegen eine Vertheuerung der Lebensmittel für die große Masse, und Kathrein betont, seine Partei trete entschieden für die Wahrung des Rechts des Parlaments und dessen Arbeitsfähigkeit ein. Derschaka erklärt, die vom Ministerpräsidenten betonte zentrale Haltung der Regierung komme nicht zum Ausdruck. Trotz der Aufhebung der Sprachenverordnungen verbleibe sie bei der alten Tradition. Die deutsche Volkspartei mache ihre Haltung bei der dritten Lesung des Budgets von dem Entgegenkommen der Regierung gegenüber dem deutschen Volke abhängig, werde aber für eine rasche Erledigung des Budgets eintreten, um der Regierung den nöthigen Rückhalt in den Fragen des ungarischen Ausgleichs und der Handelsverträge zu gewähren. Steinwender unterzieht das Budget einer Kritik und verlangt verschiedene Reduktionen. Graf Sylva Taronca erklärt, es sei die Pflicht aller Oesterreicher, die Regierung zu unterstützen in dem Augenblick, wo sie ein Wort der Energie gefunden habe, den Kampf für die Staatsinteressen Oesterreichs aufzunehmen. Freiherr v. Schwegel erklärt, seine Partei sei bereit, nachdrück­lich für das Budget einzutreten. Im Interesse der Monarchie sei es nothwendig, den Ministerpräsidenten zu unterstützen, lAit ihm den nöthigen Rückhalt in der Ausgleichsfrage und in der Frage der Handelsverträge zu bieten. Hierauf wird die Ver­handlung abgebrochen und die Sitzung auf morgen vertagt.

Bandel, Gewerbe und Verkehr.

Nürnberg, 29. Okt. In der Sitzung des Aufsichts­rathes der E lek t ri z i t ä t s- Akt ien- G es el l sch a ft vorm. Schuckert und Co. am 26. ds. Mts. berichtete der Vorstand über den Verkauf der bosnischen Elektrizitäts- Aktien-Gesellschaft in Jaice. Hiernach hat ein Konsortium den gesammten Besitz der Firma Schuckert übernommen und den Kaufpreis zur Hälfte in Baar bezahlt, zur anderen Hälfte bis zur definitiven Abrechnung in sicheren Werthpapieren bei einer Bank hinterlegt. Die Gesellschaft hat nur noch eine Forderung an die bosnische Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft in Jaice für bewirkte Lieferungen in Höhe von 1267 000 Mark, deren Güte außer Zweifel steht. Der Verlust, der der Gesellschaft aus dem Geschäft Jaice im Ganzen erwachsen ist, beträgt rund 500000 Mark, ein Betrag, der eine wesentliche Reduktion des früheren Baugewinns bedeutet. Bemerkt wurde ferner, daß die Jnvestirungen für das Unternehmen Jaice nicht, wie in der Presse angegeben, 11 Millionen, sondern 8*/, Mill, betrugen. Eine frühere Bekanntgabe des Verkaufs war nicht möglich, da die Gesellschaft seiner Zeit die Aktien unter der Bedingung übernommen hatte, sie während einer bestimmten Zeil im Besitz zu behalten. Es war deshalb zu dem Verkauf die Zustimmung der bosnisch-herzegowinischen Regierung er­forderlich, die erst jetzt erlangt werden konnte. Zur allgemeinen Geschäftslage wurde bemerkt, daß die Fakturirungen an die Zweigniederlassungen in den ersten sechs Monaten des laufen­den Geschäftsjahres nur um etwa 300000 Mark hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben sind. Der gesammte Umsatz in der erwähnten Zeit betrug 25,5 Millionen Mark. Das Lieferungsgeschäft in eigenen Fabrikaten und die Jnstallations- thätigkeit sind hiernach nicht erheblich hinter dem Vorjahre zurückgeblieben, wohl aber haben sich die größeren Bau-Aus­führungen (elektrische Zentralen, Straßen- und Lokalbahnen) sehr beträchtlich vermindert.

Berlin, 29. Oktober. Produktenmarkt. Weizen per Oktober 159.25, per Dezember 160—, per Mai 165.25. Roggen per Oktober 136.50, per Dezember 137.75, per Mai 142.—. Hafer per Oktober 140.—, per Mai 145.—. Mais amerik. Mixed jloco, per Oktober 130.50, per Dezember 128.—. Rüböl per Oktober 56.50, per Mai 52.40, Spiritus, 70er loco 32.80, 50er —.—.

Hus aller Melt.

Schweres Vrandunglück. In Wilhelmsburg bei Hamburg wurde der Dachstuhl des von 14 Familien be­wohnten Hauses Schulstraße 184 durch Feuer völlig zerstört. Der polnische Arbeiter Domke wurde todt, vom Rauch erstickt, aufgefundcn; die Frau des Schlossers Teichmüller wurde, als sie mit ihrem Manne spazieren ging und unvermuthet die Flammen sah, vom Herzschlage getroffen und fiel todt hin.