Erstes Blatt.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Mlidjtü Organ für Stadt- und Landkreis Kanan Waisenhauses in Hanau. ,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebâhrr
gw Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 254 Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Mittwoch den 30. Oktober
BejikkS-Fenisprcchanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Die unter dem Schweinebestaude des Oekonomen Schadt, Hainstraße Nr. 27 hierselbst, festgestellte Nothlaitfseuche ist erloschen und die über das Schadt'sche Gehöft verhängte Sperre aufgehoben.
Hanau den 29. Oktober 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
r 8670 J. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Artsschreiben.
In letzterer Zeit dahier entwendet :
1. Am 24. d. Mts. ein Fahrrad, Marke „Expreß- Nürnberg" mit schwarzem Rahmenbau, nach unten gebogener Lenkstange, Pneumatikreifen, gelben Felgen, im Werthe von 70—80' Mark. Das Rad war schon längere Zeit im Gebrauch und waren beide Räder desselben mit neuen Mänteln versehen; am Vordergestell war ein Schildchen mit der Aufschrift „Expreß-Nürnberg" angebracht.
2. In der Nacht vom 24. zum 25. d. Mts. drei Tischdecken von roth- und grauweißgemustertem Waschstoff, 2 m lang und 80 cm breit.
3. . Am 27. d. Mts. ein Damenradmantel, sog. Capes, von schwarz- und graukarrirtem Stoff mit schwarzem Sammetkragen.
Um Nachforschungen und Nachricht wird ersucht.
Das Ausschreiben vom 24. Juli d. Js., J.-Nr. P 4613 und der Nachtrag vom 7. August d. Js., J.-Nr. P 6823, betreffend Diebstahl eines Fahrrades, Marke „Sturm", ist erledigt.
Hanau den 29. Oktober 1901. J.-Nr. P 9360/01 Königs. Polizei-Direktion.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Zeichnung für den Neubau auf der Besitzung Nr. 345/26 Karte ZZ der gemeinnützigen Baugesellschaft.
Verloren: 1 gelbe Pferdedecke, gez. E. B. 1 neue stahlblaue Kaputze.
Zugelaufen: 1 schw. Dachshund m. Geschl.
Entlaufen: 1 gelber schottischer Schäferhund mit weißem Halsring und einem Halsband mit gelben Nägeln beschlagen, w. Geschl.
Hanau den 30. Oktober 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 30. Oktober.
* Militärisches. Heute Vormittag vollzog sich die Vereidigung der Rekruten hiesiger Garnison.
* Reichsbanknebenstelle. Am 7. November d. J. wird in Waldheim eine von der Reichsbankstelle in Chemnitz abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Nebeneisenbahn. Am 1. November d. I. wird im Eisenbahn - Direktionsbezirk Frankfurt a. M. die normalspurige, 24,77 km lange Nebeneisenbahn Lauterbach—Grebenhain-Crainfeld mit den Stationen Lauterbach (Haltestelle), Blitzenrod. Frischborn, Eisenbach, Nixfeld, Herbstein, Ilbeshausen, Nösberts und Grebenhain-Crainfeld für denGesammt- verkehr eröffnet.
* Aus dem Nachlasse Hermann Grimms sind dem Goethe-Museum in Weimar drei werthvolle Gemälde, die einst zu Goethes Leben in Beziehungen standen, zugefallen: das von Seelatz gemalte Goethe'sche Familienbild, das Portrait der Frau, Maximiliane Brentano, geb. von Laroche, und bie Kopie des Selbstportraits von Albrecht Dürer aus der Münchener Pinakothek.
* Thierschtthkalender. Der Magistrat der Stadt Hanau bewilligte erfreulicherweise auch in diesem Jahre einen Betrag von 65 Mk. zur Anschaffung von Thierschutzkalendern.
* Bolksvorsteüttng. Die gestrige erste Volksvorstellung der dieswinterlichen Saison fand vor ausverkauftem Hause statt und vermittelte uns Schillers volksthümlichste Bühnenschöpfung „Die Räuber" in einer allgemein befriedigenden Weise. SäMntliche Mitwirkende wurden ihrer Aufgabe völlig gerecht und vie von Anfang bis zu Ende immer gleich bleibende Spannung, mit der alle Anwesenden den Vorgängen auf der Bühne folgten, dürfte für die packende Wirkung der gebotenen Leistungen und das die typischen Gestalten des Stückes vorzüglich charaklerisirende Spiel beweiskräftig sein, sodaß der nach jedem Aktschluß gespendete lebhafte Beifall als wohlverdient bezeichnet werden kann.
* Unfall. Der in einem landwirthschaftlichen Betriebe dahier beschäftigte 66jährige Pferdeknecht Philipp D e i war am Montag Morgen damit beschäftigt, Heu vom Boden zu werfen, wobei er der Luke zu nahe kam, ausrutschte und etwa 6 Meter tief auf die Tenne niederfiel. Er erlitt dabei einen Knöchelbruch am linken Bein, eine Verrenkung des rechten Beines und Verletzungen am Kopf.
* In Haft genommen wurde ein am Fasanerieweg wohnender Maschinenschlosser, der sich ein Vergehen im Sinne des § 176, 1 bat zu Schulden kommen lassen.
* Ein gestohlener Kutz. Der Kaufmannslehrling W. von Groß-Auheim fuhr im Zuge der Aschaffenburg-Frankfurter Strecke mit einem Mädchen und weil sie gerade allein waren, erachtete der unternehmende Merkursjünger die Gelegenheit für günstig, sich die Fahrt durch einen Kuß zu versüßen. Die Schöne war aber von der Liebesbezeugung nicht sonderlich erbaut, daher der unternehmende Jüngling sich gestern am Schöffengericht wegen Beleidigung zu verantworten hatte. Das Gericht bewerthete einen unverlangten Kuß auf 40 Mark., welche dem handelsbeflissenen Kußjäger als Geldstrafe diktirt wurden.
^ Wolfgang. So lautet der Name des uns nahen Forsthauses und Oberförstereibezirks. Er erinnert an jenen Bischof, dessen Namen unter dem morgigen Datum (31. Okt.) im katholischen Kalender verzeichnet ist. St. Wolfgang stammte aus Schwaben und besuchte die Domschule zu Würzburg. Der talentvolle Jüngling machte große Fortschritte und trat später in den Benediktinerorden ein. Nachdem er in Ungarn das Christenthum gepredigt hatte, wurde er zum Bischof von Regensburg gewählt. Er nahm sich besonders der Klöster an, versah sie mit hinreichenden Einkünften und hielt strenge Zucht. Bischof Wolfgang erwarb sich in seinen verschiedenen Stellungen, besonders im Unterrichten und Erziehen, große Verdienste und scheute zu diesem Zwecke keine Opfer. Er starb 994 und ruht in St. Emmerau zu Regensburg. 1052 wurde er heilig gesprochen. Zu Ehren dieses Heiligen erbaute 1468 der Hoffourier des Grafen Philipp I. von Hanau, namens Erasmus Hasefus, in nahen Bulauwald eine Kapelle, neben welcher später ein Kloster der Serviten mit 1 Priester und 4 Brüdern entstand. Dieses Kloster diente den Grafen von Hanau, wenn sie auf die Jagd zogen, als Ruhe- und Erholungsort, wohl auch als Herberge. Mit der Zeit jedoch wurde es ein Belustigungsort (Wein- und Bierschenke) für |bie Umgebung. Im Bauernkriege 1525 eroberten die Niederrodenbacher das Kloster und beraubten es; im Jahre 1527 wurde es vollständig aufgelöst. Die Mönche starben als Pfründner im Hanauer Hospital. Die Ruinen jenes Klosters sind heute noch in der Nähe der Oberförsterei erhalten.
* *
*
W. Großauheim, 29. Oktbr. (Raddampfer.) Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr fuhr ein stattlicher Raddampfer zu Berg an Großauheim vorüber; eine Seltenheit ist es auf dem Maine hier ein Dampfschiff zu sehen.
( Langenselbold, 30. Oktbr. (Jagd.) Bei der am 28. d. M. hierselbst abgehaltenen Treibjagd in der Fürstlich Jsenburg'schen Waldung „Abtshecke" sind erlegt worden: 25 Hasen, 5 Rehe, 5 Fasanen und 11 Kaninchen.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung des Hanauer Schöffengerichts vom 29. Oktober.
Der Sattler B. hat im August den Taglöhner R. körperlich mißhandelt, weil Letzterer ihn beleidigt hatte. Urtheil: 5 Tage Gefängniß. — Der Viehhändler R. von Wachenbucheu soll den Metzger S. von Kilianstädten dadurch betrogen haben, daß er demselben eine im Ziehen nicht gelernte Kuh für eine gelernte verkaufte. Der Angeklagte halte die Kuh von einem Viehhändler aus Hünfeld getauft, der ihm gesagt hatte, die Kuh wäre im Zug gegangen und ziehe gut; eine Garantie für Zugfestig- vtt war aber nicht gegeben worden. Dem Metzger verkaufte sie R. als ■ ' fest. Er behauptet, sie wäre nicht zugfest gegangen und darauf sei es chm allein bei dem Kauf angekommen, er habe dies auch zur Bedingung zemacht. Die Zeugen bestätigen, daß eine gelernte Kuh mehr werth ist, als eine ungelernte, bekunden aber auch, daß ein gelerntes Thier, wenn es in andere Berhältnisse und ungewohnte Bespannung komme, nicht mehr so ziehe, wie vorher und erst wieder eingewöhnt werden müsse. Einer der Zeugen bekundet auch, daß die Kuh gut im Zuge gewesen wäre. Der Viehhändler wird freigesprochen, weil anzunehmen fei, daß das Thier mtv unter den besonderen Verhältnissen nicht gleich wieder so gezogen habe, * wie vorher und ein Betrug nicht vorliege. — Der Arbeiter H. hat auf dem Kinzigheimerhof zwei Körbe entwendet. Er erhält 3 Tage Gefängniß. — Der Reisende M. erhielt von der Dörnighenner Ortspolizeibehörde einen Strafbefehl, weil er seine Wohnungsnahme dortselbst nicht rechtzeitig angemeldet hatte. Gerichtlich wird der formelle Fehler festgestellt, daß der Strafbefehl an die falsche Adresse gesandt wurde, nämlich an den Mann, der zu der Zeit noch gar nicht da war, sondern erst später eintraf.^ Die Ehefrau hat die Anmeldung zu spät erstattet und diese hätte den Strafbefehl erhalten müssen, daher die Freisprechung des Ehemanns erfolgt. — Ein Händler B. hat ohne Gewerbeschein hier Galanteriewaaren feilgeboten. Er erhält 24 Mk. Geldstrafe. — Der Bäckermeister S. soll sich gegen die Geiverbeordnung vergangen haben, wird jedoch freigesprochen, weil dies nicht erwiesen ist.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 30. Oktober,
9 Uhr 35 Min.
Ein Hochdruckgebiet lagert über Nordwest- und Centraleuropa, über 775 mm nördlich von Schottland, eine Depression über Rußland. In Deutschland ist das Wetter im Süden neblig, kühl, im Norden heiter, ziemlich mild.
Prognose für den 31. Oktober: Trockenes, theils heiteres, theils nebliges, im Norden kühleres Wetter wahrscheinlich.
Barometerstand
am 29./10. 30./10.
mittags 12 Uhr
Sehr trocken
Beständig
Schön Veränderlich
Regen (Wind)
Viel Regen Sturm
Hanauer Vereinsnachrichten
für Mittwoch den 30. Oktober.
Stadttheater in Hanau: „DasKäthchen von Heilbronn", Dramatisches Märchen in 5 Akten von H. v. Kleist; Anfang 7 Uhr.
Verein zur Unterstützung der barmh. Schwestern vom H. Vinzenz v. Paul- Abends 8Va Uhr: Generalversammlung im Gasthaus „zum goldnen Löwen", Vorstadt.
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Posaunenblasen (Evang. Vereinshaus).
Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant Mohr.
Gesellschaft „Treu beim Alten": Zusammenkunft in der „Brauerei Orschler".
Turn- u. Fechtklub: Fechten und Turnen der Männerabtheilung. Arends'scher Stenographenverein „Apollobund" (Gasthaus „z. Grafen Philipp Ludwig"): Vereinsabend.
Gesangverein „Tonblüthe": Singstunde im Vereinslokale. Thaler-Klub: Zusammenkunft in den „3 Hasen".
Verein der Bayern: Vereinsabend im Gasthaus „zu den 3 Schwanen'. Hanauer Schützenverein: Vereinsabend im „Restaurant Mohr." Handwerker-Bezirksverein: Zusammenkunft in der „Allemania". Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, im „goldnen Herz"; Steiger-Korps in der „Brauerei Beck'.
Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
Aersteègerungs- ete. Kalender
für Donnerstag den 31. Oktober.
Nachmittags von 2 Uhr ab sollen in der Restauration „Allema- nia', Römerstraße, wegen Geschäftsaufgabe und abreisehalber verschiedene Mobiliar- und andere Gegenstände durch den Sensal und Auktio- nator Herrn Heinrich Seitz gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Kprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.
Für die Hausfrauen!
Eine auswärtige Butterversandt - Firma inserirte kürzlich „Kuh butter, 10 Pfund Colli Mk. 6,50". Infolge dieser billigen Offerte entschloß sich eine hiesige Hausfrau mit dieser Butter einen Versuch zu machen, der leider sehr schlecht ausgefallen ist, wie aus Nachstehendem ersehen werden kann: Das 10 Pfd.-Colli wog nur 8”/* Pfd. und kostete statt Mk. 6,50 mit Porto, Nachnahme und Zoll Mk. 8. Jetzt kommt das Schönste von der Sache: Als Verpackung war einbaumenstarkes Kistchen von 2^2 Pfund Gewicht genommen worden, und blieben somit nur Netto 6^4 Pfd. Butter, welche überdies noch sehr schlecht war. Einsenderin hält es daher für Pflicht, * die Hausfrauen vor einem Reinfall zu warnen.
Eine Bürgerin.
Briefkasten der Redaktion.
I. O. Sie können nur in der Zeit vom 1. bis zum 15. des Monats auf den Schluß des Monats kündigen, keinesfalls also zum 15. die Wohnung verlassen.