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Verwaltung sind um so haltloser, als sie sich gegen eine Verwaltung richten, die in schwieriger Zeit bemüht ist, den Rücksichten auf ihre Wirthschaftlichkeit, aber auch den Rücksichten auf die Industrie und namentlich auf ihre eigenen Arbeiter, gerecht zu werden. Die Fürsorge der Staatseisenbahnverwaltung für ihre eigenen Arbeiter geht aus einer jüngst ergangenen Verfügung des Eisenbahnministers an sämmtliche Eisenbahn-Direktionen hervor. Hiernach sollen infolge Verkehrsrückganges, insbesondere auf Nangirbahnhöfen, Zug- bildungsstationen, Reparaturwerkstätten entbehrlich gewordene Arbeiter unter keinen Umständen aus dem Eisenbahndienst entlassen, sondern anderweit beschäftigt und überall verwendet werden, wo infolge natürlichen Ausscheidens ein Bedarf an Arbeitskräften eintritt.
Ersatzwahl. Durch den Tod des Abg. Dr. v. Siemens wird eine Ersatzwahl in dem Reichstags-Wahlkreise Schweinitz- Wittenberg erforderlich. Bei den letzten allgemeinen Wahlen im Sommer 1898 wurden dort im ersten Wahlgange abgegeben 7231 deutschkonservative,. 5694 freisinnige und 1736 sozialdemokratische Stimmen; in der Stichwahl siegte dann v. Siemens mit 8713 Stimmen gegen den bisherigen konservativen Abgeordneten v. Leipziger, auf den sich 7829 Stimmen vereinigten.
Für die Aufbesserung der Besoldung der Or- gauisten und Kantoren macht sich gegenwärtig in allen Provinzen eine starke Bewegung unter den Betheiligten geltend. Der Präsident des schlesischen Konsistoriums erklärte z. B. auf dem kürzlich in Breslau abgehaltenen schlesischen Kirchenmusik-Vereinstag, daß die Forderungen der Kantoren und Organisten durchaus berechtigt seien und daß das Konsistorium überall helfend eintreten werde, wo die Besoldung des Kirchenamts ungenügend sei.
Die deutsche Bureuzeutrale in München gibt bekannt, um schwache Charaktere vor der Anwerbung durch eng- lische Werber zu schützen, setze es Jedem, der im deutschen Reiche englische Werber so zur Anzeige bringe, daß sie sofort verhaftet und bestraft werden könnten, eine Belohnung von 100 Mark aus.
Aus bft Schlvsiz. Das Budget der Eidgenossenschaft für 1902 schließt bei 102 240 000 Fres. Einnahme und 108120 000 Fres. Ausgaben mit einem Fehlbetrag von 5 880 000 Fres, ab, was gegenüber dem Budget für 1901 eine Steigerung des Fehlbetrages um 3 070 000 Frcs. bedeutet.
Das spanische Budget. Heute wird das Budget für das neue Rechnungsjahr dem Kongreß unterbreitet werden. Die Ausgaben weisen bei den Ministerien des Krieges, des Innern, des Unterrichts und der öffentlichen Arbeiten einige Erhöhungen auf. Außerdem werden einige Pläne der Regierung, die mit den neuen Ausgaben verbunden sind, Gegenstand besonderer Vorlagen sein. Wegen der letzteren wird die Regierung nicht die Vertrauensfrage stellen, sondern sich der Entscheidung der Kammer fügen.
Rußland demeutirt. Der „Russische Invalide" meldet: „Bald nach dem Tode des Emirs von Afghanistan wurden in der auswärtigen Presse Nachrichten veröffentlicht, nach welchen der russische Kriegsminister für den Fall einer Gährung in den an die russischen Gebiete in Zentralasien angrenzenden afghanischen Provinzen Vorbereitungen veranlaßt haben sollte. Alle diese Nachrichten sind völlig unbegründet."
Die kolumhischeu Wirren. Aus San Juan de Puertorico wird gemeldet: Der Revolutionär Munol Tebar, welcher die Präsidentschaft in Venezuela anstrebt, empfing eine Depesche, wonach die Truppen Castros bei Maturin nach sechsstündigem Kampfe völlig geschlagen wurden. Die Verluste auf beiden Seiten seien schwere. Castros Truppen zogen sich zurück und überließen den Aufständischen die Stadt und Umgegend. Der Befehlshaber der Truppen Castros und viele Soldaten seien gefangen, auch Munition sei erbeutet.
Erledigter Zwischenfall. Ein Telegramm aus Valparaiso meldet: Der argentinisch-chilenische Zwischenfall bezüglich der Herstellung von Wegen an der Grenze werde als cr-
Sie sich die Folgen, wenn dem jungen Paar an 300 Petroleumlampen, 200 Visitenkartenschalen und 200 Sopha- kissen zugesandt würden. Der Ehemann müßte Haus und Hof verkaufen und einen Kurzwaarenhandel einrichten. Da sind wir auf dem Lande viel praktischer. Wir schenken Geld, baares Geld! Wenn heute Abend der Brautkranz abgetanzt ist, tritt jeder Gast aus den Bräutigam zu, der sofort eine verschämte Miene aufsetzt, das Dargebotene aber schnell in die Hosentasche steckt. Der Eine gibt 10, der Andere 20, der Dritte 50 Mark; sehr wohlhabende Nachbarn und Freunde spenden auch viel mehr. Unter 5 Mark gibt Keiner! Das ist unser Hochzeitsgeschenk! Zwei Verwandte des Bräutigams haben morgen zu thun, um das Geld einzurollen. Achten Sie aber auch auf die viele Butter an der Tafel. Jede Frau aus der Nachbarschaft bringt mindestens ein Pfund mit, abgesehen von sonstigen Naturalien. Die praktische Verwerthung dieser Frauengaben läßt sich die Braut sofort angelegen sein. Das ist der Grundstock ihrer Wirthschaftskasse!"
Am Mittag gab es einen großen Zusammenlauf im Dorf. Zwei berittene Trompeter verkünden, daß das Brautpaar auf der Fahrt nach Saalfeld begriffen sei. Ob es sich erlauben dürfe, in dem Ort einzukehren. Allseitige Zustimmung. Die Trompeter jagen zurück. Unter dem Vortritt berittener Bauernburschen hält nach fünf Minuten das junge Paar seinen Einzug. Als es der Thoreinfahrt nahe kommt, macht der bekränzte Wagen Halt. Zu den alten Bräuchen der Altmark ist ein geheiligter neuer getreten. Die Photographen sind nämlich an der Arbeit. — — Nach Erledigung dieses unumgänglichen Geschäfts erschallt der Choral: „Lobe den Herrn!" Das Brautpaar wird begrüßt und geküßt. Die Wirthschafterin überbringt einen Trunk zum Willkomm. Er wird noch im Wagen eingenommen. Dann wird die blumengeschmückte Schwelle überschritten und die Eheleute begeben sich in ihr Empfangszimmer im Erdgeschoß, wo sie nach allen Regeln der Kunst Cercle abhalten.
2 Uhr nachmittags. Vor dem Brauthause sammelt sich der
Montag
^E>>M»M««WM^^W^M^n^M««»^0««««M»>«»MIIN»«!IIII»»III Iii^»yi miWIsl ledigt angesehen. Der Bau von Wegen zum Zwecke der Abgrenzung werde nach einem Uebereinkommen zwischen beiden Regierungen ausgeführt. Die von der argentinischen Presse hervorgerufene Beunruhigung werde für grundlos erklärt. Amtlich werde erklärt, es herrsche zwischen beiden Ländern das vollste Einvernehmen.
Hue aller Melt.
Eisenbahnunfall. Magdeburg, 26. Okt. Amtlich wird gemeldet: Heute Früh fuhr infolge starken Nebels ein von Eisleben kommender Güterzug über das Einfahrtssignal in Wanzleben hinaus und stieß mit einem Nangirzug zusainmen. Ein Lokomotivführer wurde getödtet, drei Fahrbcamtc leicht verletzt. Untersuchung ist eingeleitet.
Ein heièercr Grenzvorsall ereignete sich bei dem Nebenzollamt in N. (A. Engen). Kam da jüngst, wie die „Heg. Erz." mittheilt, ein altes, verkrüppelt aussehendes Männlein über die Grenze und unterhielt sich noch eine Weile humorvoll mit dem Grenzposten. Aus Ungeschicklichkeit fiel dem Mann der Stock zu Boden, den er hurtig aufheben wollte. Dabei platzte ihm eine Naht an seinem verkrüppeltem Buckel und zum Erstaunen des Grenzpostens ergoß sich aus der „Wunde" ein Strom von Kaffeebohnen zur Erde. „Ei, ei," sagte der Posten, „kommen Sie mit aufs Zollamt, Sie müssen sich einer Operation unterwerfen," und wirklich wurde ihm dort sein ganzes Nückengebrechen im Gewicht von sieben Pfund Kaffeebohnen ohne Hautverletzungen weggenommen; doch mußte er auch noch eine Operation am Geldbeutel über sich ergehen lassen.
Keine Druckereien mehr! Wenn man einer Nachricht glauben darf, die direkt aus den Vereinigien Staaten kommt, dann hat sich die Druckerei überlebt und werden die Bücher und Zeitungen in Zukunft mittelst photographischen Platten vervielfältigt, die die Schrift und die Stereotypie ersetzen. In New-3)ork wurde für die neue Erfindung bereits das Patent angemeldet.
Auf Grund hervorragender stenographischer Fertigkeiten ist dem Schriftführer eines stenographischen Vereins in Essen, Otto Saak, von der königlichen Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige in Düsseldorf der Berechtigungsschein für den einjährig-freiwilligen Dienst zuerkannt worden. Es ist dies in Deutschland der erste derartige Fall. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß vor Jahr und Tag der berühmte Rennfahrer Willy Arend die Qualifikation als Einjähriger für seine radsportlichen Leistungen erhielt.
Einen grauenvollen Selbstmord hat in Leipzig der 34jährige Schuhmacher Rockosch begangen. Er hat sich mit einem Messer den Leib total aufgeschlietzt und dann die Kehle durchschnitten. Rockosch war sofort todt.
In einem Anfall von Schwermuth tödtete in Bremen eine Bahnarbeiterfrau ihre elfjährige Tochter mit einem Beil und beging dann Selbstmord.
W Jugendliche Vnrenkämpfer. Die „Neue Hamb. Ztg." berichtet: Heute Morgen gegen 5 Uhr sah der in Groß-Flottbek stalionirte Gendarm, der augenblicklich eifrig auf die Groß-Flottbek unsicher machenden Einbrecher fahndet, zwei Knaben im Alter von 10 und 12 Jahren auf der Chaussee im Dämmerlicht auflauchen. Beide tapsten müde und verdrossen den Weg entlang; der kleinere schien leise zu weinen, während der größere ihm Trost zusprach. Die beiden kleinen Nachtwanderer waren gar seltsam ausstaffirt. Jeder trug einen Papphelm, wie er in Spielzeuggeschäften für 50 Pfg. käuflich zu erwerben ist, einen Stock, der an Länge die beiden Knaben überragte und schließlich Beide vereint ein Gewehr, unter dessen Last sie schier zusammenbrechen wollten. Als der Gendarm, der mit Verwunderung den seltsamen Auszug beobachtet hatte, näher trat, wollte der ältere Knabe Fersengeld geben, während der jüngere in lautes Schluchzen ausbrach und den Gendarmen bat, ihn wieder „nach Mutter" zu bringen, er wolle nicht mehr in den Krieg. Der Gendarm stellte mit den kleinen Wanderern nun ein Verhör an und erfuhr, daß sie gestern Abend gemeinschastlich aus Hamburg ihren Eltern aus-
Hochzeitszug. Die Musikanten blasen und siedeln aus Leibeskräften. Nach einer Viertelstunde ist der Zug geordnet. Voran 60 junge Mädchen in duftigen Gewändern. Hat denn die Oberersatz-Kommission just die hübschesten Mädels der Altmark nach Saalfeld bestellt? Einen reizenden Anblick bieten die geschmeidigen Gestalten in den hellen und rosa Kleidern mit wehenden, zarten Tüchern, die zum Schutz gegen den Wind umgelegt sind. Die zierlichen, weißen Tanzschuhe haben einen schweren Stand auf der schmutzigen Dorfstraße, aber man geht in Saalfeld nach altem Brauch stets zu Fuß in die Kirche. Vor dem Brautpaar streuen den ganzen Weg entlang allerliebst herausgeputzle Kinder Blumen. Die Braut trägt schwere, weiße Seide mit langwallendem Schleier und Kranz. Es schließen sich die Eltern, Verwandte, das halbe Dorf an.
Die Erfahrenen haben sich freilich zeitig in dem etwas zugigen Niesenzelt eingefunden, wo Punkt 4 Uhr das Mahl anberaumt ist. Die Tafeln sind, jetzt schneeweiß gedeckt; cs heißt nun rechtzeitig einen Platz erobern. Man sitzt in bunter Reihe nebeneinander. Hier der alte Bauer in der Tuchmütze, dort der Enkel, der zum Gehrock den modischen Cylinder angelegt hat. Die ärmere Bauersfrau des Dorfes sitzt neben der wohlhabenden; jene trägt das wollene Kopftuch; diese schwarze Seide, die bei den verheiratheten Frauen überhaupt vorwiegt. Viel schöner Goldschmuck und feurige Granatsteine werden da sichtbar. Ueberall Zeichen des Wohlstandes und des gefesteten Besitzes. Meine Nachbarin erzählt mir, daß bei allen Gelegenheiten das Dorf fest zusammenstehe. „Ob ein Unglück oder eine Hochzeit, wir .helfen einer dem Andern. Eine solche Veranstaltung wie die heutige hält monatelang den Ort und die Umgegend in Athem. Die Schneiderin kommt nicht aus dem Haus; die Sorge um die Verproviantirung ist groß. Wir holen nur Getränke aus der Stadt; sonst muß uns Alles zuwachscn. So sind auch die Hasen, die auf die Tafel kommen, auf einer besonderen Treibjagd der Gemarkung geschossen worden!"
______ ' £8, Oktober gerückt waren, um auf der Burenseite gegen die Engländer ZU, kämpfen. Den Betrag ihrer Sparbüchsen, bestehend ans zusammen 12 Mark, hatten sie mitgenommen, ebenso das Jagdgewehr des Vaters. Dem kleineren Bruder war der Kriegszug schon bald nach der Entfernung aus dem elterlichen Hause leid geworden, er hatte den Bruder gebeten, doch mit umzukehren; dieser aber wollte davon nichts hören und war weitermarschirt, wohl ober übel der kleinere Bruder mit. Die schon in Angst und Sorge um den Verbleib ihrer Kinder schwebenden Eltern wurden benachrichtigt, daß sie sie hier abholen konnten. Heute Morgen traf der Vater ein und holte die ruhmreichen Krieger heim.
Die Tragödie des Erfinders. Aus Budapest wird berietet: Der Techniker Virag, Erfinder der Schnelltelegraphie, ist, 32 Jahre alt, im.größten Elend gestorben. Es ist ungefähr zwei Jahre her, als der Name Virags plötzlich aufgetaucht ist. Seine Erfindung hatte im vollen Sinne des Wortes größtes Aufsehen erregt. Es war das Schnelltele- graphie-System Pollack und Virag, das eine neue Aera der Telegraphie versprach. Das System bestand in seinen Grundzügen darin, daß in gewöhnlicher Schrift die Buchstaben per- korirt in den Aufgabeapparat gebracht wurden, worauf der Empfangsapparat, der mit einer photographischen Vorrichtung in Verbindung stand, die Schrift in verkleinerter Photographie wiedergab. Da Empfangs- und Aufnahme-Apparate außerordentlich schnell funktionirten, so konnte innerhalb kurzer Zeit eine Depesche von bedeutender Länge erledigt werden. Allerdings nahm das Perforiren der Depesche vor der Aufgabe umsomehr Zeit in Anspruch, und das wird der Grund gewesen sein, warum sich das System nicht behaupten konnte. Monatelang wurden in allen Versuchen mit diesem System Pollack und Virag angestellt. Dann wurde es plötzlich ganz still — man sprach nicht mehr davon. Nun ist der Erfinder gestorben in tiefstem Elend. In Budapest hat sich anscheinend kein Mensch gefunden, der einen ingeniös begabten Mann, der vielleicht noch Gutes und Nützliches hätte schaffen können, einen Wechsel auf die Zukunft kreditirt hätte. Ersinderloos!
Die Scharlach-Epidemie in Bremen, welche seit etwa drei Monaten dort herrscht, hat seit dem 1. August bis zum 23. Oktober nach den beim Statistischen Amt eingegangenen ärztlichen und standesamtlichen Meldungen im Ganzen 104 Opfer, meist Kinder unter zehn Jahren, gefordert. Die Zahl der Erkrankungen belief sich auf 633 in der Stadt Bremen. In den letzten beiden Wochen ist eine geringe Abnahme bemerkbar.
Gute Freunde. Aus Wollomoos bei Aichach wird berichtet: Vergangenen Dienstag befanden sich mehrere Gäste in der Wirthschaft zu Pfaffenberg, Gemeinde Wollomoos, darunter der Ziegler und Gütler Eduard Biehler von Pfaffenhofen. In angeheitertem Zustande gaben sich die am Tische Sitzenden Stichelreden und schoben einander hin und her „zur Unterhaltung". Biehler ergriff den Gütler Jakob Schmid, den sogenannten „Doktorjackl", bei der Joppe und zog sie ihm über den Kopf. Aber bald ließ er wieder los, erhob sich und sagte: „So, jetzt bin ich gestochen." Dann verließ er die Wirthsstube. Auf Drängen der Anwesenden gab der Doktorjackl zu, daß er auf Biehler gestochen habe; es wäre jedoch nicht gefährlich, meinte er. Später fand man den Biehler in einiger Entfernung vom Wirthshause auf der Straße liegend, den Kopf in den Straßengraben hängend. Nachdem er in die Wirthsstube zurückgebracht war, zeigte sich, daß der Stich in der linken Bauchgegend eingedrungen war und die Gedärme verletzt hatte. Es wurden zwar Aerzte zu Hilfe gerufen, aber schon am anderen Tage erlag Biehler der Verletzung. Die beiden Genannten waren, wie man zu sagen pflegt, gute Kameraden und man konnte sie meist zusammen antreffen. Biehler hinterläßt eine Frau und sechs Kinder.
Herren- u. Knaben - Konfektion.
Heinrich Gabel, vorm. Jean Ming,
Ccke der Hammer- u. Langstraße. 15174
Das Festmahl verlief trotz der großen Menge der Theil" nehmer tadellos. Die vielen Gänge wurden promptest servirt. Es kam alles warm und reichlich auf den Tisch. Dazu ein guter Nothwein und Mosel, unter dessen Einfluß die Toaste ersichtlich gediehen. Die Redner sprachen zum Vortheil ihrer Sache mit schallender Stimme nnd wohlthuender Kürze. Die ganze Veranstaltung machte einen modernen Eindruck. Die Landestracht ist längst von der modernen Kleidung in der Altmark abgclöst; die ländliche Altmärkerin braucht mit ihren Toiletten vor ihrer großstädtischen Schwester nicht zurückzu- stehen. Aber auch ihre hauswirthschaftliche Umsicht war bei dieser Massenspeisung auf der Höhe. Man berücksichtige, daß, abgesehen von dem eigentlichen Festmahl, Hunderte zwei Tage hindurch und länger unablässig mit Speis und Trank versorgt sein wollten. Dieses Meisterstück wurde von drei Kochfrauen, einer Anzahl weiblicher Hilfskräfte aus dem Dorfe und vier Kellnern ausgeführt. Als ich die Oberkochfrau interviewen wollte, lehnte sie dies mangels Zeit entschieden ab: Ich ließ ihr sagen, daß sich ja sogar der Minister sprechen lasse. „Dann soll er hier^kochen!" war die Antwort. Endlich erfuhr ich von zuverlässiger Seite den genauen Status der Aufwendungen für die Hochzeit. Es waren geschlachtet worden: 2 Ochsen, 3 fette Schweine, 8 Kälber, 20 Hammel, 50 Hühner. Geschossen wurden 50 Hasen. Verbacken wurden 8 Zentner Mehl. Auf die Tafel kamen u. a.: 23 Stück Baumkuchen, 1200 Flaschen Wein, 14 Tonnen Lagerbier, 10 Tonnen Braunbier, 300 Flaschen Selters, 20 Flaschen Kognak. — Gott segne die Altmark.
Albumdlatter.
„Wenn Dich locken die Buben, die bösen, o folge nicht ihnen, Mädchen: sie führen dich an", sagte die Mutter zu mir Mit gar ernstem Gesicht, doch lachte sie, als ich sie fragte: „Wenn nun ein guter mich lockt, Mütterchen, folg* ich ihm dann?"
Friedrich Rückert.