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Erstes Blatt.

anauer

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden PosiaufjcZag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev.

General-Anzeiger

Amtliches Orgs« sm ZiÄl- und Landkreis Hannu

EinrückungZgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 PsK., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 242 Bezirks-Ferns-rechanschluß Nr. 98.

Mittwoch den 16. Oktober

Bezirks-FmOnchmschlnß Nr. 98. 1901

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hamm. Ausschreiben.

Am 8. d. Mts. hat sich der dahier wohnhafte Theater- Direktor Iulius Grosser von seinen Angehörigen entfernt.

In zurückgelassenen Briefen hat er die Absicht kundgegeben, den Tod im Main zu suchen und kann angenommen werden, daß er dieses Vorhaben ausgeführt hat.

Signalement:

56 Jahr alt, untersetzt, korpulent, kleinen graumelirten Schnurrbart, graue Haare mit angehender Glatze, bekleidet mit grünlichem Loden-Anzug, solchem Havelock mit Sammtkragen, Augstiefeln, gelben Socken, Normalhemd, weißer Chemisette und Umlegkragen.

Für den Fall der Leichenländung im jenseitigen Bezirke ersuchen wir um gefällige telegraphische Mittheilung.

Aschaffenburg den 11. Oktober 1901.

Stadtmagiftrat.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 14. Oktober 1901.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 8874 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Sturmlaterne. 1 Korb Weißerüben und 1 Sack Gemüse.

Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust w. Geschl.; Empfangnahme bei Peter Schäfer zu Hochstadt.

1 Bernhardinerhund; Empfangnahme bei Aug. Ruth zu Langendiebach. \

Hanau den 16. Oktober 1901.

Hus Stadt und £and.

Hanau, 16. Oktober.

* Reichsbank. Die Reichsbank kauft von jetzt ob auch Wechsel auf Kirchberg i. Sachsen, welche vom 1. nächsten Monats an fällig werden, an; dieselben sind an die Reichs­banknebenstelle in Zwickau zu geriren.

* Aerztekammer. Am Montag den 21. d. Mts. findet in Cassel eine Sitzung der Aerztekammer der Provinz Hessen-Nassau statt.

* Jagdverpachtttttg. Bei der am 10. Oktober statt­gefundenen Neuverpachtung der Gemeindejagd zu Somborn wurde der ansehnliche Betrag von 2440 Mk. erzielt.

* Stadttheater. Nach längerer Zeit wird heute Mitt­woch Schönthan und Kadelburg's bewährter SchwankDie Orientreise", in neuer Einstudirung, wieder zur Auffüh­rung gelangen. Durch die flotte Handlung, mit köstlichen Situationen, voll des erquickendsten Humors, zählt dieses Stück noch zu unseren besten Schwänken. Es wird auch hier eine gute Aufnahme finden und den Besuchern unseres Theaters wieder fröhliche Stunden bereiten. Die Besetzung der Haupt­rollen ist folgende: Herbig: Herr Gehrmann, Brückner: Herr Kron, Fiedler: Herr Schwarz, Mitrovics: Herr Lindenlaub, Marianne: Frau Hantke, Thea: Fräul. Hannewald, Henny: Frl. Dell mar, Sarah Bartholdy: Frâul. Haas.

* AmLsjubilörrm. Heute feiert Fräulein E. E i ch e n- berg ihr 25jähriges Amtsjubiläum als Handarbeitslehrerin.

* Wettspiel. Am vergangenen Sonntag fand auf dem hiesigen Exerzierplätze ein Wettspiel der Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 gegen die Mannschaft des L Bocken- heimer Fußballklubs 1899 statt, das mit einem überlegenen Siege Hanaus mit 9:0 Goal endete.

* Liebenswürdiger Sohn. Eine Vorstadt Nr. 14 wohnende Frau wurde am Samstag von ihrem Sohne, der in einem hiesigen Geschäft als Lehrling sich befindet, mit einem sechsläufigen Revolver, der ihr vor die Brust gehalten, mit Erschießen bedroht. Grund hierfür war, daß dem Jungen das ihm gewährte Taschengeld nicht ausreichend genug er­schien. Als der Revolver seitens der Polizei eingezogen werden sollte, gab der Junge an, die Schußwaffe in den Stadtgraben geworfen zu haben.

* Groben Unfug verübte in verflossener Nacht in der Glocken- und Altstraße ein Händler aus Frankfurt a. M. Da der Versuch, ihn zur Ruhe zu verweisen, wirkungslos ab­prallte, blieb nichts anderes übrig, als ihn dem Polizei­gefängniß zu überweisen.

* Tödtlicher Unglücksfall. Gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr ereignete sich in dem Noussell'schen Basaltwerk bei Klein-Steinheim ein schrecklicher Unglücks­

fall. Der Erdarbeiter Franz Acker aus Seligenstadt wurde von einer plötzlich ins Rutschen gekommenen Grundschicht so unglücklich auf die Schienen für Rollwagen geworfen, daß ihm mehrere Nippen gebrochen und die Brust eingedrückt wurde. Acker blieb auf der Stelle todt. Der Verunglückte ist 29 Jahre alt und hinterläßt eine Wittwe mit drei kleinen Kindern.

88 Deutscher Oftmarkeu-Verein. Gestern Abend hielt der Geschäftsführer dieses Vereins, Herr Dr. Bovenschen, im Saale des Stadtschlosscs einen Vortrag überDie Polengefahr und die Bestre­bungen des Deutschen Ostmarken-Vereins." Der Herr Vortragende, der über ein vorzügliches Rednertalent verfügt, verstand sein Thema mit packender Gestaltungskraft zu behandeln und seinen längeren Aus­führungen von Anfang bis zu Ende das spannendste Interesse zu ver­leihen. Betonend, daß es Pflicht eines jeden Deutschen sei, sich zu kümmern um die Gefahr, die dem Deutschthum von der polnischen Be­völkerung der östlichen Provinzen und den von dieser gepflegten deutsch­feindlichen Bestrebungen erwächst, gab er eine eingehende Schilderung der Art und Weise, der Mittel und Wege, mit denen die Polen das deutsche Wesen zu bekämpfen, das polnische Nationalbewußtsein zu heben und das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken suchen. Ur­sprünglich gab es keinen polnischen Mittelstand, da Schulen und sonstige Bildungsanstalten so gut wie unbekannt dort waren und die mangelnde Intelligenz die unterm Volksklassen zum Handel- und Ge­werbetreiben unfähig erscheinen ließ. Deutsche Handwerker und Ge­werbetreibende wanderten Jahrhundertelang in beträchtlicher Zahl im damaligen Königreiche Polen ein und wurden immer mit Freuden aus­genommen, erhielten auch besondere Rechte und Konzessionen, da sich das polnische Volk wohl bewußt war, welch großer Vortheil durch die Kunstfertigkeit, Intelligenz und last not least die Geldmittel der Ein­wandernden dem finanziell immer schlecht bestellten Lande erwuchsen. Darum war auch, als später die Auftheilung Polens erfolgte, der Einfluß des deutschen Elementes in diesen Landestheilen sehr bedeutend und der Adel und die Geistlichkeit, diese eifrigsten Vertreter und eigent­lichen Träger des polnischen Nationalgedankens, hatten in den ersten Dezennien des vergangenen Jahrbunderts einen schweren Stand mit diesen Bestrebungen den polnischen Bauern gegenüber, die unter preußischer Herrschaft erst ein menschenwürdiges Daseirr führen konnten, nicht mehr unter der Knute seufzten und darum auch den Aufwiege­lungen der polnischen Hetzapostel schwer zugänglich waren, sodaß es noch 1848 diesen Agitatoren für die Polensache nur mit Mühe gelang, einen Aufstand gegen die ohnehin hart bedrängte preußische Regierung zu entfachen. Erst in den nun folgenden Jahren gewannen die deutschfeindlichen Bestrebungen mehr und mehr an Boden durch die Gründung eines polnischen Nationalvereins, des sogen. Marcinkowskiverems, welcher gegenwärtig über einen eisernen Kapitalbestand von einer Million verfügt und hauptsächlich bestrebt ist, die Bildung und das Wissen der polnischen Jugend zu fördern, be­fähigte und gut polnisch gesinnte junge Leute studiren zu lassen und so immer für neuen und zahlreicheren Zuwachs der Kämpfer für den polnischen Nationalgedanken und Bekämpfer des Deutschthums zu sorgen. Bald zeigten sich denn auch die Früchte der immer stärker und ungenirter betriebenen Agitation. Der noch fast ausschließlich in den Händen der Deutschen liegende Handel und Gewerbebetrieb ging nach und nach immer mehr in polnische Hände über, denn die mit Hilfe deutscher Intelligenz herangebildeten Polen eröffneten immer zahlreichere Konkurrenzgeschäfte, die aber nicht nur von der polnischen, sondern leider auch vielfach von der deutschen Be­völkerung unterstützt wurden, sodaß im Laufe von kaum 1d20 Jahren fast sämmtliche deutsche Geschäfte aus den Städten der östlichen Pro­vinzen verschwunden sind. Ja selbst die rein deutsche Bevölkerung wurde im Laufe der Zeit vollständig polenisirt und zwar hauptsächlich durch die polnische Geistlichkeit. Die guten deutschen Namen verwandelten sich fast ausnahmslos in stockpolnische und das deutsche National­bewußtsein schwand unter dem Einfluß polnischer Lehrer und Priester mehr und mehr. Allenthalben bildeten sich Vereine zur Förderung des Polenthums und speziell durch die sog. Sokolvereine wurden und werden unter der Maske der Pflege der Turnerei die Bestrebungen zur Herbeiführung eines selbständigen Polenreiches, das natürlich nur auf den Trümmern des Deutschen Reiches errichtet werden kann, in allen ehemaligen Polenländern gehegt und gepflegt. 1886 wurde von Bismarck ein energischer Anlauf gegen die immer weiter um sich greifende Polenisirung ganzer Landestheile genommen. Der preußische Landtag bewilligte 100 Millionen zum Ankauf von Grundstücken in diesen Provinzen, die dann gut deutsch­gesinnten Ansiedlern zur Bebauung überlassen wurden. Auch der deutsche Schulunterricht wurde wieder eingeführt und das Selbstbewußt­sein der Deutschen zu heben gesucht. So wurde endlich eine ziel­bewußte, konsequente Polenpolitik eingeschlagen, dank deren es auch balv gelang, dem deutschen Wesen wieder einigen Rückhalt in den öst­lichen Provinzen zu verschaffen und den Einfluß der Polen zu be­schränken. In allen Städten schlossen sich die Deutschen fester zu­sammen, gründeten Vereine und Klubs, aus denen schließlich der Deutsche Ostmarkenverein hervorgegangen ist. Dieser führte die von der Staatsregierung begonnene Verdeutschung der durch eine energische und ausdauernde Agitation polnischerNationalfanatiker falls völlig polcnisirten preußischen Provinzen mit eiserner Schaffensfreudigkeit fort und es gelang ihm bald, die theilweisc fastzausschließlich polnischen Stadtverwaltungen größtentheils in deutsche Hände zu bringen und auch bereits 1895 einige polnische Abgeordnete aus Landtag und Reichstag zu verdrängen. Nachdem Redner noch einige Stilproben der schmutzigen Schreibweise polnischer Blätter zum Besten gegeben, schloß er mit der Mahnung, die echt patriotischen Bestrebungen des Deutschen Ostmarkenvereins thatkräftig und hauptsächlich sinanziell zu fördern und dadurch dem gefährlichen Ausbreiten des Polenthums im deutschen Vaterland am zweckmäßigsten einen wirksanien Riegel vorzu­schieben. Nach Beendigung des Vortrages sprach Herr Regierungs­Assessor v. Wenke dem Herrn Vortragenden den Dank der Versamm­lung aus für die überaus interessanten und belehrenden Ausführungen, die übrigens mit lebhaftem Beifall belohnt wurden.

* Ausgestellt. In dem Schaufenster der Buchhandlung von Herrn Altmannsperger am Marktplatz hat der Arbeiter der Königlichen Pulverfabrik, Michael Kreis von Groß- Auheim eine prachtvolle Schmetterling-Sammlung ausgestellt. Die Schmetterlinge sind durchweg nur Exemplare hiesiger Ge­gend und veranschaulichen durch ihre Zusanimenstellung den

Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern. Indem nicht allzu oft Gelegenheit geboten ist, ein derartiges Werk zu sehen, so machen wir hierdurch Jedermann darauf aufmerksam, ge­nannte Sammlung näher in Augenschein zu nehmen.

* *

+ Fechenheim, 15. Okt. (Vortrag.) Am gestrigen Abend hielt in dem hiesigen evangelischen Männerverein Herr Lehrer Volk aus Offenbach einen Vortrag:Aus dem Volks­leben im Odenwald". Der Herr Vortragende, ein auch in weiteren Kreisen als gemüth- und humorvoller Volksdichter, ein gewandter Rezitator, legte einleitend zunächst den hohen Werth der Dialektdichtung dar, die allein die intimsten Seelen­regungen des Volkes und darum einzig wahr das Volksleben darzustellen vermag. An der Hand einer passenden Auswahl von Gedichien und Prosastücken aus einer von ihm in Oden- wälder Mundart verfaßten Sammlung von Dichtungen: Sundoag und Werdoag" gab er sodann eine treffliche Schil-' derung des Volkslebens im Odenwald und zwar nach der Seite seines Gemüths- und religiösen Lebens, seines Familien- und Liebeslebens und endlich seines sozialen Lebens. Wesent­lich unterstützt wurden die Eindrücke und Wirkungen der sehr gemüthoollen, einzig schönen Dichtungen und naturgetreuen Charakterschilderungen, sowie des echten Humors derselben durch den reinen Dialekt und die vollendet schöne Vortrags­weise des Rezitanten, der selbst ein Kind des Odenwaldes ist. Auch an dieser Stelle sei auf den genannten Volksdichter und seine ausgezeichneten Dialektdichiungen aufmerksam gemacht.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Ein Maximum über 775 mm lagert über Nordrußland, ein Minimum unter 750 mm westlich von Irland. In Deutschland ist das Wetter ruhig, neblig; im Süden und Westen ziemlich kühl.

Prognose für den 17. Oktober: Fortdauer der herrschenden Witterung wahrscheinlich.

Barometerstand

Hanauer Pereinsnachrichlen

für Mittwoch den 16 Oktober.

Kunstvrrein: In der Aula der Königl. Zeichenakademie: Ausstellung des Gemäldes von H. Petersen:Paul Bennecke greift die engl. Flotte an": geöffnet von vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr.

Stadttheater in Hanau -Die Orientreise", Schwank in 3 Akten von Sckönthan und Kadelburg; Anfang 7 Uhr.

Evang. Männer- und Jünglingsverein: Posaunenblasen (Evang. Ver­einshaus).

Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant Mohr.

GesellschaftTreu beim Alten": Zusammenkunft in der .Brauerei Orschler".

VereinGeselligkeit": Vereinsabend in dergroßen Krone .

Turn- u. Fechtklub: Fechten und Turnen der Männerabtheilung.

Arends'scher StenogravhenvereinApollobund" (Gasthaus .z. Grafen Philipp Ludwig"): Vereinsabend.

Thaler-Klub: Zusammenkunft in den3 Hasen".

Verein der Bayern: Vereinsabend im Gasthaus «zu den o Schwanen , Hanauer Schützenverein: Vereinsabend imRestaurant Mohr. Handwerker-Bezirksvereiu: Zusammenkunft in derAllemama .

Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp. imgoldnen Herz"; Steiger-KorpS in derBrauerei Beck'.

Männsrabtheilung der Turngemeinde: Turnen.

Nerjleigsruttgs- etc. Kalender

für Donnerstag den 17. Oktober.

Nachmittags 2 Uhr sollen Steinheimerstraße Nr. 1, wegzugshalber, verschiedene Mobiliar- und andere Gegenstände durch den beeid. Taxa­tor und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Ebenfalls nachmittags 2 Uhr kommen in derCentralhalle" (hinten parterre), erbtheilungshalber, verschiedene Mobiliargegenstände durch den st. beeid. Auktionator Herrn Karl Petri zur Versteigerung.