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Erstes Blatt.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Allonnenten mit dem betreffenden Poslaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stob nud Mimis Hauss

rerger

Einrückungsgebühr»

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau.

Nr. 233 Bezlrks-Fernsprechanschlich Ar. 98.

Samstag den 5. Oktober

BezirkS-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Amtliches.

Candkms Öanau»

Bekanntmachungen des König!. Landrathsamtes.

Mit den Vorarbeiten zur Einkoinmensteuer-Veranlagung für das Steuerjahr 1902 ist alsbald zu beginnen.

Auf Grund des Artikels 36 der Ausführungsanweisung vom 6. Juli 1900 zum Einkommen- und Ergänzungssteuer­gesetz hat die Königliche Regierung die zur namentlichen Fest­stellung der Steuerpflichtigen erforderliche

Aufnahme des Personenstandes für die Einkommensteuer-Veranlagung in diesem Jahre auf

Montag den 28. Oktober

angeordnet.

Die Aufnahme ist thunlichst an diesem Tage auszuführen ; nur den größeren Gemeinden ist es gestattet, sie, wenn sie nicht an einem Tage zu Ende geführt werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Frist zum Abschluß zu bringen.

Die Herren Bürgermeister und Gutsoorsteher veranlasse ich daher, die Personenstandsaufnahme auf Grund der vorjährigen bei der Gegenwart erhaltenen Personenverzeichnisse, der An- teund Abmeldungen, Ab- und Zugangslisten vorzunehmen.

Bei der Aufnahme muß mit Genauigkeit verfahren werden. Namentlich ist zu beachten, daß nur solche Personen einer Familie zugezählt werden, welche einerseits als Familienglieder (Kinder, Pflegekinder oder sonstige den Haushalt theilende Verwandte) anzusehen sind und die andererseits nicht nach Maßgabe des Artikels 6 der Anweisung ein selbständiges Einkommen haben, durch welches sie wirthschaftlich vom Haus­haltungsvorstande unabhängig sind. Personen, bei welchen die letztere Voraussetzung zutrifft, sind daher stets besonders aufzuführen, ohne Rücksicht darauf, ob sie volljährig sind und ob sie im Hause des Familienhauptes wohnen und be­köstigt werden oder nicht.

Die Spalten 4 lla des Verzeichnisses müssen sorgfältig ausgefüllt werden. Bei jedem Namen ist in den Spalten 4 bis 7, gesondert nach den aus den Kopfinschriften ersichtlichen Merkmalen, die Zahl der Haushaltungsangehörigen (Artikel 6) aufzuführen, einschließlich Derjenigen, welche behufs ihrer Ausbildung als Lehrlinge, Schüler, Studenten u. s. w. auswärts unterhalten werden.

In der Spalte 6 ist die Anzahl derjenigen Angehörigen nachzuweisen, welche am bevorstehenden 1. April das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben werden. Personen, welche bis dahin das 14. Lebensjahr überschritten haben, sind in Spalte 4 bezw. 5 zu berücksichtigen, sofern nicht ihre be­sondere Aufführung im Verzeichnis bedingt ist.

Vor Ausfüllung der Spalte 9 ist insbesondere in jedem einzelnen Falle genau zu prüfen, ob die Censiten nicht ein Einkommen von mehr als 900 Mark haben. Der Abzug für Kinder unter 14 Jahren darf bei Prüfung dieser Frage nicht in Betracht gezogen werden. Insassen von Armen- hänsern und ähnlichen öffentlichen Anstalten sind ohne namentliche Angabe summarisch aufzunehmen.

Zum Personenverzeichniß ist das mit der Gemeindesteuer­liste vereinigte Formular zu verwenden.

Die Bescheinigung auf dem Titelblatte des Personen­verzeichnisses bezw. der Gemeindesteuerliste ist auf den 28. Oktober auszustellen.

Die zur Veranlagung erforderlichen Formu­lare (Personenverzeichniß mit Gemeindesteuer- liste, Staatssteuerliste und Staatssteuerrolle) nebst Umschlägen sind von der hiesigen Waisen- Haus-Buchdruckerei fertig gestellt und können jeder Zeit abgeholt werden.

Hanau den 3. Oktober 1901.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

J. St. 33/78 v. Schenck, Königlicher Landrath.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: Im Flur von der städtischen Sparkasse (Rathhaus) ein Damen-Regenschirm.

Hanau den 5. Oktober 1901.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 5. Oktober.

* Hauskollekte. In diesen Tagen soll in unserer Stadt mit der Einsammlung der Haus-Kollekte zum Besten der Jdioten-AnstaltHephata" zu Treysa begonnen werden. Zwei Jahre lang hat die AnstaltHephata", die die armen, schwachsinnigen und blödsinnigen Kinder unseres Hessenlandes pflegen und ausbilden will, es freiwillig unterlassen, die Hilfe des Landes durch eine Haus-Kollekte in Anspruch zu nehmen. Wohl ist es ihr schwer gefallen, diese wesentliche Unter­stützung entbehren zu müssen, aber sie wollte an ihrem Theile dazu beitragen, daß die Anforderungen an die Opferfreudig­

keit des Einzelnen nicht immer mehr gesteigert wurden, diesem Jahre nun mußHephata" von neuem für seine armen, blöden Kinder um theilnehmendes Erbarmen und

In 135 lieb- daß sich

reiches Helfen herzlich bitten und hofft zuversichtlich, von neuem sich viele Herzen erwärmen und viele Hände öffnen lassen zu thatkräftiger Unterstützung -an dem so noth­

wendigen und verheißungsvollen Werke christlicher Barmherzig­keit, das inHephata" getrieben wird. Seit der vor 7 Jahren unternommenen Gründung durfte die Anstalt 184 arme, blöde Kinder aus allen Theilen unseres Hessen- landes^ aufnehmen. Zwischen 130 und 140 von diesen Kindlein weiten. heute noch inHephata", und viele von ihnen haben zur großen Freude ihrer Angehörigen sich in jeder Beziehung günstig entwickelt. Aus Stadt und Kreis Hanau erhalten z. Z. 13 Zöglinge in der Anstalt Verpflegung und Ausbildung. In sieben Schulabtheilungen werden die Kinder in einer besonders für sie geeigneten Weise unterrichtet; 10 Knaben erlernen die Besen- und Bürstenmacherei, 4 die Korbmacherei, 3 die Schneiderei, 5 die Gärtnerei, 1 die Schrei­nerei, ca. 30 die Seilstrickerei, ca. 10 werden mit Feld- und anderen Arbeiten beschäftigt; in 3 Abtheilungen erlernen die Mädchen die weiblichen Handarbeiten und haben es zum Theil zu erfreulicher Fertigkeit gebracht. Eine große Anzahl von Angestellten (6 Schwestern, 3 Lehrerinnen, 10 Brüder, 5 Ge­hilfinnen und 15 andere Mitarbeiter) vereinigen sich in dem Dienst der Liebe an den Armen und Elenden, erfordert doch die Hilfsbedürftigkeit derselben in so vieler Hinsicht besonders viel Mühe und Arbeit bei Tag und Nacht 31 von den Zöglingen der Anstalt haben neben ihrer geistigen Schwäche noch allerlei körperliche Gebrechen und Mängel (Lähmungen, Verkrüppelungen, Taubheit u. a. m.), 18 von diesen können gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten gehen, obwohl sie zum Theil 12 und mehr Jahre alt sind. Von Jahr zu Jahr sind mehr Zöglinge angemeldet, mehrmals schon hat die Anstalt durch Erweiterungsbauten neuen Raum für die wach­sende Zahl der armen Kinder schaffen müssen, von Jahr zu Jahr ist sie. dadurch gezwungen worden, erhebliche Ausgaben besonderer Art machen zu müssen. Für fast alle Zöglinge

wird ein so geringes Pflegegeld gezahlt, daß damit die Un­kosten, die das betreffende Kind verursacht, nicht gedeckt werden können. Ist also die Anstalt schon in diesem Stücke auf die helfende Liebe Anderer angewiesen, so ist das erst recht der Fall für die vielen besonderen Ausgaben, die ihr durch Bauten, Neuanschaffungen an Mobiliar u. a. m. erwachsen, und vor solche besondere Ausgaben ist sie auch jetzt wieder gestellt. Sie muß durch ein neues Haus Raum schaffen, um den vielen Bitten um Aufnahme weiterer Zöglinge, die fortlaufend an sie herantreten, auch nur einigermaßen entsprechen zu können. Die Anstalt glaubt, daß Gott der Herr es von ihr fordert, in dem begonnenen Werk fortzuschreiten und von den mehr denn 1000 schwachsinnigen Kindern, die in unserem Hessen­lande noch weilen, noch viele zum Pflegen und Unterweisen aufzunehmen; darum muß sie hinausrufen in unser Land: Kommt und helft uns! Möchte die Bitte der Anstalt besonders in den Häusern und Herzen eine freundliche Auf-

aufzunehmen;

Feuilleton

Stndt-Thcater in Hanau.

Des Meeres und der Liebe Wellen", Tragödie in 5 Akten von Grillparzer.

Hanau, 5. Oktober.

Den Beschluß der ersten Theaterwoche der neuen Spielzeit bildete gestern die Wiederaufnahme des DramasDes Meeres und der Liebe Wellen" von Grillparzer, dem lange nicht genug gewürdigten Vertreter des klassischen Ideals der Schauspielkunst, und damit dem neu zusammen- gestellten Ensemble unserer Bühne eine hohe und edle Aufgabe bietend, in­dem eS seine Verwendbarkeit auch auf dem Boden des klassischen Dramas beweisen sollte. In Berücksichtigung der Schwierigkeiten, welche die Er­habenheit des Stoffes aus der griechischen Antike und der ganze eigen­artige Zauber der Grillparzerschen Poesie in der Wiedergabe sowohl an den Einzelnen, als auch an das Ganze stellt, muß der Versuch als ein recht befriedigender bezeichnet werden. Ueber dem Drama, das Form und Stoff dem Alterthum entlehnt, schwebt verklärend der Geist unseres Schillers und der Goethes. Schillers DichtungHero und Leander" gibt die Unterlage zur Handlung und mit GoethesJphigenia" hat die Behand­lung des Stoffes manches Gemeinsame. Am einsamen Gestade, dem Dienste der Göttin geweiht, weilt Hero als Priesterin des Tempels. Die Göttin fordert strengen Dienst und sittenrein muß die Jungfrau bleiben, die sich zur Priesterin verpflichtet. Bei einem Feste tritt ihr Leander ent­gegen und die Liebe zieht ein in,Beider Herzen. Da in der Umgebung des Tempels kein Fremder weilen darf, so müssen die Liebenden i^r Ge­schick der vei schwicgcnen Nacht anvertrancn. Aber Oberpriester und Hüter des Tempels wachen über die Jungfrauen, die sich dem Dienst der Göttin geweiht, und als in einer bunten Nacht Hero dem Geliebten wieder die Lampe ans Fenster gestellt, damit sie ihn an sicherer Stelle auf seinem gefahrvollen nächtlichen Wege durch das Meer landen lasse, entfernte der Oberpriester das leitende Zeichen und Leander findet den Tod in den Wellen des Meeres, die ihn schwimmend zu der Geliebten tragen sollten. An der Leiche des Geliebten findet Hero durch den Tod ihre Vereinigung mit demselben. So weiß uns die Handlung des Stückes auch ein ergreifendes Lied von der Menschheit allmächtigem Leid zu singen, in melodisch schöner Sprache Liebeslust und Liebesleid zu künden und ein Seelengemälde hoch­poetischer Art zu geben. Die beiden ersten Akte mit ihrem lyrischen

Stimmnngsgehalt und der zarten Schönheit der Verse mögen nur em- pfängliche Gemüther befriedigen, vom dritten Akte aber an, in welchem die Liebesleidenschaft über die Beiden znsammenschlägt, bis zum erschüttern­

den Schlüsse ist sie ihres nachhaltigen Eindruckes sicher. Wir haben schon oben der Darstellung anerkennend gedacht und so soll für die stimmungs­volle Wiedergabe dem Regisseur des Abends, Herrn Möbius, die An­erkennung hier nicht vorenthalten werden. Als Darsteller des Oberpriesters erwies sich derselbe auch als verständiger Sprecher, der seine Parthie recht ausdrucksvoll behandelte. Frl. Haas, als Hero, zeigte sich als eine verständige Darstellerin, die ihrer Rolle den poetischen Liebreiz, mit dem sie ausgestattet, zu wahren wußte. In den beiden ersten Akten eilte sie uns über die Schönheit der Verse etwas zu flüchtig hinweg, in dem weiteren Verlauf des Stückes aber entschädigte sie durch echte Leidenschaft und ausdrucksvolles maßvolles Spiel. Weiter müssen wir Herrn Kron für seinen Leander Anerkennung zollen. Der junge Künstler war in der sympathischen Ausgestaltung des Charakters recht glücklich und stattete ihn, den Intentionen des Dichters gemäß, mit der wilden verzehrenden Leiden­schaft aus, die alle Hindernisse zu überwinden trachtet, die seiner Liebe sich in den Weg stellen. Beide Darsteller wurden biirdj Beifall lebhaft aus­gezeichnet. Frl. Gypen als Janthe, Herr Lindenlaub als Vater, Frau Rieger als Mutter und Herr Leßmann als Hüter des Tempels führten ihre kleinen Parthien mit Erfolg durch.

Kunst und Leben.

Das Jung Goethe-Denkmal für Straßburg ist endgiltig dem Bildhauer 'Ernst Wägener übertragen, der aus dem Wettbewerb als erster Sieger hervorgegangen war.

Eine schwedische Südpolarexpedition. In einem am Donnerstag in der Sitzung des geographischen Vereins in Upsala gehaltenen Vortrag theilte Dozent Nordenskjöld, wie aus Stockholm depeschirt wird, mit, die schwedische Sudpolar­expedition werde bald nach dem 8. ds. Mts. zur Abreise bereit sein. Außer den wissenschaftlichen Mitarbeitern werden ein amerikanischer Maler und möglicherweise ein argentinischer Seeoffizier an der Expedition theilnehmen. Von den Falk­landinseln, wo eine Niederlassung errichtet werden soll, werde die Reise südwärts gehen. Nachdem man möglichst weit süd­lich vorgedrungen sei, werde, wie wir bereits berichten konnten, ein $ur Ueberwinterung geeigneter Platz aufgesucht werden. Das Schiff gehe sodann mit drei Geologen an Bord nach den Falklandinseln zurück, von wo aus während des Winters in diesen nur wenig erforschten Gegenden wissenschaftliche Aus­

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Nnterhaltuugsblatt 14 Selten

flüge unternommen werden sollen. Die Expedition werde voraussichtlich Anfang 1903 nach Schweden zurückkehren.

Hans Thoma arbeitet, wie aus Dresden gemeldet wird, zur Zeit an zwei zusammengehörigen Bildern. Das eine stellt dar, wie Christus der Maria Magdalena erscheint und zu ihr die Worte spricht:Rühre mich nicht an"; das andere stellt Christus, Petrus warnend, dar. Die beiden Bilder sind für die Petruskirche in Heidelberg bestimmt. Thoma hofft, daß solche Arbeiten die Wand-, bezw. die Monumental­malerei neu beleben werde.

Ein neues Schnupfenmittel. Auf der soeben tagenden 73. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg sprach Herr Privatdozent Dr. Suchannek aus Zürich über ein neues, nach jeder Richtung erprobtes Schnupfen­mittelForman" Cn Hm OC1, welches mit warmem Wasser oder feuchter Luft in Formaldehyd, Menthol und Salzsäure zerfällt. Die beiden erstgenannten Stoffe verflüchtigen sich in statu nascendi mit den Wasserdämpfen und gelangen so in die Luftwege, während die minimale Spur von Salzsäure durch die stets vorhandene Feuchtigkeit absorbirt und unschäd­lich gemacht wird. Vortragender verlangt von einem guten Schnupfenmittel, daß es gasförmig, reizlos und leicht dosirbar sei, sowie in bequem anzuwendender Form zur Darreichung gelange. Diesen Anforderungen entspricht das Forman (SSVs prozentige Forman-Watte und Forman-Pastillen, die in dem beigegebenen Jnhalationsglas aufzulösen sind) vollkommen, und Referent hält dasselbe für ein geradezu ideales Schnupfen» mittel. Der Effekt desselben tritt um so prompter ein, je früher das Mittel angewandt wird, d. h. bei den ersten Zeichen des beginnenden Schnupfens. Es besitzt als coupirendes und bei Influenza- und Heufieber-Zeiten auch als vorbeugendes Mittel ganz hervorragende Bedeutung. Das Forman unter­drückt und mildert nicht nur die Coryza, sondern erleichtert auch bei Nasen-, Rachen- und Kehlkopf-Katarrhen, sowie bei gewissen Bronchitiden die Beschwerden außerordentlich. Diese Beobachtungen decken sich mit denjenigen von Professor Seifert-

Wurzburg.