3. OßLober
Drahtnachrichten.
Der Krieg in Südafrika.
W. Kapstadt, 1. Oktbr. Der Premierminister der Kapkolonie Gordon Sprigg und der Attorney-General Rose Innes sind heute nach Transvaal abgereist, um mit Kitchener und Milner zu berathen.
W. Johannesburg, 1. Oktbr. Der unter der An- Anklage der Spionage und des H o ch v e r rZ t h s vor Gericht gestellte frühere dritte Staatsanwalt Transvaals Broeksma, welcher der Vermittler zwischen den im Felde stehenden Buren und Dr. L e y d s, sowie Dr. Krause war, wurde des genannten Verbrechens sük schuldig befunden. Broeksma wurde heute früh erschossen.
W. Suymanspost (Transvaal), 1. Oklbr. Das Kommando Coetzes stieß gestern auf der Flucht vor der Kolonne D a m a n t am Boesmanskop auf die Kolonne des Obersten Bastng. Die Buren verloren 5 Todte und 6 Gefangene, darunter den bekannten Feldkornet D u t o i t.
W. London, 2. Oktbr. Eine Depesche Kitcheners aus Pretoria vom 2. Oktober besagt: Der Nachtallgriff D e l a r e y s auf das Lager des Obersten K e k e w i ch bei M oedwill am 30. September wurde vom Feinde, der etwa 1000 Mann zählte, mit großer Energie durchgeführt. Nach zweistüündigem, erbittertem N ah kämpfe wurden die Buren mit beträchtlichen Verlusten zurückgelrieben. Englischerseits sind die Verluste schwer. Zwei Offiziere und 31 Mann fielen, elf Offiziere und 48 Mann wurden schwer, drei Offiziere und 26 Mann leicht verwundet. Alle Verwundeten wurden nach Rustenburg transportirt. Außerdem wurden etwâ 40 Mann verwundet von denen man nichts Genaueres weiß. Sie sollen ebenfalls nach Rustenburg geschafft werden. Meldungen von schweren Verlusten des Feindes bei den Forts I t a l a und Prospect bestätigen, daß 250 Buren gelobtet und 300verwundet sein sollen.
^v» London, 2. Oktbr. Kitchener berichtet noch, daß bei dem Angriff D e l a r e y s auch Oberst K è k e- wich an zwei Stellen verwundet wurde, aber nur unbedeutend.
W* London, 2. Oktbr. Ein weiteres Telegramm Kitcheners besagt: Die beiden Geschütze, welche die Buren am 20. September bei B l a k f o n t e i n erbeuteten, wurden ihnen wieder abgenommen.
Md. London, 3. Oktbr. Nach einem Telegramm aus Kapstadt wird eine wichtige Konferenz zwischen Lord Kitchener und mehreren höheren englichen Beamten demnächst stattfinden.
Hd. London, 3. Oktbr. Aus Middelburg wird berichtet: Buren von dem Kommando Fouche plünderten mehrere Häuser in Xuca.
Hd. London, 3. Oktbr. „Daily Mail" meldet aus Brüssel: Ein Enkel Krügers ist hier eingetroffen. Derselbe ist Träger wichtiger Depeschen von Botha und Schalk Burger. Diese Dokumente betreffen die Korrespondenz zwischen Kitchener und Schalk Burger. Auch befindet sich darunter der Sommer- Kriegsplan, der augenblicklich zur Ausführung gelangt. In dem Telegramm heißt es: Die Lage der Buren sei niemals bester gewesen, als heute. \
Aus China.
W. Berlin, 2. Oktbr. Aus Peking wird vom 2. ds. berichtet: Zwei Mörder des anfangs August in der Umgegend ermordeten Stewards Lahr wurde heute enthauptet. Weitere acht Mitglieder der Räubergesellschaft werden am 16. ds. hingerichtet.
W; Berlin, 2. Oktbr. Aus Kanton wird vom 1. Oktober gemeldet: Von den Aufständischen wurden weitere, jedoch kleinere Missions st ationen beraubt. Der Generalgouverneur sprach sein Bedauern aus und schickte 1900 Soldaten ab. Er ist von der Zentralregierung nachdrücklich zur Unterdrückung der Unruhen aufgefordert worden, da es zugleich im eigenen Interesse Chinas liege. Vorläufig scheint der Aufstand noch ohne Organisation und Bedeutung zu sein.
W. Washington, 2. Oktbr. Ein Telegramm des amerikanischen Konsuls in Kanton besagt, daß General Wu mit 1500 Soldaten die Aufständischen, welche zur Dreifaltigkeits-Gesellschaft gehören, geschlagen habe. 200 Aufständische sind gefallen, viele gefangen genommen und enthauptet worden.
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Berlin, 3. Oktober. Bekanntlich sind aus der Schatulle des Kaisers schon zu Anfang September 10,000 Mark an die A b g e b r a n n t e n in W y s ch t y t e N zur Auszahlung gelangt. Auf ein Dankschreiben des Komitss antwortete der Kaiser nach der „Königsberger Hartung'schen Zèitung"!
„Ich danke bestens für den freundlichen Segensgruß. Ich habe mich gefreut, zur Linderung der dringendsten Noth der vom Brandunglück Betroffenen beitragen zu können, und hoffe, daß das Konnte durch reichliche Spenden barmherziger Menschenliebe in den Stand gesetzt werde, den in ihrer wirthschaflichen Existenz schwer bedrohten Unglücklichen noch weitere Hilfe zu senden."
Außer der Geldspende sorgt der Kaiser für die meist jüdischen Abgebrannten noch in anderer Weise, indem er täglich 500 Pfund Brod und nach israelitischer Vorschrift geschlachtetes Fleisch durch deutsche Beamte auf dem Marktplatz in Wyschtyten vertheilen läßt.
Nach dem Besuche des Kaisers an der Brandstätte hatte sich übrigens das „Komitö für die Abgebrannten," um seinen Dank zum Ausdruck bringen zu können, schriftlich mit der Bitte an Herrn Forstmeister von St. Paul gewandt, bei dem Kaiser eine Audienz zu erwirken. Dieser Wunsch ist aber nicht in Erfüllung gegangen. Am Sonntag erhielt Herr Arnsdorff-Kallweitschen aus Rominten folgendes Telegramm:
Auf Allerhöchsten Befehl theile dem Komits für die Abgebrannten in Wyschtyten ergebenst mit, daß Se. Majestät der Kaiser und König Allerhöchst sich sehr über das Schreiben und die Absicht gefreut haben, daß aber Se. Majestät zu seinem
__ Donnerstag T
Sebauettt verhindert sind, die Herren hier zu empfangen. Im Allerhöchsten Auftrage _ v. St. Paul, Forstmeister.
^as Komits hat infolgedessen Herrn Forstmeister v. St. Paul gebeten, dem Kaiser den Dank der Abgebrannten in Wyschtyten zu überbringen.
Md. Berlin, 3. Okt. Gegenüber anderweitigen Meldungen'berichtet der „Vorwärts", daß die Kunst-Depu- tation in ihrer gestrigen Sitzung einmüthig — die Magistrats- Mitglieder eingeschlossen — der Ansicht war, daß dem Einsprüche des Kaisers betreffend die Märchenbrunnen nicht statt- gegeben werden soll. Die Deputation fand keinen Anlaß, die bereits in der Ausführung begriffenen Märchenbrunnen in ivolge des kaiserlichen Einspruchs anders zu gestalten und war —ebenfalls einmüthig — der Ansicht, daß weder nach dem Gesetz noch nach dem f. Zt. bei Uebernahme der Straßen ab- geschlossenen Vertrage die Aufstellung der Brunnen von der Genehmigung des Kaisers abhängt. Da das Schreiben des Polizeipräsidenten keine definitive Weigerung der polizeilichen Vauerlaubniß enthält, sondern eine Abänderung des Projektes anhkimstellt, beschloß die Deputation, dem Magistrat zu empfehlen, dem Polizeipräsidenten mitzutheilen, daß eine Aenderung des Projektes nicht beabsichtigt wird und den Präsidenten um eine definitive Aeußerung darüber zu ersuchen, ob er die Bau- Erlaubniß ertheilt oder verweigert. Für den Fall der Verweigerung beschloß die Deputation, den Magistrat zu ersuchen, gegen den Polizeipräsidenten die Klage auf Ertheilung der Baü-Erlaubniß beim Oberverwaltungsgericht einzuleiten.
Hd. Berlin, 3. Okt. Nach einer Meldung aus Madrid sind zwischen den Städten Bejar und Candelaria ernste Reibungen ausgebrochen, weil Candelaria der Stadt Bejar das Wasser abschneidet. Die Bewohner von Vejar zogen gegen Candèlario, Mieten viel Vieh, zündeten Landhäuser an und beschossen die Bürger von Candelario, die sich veröar- rikadirt hatten. Die Letzteren hatten vier Todte. Kavallerie ist nach Bejar abgegangen.
Hd. Berlin, 3. Okt. Das „Berl. Tagebl." berichtet aus New -York: Emma Goldmann will heute in Chicago wörtlich den nämlichen Vortrag halten, der Czolgosz nach dessen Geständniß zum Attentat auf Mac Kinley aufreizte. Die Versammlung wird von der Polizei überwacht werden.
Hd. Berlin, 3. Oktbr. Die Besatzung des aus O st- asien zurückgekehrten Kreuzers „Gefion", 300 Offiziere und Mannschaften, ist, wie dem „Lok.-Anz." aus Kiel gemeldet wird, gestern Abend im Sonderzug von Wilhelmshaven dort eingetroffen. Die Heimgekehrten wurden von Kameraden und Angehörigen auf dem Bahnhöfe begrüßt und marschirten unter Vorantritt eines Musikkorps nach der Matrosen-Kaserne.
Hd. Berlin, 3. Oktbr. Drei Füsilire vom 3. Bataillon des Regiments Nr. 86 (Königin) in Souderburg verübten, wie dem „Lok.-Anz." aus Flensburg berichtet wird, in der Nacht in der dortigen Kantine Einbruch. Sie erbeuteten ca. 1000 Mk. Baargeld und flüchteten alsdann.
Hd. Berlin, 3. Oktbr. Aus Neapel wird dem „Berliner Tgbl." depeschirt: Dem Dampfer „Bayern", der den Sühneprinzen nach China zurückbringt, wurde der Aufenthalt im Hafen von Neapel nicht gestattet. Er dampfte gestern Abend weiter.
W. Thale (Harz), 3. Okt. Der Gemeindevorsteher Siebert wurde vom Nachtwächter Bitzmann, der glaubte, daß Siebert seiner Anstellung im Dienste des Ortes entgegenstand, erschossen. Der Mörder wurde in Blankenburg verhaftet.
W. München, 2. Okt. Jin bayerischen Landtag wird heute die Zentrums-Interpellation verhandelt, welche Stellung die bayerische Negierung bei den Berathungen des Zolltarifentwurfs im Bundesrath einzunehmen gedenke.
Hd. Wien, 3. Okt. Der heute von seinem Urlaub hier eingetroffene rumänische Gesandte Ghika wird, wie verlautet, mit dem Grafen Goluchowsky über eine in Aussicht genommene Begegnung des Königs von Rumänien mit dem Kaiser Franz Joseph konferirkn.
Hd. Madrid, 3. Oktbr. Règierungskreise stellen energisch in Abrede, baß Schritte unternommen worden seien, um mit einer europäischen Macht eine Allianz zu schließen.
W. Madrid, 2. Okt. (Meldung der Agence Havas). In Regierungskreisen wird fortdauernd in Abrede gestellt, daß in der Frage der Bündnisse Spaniens Schritte gethan wurden. — Durch wolkenbruchartige Regenfälle in der Provinz Alicante wurden mehrere Ortschaften unter Wasser gesetzt.
Hd. Paris, 3. Okt. Oberstleutnant Gallet, bisher Unter-Chef im Kriegsministerium, ist zum Militär- Atta ch 6 für Holland und Belgien ernannt worden.
Hd. Paris, 3. Okt. Der Kabinetschef Waldeck-Rousseau begibt sich auf zwei Tage nach Rambouillet zum Präsidenten Loubet. Wichtige politische Fragen sollen den Anlaß zu diesem Besuch gegeben haben.
Hd. Paris, 3. Oktbr. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Pforte beauftragte einen Ausschuß, die Angelegenheit Lorando nochmals genau zu prüfen.
Hd. Brüssel, 3. Okt. Unter den wegen der Pest in Neapel zurückgehaltenen Quarantäne-Passagieren befindet sich auch der Oberbürgmeister von Brüssel, de Mot.
W. Brüssel, 3. Okt. Alle aus den Kohlenbezirken gestern hier eingegangenen Meldungen lauten übereinstimmend dahin, daß die Ausstandsbewegung langsam im Wachsen begriffen ist, sich aber noch weit entfernt vom Generalausstand befindet.
Hd. London, 3. Oktbr. Gestern fand in Barrow der Stapellauf des ersten englischen Unterseebootes statt.
W. London, 2. Okt. Das erste englische Unterseeboot ist gestern in Barrow glücklich vom Stapel gelaufen.
Hd. Grimsby, 3. Oktbr. Die a u â st ä n d i s ch e n Fischer haben den Schiedsspruch angenommen unter der Bedingung, daß derselbe sofort zur Ausführung gelangt und Jeder seinen Posten sofort besetzen kann.
W. New-Uork, 2. Okt. Es wurde festgesetzt, daß vom 3. Oktober ab jeden Tag, mit Ausnahme des Sonntags, anstatt jeden zweiten Tag, Rennen zwischen den D a ch t e n
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„Columbia" und „Shamrock II" stattfinden sollen, bis der Kampf entschieden ist.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
Rückingen. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Rückingen belegenen, im Grundbuche von Rückingen zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Ackermanns Wilhelm Lottig, Dorothea, geb. Hamburger, zu Rückingen eingetragenen Grundstücke am 18. November 1901, vormit- tagS 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Langenselbold versteigert werden.
Patent-Ertheilungen.
Nr. 124 977. Verfahren zur Darstellung von Alkalicyanamid. — Deutsche Gold- u. Silber-Scheide-Anstalt vorm. Roeßler in Frankfurt a. M., vom 16. September 1900 ab. Kl. 12k.
Nr. 125 699. Verfahren zur Darstellung von schwarzen, substantiven Baumwollfarbstoffen. — Dr. W. Epstein in Frankfurt a. M., Leerbachstraße- 32, vom 27. Mai 1900 ab. Kl. 22b.
Nr. 124 736. Selbstthätige Ein- und Ausschaltvorrichtung für elektrische, Reklame-, Bühnen- und ähnlichen Zwecken dienende Lampen. — Paul Begas & Co. in Frankfurt a. M., Gutleutstraße 1, vom 18. Dezember 1900 ab. Kl. 21c.
Nr. 124 789. Verfahren zur Darstellung von substantiven Diazofarbstoffen aus Dioxytriazolmonosulfosäure. — K. Oehler in Offenbach a. M., vom 25. Januar 1900 ab. Kl. 22a*
Nr. 126 175. Verfahren zur Darstellung von schwefelhaltigen violett bis bordeaux färbenden Baumwollfarbstoffen aus Oxyderivaien von Azinen — Leopold Cassella & C o. in Frankfurt a. M., vom 11. August 1900 ab. Kl. 22d.
Nr. 125 133. Verfahren zur Herstellung von alkalilöslichen Kondensationsprodukten aus «1 «4 Dinifronaphtalin; Zus. z. Pat. 122 476. — Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a. M., vom 30. August 1900 ab» Kl. 12g.
Nr. 125 361. Vorrichtung zur Entstäubung des Schwadens aus Trockenvorrichtungen. — Aktiengesellsch a f t für Treber-Trocknung in Cassel, vom 20. Oktober 1899 ab. Kl. 82a.
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