Erstes Blatt.
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»artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. VV ^ ^^ ^x ^ W ^ M, Ä ^ VM ^ ^
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. V
Gedruckt und verlegt in der BuHdruckerei des verein, ev. AWtHes OlgM für Stakt- nrrd Landkreis Hanan.
Einrücknngsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 228 Bezirks-FerilsprechauMiß Nr. 98.
Montag den 30. September
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
SS^
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
An einem im hiesigen Schlachthof geschlachteten Schweine des Oekonomen Schadt, Hainstraße Nr. 27 hierselbst, ist die Rothlaufsettche festgestellt worden.
Ueber das Schadt'sche Gehöft wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 30. September 1901.
Königliche Polizei-Direktion. P 8415 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Jnoalidenkarte Nr. 6 für Balthasar Guth aus Seligenstadt. 1 Karte für das Korpsmanöver des 18. Armeekorps 1901.
Verloren: 1 schwarzer Taffgürtel mit 2 Schnallen.
Zugelaufen: 1 junger hellbrauner Hund mit weißen Abzeichen m. Geschl. 1 kleiner schwarzer Spitz m. Geschl. 1 schwarzer junger Bastard mit gespaltener Nase w. Geschl.
Hanau den 30. September 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 30. Septbr.
♦ Einen wunderschönen Spätsommertag hatte uns der Himmel gestern noch einmal bescheerr, der die „srei- heits"durstenden Städter mit Macht hinauslockte ins Reich der Natur. Die bekannten Ausflugsorte, bezw. die Wege dahin glichen einer Völkerwanderung; besonders hatten die „Aeppel- weinorte" einen immensen Andrang von Hanauern und Frankfurtern auszuhalten und in Hochstadt nahm der Konsum vom „Süßen" geradezu beunruhigende Dimensionen an. Auch unser herrliches Wilhelmsbad, wo die Infanterie-Kapelle kon- zertirte, hatte äußerst zahlreichen Besuch aufzuweisen. Ein Spaziergang im Freien ist jetzt, wo keine sengende Hitze mehr ermüdet, da der scheidende Sommer Wald und Auen in die prächtigsten Farben kleidet, ein Hochgenuß, und Niemand sollte versäumen, die Herrlichkeiten, die jetzt Flur und Wald noch für kurze Zeit bieten, zu benutzen.
* Der hiesige Sprechverkehr ist auf Burggräfen- rode, Langenbergheim und Oberwöllstadt ausgedehnt worden.
* Generalkommissions-Präsident. Wie wir hören, ist an Stelle des zum 1. Oktober d. Js. in den Ruhestand tretenden Herrn Generalkommissionspräsidenten Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Kette Herr Generalkommissionspräsident von Baumbach in Bromberg zum Präsidenten der Königlichen Generalkommission in Cassel ernannt.
Stadt-Theater in Hanan.
(„Madame Sans -Gâne", Lustspiel in 4 Akten von Victorien Sardou.)
Hanau, 30. Sept.
Mit der gestrigen Eröffnungsvorstellung hat auch Madame Ungenirt auf unserer Bühne ihren Einzug gehalten, von dem ausverkauften Hause mit zunehmender Wärme ausgenommen und schließlich lebhaft gefeiert. Eine abwartende Haltung kann man erklärlich finden, das Stück weicht schon in der Form von dem sonst Gewohnten ab. Es ist eigentlich nur eine Reihe szenischer Bilder aus der späteren Zeit des ersten französischen Kaiserreichs mit einem Vorspiel, das 20 Jahre vordatirt. Dann erwartet man nach der Bezeichnung ein Lustspiel zu sehen und gleich der erste Akt, den wir als Vorspiel bezeichneten, führt uns in ziemlich ernste Dinge ein; von einer Waschküche aus sehen wir das Toben der Revolution und die Erstürmung der Tuillerien am 10. August 1792. Wir lernen die nachmalige Herzogin von Danzig als Wäscherin Katharina Hübscher, den späteren Herzog als eifersüchtigen Sergeanten Lefèbre, Fouchö, den allmächtigen Polizeiminister des Kaiserreichs, als armen politischen Projektenmacher kennen, und gelegentlich hören wir auch schon den Namen Bonaparte's als den eines darbenden Offiziers, der irgendwo auf einer Dachkammer des fünften Stockes wohnt und seine Wäscherechnung nicht zahlen kann. Graf Neipperg, österreichischer Kavalier in Diensten der Königin Maria Antoinette, flüchtet verwundet in den Laden Katharinens und wird von dieser aus Mitleid verborgen. Die Eifersucht Leföbres führte beinahe seine Entdeckung, der Edel- muth desselben aber auch seine Rettung herbei. Allen diesen Personen begegnen wir 20 Jahre später in den Tuillerien, dem Marschall und der Marschallin Lefèbre, Fouchè, dem Herzog und Polizeiminister, dem Grafen Neipperg, Gesandten des
Herr von Baumbach war in den Jahren 1875—4881 Spezialkommissar in Hana u.
* Personalnachrichten der Cèsenbahndirektion Frankfurt a. M. Versetzt sind: Der königliche Regie- rungs- und Baurath Dannert von Berlin nach Fulda, Betriebsingenieur Hannemann von Stargard i. Pr. nach Fulda, der königl. Bauinspektor Leske von Fulda nach Breslau, Regierungsbaumeister Jaekel von Gießen nach Frankfurt a. M., die Materialienverwalter 1. Klasse Carl von Fulda nach Limburg a. d. Lahn und Rittel von Limburg nach Fulda, die Materialienverwalter 2. Klasse Fulde von Betzdorf nach Limburg und Böhlert von Limburg nach Betzdorf, die Bahnmeister Decker von Gießen nach Fulda, Adolf Eichmann von Fulda nach Flieden, Schütz von Hachenburg nach Limburg, Dewes von Limburg nach Hachenburg, Hock von Dettingen nach Aschaffenburg, Vielwerth von Gelnhausen nach Büdingen und Kubischock von Flieden nach Burgsinn. Pensionirt wurden die Bahnmeister Muth zu Rödelheim und Eichmann zu Burgsinn. Gestorben sind Betriebssekretär Hermann in Frankfurt a. M., Stationsverwalter Müller in Echzell und Zugrevisor Pape in Frankfurt a. M. Die Prüfung haben bestanden: zum Eisenbahn-Betriebsingenieur und technischen Eisenbahnsekretär der technische Bureau-Aspirant Schneider, zum Stationsvorsteher die Stations-Assistenten Gustav Gimbel zu Rüdesheim und Adolf Schnupp zu Hanau, zum Güterexpedienten: Stations-Assistent Gustav Bender zu Geisenbeim.
* Reserve. Die zur Reserve entlassenen Mannschaften des Ulanen-Regiments fuhren zum Theil heute Morgen den heimathlichen Gefilden zu.
* Ausstellung des Kunstvereins. Das in der Aula der Königl. Zeichenakademie zur Zeit ausgestellte große, stimmungsvolle Wandgemälde (Format 2 X iVa m) ist auf Veranlassung der Verbindung für historische Kunst von Hans Petersen gemalt. Es führt uns ein heißes Seegefecht naturwahr vor Augen und zwar behandelt es in meisterhafter Durchführung die geschichtliche Thatsache, nach welcher Paul Benecke im Jahre 1468 mit zwei Danziger Schiffen an der flandrischen Küste fünf englische Kriegsschiffe schlug. Aus den grünlich schimmernden, brandenden Wogen des vom Sturme erregten Meeres ragen die Riesenleiber der mittelalterlichen Fahrzeuge mit aufgeblähten Segeln gigantenhaft hervor, eingehüllt in lichte Rauchmassen, welche den feuerspeienden Schlünden der Tod und Verderben bringenden Kanonen entströmen. Darüber wölbt sich wetterschwer der mit grauen Wolken bedeckte Himmel wodurch der Ernst der Situation so recht in Erscheinung tritt Allen Kunstfreunden wird durch die Besichtigung dieses male rischen Schaustückes sicherlich ein hoher Kunstgenuß bereitet.
<> Herrenabend der „Tonblüthe". Dèn Reigen der diesjährigen Herrenabende eröffnete am Samstag unter emm—^a».uMn>K?t,»,^ffiWBT'Minn in I aifiMin««^"’»«’.»««» -■» n-iTMâNT'ir''""'- . '*;~ Kaisers von Oesterreich, und Napoleon, dem Kaiser auf der Höhe seines Ruhms. Um diese Personen gruppirt sich das ganze Leben am Hofe Napoleons. Mit meisterhaften, leicht hingeworfenen, oft kaum angedeuteten Zügen entwirft der Dichter Zeit- und Charakter - Bilder von historischer Treue und originellem Reiz. Aber alle diese Personen sehen wir keineswegs in ihrer historischen Größe, sondern als Privatleute in ihrem Heim oder in den Zirkeln der Hofgesellschaft und in der Beleuchtung, die ihnen durch den Hofklatsch gegeben wird. Napoleon selbst erscheint uns als ein eifersüchtiger Haustyrann, eitel und ängstlich besorgt um das vornehme Decorum seines Hofes. Das ist nicht Napoleon, wie ihn die Geschichte zeichnet, sondern wie er seinen Intimen gegenüber als Mensch erschien und zwar nach dem Satze „Niemand ist groß vor seinem Kammerdiener." In den leicht skizzirten, aber figurenreichen szenischen Bildern pulsirt trotz Allem auch dramatisches Leben, es handelt sich da nicht nur um das Lebensglück der Madame Sans-Gène, deren Formlosigkeit Napoleon ein Greuel ist und der sie deshalb in brutaler Gewalt von ihrem Manne, dem Marschall, scheiden lassen will, sondern es spielt da auch von Anfang an der Name des Grafen Neipperg hinein, der sich fast zu einer Familientragödie und Staatsaktion zuspitzt, um dann durch Madame Sans-Göne eine befriedigende Lösung zu finden. Der dramatische Gehalt tritt zwar zurück vor der szenischen Schilderung der napoleonischen Zeit, aber er ist doch stark genug, als Gerüst dieses ganze Schaugepräge zu tragen, dessen Aufbau Sardou mit großem Aufwande echt französischen Esprits und zündenden Witzes ausgeführt hat. Die Rollenbesetzung erwies sich als eine recht glückliche. Die früheren Mitglieder des Ensembles wurden mit lebhaften Händeklatschen bei ihrem Erscheinen auf der Bühne ausgezeichnet, den neuen Mitgliedern sah man mit Spannung entgegen. Alter Ueberlieferung gemäß verzichten wir nach der ersten Vorstellung auf eine Besprechung der Einzelleistungen und bemerken nur, daß Einstudirung und Jnszenirung als recht gut bezeichnet werden konnte.
sehr starkem .Andrang der Gesangverein „Tonblüthe" im „Deutschen Haus" und bewies durch diese Veranstaltung, wenn man das dort Gebotene als Prüfstein für die letztjährig gemachten Fortschritte und die Leistungsfähigkeit des Vereins betrachten darf, daß er auch in diesem Jahre tüchtig gearbeitet und nach immer weiterer Vervollkommnung gestrebt hat, daß er in Bezug auf gesangliches Können auch recht hochgespannten Erwartungen völlig gerecht zu werden vermag und wohl mit keinem hiesigen Verein einen Wettbewerb zu scheuen braucht. Zur Erreichung dieses erfreulichen Resultates trug sicherlich neben dem dem Vereine zur Verfügung stehenden guten Stimmmaterial auch die verständnißinnige, ja künstlerische Leitung des Dirigenten Herrn Heinrich Appunn in großem Maße bei. Der Abend stand in der Hauptsache im Zeichen des Chorgesanges und wenn die „Tonblüthe" auf diesem Gebiete ihre Hauptaufgabe suchte, so muß anerkannt werden, daß sie auf demselben vermöge eifriger Uebung auch voll und ganz zu Hause ist und alle Zuhörer durch ihre Leistungen durchaus befriedigte, wofür der nach jeder einzelnen Nummer gespendete überreiche Beifall beweiskräftig sein dürfte. Die Chöre kamen sämmtlich vom feinsten Pianissimo bis zum kräftigsten Fortissimo, vom tiefsten Baß bis in die höchsten Stimmlagen mit bewun- dernswerther Reinheit und harmonisch abgetönter Klangfülle zu Gehör, das durch sorgfältige Schulung und tiefstes Verständniß jedes Einzelnen erzeugte vorzügliche Jneinandergreifen sämmtlicher, auch der kleinsten Rädchen des ganzen Stimmenapparates und die dadurch erreichte herrlich abgerundete Wirkung der verschiedenen Tongemälde ging auch bei den technisch schwierigsten Chören nicht verloren und machte das Zuhören zum wirklichen Genuß. Als erste kamen die Chöre „Morgengebet" von F. Mendelssohn-Bartholdy und „Waldeinsamkeit" von I. Pache zum Vortrag und erfuhren eine den schönen Kompositionen würdige Wiedergabe. Der stimmungsvolle Fr. Hegar'sche Chor „Weihe des Liedes" stellt an die Sänger nicht geringe Anforderungen, doch wurden die beträchtlichen technischen Schwierigkeiten mit fast spielender Leichtigkeit überwunden und das von Dichter und Komponisten geschaffene Meisterwerk mit einer Präzision und in die innerste Tonmaterie eindringenden Verständnißinnigkeit zu Gehör gebracht, die den geernteten stürmischen Applaus voll und ganz rechtfertigte. Als vierter Chor gelangte „Die Bergstimme", vom Dirigenten Herrn Heinrich Appunn komponirt, zur Durchführung. Hat es hier der Komponist verstanden, den sinnig- schwermüthigen Inhalt in ein Tongewand zu kleiden, dessen packender Wirkung sich wohl Niemand entziehen konnte, Stimmungen und Empfindungen der Menschenseele zu malen, wie sie ergreifender kaum zum Ausdruck gebracht werden können, so läßt sich die Wiedergabe durch die Sänger mit einem Worte einfach als herrlich bezeichnen. Ein entsprechender Raum war
St. Frankfurt, 29. Septbr. Für sein neuestes Lustspiel „Die Zwillingsschwester" hat Ludwig Fulda einen zwar einfachen aber recht wirksamen Stoff gewählt. Er läßt bei Orlando della Torre, seinem Helden, nach mehrjähriger glücklicher Ehe mit Giuditta die Liebe für diese erkalten. Die Gattin reist angeblich nach Florenz in's Elternhaus und tritt die Reise kurz vor der zu erwartenden Ankunft ihrer Zwillingsschwester an. Als eben diese Zwillingsschwester kehrt sie aber rascbestens in die eheliche Wohnung zurück und weiß ihren Gatten so zu entzücken und zu bezaubern, daß dieser beschließt, sich von Giuditta scheiden zu lassen, um die vermeintliche Zwillingsschwester heirathen zu können. Schließlich gibt« sich Giuditta zu erkennen und Orlando liegt ihr reuig zu Füßen. Die Hauptparthie ist natürlich die Doppelrolle der Giuditta, welche durch Fräulein Boch trefflich besetzt war. Aber auch die anderen Darsteller bewährten sich vorzüglich, so daß das ausverkaufte Haus sich eines äußerst unterhaltenden Theaterabends zu erfreuen hatte.
Lortzittg-Denkmal. Das Komitee zur Errichtung eines Lortzing-Denkmals in Berlin beschloß am Donnerstag, darauf hinzuwirken, daß anläßlich des bevorstehenden hundertjährigen Geburtstages des volkstümlichen Komponisten (23. Oktober) möglichst alle Bühnen eine Lortzingfeier veranstalten, deren Ertrag dem Fonds für Errichtung eines Lortzing-Denkmals in Berlin überwiesen wird. Ferner beschloß das Ko- mitee, darauf hinzuwirken, daß an dem Geburtshause Lortzings (das jetzige Rudolf Hertzogsche Haus in der Breitenstraße) zum 23. Oktober eine Gedenktafel mit dem Reliefbild des Komponisten angebracht wird. Die deutschen Musik- und Gesangvereine, Konservatorien u. s. w. werden demnächst gebeten werden, ihr Scherflein zu dem Denkmal beizutragen. Zu dem gleichen Zwecke wird sich das Komitee mit einem in der Presse zu erlassenden Aufruf an die größere Oeffentlichkeit wenden.