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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

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Nr. 222 Bezirks-Fernlprechanschluß Nr. 98.

Montag den 23. September

Bezirks-Fernsprcchanschlnß Nr. 98. 1901

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Verloren: 1 Portemonnaie mit über 150 Mk., be­stehend aus sieben 20 Markstücken, das andere aus Silber.

Entlaufen: 1 junger Hahn.

Vom Wasenmeister am 21. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen w. Geschl. und 1 rother Rattenpinscher m. Geschl.

Hanau den 23. September 1901.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 23. Septbr.

* MissionssimrSe. Heute Abend 8 Uhr findet Missions- I stunde statt.

* Reichsbank. In Auclam wird am 16. Oktober d. I. eine Reichsbanknebenstelle eröffnet.

* Sozialdemokratie und Militär. Wie der Butzb. Ztg." aus Urberach (Kreis Dieburg) mitgetheilt wird, riefen die dortigen Sozialdemokraten aus Anlaß der dort statt­gefundenen Einquartierung des 1. Bataillons vom Jnfanterie- t Regiment Nr. 166 Aufsehen erregende Exzesse hervor. Den Soldaten wurde laut Brigadebefehl der Verkehr in den sechs sozialdemokratischen Wirthschaften zu Urberach untersagt. Nun verleitete eine Anzahl Genossen Soldaten zu bedenklichen Ver­gehen gegen ihre Instruktion. Sie reichten den Soldaten aus den verbotenen Wirthschaften heraus Freibier und boten auch solches auf dem Wachtlokal an. Andere gaben Soldaten Zivil­kleider und überredeten sie, mit ihnen die genannten Wirth­schaften zu besuchen. Der im katholischen Pfarrhaus ein­quartierte Kommandeur des 1. Bataillons, Major Gillmann, merkte auf einem Rundgang den Unfug und schickte alsbald eine Patrouille ab, um die Wirthschaften zu revidiren. In der sozialdemokratischen WirthschaftZum weißen Roß" wider­setzten sich die Wirthin und die anwesenden Gäste der Patrouille und überhäuften sie mit Schimpfworten. Eine zweite, von einem Leutnant geführte Patrouille wurde ebenso empfangen. Ja, ein junger Mensch, der 22jâhrige Arbeiter Gg. Seib von Urberach, warf sogar mit einem Lattenstück nach dem Offizier. Auf die Meldung des Offiziers beim Major hin eilte dieser sofort in Begleitung des Bürgermeisters an der Spitze einer Sektion mit aufgepflanztem Seitengewehr und von seinen Offizieren gefolgt nach der Wirthschaft. Diese wurde voll­ständig gesäubert und in den Hof ein Posten gestellt. Um 7 Uhr wurden dann alle Wirthschaften des Dorfes für alle Soldaten geschlossen. Der ganze Vorgang erregte allenthalben großes Aufsehen.

* Ueber die Frage der Schulreform sind in der letzten Zeit viele widerspruchsvolle Meldungen verbreitet. Ein Berliner Blatt glaubt jetzt aus zuverlässiger Quelle Folgendes über den gegenwärtigen Stand der Dinge mittheilen zu können: Die Ministerialverordnung über die Reifeprüfungen dürfte in (nicht allzu langer Frist veröffentlicht werden, was schon deshalb erforderlich ist, weil die Neuordnung bekanntlich schon am 1. April nächsten Jahres in Kraft treten soll. Zur Zeit unterliegen die in Aussicht genommenen Bestimmungen der Begutachtung der Provinzialschulkollegien, die erst gehört wer­den müssen, ehe die endgiltige Entscheidung fällt. So viel in­deß läßt sich wohl jetzt schon sagen, daß die Theilbefreiungen von der mündlichen Prüfung beseitigt werden dürften trotz des Widerspruches, der sich aus Lehrerkreisen gegen die Aufhebung dieser Einrichtung erhebt. Dagegen wird die Institution der ' Totalbefreiung von der mündlichen Prüfung bestehen bleiben. Der zweite Gegenstand, der die an die Schulreform interesfirten Kreise gegenwärtig vorwiegend beschäftigt, betrifft die Frage der Gleichberechtigung der Realabiturienten mit den Gymnasial- abiturienten, eine Frage, in der, wie man weiß, verschiedene Anschauungen einander schroff gegenüberstehen. Kultusminister Dr. Studt hat, woran hier erinnert sei, in der letzten Land- i tagssession vor der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses erklärt, daß für das theologische und juristische Studium wahr­scheinlich die Absolvirung einer humanistischen Anstalt auch künftig die Vorbedingung sein solle. Daß das Gymnasium für die Juristen und Theologen sein Monopol behält, ist jedenfalls wahrscheinlicher, als das Gegentheil. Mit Gewiß­heit kann man nur annehmen, daß noch viele Wochen ins Land gehen dürften, ehe die Entscheidung in dieser Angelegen­heit fällt.

* Kreis- Wanderbibliotheken. Die im Vorjahre eingerichteten Kreis-Wanderbibliotheken sind nach den jetzt ein- gelaufenen Berichten überall mit Beifall ausgenommen und sehr fleißig benutzt worden. Angespornt durch den Erfolg, wird der Kreisverband auf dem betretenen Wege fortschreiten und eine Reihe neuer Bibliotheken aufftellen, doch wird die Zahl der Bände nur 80 betragen, um zunächst möglichst vielen Ge­meinden diese Wohlthat erweisen zu können. Sind erst alle

Gemeinden versorgt, dann soll an die Erweiterung gedacht werden. In die (bisher sich aus den Herren Landrath v. Schenck, Reg.-Assessor Val entiner, Pfarrer Hufnagel- Langenselbold und Lehrer Ziegler-Fechenheim zusammen- setzende Kommission zur Förderung der Angelegenheit der Kreis- Wanderbibliotheken ist noch Herr Pfarrer Römer- Rüdigheim eingetreten.

( :) Winterfahrplan. Der Güterzug 3962 aus der Richtung Friedberg wird vom 1. Oktober bis 31. März von Heldenbergen-Windecken und den Zwischenstationen bis Hanau- Nordbahnhof Personen befördern und 8.13 hier eintreffen.

5 Ziegenzucht. Auch im benachbarten Landkreise Frank­furt a. M. wird der Hebung der Ziegenzucht Aufmerksamkeit geschenkt. Aus dem Verwaltungsberichte des Kreisausschusses ist zu ersehen, daß Verhandlungen wegen Bildung von Ziegen­zucht-Genossenschaften im Gange sind. Ziegenzucht-Vereine bestehen bis jetzt schon in Eckenheim und Praunheim. Für die Beschaffung und Haltung guter Zuchtböcke sollen aus Kreis­mitteln künftig regelmäßige Zuschüsse gewährt werden.

* Vorstandssitzimg des hessischen Sparkaffen- Berbaudes. In Hersfeld hielt am Samstag Nachmittag der Vorstand des Sparkassen-Verbandes für den Reg.-Bez. Eassel eine Sitzung ab, die sich vornehmlich mit dem den Beitritt zum hessischen Verbände bezweckenden Anträge der nassauischen Sparkassen zu befassen hatte. Ihre Bereitwilligkeit, sich dem hessischen Sparkassen-Verbande anzuschließen, haben dokumen- tirt die nassauischen Sparkassen Marienberg, Montabaur, Biedenkopf und Battenberg, außerdem die Sparkasse der Nassauischen Landesbank (etwa 45 Millionen Einleger-Gut­haben). Abgelehnt hat die Gemeindesparkasse in Hausen, aus­steht noch die Erklärung der Spar- und Leihkasse zu Gladen­bach und Frankfurt a. M. Der Vorstand des Hess. Spar­kassen-Verbandes beschloß, der demnächstigen Generalversamm­lung die Aufnahme der nassauischen und waldeck'schen Spar­kassen (die Letzteren sind ihrer 4, von denen 3 ihren Beitritt in Aussicht gestellt haben) und Aenderung des Namens in Sparkassen-Verband der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstenthums Waldeck zu empfehlen. Der Vorstand soll von 7 auf 10 Mitglieder erhöht werden, von denen je ein Mit­glied den nassauischen und waldeck'schen Sparkassen angehören muß. Außerdem sollen statt eines Vertreters der Kreis­sparkassen (bisher) für die Folge zwei in den Vorstand ge­wählt werden (ein Landrath). Von der Anstellung eines be­sonderen Verbandsrevisors soll vorläufig abgesehen werden wegen der hohen Kosten. Die Nassauische Landesbank soll zunächst von der Revision ausgeschlossen werden, da für sie schwerlich ein Bedürfniß hierzu vorhanden ist und die der­zeitigen Revisoren des Verbandes, die ihr Amt als Ehrenamt versehen, zu sehr mit der Revision einer so großen Kasse be­lastet würden. Ein Verbandsrevisor wird erst angestellt wer­den, wenn die Regierung die Revision aller Sparkassen durch Verbandsrevisoren in bestimmten Zeiträumen vorschreibt.

( Sommertheater. Ende gut, alles gut, darf die Direktion des Sommertheaters jetzt zum Schluffe der Saison mit Recht von dem Verlaufe der dieswöchentlichen Vorstellungen sagen, denn wenn dieselbe bei Engagirung des Personals im Laufe der Spielzeit auch manchen Fehlgriff gethan und manche und mancher Auftretende den Erwartungen nicht entsprochen, die man an sein Spiel geknüpft, so ist doch das jetzige En­semble derartig, daß man die Kritik der Leistungen Aller in ein einziges Lob zusammenfassen kann. Und daß diese Empfindungen von allen Besuchern getheilt wurden, bewies der unendlich reiche, häufig geradezu elementare und nicht endenwollende Beifall, der fast sämmtlichen Darbietungen folgte oder dieselben sogar unterbrach, sodaß man dreist behaupten kann, trotzdem das dieswöchentliche Personal beinahe nur aus Komikern und Soubretten besteht (für den angekündigten Konzertsänger wurde noch im letzten Augenblick ein ausgezeichneter Komiker einge­schoben) : ein so froh bewegtes, mit so jubelnder Lebhaftigkeit seiner vollen Befriedigung Ausdruck verleihendes Publikum füllte noch selten die Halle von Beck's Felsenkeller. Man kommt sozusagen nicht aus dem Lachen heraus, beobachtet mit ununterbrochener, immer gleich bleibender Spannung die Vor­gänge auf der Bühne und die Stunden verfliegen mit Windes­eile. Es sind eben durchweg Kräfte, die sich sehen und hören lassen können und so Gutes bieten, daß es einem in der That schwer wird, sie einzeln herauszugreifen und getrennt zu beur­theilen. Von den Vorträgen der drei ungewöhnlich befähigten Soubretten darf fast jede Nummer als ein Schlager bezeichnet werden, die beiden Komiker stehen an Güte und Originalität einander nicht viel nach, nur daß der eine den vier- bis fünf­maligen stürmischen Hervorruf mit einer Zugabe belohnte, der andere nicht. Der musikalische Clown ist ein Meister seines Faches und stellte unseres Erachtens alle bis jetzt im Sommer­theater in diesem Genre ausgetretenen Künstler in den Schatten. Waren seine echten Clownscherze derart, daß nach jedem Witz eine

Lachsalve. erscholl, so lassen sich seine künstlerischen Produktionen an den übrigens auch den Vorzug der Eigenartigkeit und Neu­heit besitzenden Instrumenten als in jeder Beziehung großartig und effektvoll qualifiziren. Sein bloßes Wiedererscheinen ge­nügte dem wie toll applaudirenden Publikum nicht, er mußte sich endlich zu einer Zugabe verstehen und konnte dadurch erst wieder einigermaßenRuhe in die Bude" bringen. Die letz­ten Vorstellungen bilden, wie gesagt, einen vorzüglichen Ab­schluß der Saison und es dürsten gleich den Besuchern der gestrigen und vorgestrigen auch diejenigen der heutigen letzten Vorstellung den besten Eindruck und die angenehmsten Erinne­rungen an die Spielzeit des Sommertheaters mit in die ver­gnügungsreiche Winterszeit hinübernehmen.

* * Stiftungsfest. Der KlubAmicitia", der gestern Abend imDeutschen Hause" sein 4. Stiftungsfest feierte, hatte eine ganz ansehnliche Zahl Besucher angelockt, in Anbe­tracht des prächtigen Spätsommertages, der uns gestern be- scheert war, wohl ein Beweis, daß der Klub sich in seinen Be­kanntenkreisen großer Beliebtheit erfreut. Und was er gestern bei seiner Abendunterhaltung bot, rechtfertigte sein früheres Renommee wieder vollauf, denn es war wirklich nur Lobens- werthes. Die Mitwirkenden mußten eifrig gelernt haben, daß sie ihre Sache so aut durchführten. Reichhaltig und ab­wechslungsvoll war das Programm auch gehalten und so kam es, daß für Jeden etwas gebracht wurde. Flotter Humor durchwehte die beiden elegant und verständnißvoll gespielten Theaterstückchen:Der Fuchs im Taubenschlag" undRobert und Bertram oder die lustigen Vagabunden". Außer einer Anzahl zündender Kouplets und einem Trio sei noch der QuartettgesangJetzt gang i' an's Brünnele" genannt; das hübsche Volkslied wurde sehr gut vorgetragen und die ent­sprechenden Szenen dazu in lebenden Bildern auf der Bühne vorgeführt. Den Vogel abgeschoffen hatte aber doch die stumme Pantomine:Hanau in der Morgenstunde", welche mit dröhnendem Gelächter applaudirt wurde. Eine Verloosung brachte Manchem einen Gewinnst und Vielen eine Niete. Als das Programm in befriedigend rascher Folge erledigt war, eröffnete eine langgewundene Polonaise den Ball. Die Tanz­freudigen, und das waren keineswegs nur die jungen, drehten Walzer und Polka's, bis fast der Morgen an die Thür klopfte und ein energisches Halt gebot. Die Besucher brauchte ihr etwas gekürzter Schlaf nicht zu gereuen, denn sie hatten dafür» einige köstlich amüsirte Stunden eingetauscht und das ist auch etwas Schönes.

* Stiftungsfest des kath. Kasinos. Sonntag den 13. Oktober begeht das katholische Kasino in den Sälen der Centralhalle" sein 31. Stiftungsfest, bestehend in Abendunter­haltung und Ball.

* Kirchenbait. Unsere Nachbar-Gemeinde Groß- Steinheim nimmt an schönen Bauten immer mehr und mehr zu. Unter den vielen schönen Bauten beansprucht das meiste Interesse die neue evangel. Kirche, welche im Rohbau jetzt nahezu vollendet ist. Auf einem der herrlichsten Punkte der ganzen Umgegend, weithin sichtbar, ist dieselbe von der Baufirma Gebr. Wirth und Co. aus Hanau a. M. in gothischem Stil von Steinen der Firma Holzmann erbaut und gewährt in ihrer schönen Architektur und Lage einen pracht­vollen Anblick. Nun beginnen bald die Ausfüllungs- und inneren Arbeiten.

* Von einem Radfahrer überfahren wurde gestern Morgen in der Hainstraße die hier wohnhafte Milch­frau Kr. Die Frau erhielt Verletzungen an der Schulter und an den Armen. Der Radfahrer machte sich, nachdem er ge­sehen, was für einen Unfall er angerichtet hatte, in rücksichts­losester Weise schleunigst aus dem Staube und blieb auch un­ermittelt.

* Karambolage. Zwischen einem Eiswagen einer hiesigen Brauerei und einem Frankfurter Radfahrer fand gestern Morgen auf der Kinzigbrücke ein Zusammenstoß statt, wobei das Rad arg beschädigt wurde. Der Führer des Wagens fuhr auf der falschen Wegseite.

* Won einem Felddiebsiahl heimkehrend, mit schweren Säcken wohlbeladen, kehrten in der Samstag-Nacht drei hiesige Einwohner von einem Raubzuge zurück, wurden aber an der Kinzigbrücke von Schutzleuten angehalten, ihrer Beute entledigt und zur Anzeige gebracht.

* Ehrliche Finderin. Auf der Römerstraße, im Be­griff nach dem Markt zu gehen, verlor am Samstag Vor­mittag eine arme Arbeiterfrau ein Zehnmarkstück und zeigte tiefbetrübt den Verlust der Polizeistelle an. Kurz darauf er­schien ein Dienstmädchen, Gertrud Klüh, und meldete den Fund des Zehnmarkstückes, ssdaß die Arbeiterfrau bereits am Mittag hochbeglückt das verlorene Geldstück wieder in Empfang nehmen konnte.

& Frühzeitiger Wanderflng. In den letzten Tagen überflogen wiederholt ganze Schaaren von Kranichen auf ihrem,