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General-Anzeiger.

Amtliches Organ fit Stadt- md FandKreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 217 Bezirks -Fernsprechanschluß Nr. 98.

Dienstag den 17. September

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Politische Rundschau.

Die Kaiserparade bei Danzig. Die Kaiserin kehrte, wie aus Danzig depeschirt wird, am Montag um 2^2 Uhr zu Wagen, wiederum von einer Husareneskorle geleitet, von der Parade zurück und begab sich an Bord der „Hohen- zollern". Der Kaiser traf um ' 3 Uhr an der Spitze der Fahnen- und Standarten - Kompagnie ein und begab sich ebenfalls auf die „Hohenzollern", wo beide Majestäten alsdann verblieben. Die Parade des 17. Armeekorps bei Groß-Strieß war vom Wetter begünstigt. General v. Lentze kommandirte die Truppen, welche in zwei Treffen standen. Der Kaiser übergab zunächst die neuen Fahnen vor der Front den Obersten der betreffenden Regimenter mit kurzen Ansprachen. Sodann ritt der Kaiser die Front der Truppen ab, gefolgt von der Kaiserin, dem Prinzen Albrecht und dem Prinzen Tschun, welcher im Wagen saß. Im ersten Treffen stand die Infanterie und das Landungskorps des Uebungs-Geschwaders, Letzteres unter dem Kommando des Prinzen Heinrich. Prinz Friedrich Leopold kommandirte die Kavallerie. Einige Offiziere und eine Abtheiluug von den Mannschaften des russischen Panzerkreuzers „Novil", dessen Kommandant ein Hurrah aus­brachte, wohnten der Parade bei. Es fand zweimaliger Vor­beimarsch statt, beide Male führte der Kaiser der Kaiserin das erste Leibhusaren-Regiment, das zweite Mal im Galopp vor. Nach der Kritik verließ der Kaiser nach 2 Uhr das Paradefeld an der Spitze der Fahnenkompagnie.

Die Kaisermarrover sind, laut einem gestern aus Görsony eingetroffenen Telegramm, infolge der ungünstigen Witterung im Auftrage des Kaisers abgebrochen worden. Während der heutigen Uebung riß sich der Militärfesselballon infolge heftigen Windes los. Der Ballon ist, nachdem er 15 Kilometer geflogen war, wieder eingefangen worden. Die Insassen nahmen keinen Schaden.

Leib-Husaren-Brigade. Der Kaiser hat bestimmt, daß die Leib-Husaren-Brigade (Nr. 36) künftig nur Leib- Husaren-Brigade heißen soll. Der jedesmalige Kommandeur bezw. Führer der Leib-Husaren-Brigade hat nur die Uniform des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 zu tragen, auch wenn derselbe Generalmajor ist, in letzterem Falle mit Generals­abzeichen. Den in dieser Stellung etwa Verwendung findenden Generalen â, la suite oder Flügel-Adjutanten ist jedoch das Tragen der General â la suite-, bezw. Flügel-Adjutanten- Uniform neben der Husaren-Uniform außerhalb des Truppen­dienstes gestattet.

Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg. Gestern wurde Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg 75 Jahre alt. Herzog Ernst ist neben dem Großherzog von Luxemburg und dem Großherzog von Mecklenburg-Strelitz der rangälteste Ge­neral der preußischen Armee, am 8. Juni 1866 wurde er

Kleines Feuilleton.

Die Uebertragbarkeit der Tuberkulose von Vieh auf Menschen, die Prof. Dr. Koch auf dem Lon­doner Tuberkulose-Kongreß bestritten hatte, ist soeben in einem vor dem Schöffengericht 2 in Hamburg verhandelten Prozesse festgestellt worden. Die „Allgemeine Fleischerzeitung" berichtet darüber: Der schon vielfach wegen Bettelns und Obdachlosig­keit bestrafte Arbeiter Paul Johann Heyn stand wieder unter der Anklage wegen strafbarer Obdachlosigkeit. Der Angeklagte erklärt, daß er arbeitsunfähig sei und sich auch deshalb kein Obdach verschaffen könne. Er habe vor reichlich einem halben Jahre in einer Korrektionsanstalt eine tuberkulöse Kuh ge­schlachtet und bei dieser Arbeit seien ihm Tuberkelen in eine Wunde an der rechten Hand gedrungen, infolge dessen sein Arm völlig lahm geworden sei. Der als Sachverständige ver­nommene Dr. Sick vom neuen allgemeinen Krankenhause in Eppendorf bestätigt die Angabe des Angeklagten. Der Sach­verständige bekundet, der Angeklagte habe sich beim Schlachten einer tuberkulösen Kuh geschnitten und es seien Tuberkeln in die Wunde eingedrungen. Der ganze Arm sei mit Tuberkeln behaftet. Er habe eine Operation vorgenommen und dabei das Vorhandensein der Tuberkeln konstatirt. Der Arm sei gelähmt und unbrauchbar. Auf Grund dieses Gutachtens erkannte das Gericht auf kostenlose Freisprechung des Ange­klagten.

Ueber das Gedächtniß plaudert Otto Schutzel im Schulblatt für die Provinz Brandenburg. Hierbei gibt er über verschiedene historische Persönlichkeiten, mit denen er zum Theil selbst in Berührung gekommen ist, interessante Einzelheiten zum Besten: „Ein treues Gedächtniß hatte n Bismarck. Wenn er eine zweistündige Rede gehalten hatte und am nächsten Tage unsere, der Kammerstenographen, Ausarbeitungen durchsah, wußte er genau jeden Ausdruck, den er gebraucht hatte, und

hierzu befördert. Der Herzog ist Chef des 153, Infanterie- Regiments, der 6. Jäger, des k. sächsischen 1. Jäger-Bataillons Nr. 12 und des russischen 50. Infanterie-Regiments Bjalostok. Dem kerndeutschen Fürsten, der für seinen Theil an der Eini­gung Deutschlands mitgewirkt hat, hat es an Ovationen an seinem Ehrentage nicht gefehlt. Herzog Ernst ist a n 27. Au­gust 1845 Leutnant geworden.

Der abgelehrrte Sühneprirrz. Wie bekannt wird, hat, ebenso wie die Mutter Kettelers in Münster, auch die zur Zeit in Ilsenburg weilende Gattin des ermordeten Freiherrn den angebotenen Besuch des Prinzen Tschun abgelehnt.

Der Grund der Ab-age des Zaren an Paris. Der „Matin" erfährt aus bester Quelle, daß der Zar ledig­lich wegen der zwischen der Regierung und dem Pariser Ge- meiuderath bestehenden Zwistigkeiten Paris nicht besuchen werde. Bekanntlich ist die Pariser Stadtverwaltung chau­vinistisch.

Dis DelegirLen der rheinisch -weftfättschen evangelischen Arbeitervereine beschlossen mit 102 gegen 62 Stimmen das Verbleiben beim Gesammtverband. 33 Vereine des Kreises Bochum erklärten darauf ihren Aus­tritt aus dem rheinisch-westfälischen Verbände und beschlossen die Neugründung eines besonderen Verbandes.

~ W. Das politische Programm Noosevelt's. Aus Buffalo, 16. Septbr., wird gemeldet : In der gestern stattgehabten Konferenz mit den Ministern und hier anwesenden Freunden legte Präsident Roosevelt seine politischen Ansichten dar. Die Politik Roosevelts weicht hiernach in keinem Punkte von der Mac Kinleys ab. Auch Roosevelt ist für weitergehende Neziproznät beim Kauf und Verkauf der Güter, so daß über einen Ueberschuß der Produktion der Vereinigten Staaten auf Grund billiger Ab­machungen mit fremden Ländern in zufriedenstellender Weise verfügt werden kann. Roosevelt ist ferner für das völlige Aufhören des Handelskrieges gegen die übrigen Länder, für Abschließung de-r Neziprozitätsverträge und Abschaffung solcher Zölle, die nicht weiter als für das Staats­einkommen nöthig sind, natürlich unter der Bedingung, daß durch Abschaffung dieser Zölle die amerikanische Industrie und Arbeit nicht beeinträchtigt wird. Es sollen ferner nach dem Programm Roosevelts direkte Schifffahrtslinien zwischen den Vereinigten Staaten und den beiden Küsten von Süd- und Zentralamerika geschaffen werden. Es sollen die Handelsmarine ermuthigt und Schiffe gebaut werden, und zwar mit amerikanischem Gelde, welche Amerika­nern gehörend unter amerikanischer Flagge fahren und amerika­nische Mannschaft führen. Der Isthmus-Kanal soll so bald als möglich fertiggestellt und ein der amerikanischen Re­gierung gehörendes Kabel gelegt werden, welches das Mutter- ||MlSIEM;KgCT»maMMW»MB«llim^ffiMBMMIiMSaB^j.

er wußte ihn noch nach Jahren. Ein treues Gedächtniß hat auch der Romanschriftsteller Friedrich Spielhagen. Er sagte einmal zu mir: „Jeden der vielen Tausende Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind, sehe ich deutlich vor mir und weiß genau jedes Wort, das er gesagt hat. Ich habe Sie seit 28 Jahren nicht gesehen, aber ich weiß genau, welchen Schnitt damals Ihr Rock hatte, wie Ihr Haar geschnitten war, welche Sorte Zigarren wir bei unserer Arbeit rauchten, und wie Ihr Gesicht aussah, als ich einen sprachlichen Fehler machte, und was Sie dazu sagten." Der Oberhofprediger Kögel lernte seine Reden wörtlich auswendig, das that er aber nicht darum, weil er fürchtete, stecken zu bleiben, sondern weil er die vollendet schöne Form des sprachlichen Ausdrucks, die er seinen Reden gab, zu Gehör bringen wollte. Ein Mit­schüler Schultzes lernte in einem Jahre das bekannte lateinisch­deutsche Wörterbuch von Georges — es sind 4401 Seiten Vocabeln — selbst mit den mannigfachen Bedeutungen und den schwierigsten Wörtern auswendig. Napoleon III. schrieb sich Namen und Wörter, die er behalten wollte, auf ein Blatt und sah sie genau an; er vergaß sie nie wieder. Bei dieser Gelegenheit möge eine Anekdote, in der Kaiser Wilhelm I. eine Nolle spielte, hier Platz finden. Der Förster Becker hatte vom Kaiser Wilhelm I. als Gegengeschenk für einen sehr kunstvoll geschnitzten Spazierstock eine goldene Uhr geschenkt bekommen. Er arbeitete sich eine Dankrede aus und memorirte sie länger als ein halbes Jahr, bis er sie vorwärts und rückwärts aus­wendig konme. Als er aber zur Audienz befohlen war und den Kaiser nebst den Herren des Hofstaates vor sich sah, war er völlig außer Stande, sich auf den Anfang der schönen Rede zu besinnen, und brachte nur die Worte heraus: „Majestät, Ihre Uhr!" worauf der leutselige Kaiser ihm auf die Schulter klopfte und sagte: Ja, lieber Becker, Stock, Stock!"

Messer und Gabst als Krankheitsträger. In der „Hygienischen Rundschau" veröffentlicht Professor von Esmarch einen Aufsatz über die Verbreitung von Krankheits­erregern durch Geschirr, Messer, Gabel u. s. w. In der

land mit seinen auswärtigen Besitzungen verbindet. Roosevelt ist auch für schiedsgerichtliche Erledigung aller Streitigkeiten mit fremden Nationen, um den Krieg zu vermeiden. Er will, daß Ersparnisse des Volks, die in den Banken niedergelegt sind, und andere Arten von Kapitals­anlagen durch Wahrung des kommerziellen Gedeihens des Landes und Ernennung von Männern von der höchsten Inte­grität zu Vertrauensstellungen geschützt werden.

Die Bus mist des australischen Ackerbaues.

Nach einem Bericht des Landwirthschaftlichen Sachverständigen.

Der Landwirtschaftliche Sachverständige für Australien be­richtet an das Auswärtige Amt in mehreren Aufsätzen, ver­öffentlicht in den „Mittheilungen der Deutschen Landwirth- schafts-Gesellschaft", über den gegenwärtigen Betrieb des Acker­baues in Australien und kommt dabei zu den folgenden Schlüssen für die Aussichten dieses australischen Betriebszweiges.

Die bisherige Entwicklung und die im Laufe der Zeit ge­machten Erfahrungen und Beobachtungen lassen eine Auslegung theils hoffnungsvoller, theils entmuthigender Art zu. Zwar hat das Ackerbaugebiet stärker zugenommen, zwar ist man in wirthschaftlicher und technischer Hinsicht hier mehr oder weniger vorwärts geschritten und hat auch manche Schwierigkeiten überwinden gelernt, aber doch ist der Erfolg im Ganzen ein mangelhafter und zum Mindesten ein unregelmäßiger und un­sicherer gewesen.

Die Hindernisse, die das bewirkten, können zu einem Theile in Zukunft sicherlich gemildert werden, theilweise aber sind sie derartig, daß Bedenken an einer freudigen Weiterentwicklung des australischen Ackerbaues nicht unterdrückt werden können. Die klimatischen Verhältnisse sind erwiesenermaßen nur theil­weise günstig dafür. Die Regenmengen sind unzuverlässig oder ungenügend, die Witterung im Ganzen ist unregelmäßig und vielfach störend, sodaß sie in Verbindung mit pflanzlichen und thierischen Widerwärtigkeiten die an sich nicht hohen Er­träge wie bisher so auch weiterhin stark schmälern werden.

Der Boden ist zu einem Theile zwar für den Ackerbau wohl geeignet, aber zum anderen und weit überwiegenden Theile selbst unter sonst regelrechten Wetterverhältnissen zu unfruchtbar oder zu trocken, oder aber infolge der Entfernung vom Verkehr in absehbarer Zeit für diese Art der wirthschaft- lichen Verwendung ausgeschlossen.

Auch sonst noch sieht manches dem Ackerbau hindernd im Wege. Die vielfach landwirtschaftlich weniger durchgebildeten Kleinbauern verschließen sich zu sehr den Fortschritten, auf den großen Wirthschaften können diese unter den gegebenen Ver­hältnissen nur theilweise zur Geltung kommen, insonderheit, weil die Knappheit der Leute und die hohen Löhne nur eine

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Reinigung der nöthigsten Gebrauchsgegenstände wird von unseren Hausfrauen noch viel gesündigt „und doch steht es fest, daß gerade ihnen vielfach die Rolle der Krankheitsüber­tragung zufällt." Esmarch infizirte eine Gabel mit Tuberkel­bazillen, legte sie darauf fünf Minuten in heißes Wasser von 50 0 und wischte sie dann mit einem trockenen Tuche ab. Die Keime waren trotzdem noch so lebensfähig, daß man ein Thier damit tödtlich infiziren konnte. Die Mundhöhle ist bekannt­lich der Sitz zahlloser Bakterien, von ihr gehen sie an das Eßgeräth über; wird dieses nicht gründlich gereinigt, steht der Ansteckung nichts im Wege. Diphtheriebazillen halten sich in der Mundhöhle, wenn der Kranke selbst als genesen gilt. Der oberflächlich gereinigte Löffel eines Diphtherie-Rekonvales­zenten kann sehr wohl die Krankheit auf Andere übertragen. Um die beste, alle Keime tödtende Reinigungsmethode zu finden, stellte Esmarch verschiedene Versuche an. Er brachte dem Rande von Wassergläsern verschiedene Bakterien bei, ließ sie antrocknen und reinigte die Geräthe dann nach allgemein üb­lichem Brauche, d. h., ließ sie mit kaltem Wasser spülen und dann mit einem trockenen Tuch poliren. Die Untersuchung ergab, daß noch zahlreiche Keime am Rande des Glases saßen. Selbst heißes Wasser von 50° konnte sie nicht vernichten. Nur wenn die Geräthe fünf Minuten darin liegen blieben, gingen die Keime ein. Da kochendes Wasser den Gläsern, Bestecks u. s. w. indessen schadet, experimentirte der Gelehrte weiter. Seine Versuche brachten ihn auf tooba und er em­pfiehlt nun eine Mischung von 20 g Soda auf ein Liter 50’ heißes Wasser, dieselbe tödtet innerhalb einer Minute alle^ Bakterien an Gläsern, Bestecks und Geschirr. Esmarch ver­langt, daß diese Reinigungsart zwangsweise in Restaurants und Hotels eingeführt werden sollte, da hier die Gefahr, durch einen Vorgänger in der Benutzung des Bestecks zu erkranken, besonders groß ist.