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Freitag
13. September
Drahtnachrichten.
Znr Kaiserbegegnung in Danzig.
Hd. Berlin, 13. Sept. Der „Lokal-Anz." meldet aus Danzig: Reichskanzler Graf Bülow hatte am Mittwoch nach der Mittagstafel, die auf der „Hohenzollern" stattfand, eine ganz besonders lauge Konferenz mit dem Grafen Lambsdorff. Man erzählt nicht nur von dem freundlichen Verkehr zwischen dem Kaiser und dem Zaren, sondern auch von dem zwischen dem Kaiser und dem Großfürsten Alexis, dem Chef der russischen Marine. Nach der Tafel am Mittwoch unterhielt sich Kaiser Wilhelm mit Baron Fredericks, dem Grafen Lambsdorff und anderen Herren des russischen Gefolges, während der Zar längere Zeit im Gespräch mit Graf Bülow verweilte. — Den „Berl. Neuest. Nachr." wird aus Danzig depeschirt: Der Kaiser ordnete ein zweitägiges strategisches Flotten-Manöver unter Mitwirkung der gejammten Küstenbefestigung von Neufahrwasser vor dem Zaren an. Für den gestrigen Abend wurde ein Nacht- Manöver und während der Nacht Landungen der Marine- Mannschaften unter dem Befehl des Prinzen Heinrich erwartet. Heute findet General-Kritik statt. Der Großfürst Alexis trifft heute in Danzig ein, dagegen ist es nach dem „Berl. Tgbl." jetzt sicher, daß der Zar nicht an Land gehen wird. Er wird heute Mittag abfahren.
W» Hela, 12. Sept. Gegen 1 Uhr fand auf dem „Kaiser Wilhelm II." ein Frühstück statt. Zur Rechten des Kaisers Wilhelm saß der Zar, links der Großfürst Alexis, rechts neben dem Zaren der Reichskanzler Graf v. Bülow, gegenüber den Majestäten die Admirale Köster und v. Tirpitz, sowie der russische Vizeadmiral Lomen. Am Schluß der Manöverübung ersuchte der Zar Kaiser Wilhelm, der deutschen Flotte den Ausdruck seiner hohen Befriedigung über die Le istungen der Flotte zu signalisiren. Gegen 7 Uhr abends kehrte die Flotte auf den Ankerplatz bei Hela zurück. Der Kaiser geleitete den Zaren an Bord des „Standard" und kehrte an Bord der „Hohenzollern" zurück.
W. Hela, 13. Septbr. Gestern Abend um 8 Uhr fand A b e n d t a f e l an Bord der „Hohenzollern" statt, woran die beiden Kaiser, der Großfürst Alexis, Prinz Heinrich, das Gefolge und die Admirale theilnahmen. Kaiser Nikolaus blieb bis 11 Uhr an Bord der „Hohenzollern" und begab sich dann nach dem „Standart" zurück.
Der Krieg in Südafrika.
Hd. London, 13. Septbr. Nach einer Meldung aus Kronstadt kehrte die Kolonne des Obersten Spene mit 20 gefangenen Buren, zahlreich erbeutetem Vieh und Wagen nach Kronstadt zurück.
Hd. London, 13. Septbr. Wie aus Blömfontein gemeldet wird, sind daselbst gestern 30 gefangene Buren eingebracht worden. Die Engländer haben in den letzten 14 Tagen östlich von Jagersfontein 40 Buren gefangen genommen.
Hd. London, 13. Septbr. Aus Lourenzo-Marquez wird gemeldet: Zwei Franzosen sind wegen der Mitschuld an der Einfuhr großer Mengen Waffen und Munition, welche die Portugiesen neulich an der portugiesischen Grenze entdeckt hatten, verhaftet worden.
Hd. London, 13. Septbr. Wie aus Kapstadt gemeldet wird, ist das Parlament bis zum 30. November vertagt worden. Eine Meldung des Generals French besagt: In der Nähe von Senoburg stieß eine englische Kolonne mit einer Buren-Abtheilung unter dem Befehl van den Mergens zusammen. 37 Buren wurden gefangen genommen, die übrigen entflohen in östlicher Richtung.
W. London, 12. Sept. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 11. d. Mts.: C. Krüger, ein Sohn des Präsidenten Krüger, und Hauptmann Feneira ergaben sich am Mittwoch.
Hd. Dublin, 13. Septbr. Zwei Mitglieder des Staats- rathes, welche gestern in einer Versammlung gegen den südafrikanischen Krieg heftige Reden führten und beleidigende Worte gegen den König und die Regierung äußerten, wurden von einem die Versammlung überwachenden Polizeibeamten festgenommen und die Versammlung aufgelöst.
W. Brüssel, 12. Sept. Die „Jndependance Belge" veröffentlicht den Wortlaut der amtlichen Zuschrift, welche von den Bevollmächtigten und Delegirten Transvaals und des Oraujesreistaates Dr. Lcvds, Wessels, Wolmarans und Fischer am 10. September an den Schiedsgerichtshof im Haag abgegangen ist. Die Delegirten verlangen hierin nochmals, daß die Streitigkeiten, die den Krieg mit England veranlaßten, durch ein schiedsgerichtliches Urtheil geregelt werden.
W. Mafekmg, 12. Sept. (Reuter.) General Methuen hatte ein ernstes Gefecht mit Delarcys Streitmacht in der Nähe von Zeerust am 5. d. Mts. Nach mehrstündigem Kampfe zogen sich die Buren zurück mit einem Verluste von 20 Todten, einschließlich General Lemmer und Feldkornet Joubert, 17 Verwundeten und 44 Gefangenen. Erbeutet wurden 300 Wagen, 1500 Stück Vieh und 6000 Schafe. Die Verluste der Engländer betrugen 15 Todte und 30 Verwundete.
W. Kapstadt, 13. Septbr. Die „South African News", das Afrikanderorgan sagt in Besprechung der Proklamation Kitcheners vom 7. August, die Bürger der beiden Republiken kämpften noch heute um ihre Unabhängigkeit, wie sie es 23 Monate hindurch thaten. Der Kampf sei indessen, so weit das Auge in die Zukunft dringen könne, von ihrem Standpunkt aus hoffnungslos. Ein Erfolg ihrer Waffen sei unmöglich und eine Intervention des Auslandes ausgeschlossen.
Der koLsrmbische Konflikt.
W. San Inan (Portorico), 13. Septbr. (Reuter.) Ein von Venezuela gekommener Dampfer bringt die Nachricht, alle venezolanischen Arbeiter im Alter von 14 bis 60 Jahren wurden gezwungen, in das Heer einzutreten. Auch eine Anzahl Dampfer der Handelsmarine wurden für den Staatsdienst beschlagnahmt, ebenso alle Pferde und Maulthiere. Die Gefängnisse sind voll. Selbst ein Gespräch über
1 .',mi UkPJIEK'nrmp.T t.^it »L«i»7«»»»-v^^»^M'M -.*^taA3HlX«1fJ^^»<^~g^^anOTt'--IUW1-^-°<*aVX2<**'Utt,***f *****'“ den ßrieg gelte als ein Vergehen, das mit Gefängniß bestraft werde. Einer Anzahl Venezolaner, welche sich bereits Plätze auf nach Norden fahrenden Dampfern gesichert hatten, wurde die Abfahrt nicht gestattet.
Spanien und Marokko.
Hd. Tanger, 13. Septbr. Der spanische Gesandte hat dem marokkanischen Minister des Auswärtigen mitgetheilt, daß es ihm unmöglich sei, eine weitere Frist für die Freilassung der verhafteten Spanier zu geben. Die spanische Regierung sei entschlossen, falls Marokko dieses Ultimatum unbeachtet lasse, die Küstenstriche zu bombardiren und Mannschaften an Land zu setzen.
Hd. Berlin, 13. Septbr. Eine Privatmeldung des „Lokal- Anzeigers" aus Tanger berichtet, daß drei spanische Schiffe signalisirt sind. Der spanische Vertreter in Tanger hatte eine Konferenz mit den Vertretern aller europäischen Mächte. Die Forderung Spaniens auf sofortige Auslieferung der verborgen gehaltenen Spanier fand die Unterstützung aller Diplomaten. — Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Madrid depeschirt: Nachrichten aus Marrakesch melden die Absendung einer militärischen Expedition gegen den Benisara-Stamm zur Be- sreiuung der Gefangenen. Der Großvezir bat den spanischen Gesandten, sich noch etwas zu gedulden. Hier befürchtet man, daß die Gefangenen ermordet werden würden, wodurch eine sehr schwierige Lage geschaffen würde.
3»m Attentat auf Mae Kinley.
W. Buffalo, 12. Sept. (Bulletin von abends 8 Uhr 30. Min.) Der Zustand des Präsidenten ist nicht durchaus gut. Die aufgenommene Nahrung wurde nicht gut verdaut, eine Entleerung konnte nicht stattfinden. Der Puls ist unbefriedigend, indessen hat sich der Zustand, seit zwei Stunden gebessert. Die Wunde hat ein gutes Aussehen. Der Schlaf ist ruhig. Temperatur 100,2, Puls 128.
B. Buffalo, 13. September. (SpezialtelöAramm.) Neutermeldung. Alle am Krankenlager Mac Kinley's versammelten Aerzte ertheilten um 3 Uhr früh die Ermächtigung zur Bekanntgabe, daß der Präsident bedenklich krank sei»
W. Berlin, 13. Septbr. Vor Eintritt in die Tagesordnung der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung gedachte der Vorsteher Laugerhans des gegen M c. Kinley verübten Verbrechens und drückte namens der Versammlung den Abscheu über das Attentat aus.
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Hd. Berlin, 13. Septbr. Die Voruntersuchung gegen die Direktoren der Spielhagen-Banken ist abgeschlossen. Jedoch dürfte die Angelegenheit in diesem Jahre nicht mehr zur Verhandlung kommen.
W. Berlin, 13. Septbr. Die Morgenblätter berichten: In der Ortschaft Korschwitz bei Münsterberg in Schlesien wurde der 26 Jahre alte geisteskranke Sohn der Stellenbesitzer Spatzker'schen Eheleute in finsterem Raume in seinem Bett gefesselt vorgefunden. Die Eltern hatten den Sohn gefangen gehalten.
C Köln a. NH., 13. Sept. (Privattelegramm.) Die Polizei verhaftete den 48jährigen Heizer Freiwald aus Ohligs sowie die beiden Schwestern desselben, mit denen Ersterer 20 Jahre hindurch in unerlaubtem Verkehr gestanden. Aus diesem Umgang sind 12 Kinder hervorgegangen, von welchen jedoch nur noch eines am Leben ist. Die übrigen 11 Kinder starben alle kurz nach der Geburt. Wie es heißt, sind diese Kinder auf gewaltsame Weise ums Leben gebracht worden und zwar durch Eintreiben von Nägeln in die Schädeldecke. Die Verhafteten sind in Amerika geboren, ihr Vater ist ein Deutscher, während ihre Mutter eine Negerin ist. Freiwald hat unzählige Male seinen Wohnort gewechselt, da sein Lebenswandel öfters Anstoß erregte. Die beiden verhafteten Schwestern wohnten in Beuel.
W. Stuttgart, 13. Septbr. Auf der Durchreise von Berchtesgaden nahm heute früh Graf Waldersee hier einen kurzen Aufenthalt im Hotel „Marquardt" und begab sich dann zum Besuch der Schwägerin Freifrau von Wächter nach Schloß Lautenbach bei Neckarsulm.
Hd. Wien, 13. Septbr. Nach Meldungen aus Nom sollen in dem am 27. November stattfindenden päpstlichen Konsistorium der Nuntius Paliani sowie der Erzbischof von Olmütz Dr. Kohn zu Kardinälen ernannt werden.
Hd. Brütt», 13. Septbr. Eine aus 20 Personen bestehende Zigeunerbande überfiel in der Nacht die Eisenbahnstation Hatzendorf, wurde jedoch von der zu Hilfe eilenden Gendarmerie in die Flucht geschlagen. Zwei von ihnen wurden verhaftet.
W. Laibach, 12. .Septbr. Bei den heutigen Land- t a g s w a h l e n in den Landgemeinden wurden 15 Slovenisch- Klerikale und 1 Slovenisch-Liberaler gewählt. Die Klerikalen gewannen 1 Mandat.
Hd. Tttritt, 13. Septbr. Der Steuereinnehmer und Bankier Gallezzi ist nach einer Unterschlagung von einer halben Million Lire Steuergeldern aus Chivasso flüchtig geworden.
Hd. London, 13. Septbr. In hiesigen Anarchisten- kreisen wird der That Czolgosz keine politische Bedeutung beigelegt. Man erklärt, das Attentat sei lediglich ein gemeines Verbrechen und werde als solches sicherlich behandelt werden. Malatesta erklärt, in einem Lande wie Amerika sei keine Nothwendig leit für ein solches Verbrechen vorhanden. Leider würden die Unschuldigen mehr als die Schuldigen zu leiden haben, wie dies in Spanien und Italien unmittelbar nach den anarchistischen Ausschreitungen der Fall genesen sei.
W. Lottdorr, 13. Septbr. Reuters Bureau meldet aus Melbourne vom 12. ds. : Im Bundesparlament wurde heute ein Gesetzeutwurf berathen, wonach die Einwanderung eingeschränkt werden soll, besonders dadurch, daß die Einwandernden einer Prüfung auf ihren Bildungsgrad unterworfen werden. Mehrere Parlamentsmitglieder beantragten ein Amendement, wonach bei der Prüfung an Stelle der englischen Sprache eine beliebige andere europäische Sprache treten kann. Der Premierminister
erklärte sich mit der Abänderung einverstanden, nachdem bereits
vorher der Justizminister bemerkt hatte, die Regierung beab- ; sichtige in keiner Weise, Deutsche, Skandinavier und andere ■ Weiße von gleich hohem Bildungsstande wie diese von der ' Einwanderung auszuschließen.
W. Cadix, 13. Sept. Die Kommandanten und Offiziere der Kreuzer „Gesion" und „Irene" machten gestern einen Ausflug nach Jerez und Puerto Santa Maria. Auch die Mannschaften hatten Landurlaub.
Hue aller Mett.
König Christian von Dänemark als Freiwerber. Der Kopenhagener Bildnißmaler Jensen verlor dieser Tage seine Frau, und als sie beerdigt wurde, bemerkte man unter den vielen Blumenspenden, die den Sarg schmückten, auch einen prachtvollen Kranz, der vom König Christian ge« sandt und mit seinem Namen versehen war. Die Theilnahme des Königs hat ihre Geschichte, die über die jetzt durch den i Tod getrennte Ehe einen romantischen Schimmer wirft. Die r Eltern Jensens waren kleine Bürgersleute und hatten nicht die . Mittel, ihren Sohn zum Künstler ausbilden zu lassen. Der junge Mann besaß aber ein bedeutendes Talent, das ihm : schnell vermögende und einflußreiche Gönner verschaffte, unter j diesen den König Christian, der sich für den jungen Künstler i sehr interessirte und ihn in die Kunstakademie eintreten ließ. Einige Jahre später, als der junge Mann schon die goldene ' Medaille der Akademie erworben hatte, verliebte er sich in die | Tochter eines sehr reichen Kaufmannes, der jedoch von dieser ; Verbindung nichts wissen wollte. Eines Tages, als der König den jungen Maler auf der Straße traf und sein trauriges Aussehen bemerkte, fragte er ihn nach dem Grunde seiner Trauer. Der Maler schüttete dem König sein Herz aus und erhielt von ihm das'Versprechen, daß er die Sache in die Hand nehmen wolle. In der That begab sich denn auch der König persönlich zum Vater des jungen Mädchens, dem Staats- 1 rath Holmblad, schilderte ihm das Talent des jungen Künstlers und setzte es durch, daß der junge Mann die Hand seiner Angebeteten erhielt. Kurz nachher fand die Hochzeit statt, die zu einer sehr glücklichen Ehe führte. Dreißig Jahre sind seit dieser Zeit verflossen. Trotzdem erinnerte sich der König noch jenes Tages, wo er als Freiwerber für den jungen Maler aufgetreten war, und beim Tode der Frau hat er auf oben geschilderte sinnige Art seine Theilnahme gezeigt.
Briefkasten der Redaktion.
Skat. Wieviel Kombinationen es bei den 32 Skatcarten gibt? Es ist darüber Nachstehendes ansgerechnet worden: Es kann 496 mal ein anderer Skat liegen. Von den übrigen 30 Blättern kann nur der erste der Spielenden bei ein und demselben Skat 30 045 015 mal verschiedene Karten bekommen, während sich die übrigen 20 Blätter _ auf die beiden anderen dergestalt vertheilcn, daß sie unter sich wieder die Karten 184 766 mal umwcchscln können. Auf jede zwei Blätter des Skates kommen also 30 045 015 mögliche Spiele der Vorhand und auf jedes dieser Spiele wieder 184 766 verschiedene Spiele in der zweiten und dritten Hand. Hieraus ergibt sich, daß die Zahl der möglichen Fälle 1377 645 204252 320, gesprochen eintauscndreihundertsiebenundsiebzig Billionen, sechshundertfünfundvierzigtausendzweihundertvier Millionen, zweihundertzweiundfünfzig- tausenddreihundertzwauzig, beträgt.
An C. in G. Die erwünschte Adresse lautet: An das Bundesamt für das Heimathwesen, Berlin. Tragen Sie diesem Ihre Wünsche vor.
An C. in D. Die Bestimmungen über die Haftung der Eisenbahn bei der Beförderung von Personen und Gegenständen sind so ansgedehnter Art, daß die Wiedergabe im Briefkasten ausgeschlossen erscheint. Wenden Sie sich um Aufklärung direkt an die Bahn.
An C. in G. Ihr Wirth war zur Entgegennahme der Zustellung berechtigt. Wird Jemand, dem zuzustellen ist, nicht in seiner Wohnung angctrofsen, auch sein Familien-Angehöriger, so kann dem Vermielher zn- gestellt werden, wenn dieser zur Annahme bereit ist.
An M. in Ä. Eine Kriegserklärung kann ohne Zustinimung des Bnudesrathes nur dann erfolgen, wenn ein Augrifs auf das Bundesgebiet oder dessen Küsten erfolgt ist.
An M. in N. Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-roth. Wußten Sie das nicht, Verehrtester? Kennen Sie nicht das Lied von der Flagge „schwarz-weiß-roth?"
An G. in U. Sie sind wirklich naiv, lieber Leser! Wenn Sie die mit einem Einfriediguugs- oder mit einem Warnungszeichen versehenen Weiden betreten haben, so machten Sie sich eben einer strafbaren Handlung schuldig, die Ihnen eine Geldstrafe bis zu 60 Mark oder Haft bis zu 14 Tagen einbringen kann. Sie mutten sich doch selber sagen, daß der Besitzer die Einfriedigung deswegen herstellen ließ, um das unbefugte Ve-^ treten der Weiden zu verhindern.
G. in L. Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ist von viel schwerwiegenderer Bedeutung, wie Sie denken, lieber Leser; dieselbe bringt den Verlust mannigfacher Befugnisse mit, von denen hier mtv einige genannt sein mögen. Derjenige, dem die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, verliert z. V. für die Dauer der Aberkennung das Recht, HandlungSlehrlinge zu halten bezw. auzulciten. Er kann sogar durch die Polizei zur Entlassung der Lehrlinge gezwungen werden. Noch wichtiger ist ferner, daß die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen für den Vernrtheilten hervorgegangencn Rechte, sowie der öffentlichen Aemter, Titel, Würden, Orden und Ehrenzeigen nach sich zieht. Sie sehen schon aus diesen wenigen Beispielen, daß die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte doch schwerwiegende Folgen hat.
H. in S. Ein Zeitgenosse von 1866 schreibt uns noch zu Ihrer in Nr. 209 ds. Bl. beantworteten Briefkasten-Anfrage: Verehrliche Redaktion! Ihre in Nr. 209 Seite 11 Ihres geschätzten Blattes vom 7. ds. gegebene Antwort auf die Anfrage wegen Bewaffnung anderer Armeen als der preußischen im Jahrè 1866 bedarf einer Berichtigung. Im März genannten Jahres war das kurhessische Kontingent bereits zum größten Theile mit dem Zündnadel-Gewehr bewaffnet. Das^hier in Hanau garnisonirende 2. Regiment wurde in jenem Monat, der als sogenannter Exerziermonat im kurhessischen Staate bekannt war, mit dem Zündnadel-Gewehr eingcubt. Somit war diese Waffe nicht im preußischen Heere allein emgeführt. Es ist hierzu noch zu bemerken, daß, wie wohl nicht allgemein bekannt ist, der Zünder an der kurhessischen Patrone bentjenigen der preußischen Armee insofern überlegen ivar, als er in Berührung mit Feuchtigkeit seine Zünd- bezw. seine Explosionskraft nicht verlor. Die in damaliger Zeit so vielfach kursirende Annahme, daß die kurhessischen Truppen (d. h. Infanterie) deshalb nicht in Aktion kamen, eben iveil sie mit genanntem Gcivehr bewaffnet waren, dürfte vielleicht einen kleinen Kern von Wahrheit enthalten, erwiesen ist es, wie so vieles Andere aus jener Epoche allerdings nicht und ivird wohl auch niemals geschichtlich erörtert werden. Alles Andere steht außerhalb des Rahmens dieser Frage und gehört deshalb nicht hierher, aber, daß die Kurhessen im Jahre 1866 das Zündnadel-Gewehr hatten, ist Thatsache. Als Beleg zu Vorstehendem kann das Werk „die vormals kurhessische Armeedivision im Sommer 1866" von Julius V. Schmidt, Generalleutnaut z. D., 1866 Hauptmann im kurh. Generalstab (Gaffet 1892, Verlag von Max Brunnemann) dienen. Auf Seite 14 heißt cs: „Die Zündnadel-Gewchre und Büchsen sind alsbald an die sämmtliche dicnstpräsente Mannschaft und Unteroffiziere auszugeben."