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General-Anzeiger.

Acklilhes Organ fit Mf= «nd Fandkreis Kanan.

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Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

I!r. 214 Bezirks-Fernsprechanschlttß Nr. 98.

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Freitag den 13. September

Bezirks-Fernsprechanschlttß Nr. 98. 1901

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 braun lackirter neuer Maschinentheil. 1 Kornzange. 1 Ledermappe.

Augelau fen: 1 grauer Ratteilpinscher m. Geschl.

Vom Wasenmeister am 13. d. Mts. ein gefangen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen und rothen Abzeichen m. Geschl. 1 desgl. mit schwarzen Abzeichen w. Geschl.

Hanau den 13. September 1901.

Kus Stadt und Cand.

Hanau, 13. Septbr.

^ Derbandsvevsammlung. Am 19. und 20. Sep­tember findet, wie schon mitgetheilt, die Verbandsversammlung der deutschen Schutz vereine für entlassene Ge­fangene in Cassel statt. In dem dicht am Königsplatz gelegenen Palais-Restaurant daselbst wird man sich schon am Abend vorher zum Zweck der gegenseitigen Begrüßung ver­sammeln. Am Morgen des 19. September werden die Ver­handlungen um die Mittagsstunde eine Unterbrechung erfahren und nach einer Frühstückspause um J/a2 Uhr fortgesetzt werden und bis zum Abend dauern. Am 20. September ist der Vor- nlittag für die Verhandlungen in Aussicht genommen. Refe­rate haben übernommen die Herren Professor Dr. Spieß aus Wiesbaden, Ministerialrath Stadler aus Straßburg, Ge­fängnißgeistlicher Pastor v. Rohden aus Düsseldorf, Geh. Oberregierungsrath v. Massow aus Potsdam, Landesrath Zuschlag aus Cassel, Stadtpfarrer van der Flo 8 aus Pforzheim, Pfarrer Kraus aus Scherzingen, Pfarrer Schwöbel aus Mannheim, Kaufmann Bischoff aus Berlin, Assessor Dr. Rosenfeld aus Berlin, Regierungsrath Dr. v. Engelberg aus Mannheim.

*Schulschwänzer". Das Gesetz über die Fürsorge- Erziehung Minderjähriger vom 2. Juli 1900 hat auch große Bedeutung für einen regelmäßigen Schulbesuch der Kinder. Es kam bisher nicht selten vor, daß die Volksschule Kindern, die hartnäckig die Schule versäumten, machtlos gegenüberstand. Die betreffenden Eltern konnten sehr leicht nachweisen, daß sie ihre Pflicht, die Kinder zum Schulbesuch anzuhalten, erfüllten, soweit es ihr eigener Berus zuließ. Zwangsweise Zuführung der Scküler zum Unterricht hatte auch oft nickt den gewünsch­ten Erfolg. Einem Antrag auf Zwangserziehung auf Grund des Gesetzes vom 13. März 1878 wurde meist nicht stattge- geben, da ja die betreffenden Kinder noch nicht gerichtlich be­straft waren. Durch das neue Gesetz ist die Sachlage eine ganz andere geworden. Die Behörden gehen jetzt gegen solche unbotmäßigen Kinder energisch vor und beantragen Fürsorge- Erziehung. Ein solcher Antrag Hai bisher schon fast immer einen heilsamen Einfluß auf dieSchulschwänzer" ausgeübt.

St. Luxuszüge. Der gestern erschienene zweite'und end- giltige Entwurf zum Winterfahrplan der preuß.-hess. Eisen­bahn-Direktion in Mainz enthält von Luxuszügen nur den Wien-Ostende-Expreß, erwähnt aber nicht den Riviera-Zug, welcher diesmal täglich fahren sollte, aber in letzter Minute fallen g el asse u^wurbe oder, falls doch noch zu Stande kommend, in einem ^eparatfahrplane erscheinen würde.

* Verlegung. Schwere Hölzer und allerlei Hebegeräthe im Hof des alten Rathhauses Altstädter Markt 6 von kundigen Handwerkern an einem der letzten Tage aufgestellt, belehrten uns bald, daß ein an Umfang und Gewicht gewal­tiger Kassenschrank in das mittlere Stockwerk des altehrwür­digen Gebäudes gehoben und aufgestellt werden sollte, was auch nach kurzer Zeit unter Mitwirkung einer schaulustigen 'Nachbarschaft glücklich von Stätten ging. Nimmt man aber an, daß mit diesem Transport etwa die Verlegung einer städtischen Kasse in das historisch bedeutsame Gebäude einge­leitet worden wäre, dann ist man imJrrthum, vielmehr ist der Zeit­punkt herangekommen, wo mit wenigstens einer theilweisen Verlegung des Museums vom Hanauer Geschichts­verein begonnen und mit der Uebersiedelung des Kassen­schrankes zunächst die Münzsammlung und neben dieser auch die Kupferstichsammlung ihre Aufstellung im neuen Heim finden konnten. In den nächsten Wochen werden die römischen, fränkischen und germanischen Funde folgen, wohlgeordnet, neu iuventarisirt und aufgestellt in großen, dem Zweck der Samm­lung entsprechenden Glasschränken, womit eine in sich abge­schlossene Abtheilung der in mehr als einem halben Jahr­hundert vom Hanauer Geschichtsverein angesammelten prä­historischen Schmuck- und Gebrauchsgegenständen rc. im Zu­sammenhang dem Publikum zugänglich gemacht werden sollen. Mit dieser Abtheilung verlegt der Geschichtsoereinsvorstand aber auch sein Sitzungszimmer und die Bibliothek in das städtische Gebäude, während eine größere Abtheilung römischer Funde, insbesondere das Mithräum und Theile der Römer- brücken von Krotzenburg und Hanau, die Gigantensäule, ferner

Grab- und ornamentirte Steine aus christlicher Zeit stammend, das Archiv und die Sammlungen aus dem Mittelalter in dem alten Staatsgebäude des Schloßhofes verbleiben müssen, bis alle Räume des alten Rathhauses dem Geschichtsverein über­geben werden können. Den städtischen Körperschaften ist denn auch der Dank für die Ueberweisung des historischen Gebäudes nicht allein vom Vorstand des Geschichtsvereins, aber auch von den jetzigen wie demnächst beitretenden Vereinsmitgliedern dauernd gesichert, und mögen die Letzteren sich.in großer Zahl melden, damit dem Vorstande die weitere Aufstellung und Sammlung sowie der Ankauf geeigneter Gegenstände erleichtert wird zur Freude und Belehrung der Bewohner. t.

* Der zweite Vertretertag des Kyffhäuserbundes, der vor kurzer Zeit auf dem Kyffhäuser abgehalten wurde, be­schäftigte sich auch mit der Aeußerung des Vorsitzenden der deutschen Kriegervereine, des Generals von Spitz, über den Bremer Unfall und mit der Kritik, die diese Aeußerung durch die Bremer Kriegervereine und durch einen Theil der Presse zur Folge hatte. Der Vertretertag ertheilte dem General von Spitz ein Vertrauensvotum und sprach die Erwartung aus, daß die Bremer Vereinsvorstünde wegen ihres unange­messenen Verhaltens sich demnächst in befriedigender Weise ent­schuldigen. Sollten sie sich weigern, die nach Lage der Um­stände unerläßliche Genugthuung zu geben, so müßten die im Kyffhäuserbunde vereinten deutschen Landeskrieger-Verbände bis auf Weiteres jeden kameradschaftlichen Verkehr mit ihnen ablehnen.

* Versteigerung von Meszplätzen. Gestern wurden die Plätze für die diesjährige Herbstmesse versteigert. Den Platz für das erste Karroussel ersteigerte für 200 Mk. Herr Kübler, den Platz für das zweite Karroussel für 150 Mk. Herr Kaiser, der Platz für die erste Schiffsschaukel erzielte 100 Mk. (Herr Hofferbcrth), auf den Platz für die zweite Schaukel wurde nicht geboten. Für die weiteren Plätze wurden 5 Mk. per lfd. Meter erzielt. Es lagen auch einige Gesuche um Zulassung von Dampf-Karroussels vor. In richtiger Würdigung der Gefährlichkeit dieser Betriebe sah sich die Polizei­behörde jedoch veranlaßt, die GenehmiguuZ zu versagen. Es dürfte vielleicht noch nicht allseits bekannt sein, daß in diesem Sommer bei einer Messe in Trier der auch auf der Hanauer Frühjahrsmesse sich produzirende Kinematograph, dessen Betrieb durch selbst erzeugte Elektrizität erfolgte, in Brand gerieth und größeres Unglück zeitigte. Die Behörde sieht sich deshalb ver­anlaßt, bei der Zulassung derartiger Betriebe vorzuschreiben, daß die Elektrizität vom städtischen Werke entnommen wird und die Selbsterzeugung unterbleibt.

* Jmmobilienverkehr. Herr J. G. Seither, der seit langen Jahren ein Kleidermagazin in der Bangertstraße betrieben hat, erwarb das Grundstück Marktstraße Nr. 1 (bis­her Herrn A. Glöckler gehörend) zum Preise von 45000 M.

* Attgenscheinstermin. In der Strafsache gegen den Schreiner Martin M. von hier, dessen Thaten in dem Bericht über die Strafkammersitzung vom Montag näher be­schrieben wurden, nahm das Gericht heute Mittag bei dem be­stohlenen Gastwirth in der Dechaneistraße einen Augenschein des Thatortes ein. Heute Nachmittag wird von einem Mit- gliede des Gerichts die Gastwirthssrau K. in Friedberg, wo­selbst der Angeklagte in der betreffenden Nacht logirt haben will, vernommen. Morgen Samstag Mittag ijt Fortsetzung der Verhandlung.

* Stiftungsfest. Die GesellschaftH e i t e r e r B u n d" begeht am 29. September in den Sälenzur Harmonie" ihr diesjähriges Stiftungsfest durch eine Abendunterhaltung mit Ball und wird sicherlich, ihrem Namen alle Ehre machend, durch Darbietungen vorzüglicher Art ihren Gästen einige wirk­lich heitere Stunden bereiten. Daß sich der Verein auf Ar- rangirung und glanzvolle Durchführung derartiger Festlichkeiten versteht, dürfte seinen zahlreichen Freunden noch von früher her genügend bekannt sein, und man hat begründete Hoffnung, daß auch diesmal Jedermann auf seine Rechnung kommen wird, zumal das zur Durchführung gelangende Programm ein äußerst abwechselungsreiches und mit recht gediegenen Nummern aus­gestattetes ist. Außer Kouplets und sonstigen humoristischen Darbietungen wird ein hübsches Theaterstückchen zur Unter­haltung der Besucher und Aufheiterung der Gemüther beitragen und den Abend zu einer einzigen Kette lustiger Situationen und echt fröhlicher Momente gestalten.

* *

Y Großauheim, 12. Septbr. (Parkcttfabrik). Emen nennens werthen Faktor bei dem mächtigen Aufblühen Großauheims bildet gewiß auch die etwa 300 Meter vom Orte entfernt liegendeParkettfabrik," deren Besitzer die Herren Schwab u. Böckler sind. Das Etablissement, welches in letzter Zeit so sehr fldrirt, schaut auf eine sehr bewegte Ver­gangenheit zurück. In seinen Ansangsstadien war es ein kleines Eisen­werk. Da dies aber keine Zukunft hatte, so mußte es den Betrieb ein- stellen, und aus der Eisengießerei nietamorphosirte sich eine Art chemische Fabrik, in der Fußbodenlacke sabrizirt wurden. Aber die Herrlichkeit 1 dauerte kaum 2 Jahre undLack- und Reitstiefel" hatten ihre Dienste gc-

tgan. Das Unternehmen fallirte, und an Stelle des bekanntenDuftes", der das Anwesen einhüllte, trat bald das Konzert von Kreissäge, Doppel- und Vollgatter. Herr F, ein genialer Kopf, schuf dieHolz-Industrie Katharinenhütte." Aber auch dieses Unternehmen slorirte nur kurze Zeit. Zum flotten Gehen brachte es auch das neue Kind nicht, es machte einige schnelle, schwankende Schritte und lag hilflos auf dem Boden. Erst nach so manchen wechselreichen, trüben Tagen kam dasSchmerzenskind" in die Hände des jetzigen Besitzers Herrn F. Schwab, und seiner rastlosen Thätigkeit und Energie, seinen gründlichen theoretischen und praktischen Fachkenntnissen und nicht zum wenigsten seinem einfach-schlichten, alt­bayerischen Wesen verdankt das Werk, das den NamenParkettfabrik Großauheim" führt, seine Entwickelung und seinen Flor. Die Fabrik beschäftigt zirka 70 Arbeiter; die Parkett-Leger sind in die Zahl selbst­redend einbegriffen. Ein stattlicher Neubau, Lagerhaus, mit etwa 500 Quadratmeter Flächeninhalt, der in der letzten Zeit auf der Südseite er­standen ist, gibt schon äußerlich dem Werke ein viel würdigeres Gepräge. Etwa 250 Quadratmeter Fußboden in Weich- und Hartholz, vom ein­fachsten Dielenholz bis zum feinsten Parkett, werden täglich fertiggestellt. Das zu verarbeitende Holz wird fast ausschließlich aus den Wäldern Slavoniens" bezogen, nach Bedarf wird auchAmerikanisches Holz" verarbeitet. Neben Parketts werden auch Bekleidungen, Sockelleisten und neuerdings als Spezialität auch Stubenthüren im Betriebe angefertigt. Die Arbeiter haben einen recht lohnenden und sicheren Verdienst, der ihnen ein hinreichendes Auskommen gewährt. Möge das neuerstandene Werk unter der FirmaSchwab u. Böckler" zum Segen von Besitzern und Arbeitern immer mehr wachsen und gedeihen!

G Langenselbols, 13. Septbr. ^(S p o r t.) Der Rad­fahrerklub Langenselbold feiert nächsten Sonntag den 15. Sep­tember dahier sein 2. Stiftungsfest, verbunden mit Straßen­rennen und Kunstfahren. Nachmittags findet dann imWeißen Roß" das eigentliche Fest statt.

Hochstadt, 12. Septbr. Der Weißbinder K. beabsichtigt, die auf seinem Grundstück in der Gemarkung Hochstadt be­findlichen Baulichkeiten zu einem Wohnhause mit drei Woh­nungen umzubauen. Es handelt sich hierbei um die Begrün­dung einer Ansiedlung, da das Grundstück außerhalb einer im Zusammenhang gebauten Ortschaft liegt. Als K. die Ansied- lungsgenehmigung nachsuchte, machte der Landrath zu Hanau den gesetzlichen Vorschriften gemäß das Projekt bekannt. Es erhoben darauf der Gemeindevorstand und zahlreiche Bewohner von Hochstadt Einspruch, worauf der Landrath die Ansiedlungs­genehmigung durch Bescheid vom 14. August 1900 versagte. Hiergegen wandte sich K. mit der Klage. Der Bezirksaus­schuß zu Cassel hat dahin erkannt, daß unter Aufhebung des landräthlichen Bescheides dem Kläger die Ansiedelungsgenehmi­gung zu ertheilen sei. Gegen diese Entscheidung legten die Beklagten, abgesehen von dem Landrath, Berufung ein. Der vierte Senat des Oberverwaltungsgerichts hat die Vorentschei­dung mit der Maßgabe bestätigt, daß der angefochtene Be­scheid außer Kraft zu setzen sei. Er erkannte nicht an, daß die von den Beklagten erhobenen Einwendungen begründet seien. Insbesondere verwies er darauf, wie nicht durch be­stimmte Thatsachen die Annahme gerechtfertigt werde, die An­siedlung werde den Schutz der Nutzungen benachbarter Grund­stücke aus dem Obst- und Weinbau gefährden. Die Annahme verbiete sich bereits in Folge des Umstandes, daß das klägerische Grundstück nicht besonders entfernt sei von der Ortschaft und an einem öffentlichen Wege liege, sodaß eine polizeiliche Be­aufsichtigung desselben nicht besondere Schwierigkeiten biete. Allein der Verwaltungsrichter habe sich darauf zu beschränken, die Rechtsgiltigkcit des die Ansiedelungsgenehmigung versagen­den Bescheides zu prüfen. Hieraus ergebe sich, daß er höchstens den Bescheid aufheben, nicht aber zugleich die Ansiedelungsge­nehmigung ertheilen durfte. Die Nothwendigkeit dieser Be­schränkung zeige sich hier um so deutlicher, als der Landrath bisher nur zu dem von den Beklagten erhobenen Einspruch Stellung genommen, nicht aber geprüft habe, ob etwa die Voraussetzungen des § 2 Absatz 3 des Gesetzes vom 11. Juni 1890 gegeben seien. Hiernach sei die Ansied­lungsgenehmigung zu versagen, wenn und so lange die Ge­meinde-, Kirchen- und Schulverhältnisse der Ansiedlung nicht in einer dem öffentlichen Interesse und den örtlichen Verhält­nissen entsprechenden Weise geordnet seien. (Fr. N.)

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen

Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 13. September.

9 Uhr 40 Min.

Ein hoher Luftdruck erstreckt sich von Nordeuropa bis Eng­land, ein solcher über 768 mm lagert über Lappland, ein Minimum unter 756 mm über Süddeutschland. In Deutsch­land ist das Wetter ziemlich kühl, im Süden regnerisch, im Nordwesten theilweise heiter.

Prognose für den 14. September: Kühles Wetter, im Binnenland Regenfälle wahrscheinlich.