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schäften, hatte auf ihn eine gütige Vorsehung eine Reihe von Gaben ausgestreut und sie, welche gemeinhin nur auf einer -Reihe von Personen verstreut sind, in ihm harmonisch vereinigt. Auf der einen Seite eine überquellende Phantasie, die sich nicht genug thun konnte, neue Ideen und schöne aufstrebende Gedanken unablässig zu schaffen, und daneben ein scharfer, klarer Verstand, der Erreichbares mit Weltklugheit zu erreichen wußte; dann eine glühende, hinreißende Energie, die unbekümmert um Lob und Tadel einem einmal gesteckten Ziel nachjagt, und auf der anderen Seite der Wunsch, Frieden zu schaffen, zu versöhnen, Gegensätze auszugleichen; der Trüb seines reichen Geistes, den Werdegang der Völker zu verfolgen, große Züge und Geistesthaien in der Geschichte sich selbst in die Seele dringen zu lassen und auf der anderen Seite seine freundliche Gesinnung, seine Antheilnahme an dem Geschick der Bedürftigen und Bedrängten, mit der er auch dem kleinen Manne nahe stand; und zu dem Allen ein Gedächtniß, das die Schätze der Erinnerung immer zur Verfügung stellte, und endlich der Rede Zauberfluß, der ihm mit treffendstem Ausdruck das zu gestalten gestattete, was er sagen wollte; mochte es sich um eine scharfsinnige Deduktion, den Schwung der Begeisterung, um Liebe oder Tadel handeln: seine Rede war immer der vollkommenste Ausdruck seiner Gedanken. Wie wäre es auch anders möglich gewesen, daß er ein Herrscher wurde über Geist und Gemüther der Menschen und schöpferisch eingriff in die Entwicklung seines Volkes. — In unserer Stadt ist er ein Merkstein geworden. Mit seinem Eintritt in die Verwaltung ist eine neue Epoche in der Entwicklung Frankfurts eingetreten. Die Bürgerschaft und die städtischen Behörden haben erkannt, daß Frieden, Versöhnung, Verträglichkeit und Eintracht, die einzig gedeihlichen Grundlagen jeder Arbeit sind, und daß das Zurückdrängen der Parteigegensätze das Erste ist, wenn ein Volk vorwärts kommen soll. Sein Höchstes war aber doch, daß er ein Herrscher über die Herzen war. Wie sehr die Herzen der Bürgerschaft für ihn schlagen, das zeigt auch wieder der heutige Tag. Liebe und Treue hat er der Bürgerschaft entgegengebracht; Liebe und Treue erweist sie ihm. Wir sind glücklich, daß wir Hüter seines Grabes sein sollen. Wir erkennen aber auch die Verpflichtung, das, was er gesorgt und vertreten hat, weiter zu pflegen. Und so ruhe Du nun hier, Du Freund des Waldes und der grünenden Gärten, an der ausgewählten Stätte unter ragenden Bäumen; ruhe aus von dem Leben, in den: Du Dich verzehrt hast für Vaterland, Kaiser und König."
Herr Bürgermeister Dr. Rißmüller (Osnabrück) legte einen Kranz nieder und sagte: „Zu zwei Malen hat der Entschlafene an der Spitze der Stadt Osnabrück gestanden in nie ermüdender Arbeit, mit segensreichem Wirken. Die Stadt hat ihn stets zu den Ihren gezählt und wird nicht aufhören, ihrem Ehrenbürger ein dankbares Gedächtniß zu bewahren." — Für die Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen spendete Herr Justizrath Dr. B e n k a r d dem warmherzigen Förderer der Wohnungsfrage, dem Schöpfer und langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft, einen Kranz. Wie Miquel umfassend auf allen Gebieten gewirkt hat, so entging ihm nicht, daß von allen sozialen Fragen die höchste das Wohl der Familie ist und daß dies nur gedeihen kann, in einem behaglichen Heim. So suchte er denn für die Unbemittelten ausreichende, gesunde, bequeme Wohnräume zu schaffen. Er rief die Aktienbaugesellschaft ins Leben; er half ihr auch aus der Ferne mit Nath und That, und nach seiner Rückkehr war es sein Erstes, daß er sich wieder an den Arbeiten betheiligte. Noch vor Kurzem hat er neue Anregungen gegeben, neue Pläne zu neuem Schaffen entwickelt. — Weitere Kränze legten nieder Herr Hauptmann a. D. Land mann für das Ehrenmitglied der Kriegerkameradschaft und Herr Meister für den Frankfurter S ch ü tz e n v e r e i n. Er erinnerte daran, daß Miquels liebenswürdige Leitung und seine Arbeitskraft das Schützenfest von 1887 zu einem so harmonisch verlaufenen und erfolgreichen machten. — Der Vertreter der Frankfurter Turnerschaft gedachte der eifrigen Mitarbeit des Verstorbenen bei dem Turnfeste von 1880; Herr Dr. E. K o h n sprach für die Kolonialgesellschaft deren Mitbegründer Miquel war; Herr Weber überbrachte Kränze'der Frankfurter Innungen und der vereinigten gewerblichen Korporationen; Herr O. Paech, der für die Handwerkergenossenschaftsbank und die Einkaufs- und Kreditgenossenschaften der Frankfurter Handwerker sprach, wies auf die Förderung des Genossenschaftswesens durch den Entschlafenen und die Gründung der Zentralgenossenschaftskasfe hin; dann ließ die Frankfurter Sängervereinigung einen Kranz niederlegen.
Der letzte Redner war Herr Oberpräsident a. D. Dr. v. Bennigsen, der als ältester noch lebender Freund des Abgeschiedenen das Wort nahm: „Ganz plötzlich ist er uns entrissen worden. Fast unmittelbar vor seinem Tode hatte ich noch zwei Tage Gelegenheit, als sein Gast in seinem _ Hause zu verkehren und mich zu erfreuen an dem reichen Geiste, der ungebrochen durch schweres Leid für die höchsten Güter lebendig fühlte wie nur je in seiner Jugendzeit. Alte Erinnerungen lebten wieder in uns auf, spätere gemeinsame Arbeiten in großer verantwortungsvoller. politischer Zeit; über die wichtigsten Fragen, die des Menschen Geist und Herz bewegen, habe ich mich mit ihm in jenen beiden Tagen unterhalten können, mich erfreuen können an dem Reichthuin seines Geistes und seines warmen Herzens. Unser verstorbener Freund hat seinem ganzen Wesen nach niemals in dem Bann ganz bestimmter Dogmen und politischer Parteiungen gestanden; dazu war sein Geist zu reich und sein Wissen zu umfassend; dazu war es zu viel, was in ihm arbeitete und neue Ideen hervorrief ; seine reiche Phantasie leistete zu viel und zu Bedeutendes, um sie in so enge Schranken bannen zu können. Man hat ihm das vielfach zum Vorwurf gemacht in seinem Leben als Politiker und Minister. Wie soll aber unter unseren deutschen Verhältnissen ein Minister Parteimann sein können? Wie kann man von einem sozialen Denker verlangen, daß er nur einseitig empfindet und nur einseitig handelt nach ben bestimmten Lehren gewisser politischen Schulen oder Parteien? Das hat er niemals gethan von seiner Jugend an, nie einseitig schroff gedacht, nie einseitig schroff gehandelt. Was da
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zu diente, die höchsten Güter des deutschen Volkes zu erhalten, hat er erkannt und dafür gesorgt, daß für gemeinsame Arbeit auf diesem Gebiete auch ein Anderer, sonst fern Stehender nach Kräften thätig sein konnte. Wir haben, der Verstorbene und ich, jetzt vor 42 Jahren eine große, politische Vereinigung gegründet, bestehend aus Radikalen und Liberalen, die nachher bei den Vorbereitungen und Umgestaltungen bei der Gründung des Deutschen Reiches eine wesentliche Rolle spielte und die auch, von dem großen Kanzler anerkannt, ihren Einfluß aus- geübt hat. In dieser That zeigte sich das besondere Genie unseres verstorbenen Freundes, der dazu berufen war, Elemente, die vielleicht in den Mitteln uneinig waren, denen aber das letzte Ziel gemeinsam war, das Ziel des deutschen Nationalstaates "auf freier Grundlage unter kräftiger Mitwirkung des deutschen Volkes zu einigen. Und diese Einigkeit hat Jahre lang angehalten. So hat er sich auch in späterer Zeit bemüht, auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete und in vielen Fällen ist es ihm gelungen, eine Brücke zu schlagen, gefährliche Krisen zu vermeiden und widerstrebende Kräfte zu gemeinsamer Thätigkeit zu verbinden. Der geniale Redner und Organisator, der treue Freund Aller, die ihm nahe standen, wird nun zur Ruhe gebracht. Was er gefehlt hat, was auch bei seinen Parteigenossen zum Theil ein scharfes Urtheil gefunden hat, wird mit der Zeit verschwinden. Das sind vorübergehende Erscheinungen im politischen Dasein eines bedeutenden Mannes. Was bleiben wird, das sind die großen Verdienste, die der seltene Mann sich erworben hat in der Arbeit der Vorbereitung für das Deutsche Reich, in der Organisation und festen Begründung des Nationalstaates, bei welcher Arbeit er der glückliche und erfolgreiche Mitarbeiter Bismarcks gewesen ist, seine schöpferische Thätigkeit im preußischen Ministerium. Was er geleistet hat zum gerechten Ausgleich als Finanzminister, das wird für alle Zeit der Geschichte angehören. Er wird seine Stelle behalten als der ersch und bedeutendste Finanzminister, den der preußische Staat gehabt hat. Mit ihm, den wir jetzt zur Ruhe bestatten, wird eine ungewöhnliche Persönlichkeit zu Grabe getragen. Das wissen wir Alle, das weiß das ganze Volk. Seine Erinnerung wird in den deutschen Landen lebendig bleiben, was groß an ihm war, wird wachsen, was schwach gewesen ist und Tadel gefunden hat, wird verschwinden. Möge ihm die Erde leicht sein."
Mit dem Schlußchor des Sängerbundes: „Wie sie so sanft ruhn" fand die Feier ihren Abschluß. (Frkf. N.)
8ns aller Welt.
Ein scharfer Schuh im Manöver. Bei dem bei Oberseebach von Truppentheilen des 15. Armeekorps abgehaltenen Manöver wurde ein Schuß mit scharfer Patrone abgegeben, durch welchen zwei Soldaten verwundet wurden. In unmittelbarer Nähe der beiden Verwundeten befand sich ein Major sowie ein Adjutant. An der Uebung beteiligten sich das Infanterie-Regiment Nr. 105, Ulanen und Jäger. Recherchen nach dem Thäter blieben ergebnißlos, obwohl sämmtliche Gewehre untersucht wurden.
Ermordung eines L-komotivführers. Der Lokomotivführer Marnitz in Kiel wurde in seiner Wohnung auf einem Stuhl sitzend, eine Schlinge um den Hals und eine Wunde an der Stirn, tobt aufgefunden. Unter dem Verdacht des Mordes wurde der Arbeiter Meyer verhaftet; da er aber sein Alibi nachgewiesen, freigelassen.
Baracken für erkrankte Ehinakrieger. Für seuchenerkrankte heimkehrende Chinatruppen sollen schleunigst Baracken bei Wunstorf in der Lüneburger Heide gebaut werden. Die Kieler Firma Loeck macht große Holzlieferungen.
Schweres Vootsurrglück. Ein mit sieben Personen besetztes Boot des Dampfers „Trojan" kenterte bei Durban. Alle sieben Personen sind ertrunken.
Selbstmord. Der Brauereibesitzer Habich, der Besitzer der Dortmunder Borussiabrauerei, hat sich durch einen Schuß in den Kopf getödtet.
Ergriffener Poftdefrandant. Der bei dem kaiserlichen Postamt 56 in der Französischenstraße zu Berlin beschäftigt gewesene 17jährige Postgehilfe Benno Neumann, welcher nach Unterschlagung von Postkassengeldern in Höhe von 1340 Mark flüchtig geworden war, wurde in einem Hotel der Leopoldstadt zu Wien ermittelt und zur Haft gebracht. Der jugendliche Defraudant, welcher sich unter falschem Namen dort ein- logirt hatte und in dessen Besitz nur noch etwa 450 Mark gefunden wurden, verweigert über den Verbleib des Restes der unterschlagenen Summe hartnäckig jede Auskunft. Seine Auslieferung nach Berlin wird demnächst in die Wege geleitet werden.
Berhaftnng eines GevichLsvoffzrehers. Die Bochumer Kriminalpolizei verhaftete ben Gerichtsvollzieher Naujocks wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in Höhe von 15,000 Mark. Naujocks hat große Summen im Glücksspiel verloren.
Die Ansliefernng Terlindens. Aus Oberhausen wird gemeldet: Man erwartet, daß Terlinden, an dessen Auslieferung durch die amerikanischen Behörden hier nicht gezweifelt wird, gegen den 15. Oktober wieder hier eintrifft.
,,3arenpret?e" in Compiègne. Die Ankunft des russischen Kaiserpaares in Compiègne wirst schon ihre Schatten voraus. Und was für Schatten! Die allerdunkelsten! Aber nur für die Fremden, die während der „Kaisertage" dort Quartier nehmen wollen. Für die braven CompiLßner, die ihre Räumlichkeiten an die Besucher hergeben, ihre Keller und Böden, ihre Ställe und Verschlage, für sie ist eitel Sonnenschein und Freude, denn sie heimsen das Geld in Hülle und Fülle ein. Schon jetzt — es fehlen noch reichlich vierzehn Tage an der Ankunft des Zaren — schon jetzt ist für Goldhaufen kaum mehr etwas zu haben, alles ist besprochen, versagt. Ein Hotelwirth erklärte auf Anfrage, er habe auch nicht das kleinste Kämmerchen mehr übrig. Sogar seine Ställe seien besetzt, dort schliefen die Fremden und das ganz vortrefflich, auf einem Strohbündel auf der Erde. Auf der Mairie von Compiègne liegt allerdings noch eine Liste der Zimmer, die zu haben sind, aus; sie ist lang genug. Aber welche horrenden Preise verlangen die guten Leutchen, die sie
12. September
zu vergeben haben! Ein Zimmerchen im dritten Stock —
50 Fr. pro Nackt; Zimmer und Kabinet — 75 Fr. dito, immer nur pro Nacht gerechnet, das versteht sich von selbst; Zimmer und Balkon — 100 Fr. pro Nacht. Der Balkon geht — angeblich — auf die Straße, auf der das Zarenpaar vorüberfahren wird. Daraus erklärt sich die Preissteigerung. Aber der Zar führt heute und auch morgen noch nicht vorüber. Er ist noch gar nicht da! Was wird erst geschehen, wenn der Vorabend des großen Ereignisses gekommen ist! Da wird Jeder seinen Platz mit dem Goldgewicht seines Körpers bezahlen müssen, vorausgesetzt, daß überhaupt noch ein Platz 1 wird zu haben sein. Das Schlimmste ist nämlich, daß die ' Hotelbesitzer zunächst ihre alten Kunden und ihre Freunde be- j denken mußten. Die haben bereits alles im Sturm genommen, haben selbst das Hotelpersonal und die Besitzer aus dem Hause getrieben, haben wochenlang im, Voraus bezahlt. Was wird da überhaupt noch übrig bleiben, wenn erst die Engländer und Amerikaner sich einsiellen . . .
Eèn schrecklicher Nnglücksfatt ereignete sich auf dem Hofe des Besitzers Albrecht in Trinkheim bei Pr.-Eylau. Der Trainsoldat Hobucher fand in einem Stall an der Wand ein doppelläufiges Jagdgewehr. Dieses war nach der Behauptung des Besitzers ungeladen und infolge dessen umgeknickt. In einem Loch in der Wand des Stalles befanden sich jedoch zwei Patronen. Hobucher trat mit dem Gewehr aus dem Stalle heraus und legte, nach dem „Gesell.", auf den Trainsoldaten Hollstein, einen Besitzerssohn aus Stockheim, an. Zuerst drückte er den Hahn des ungeladenen Laufes ab, soll dann einem Kameraden zugerufen haben, er.möge doch mal sehen, wie eigentlich das Gewehr funktionirt. In demselben Augenblick jedoch krachte ein Schuß. Hollstein griff sich mit beiden Händen nach der Brust und brach dann, einige Schritte zurücktaumelnd, bewußtlos zusammen. Hobucher trat schnell aus dem Stalle heraus und stellte sich an die Pferde, wohl um den Anschein zu erwecken, als sei er bei dem Vorfall nicht beteiligt gewesen; er wurde jedoch sofort durch Augenzeugen überführt. Hollstein hat die ganze Schrotladung in die Brust bekommen, einige Schrotkugeln haben das Herz getroffen und den sofortigen Tod herbeigeführt. Der Thäter wurde vorläufig fest genommen.
Die Leiche im Koffer. Aus Paris wird gemeldet: Eine Frau, die sich Morin nannte, hatte unter dem Vorwande verreisen zu müssen, die Scheune eines Bauers zur Bergung eines angeblich ihre Habseligkeiten enthaltenden großen Koffers gemiethet. Als nach 14 Tagen die verschwundene Miethen» noch kein Lebenszeichen von sich gab und der Bauer einen penetranten Fäulnißgeruch aus dem Koffer verspürte, verständigte er die Polizei, die den Koffer öffnete. Es wurde die Leiche eines etwa 45jährigm Mannes entdeckt, deren Hals durchschnitten war. Man sah, daß ein Mord verübt wurde uiib daß das Opfer großen Widerstand geleistet haben mußte. Nur eine Spur zeigte der Koffer; an dessen Rückwand befand sich eine Bahnetikette mit dem Vermerk „Monaco-Paris". Nun wurde nach den umfassendsten Erhebungen der Polizei die Identität der Leiche und der flüchtigen Mörderin festgestellt. Der Ermordete war, wie bereits von uns gemeldet, der 29jährige Beamte des Zentraltelegraphenamtes in der Rue Grenelle, Namens Kasimir Larment. Er bewohnte seit 6. Juli mit seiner Geliebten Marie Clement, die mit der angeblichen Morin identisch ist, und deren vierjährigem Knaben eine kleine Wohnung im vierten Stock des Hauses Nr. 3 in der Rue Croix Nivert. Am 21. August verschwand Larment, seine Geliebte sagte dem Hausmeister, Larment sei für ständig nach Algier abgereist und auch sie wolle nach Madagaskar auswandern. Die Erhebungen ergaben jedoch, daß Marie Clement ihren Geliebten ermordet hatte, weil er sie verlassen wollte. Die Leiche hatte die Mörderin in dem Koffer nach dem Vororte Malakoff gebracht, wo sie den Koffer in die Scheune des Bauern einstellte. Am 22. August verkaufte sie die Einrichtung ihrer Wohnung. Sie versuchte noch einen Zeitungsjungen gegen reiche Belohnung zu bewegen, daß er den Koffer, der, wie sie sagte, nur alte Würste enthalte, mittels Petroleum in Brand stecke. Der Junge, dem dieses Begehren Verdacht einflößte, lehnte es ab und rannte davon. Seitdem ist Marie Clement mit ihrem Knaben spurlos verschwunden. — Ein Telegramm von gestern lautet: Die Mörderin des in einem Koffer in Malakoff als Leiche gefundenen Mannes, hat sich gestern Vormittag unmittelbar vor Ankunft eines Beamten der Sicherheitspolizei, welcher sie verhaften wollte, in einem Gasthof zu Cavallair das Leben genommen. Vorher hatte sie versucht, ihr Kind zu tödten. Letzteres erlitt jedoch nur einige Verwundungen.
Die Eisenacher Pulver-Explosion vom Jahre 1810» Eine Erinnerung aus der für Deutschland so traurigen Zeit der napoleonischen Gewaltherrschaft brachte der 1. September für die Wartburgstadt Eisenach, nämlich jene furchtbare Pulver-Explosion, welche im Jahre 1810 durch drei mit Pulver, Granaten und Bomben beladene und in Brand gerathene französische Transportwflgen hervorgerufen wurde. Furchtbar über alle Beschreibung waren die Wirkungen der Explosion, und ihren Druck verstärkte noch die Lage der Stadt zwischen Bergen und Anhöhen. Sieben Stunden weit, in Gotha, sah man den Blitz, der für einen Augenblick das Dunkel der Nacht erhellte und dann in einer schwarzen Dampfwolke verschwand. Ein furchtbares Donnerkrachen hallte dumpf weithin über den Thüringerwald. 28 Häuser der Georgenstraße wurden zertrümmert und ein Raub der Flammen, und die unglücklichen Bewohner fanden den entsetzlichsten Tod. Nicht nur in der Nähe der betroffenen Straße, sondern auch in dem größten Theile der ganzen Stadt stürzte der gewaltige Druck der Luft viele Menschen zu Boden. 47 Personen verloren bei der Explosion ihr Leben, Viele starben nachträglich an den erhaltenen Wunden und nicht klein war auch die Zahl Derer, die, auf mannigfache Weise verstümmelt, an den Folgen der Beschädigung zeitlebens zu leiden hatten. Der Schaden wurde auf 150 000 Thaler geschätzt. Kaiser Napoleon übermittelte der schwergeprüften Stadt ein Gnadengeschenk von 32484 Thalern. Der vor 83 Jahren am 3. September errichtete „Schwarze Brunnen" wurde als Erinnerungsdenkmal an jenes furchtbare Ereigniß erbaut.