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Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stak- und Fandkreis Hanan.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 201 Bezirks Oernsprechanschluß Nr. 98.

Donnerstag den 29. August.

Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. 1901

RI

Amtliches

Stadtkreis löanau.

Ausschreiben.

In dem Walde bei Hanau, in den sogenannten Bruch- köbeler Steinbrüchen, gefunden:

1. sechs weiße, noch fast neue Herrenhemden ohne Zeichen, 2. fünf weiße Taschentücher mit rothen Streifen, vier davon gez. H. E., eins R. E.,

3. ein Küchenhandtuch mit rothen Streifen, gez. M. E.,

4. ein altes, blauwollenes, gestricktes Kamiiol.

Die Gegenstände rühren zweifelsohne von einem Dieb­stähle her. Um entsprechende Bekanntmachung wird ersucht.

Eigenthumsansprüche sind bei der Königl. Polizei-Direktion hierselbst, Zimmer 14 und 15, geltend zu machen.

Hanau den 29. August 1901. J.-Nr. P 7457/01 Königliche Polizei-Direktion.

Stadtkreis Dana«.

DämMachlmgeK des Ober-ürgerNeisteramtes.

Das von uns in der Beilage zu Nr. 169 dieses Blattes gebrachte Verzeichniß von Famitien-Begräbnißplätzen, die nicht mehr unterhalten werden, enthält bedauerlicher Weise so viele Unrichtigkeiten, daß wir es im Einzelnen nicht berichtigen können, sondern hiermit zurückziehen.

Hanau den 27. August 1901.

Der Magistrat.

Dr. Gebefchus. 14063

Bekanntmachung.

Die Ausführung der Entwässerungsanlage des Friedhofgebäudes soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden.

Pläne, Arbeitsauszüge und Bedingungen liegen von heute an vormittags von 1012V» Uhr im Zimmer Nr. 3, Lang­straße 41, für Bewerber zur Einsicht auf, woselbst auch die Angebote bis zum Dienstag den 3. September d. Js., vormittags 11 Nhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen einzureichen sind und die Eröffnung derselben tum vorgenannte Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfinden wird.

Hanau den 27. August 1901.

14059 Stadtbauamt.

Städtischev^chlachthof.

Privatschlachtungen können im städtischen Schlachthofe nur am Freitag und Samstag jeder Woche, sofern auf diese Tage nicht ein Feiertag fällt, stattfinden.

Hanau den 23. August 1901.

Die Schlachthof-Kommission. 14064

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

G e fund e n: 1 weißes Taschentuch, gez. E. L. 1 Kneifer mit Hornbeschlag und mit goldener Feder.

Verloren: 1 Reisedecke auf dem Wege Hanau-Bruch­köbel-Marköbel. 1 Manschette mit goldenem Knopf.

Hanau den 29. August 1901.

politische Rundschau.

Zum Besuch des russischen Kaiserpaares. Die Petersburgskija Wjedomosti" schreiben an leitender Stelle über den Besuch des russischen Kaiserpaares in Deutschland und Frankreich: Das kürzlich stattgehabte Zusammengehen Rußlands mit den übrigen Mächten in Ostasien bei der führenden Rolle, die der deutsche Oberkommandirende dort spielte, und die von altersher bestehenden nachbarlichen und verwandtschaftlichen Be­ziehungen zwischen dem russischen und dem deutschen Kaiser­hause, endlich die Nachbarschaft Deutschlands mit Rußland, sowie die zwischen ihnen unvermeidliche Solidarität vieler politischer und wirtschaftlicher Interessen, alles das zusammen genommen mußte zwischen Rußland und Deutschland jene Be­ziehungen gegenseitigen Vertrauens und Wohlwollens Herstellen, die, ihrem Wesen nach natürlich und traditionell, nicht ausrott­bar und zugleich in keinem Sinne für irgend Jemand beun­ruhigend oder im Stande sind, irgendwelche Zweifel wachzu­rufen. Die Persönlichkeit des hochbegabten, unermüdlichen und energischen, von idealen Bestrebungen geleiteten deutschen Kaisers erscheint kraft der internationalen Bedeutung so hervorragend, daß es unnatürlich wäre, wenn gerade in diesem Jahre die freundschaftliche Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem russischen Monarchen nicht erfolgte, dessen Verehrung in allen Ländern

der Welt nicht aufhört, in dem Maße zu wachsen, als die er­habene, jedem Egoismus fremde Politik Rußlands nicht auf­hört, die Achtung und das Vertrauen aller Völker zu genießen. Deshalb muß auch jetzt der bevorstehende Kaiserbesuch in Danzig, der für Deutschland nur die Bestätigung der an­dauernden sreundnachbarlichen Gesinnung Rußlands ist, zu­gleich auch in Frankreich volle Sympathie finden, wo Vieles aus der Vergangenheit schon vergessen sein wird und viele Hoffnungen wach werden auf die Schaffung einer engeren, ernstlicheren französisch-deutschen Annäherung und einer gemein­sam lohen Europapolitik.

Nagelung und Weihe der Feldzeichen. Berlin, 28. August. Im Zeughause lagen die 44 neuen oder mit neuen Tüchern versehenen Fahnen und Standarten heute früh in der Ruhmeshalle auf Tischen, die mit rothem goldbordirten Sammet bedeckt waren. Neben den Fahnen, von deren Spitzen lange Trauerflore herabhingen, standen die betreffenden Regi­ments- oder Bataillonskommandeure, jeder mit einem Hammer in der Hand, mit den Fahnenoffizieren und Fahnenträgern, welche die neuen breiten Fahnenbandaliers und dazu die Schilder um den Hals trugen. Zur Seite hatten die direkten Vorgesetzten Aufstellung genommen. Von 9 Uhr ab begannen sich die Generale und Osfizierkorps am Eingänge zu ver­sammeln. Sie trugen nur noch den Trauerflor um den linken Ooerarm, während das Gefolge des Kaiserpaares die bisher befohlenen Trauerabzeichen noch weiter trägt. Um 9/» Uhr rückte die Leibkompagnie des 1. Garde-Regiments z. F. unter klingendem Spiel mit der Fahne des 1. Bataillons an und nahm dem Zeughause gegenüber Paradeaufstellung. Dann kamen die Prinzen Friedrich Heinrich, Joachim Albrecht und Friedrich Wilhelm, Prinz Karl Anton von Hohenzollern, die schleswig - holstein'schen Prinzen und die anderen im Gardekorps stehenden fürstlichen Offiziere. Um 10 Uhr fuhren der Kaiser und die Kaiserin gemeinsam in offe­nem Zweispänner vor. Der Kaiser trug die Parade- Uniform des 1. Garde-Regiments mit den Abzeichen tiefster Trauer und hielt in der Rechten den Marschallstab. Er geleitete die Kaiserin, die gleich ihm das Band des höchsten preußischen Ordens angelegt hatte, in den Vorraum des Zeug­hauses und schritt dann die Front der Leibkompagnie ab. Nach Empfangnahme der Meldungen betrat er wiederum das Zeug­haus und ließ die einrückende Leibkompagnie an sich vorbei- marschiren, die im Lichthofe Aufstellung nahm. Darauf folgte die Nagelung. Als diese in der üblichen Weise vollzogen war, nahmen die Fahnen und Standarten im Lichthof auf den Treppenstufen Aufstellung. Vor dem Eingänge zur Herrscher- Halle war ein Altar mit dem üblichen kriegerischen Schmuck errichtet; vor ihm stand der Militäroberpfarrer des Gardekorps, Konsistorialrath W ö l f i n g. Dieser hielt, nachdem das Musik- korps des Garde-Füsilier-Regiments einen Choral geblasen hatte, die Weiherede. Er betonte darin, daß die Zeit von der letzten Fahnenweihe bis heute gezeigt habe, daß der Helden­geist der Väter auch jetzt noch fortlebe. Der Weihespruch lautete:

Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs weihe ich kraft meines Amtes diese Fahnen und Standarten Pro Gloria et Patria!

als Wahrzeichen des Heldenmutes der großen Vergangen­heit, als Wahrzeichen nimmer verzagenden und alles wagen­den Soldatenmuthâ für alle und allerlei Tage der Zukunft, als Wahrzeichen der Demuth in Gottesfurcht und Königs­treue bis in den Tod den hier vertretenen Regimentern und Bataillonen zum unverletzlichen Eigenthum und hehren Heiligthum im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen!"

Nach der Weihe verließ der Kaiser mit den Prinzen und der Generalität das Zeughaus und nahm am Portal Auf­stellung. Die Leibkompagnie war wieder herausmarschirt und empfing die 48 geweihten Fahnen und Standarten, bei deren erster Abtheilung PrinzEitelFriedrich eingetreten war, der nach dem Kaiser und der Kaiserin den dritten Nagel ein­geschlagen hatte. Die neuen Fahnen setzten sich dann vor die Leibkompagnie, und unter den Klängen des Aorkschen Marsches nahm der Kaiser den Parademarsch ab, den die Kaiserin vom ersten Stockwerk des Zeughauses aus beobachtete. Darauf fuhr das Kaiserpaar wieder ins Schloß, die Leibkompagnie brachte die neuen Feldzeichen in das Zeughaus zurück und rückte dann ab. Die Leibbatterie des 1. Garde-Feldartillerie- Regiments hatte im Lustgarten nach dem schon mitgetheilten Programm während des Segens nach der Weihe 101 Schuß gefeuert.

Militärische Uebungen mit der Licht-Tele­graphie werden gegenwärtig abends von dem Thurm der Heiligengeistkirche in Potsdam aus nach dem Kaiser Wil­helmsthurm im Grunewald und dem Kirchthurm in Nauen vorgenommen.

Militärische China-Kommission. Der Kaiser hat den Zusammentritt einer Kommission zur Verarbeitung bezw. Ausnutzung der bei der Expedition nach China gemachten Erfahrungen angeordnet.

Korvettenkapitän Lans, der heldenmütige frühere Kommandant desIltis", ist nunmehr wieder in Dienst ge­treten. Von der Stellung als Adjutant des Chefs des Ad­miralstabes ist Kapitän Laus entbunden und in den Admiral­stab selbst eingereiht worden. Neben den beiden Abtheilungs­chefs nimmt Kapitän Lans dort die erste Stelle ein.

Die Ossiziere unseres oftasiatischen Expedi­tionskorps haben beschlossen, alljährlich an einem be­stimmten Tage in Berlin zusammenzukommen, um an fröh­licher Tafelrunde Erinnerungen an den Feldzug auszu­lauschen und die im fernen Osten gehaltene gute Kamerad­schaft zu erneuern. Der 17. Oktober ist als dieser Festtag bestimmt worden.

Zum Gumbinner Prozeß. Wie dasOstpreuß. Tagebl." erfährt, ist dem Vertheidiger Horn telegraphisch die Meldung zugegangen, daß der kommandirende General Gras Finck von Finckenstein bezüglich Hickels Revision anmeldete.

Hus Stadt und £and.

Hanau, 29. August.

Beamtenpersonal-Nachrichten.

Ernannt: der Pfarrer Hamel zu Goßfelden zum 1. lutherischen Pfarrer zu Gemünden a/Wohra und der Pfarrer Both zu Wichte zum Pfarrer zu Waldkappel, die Nechts- kandidaten Boddin, Grebe und Zickler zu Referendaren.

Uebertragen: dem Pfarrverweser Schlott zu Alten­haßlau die für die dortige Pfarrei dauernd eingerichtete Pfarr­gehilfenstelle.

Versetzt: der Schutzmann Staudte von der Königlichen Polizeiverwaltung zu Hanau an die zu Cassel, der Schutz­mann Bielo zu Hannover an die Königliche Polizeidirektion zu Cassel, die Versetzung des Försters Zeih zu Hof Netz nach Bauerbach ist zurückgezogen und die Försterstelle Bauerbach dem Förster Kaufmann vom 1. Oktober d. J. ab über­tragen.

Verliehen: dem Lehrer und Kirchendiener a. D. H emp f in g zu Bruchköbel der Kantortitel, dem Kirchendiener, Lehrer Schwanz zu Datterode, der Kantortitel, dem Kirchendiener, Lehrer Kraft zu Großseelheim, der Kantortitel.

* Erledigte Stelle. Die Pfarrstelle zu Fech e nh ei m, Klasse Bergen, ist durch die Versetzung ihres seitherigen In­habers zur Erledigung gekommen.

* Früher Herbst. Es scheint, als sollte uns in diesem Jahre ein sehr früher Herbst und auch ein früher Winter be- scheert werden. An der preußisch-russischen Grenze ist bereits Schnee gefallen und auch bei uns war es in diesen Tagen morgens und abends ganz empfindlich kühl. Doch: eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Schneefall noch keinen Winter, und hoffentlich bekommen wir noch eine Reihe von schönen, wärmeren Tagen!

F. Kriegsgericht. Gestern hatte sich vor dem Kriegs­gericht der überzählige Sanitätsunteroffizier Wilh. N. von der 2. Esk. 6. Ul.-Regts. (Hanau) zu verantworten. Er hatte 7 Tage Urlaub in die Heimath. Da ihm nun seine Hose nicht mehr besonders gefiel, zog er diejenige eines im Lazareth befindlichen Ulanen an, ohne diesen zu fragen. Er hatte die Absicht, die Hose nach seiner Rückkehr zurück zu geben. Das Gericht schenkt dieser Darstellung des Sachverhalts durch den Angeklagten Glauben und spricht ihn frei. Der Staatsanwalt hatte 3 Wochen Mittelarrest und Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes beantragt.

* Fritz Weber ^. Der Tod hat wiederum einen unserer Mitbürger, der sich um die Interessen unserer Stadt, um das Gemeinwohl, große Verdienste erworben hat, abbe­rufen: den Kaufmann Fritz Weber. Derselbe gehörte als Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung an und wurde von dieser in verschiedene Ausschüsse gewählt, in denen er sich gleichwie im Plenum als kenntnißreiches, unermüdliches Mit­glied bewährte. Der Verstorbene war auch Hauptmann der 2. Kompagnie unserer freiwilligen Feuerwehr und zeichnete sich auch hier durch Pflichttreue und Pflichteifer aus. Ehre seinem Andenken!

* DieSchöne Aussicht" übernimmt vom 1. No­vember ab als Restaurateur Herr Karl Wiegand, bisher Oberkellner in derPost".

* In Haft genommen wurde gestern ein Hausbursche, der mittelst Nachschließens die Koffer der Reisenden öffnete und um ihres Inhalts erleichterte.

* Vermißt wird seit Montag ein hier wohnhafter Zivil- musiker.