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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Orga« für Ftsdt- und FandKreis ZM«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 196 Bezirks Fcrnsprechanichliiß Nr. 98.

Freitag den 23. August.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

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Amtliches.

Stadtkreis Sanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Litzung der Stadtverordneten- Versammlung

am Montag den 26. August 1901, nachmittags 5 Uhr,

Vm oberen Saale des Rathhauses.

Tagesordnung:

1. Bewilligung eines weiteren Verlags bis zu 2000 M. aus XI 3 R.-J. 1901 für Beendigung der Neuordnung des städtischen Archivs.

2. Nachöewilliqung von 113580,10 M. auf A. 0. 111,4 R.-J. 1900 für das Elektr.-Werk.

3. Verwendung vorhandener Ueberschüsse der Schlachthofkasfe zur Herstellung des Kälberschlachthauses und des bish. Schweinestalles mit einem Kostenaufwand von 2350 M.

4. Bewilligung von 520 M. aus A. 0. Tit. IV Id für R.-J. 1901 zum Bau eines erhöhten Bürgersteiges vor dem Neubau Gilbert in der Langstraße (173,33 M. kommen in Rückeinnahme).

5. Uebertragung der für den Ausbau der Augustastraße für R.-J. 1900 verfügbar gewesenen 5933,34 M. auf A. 0 II 5b R.-J. 1901.

6. Bestimmung der Höhe der Enteignungsentschädigung, wenn Bauland von einer Fluchtlinienfestsetzung getroffen, aber erst später enteignet wird. (Erk. des Reichsger. VII, Civilsenats v. 1. 3. 1901).

7. Nachbewilligung von 3850 M. auf A. 0. II 5 für N.-J. 1901 zur Ausführung der Sielstrecke Spessart- straße-Akademiestraße.

8. Betr. Nachbewilligung von 6000 M. für Entwurf des Hafenprojekts auf E. 0. III für R.-J. 1901.

9. Verzinsung der am 1. und 2. Werktage eines Monats erfolgenden Spareinlagen vom Tage der Einlage.

10. Nachbewilligung von 19629,93 M. diverse Ueber- schreitungen im Ordinarium R.-J. 1900.

11. Bereitstellung eines Kostenbetrages von 475 000 M. zum Neubau dec Mittelschule in Gemäßheit des vorliegenden Kostenanschlags unter Genehmigung der Pläne.

12. Bewilligung von 4000 M. aus XI 3 für R.-J. 1901 zur Beschaffung der erforderlichen Apparate für die Ein­richtung einer Desinfektionsanstalt im Grundstück der Sandelmühle und Vornahme der erforderlichen Baulichkeiten.

13. Nachbewilligung von 215 M. a./II C. 3 für 1901 zum Druck von Zinsscheinbogen.

14. Vermiethung einer Wohnung in der Sandelmühle.

15. Festsetzung der Vergütung an den Kreisthierarzt für seine Thätigkeit im Interesse der Stadt auf 1200 M. p. Jahr, wovon 800 M. aus Tit. X der Schlachthofkasse und 400 M. aus Tit. VI 1,3 der Stadtkasse geleistet werden sollen.

16. Gestattung der Errichtung zweier provisorischer. Einfrie­digungen am Großen Rohr gegen Anerkennungsgebühr.

17. Erlaß eines Gemeindebeschlusses betr. die Erhebung einer Kanalbetriebsgebühr.

18. Verlegung der Steuerabtheilung, des Meldeamts und des Arbeitsamts in das Stadtschloß.

19. Verkauf der Parzelle ZZ 349/29 zum Preise von 6 M. für den qm (Pumpenstand in der Körnerstraße).

20. Zufüllung des Brunnens in der Rosenstraße.

21. Aenderung der Geschäftsordnung der Stadtverordneten- Versammlung hinsichtlich Erweiterung der Befugnisse des Schriftführers.

Hanau den 22. August 1901.

Der Stadtverordneten-Vorsteher.

Canth al. 13766

Zur Reise des Zaren nach Frankreich.

Nach monatelangen Bemühungen der französischen Staats­männer hat vor einigen Tagen die AgenturHavas" Frank­reich mit der Ankündigung beglücken können, daß Kaiser Niko­laus von Rußland auf Einladung des Präsidenten Loubet den französischen Manövern bei Rheims vom 9. bis zum 19. September als Gast beiwohnen werde. Seitdem es überhaupt sicher war, daß der Zar für den kommenden Herbst eine Reise außerhalb Rußlands beabsichtige, mußte es die Aufgabe der Pariser Machthaber sein, dahin zu wirken, daß nicht etwa Frankreich im Gegensatz zu anderen Ländern, namentlich zu Deutschland, von der Ehre eines Zaren-Besuches ausgeschlossen blieb. Keineswegs handelte es sich hierbei für Herrn Loubet

und feine derzeitigen Minister bloß um eine Frage der Eitel­keit. Vielmehr stand die Fortdauer des Kabinets Waldeck- Rousseau und vielleicht die bestehende Staatsreform Frankreichs auf dem Spiel, wenn es der von ihren klerikalen, nationalisti­schen und bonapartistischen Gegnern hart bedrängten republi­

kanischen Regierung nicht gelang, das aus einem Fernbleiben des Zaren zu entnehmende Mißtrauens-Votum gegen die Zu­stände in Frankreich zu vermeiden. Die demonstrative Unter­lassung einer persönlichen Fühlungnahme des russischen Kaisers mit den vielleicht letzten ehrlichen Vertheidigern der dritten Republik hätte sehr wohl das Signal zu einem entscheidenden Vorstoß ihrer Feinde geben können, und der Sieg solcher Be­strebungen wäre auch für Deutschlands Verhältniß zu Frank­reich nicht wünschenswerth gewesen.

Das W. Napoleons des Dritten:Das Kaiserreich ist der Friede!" hatte schon zur Zeit seiner Erfindung keine innere Wahrheit, geschweige denn jetzt. Für das Frankreich unserer Tage muß es zweifellos heißen:Die Republik ist der Friede!" soweit Frankreich überhaupt für sich allein ohne den beruhigen­den Einfluß Rußlands eine Friedensgewähr zu bieten vermag. Ein drittes Kaiserreich aber bei unsern westlichen Nachbarn würde wahrscheinlich über kurz oder lang den Krieg bedeuten.

Kaiser Nikolaus handelte daher im Einklänge mit seiner oft bekundeten Friedensliebe, wenn er das sinkende Ansehen der republikanischen Verfassung durch persönliches Erscheinen auf französischem Boden kräftigt und dem Präsidenten Loubet Aus­zeichnungen zu Theil werden läßt, die sich die gegenwärtige französische Regierung durch eine besonnene und friedliebende Politik auch nach deutscher Auffassung verdient hat. Nichts hindert uns, dem Zaren und den Franzosen einen angenehmen Verlauf der Manövertage in den Gefilden von Rheims zu wünschen. Unsere eigenen Beziehungen zu Frankreich sind seit langem von Spannung frei, wenn sie auch naturgemäß stets eine vorsichtige Behandlung erfordern und nicht so eng werden können, wie es unser Verhältniß zu Rußland dank dem Ent­gegenkommen beider Kaiser und der sorgsamen Führung der deutschen Politik neuerdings geworden ist.

Hus Stadt und Cand.

Hana«, 23. August.

*i Schloß Friedrichshof. Es bestätigt sich nunmehr, daß Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen das Schloß Friedrichshof geerbt haben. Mit Genehmigung sämmt­licher übrigen Erben ist ihnen das Besttzthum noch vor Er­öffnung des Testaments überwiesen worden. Nicht richtig ist dagegen, daß der gesammte Hofstaat beibehalten werden wird. Dieser soll im Testament der Kaiserin Friedrich besonders be­dacht worden sein.

* Die Wespenplage ist, wie von allen Seiten gemeldet wird, in diesem Jahre ganz besonders groß. Schon früher ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß die verschiedenen Un­gezieferarten der Gärten, Felder und Wälder periodenweise auftreten. Es gibt thatsächlich Maikäfer-, Heuschrecken-, Mücken-, Mäuse-, Mottenjahre. 1901 ist nun, wie 1893 und 1879, wieder ein Wespenjahr. Die sehr unliebsame Häufigkeit des Insekts ist zweifellos mit der Trockenheit des Bodens, der be­deutenden Wärme der letzten Monate, der Hauptentwicklungs­zeit der Wespen, und mit dem Vorhandensein von süßen Obst­arten in Zusammenhang zu bringen. Zur Anlage des Nestes wird von der jetzt so häufigen Wespenart am liebsten ein hohler Baum, ein Mäuseloch oder Maulwurfsgang benutzt. Die meisten Baue findet man an Wegrändern, auf Rainen, an Böschungen, Wällen u. s. w. Der Obstzüchter und Weinbergs- besttzer rechnet die Wespen mit Recht zu seinen schlimmsten Feinden, um so mehr, als sie nur die besten Früchte benagen und aussaugen. Die Wespe durchschneidet mit ihren scharfen Mandibeln die Hülle oder Oberhaut der Weinbeeren, Pflaumen, Aprikosen, Birnen u. s. w. und verzehrt das saftige Fleisch der Früchte. Dann kommen Genossen aller Art, die in Folge der Trockenheit heuer so zahlreich auftretenden Ameisen, Ohr­würmer, Tausendfüße, Fliegen u. s. w., welche vollständig mit den angeschnittenen Früchten aufräumen. In Fleischerläden fällt die Wespe ein, um Fleischstückchen abzuschneiden und fort­zuschleppen. Für alle Sorten Süßigkeiten auf Tafeln, in Küchen und Speisekammern, Konditoreien und Bäckereien ist die Wespe findig und benascht dieselben. Außerdem ist die Wespe, wie die Beobachtungen der Imker lehren, ein sehr ge­fährlicher Bienenräuber. In der Nähe der Bienenstände lauert sie auf die von den Honigquellen heimkehrenden Immen, wirft sie auf den Boden, reißt ihnen Kopf und Bruststück ab, um bloß den mit Nektar gefüllten Hinterleib zu entführen. In gleicher Weise tödtet sie auch die auf Blüthen saugenden ver­schiedenen Schwebfliegearten, deren Larven sich durch Vertilgung von Blattläusen sehr nützlich machen. Krieg darum den Wes­pen! Betreffs der Vertilgung ist das Hauptaugenmerk auf die

Raubburgen, die Wespennester, zu richten, besonders dann, wenn in der Nacht oder bei naßkaltem Wetter die Wespen­gesellschaft darinnen vereint ist. Man gießt in den Eingang kochendes Wasser, oder eine Lösung von Schwefeläther, oder heißen Theer. Man setzt mit Spiritus, Petroleum u. s. w. getränktes Werg, das in das Einfluchloch gesteckt ist, in Brand, erstickt und verbrennt also wie immer möglich die Insassen. Will man die Wespen an einer bestimmten Stelle ausrotten, so gibt es dafür ebenfalls ein sicheres Mittel. Man gießt in flache Gefäße ein kleines Quantum Hefe, am besten den Satz, welcher von obergährigen Bieren (Weiß- oder Braunbier) in den Flaschen bleibt, verdünnt denselben und streut dann tüchtig gemahlenen Zucker darauf. Die Hefe, welche die Wespen dann mit dem Zucker in sich aufnehmen, ist für dieselben ein unfehl­bar tödtendes Gift.

* Beschickung der Gewerdegerichts-Konferenz. Der hiesige Magistrat hat auf ein Gesuch der hiesigen Arbeiter- Beisitzenden zum Gewerbegericht folgende Antwort ertheilt: Wir haben die Entsendung eines Beisitzers aus dem Kreise der Arbeitnehmer zu d^r am 10. und 11. September ds. Js. in Lübeck stattfindenden Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbegerichte genehmigt. Außer den Fahrkosten III. Klasse haben wir an Tagegeldern 9 Mark pro Tag sowie für jeden Zu- und Abgang 1.50 Mark bewilligt. Sie wollen uns mittheilen, welcher Arbeitnehmer-Beisitzer des Gewerbe­gerichts die Versammlung besuchen soll."

* Ein Gartenfest hatte gestern Abend der Gesang­vereinSumser" für seine Mitglieder und deren Angehörige in derStadt Bremen" veranstaltet. Eine kleine Kapelle wartete unermüdlich auf mit leichter, gefälliger Unterhaltungs­musik, der GesangvereinSumser" unter Leitung des Herrn Grundmann bot eine Anzahl prächtiger Chöre seines reichen Repertoirs und dazwischendurch wurde nach Eröffnung durch eine Polonaise im Nebensaale dem Tanze gehuldigt, wo­ran sich Alt und Jung in ungezwungener Weise betheiligte. So gestaltete sich das Gartenfest zu einem harmonischen Fa­milienfeste, das sicherlich allgemeine Befriedigung hinterlassen hat.

8 Der Verein für Homöopathie und Natur- heilkunde feiert Sonntag den 25. August sein diesjähriges Sommerfest im Garten des GasthausesZur großen Krone". Ein recht schön gewähltes Programm, sowie die guten Leistungen der Küche und die vorzüglichen Getränke des Restaurateurs, Herrn Richter, versprechen ein recht unterhaltendes und amüsantes Fest und kann der Besuch nur empfohlen werden. Zutritt frei. Mitglieder können Freunde und Bekannte ein- führen und werden Karten hierzu am Freitag den 23. d. M. im Vereinslokal ausgegeben.

* Der Kreditverein, e. G. m. u. H., hat seit gestern, jedenfalls infolge unsinniger, durch nichts zu begründender Ge­rüchte einen Ansturm auf seine Kasse seitens seiner Sparein­leger auszuhalten. Der allgemeine Ansturm hält sogar trotz aller beruhigenden Versicherungen heute noch an. Wenn auch heutigen Tages, gewitzigt durch die Erfahrungen, Vorsicht am Platze ist, so steht doch außer allem Zweifel, daß für die Spareinleger beim hiesigen Kreditverein infolge der bei demselben bestehenden Solidarhaft der Mitglieder ein Grund zur Beunruhigung nicht vorhanden ist. Der Verein zählt über 1000 Mitglieder, die mit ihrem Vermögen haftbar sind. Thatsächlich aber hat der Verein, der über einen Reservefonds von ca. 180000 Mk. verfügt, wie uns von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, in diesein Jahre noch keinen Verlust gehabt. Die gestern zurückgezahlten Einlagen erreichteil den Betrag von ca. 60000 Mk., selbst die Spareinlagen auf 6- und ILmonatliche Kündigung wurden gestern glatt retour­gezahlt. Aufsichtsrath und Direktion des Kreditvereins ver­öffentlichen im Anzeigentheile der heutigen Nummer unseres Blattes eine beruhigende Erklärung, gleichzeitig wurde be­schlossen, heute noch eine außerordentliche Revision vorzunehmen und zu derselben den Verbandsrevisor Seibert, sowie einen dem Vereine fernstehenden hiesigen Kaufmann und zwar Herrn Heinrich Ott, heranzuziehen. Das Resultat wird alsbald be­kannt gegeben. Im eigenen Interesse der Sparer dürfte es liegen, sich nicht beunruhigen zu lasfen. .

* Metzger Innung. Gestern Abend fand im Gast­hauszur gold'nen Gerste" eine Versammlung der Metzger- Innung statt, zu der auch Herr Oberbürgermeister Dr. Geb e- schus erschienen war, um mit den Interessenten verschiedene in das Metzgergewerbe einschlagende Fragen zu besprechen. Den Hauptgrund der Zusammenkunft bildete die Regelung der Schlachttage im städt. Schlâchthofe, welche Frage durch die Neuordnung der Trichinenbeschau eine brennende geworden war. Die Schlachttage wurden unter Mitwirkung des Stadt­oberhauptes von den Betheiligten in befriedigender Weise gleichmäßig eingetheilt und können Unzuträglichkeiten im Be­triebe, wie sie "früher durch Ueberfüllung an einzelnen Tagen eintraten, nicht mehr vorkommen.