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Seite 12 ____ nach der Reitbahn, um zu sehen, ob die Abtheilung noch reite. Unterwegs traf ich den Vizewachtmeister Schulz, der mich fragte, wo ich gewesen sei. Ich antwortete ihm, ich hätte einen guten Nachmittag gehabt und auf der Packkammer Schnaps getrunken. Staatsanw.: Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß in dem Stall um dreiviertel fünf Uhr Alles ruhig gewesen sein sollte. Die That war um diese Zeit doch schon in den Ställen bekannt. Präs.: Sagte der Vizewachtmeister Ihnen von dem Unglück, das passirt war? Marten: Ja, als ich hineintrat, sagte mir Schulz, der Rittmeister sei verunglückt, er habe sich er­schossen oder geschossen. Ich fragte, ob das wahr sei. Staatsanw.: Merkwürdig ist die Antwort, die Marten auf die Frage des Vizewachtmeisters Schulz ertheilte, wo er gewesen sei. Auf die Mittheilung, daß der Rittmeister er­schossen sei. sagte er, daß er einen guten Nachmittag gehabt habe. Verth. Horn: Ich weise darauf hin, daß immer nur die Rede war von sich geschossen oder erschossen. Marten: Vizewachtmeister Schulz lief dann fort und trug mir auf, die Abtheilung in den Stall zu führen. Hierher kam nun der Unteroffizier Bunkus und sagte dasselbe zu mir. Präs.: Und trotzdem gingen Sie nicht in die Reitbahn? M arten: Ja, nachher, als dort die Schwadron antrat. Präs.: Jawohl, aber freiwillig sind Sie nicht zu der Leiche hingegangen. Marten: Es war eben immer nur die Rede davon, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe. Präs.: Sie mußten doch aber trotzdem ein gewisses Interesse an der Sache nehmen. Staatsanwalt: Ja­wohl. Zudem meldete ein anderer Dragoner Marten den Vor­fall auf dem Kasernenhof. Marten: Ja, das ist richtig. Ich mochte aber die Sache absolut nicht glauben. Ich sagte nur:Du Dampielskopf!" (Heiterkeit).' Präs.: Was ll^schah nun mit der Abtheilung nach der Ermordung des Rittmeisters von Krosigk? Marten: Oberleutnant Hoffmann ließ dieselbe vor dem Stall in zwei Abtheilungen antreten. Die dienstfreien Leute waren gesondert auf­gestellt. Er ermahnte Alle, mitzuwirken an der Er­mittelung des Thäters. Nachher trat die ganze Schwadron an der Leiche des Rittmeisters an. Ich sah, daß die Leiche blutete. Präs.;, Vorher hatten Sie kein Interesse daran, bis Sie wie die Anderen zu der Leiche hinberufen wurden? Marten: Ich glaubte ja eben nicht, daß der Rittmeister erschossen wor­den sei. Ich dachte anfänglich, es läge nur ein Unfall vor. Präs.: Weshalb stellten sie sich dann aber bei der Mit­theilung des Vizewachtmeisters Schulz, daß der Rittmeister sich geschossen oder erschossen habe, als ob Sie von nichts wüßten? Marten: Ich wollte mich nicht verdächtig machen, und dann glaubte ich eben auch nicht an die Geschichte. Präs.: Waren Sie nicht im Besitz von Patronen? Marten: Nein, seit dem Jahre 1898 war ich überhaupt nicht auf dem Scheibenstand. Ich war seit dem Oktober in Berlin, nachher auf der Telegraphenschule. Ein Bei­sitzer: Ich beantrage die Vorlegung des Schießbuches des Angeklagten.

Rittmeister und Unteroffizier.

Präs.: Wie war nun Ihr Verhältniß zu Ihrem Ritt­meister? Marten: Ich habe mich mit meinem Ritt­meister stets sehr gut gestanden. Ich bin rasch befördert und wurde im Frühjahr nach meiner Kapitulation Gefreiter, in demselben Jahre noch Unterosfizier. Präs.: Als Sie in Berlin auf Kommando waren, sollen Sie sich auch lobend über den Rittmeister v. Krosigk ausgesprochen haben. Marten: Jawohl. Ich hatte ja auch allen Grund dazu. Präs.: Der Rittmeister soll auch mehrfach seine Zufriedenheit mit Ihnen ausgesprochen haben. Marten: Ja, das ist auch der Fall gewesen. Präs.: Wenn Sie nun wirklich mit Ihrem Rittmeister so gut gestanden haben, dann ist es mir geradezu unerklärlich, weshalb Sie nicht wie die Anderen hinliefen, um sich davon zu überzeugen, was eigent­lich vorgefallen war. Marten: Ich muß immer wieder­holen, daß ich an einen Unfall keinesfalls glaubte, da ich wußte, daß der Rittmeister sehr vorsichtig, war. Präs.: Wie war denn eigentlich Ihre Nekruten-Vorstellung ausge­fallen? Marten: Sehr gut. Der Rittmeister schien äußerst zufrieden und reichte mir die Hand. Präs.: Das war um Weihnachten? Marten: Jawohl. Präs.: Wurden Sie nun auch nachher noch belobt? Marten: Es kam häufig vor, daß der Rittmeister erst lobte und gleich darauf tadelte. Präs.: Das ist nun wohl auch am 19. Januar der Fall gewesen? Marten: Jawohl. Ich ritt nach dem angezogenen Vorfall noch das Pferd Cadet. Der Rittmeister sagte: Marien, Sie reiten das Pferd gut. Präs. Hat das irgend Jemand gehört? Marten: Es wurde schon früher danach geforscht. Es konnte sich jedoch leider Keiner daran erinnern. Vielleicht weift es der Wacht­meister Buppersch. Präs.: Sie haben sich einmal über den Rittmeister beschwert? Marten: Ja, im Jahre 1898 im Manöver. Ich diente im zweiten Jahre. Die Beschwerde betraf eine mir auferlegte Strafübung. Präs.: Wissen Sie, daß Jemand nach dem Morde ausgerusen haben soll: Da liegt das A . . . und fault sich ab? Marten: Das habe ich aus der vorigen Verhandlung gehört. Präs.: Hickel soll auch dabei gestanden haben und gelacht haben. Marten: Davon ist mir jedenfalls nichts bekannt. Hickel (einfallend): Ich muß das entschieden in Abrede stellen. Präs.: Also Marten, Sie bestreiten, den Mord be­gangen zu haben, ebenso, von dem Karabiner, mit dem der Mord ausgeführt wurde, irgend etwas zu wissen? Marten: Jawohl, ich habe den Mord nicht begangen. Präs.: Weshalb entwichen Sie dann aber aus dem Arrest- lokal? Marten: Ich war verzweifelt, daß ich in einen derartigen furchtbaren Verdacht gerathen war. Präs.: Halten Sie Ihre Aussage von früher aufrecht, daß Sie frei­willig zurückgekehrt sind? Marten: Jawohl. Staats­anwalt Meyer: Ich beantrage, da ein Bild über die Fahnenflucht sehr wesentlich für die Beurtheilung der Anklage erscheint, diejenigen Zeugen zu laden, die über die Begleit­umstände aussagen können. Damit ist Martens Verneh­mung beendet.

Samstag

Gegen Schluß des Verhörs erschien im Zuschanciraum der hiesige Brigade-Kommandeur, Generalmajor Stamm. Nun­mehr wurde mit der

Verrrchmimg des Augeklagterr Hickel begonnen. Präs.: Angeklagter Hickel bekennen Sie sich der Beihilfe an dem Morde des Rittmeisters v. Krosigk schuldig? Hickel (fest): Nein! P r ä s.: Sie haben auch keine Ver­muthung, wer die That etwa ausgeführt haben könnte? Hickel: Nein, Herr Oberkriegsgerichtsrath. Wenn ich davon wüßte, würde ich sicher nicht darüber schweigen. Präs.: Früher sollen Sie aber doch einen solchen Verdacht geäußert haben. Hickel: Jawohl. Auf Grund der Angaben eines Dragoners fiel einen Augenblick mein Verdacht auf den Unter­offizier Griegat. Präs.: Was haben Sie denn nun am Nachmittage zu der fraglichen Zeit gemacht? Hickel: Ich arbeitete am Nachmittage in der Packkammer. Weiter geht der Angeklagte zu der Beschreibung der Vorgänge in der Packkammer und dem Verbleib der Betheiligten bis um 5 llhr nachmittags näher ein. H ickel: Wir halten in der Pack­kammer gearbeitet. Einer der Unteroffiziere, die mit mir und meinem Schwager dort zu thun halten, sagte: Herrschaften, jetzt wollen wir mal Schnaps trinken. Es wurde darauf etwa 1 Liter Schnaps heraufgeholt. Wir tranken denselben Marten war dabei zu Vieren aus. Etwa um 4V2 Uhr verließen wir dann die Packkammer. Ich ging darauf mit meinem Schwager zu meinen Schwiegereltern. Etwa nach einer Viertelstunde gingen wir von dort wieder fort. Draußen trennte ich mich von meinem Schwager und ging hierauf in den Stall, um die Lampen zu revidiren. Im Stall befahl ich dann dem Unteroffizier Domning,. die Lampen anzuzünden, wobei ich mich noch der Aeußerung entsinne : Wenn derAlte" oder der Rittmeister in den Stall kommt, wird cs Krach gebcn. Staatsanwalt: Welcher Zeitpunkt war es etwa, als Sie sich von Marten trennten? Hickel: Etwa 4 Uhr 28 Minuten. Im Re­krutenstall brannten schon die Lampen. Im Stall a und im Stall b war cs aber noch stockfinster. Ich rief den Dragoner Madzik, welcher die Pflicht hatte, die Lampen anzu­zünden. Im Stall stand, als ich kam, Domning; er fragte mich gleich, als ich kam, warum ich denn die Lampen noch nicht hätte anzünden lassen; er meinte dann auch, der Ritt­meister werde wohl deshalb Krach machen. Prüf.: Haben Sie sich öfters um die Lampen gekümmert? Hickel: Gewiß, der Herr Rittmeister hatte mir das ja befohlen. Vorsitzender, Oberstleutnant Frhr v. Schimmelmann: Haben andere Leute Ihre Unterredung im Stall mit Domning gehört? Hickel: Das weiß ich nicht, Herr Oberstleut­nant. Staats« »walt Meyer: Der springende Punkt ist, ob der Angeklagte um 4 Uhr 30 Minuten oder um 4 Uhr 40 Minuten in den u-d-Stall getreten ist. Es wird dies den Gegenstand eingehendster Erörterungen bilden müssen. Präs.: Was geschah nun weiter? Hickel: Ich ging durch den e-ä-Stall und befahl daselbst das Anzünden der Lampen. Weiter ging ich in den Rekrutenstall. Dort standen die beiden Unteroffiziere Schielat und Bunkus in Unterhaltung miteinander. Präs.: Wann kamen Sie etwa in den Re- krutenstall? Hickel: Etwa 4 Uhr 4.0 Minuten. Wir plauderten darauf. Ich schlug Schielat vor, wir wollten auf die Reitbahn gehen, um dort den Uebungen zuzusehen. Gleich darauf gingen wir fort. Bunkus ging gleichfalls weg und sagte, es sei schon a/45 Uhr. Kaum waren wir aus dem Wege zu dem g,-b-Stall, als Domning herbeigelaufen kam und uns zurief: Herrschaften, wißt Ihr denn schon das Neueste? Der Rittmeister hat sich mit seinem Revolver geschossen oder erschossen. Wir liefen sofort zu der Reitbahn, ber Rittmeister lag lang auf dem Erdboden. Präs.: Machte nicht Je­mand dabei eine häßliche Bemerkung? Hickel: Ja. Irgend Jemand rief aus: Da liegt das Aas. Präs.: Sie sollen nun dabei gelächelt haben. Hickel: Keines­wegs. Ich drehte mich um und rief aus: Wer war das? An dcr Stimme erkannte ich den Dragoner Krause. 2. Präs.: Wie war Ihr Verhältniß zum Rittm. v. Krosigk? Hickel: Gut. Als ich mich verheirathete, schenkte er mir ein Oelbild. Präs.: In der letzten Zeit war das Ver­hältniß ein anderes? Hickel: Der Herr Rittmeister hatte mich einmal getadelt, weil ich ihn beim Reiten nicht ansah. Präs.: Nannte er Sie nicht auch dickfellig? Hickel: Dessen vermag ich mich jedenfalls nicht zu erinnern. Präs.: Wann schätzen Sie etwa, daß Ihnen die Nachricht von dem Vorfall durch Domning zuging? Hickel: Etwa 4 Uhr 47 Minuten. Auf der Reitbahn befahl Oberstleutnant von Winterfeld den dienstfreien Unteroffizieren, gesondert Aufstellung zu nehmen. Ich stellte mich zu den dienstfreien Unteroffizieren. Präs.: Und wie verhielt sich Marten? Hickel: Ich sah, daß er sich zu der Gruppe der Diensthabenden stellte. Präs.: Marten, was sagen Sie dazu? Marten: Das iit richtig. Ich war derart schmerzerfüllt beim Anblick der Leiche vertieft, daß ich den Befehl überhörte und zufällig mit den anderen zu den diensthabenden Unteroffizieren hinübertrat. Staatsanwalt Meyer: Ist es richtig, daß Sie ben Unter- offizier nach der ersten Vernehmung desselben fragten, welche Angaben er über die Zeit seines Aufenthalts im Stall gemacht habe? Hickel: Nein, die Sache verhielt sich durchaus an­ders. Der Kriminal-Kommissar v. Bäckmann ging umher und Jemand sagte: Der sucht wieder Einen. Ich fragte: Wen sucht er? Einer erwiderte darauf: Er sucht Jemand mit einem schwarzen Schnurrbart. Ich sagte: Einen schwarzen Schnurr­bart haben in der Schwadron nur ich, Vizewachtmeister Schulz und Marten! Ich kann noch von Glück sagen, daß ich im Stalle war. Präs.; Marten hat doch keinen Schnurrbart. Hickel: Ja, er hatte aber damals einen. Inzwischen hat er sich thu abrasiren lassen. Domning fragte ich damals nur, ob er vernommen worden sei. Er sagte, er wäre befragt wor­den, wann er dabei gewesen sei, die Lampen anzuzünden. Marten gibt die Erklärung ab, daß am 18, Juli bei seiner Vernehmung die Anordnung getroffen wurde, ihn zu rasiren. Oberkriegsgerichtsrath Meyer: Marten und Hickel sahen damals wie die Strauchdiebe aus. Sie hatten wilde Haare und Bärte. Herr Rechtsanwalt Horn bat mich damals, ver­anlassen zu wollen, daß sie in einen menschenwürdigen Zustand

17. August

gebracht würden. Die Angeklagten wurden darauf geschoren. Marten hatte zur Zeit des Mordes nur einen Anflug von Bart.

Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet.

Die Zeitgerrvernehimmg.

Es wird nunmehr in die Zeugenvernehmungen eingekreten. Erster Zeuge ist der Wachtmeister Buppersch von der vierten Escadron, der im Augenblick der That neben dem ermordeten Rittmeister stand und ihm den Revolver abnahm. Der Zeuge bekundet: Als der Rittmeister schoß, tadelte er den Unter­offizier Riemer und rief: Wer nicht im Glied bleibt, den be­strafe ich im Augenblick. Ich lud dem Rittmeister zweimal seinen Revolver mit 'Platzpatronen, die er auch abschoß. Nach dem zweiten Abschießen rückte die Abtheilung auf und die zweite Abtheilung rückte an. Die Rüge erhielt Niemer in dem Augenblick, als sein Pferd nicht aus dem Gliede herauswollte. Der Rittmeister befahl; Vorrücken. Als das Pferd aber immer noch nicht herauszubringen war, kanzelte der Rittmeister Niemer mit den Worten ab:Sie sind ein ganz fauler Reiter." Er befahl dann dem Unteroffizier Stiebert, das Pferd zu reiten und fügte hinzu, die Abtheilung müsse jetzt täglich reiten. Währenddem krachte der verhängnißvolle Schuß. Ich spürte den Luftdruck so stark, daß ich taumelte. Darauf wankte der Rittmeister, nachdem er noch gerufen:Was ist denn los, wer hat geschossen?" Dann fiel er.

Die weitere Beweisaufnahme erstreckt sich auf die That und die Zeit. Oberstabsarzt Goebel verbreitet sich über den Leichenbefund nach den Ergebnissen der Sektion. Die Kleider waren blutig. Aus Nase und Mund waren Blut gequollen. Auf der Brust sah man eine kleine, schwärzliche rundliche Wunde. Eine gleiche Wunde befand sich auf dem Rücken. Da beide Wunden ganz gleichartig aussahen, so lassen sie keinen zuverlässigen Schluß zu auf die Richtung, aus welcher der Schuß gekommen war. Jedoch ließen die Fasern der Kleidung vermuthen, daß der Schuß zum Brustbein hinein und zwischen den Schultern wieder herausgegangcu sei.

Weiter ergab die

Leicheneröffmtng, daß die Hintere Oeffnung des Schußkanals größer war, als die vordere, so daß also der Schuß von vorn gekommen sein mußte. Die Lungenschlagader war totaf zerfetzt. Der Tod trat ein als unmittelbare Folge der Schußverletzung. Denn die Zerstörung der Lungenschlagader mußte eine Herzlähmung herbeiführen. Das Herz wurde mit Blut angefüllt, so daß der Tod fast augenblicklich eintrat. Das Geschoß war kleinkalibrig. Sachver­ständiger Goebel (zuR.-A. Horn): In der vorigen Verhand­lung ist von dem Vertheidiger mir die Frage vorgelegt worden, I ob das Gehirn des Ermordeten irgend welche pathologischen Veränderungen zeige. Präs.: Ich möchte die Herren Ver­theidiger fragen, ob sie wieder eine derartige Auskunft wün­schen? Rechtsanwalt Vertheidiger Burchard: Ich habe keine derartige Frage vorzulegen. Staatsanwalt Meyer: Ist das Geschoß ein derartiges, daß der Tod, wenn es die Brust durchschlägt, unbedingt eintreten muß? Sachverstän­diger Oberstabsarzt Goebel: Das ist nicht der Fall. Es gibt in der Armee eine Reihe von bekannten Fällen, in denen Schußoerletzungen mit dem kleinkalibrigen Gewehr durch die Lunge bald geeilt worden sind.

Die Leutnants v. H 0 f f m a n n und Lorenz lassen sich über die

Vorfälle in der Reitbahn

aus. Zeuge Oberleutnant von Hoffmann: Nach dem Schusse fragte der Rittmeister, wer denn geschossen habe. Ich gab zur Antwort, daß ich nicht geschossen hätte. Zuerst glaubte auch ich, daß nur ein Unfall vorliege. Als ich den Oberrock des Rittmeisters aufriß, öffnete er noch einmal die Augen, zweimal quoll ihm ein Blutstrom aus dem Munde. Ich schickte nun sofort Leute zum Kommandeur, Herrn Oberst­leutnant von Winterfeld und ins Lazareth. Dann fiel mir aber hinterher ein, daß es schließlich besser sei, wenn Niemand die Reitbahn verließe. Ich er­theilte also einen dementsprechenden Befehl. Zeuge Leutnant v. L 0 r e n z: Ich war von 4^4 Uhr etwa auf der Reitbahn. Der Rittmeister ließ Hürden nehmen, wobei er aus seinem Revolver Platzpatronen abschoß. Als der Rittmeister hinstürzte, sprang Oberleutnant von Hoffmann hinzu und hob ihn auf. Ich wurde sodann zum Arzt ge­schickt. Als ich zurückkam, sagte mir Oberleutnant von Hoff­mann, er müsse mir leider die traurige Mittheilung machen, daß der Rittmeister erschossen worden sei.

Hierauf werden die Verhandlungen in vorgerückter Stunde auf Freitag Vormittag vertagt.

Hue aller Melt.

Vor» den Vorträgeu auf dem 5. Inter nationalen Zoologen-Konilrefi beanspruchen einige auch das Interesse der Laienkreise. In seinem Vortrage über die psychischen Eigen­schaften der Ameisen führte Professor Dr. Forel-Morges (Schweiz) u. A. aus: Das Ameisengehirn bietet ein besonderes Untersuchungsobjekt. Ein ausgebildetes Gehirn haben vor Allem die Arbeiter unter ihnen, kleiner ist es bei den Weib­chen, noch kleiner bei den ganz dummen Männchen. Bei diesen ist es geradezu auf ein Rudiment zusammengeschrumpft. Die Insekten sehen, riechen, tasten, schmecken; ob sie hören, ist zweifelhaft. Dagegen ist der Tastsinn sehr entwickelt. Die Insekten haben Gedächtniß; sie finden entfernte Orte wieder. Aether und Chloroform nehmen aber den Bienen alle Er­innerung. Die Züge der Ameisen sind so zweckbewußt, haben so viel Voraussetzungen, daß man sie nur auf eine psychische Thätigkeit zurückführen kann. Die Sklaven-Ameisen, die sich Sklaven halten, machen Raubzüge, um sich solche zu rauben. Haben sie ein Nest ausgeraubt, in dem sich Puppen befinden, so kehren sie zurück, um die Puppen zu holen, die sie weder sehen noch riechen können. Sie speichern also in der Ent- fernung Sinneseindrücke in ihrem Gehirn auf, um sie später zweckentsprechend zu verwenden. Aus anderen Beobachtungen leitet der Vortragende auch das Assoziationsvermögen der In­sekten, wenigstens der sozialen Insekten .her. Aus der That-