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General-Anzeiger.
Allltiilhes Orga« für Stadt- M FsadKreis Sam«.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
T
Nr. 188.
■ Bezirks-Fernsprechanscklnß Nr. 98.
Mittwoch den 14. August.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
ES
Amtliches
Allerhöchster Erlast
Vom 18. Juni 1901, betreffend die Rang- und Titelverhältniffs der Kreisärzte.
Auf den Bericht vom 16. Juni d. Js. bestimme Ich, was folgt:
1. die Kreisärzte gehören zur fünften Rangklasse der höheren Provinzialbeamten ;
2. ein Theil der Kreisärzte, jedoch nicht über die Hälfte der im Staatshaushalts-Etat vorgesehenen Stellenzahl, sofern sie mindestens ein zwölfjähriges Dienstalter seit der Anstellung als Kreisarzt (Kreisphysikus) erreicht haben, kann Mir zur Verleihung des Charakters als „Medizinalrath" mit dem persönlichen Range als Räthe vierter Klasse vorgeschlagen werden;
3. ein Theil der zu Medizinalräthen ernannten Kreisärzte, sofern sie ein weiteres Dienstalter von in der Regel zehn Jahren seit ihrer Ernennung zum Medizinalrath erreicht haben, kann Mir zur Verleihung des Charakters als „Geheimer Medizinalrath" vorgeschlagen werden;
4. denjenigen Kreisärzten, welche gegenwärtig den Titel „Sanitätsrath" oder „Geheimer Sanitätsrath" führen, wird vom Tage der Verkündigung dieses Erlasses ab der Charakter als „Medizinalrath" beziehungsweise „Geheimer Medizinalrath" hierdurch beigelegt.
Gegeben an Bord Meiner 2)adjt „Hohenzollern", Cuxhaven den 18. Juni 1901.
Wilhelm.
Studt.
An, den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.
r Stadtkreis Danau.
Bekalmtmachrmgen des Oberbürgermeisteramtes.
Mit dem 15. d. M. läuft der Zahlungstermin für Steuern und Schulgeld pro II. Quartal ab und wird hieran an fchlietzend mit Mahnung und Zwangsvollstreckung gegen die Säumigen vorgegangen.
Fristgesuche können nur Berücksichtigung finden, wenn sie vor Ablauf des FäMg keitstermins eingegangen und gehörig begründet sind.
Auf die auf Seite 4 des Steuerzettels angeführten Bestimmungen — besonders auf Nr. 3, 4 und 7 — wird aufmerksam gemacht.
Die städtische Steuerkaffe befindet sich Markt 16, Zimmer 6 und 7, zu ebener Erde.
Hanau den 1. Angnst 1901.
Stadtkaffe. 12565
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 60 Psg. baar. 1 Ortskrankenkassenbuch für Friedrich Weber.
Verloren: 1 Portemonnaie mit ca. 8—9 Mk. 1 desgl. mit ca. 20 Mk.
Zugelaufen: 1 junger, gelber Pinscher m. Geschl. und 1 fünf bis sechs Wochen alter Foxterrier.
Hanau den 13. August 1901.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 14. August.
* Passirt. Auf der Rückreise nach Homburg passirte heute Morgen 9 Uhr das englische Königspaar die hiesige Station Ostbahnhof.
* Äas Infanterie-Regiment Nr. 166 ist heute Morgen zum Regimentsexerzieren nach dem Griesheimer Uebungsplatze abgerückt. Der Marsch geht bis Babenhausen, von dort aus erfolgt Bahnfahrt bis Darmstadt und daun wieder Fußmarsch bis zum Uebungsplatze.
* Reichsbank. In Striegau (Schlesien) wird am
2. September d. I. eine Reichsbanknebenstelle eröffnet.
* Die Beerdigung des Herrn Beigeordneten Karl Pannot fand gestern unter sehr zahlreicher Betheiligung der Einwohnerschaft statt, wohl eine Länge von 500 Meter konnte der Zug nachweisen, welcher den Verblichenen zur letzten Ruhestätte das Geleit gab. Nachdem zunächst die nächsten Anverwandten sich dem Sarge angeschlossen, folgten Bürger aus allen Kreisen, sodann die städtischen Körperschaften mit den Herren Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Ersten Beigeordneten Bode an der Spitze. Den Schluß des Zuges bildeten die städtischen Beamten. 2 prachtvolle Kränze wurden durch Beamte in Uniform dem Zuge voraus- getralfim und fast schien es, als ob die Masse der dem Verstorbenen gewidmeten Blumenspenden nicht zu überwinden sei; gewiß ein Zeichen, welcher allgemeinen Verehrung und Werthschätzung sich der Heimgegangene zu erfreuen hatte. So bewegte sich der Zug in stummem tiefernsten Gepräge durch die Straßen der Stadt. Nachdem auf dem Friedhofe der Sarg dem Schoße der Erde anoertraut war, hielt Herr Pfarrer Wessel die Grabrede. Dem Eingangsgebet folgten von Herzen kommende, zu Herzen gehende Worte, denen wir Folgendes entnehmen: „Wie in einem Erntefeld, auf welches der Landmann all seine Hoffnungen gesetzt hatte, ein Unwetter so große Verheerungen anrichten kann, daß die gehegten Hoffnungen mit einem Schlage zu Nichte werden, so bricht des Todes unerbittliche Hand in unsere Hoffnungen und Erwartungen, in die glücklichen Zeiten unseres Familienlebens und reißt das Liebste und Theuerste von unserem Herzen hinweg." So verglich der Geistliche den so plötzlich erfolgten Tod mit einem schnell und verheerend einwirkenden Unwetter, daraufhin hervorhebend die Tugenden, welche den Entschlafenen zierten. Als thatkräftiger Mitarbeiter an der kirchlichen wie an der weltlichen Gemeinschaft hat er sich unsterbliche Verdienste erworben und besonders galt sein Wirken im Dienste der Stadt den Nothleidenden und Bekümmerten. Mit selbstloser Hingabe hat er diesem Dienst sich stets gern und freudig gewidmet. Als Beigeordneter des Oberbürgermeisteramts sowohl, wie als Senior der Niederländischen Gemeinde hat er mit hingebender, opferfreudiger und in friedliebender Weise bis in die letzten Zeiten treu und gern gedient. Sein Leben glich einem stillen, segensreichen Wasser, welches bescheiden durch die Stadt hindurchgeflossen ist, sodaß die Folgen seines Schaffens auch nach seinem Hinscheiden lange nicht verwischt werden können. Wenn sein Leben in glücklichem Familienleben vorübergegangen, so sind ihm in letzter Zeit Kummer und Sorgen durch die Erkrankung seiner theuren Gattin nicht erspart geblieben, sodaß ihm an dem Tage, an welchem er vor 40 Jahren mit ihr vor Gottes Altar gestanden, nur vergönnt war, ihr in die Ferne einen Strauß grüßender Blumen zu senden. So bergen wir denn mit unerfüllten Hoffnungen heute seinen zerbrochenen Leib zur letzten Ruhe im christlichen Glauben, in dem dieser theure Entschlafene auch gelebt. Darin wissen wir uns mit ihm eins, daß,
„Was Gott thut, das ist wohlgethan.
Es bleibt gerecht sein Wille,
Wie er fängt meine Sachen an
Will ich ihm halten stille.
Er ist mein Gott,
Der in der Noth
Mich wohl weiß zu erhalten, Drum laß ich ihn nur walten."
Unter Gottes gnädigen und gerechten, wenn auch uns oft unverständlichen Willen beugen wir unsere Herzen und unser Haupt! — Es folgte Gebet und Segen.
Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus widmete hierauf dem Verstorbenen folgenden Nachruf:
„Hochansehnliche Trauerversammlung !
Tief ergriffen und tief erschüttert stehen wir hier an der offenen Gruft eines Mitbürgers, eines Freundes.
„Sie haben einen guten Mann begraben, uns aber war er mehr." (Kranzniederlegung im Rainen der Stadt Hanau.)
Ja, liebe Mitbürger, ein guter Mann, ein treuer Bürger des Staats, ein treuer Sohn seiner Gemeinde war der Entschlafene. Er hat früh bereits dem öffentlichen Leben sich zugewendet, aber nicht kann man von ihm sagen: Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt schwebt sein Bild in unserer Erinnerung uns vor, sondern wir kennen sein Bild als dasjenige des milden, friedliebenden, versöhnenden Mannes, der überall dort, wo in politischem Kampfe die Geister aufeinanderplatzten, ausgleichend und versöhnend eingriff, welcher die Hände von rechts und links zum Friedensschluß ineinander fügte.
Mehr aber als dem politischen Leben hat der Verblichene seine Kräfte der Gemeinde gewidmet; er hat beinahe ein Vierteljahrhundert dem Gemeindeausschusse, dem Stadtrath und zuletzt dem Magistrate angehört.
Es ist eine große Zahl von Kommissionen, deren Mitglied, deren Vorsitzender der Verblichene gewesen ist. Seine !
volle Arbeitskraft, seine reiche Lebenserfahrung, seine Geistesgaben und nicht zuletzt sein gutes goldnes Herz stellte er in den Dienst der Gemeinde und in den der Aermsten seiner Mitbürger. Wahrlich, mein geliebtes Hanau, du darfst dein Haupt verhüllen und weinen, denn du beklagst den Verlust eines der besten deiner Söhne.
Sie haben einen guten Mann begraben, uns aber war er mehr! Jahr um Jahr haben wir zusammen gearbeitet, Freude und Leid haben wir mit einander getheilt, wir sind gelobt, wir sind getadelt, es hat uns nur umso fester zusammengeschweißt. Treu hielt der Entschlafene zu uns und Treue haben wir ihm gegeben! Aus dem lieben Kollegen wurde unmerklich ein lieber Freund, dessen Hinscheiden eine schmerzliche Lücke in unserer Körperschaft zurückläßt.
Dem treuen Mitarbeiter, dem lieben Kollegen und Freunde widme ich namens sämmtlicher Mitglieder des Magistrats, namens seiner sämmtlichen Kollegen diesen Kranz als letztes Zeichen einer Liebe, die fortdauern wird im getreuen Gedenken des todten Freundes!"
Im Auftrage der städtischen Beamten legte hierauf Herr Armenverwalter Clasen einen Kranz am Grabe des Entschlafenen nieder mit folgendem Nachruf:
„Im Namen der städtischen Beamten lege ich diesen Kranz hier nieder. Der Entschlafene, den wir zur letzten Ruhe gebettet., haben, war uns ein leuchtendes Vorbild in treuer Pflichterfüllung, Gewissenhaftigkeit und Leutseligkeit. Wir werden seiner stets mit Dank gedenken!"
* Städtisches Gaswerk» Das städtische Gaswerk erzielte im abgelaufenen Rechnungsjahre 1. April 1900/1901 einen der Stadtkasse zufließenden Reingewinn von Mk, 162 969, oder etwa 29 000 Mk. mehr als in den Etat eingestellt worden ist. Der Bru tto- Reingewinn beträgt 203 815 Mk. oder 395.15 Mk. gegen das Vorjahr weniger. Der Netto-Reingewinn beträgt gegen das Vorjahr weniger Mk. 3 394.15, dafür bekommt die Stadt aber 3000 Mk. mehr an Zinsen vom Kapital. Der Verbrauch an Leuchtgas stellte sich auf 1194 419 ebm, was gegen den Verbrauch des Vorjahres einen Ausfall von 86 641 ebm — 6,76 pCt. bedeutet und in der Hauptsache durch den Abfall der Ostbahnhof-Beleuchtung verursacht wurde, doch hat auch die allgemeine Einführung des Acbtuhr-Ladenschlusses und die Jnstallirung des elektrischen Lichtes in verschiedenen Schaufenstern nicht unwesentlich zu dieser Konsumverringerung beigetragen. Die Verwendung des Gases zu Koch- und Heizzwecken hat gleich wie in den früheren Jahren die größte Zunahme zu verzeichnen und beträgt dieselbe 114 573 ebm — 40,5 pCt. bei einer Gesammtabgabe von 397 427 ebm. Im Laufe des Berichtsjahres wurden allein 133 neue Abnehmer für Koch- und Heizgas gefunden, welche sich hierfür besondere Leitung legen ließen, so daß die Zahl dieser Konsumenten am Ende des Jahres bereits auf 691 gestiegen ist.
* Wetermren - GsaeräersammLurrg. Die diesjährige Generalversammlung des Verbandes deutscher Kriegsveteranen wird am Samstag, Sonntag und Montag in Dessau stattfinden. Herr Schulhaus von hier, der als Mitglied des Centralvorstandes den Verhandlungen beiwohnt, vertritt zugleich als Delegirter die hiesige Ortsgruppe.
8 FustballsporL. Das am vergangenen Sonntag zwischen der Fußballabtheilung der Turngesellschaft Wiesbaden und dem ersten Hanauer Fußballklub v. J. 1893 ausgefochtene Wettspiel verlief unter der bewährten Leitung des Turnlehrers Herrn F. Saue r-Wiesbaden recht gut. Interessante Einzelleistungen sowohl wie schöne Kombination waren auf beiden Seiten zu beobachten. Trotz der großen Hitze war das Tempo äußerst rasch. Das Spiel der Turner hat sich seit dem letzten Zusammentreffen bedeutend gebessert, was sicher dem Training H e s s e l i n k's, dem bekannten holländischen Fußballspieler, zuzuschreiben ist. Dieser veranlaßte während dem Spiele manchen interessanten Moment, konnte aber bei weitem nicht sein ganzes Können zeigen. Das Spiel der 93er fiel hauptsächlich durch uneigennütziges Zusammenspiel und größere Ausdauer auf, wodurch sie mit 5 gegen 1 Goal einen schönen Sieg erringen konnten.
* Zirkus Althoff, der wegen der Landestrauer die vorige Woche angesetzten Vorstellungen nicht geben konnte, ist in verflossener Nacht hier wieder eingetroffen und hat alsbald mit dem Aufbau begonnen. Heute Abend geht die Eröffnungsvorstellung vor sich. Wie wir uns durch Einsichtnahme der diesbezüglichen Ausweise überzeugen konnten, hat Herr Direktor Althoff nichts unterlassen, gerade die hiesigen Vorstellungen besonders glanzvoll zu gestalten. Eine ganze Reihe vorzüglicher Spezialitätengruppen ist engagirt worden, das Pferdematerial ist ein vorzügliches, sodaß es an der nöthigen Abwechslung nicht fehlen wird. Der Zirkus kann nur heute und morgen hier Vorstellungen geben, da anderweite Verpflichtungen vorliegen. Am Donnerstag Abend begibt er sich nach Kreuznach.