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General-Anzeiger
®Aru(Tt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 180
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Montag den 5. August
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtlickes.
Stadtkreis Dan au.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Ge- werbeaufstchtsbeamten des Regierungsbezirks bestimmte Sprechstunden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgesetzt haben und zwar: Der Regierungs- und Gewerberath zu Cassel (Regierungsgebäude 1. Stock, Zimmer 23) Montags, vormittags von 11—12^2 Uhr, der Gewerbeinspektor zu Fulda (Bureau im Schloß) an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat von 8—9^2 Uhr vormittags und an jedem 2. und 14. Montag im Monat, nachmittags von 4—8 Uhr; bei vorheriger Vereinbarung auch an anderen Tagen und anderen Stunden.
Soweit der Königliche Gewerbeinspektor mit Bestimmtheit und rechtzeitig genug seine Anwesenheit in Hanau voraussehen kann, wird er auch bei seinen Dienstreisen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Zn diesem Zweck wird Tag und Stunde, zu welchem diese Sprechstunden stattfinden können, s. Zt. so schnell als möglich bekannt gegeben werden.
Hanau den 1. August 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6639 I. V.: Valentiner, Regierungs-Assessor.
Stadtkreis Danau.
BekauirLWachungen des OberbürgermeisteramLes.
Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlung
am Donnerstag den 8. August 1901,
' nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhauses.
Tagesordnung:
1. Aenderung der Geschäftsordnung hinsichtlich Erweiterung der Befugnisse des Schriftführers.
2. Endgiltige Zustimmung zum Ortsstatut betr. die Anstellungsverhältnisse der Trichinenbeschauer.
3. Nachbewilliaung von 10 M. für 1. August 1900—31. März 1901 auf VII C Tit. „Aus Vorj." und 15 M. ans VII C Tit. III la für R.-J. 1901 — Vergtg. für Reinigung der Turnhalle der Knabenmittelschule.
4. Nachbewilligung von 1174,15 M. Ueberschreitungen bei der Schlachthofkasse im R.-J. 1900.
5. Bericht über Prüfung der kaufm. Abschlüsse der Gas-W.- E.-Werke.
6. Nachbewilligung von 150 M. aus I (Aus Vorjahren) für 1901. Restbeitrag für den Ausschuß für Volks-
S Vorlesungen p. 1900 (formell).
7. Verlängerung des Miethvertrages mit der Fa. Metallund Akkumulatorenwerk bezgl. der Sandelmühle.
8. Nachbewilligung von 457,23 M. auf A. 0. I 13c für 1900 gegenüber gleichhoher Ersparniß auf VII 0,1.
9. Nachbewilligung von 2415,84 M. auf VI K für 1900 (Latrinengrubenentleerung), dagegen Mehr - Einnahme M. 1245,45.
10, Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben der Be- gräbnißkasse im R.-J. 1900.
11. Einführung des IV. Nachtrags zum Normalbesoldungsetat bei der hiesigen Oberrealschule.
12. Festsetzung des Miethspreises für die Wohnungen im
ehem. Hochreuther'schen Fabrikgebäude.
13. Uebertragung von den für Beschaffung eines neuen Leichenwagens vorhandenen 2906,12 M. auf R.-J. 1901.
14. Uebertragung von erspartem Gehalt für die neu geschaffene Direktorstelle der kaufm. Fortbildungsschule von Titel VII G I 1 auf VII 6 I Nr. 2 und T Nr. 8.
15. Nachbewilligung von 124634,87 M. auf „Außerordentlich" R.-J. 1900.
16. Nachbewilligung von 5667,98 M. auf IV Ib für 1900 (Rückvergütung an Branntweinsteuer), dagegen Mehr- Einnahme 3170,23 M.
17. Nachbewilligung von 243,75 M. auf IV Id 1900 (Steucrverwaltung).
18. Bewilligung eines weiteren Verlags bis zu 2000 M. aus XI,3 R.-J. 1901 für Beendigung der Neuordnung des städtischen Archivs.
19. Nachbewilligung von 750 M. auf I (Aus Vorjahren) für 1901; Entschädigung an Dr. Rau (formell).
20. Bewilligung von 1600 M. aus XI,3 für R.-J. 1901 zur Beschaffung eines weiteren Geldschrankes.
21. Besetzung einer Schreibgehilsenstelle beim Gaswerk.
22. Rechnung der städtischen Sparkasse für 1900 zur Feststellung der Rechnung und Entlastung des Rechnungsführers.
23. Neuwahl zweier Armenpfleger.
24. Wahl dreier Vertrauensmänner für den Ausschuß zur Wahl der Geschworenen und Schöffen für 1902 (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes).
25. Zustimmung zur Aufnahme des Rechtsstreites der Oldenburger Vers.-Gesellschaft gegen die Stadt Hanau.
26. Klageerhebung gegen einen Taglöhner wegen Unterhaltung seines Kindes.
27. Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in der Verwaltungsstreitsache des Kgl. Preuß. Staates (landwirth- schaftl. Verwaltung) wider den Magistrat zu Hanau wegen Veranlagung zu einer Kanalbetriebsgebühr.
Um 41/« Uhr Sitzung des Wahlvorschl.-Ausschusses, dazu Nr. 23 und 24 obiger Tagesordnung.
Um 48/* Uhr Sitzung des Rechnungsprüfungs-Ausschusses, dazu Nr. 22 obiger Tagesordnung.
Hanau den 1. August 1901.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
___________________Canthal.__12731
Gcsiiiideile und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 neuer Kinder-Gla^öhandschuh, rechter. 1 Kinderportemonnaie mit 50 Pfg. Inhalt. 1 Serviette mit Serviettenring, beide mit Monogramm V. M.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 18,85 M. Inhalt, Wiederbringer 5 M. Belohnung. 1 Kanne mit Milch.
Hanau den 5. August 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 5. August.
* Die großen Ferien sind zu Ende! Wie so ganz anders klingt diese Botschaft doch im Gegensatz zu jenem Ausruf freudiger Erregung und seligen Hochgefühls, der heute vor vier Wochen von Mund zu Munde ging, als es hieß: „Ferien! Die Ferien haben begonnen ’" Ja, die schöne Zeit, die goldene, wie ist sie doch so rasch entschwunden, und wie gar so schnell tritt der Ernst des Lebens, die rauhe Wirklichkeit wieder an die jungen Schaaren heran und wohl oder übel müssen dieselben ihre altgewohnten Räume wieder aufsuchen, die sie beim Schluß der Schule so jubelnd verlassen. Nun, hoffentlich sind die Ferien für die Lehrer sowohl wie für die Schüler zu allseitiger Zufriedenheit verlaufen und, was die Hauptsache ist, von den letzteren auch in der rechten Weise benutzt worden, sodaß sie alle neu gestärkt und mit neuer Lust zum Lernen ihren ersten Schulgang nach den Ferien antreten.« Einige Tage nur, und man ist wieder im allen Gleise, das zu höherem Ziele führen soll. Viel Glück drum zu fernerem gesegneten Wirken unserer Jugend und ihrer Erzieher.
* Ritt um den Käferpreis. Alljährlich im Hochsommer wird seitens der Kavallerieoffiziere der einzelnen Armeekorps um den Besitz des vom Kaiser für jedes Armeekorps gestifteten Ehrenpreises geritten. Bei diesen Ritten kommt es nicht nur auf die Erzielung eines guten Records an, vielmehr müssen auch strategische Aufgaben gelöst werden. Der diesbezügliche Ritt der Kavallerieoffiziere des 18. Armeekorps fand am^ Samstag statt. Die Theilnehmer versammelten sich am Freitag Abend im Offizierkasino des Husaren-Regiments zu Bockenheim und kurz nach Mitternacht erfolgte in kurzen Zwischenräumen gruppenweise der Abritt. An dem Ritte be- theiligten sich über 30 Offiziere, die beiden Darmstädter Dra-' goner-Regimenter und das Hanauer Ulanen-Regiment stellten je 7 Theilnehmer. Vom Ulanen-Regiment Nr. 6 nahmen Theil die Herren Oberleutnants v. Busse und v. Papen, die Herren Leutnants v. Werner, Sombart, v. Günther, Struckmann und Sieg. Die an dem Ritte beteiligten Rittmeister und Oberleutnants hatten eine Recognoszirung bei Lich (Oberhessen) auszuführen, den Leutnants lag die Erkundung einer Vorposten-Aufstellung (116. Jnf.-Rgt.) südlich von Wetzlar, sowie die Passirbarkeit der Lahn unterhalb von Wetzlar ob. Hierüber mußte schnelle und gute Meldung erstattet werden. Trotz der durch den Regen aufgeweichten Wege des Taunus mit ihrer steinigen Beschaffenheit hatten die Pferde den Dauerritt gut überstanden, sie kamen durchweg in guter Verfassung an. Die zurückgelegte Strecke betrug etwa 130 Kilometer, die Reiter saßen 12-14 Stunden im Sattel. Das Ziel war wiederum die Husarenkaserne in Bockenheim, woselbst die Theilnehmer an dem Ritte in der Zeit zwischen 1- bis 2^/2 Uhr Samstag mittags eintrafen. Der Ehrenpreis des Kaisers (silberner Pokal) ist ein Wanderpreis und muß zweimal hintereinander errungen werden, um endlich m den Besitz des Siegers übergehen zu können. Sieger im vorjährigen Rute war Leutnant v. Gien aut h im 23. Drag.-Rgt., der aber an dem diesjährigen Ritt sich nicht betheiligen konnte, da er zum Militär-Reitinstitut in Hannover kommandirt ist und dieses Institut selbst einen Ehrenpreis auszureiten hat.
* RüSfahr- und Sommerkarten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat wegen der Giltigkeitsdauer von Rückfahr- und Sommerkarten den Königlichen Eisenbahndirektionen folgenden Erlaß zur Kenntniß und Beachtung zustellen lassen: An Stelle der Bestimmungen unter 1 zu § 12 der Eisenbahn - Verkehrsordnung im Theil II des Staatsbahn-Personen- und Gepäcktarifs treten die folgenden: „1. Bestimmungen über die Giltigkeitsdauer von Rückfahr- und Sommerkarten, a) Die Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarten beträgt 45 Tage. Sie beginnt mit dem Tage der Lösung und erlischt zu Mitternacht des 45. Tages; b) wie bisher unter c; c) Inhaber von Rückfahrkarten und Sommerkarten können die Reise an einem beliebigen Tage innerhalb der Geltungsdauer antreten. Eine Verlängerung der Geltungsdauer wird hierdurch nicht herbeigeführt; d) wie bisher unter 6."
* Postalisches. Die Postagentur in H o ch st a d t (Main) führt die Bezeichnung Hochstadt (Oberfranken). Es ist häufig beobachtet worden, daß Sendungen mit der Aufschrift Hochstadt (Main) für Personen in H o ch st a d t (Kr. Hanau) bestimmt waren. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der Ankunft der Sendungen empfiehlt es sich, in der Aufschrift zwischen den beiden Orten Hochstadt (Kr. Hanau) und Hochstadt (Oberfranken) genau zu unterscheiden.
+ Schitlchrontt. (Forts, aus Nr. 171.) Kehren wir nun nochmals zurück. Im Jahre 1864 sollte der erste Lehrer Peter Jöckel auf Veranlassung Kurfürstlicher Negierung einen Stellentausch mit dem ersten Lehrer zu Ulmbach Franz Anton Ludorff eingehen. Jöckel glaubte in dieser Versetzung ein Unrecht zu erblicken und resignirte deshalb. Ludorff bezog am 1. Dezember 1864 die hiesige erste Stelle. Durch die stetige Bevölkerungszunahme, die theilweise durch die eingetretene Freizügigkeit bedingt war, wurden die Schulräume abermals zu klein. Die Königliche Regierung zu Cassel verfügte daher schon im Jahre 1870 den Neubau eines weiteren Schulhauses mit 2 Schulsälen und 2 Lehrerwohnungen. Hindernisse mancherlei Art verzögerten indessen die Ausführung bezw. den Anfang des Neubaues auf mehrere Jahre. Wegen Mangel eines geeigneten Bauplatzes im Zentrum des Ortes wurde ein solcher am Eingänge des Ortes erworben. Nachdem die verschiedenen Arbeiten auf dem Submissionswege vergeben waren, wurde endlich am 2. September 1875 feierlich der Grundstein zu dem neuen Schulhaus gelegt. Obwohl dasselbe im Herbste 1876 vollendet war, verzögerte sich die Besetzung der beiden neu errichteten Stellen bis zum Frühjahr 1877. Mit dem 1. April dieses Jahres wurden hierher berufen: Gottfried Kronenberger zu Somborn als vierter und Karl Kullmann als fünfter Lehrer. Ein chronisches Lungenleiden machte die amtliche Thätigkeit des Lehrers Ludorff unmöglich. Auf sein Ansuchen wurde demselben ein Urlaub von 6 Monaten — 1. April bis 1. Oktober 1877 — bewilligt und die Schule mit Zustimmung Königlicher Regierung in der Weise organi- sirt, daß jedem der 4 übrigen Lehrer zwei Jahrgänge beiderlei Geschlechts zum Unterrichten zugewiesen wurden. Leider konnte Ludorff von dem ihm ertheilten Urlaub keinen airsreichenden Gebrauch machen, denn schon am 3. Juli 18 c 7 mürbe er durch den Tod von seinen Leiden erlöst und am 6. Juli unter großer Betheiligung hiesiger Einwohner und benachbarter Lehrer zur Erde bestattet. Vom 1. September 18 77 ab wurden die katholischen Arbeiter und Beamten des Gutsbezirks Pulverfabrik dahier eingepfarrt und infolgedessen 32 schulpflichtige Kinder bis auf Weiteres von Königl. Regierung zu Cassel der hiesigen Schule überwiesen. Mit dem 15. Oktober 1877 wurde dem seitherigen 2. Lehrer Jahn die erste Schulstelle übertragen. Im November desselben Jahres erfolgte die Vereinigung des bis dahin vom jüngsten Lehrer besorgten Glöcknerdienstes mit der 2. Stelle, welche am 1. April 1878 durch Lehrer Chr. König zu Oberrodenbach besetzt wurde. Am 17. April 1882 wurde die neu ernannte Lehrerin Elise Kircher aus Fulda durch den Königl. Kreisschulinspektor Sermond als 6. Lehrkraft in ihr Amt eingeführt. Mit dem 1. April 1883 schied Lehrer König aus dem Schuldienste aus. Am 12. September, nachmittags 1 Uhr, desselben Jahres brach in dem neuen Schulhause am Ostende des Ortes ein Brand aus, welcher den ganzen Dachstuhl und theilweise die / oberen Wohngelasse in Asche legte. _ Durch die Rührigkeit der Feuerwehren von hier und Pulverfabrik wurde^ man nach 2 Stunden Herr des verheerenden Elements. Außer Holz und Stroh, welche Stoffe auf dem Speicher aufgeschichtet waren und die rasche Verbreitung des Feuers begünstigten, wurden sowohl die Schul-Utensilien, als auch Haus- und Küchen- geräthe der Insassen gerettet. Am 1. Januar 1884 wurde der seitherige" 4. Lehrer Gottfried Kronenberger zum 2. Lehrer bestellt und an dessen Stelle Lehrer Richard Frei zu Bieber bei Gelnhausen vom 1: Avril 1884 berufen. — (Weiterer Artikel folgt.)