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einigen Wochen vollzogenen Bürgermeistcrwahl aufzufassen und erregen in der weiteren Umgebung bedeutendes Aufsehen.
Vom EichsseLde, 27. Juli. In dem Dorff Beuren gab gestern Abend nach voraufgegangenem Streit der Schneidermeister Heinrich Hunold auf "seine Ehefrau vier Nevo l v e r s ch ü s s e ab, von denen zwei den linken Arm verletzten. H. wollte sich darauf selbst erschießen, wurde aber daran gehindert. Heute früh ist er in das hiesige Gefängniß abgeliefert worden. — Auf schreckliche Weise verunglückt ist der 18jährige Nudloff aus Birkenriede, der in einem Nachbarorte aus einer Schiffsschaukel gestürzt war. Als er mit zerschmettertem Bein unten lag, traf die in vollem Schwünge befindliche Schaukel noch den Rücken deL Unglücklichen, der den schweren Verletzungen am folgenden Tage erlegen ist.
Gotha, 25. Juli. Ein Prozeß, der zur Zeit beim hiesigen Amtsgericht gegen die Gemeinsame Ortskrankenkasse Gotha angestrengt ist, betrifft ein Objekt von 10 Pfennig. Der Sachverhalt ist folgender: Der Kläger zahlte für sein Dienstmädchen seit geraumer Zeit Beiträge an genannte Kasse, ohne daß ihm für Quittungsausstellung eine besondere Gebühr berechnet worden ist. Im Mai d. I. wurde dem Kläger seitens der Kasse schriftlich eröffnet, daß er fortan für jede Quittung einen Betrag von 10 Pf. zu entrichten habe. Das will sich der Kläger nicht gefallen lassen und hat daher beim Amtsgericht beantragt, durch Urtheil festzustellen, daß die Beklagte nicht berechtigt ist, für jedesmalige Empfangsbescheinigung eine Gebühr von 10 Pf. von ihm zu verlangen.
Eiscttach, 28. Juli. Vom 5. bis 7. Oktober findet im hiesigen Stadt-Theater ein großes Beethoven-Fest der bedeutend verstärkten Herzoglichen Hofkapelle zu Meiningen unter Leitung des Herrn General-Musikdirektors Fritz Steinbach und unter Mitwirkung hervorragender Solisten statt. In 4 Konzerten gelangen unter anderen zur Aufführung: Die 1., 3., 5., 7. und 9. Symphonie, die Ouvertüre „Die Weihe des Hauses", zu „Coriolan", zu „Egmont" und die 3 Leo- noren-Ouverturen; ferner das Violin-Konzert (Professor Halir), das Es-dur Klavier-Konzwt (Fröderic Lamond), die Chor- Fantasie und Duo-Octett für Blas-Instrumente. Nähere Auskunft ertheilt die Brunner'sche Hofbuchhandlung in Eisenach, die jetzt schon Billet-Bestellungen entgegen nimmt.
W. Hcttsiedt, 28. Juli. Im benachbarten Glück- hilfschachte der Mansfelder Gewerkschaft verunglückten durch einen v e rir r t en S p re ngs ch uß der Bohrmaschine 8 Bergarbeiter. 2 sind todt, 2 schwer, die klebrigen leichter verletzt.
Frankfurter Theater - Repertoir.
Opernhaus. Dienstag, 30. Juli: „Undine". Große Preise. — Mittwoch 31.: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Die Bettlerin vom Pont des Arts". — Donnerstag, 1. August: „Zar und Zimmermann". Große Preise. — Freitag, 2.: „Lohengrin". Große Preise. — Samstag, 3.: „Tell". (Oper.) Große Preise. — Sonntag, 4.: „Der Trompeter von Söktiugen". Große Preise. — Montag, 5.: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Der Bettelstudent".
Verlobungen.
Drämien-Anleèhe der Griechischen National- bank vom Jahre 1880» Ziehung am 1. Juli. Auszahlung am 15. Dezember 1901. Haupipreise: Nr. 17824 6 zu 70 000 Frcs. Nr. 82974 zu 10 000 Fr. Nr. 68221 133081 je 2500 Fr. Nr. 614 93 68023 96555 127244 161235 je 1000 Frcs. — Alle übrigen gezogenen Nummern je 400 Frcs. (Ohne Gew.)
Hue aller Melt.
Heimreise. Die österreichischen Kriegsschiffe „Kaiserin Elisabeth" und „Zenta" sind ans Ostasien abberufen worden und treten mit dem Geschwaderkommandanten die Heimreise an.
Stahlarbeiterausftand. Der Präsident des Gesammt- verbandes der Stahlarbeiter in New-Pork erklärt die Meldungen über eine demnächst stattsindende Konferenz zwecks Beilegung des Stahlarbeiter-Ausstandes für unbegründet
Flüchtig mit Hinterlassung grotzer Schulden- last. Der in Lille großes Vertrauen genießende Notar Outters, gleichzeitig Bürgermeister von Steenvoode und Generalrath im Departement Nord, ist mit Hinterlassung mehrerer Millionen Francs Schulden flüchtig. Der Haupt-Bureau-Angestellte hat sich erschossen Man weiß nicht, ob er ebenfalls an den Manipulationen des Notars betheiligt ist.
„.Leipziger Bankkrach Walzer". Ein gemüthlicher Sachse, Otto Weber zu Leipzig, empfiehlt einen in seinem Verlage erschienenen „Leipziger Bankkrach-Walzer", der angeblich „überall gesungen und getanzt werde, und von dem sich „mit Leichtigkeit Hunderte von Exemplaren absetzen lassen". Wirklich ein Gemüthsmensch, dieser Otto Weber! Hundert Andere trauern um ihr verloren gegangenes Geld und er macht die Musik dazu!
Zu der schweren Explosionskatastrophe in BatUM, die wir bereits gemeldet haben, liegen noch folgende näheren Mittheilungen vor: Die am Explosionsorte angestellten Ausgrabungen sind noch nicht beendet. Umgekommen sind nach bisherigen Feststellungen ein Oberstleutnant, ein Leutnant, ein Kapellmeister und etwa 30 Soldaten, verwundet sind ebenfalls 30 Soldaten. Die Gebäude in der Nähe des Explosionsortes sind beschädigt, viele Fensterscheiben zertrümmert; die Telegraphen- und Telephonleitungen haben stark gelitten, waren abends aber wieder reparirt. Der Geheime Bugigin, der an der Hand leicht verletzt war, blieb, als er hörte, daß der übrige Theil der Wache und der Gefreite todt feien, auf seinem Posten und erklärte, daß er denselben nur auf Befehl des Kaisers verlassen werde. Der stellvertretende Kommandant telegraphirte dies dem Kriegsminister mit der Bitte, es dem Kaiser zu melden. Um Mitternacht traf sodann der telegraphische Befehl des Kaisers ein, den Posten abzulösen, was hierauf geschah.
Reiche Stiftung. Paris, 25. Juli. Der verstorbene Baron Adolphe de Rothschild hat laut testamentarischen Be
timmungen der Stadt Paris zu wohlthätigen Zwecken eine Million vermacht. Ebenso viel erhielt die Assistance Publique zur Unterstützung der Armen. Es kommt hierzu noch die Stimmung einer ophthalmologischen Klinik in Paris zum Ge- sächtniß des Erblassers, die mit einer Jahresrate von 250 000 Francs dotirt ist. Die Interessen einer Summe wn 500 000 Francs sind zur Unterstützung bedürftiger acholischer, protestantischer und israelitischer Geistlicher be- timmt.
Zeugen eines erschütternden Vorfalles wurden die Fahrgäste des Freitag Abend 8 Uhr von Norderney abgehenden Dampfers „Norderney", Kapiläu^Ärünhoff. Schon in Norderney war den auf dem Schiffe Alesenden das aufgeregte Wesen eines 28—30jährigen Herrn im Gesellschaftsanzug aufgefallen; ruhelos eilte er umher, sich bald hier, bald dort über die Reeling beugend und fortwährend mit den Händen gestikulirend. Kurz vor dem Einlaufen der „Norderney" in Norddeich und gerade, als das Schiff einen Fischerkutter passirt hatte, setzte sich der betreffende Herr hinten über dem Steuer auf die Reeling, trank hastig ein Glas Bier, setzte seinen Zylinder ab, zog blitzschnell einen Revolver aus der Tasche, zielte, drückte ab und ließ sich über Bord fallen. Auf den Ruf „Mann über Bord" brachte Kapitän Grünhoff den Dampfer sofort zum Stehen; in einer Minute war ein Boot zu Wasser gelassen und eilte auf den noch über Wasser sichtbaren Verunglückten zu. Das Boot erreicht ihn auch noch glücklich, er wurde geborgen und an Bord gebracht. Die Untersuchung zeigte, daß die Kugel ziemlich tief unten an der linken Brustseite eingedrungen war. Der Mann lebte noch bis zur Ankunft am Norddeich, verschied dann aber. In seinem Zylinder fand sich eine gefüllte Börse, ein Taschentuch und ein kurz vor der That mit Bleistift geschriebener Zettel deS Inhalts, daß der Besitzer des Hutes aus London komme, in Norderney im Hotel „Bellevue" gewohnt habe und daß man nach Köln an eine Frau Dr. Friese Nachricht vom Geschehenen senden möge. Unterzeichnet war der Zettel mit „Fischer".
Durch einen glücklichen Zufall wurde ein in Blasewitz lebender älterer Rentier vor dem völligen wirthschoft- lichen Zusammenbruche bewahrt. Sein ganzes Vermögen im Betrage von 66 000 Mk. hatte er in Leipziger Bankaktien angelegt. Vor mehreren Monaten nun, als noch Niemand die unsichere Lage des Leipziger Finanzinstituts ahnte, erhielt er von seinem Neffen, einem Fabrikbesitzer, einen Brief, in dem dieser die Mittheilung machte, es sei ihm eine Hypothek gekündigt worden. Der Fabrikbesitzer machte infolgedessen seinem Onkel den Vorschlag, ihm die 66 000 Mk. auf sein Geschäft zu leihen, er wolle ebensoviel Zinsen bezahlen, wie die Dividende ausmache, die der Rentier als Inhaber von Leipziger Bankaktien beziehe. Nach langen Verhandlungen entschloß sich der Rentier, dem Verlangen seines Neffen nachzu- kommcn. Er veräußerte seinen Aktienbesitz zu dem damaligen hohen Kurse, büßte also nicht einen Pfennig ein. Hätte der Rentier die Bitte seines Neffen abgeschlagen, dann wäre er heute, nach der Leipziger Bankkatastrophe, ein Bettler. Man kann sich die Freude kaum vorstellen, die der alte Herr über die glückliche Fügung empfindet.
Eine kuriose Schiesznbung. Die vereinigten Staaten von Nordamerika sind bekanntlich das Reich der Absonderlichkeiten und die gegenwärtig dort herrschende Hitze scheint diesen Zustand besonders zu begünstigen. Saßen da die ehrsamen Stadtväter von Newport im Staate Rhode Island im Rathhause beisammen, um über das Wohl und Wehe ihrer Mitbürger LU berathen. Plötzlich erdröhnt das Gebäude und durch die Wand dringt eine Kugel in den Berathungssaal. Das Oberhaupt der Stadt, umringt von den todtcnblassen Rathsmännern, stürzt zum Fenster, um nach dem Attentäter zu spähen, vergeblich — nichts läßt sich auf der Straße sehen. Doch bald löst sich das Räthsel. Draußen am Meere fährt stolz das Schlachtschiff „Kearsage" vorbei. Die Blaujacken sind just dabei, mit den neuen Nordenfeld-Maxim-Geschützen zu üben, mit welchem Erfolge — zeigt die Kugel im Nathhaussaal. — Die Geschichte ist nicht etwa ein Sommermärchen, sondern wird amtlich bestätigt!
Italienisches. Der Hufschmied Antonius Olivieri aus Portico unterhielt ein ehrbares Liebesverhältniß mit der Bauerstochter Maddalena Piccerillo. Das Mädchen arbeitete mit ihrem Vater bei einem Grundbesitzer, auf den der Hufschmied eifersüchtig war. Er verlangte, daß sie sich andere Arbeit suche, wovon aber ihr Vater nichts hören wollte. So kam es häufig zu Zank und Streit zwischen dem Liebespaar. Am Sonntag lauerte der Hufschmied seiner Geliebten auf, als sie mit ihrem Vater zur Arbeit ging und verlangte, daß sie nach Hause zurückkehre. Als sie sich weigerte, faßte er sie an ihren Zöpfen, riß das Mädchen zu Boden und jagte ihr eine Kugel in den Kopf. Den Vater verscheuchte er durch ein paar Revolverschüsse. Einige Tage lang hielt er sich in den Bergen auf, von den Carabinieri verfolgt. Dienstag Früh sah man ihn vor einem Madonnenbilde im Gebet versunken. _ Die Carabinieri umzingelten ihn und forderten ihn dann auf, sich zu ergeben. Er aber tödtete sich durch einen Revolverschuß in die Schläfen. In einer Art Testament, das er bei sich trug, vermachte er seine ganze Habe der Familie seiner Geliebten unter der Bedingung, daß er an der Seite seiner Geliebten bestattet werde.
Zwei türkische Kriegsschiffe gepfändet. Das Amtsgericht in Kiel erließ einen Arrestbefehl. zur Pfändung der im dortigen Hafen liegenden türkischen Kriegsschiffe „Asta- ritewfik" und „Jsmir" wegen der Forderung eines Privatmannes, des früheren bei der türkischen Regierung angestellten Technikers Schünemann.
Galizische Engelmacherei. Krakauer Blatter berichten aus Przemysl von einem Ehepaar, dem man auf die Spur langjähriger Engelmacherei gekommen ist. Ein gewißer Jacek Duplaca mit seiner unrechtmäßigen ^rau betrieb schon lange gewerbsmäßig die Erziehung fremder Kinder gegen Outgelt, und es geschah wiederholt, daß die ihnen anvertrauten Kinder nach einigen Monaten starben, ^ie .Nachbarschaft wußte, daß die Kinder mißhandelt wurden; da man aber keine Beweise hatte, trieb das Paar sein Gewerbe weiter, biâ vor einigen Wochen Duplaca den Sohn einer Dienstmagd zur
Pflege übernahm. Man hörte oft das jämmerliche Geschrei des Kindes, das immer schlechter attssah und unter den Augen der Leute körperlich dahinschwand. In Anwesenheit des Paares wagte aber Niemand, dessen Wohnung zu betreten. Als nun Duplaca mit der Frau in die Stadt ging, schickte man nach der Polizei, welche die Wohnung öffnete und den Knaben mit gefesselten Händen und einem Knebel im Munde, mit vielen Spuren von Mißhandlungen und offenen Wunden am ganzen Körper fand. Man konnte das ohnmächtige Kind nur • mit Mühe zum Leben erwecken. Duplaca erhielt jedoch von dem Vorfälle Wind, ehe er heimkehrte, und suchte mit seiner Fran das Weite. Man sucht bis jetzt vergeblich seine Spur.
Menschenfresserei irr Neu-Guinea. Wie wir schon meldeten, waren Anfang April die beiden englischen Missionare Chalmers und Tomkins auf der englischen Insel Goaribari (englisch Neu-Guinea) verschwunden. Man befürchtete sofort, daß Beide von den Eingeborenen erschlagen und verspeist worden seien. Nach den Feststellungen des Strafzuges, den die Guanoländer Regierung aussandte, sind diese Befürchtungen noch übertroffen worden. Der Strafzug machte wie der „Köln. Ztg." aus Busbam geschrieben wird, bei der Verfolgung der Eingeborenen einen Gefangenen, durch welchen man am 3. Mai Näheres über das Schicksal der beider: Missionare und ihrer Begleiter erfuhr. Sie wurden alle, 13 an der Zahl, mit Keulen erschlagen, ihnen mit Sägen aus Bambus die Köpfe abgeschnitten, die Leichen zerstückelt und das Fleisch an die umliegenden Eingeborenendörfer vertheilt und aufgefressen. Die beiden Missionare wurden zu verschiedenen Zeiten umgebracht, die Farbigen aber alle zusammen auf einmal. Die Niedermetzelung fand in dem Dorfe Anawaida statt. Das Schiffsboot, in welchem die Unglücklichen gelandet waren, wurde von den Eingeborenen zertrümmert; Theile davon wurden aufgefunden. Ein menschlicher Unterkiefer, in welchem noch die Zähne steckten, sowie zwei frische Schenkelknochen, in weichern man Ueberreste der beiden Missionare vermuthet, wurden gefunden. Ferner wurde der Hut des Missionars Chalmers, sowie Theile seiner Beinkleider erkannt. Erkenntliche Ueberreste des Missionars Tomkins wurden nicht angetroffen. Der Strafzug brannte das Dorf Anawaida und zehn andere Eingeborenendörfer nieder, die bei der Niedermetzelung betheiligt waren. Alle Kriegsboote der Eingeborenen wurden mit Dynamit in die Luft gesprengt, die Fischerboote angebohrt und den Wellen überlassen. Zwei große Kriegshäuser, jedes etwa 200 Meter lang, wurden ebenfalls niedergebrannt. In denselben wurden nicht weniger als 1100 Menschenschädel gefunden, wahrscheinlich von erschlagenen Feinden herrührend, da die dortigen Eingeborenen als Kopfjäger bekannt sind. Wie viel Eingeborene im Ganzen durch den Strafzug umgekommen sind, wird in dem Bericht nicht angegeben. Ein ähnliches Schicksal, wie das der oben erwähnten beiden Missionare, ereilte ja auch das Menkesche Unternehmen kürzlich auf einer Insel des unfern der Küste von Neu Guinea gelegenen und zum deutschen Besitz gehörigen Bismarckarchipels.
Die falschen Jalschmnnzer. Der Ort der Handlung ist Charkow. In einer dortigen Konditorei erscheint eines Tages ein junger Mann, kauft ein paar Kuchen und bezahlt mit einem Dreirubelschein. Am andern Tage kommt er wieder und fragt den Geschäftsinhaber geheimnißvoll, ob er beii von ihm empfangenen Nubelschein anstandslos habe weitergeben können. Als der Konditor die Frage erstaunt bejahte, theilt ihm der junge Mann noch geheimnißvoller mit, daß der Schein gefälscht sei und zwar auf photographischem Wege. Gleichzeitig fordert unser Jüngling den Konditor auf, er möge möglichst viel Nubelscheine zu sich stecken und ihn zu einem .nahe wohnenden Onkel begleiten. Dieser beschäftigte sich mit der photographischen Fälschung von Papiergeld und werde dem Zuckerbäcker seine Scheine gegen ein geringes Entgeld vervielfältigen. Der kluge Geschäftsmann läßt sich durch die Aussicht, auf so leichte Art sein Vermögen zu vermehren, verführen,' steckt etwa 3000 Rubel ein und geht mit zum Onkel, der denn auch allzugleich an den Scheinen unter Assistenz einer jungen Dame mit verschiedenen Flüssigkeiten eine Reihe von Manipulationen vornimmt. Doch plötzlich stößt der photo- graphirende Onkel einen Schreckensschrei aus und erklärt dem ängstlich gewordenen Konditor, die Dame habe ihm eine falsche Flüssigkeit gegeben, die Scheine seien verdorben. Doch der Neffe weiß den Verblüfften zu trösten, der Onkel sei sehr geschickt und werde den Schaden schon bis zum anderen Tage wieder gut machen. Der Konditor solle nur wiederkommen. Noch merkt der gute Mann nichts. Als er aber anderen Tages wieder nur mit Vertröstungen abgespeist wird, schöpft er Verdacht. Um aber zu zeigen, daß er wirklich einer von Denen ist, die nicht alle werden, bereitet er beim Weggehen noch die Gesellschaft darauf vor, daß er bei der Polizei Anzeige erstatten ^erbe. Als diese dann kommt, findet sie das Nest natürlich leer. Neffe, Dame und Geld sind längst über alle Berge, der Onkel wird zwar noch gefaßt, aber der gefoppte Konditor hat nichts als das Nachsehen.
„Kapitän Wilson" verhaftet. Aus Berlin wird berichtet: Die mysteriöse Persönlichkeit, die unter »ein Namen „Kapitän Wilson" im Verlauf des Sternberg-Prozesses bei den Vernehmungen der Frau Hausmann, der Kallies, der Ehlert und des Direktors Schulze vom Detektiv-Institut „JuS wiederholt in ' den Vordergrund des allgemeinen Interesses trat, ist jetzt in dem Agenten Kühne aus der Großen Frankfurter Straße ermittelt worden. Kühne wurde durch die hiesige Kriminalpolizei bei seinen hier wohnenden Angehörigen verhaftet und ins Moabiter Untersuchungsgefängniß abgefuhrt. Die Kriminalpolizei hat seit Dezember v. I. die Spur des geheimnißvollen Kapitäns unablässig verfolgt. Sie nahm sehr richtig an, daß er in Wirklichkeit Kühne heiße und im Dienste der Sternbergpartei gestanden habe. Später erfuhr die Polizei, daß ein gewisser Kühne, der als Agent hier sich aufgehalten hatte, nach London geflüchtet wäre. Vor Kurzem kehrte dieser Kühne nach Berlin zurück, in dem Glauben, daß Gras über bie Affäre gewachsen sei und wurde hier bei Verwandten in der Großen Frankfurter Straße verhaftet. Die Identität des Kapitäns Wilson mit dem Agenten Kühne ist festgestellt.