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„Natürlich!"

„Ja, aber nachher würde man mich auf Lebenszeit ver- urtheilen wegen der übrigen Verbrechen, die ich nach meiner Flucht aus dem Zuchthause begangen habe."

„Ich glaube nicht, denn das kommt doch auf die Geschwo­renen an. Und wenn diese sich überzeugen würden, daß Ihr das erste Mal unschuldig verurtheilt worden seid —"

„Ach, Advokat, redet keine Dummheiten."

„Habt Ihr niemals an Epilepsie gelitten?"

„Was ist das?"

Der Advokat erklärt, wie es möglich sei, daß er als un­zurechnungsfähig in ein Kriminal-Irrenhaus geschickt werden könnte, bis er infolge wiedererlangter Gesundheit seiner Frei­heit wiedergegeben werden könnte.

„Advokat, wisset, Musolino ist nicht verrückt. Und wenn Ihr hierhergekommen seid, um mich irre zu führen, so ver­rechnet Ihr Euch gewaltig. Versteht Ihr, ich glaube weder an die Advokaten noch an das Gesetz. Ich habe genug ge­litten, um mich nicht mehr durch Versprechungen nasführen zu lassen. Die Gerechtigkeit ist hier in diesem Gewehr!" Damit schlug er auf den Schaft und hob das Gewehr in die Luft. „Blut will ich, Blut!" Und hierbei knirschte er mit den Zähnen, wie ein wüthendes Thier. „Meine Feinde sollen es wissen, ich verzeihe niemals." Zirillo und mein Vetter haben sich den Spionen angeschlossen. Aber, sie oder ich, mein Leben oder das ihrige."

„Und Marte, ist es wahr, daß er Euch verrathen hat?"

„Ja, es gelang mir aber, mich zu retten. Ich wußte, daß er auf dem Berge ein Stückchen Weizenland besaß. Ich erwartete ihn daher zur Zeit der Ernte. Er war in Be­gleitung von mehreren Personen. Als er mich sah, bat er mich weinend um Verzeihung und gab mir Birnen zu essen, die ich verzehrte. Wir verabschiedeten uns. Aber der Rache- teufel ließ mir keine Ruhe. Bei mir befanden sich Di Lorenzo und Jati, und zusammen schossen wir auf ihn. Er stürzte schwer verwundet zur Erde und wir gingen näher hinzu, um ihm den Gnadenschuß zu geben, und er bat uns weinend, ihm Zeit zu lassen, sich Gott zu empfehlen, bevor wir ihn tödteten. „Nein," schrie ich ihm zu, stirb Vieh, ohne Zuspruch. Du bist es nicht werth." So schoß ich ihn todt."

„Auch Chirico hat Euch verrathen?"

„Ja," er war es, der mich das erste Mal verhaftet hat. Als ich aus dem Gefängniß ausgebrochen war, traf ich ihn auf dem Berge mit seinem Knaben. Diesem befahl ich, sich zu entfernen. Der Knabe bat mich weinend, den Vater zu schonen. Mit einem Schuß habe ich ihn kalt gemacht."

„Haßt Ihr immer noch Vincenzo Zoccoli?"

„Er ist die erste Ursache alles meines Unglücks. Ein­mal habe ich ihm sein Haus angezündet. Ich hoffte ihn und seine ganze Familie zu braten. Zufällig schliefen sie aber in jener Nacht alle auswärts.

Einmal lauerte ich auf Vincenzo, aber sein Bruder kam vorbei. Ich schoß ihn nieder und in seinen rauchenden Ein­geweiden wühlte ich mit den Händen und an seinem Blut er­freute ich mich drei Tage lang. So hatte ich geschworen." Der Bandit ergeht sich in Erzählungen schauriger Mordthaten, die leider nur zu wahr sind, die wir aber, um den Leser zu schonen, hier übergehen wollen. Ergötzlich sind die Abenteuer, die er mit der bewaffneten Macht bestanden hat, wenn er, wie er ausführlich erzählt, inmitten derselben, und unerkannt ruhig zur Kirche ging oder im Wirthshaus mit ihnen Karten spielte.

„Advokat, wenn man wollte, so hätte man mir helfen können. Wenn man mich zum Deputirten gewählt hätte, so hätte mich der König begnadigt, wie De Felice."

„De Felice war verurtheilt worden wegen politischer Ver­gehen."

„Und ich," unterbrach wüthend der Bandit, „bin ich nicht unschuldig wie die heilige Mutter Gottes?"

Auf einem Birnbaum saß ein Singvogel. Musolino deutete auf ihn und rief mit verzweiflungsvoller Stimme: „Auch der Vogel hat sein Nest, nur Musolino muß umher­irren vom Berg zum Thal, vom Walde zur Ebene, ohne verzehrt mithin direkt und indirekt des Menschen Kräfte. Mäßigung ist also Lebensklugheit. — Die Mäßigung aber legt Entsagung und Entbehrung auf. Beides sind Leiden und nicht die einzigen. Wer sich gegen sie auflehnt, setzt sein Wollen mit dem Müssen in Widerspruch. Somit ist Auf- bäumung gegen die Leiden in seinen Folgen der Ge­nußsucht gleich. Der Wilde besitzt vollendete Apathie gegen Leiden und zagt im Tode nicht. „Entsagen und ertragen" war daher auch der Inbegriff der gesummten Lebensweisheit der alten Philosophen, muß es erst recht bei den Christen sein, die der Ueberzeugung leben, daß ein gerechter Gott alle Widersprüche und Mißverhältnisse dereinst vollkommen ausgleicht. In dem Streben, unsere Kräfte mit weiser Sparsamkeit auszunutzen, möge des Dichters Wort und Richtschnur sein: „Genieße froh, was Dir beschieden, entbehre gern, was Du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden ; ein jeder Stand hat seine Last!"

Kunst und Leben.

Andrves Schicksal. Ein bekannter Schiffsführer der Eismeere, Johann Posti aus Alben, hat sich über das muth- maßliche Schicksal des kühnen Polarfahrers ausgesprochen, und da er vierzig Jahre hindurch die arktischen Gewässer unter­sucht hat, verdienen seine Aeußerungen Aufmerksamkeit. Posti befand sich auf dem Fahrzeuge, das am nördlichsten lag, als Andree aufstieg, und hatte so gute Gelegenheit, die Wind­richtung und das Wetter zu beobachten. Er meinte, daß sich auf dem Ballon eine Eiskruste bilden würde, wenn er die großen Eisfelder erreichte, besonders wenn das Wetter kalt und feucht würde. Es zeigt sich nämlich oft, daß Fangfahr­zeuge mit Eis bedeckt werden infolge der Feuchtigkeit, die die Luft enthält. Kurz nach dem Aufstiege Andrees brach ein Schneesturm los, wie aus dem Tagebuch Postis vom 11. bis 20. Juli hervorgeht, und Posti erklärt, daß dieser Sturm von den Eisfeldern auf Nordostland gekommen sei. Er meint, der

Samstag

Ruhe, ohne Frieden, bis ein Blitz ihn erschlägt. Advokat," und hier drückte er mir konvulsivisch die Hand, „wenn Euch die Kunde kommt, Musolino ist von einer Kugel getroffen worden, beweint ihn, Musolino war kein Räuber!"

Äm nächsten Tage begab sich der Korrespondent nochmals, und diesmal von einem ortskundigen Freunde begleitet, auf die Stelle, wo die Begegnung stattgefunden hatte. Er kon- statirte, daß die Unterredung auf dem Grundstücke genannt Vomero und Eigenthum eines Freiherrn stattgefunden hatte. Kaum 200 Schritte von der Stelle entfernt beginnt der aus­gedehnte Wald, in den sich Musolino sicher zurückgezogen hatte, falls er oder seine Begleiter etwas Verdächtiges bemerkt hätten.

Hue aller Aèlt.

Abgeschlossene Untersuchung. Die vom Unter­suchungsrichter des Landgerichts Frankenthal geführte Unter­suchung in der Angelegenheit des am Abend des 9. Mai in Ludwigshafen geschehenen großen Eisenbahnunglückes hat mit einer vor einigen Tagen im Straßburger Spital erfolgten Vernehmung des bei dem Unglücke schwer verletzten Lokomotiv­führers Karl Bauer aus Straßburg ihren Abschluß gefunden. Anklage wird, wie zuverlässig verlautet, nur gegen den vor­genannten Bauer, dem die Schuld an dem Unglück beigemessen wird, erhoben und zwar wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahntransportes und fahrlässiger Tödtung eines Menschen (§ 316 und § 222 des R.-St.-G.-B.). Vom menschlichen Standpunkt aus verdient das Schicksal des noch heute im Spital befindlichen beschuldigten Beamten Theilnahme. Er wurde bei dem Unfall nicht allein derartig verletzt, daß er sich längere Zeit in Lebensgefahr befand und ihm ein Bein am Oberschenkel abgenommen werden mußte, auch seine Familie hatte unter dem Unfall schwer zu leiden, da seine Gattin, die in der nämlichen Nacht, wo er, mit lebensgefähr­lichen Brand- und Quetschwunden bedeckt, nach Straßburg gebracht wurde, einem Kinde das Leben schenkte, an den Folgen des erlittenen Schreckes noch heute zu tragen hat.

Fünf Jahre im Keller. Der „Pester Lloyd" be­richtet : In der Gemeinde Lipova im Baranyacr Komitat brach dieser Tage im Hause einer reichen Bäuerin, der verwittweten Frau Gabriel Mehes, Feuer aus. Ihr Hof füllte sich mit Leuten, die bei den Löscharbeiten thätig waren. Zufällig hörten einige von ihnen aus einem Gemüsekeller Jammerrufe dringen. Sie öffneten die Kellerthür und nun bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick dar. Auf einem Bündel verfaulten Strohs lag in zerfetzten schmutzigen Kleiderresten ein zum Skelett ab­gemagertes Kind; der Schmutz in dem grubenartigen Keller war unbeschreiblich, und ein ekelerregender Geruch benahm den Eintretenden den Athem. Das unglückliche Kind ist der leib­liche Sohn der Frau Mehes, Namens Alexander, der seit fünf Jahren in dem Keller eingesperrt war und zwar nur deshalb, damit seine Mutter auch sein Vermögen für sich verwenden könne. Gegen das entmenschte Weib wurde die Strafanzeige erstattet. Sie verantwortete sich damit, daß ihr Sohn blöd gewesen, ihr viel Schererei verursacht habe und sie deshalb ihn auf diese Weise unschädlich machen wollte.

Ein rabiater Patron. Die Universitätsklinik in Jena war kürzlich der Schauplatz einer wüsten Szene. Ein Kutscher, der wegen eines überfahrenen Fußes behandelt wor­den war, sollte etwas früher, als er vermuthet hatte, entlassen werden, da er jugendlichen Patienten Geld abgebettelt hatte, um sich dafür Bier zu kaufen. Es gefiel ihm in der Klinik so gut, daß er über seine beschleunigte Entlassung im höchsten Grade in Wuth gerieth und diese in rohester Weise an Patien­ten, die ihm hilflos preisgegeben waren, ausließ. Zunächst stürzte er sich auf einen jungen Mann, dem ein Bein amputirt war und der sich mühsam mit der Krücke fortbewegte, und schlug mit seinem Leibriemen auf ihn ein, weil er die Thür des Krankenzimmers wider seinen Willen geöffnet hatte. Als eine Schwester und der Wärter Gierke herbeieilten, hatte der Wütherich sich schon über einen anderen schwerkrank im Bett liegenden Dienstknecht hergemacht und schwang den Leibriemen Ballon sei zwischen dem 16. und 20. Juli gesunken, und er ist fest überzeugt, daß der Schneesturm während der genannten Tage den Untergang des Ballons verursacht habe, da der Ballon wegen des Gewichtes des Schnees und des Eises sich nicht schwebend halten konnte. Ferner meint er, daß die Stelle, wo der Ballon herunterfiel, zwischen Novaja Semlja und Franz Josephs-Land gesucht werden müsse.

Eine bemerkenswertste Entdeckung hat dieser Tage, wie aus Nom geschrieben wird, der wackere Leiter der Ausgrabungen auf dem Forum Kommendatore Boni gemacht, indem er das „Volcanale" bloßlegte, den Ort, an dem nach Dionys von Halikarnaß Romulus und Tatius ihre Zusammen­künfte gehabt haben sollen. Der ziemlich kleine Felsen liegt nördlich von den „Rostrae" und östlich vom Septimius Severus- Bogen. In republikanischer Zeit war er zum Schutze mit einer Tuffsteinschicht umgeben worden.

Wie man früher die Pest bekämpfte. In der „Revue bleue" erzählt Pierre Lalande, wie man zur Zeit Ludwigs XIV. in Frankreich die Epidemie bekämpfte. Jeder Kranke wurde sofort isolirt. Wenn er reich war, sperrte man ihn mit einem Diener in seinem Hause ein, das man durch ein weißes Kreuz bezeichnete; der Arme aber wurde durch die „Raben" fortgeschafft, d. h. durch Landstreicher oder Sträf­linge, denen man diese gefährliche Arbeit übertrug; man brachte ihn in ein besonderes Krankenhaus, wo die Medizin-„Lehr- linge", d. h. junge Aerzte, und die Mönche seinen Körper und seine Seele so gut wie möglich pflegten. Es gab in Paris zwei besondere Krankenhäuser für Pestkranke, Saint- Louis und Sainte-Anne. Sobald die Epidemie ausbrach, wurde eine Art Belagerungszustand proklamirt. Den Bürgern, selbst den gesunden, war es verboten, ihre Wohnungen zu verlassen oder auch nur die Fenster zu öffnen; die Gemeinde ließ Brod backen und Wein und Wasser vertheilen; die Lebensmittel wurden mit Hilfe einer hölzernen Rinne in die Häuser hineingeschafft, denn die Thüren durften nicht geöffnet werden. An den Straßenecken verbrannte man wohlriechende

27. Juli

über ihn. Gierke packte den Wüthenden und rang mit ihm, wobei ihm die Kleider vom Leibe gerissen wurden. Ber dem Ringen fielen beide auf ein Krankenbett nieder. Endlich gelang es Gierke, sich loszureißen und einen Arzt herbeizuholen. Jetzt lief der rabiate Patron, nachdem er dem Wärter unter nicht wiederzugebenden Droh- und Schimpf- reden gefolgt war, nach dem Krankenzimmer zurück, vor dessen Thür ein weiterer jugendlicher Patient sich aufgestellt hatte, der wegen einer schweren Verletzung am Knie operirt worden war und, da das Bein steif geblieben, am Stocke gehen mußte« Diesen faßte er mit beiden Händen, hob ihn hoch und schleuderte ihn mit solcher Wucht gegen den Thürpfosten, daß er eine mehrere Centimeter große bis auf die Knochenhaut reichende Quetschwunde davonlrug. Nunmehr holte man Schutzleute herbei und brachte den Nevoltanten in die Arrestzelle der Polizei, wo er sich noch gegen einen Schutzmann und gegen den Rathsdiener thätlich verging, indem er beide am Halse würgte. Diese empörenden Strafthaten brachten dem Meuterer eine Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß ein.

Wom Seil abgestürzt. Bei einer Seiltänzernach- ahmung stürzten in M.-Gladbach drei Arbeiter von dem zwischen den Bäumen aufgespannten Seil. Einer verschied in­folge Gehirnblutung.

®ht Badeunfall, jedoch mehr erheiternder Art, trug sich dieser Tage in Heiligendamm zu. Dort entstand am Sonntage plötzlich im Damenbade eine unbeschreibliche Aufregung. Die „Jungfer" einer Wiener Dame, wie der „Voss. Ztg." ein Badegast schreibt, hatte den Schwimmkünsten ihrer Herrin andächtig zugesehen; plötzlich entgleitet ihr der „Pompadour" in die Meerestiefe, der den ganzen, ihr anver­trauten Schatz von Armbändern, Ringen, Banknoten und wer weiß was noch enthält. Die schleunigst herbeigerufenen Boots­leute der Badeverwaltung kommen mit Stangen und allerhand Fangzeug und stechen und angeln nach dem versunkenen Schatz, aber vergebens. Von den „Herren der Schöpfung" im Herren­bade wird jetzt Hilfe erfleht. Und zwei „Edelknechte zart und keck", die sich eben noch lustig in den Fluthen tummelten, schwingen sich heraus in die Kleider, aufs Rad, zum Damen­bad, schälen sich aus ihren Gewändern, schlüpfen in Damenbadekostüme und — alles ein Werk weniger Minuten — plätschern lustig vor einem Kreise von erwar­tungsvoll lauschenden Huldinnen herum. Der eine der Jüng­linge ließ von den Bootsleuten an der bezeichneten Stelle von etwa 3 Meter Tiefe eine Stange gegen den Grund steminen und erreichte an dieser die Tiefe. Aber dreimal mußte er tauchen und den Grund durchsuchen, ehe er trium- phirend den Pompadour heraufbefördern konnte. Dem heißen Dank der „Jungfer" und dem tosenden Jubel der weiblichen Badewelt wußte sich der bescheideneJüugling eilfertig zu entziehen.

Der Othello der Sahara. Ein Eifersuchtsdrama be­schäftigte dieser Tage das Schwurgericht in Constantine, der zweiten Hauptstadt von Algier. In Biskra, einer der ent­zückendsten Oasen in der Wüste besaß Antoine Dufour das Hotel Sahara. Dufour war in Biskra geboren und galt dort ebenso als guter Gastwirth wie als Don Juan, der bei den braunen Araber-Schönen viel Liebesglück hatte. Obwohl er eine Chausonettensängerin aus Paris geheirathet hatte, ver­zichtete er auf seine verliebten Jagdfahrten nicht und gab da­mit auch seiner Frau reichliche Gelegenheit, sich in ihrem Schmerze trösten zu lassen. Herr Cassaigne, der junge Notar in Biskra, fand Gnade in den Augen der Frau Dufour. Das erfuhr der Gatte. Nun ward aus dem Don Juan plötzlich ein Othello, der es aber klüger und glücklicher anstellte als sein tragischer Vorgänger. Mit der größten Liebenswürdigkeit lud er den Notar zunl Abendessen und stand nach der Mahlzeit auf, „um Antilopen zu jagen." Der alte Witz, den kein Lustspieldichter mehr wagen darf, gelang dem Eifersüchtigen. Als er nach einer halben Stunde heimkehrte, ertappte er das Liebespaar, zog kalt lächelnd den Revolver und schoß den Notar nieder. Die Frau verschonte er, da er die Mutter seiner zwei Kinder nicht tödten wollte. Natürlich wollten die Geschworenen in Konstantine nicht strenger sein als die Geschworenen in Paris in ähnlichen Fällen und sprachen den Othello der Sahara frei.

Pflanzen. Theateraufführungen und Jahrmärkte waren natür­lich streng verboten. Vagabunden und Fremde mußten die Stadt verlassen, wenn sie nicht — aufgeknüpft werden wollten. Wer die weißen Kreuze an den pestverdächtigen Häusern aus­löschte, wurde kurzer Hand erschossen. Ein „Gesundheits- profoß" hatte den Auftrag, alle verdächtigen Fälle zur Anzeige zu bringen und den „parfumeurs" die Orte zu bezeichnen, die desinfizirt werden mußten. Gegen die prophylaktischen Maßregeln ließ sich also nicht viel einwenden, und das war gut, denn mit den Heilmethoden haperte es noch gewaltig. Es gab Aerzte, die als bestes Heilmittel gegen die Pest „in Knoblauchbrühe gekochte Taube" empfahlen, die auf die Brust gelegt werden mußte; andere verordneten „Arsenik, vermischt mit Quecksilber"; noch andere empfahlen das Auflegen eines Säckchens mit Basilienkraut, Seerose und Aloepulver. Man glaubte allgemein, daß starke Düfte die Krankheit vertrieben; viele Leute hielten sich stark riechende Ziegenböcke oder trugen halbverfaulte Krebse bei sich, in dem Glauben, daß „der Ge­stank die schlechte Luft verhinderte, sich den Kleidungsstücken zu nähern." Auch die Aerzte besuchten die Kranken erst, nach­dem sie sich duftende Kräuter in den Mund gesteckt hatten.

Humoristisches.

Unverständlich. Onkel: „Ich habe nie in meinem ganzen Leben gepumpt." — Neffe: „Aber Onkel, von was hast Du denn nachher gelebt?"

Abkühlung. Soldat (in der Küche bei seiner Liebsten): „Ach, Nieke, ick jlühe vor Liebe!" — Köchin: „Dann setz' Dir man erst mal uff'n Eisschrank."

Das Höchste. Postsekretär (der von seiner Reise nach Italien erzählt): „. . . . und ein Himmel! so blau ... so blau, wie ein . . . Reichspostbriefkasten!"

Grenzen. Dame: „Mein Herr, Sie wagten mich zu umarmen, beobachten Sie doch die Grenzen des Anstandes." — Herr: „Aber meine Liebe zu Ihnen kennt kein: Grenzen."