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17, Juli __

Drahtnachrichten.

Französische Flottenmanöver.

Marseille, 17. Juli. Das Programm der Flotten- Manöver ist um eine wichtige Aufgabe verlängert worden. Es handelt sich um ein Bombardement Ajaccios auf Corsica und den Versuch, die Stadt einzunehmen. Die Stadt wird nur von ihrer gewöhnlichen Garnison, bestehend aus einem Bataillon Infanterie und zwei Batterien Artillerie, vertheidigt werden. Das Manöver wird als so wichtig betrachtet, daß demselben die Minister Waldeck-Rousseau, Lanessan und Andre beiwohnen werden. Auch Locroy, der frühere Marineminister, wird anwesend sein. Das Unterseeboot „Gustave Zede" wird auch hier eine wichtige Rolle spielen.

Frankreich und Marokko.

Paris, 16. Juli. Der „Figaro" meldet, daß die Ver­handlungen zwischen der französischen Regierung und der marokkanischen Gesandtschaft bezüglich des Abschlusses eines Handelsübereinkommens, das mit dem zwischen England und Marokko getroffenen Uebereinkommen identisch ist, zum Ziele geführt hätten. Gegenwärtig fänden zwischen dem Ministerium des Aeußern und dem Führer der Gesandtschaft Besprechungen statt, die die Maßnahmen betreffen, durch die die Einfälle marrokkanischer Nomadenstämme in Algerien verhindert wer­den sollen.

Paris, 16. Juli. „Figaro" erfahrt, die Regierung habe mit der außerordentlichen marokkanischen Gesandtschaft einen Handelsvertrag abgeschlossen, der Frankreich dieselben Bedingungen zugestehe wie England, und sie verhandle wegen eines zweiten Vertrags über Bürgschaften gegen Grenzver­letzungen marokkanischer Stämme oder, mit anderen Worten, über eine Berechtigung Frankreichs, nach Belieben auf marrokkanisches Gebiet überzutreten, um Eingeborenenstämme zu verfolgen, nach Bedarf zu züchtigen, wohl auch dauernd mittelst befestigter Beobachtungsposten zu überwachen.

Die Straf-Expedition des „Cormoran".

Berlin, 16. Juli. Der in Herbertshöhe im Bismarck- Archipel eingetroffene Kreuzer „Cormoran" führt jetzt die Straf-Expedition gegen die Matthias-Eiländer wegen der Er-, mordung des Forschungsreisenden Mencke-Hannover aus.

Aus China.

Berlin, 17. Juli. Ueber die Absichten Rußlands be­züglich der Mandschurei erfährt nach einer Petersburger Drahtung der „Berliner Neuesten Nachrichten" ein der Prä- ventiv-Censur unterworfenes russisches Blatt, in Peking be­haupte sich hartnäckig das Gerücht, Rußland habe China mit- getheilt, es werde die Mandschurei nur zurückgeben, wenn es dafür einen größeren an das Gebiet von Semipalatinsk gren­zenden Bezirk und einen an den Hindukusch stoßenden größeren Theil des westlichen Tibet erhalte. Rußland habe außerdem noch andere Forderungen gestellt, welche aber nicht die Her- 'gabe an Land betreffen.

Shanghai, 16. Juli. Prinz Tschun traf heute früh hier ein. Ein offizieller Empfang fand nicht statt.

Tientsin, 16. Juli. (Reutermeldung.) Der Befehl zum Abmarsch des dritten Bombay-Kavallerie-Regiments ist widerrufcn worden. Die hier verbleibende Garnison' wurde um etwa 1000 Mann verstärkt.

Bom Krieg in Südafrika.

London, 16. Juli. (Unterhaus.) Auf eine An­frage erwidert Brodrick, die Meldung von der Zurückziehung eines großen Theiles der englischen Infanterie aus Südafrika und von der Aenderung der gegenwärtigen Art der Kriegs- führung entbehre jeder amtlichen Grundlage und sei ganz ungenau. Weitere Erklärungen könne er über den Gegenstand nicht abgeben.

Berlin, 17. Juli. Wie der „Lokal-Anzeiger" aus Lon­don meldet, werden über das Schicksal der buren­freundlichen Schrift stellerin Olive Schreiner, der Tochter des früheren Kapministers alarmircnde Nachrichten verbreitet. Nach einem Briefe, den die „Daily News" publi- ziren, wird sie in einem mit Draht umzäunten Lager gefangen gehalten. Die Wache hat Befehl, bei jedem Fluchtversuch Feuer zu geben. Sie lebt allein in einem Raum, für den sie be­zahlen muß, kocht für sich selbst und ist abends ohne Licht. Ihr Gatte hat nicht die Erlaubniß, sie zu besuchen. Nach anderen Nachrichten wird sie von allen Freunden isolirt in einer Stadt bewacht. Alle ihre Schriftstücke wurden verbrannt.

Brüffel, 17. Juli. . Dewet wird seine Konferenzen in Belgien fortsetzen und in Begleitung eines Advokaten sich zur Sicherheits-Polizei begeben, um dort Kenntniß von der Mit­theilung zu nehmen, welche ihm vor einigen Tagen anläßlich der bmenfeindlichen Kundgebungen in Brüssel und Gent von der Polizei angekündigt worden war.

Demonstrationen Arbeitsloser.

Berlin, 17. Juli. Nach Lemberger Meldungen dauern die Demonstrationen der Arbeitslosen fort. Die Straßen der inneren Stadt machen den Eindruck eines Feldlagers. Die öffentlichen Plätze sind militärisch besetzt. Militär-Patrouillen durchstreifen, begleitet von Polizei-Kommandos, die Straßen. 400 Arbeitslose lagern vor dem städtischen Arbeits-Ver- mittelungs-Bureau und vor dem Korps-Kommando. Zwei Agitatoren, welche die Menge aufreizten, wurden verhaftet und auch sonst sind zahlreiche Verhaftungen erfolgt. Einige der Sistirten wurden ins Gerichtsgefängniß eingeliefert.

Ausstände.

Cagliari, 16. Juli. Das Personal der Gesellschaft der sardinischen Nebenbahnen ist zum Theil in den Aus­stand getreten, weil die Direktion auf die vor 3 Monaten ge­stellten Forderungen der Angestellten noch keine Antwort er­theilt hat. Der Ausstand beschränkt sich auf die Provinz Cagliari. Die Zahl der Ausständigen beträgt ungefähr 300. New-York, 16. Juli. Eine Depesche aus Wilesbarre (Pennsylvanien) meldet: Die Heizer in den hiesigen Bergwerks­distrikten legten die Arbeit nieder. Die meisten Minen sind gezwungen zu feiern. Die Zahl der dadurch Arbeitslosen wird auf 43 000 geschätzt.

— Mittwoch

Pittsburg, 17. Juli. Die Zahl der streikenden Ar­beiter in drei vom Ausstand betroffenen Stahlwerkgruppen des Landes umfaßt 74000 Arbeiter.

Manifest Lord Noseberh's.

London, 17. Juli. Lord Rosebery veröffentlicht ein Manifest als Antwort auf einen Brief, der ihm von 114 Mitgliedern der liberalen Partei zugesandt worden war mit dem Ersuchen, am 14. Juli in ihrer Versammlung eine Rede zu halten. Rosebery erklärt in dem Manifest, er habe 1896 die Leitung der liberalen Partei in der Erwartung aufge­geben, die Einheit der Partei dadurch zu stärken. Seit dieser Zeit habe er sich von der Partei ferngehalten, habe jedoch durch zahlreiche Gesellschaften immer mit den Liberalen Fühlung ge­habt. Rosebery spricht alsdann über den Krieg, welcher den Riß in der liberalen Partei verursachte. Er bezeichnet den Krieg, der um jeden Preis aufhören müsse, als eine Schmach und glaubt, daß England eine geschichtliche Krisis durchmache, welche einen unbegrenzten Einfluß auf seine Zukunft ausüben kann. Trotzdem kann es einer starken und nachdrücklichen Opposition gelingen, ihren Einfluß an den schwankenden Rath­schlägen des Landes geltend zu machen.

London, 17. Juli. Sämmtliche Morgenblätter kommen- tiren das Manifest Rosebery's. „Daily Chronicle" erklärt, dasselbe liefere den Beweis von der Nothwendigkeit der Bildung einer neuen Partei. „Daily Telegraph" sagt, Rosebery hat, indem er sich von der liberalen Partei los sagte, das Urtheil über die beiden Flügel der Partei abgegeben. Dieses Urtheil lautet, daß nicht eine bedeutungslose Frage die Ursache der Spaltung der Partei sei, sondern daß es sich um eine Prin­zipienfrage handle. „Morning Leader" erklärt, Rosebery habe einen großen Fehler begangen, und die Möglichkeit eines Sieges der liberalen Partei in ihrem Bemühen, das Blutver­gießen in Südafrika zu beenden, noch schwieriger gestaltet.

Erntebericht.

Washington, 16. Juli. Wochenbericht über den Stand des Mais: In den großen Maisstaaten des Centrums hat sich der Stand wesentlich verschlechtert. Im westlichen Theil des Maisgebietes, besonders in Missouri, Nebraska, Kansas und Eklahoma hat der Stand sich nicht gebessert. Hier kann aber bei bald eintretendem Regen noch eine gute Ernte er­wartet werden. Die Winterweizenernte ist ziemlich beendet.

Explosion in einer Pulverfabrik.

Nora, 16. Juli. Gestern Nachmittag ereignete sich eine heftige Explosion in der eine halbe Meile von hier gelegenen Pulverfabrik Gyttong. Sieben Gebäude flogen in die Luft. 4 Personen würd en gelobtet, 5 leicht verletzt. Der Wald in der Nähe der Fabrik fing Feuer.

Absturz.

München, 16. Juli. Die „Münch. Neuesten Nachr." melden aus Griesen: Der Hamburger Kapellmeister Schworm- städt nebst Frau verirrten sich am 15. Juli auf dem Wege über Thoerlen am Eibsee und mußten die Nacht im Freien zubringen. Schwormstädt stürzte ab und erlitt starke Kopf­wunden, scheinbar auch innere Verletzungen.

Tumulte.

Osan, 17. Juli. Max Regis wurde auf dem Wege zum Kasino durch einen Messerstich im Nacken verwundet. Der Angreifer wurde verhaftet. Infolge des Anschlages kam es zu Tumulten, wobei 30 Personen sestgenommen wurden, dar­unter Louis Regis.

Von der Trebertrocknungs-Gefellfchast.

Caffel, 17. Juli. Die Konkursverwaltung der Treber- trocknungs-Gesellschaft gibt heute im Einverständniß mit der Konkursverwaltung der Leipziger Bank bekannt, daß die ^vor­läufige Wetterführung der Betriebe der Trebertrocknungs-Ge- sellschaft heute beschlossen wurde.

Bübischer Anschlag.

Berlin, 17. Juli. Die Morgenblätter melden aus Köln: Ein Zug der Vorgebirgsbahn ist bei Roisdors durch schwere Steine, die von Bubenhand auf die Schienen gewälzt sind, gestern zum Entgleisen gebracht. Der Heizer wurde sehr schwer, mehrere Passagiere leicht verletzt. Die Lokomotive ist stark beschädigt.

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Berlin, 17. Juli. Ueber dieKrankheit des Prin­zen Heinrich von Orleans meldet der „Lokal-An­zeiger"^ aus Paris, daß der Prinz, als er die französische Hauptstadt verließ, schon bedenklich leberleidend war. Die Krankheit machte in (Kambodscha, wohin er mit seinem Freunde Luigt sich kegeben hatte, weitere Fortschritte. Gegenwärtig be­findet sich der Prinz in Saigon.

Berlin, 17. Juli. Während der „Vossischen Zeitung" aus Belgrad telegraphirt wird, das serbische Königspaar reise morgen in die Sommerfrische nach Sementria, verbleibe da­selbst bis zum 28. August a. St. und fahre dann direkt auf dem Donauwege nach Rußland, veröffentlichen die „Berliner Neuesten Nachrichten" eine Petersburger Depesche, daß nach der Versicherung autoritativer russischer Stellen kein Besuch in Petersburg im Laufe des September zu erwarten sei.

Berlin, 17. Juli. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge verzeichnet ein Pariser Blatt das Gerücht, Frau Olzowska, welche auf den Minister Baudin schoß besitze wichtige Papiere und könne unbequeme Enthüllungen machen.

Caffel, 16. Juli. Die Kaiserin ist um 12 Uhr nachts in Wilhelmshöbe angekommen.

Wilhelmshöhe, 17. Juli. Prinz Joachim und Prin­zessin Victoria Luise sind heute Vormittag < Uhr hier einge- troffen.

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Schiffsbericht.

Hamburg, 13. Juli. Der Dampfer „Brisgavia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Baltimore und der Dampfer „Cheruskia" vorgestern in St. Thomas ein getroffen.

Bremen, 13. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Friedrich der Große" ist gestern in New-Aork und der Dampfer „Hannover" vorgestern in Baltimore eingetroffen.

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