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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches GrZan für Stadt- vnd Landkreis Hanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 163 Bezirks Fernsprechanschlnß Nr. 98.

Dienstag den 16. Juli

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Bczirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. 1901

Amtliches.

Landkreis Danau.

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

Bekanntmachung.

a) Das Gesetz, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen vom 31. Mai 1901 be­zieht sich nur' auf diejenigen Invaliden, bei welchen Kriegsinvalidität anerkannt ist;

b) Empfänger von Unterstützungen auf Grund des Aller­höchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 und Empfänger von Veteranenbeihilfen auf Grund des Ge- Gesetzes vom 22. Mai 1895 werden von diesem Gesetze nicht betroffen;

c) Die auf Grund dieses Gesetzes zu gewährenden Pensions­zuschüsse werden zur Anweisung kommen, ohne daß es eines Antrages der Betreffenden bedarf;

d) Diejenigen Ganzinvaliden, deren jährliches Gesammt- einkommen aus den Jnvalidengebührnissen und sonstigen amtlichen sowie privaten Einnahmen an baarem Gelde und aus anderweiten Einkünften, wie Natural­bezüge, Wohnung und anderes nach dem durchschnitt­lichen Geldwerthe berechnet nicht den Betrag von 600 Mark erreicht, können bei dem Bezirksfeldwebel unter Angabe ihrer Einkommensverhältnisse die Be­willigung einer Alterszulage beantragen, sobald sie das 55. Lebensjahr vollendet haben, oder wenn sie vor diesem Zeitpunkte dauernd völlig erwerbsunfähig geworden sind.

Die Kriegsinvaliden haben baldigst den Militärpatz an das Bezirks-Kommando einzn- ,reichen.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, Vorstehendes wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt geben zu wollen.

Hanau, im Juni 1901.

Königliches Bezirks-Kommando.

Reimers,

Oberstleutnant z. D. und Bezirks-Kommandeur.

Die Herren Ortsvorstände werden angewiesen, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu ver­öffentlichen.

Hanau den 2. Juli 1901.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Feuilleton.

Zum 16. Juli 1866.

Das Einrücken der ersten preußischen Truppen in Hanau.

Alte Erinnerungen aus persönlichen Erlebnissen von G. R.

Am 16. Juli d. J. sind es 35 Jahre, daß die ersten preußischen Truppen in Hanau einrückten.

Nachdem die württembergische Division zwei Tage vor dem 16. Juli (Samstags) in aller Hast mit ihrem ganzen Train und Proviant bei Steinheim über den Main mittelst ihrer Pontons gesetzt hatten, da die Nachricht eingetroffen war, daß die verbündete österreichische Brigade von den Preußen bei Aschaffenburg geschlagen sei und Letztere auf Hanau los- marschirten.

In voller Panik rückten die biederen Schwaben in das Darmstädter Ländle ; den Schluß bildete der übliche lebende Proviant, schöne großbehörnte Ochsen, auf die sie sehr stolz waren.

In Hanau waren die Württemberger ca. 14 Tage ein­quartiert, es hat manche heitere Szene dabei gegeben, nament­lich, wenn öfters Alarm geschlagen und die ganze Division bald hier, bald dorthin ausrückte, um die damals verhaßten bösen Preußen zu suchen und ihnen eine Schlacht anzubieten, sie konnten den Feind aber niemals entdecken und kehrten jedesmal, ohne eine Kugel verschossen zu haben, friedlich in die Hanauer Garnison zurück. Dem guten Moscht (Aepfel- wein) haben sie dagegen, so lange sie hier lagen, wacker zu­gesprochen, die sämmtlichen Aepfelwein-Wirthschaften machten dabei ein hübsches Geschäft. In einer Holzhandlung am kleinen Main war so unaefähr die Kapelle eines württem-

Handelsregister.

1. Heute ist eingetragen:

a. Bei der Firma E. G. Zimmermann in Hanau: Die Prokura des Chemikers Anton Zimmermann in Hanau ist erloschen.

b. Bei der Firma Bernhd. Pfälher in Hanau : Der Ehefrau des Inhabers, Christine geb. Richter in Hanau, ist Prokura ertheilt.

e. Bei der Firma Chr. Kißling in Hanau : Nach­trägliche Eintragung: Die Gesellschaft hat am 1. Ok­tober 1895 begonnen.

2. Gelöscht sind folgende Firmen:

a. Gebrüder Ihm in Hanau.

b. Anton Zimmermann daselbst.

6. Emil Gerlach in Hanau.

Hanau den 11. Juli 1901.

Königliches Amtsgericht 5. 11561

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: Auf der Hochstädterlandstraße 1 Henkelkorb mir einem Säckchen.

Verloren: 1 silbergraues Täschchen mit Goldverzierung. 1 Portemonnaie mit einer Monatsfahrkarte Gelnhausen- Hanau Ost.

Zugelaufen: 1 rothes Wachtelhündchen w. Geschl. 1 junger, gelber, schottischer Schäferhund.

Vom Wasenmeister am 15. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Bastard mit rothen Abzeichen. 1 großer, grauer Metzgerhund, beide m. Geschl.

Hanau den 16. Juli 1901.

Hus Stadt und £and.

Hanau, 16. Juli.

G. Der Allgemeine Staats-Eisenbahnverein Hanau, welcher alle bei der Königl. Staats-Eisenbahn-Ver­waltung dahier beschäftigten Beamten und Arbeiter umfaßt, hielt sein diesjähriges S o m m e r f e st am 7. u. 14. d. Mts. zu Aschaffenburg in der Fasanerie ab. Die Königl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M., die den Bestrebungen des Vereins in jeder Weise entgegenkommt, hatte auch diesmal 2 Extrazüge, jeder für 1000 Erwachsene und 400 Kinder berechnet, zur Verfügung gestellt, welche an beiden Sonntagen die Vereinsmitglieder und deren Angehörige je zur Hälfte nach Aschaffenburg beförderten. An beiden Tagen waren die Züge bis zum letzten Plätzchen gefüllt und in fröhlicher Fahrt ging es unter den Klängen der 166er Jnfant.-Kapelle nach dem schönen Aschaffenburg. Die Lokomotiven und sämmtliche Wagen

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bergischen Infanterie-Regiments im Quartier; die Besitzer des Geschäfts hatten die mackeren Schwaben sehr gut behandelt und mit dem in ihrem Keller lagernden guten Stoff gehörig bewirthet; allein der Herr Kapellmeischter hatte einen großen Durscht, ebenso seine Janitscharen, und versuchten deshalb in den Keller einzudringen, um das edle Naß aus den Fässern zu trinken, was ihnen natürlich verweigert wurde und es kam daher zu argen Konflikten, zu deren Beilegung sogar der Re­gimentskommandeur einschreiten mußte. Im Ganzen haben sich die Schwabensöhne hier gut geführt, das muß man her­vorheben.

Nun kam der 16. Juli, es mar ein heißer und schwüler Sommertag, ein Montag, die ganze Bevölkerung sammt Stadtrath und Oberbürgermeister Cassian sahen dem Tage mit bangen Erwartungen entgegen; der Oberbürgermeister war dem kommandirenden General Manteuffel in einer Chaise entgegen gefahren, um den General ehrfurchtsvoll zu begrüßen und die Stadt Hanan seiner Gunst und Schonung zu empfehlen. Schon vormittags gegen 11 Uhr rückten die ersten Spitzen des Manteuffelschen Korps, eine Abtheilung Kürassiere, in die Stadt, vom Nürnbergerthor kommend, mit ihren gespannten Karabinern ein und machten am Westbahnhof Halt, wo sie auf das Kommando eines strammen, wettergebräunten Ritt­meisters von ihren Pferden absaßen und schnurstracks ging es in den Westbahnhof, in die damals recht primitiven Warte­säle, wo sie einen armen kranken Oesterreicher, der sein Gewehr bei sich trug, gefangen nahmen.

Es stand gerade ein nach Frankfurt bestimmter Personenzug zur Abfahrt bereit, welcher sofort von dem inzwischen einge- troffenen General v. Beyer mit Beschlag belegt wurde und sämmtliche Passagiere aussteigen mußten. Für den ganzen Tag waren die Züge für den Privatverkehr gesperrt und nur für Militärzüge benutzt, welche ganze Massen preußi cher Infanterie nach Frankfurt brachten, um den stark antipreußisch gestunten Frankfurtern eine Lektion zu ertheilen und eine Kriegs­kontribution von 2 Millionen Gulden aufzuerlegen.

der beiden Extrazüge waren in festlicher Weise mit Fahnen, Guirlanden und Tannengrün geschmückt. Der Durchmarsch des Vereins durch Aschaffenburg unter Vorantritt des Trommler- Korps der hiesigen freiwilligen Feuerwehr und der erwähnten Jnfant.-Kapelle hatte einen Theil der Bevölkerung Aschaffen­burgs in Bewegung gebracht. Bei solchem Anlaß kann man sehen, welch' enorme Anzahl von Menschen am hiesigen Platz das geflügelte Rad unter seinen gewaltigen Schwingen ver­einigt. Das Festprogramm wickelte sich an dem herrlich gelegenen Festplatz ohne Störung und in fröhlicher, unge­zwungener Stimmung ab. Viel dazu trug das bekannte Hanauer Sänger-Quartett bei, welches der Einladung des Vereins in liebenswürdiger Weise gefolgt war und durch vollendeten Vortrag mehrerer Lieder und Chöre die Feststim­mung belebte. Der Jugend war durch Arrangirung von Kinderspielen Rechnung getragen. Jedes Kind wurde mit einem hübschen Geschenke bedacht. Um 9.05 abends wurde die Rückreise angetreten und in Hanau gings noch mit Musik nach dem Bürgerbräu, wo man noch lange vergnügt beisammen blieb. Alle Anerkennung verdient die Leistung des Herrn Restaurateurs Balthasar Horlebein zu Fasanerie. Die Be- wirthung war ohne Tadel und' die Bedienung der großen Menschenzahl ging glatt und ohne Störung von Statten; ein Beweis, daß Herr Horlebein es versteht, auch bei den größern Verhältnissen zur Bedienung seiner Gäste die richtigen Dis­positionen zu treffen. Der Stoff der Aktienbrauerei Aschaffen­burg wurde allgemein gelobt.

* Ein großes Kellerfest findet morgen Abend auf derSchönen Aussicht" statt. Konzert der Ulanenkapelle, elektrische Beleuchtung des Kellers und andere Ueberraschungen sind vorgesehen.

* Zwei Bronzeplatten entwendete ein in der Fischer­straße wohnender Gelegenheitsarbeiter St. aus dem Metall­lagerraum einer dortigen Maschinenfabrik. Das gestohlene Gut versuchte St. an verschiedenen Stellen zu verkaufen. Den Diebstahl leugnete er, später gab er denselben, von der Kriminal­polizei in die Enge getrieben, zu und bezeichnete als Ort, an welchem er die Platten versteckt shabe, den Hof einer Restau­ration. An Ort und Stelle geführt, fand man denn auch hinter einem dort stehenden Wagen die Platten, die die bestohlene Firma als ihr Eigenthum erkannte, richtig vor.

* Eine folgenschwere Karambolage ereignete sich gestern Abend gegen 7 Uhr zwischen dem Forsthaus und Niederrodenbach. Zwei entgegenkommende Radfahrer, ein Hanauer Metzger und ein Puloerhilfsarbeiter aus Nieder­rodenbach, fuhren mit ihren Maschinen ineinander, da der eine der Radfahrer jedenfalls falsch ausgewichen war. Beide Rad­fahrer kamen zu Falle und waren bewußtlos. Beide wurden auch per Wagen in ihre Heimathsorte überführt.

Inzwischen waren ganze Schwadronen Kürassiere, Dragoner und Husaren gefolgt, welche alle fürchterlich aussahen, von Staub beschmutzt, zerrissenen Uniformen, zerschossenen Kürassen und Helmen; sie ritten sämmtlich die Philippsruher Allee ent­lang, über Kesselstadt, Dörnigheim nach dem glücklichen Frank­furt, um sich dorten von des Krieges Strapazen vorerst Ruhe zu gönnen.

Unsere Stadt war mittlerweile zu einem Kriegslager umge­wandelt, am Neustädter Markt, Paradeplatz und Französischen Allee wimmelte alles von den gefürchteten Preußen, meistens Infanterie. Die Einquartierung wurde kurzer Hand von den Leutnants kompagnienweise vorgenommen, in der Weise, daß die Soldaten vor die Häuser postirt und nach Zahl der Fenster, an dem Tage, dem 16.Juli, vorerst nur zum Mittag­essen, bei den Einwohnern einquartiert wurden. Ich selbst hatte als kaum verheiratheter junger Mann drei Mann zum Mittags- tisch, einen Westfalen und zwei Berliner Jungen, da wurde nicht lange gefragt, sie traten ganz anständig, aber siegesbe­wußt, auf und hatten einen guten Appetit.

Es war ein Durcheinander in der Stadt, besonders war das Einquartierungsamt fortwährend bestürmt, weil sich die meisten Bürger über zu starke Einquartierung beschwerten, jeder glaubte, zu viel Mann bekommen zu haben; die Emquar- tierungskommission hatte alle Hände voll zu thun. Die am 16. Juli eingerückten Truppen zogen schon zum großen eheste nachmittags nach Frankfurt ab und freuten sich alle riesig, oie Geldstadt kennen zu lernen. Jm Allgemeinen waren nur wenig Ausschreitungen bei den preußischen Jnvasionstruppen in Hanau vorgekommen, trotzdem die Einquartierung ca. zwei Monate von nachrückenden Truppen der Preußen hier andauerte.

Die Hanauer waren sehr bald mit denbösen" Preußen einig und die vor der Invasion ausgestandene Furcht war längst vergessen. Die vergrabenen Schätze konnten ruhig wieder heroorgeholt werden. Denn die Furcht, besonders der reichen Leute, um ihren Besitz war sehr groß, das habe